Gliederung
I. Einleitung
II. Freuds Stil anhand von Der Dichter und das Phantasieren
1. Stil und Stilanalyse
1.1 Zur Problematik der Stildefinition
1.2 Wissenschaftlicher Stil
2. Besonderheiten des Freud’schen Stils
2.1 Freud: Wissenschaftler oder Künstler?
2.2 Einflüsse auf Freuds Stil
2.3 Freuds Stil
2.3.1 Form
2.3.2 Funktion
2.3.3 Wirkung
3. Stilistische Analyse Der Dichter und das Phantasieren
3.1 Form
3.2 Funktion
3.3 Wirkung
4. Literatur und Psychoanalyse
4.1 Freuds Reflexionen zur Textproduktion
4.2 Psychoanalyse als Hermeneutik
4.3 Psychoanalyse als Literaturanalyse
4.4 Einfluss der Literatur auf Freuds Theorien
4.5 Mimetische Struktur von Der Dichter und das Phantasieren
III. Schluss
IV. Literaturverzeichnis
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WS = Schönau, Walter: Sigmund Freuds Prosa. Literarische Elemente seines Stils. Stuttgart: Metzler 1968.
1. Stil und Stilanalyse 1.1 Zur Problematik der Stildefinition
In der antiken Rhetorik, in der der Begriff des Stils aufkam, herrschte ein normatives Verständnis des Konzepts vor. Für die vorliegende Arbeit wird die Methode der deskriptiven Stilistik verwandt.
Auch in der Antike waren Ansätze eines individualistischen Stil-Verständnisses vor-handen, denen zufolge der Stil, im Besonderen der des Briefes, als Bild der eigenen Seele (imago animi) zu verstehen sei. Ähnliche Ansätze finden sich in der Romantik, bei-
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spielhaft sei hier Buffons Bonmot „le style est l’homme meme“ und Wordsworths Bezeichnung des Stils als „incarnation of the thought“ 2 genannt. In den Sprachwissenschaften sind besonders die Arbeiten von L. Spitzer hervorzuheben, einem der Pioniere der sprachwissenschaftlichen Stilanalyse. Die neuere linguistische Stilistik zeigt sich jedoch zunehmend skeptischer gegenüber einer hermeneutischen Vereinnahmung ihrer empirischen Resultate.
Im 20. Jh. verschiebt sich analog zu den Entwicklungen in der Philosophie das Interesse zunehmend von den Denkinhalten zu den Denkstilen als argumentative modi operandi. Der Mental-Stil (cognitive style) 3 als distinktive Wiedergabe individuellen Bewusstseins gewinnt an Beachtung. 4
Als zentrales Kennzeichen der Stilistik gilt die Konzentration auf Oberflächenphänomene. Inwiefern diese Rückschlüsse auf den Inhalt eines Textes zulassen, ist ähnlich streitbar wie die Beziehung manifester und latenter Gedanken in Freuds Traumdeutung.
Stilistik wird definiert als die „Analyse ästhetischer Wirkung“ 5 oder, in der integrativen Stiltheorie, als das „Resultat aus der Auswahl des Autors aus den konkurrierenden Möglichkeiten des Sprachsystems und der Restituierung durch den textrezipierenden Leser/Hörer“ 6 . Rezeptionsästhetische Aspekte spielen demzufolge eine entscheidende Rolle. Auch scheint mir die Gleichbehandlung von Lesern und Hörern vor allem in Freuds speziellem Fall als sehr sinnvoll, da in Freuds Werk die Kategorien Schrei-ben/Vortragen schwer zu trennen sind. 7
Ziel einer hermeneutisch konzipierten Analyse ist es, mikrostilistische Besonderheiten (im Sinne der Deviationsstilistik: Verletzung sprachlicher Normen) auf einen größeren Zusammenhang zu übertragen. Im Allgemeinen wird hierbei metonymisch verfahren, d.h. leitmotivische Einzelelemente werden als repräsentativ für den Kontext erachtet. Da in der heutigen Literaturwissenschaft sowohl der Sinn einer klassischen Hermeneutik, als auch die Gültigkeit (oder gar Existenz) von sprachlichen Normen in Frage gestellt wird, leuchtet es ein, dass in jüngerer Zeit wenige stilkritische Arbeiten vorgelegt wurden.
Arbeit zitieren:
Eva Schlör, 2007, "Dazwischen" - Freuds Stil und der Essay "Der Dichter und das Phantasieren", München, GRIN Verlag GmbH
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