Inhaltsverzeichnis
0. EINLEITUNG 3
1. DIE SICHT MARIENS AUS DER PERSPEKTIVE MARTIN LUTHERS 3
1.1 Die Sicht Mariens in den synoptischen Evangelien 4
1.2 Maria im Urteil Luthers 5
2. MARIA IN DER EVANGELISCHEN THEOLOGIE DER GEGENWART 8
2.1 Mariologie in dialektischer und christozentrischer Theologie an den Thesen Karl Barths und
Emil Brunners 8
2.1.1 Karl Barth 8
2.1.2 Emil Brunner 8
2.2 Maria in der lutherischen Theologie 9
3. MARIA - MUTTER UND URBILD DER KIRCHE CHRISTI:
M ÖGLICHKEITEN EINER ÖKUMENISCHEN MARIENVEREHRUNG 12
4. FAZIT 14
5. LITERATURVERZEICHNIS 15
2
0 Einleitung
„Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala. Als Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zu seiner Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine
Mutter! Und von jener Stunde nahm sie der Jünger zu sich.“ 1 Dieses Zitat aus der Passionserzählung des Evangelisten Johannes sollte zur Generalüberschrift für die Stellung Mariens in der Ökumene unserer Zeit werden. Jesus gibt seine Mutter, auch wenn es den Anschein hat, dass er sie nicht sehr zu lieben scheint, einem anderen Menschen ans Herz. Sie soll von nun an mit Johannes, einer Art Bruder von Jesus, eine Gemeinschaft bilden. Leo Cardinal Scheffczyk interpretiert diese Stelle im Zusammenhang mit dem Thema „Die Glaubenszeugin“ folgendermaßen:
„Die tiefste Dunkelheit dieses Glaubens erfährt sie unter dem Kreuz des Sohnes. Aber gerade ihr Ausharren unter dem Kreuz (während die meisten Jünger geflohen waren) bedeutet zugleich eine entscheidende Wende dieses Glaubens von der Dunkelheit zum Licht und von der Last zum Trost; denn das Wort des sterbenden Sohnes an die Mutter, das sie zur geistig-universalen Mutterschaft gegenüber allen Jüngern und der glaubenden Kirche beruft, ist eine Bestätigung und
Erfüllung ihres Glaubens.“ 2
Diese Arbeit trägt den Titel „Maria - Mutter und Urbild der Kirche“. Es soll hier herausgearbeitet werden, welche Stellung Maria in den Kirchen und Glaubensgemeinschaften der Ökumene besitzt. Mein besonderes Augenmerk bezieht sich hierbei auf die Lutherische Glaubensgemeinschaft. In einem ersten Teil möchte ich einen Überblick über die Sicht Martin Luthers über Maria geben. Danach betrachten wir Maria in der evangelischen Theologie der Gegenwart. In einem abschließenden Fazit möchte ich Möglichkeiten aufzeigen, wie Maria gemeinsam als Mutter und Urbild der Kirche gesehen bzw. verehrt werden kann.
1. Die Sicht Mariens aus der Perspektive Martin Luthers
Wenn hier eine kurze Abhandlung von Luthers Sicht über Maria gegeben werden soll ist es von eminenter Bedeutung, dass das jeweilige Umfeld des zu Betrachtenden beachtet wird. Luther entstammte einem katholischen Umfeld und war Angehöriger des Au-gustinerordens. Während seiner Zeit als gläubiger Mensch und später als Mönch war für ihn die Verehrung der Mutter Jesu ein wichtiger Bezugspunkt in seiner Spiritualität. Bis zu seiner bedeutsamen Auslegung des Magnifikats betete er ca. „5500 mal im abendli-
1 Joh19,25-27.
2 Scheffzyk, Leo Card.: Maria - Mutter und Gefährtin Christi; S. 55.
3
chen Vespergottesdienst“ 3 dieses Gebet und „predigte mehrfach darüber“ 4 . In seinem Dienst als Priester musste sich auch Luther mit der Exegese biblischer Texte befassen. Im Folgenden möchte ich einen Blick auf die Mutter Jesu in den synoptischen Evangelien werfen.
1.1 Die Sicht Mariens in den synoptischen Evangelien
In den gesamten Schriften des NT wird der Name Maria gerade einmal 50-mal verwendet. Blicken wir auf das „Protoevangelium“ des Paulus und das erste kanonische Evangelium des Markus so fällt auf, dass beide kein Interesse an Maria zeigen. Paulus erwähnt in seinem Galaterbrief zwar die Geburt Jesu „aus einer Jungfrau“ 5 , gebraucht jedoch Mariens Namen nie. 6 Ähnlich ist dies bei Markus zu erkennen: das erste Evangelium beginnt nicht mit einer Kindheitsgeschichte, legt somit keinen Grundstock für eine Marienverehrung. 7 Folgendes Schaubild 8 soll die Situation des Markus verdeutlichen und eine Erklärung für sein Desinteresse geben:
Von einem „Antimarianismus“ 9 sollte jedoch nicht gesprochen werden, da, wie das obige Schema zeigt, die Entstehungsvoraussetzungen des Evangeliums nach Markus etwas anderes nicht zuließen.
