Inhaltsverzeichnis
1.0 Einleitung 03
2.0 Thematik, Theorien und These 05
2.1 Elite - Soziologie: Power Structure Research nach Hans Jürgen 05
Krysmanski
2.2 International Political Economy: Structural Power nach Susan Strange 07
2.3 These, Erkenntnisinteresse und Untersuchungsobjekt 09
3.0 Allgemeine historische Hintergründe zu Chile 11
3.1 Die Geschichte der Agrarpolitik 13
3.2 Untersuchungsobjekt: Agrarpolitik unter Eduardo Frei (1964 - 1970) 14
3.3 Untersuchungsobjekt: Agrarpolitik unter Salvador Allende (1970 - 1973) 19
3.4 Resümee und Analyse des Untersuchungsobjektes Agrarpolitik 22
4.0 Die Geschichte der Kupferpolitik 23
4.1 Untersuchungsobjekt: Kupferpolitik unter Eduardo Frei (1964 - 1970) 26
4.2 Untersuchungsobjekt: Kupferpolitik unter Salvador Allende (1970 - 1973) 29
4.3 Resümee und Analyse des Untersuchungsobjektes Kupferpolitik 39
5.0 Schlussfolgerung / Fazit 40
Ank ürzungsverzeichnis 02
Anmerkungen / Endnoten 43
Literaturverzeichnis 45
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Abkürzungsverzeichnis
ACMC= Anaconda Copper Mining Company ACM = Andes Copper Mining Company CC = Cerro Corporation
CdCA = Caja de Colonización Agrícola (Landwirtschaftliche Kolonisationskasse) CdCC = Compañía del Cobre Chuquicamata S.A. CdCS = Compañía del Cobre Salvador S.A. CEC = Compañía Exploradora Cordillera S.A. CECo. = Chile Exploration Company CMA = Compañía Minera Andina S.A. CME = Compañía Minera Exótica S. A.
CORA = Corporación de la Reforma Agraria (Körperschaft des öffentlichen Rechts der Agrarreform)
IBC = International Business Civilisation (Internationale Wirtschaftszivilisation) IDB = Inter-American Development Bank
IMF = International Monetary Fund (Internationale Währungsfonds) IPE = International Political Economy (Internationale Politische Ökonomie) KCC = Kennecott Copper Corporation
LDC = Least Developed Countries (am wenigsten entwickelte Länder oder Vierte Welt) PDC = Partido Demócrata Cristiano de Chile (Christlich-Demokratische Partei Chiles) PR = Partido Radical (Radikale Partei) PSR = Power Structure Research SMET = Sociedad Minera El Teniente S.A.
SNA = Sociedad Nacional de Agricultura (Nationale Agrargesellschaft der Landwirtschaft) TNC = Trans National Corporation (Transnationale Konzerne)
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1.0 Einleitung
„Gehe nicht, wohin der Weg führen mag, sondern dorthin, wo kein Weg ist, und hinterlasse eine Spur“ (Jean-Paul Friedrich Richter *1763 - †1825). Diese Worte beschreiben meiner Meinung nach den Weg, den Eduardo Frei und Salvador Allende mit ihren Zielen in der Agrar- und Kupferpolitik gegangen sind. In Chile, einem Land, welches durch die Kolonisation der Spanier seit dem 16. Jhd. geprägt wurde, versuchten beide einen gesellschaftlichen Wandel durch ehrgeizige Reformvorhaben zu realisieren. Immer wiederkehrende Schwierigkeiten in der Neuordnung der Agrar- und Kupferpolitik ließen sie von ihren Bemühungen nicht abbringen. Dabei bildete der parlamentarische Weg einer Gesetzes- und Verfassungsänderung nur einen Aspekt der politischen Auseinandersetzung. Auf der einen Seite versuchten politische Eliten aus Chile die Verabschiedung der Reformvorhaben zu verhindern. Auf der anderen bauten inter- sowie transnationale politische Eliten außenpolitischen Druck auf, um auf diese Weise die Reformvorhaben zu erschweren. Auch auf außerparlamentarischer Ebene wurden beide Präsidenten mit einer ablehnenden Haltung von Teileliten konfrontiert.
Woran lässt sich dieses Haltung der Eliten erklären? Befürchteten konservative Landherreneliten in der Agrarreform die Zerstörung ihrer gesellschaftlichen Stellung? Sahen hingegen wirtschaftliche Eliten ihr Kapital gefährdet?
