Gliederung
I. Einleitung 2
II. Die Kulturelle Stilforschung und deren Anwendungsmöglichkeiten
in der Interkulturellen Kommunikation
1. Kultureller Stil 2
1.1 Stilbegriff 2
1.2 Definition: Kultureller Stil 3
2. Arbeiten zum Kulturellen Stil 5
2.1 Kognitiver Stil 5
2.2 Lernstilforschung: Christoph Barmeyer 8
2.3 Intellektueller Stil: Johan Galtung 10
2.4 Wirtschaftsstilforschung: Günther Ammon 12
2.5 Mögliche Ursachen und Einflüsse 13
2.5.1 Sozialisation 14
2.5.2 Sprache 15
2.5.3 Strukturanalogie 16
2.5.4 Macht 16
2.5.5 Soziale Milieus: Richard Münch 16
3. Relevanz des Stilbegriffs für die Interkulturelle Kommunikation 18
3.1 Der Stilbegriff 18
3.2 Stilforschung 18
3.2 Interdisziplinäres Vorgehen der Stilforschung 19
III. Schluss 20
IV. Literaturverzeichnis 22
1
I. Einleitung
Das große Potenzial der wissenschaftlichen Disziplin der Interkulturellen Kommunikation liegt zweifelsohne in der Möglichkeit, Verhalten zu erklären, vorherzusagen und dadurch die zwischenmenschliche Interaktion zu erleichtern. Dazu bedarf es neben einem generellen Verständnis von Kultur und Achtsamkeit im Umgang mit anderen Menschen einer gewissen Basis an empirischem Wissen, die nur durch Komplexitätsreduktion und damit Kategorisierung erreicht werden kann. Dass dies immer die Gefahr der Übergeneralisierung und Stereotypenbildung, bzw. -verstärkung mit sich bringt, darf dabei nicht vergessen werden. Ziel dieser Arbeit ist es, einen neuen Ansatz der makroanalytischen Kulturbeschreibung vorzustellen, den der „kulturellen Stile“. Der „kulturelle Stil“ fungiert in diesem Fall als Aggregat der verschiedenen Funktionalstile (Wirtschaftsstil, Lernstil, Kognitiver Stil, etc.). Die Autorin möchte speziell auf Johan Galtungs Essay „Struktur, Kultur und intellektueller Stil“, der vier intellektuelle Stile diskutiert, eingehen, die bisherige Bearbeitung des Themas in einigen wissenschaftlichen Disziplinen vorstellen und abschließend die Relevanz dieses Ansatzes für die Interkulturelle Kommunikation beleuchten.
Die Ausgangshypothese dieser Arbeit lautet, dass sich gesellschaftliche Werte auf verschiedenen Ebenen, u.a. der in diesem Fall relevanten Expressiven widerspiegeln.
II. Die Kulturelle Stilforschung und deren Anwendungsmöglichkeiten
in der Interkulturellen Kommunikation
1. Kultureller Stil
1.1 Stilbegriff
Seinen Ursprung hat der Stilbegriff im Lateinischen „stilus“, einer Bezeichnung für den Schreibgriffel. Der Terminus erfuhr im Laufe der Zeit eine Erweiterung von der „Art zu schreiben“ zur „Art etwas zu tun“. Im 15. Jh. wurde er ins Frühneuhochdeutsche entlehnt und ist seitdem hier gebräuchlich. 1
In der Kunstgeschichte gewann der Stilbegriff vor allem im 18. Jahrhundert an Relevanz. Seine Aufgabe ist es, verschiedene (zeitlich mehr oder weniger aufeinander folgende, oft auch überlappende) Epochen zu beschreiben. 2 Vom Gebiet der Kunst wurde der Stilbegriff dann auf Musik, Literatur und Sprache übertragen. Verwendet wird er zunehmend auch im Bezug auf Wirtschaftsstile (siehe hierzu 2.4), Lernstile (2.2), Managementstile, Politikstile, etc.
Eine erste globale Erklärung für individuelle Stilunterschiede erfolgte mit dem Begriff des ‚Mentalstils’, der 1977 in der englischsprachigen Psychologie (‚mind style’) und 1991 in der deutschsprachigen Psychologie geprägt wurde (Metzler 2004: 443).
Der Begriff des ‚Stils’ ist äußerst flexibel. Man bezeichnet damit Individualstile (Mikrostilanalyse) aber auch größere Kollektive erfassende Tendenzen wie z.B. Epochenstile, Nationalstile (Makrostile).
1.2 Definition: Kultureller Stil
Sowohl der Stilbegriff als auch der Kulturbegriff bereiten fortdauernd Definitionsschwierigkeiten und verfangen sich in Widersprüchen. Eine Definition des „kulturellen Stils“ bedeutet demzufolge eine Potenz der Schwierigkeiten. Dennoch sollen einige Versuche genannt werden.
