Universität Passau
WS 1999 / 2000
Proseminar ,,Einführung in die Landeskunde Italiens"
Referent: Thomas Strobel
am 11. Januar 2000
La 'questione meridionale'
Die Nord-Süd-Problematik in der Gegenwart
Inhaltsverzeichnis:
Seite
A Einleitung ... 2
B Hauptteil ... 3
1. Zum Begriff des ,,Mezzogiorno" ... 3
2. Ursachen der ,,questione meridionale" ... 3
3. Regionale Disparitäten der wirtschaftlichen und sozialen Struktur ... 5
4. Die Phasen der Mezzogiorno-Politik nach 1950 ... 7
5. Aktuelle Entwicklungen und Probleme ... 10
C Zusammenfassung ... 11
D Anmerkungen ... 11
E Anhang ... 12
F Literaturverzeichnis ... 13
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A Einleitung
,,La questione meridionale (...) ha continuato a condizionare e anche a intossicare la vita
del Paese"
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so die beiden Schriftsteller und Journalisten Indro Montanelli und Mario
Cervi über die italienische Nord-Süd-Problematik.
Was ist jedoch unter der sogenannten ,,Südfrage" Italiens zu verstehen? Kann ein
präziser Zeitpunkt ihrer Entstehung festgesetzt werden? Worin sind ihre Ursachen zu
sehen?
In der vorliegenden Arbeit soll ein Schwerpunkt auf die Darstellung der regionalen
Ungleichgewichte in Italien gesetzt werden, der eine Untersuchung zu den seit dem Jahr
1950 seitens der Politik ergriffenen Maßnahmen, eingeleitet durch die Gründung der
,,Cassa per il Mezzogiorno", zum Abbau des Nord-Süd-Gefälles folgen soll.
Auf die eigentlichen geschichtlichen Ursprünge des Problems, mit der Gründung des
italienischen Nationalstaates 1861/1870, und die zu diesem Zeitpunkt aufgrund
unzureichender Kenntnisse begangenen Fehleinschätzungen der Lage des Südens, kann
im Rahmen dieser Abhandlung nicht eingegangen werden. Der voreilige Anschluß des
Südens der Penisola, ohne vorausgehende Befragung der südlichen Bevölkerung, sowie
die in der Folge zunehmende Anhäufung politischer Versäumnisse, die mit der Zeit des
Faschismus der in der ,,questione meridionale" kein zentrales Problem sah
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in eine
gänzliche Ignorierung der bestehenden Tatsachen mündet, trugen gleichermaßen zu
einer äußerst schwierigen Lage bei, der es schließlich nach dem Zweiten Weltkrieg zu
entgegnen galt.
Nach einer Abgrenzung des Begriffs des ,,Mezzogiorno" und einer anschließenden
Ausführung über mögliche Ursachen der ,,questione meridionale" nach Meinung der
Meridionalisten, soll im Folgenden versucht werden, die regionalen Disparitäten in den
wirtschaftlichen und sozialen Strukturen Italiens sowie das Vorgehen gegen derartige
Mißverhältnisse im Rahmen der Mezzogiorno-Politik nach 1950 aufzuzeigen. Es gilt,
die Entwicklung der ,,questione meridionale" die bedeutende Intellektuelle Italiens
über lange Zeit hinweg beschäftigt hat und immer noch beschäftigt , nach ihrer
langwährenden, weitgehend bewußten Mißachtung, seit dem Beginn der Schaffung
außerordentlicher Maßnahmen gegen Ende des Wiederaufbaus der Nachkriegszeit,
aufzuzeigen. Schließlich sollen aktuelle Probleme bzw. die Verlagerung der
Schwerpunkte innerhalb des Problemkomplexes angesprochen werden.
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B Hauptteil
1. Zum Begriff des ,,Mezzogiorno"
Die Bezeichnung ,,Mezzogiorno", die synonym für das ,,südliche wirtschaftlich,
sozial, kulturell und politisch unterentwickelte Italien"
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gebraucht wird, entstand wohl
aus der Perspektive der Norditaliener; liegt doch Süditalien aus deren Sicht dort, wo die
Sonne zu Mittag (= Mezzogiorno) steht.
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Zum ,,Mezzogiorno" zählen die Regionen Abruzzen, Molise, Kampanien, Apulien,
Basilikata, Kalabrien, Sizilien und Sardinien
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bzw. ferner Teile der Regionen Latium
und Marken
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.
Es handelt sich hierbei um ein geomorphologisch heterogenes Territorium, das sowohl
unzugängliche Berggebiete beispielsweise in Süd-Kampanien und Kalabrien, als auch
weite und fruchtbare Niederungen in Apulien und der Basilikata umfaßt. Auch im
Hinblick auf die im genannten Gebiet repräsentierten Ethnien und Kulturen ist das
Gebiet keineswegs einheitlich. Die Ethnien der Sarden und Sizilianer sind eigenständig,
während sich auf dem Festland albanische, franco-provenzalische und okzitanische
Minderheiten in Kalabrien und Apulien sowie eine starke griechisch-sprachige Gruppe
um Reggio di Calabria finden.
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Im ,,Mezzogiorno" leben auf einer Fläche von ca. 123.000 km² - was prozentual 40,8%
der Gesamtfläche Italiens entspricht - rund 21,2 Millionen Menschen, die somit
anteilmäßig 36,7% der Gesamtbevölkerung stellen.
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Wie eingangs bereits erwähnt, ist der Name ,,Mezzogiorno" gleichbedeutend mit einem
stark unterentwickelten Gebiet Italiens geworden. Die sehr ausgeprägten Diskrepanzen
zwischen Nord- und Süditalien haben sich jedoch seit 1950, nicht zuletzt durch eine
aktive, wenn auch mit zahlreichen Fehlern behaftete Mezzogiorno-Politik, vermindert.
Das Süditalien-Problem hat jedoch auch übernationale, europäische Bedeutung, bedenkt
man, daß es Ursprung erheblicher Migrationen war und ist, die insbesondere an den
Ländern Zentraleuropas nicht spurlos vorübergegangen sind.
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2. Ursachen der ,,questione meridionale"
Erklärungsversuche für die möglichen Ursachen des Problems, das den Einheitsstaat
Italien praktisch seit seiner Gründung begleitet, wurden viele unternommen. Sie
erwiesen sich bald als äußerst vielschichtig. So geben die Meridionalisten - eine Gruppe
von Wissenschaftlern und Politikern, die sich durch den Kampf für eine umfassende
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