Umgekehrt sieht es bei Matthäus aus. Im ersten Kapitel beschreibt er die Kindheitsgeschichte Jesu und die Bedeutung Mariens als Mutter. Jedoch spielt Maria hier eine eher passive Rolle, da Josef der aktiv Handelnde ist. 10 Dennoch kann auch hier nicht von „einer direkten Marienverehrung“ 11 gesprochen werden, wenn die Erwähnung der „jungfräulichen Empfängnis“ 12 nicht bewertet werden möchte.
3 Burger, Christoph: Marias Lied in Luthers Deutung. Der Kommentar zum Magnifikat aus den Jahren 1520/21. S. 1. (I.F. abgekürzt mit „Marias Lied“).
4 ebd.
5 Gal 4,4
6 vgl. Mußner, Franz: Die Mutter Jesu im Neuen Testament in: Maria - eine ökumenische Herausforderung. S. 9. (I.F. abgekürzt mit „Maria im NT“).
7 vgl. ebd. S. 13.
8 vgl. ebd.
9 ebd. S. 14.
10 vgl. ebd.
11 ebd.
12 ebd. S. 15.
4
Bei Lukas wird die Sache konkreter. Zehn Aspekte sind bei ihm zu „einer in der Urkirche beginnenden Marienverehrung und ´Mariologie`“ 13 zu erkennen: so bezeichnet er z. B. Maria als die Begnadete, als Mutter des Glaubens und Schmerzensmutter. So wird deutlich, dass sich mit der Entwicklung des Urchristentums auch allmählich die Stellung Mariens herauskristallisierte und ihren Höhepunkt im Theotokos-Dogma von Ephesus erlangte, der beweist, dass „gerade die Überzeugung von der jungfräulichen Geburt Jesu notwendig zur Marienverehrung“ 14 gehört. Wenn in einem Satz ausgedrückt werden müsste, wie Maria aus der Sicht der Evangelien zu sehen ist, könnte dies mit drei Schlagworten getan werden: „Maria als die exemplarisch Glaubende, Maria als ´Mutter Gottes` und Maria als Glied des Gottesvolkes“. 15
1.2 Maria im Urteil Luthers
Im Verlauf der Geschichte wurde aus katholischer Sicht nicht nur Abneigung gegen Luther gehegt; vielmehr wird er auch als Kronzeuge für eine Legitimation der katholischen Marienverehrung herangezogen. 16 Jedoch wird Luther von verschiedenen Seiten aus interpretiert. So deuten beide Konfessionen in der Zeit „der konfessionellen Restauration des 19. Jahrhunderts“ 17 Äußerungen Luthers über Maria zustimmend, da er gegen „ein Überwiegen von Marienfesten Stellung genommen“ 18 hat. Daher entwickelt sich aus dieser Sicht heraus, dass er nicht grundlegend gegen eine Verehrung Mariens war, das Negativum. So wird Luther im Folgenden gegen seine Nachfolger ausgespielt, wenn Joseph Lortz 19 schreibt: „[…] Und doch wurde in den folgenden Jahrhunderten dieser Verzicht, der doch ein Beweis christlicher Verarmung ist, innerhalb den protestantischen Kirchen so sehr durchgeführt, dass man sogar stolz darauf war.“ 20
Wie schon erwähnt, spielte für Luther die Marienfrömmigkeit von frühester Kindheit an eine wichtige Rolle, die seine eigenen Gebetserfahrungen von Beginn an prägten. 21 Noch lange nach seiner Abwendung von der römischen Kirche behielt er den Gebrauch des „Ave Maria“ und besonders des Magnifikats bei. Daraus lässt sich schließen, dass
13 ebd. S. 18 f.
14 ebd. S. 15.
15 ebd. S. 24 f.
16 vgl. Heintze, Gerhard: Maria im Urteil Luthers und in evangelischen Äußerungen der Gegenwart in: Maria - eine ökumenische Herausforderung, S. 59 f. (I.F. abgekürzt mit „Maria bei Luther“).
17 ebd. S. 60.
18 ebd.
19 Lortz, Jospeh: Die Reformation in Deutschland, S. 118.
20 Maria bei Luther, S. 60.
21 vgl. ebd. S. 61.
5
Arbeit zitieren:
Martin Baier, 2008, Maria - Mutter und Urbild der Kirche, München, GRIN Verlag GmbH
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