Eigenheiten des kulturellen Stils „prägen die Art und Weise der Wahrnehmung der in einem solchen Kontext sozialisierten Ethnienmitglieder und reproduzieren sich auf diesem Weg mit entsprechenden Modifikationen als Konstituenten neuer Handlungen.“ (Bolten 2001: 134)
Alfred Müller-Armack, ein deutscher Nationalökonom (siehe 2.2), definiert Stil (allgemein) als „die in den verschiedenen Lebensgebieten einer Zeit sichtbare Einheit des Ausdrucks und der Haltung.“ (Müller-Armack 1981: 57) Oft wird auch die historische Komponente betont, so zeichnen sich laut Habermas (1981) kulturelle Stilmerkmale als Reflektoren des kulturellen Wissensvorrates aus und - in Assmanns Worten (2000) - als jene des kulturellen Gedächtnisses.
Dieser Arbeit liegt der erweiterte Stilbegriff nach Barmeyer zugrunde: „Stil bezeichnet die konkreten menschlichen Ausdrucks-, Darstellungs- und Handlungsweisen, die durch charakteristische Merkmale geprägt sind. Stil ist der Prozess menschlicher Aktivität, die nach bestimmten Mustern abläuft und innerhalb von Gruppen und Gesellschaften eine gewisse Homogenität aufweißt. Stil hat in Kommunikations- und Interaktionsprozessen folglich eine Ordnungsfunktion und umfasst sowohl strukturelle als auch semantische Merkmale. Stil wird also verstanden als Manifestation bestimmter konstanter oder regelmäßig wiederkehrender Merkmale und Eigenarten von Personen eines kulturellen Systems. Sie werden in den verschiedenen Bereichen jedoch nicht bewusst produziert, sondern stellen eher Selbstverständlichkeiten dar.“ (Barmeyer 2000: 140)
Analog zum Kulturbegriff soll der Stilbegriff jedoch keine Determiniertheit menschlichen Handelns suggerieren. Jedes Individuum besitzt die Möglichkeit eine große Variation von Verhaltensmustern zu realisieren:
„Style is a replication of patterning, whether in human behavior or in the artifacts produced by human behavior, that results from a series of choices made within some set of constraints.“ (Meyer 1979: 3)
Verschiedene Autoren (Ammon: 165, Bolten: 135) weisen darauf hin, dass ‚kulturelle Stile’ durchaus auch als „kommunikative Stile“ verstanden werden können. Eine solche Bezeichnung sei zulässig, da Kulturen Kommunikationsprodukte seien, sich in Kommunikation manifestieren und daher nur über die Analyse von Kommunikationsprodukten (im weitesten Sinne) erschließbar seien.
Trotz der semantischen Nähe von Stil- und Kulturbegriff sind die beiden dennoch nicht beliebig austauschbar. „Stil“ besitzt in größerem Maße als „Kultur“ ein aktivsichtbares, individuelles Element und verweist damit mehr auf Praktiken und Artefakte als „Kultur“, die sich eher in Werten und Grundannahmen niederschlägt. 3 Die charakteristische Besonderheit des Stils ist die Expressivität. Nicht dass eine Handlung vollzogen wird, ist von Interesse, sondern auf welche Art und Weise und mit welchen Mitteln dies geschieht. (vgl. Barmeyer 2000: 143f)
2. Arbeiten zum Kulturellen Stil
Neben den im Folgenden genannten Arbeitsfeldern der interkulturellen Stilforschung hat auch die interkulturelle Pragmatik als Teilgebiet der interkulturellen Linguistik etliche interessante Ergebnisse erbracht. Da dies den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde, muss ich jedoch auf eine genauere Schilderung verzichten. 4
Alle im Folgenden vorgestellten Funktionalstile setzen sich zu unterschiedlichen Teilen aus ererbten und erlernten Faktoren zusammen. Ich nehme an, dass beispielsweise bei kognitiven Stilen mit höherer individueller Variation zu rechnen ist, als z.B. bei Wirtschaftsstilen, da letztere in stärkerem Maße von Bildungsinstitutionen vermittelt werden, während Denkmuster schon im frühkindlichen Alter geprägt werden.
Dass die Ergebnisse Barmeyers (vgl. 2.2) dennoch eine starke Korrelation von kulturellen Stilen und Lernstilen (auch hier ist große individuelle Variation zu erwarten, beginnt der Lernprozess doch spätestens bei der Geburt) ergeben, ist ein Hinweis darauf, dass sich individuelle Unterschiede in empirischen Studien über Gesamttendenzen ausgleichend aufheben. Grundvoraussetzung hierfür ist jedoch eine möglichst hohe Anzahl an Befragten (=n).
2.1 Kognitiver Stil
Der kognitive Stil besteht, wie schon erwähnt, zu erheblichen Teilen aus ererbten Fak-toren. Wie genau sich kognitive Stile entwickeln, darüber ist in der Literatur kaum etwas zu finden. Speziell der Anteil der Sozialisationskultur an dieser Entwicklung wäre ein spannendes Thema.
Schon bei der Terminologie „Kognitiver Stil“ (Cognitive Style) scheiden sich die Geister.
„...(Yet) there is a general consensus that cognitive style represents a superordinate construct which accounts for individual differences in a variety of cognitive, perceptual, and personality variables which influence the method of perceiving, organizing, and interpreting information.“ (Shade 1997: 63)
Arbeit zitieren:
Eva Schlör, 2007, Die Kulturelle Stilforschung und deren Anwendungsmöglichkeiten in der Interkulturellen Kommunikation, München, GRIN Verlag GmbH
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