In dieser Abschlussarbeit werde ich versuchen, die genaueren Umstände der Agrar- und Kupferpolitik zu beleuchten. Dabei soll der inhaltliche Teil der politischen Debatte aufgezeigt sowie die Planung der Umverteilung und ihre letztendliche Durchführung untersucht werden. Ebenso wie die Umstände näher erörtert werden sollen, werde ich auch die Ergebnisse der Agrar- und Kupferpolitik untersuchen. Entsprachen sie den gesetzten Erwartungen oder konnten nur Teil- oder Etappenziele erreicht werden? Im Kern dieser Arbeit geht es um nationale sowie inter- und transnationale Eliten und deren Möglichkeiten, Einfluss auf die Umverteilungspolitik zu nehmen. Es soll geklärt werden, inwieweit die Eliten bereit waren, die Konsequenzen ihres Handelns zu tragen. Waren sie sich über die möglichen Folgen im Klaren und bereit, für sie einzustehen oder stellten sie ihre Interessen über gesamtgesellschaftliche Ziele, sodass auch negative Konsequenzen für sie als eine notwendige Komponente betrachtet wurden?
Im Fokus der Analyse stehen die Verbindungen zwischen den einzelnen Teileliten im Hinblick auf ihre Kooperations- aber auch Konfliktbereitschaft. Inwieweit konnten also Teileliten ihre Interessen gegenüber anderen Teileliten durchsetzen? Und wo stießen sie an
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die Grenzen ihrer Einflussmöglichkeiten? Ebenso stellt sich die Frage, ob bestimmte Konstellationen von Teileliten eine übermächtige Verbindung darstellten, gegen die andere Teileliten machtlos waren. Stand es in ihrer Macht, die chilenische Reformpolitik nach ihren Interessenslagen zu steuern oder konnten sie diese nur geringfügig verändern?
2.0 Thematik, Theorien und These
2.1 Elite - Soziologie: Power Structure Research nach Hans Jürgen Krysmanski in der Tradition von C. Wright Mills
Zu einem der ersten und wichtigsten Vertreter zählt C. Wright Mills mit seinem Buch: The Power Elite (1956), in dem er die innere Machstruktur der USA beschreibt. Als Ansatzpunkt seiner Analyse wählte der Autor dabei die neuartigen Planungsstrategien und Reformen der Administration Franklin D. Roosevelt zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Waren bis zu dato noch wenige, reiche Familien in den einzelnen Bundesstaaten an den Schaltstellen der Macht, so konzentrierten sich diese zunehmend in einer entstandenen Washingtoner Bürokratie in Form von institutionellen Planungsstäben, welche nach politischer Mitbestimmung strebten. Ebenso spielen nach Meinung des Autors Konzerne, die politische Generalität und auch die Medien zunehmend eine wichtige Rolle (Mills 1962: 46ff.).
„Die Zentralisierung sämtlicher Macht- und Informationsmittel bringt es mit sich, daß einige wenige in unserer Gesellschaft bestimmte Positionen einnehmen, von denen aus sie auf die anderen herabsehen und die Alltagswelt der Durchschnittsmensche mit ihren Entscheidungen beeinflussen können“ (Mills 1962: 15).
Dabei betont der Autor besonders, dass es sich bei der Elite der Mächtigen nicht um „einsame Herrscher“ handelt, sondern um eine durch „Berufspolitiker der mittleren Machtsphäre“ fundamentierte Oberschicht (Mills 1962: 16). Er nimmt folgende Untergliederung vor: „An der Spitze jedes der drei erweiterten und zentralisierten Bereiche sind jene Führungsschichten entstanden, die die wirtschaftliche, politische und militärische Elite bilden“ (Mills 1962: 22).
Grundlegend als Elite oder zur Elite gehörend definiert der Autor diejenigen, die den größten Reichtum an Gütern, Geld und Macht besitzen, wodurch sie ihr hohes Ansehen erlangen. (vgl. Mills 1962: 22 - 24; Klöckner 2007: 23). In Chile, wie in einigen anderen Ländern Lateinamerikas, wird dem Militär eine ungewöhnliche und einzigartige Rolle eines
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Verfassungswächters beigemessen. In seiner eigen definierten Rolle zur „[...] inneren Verteidigung des Staates [...]“ kommt dem Militär eine Schlüsselposition als letzte exekutive Macht zu, zu welcher es sich selbst berufen fühlt (Mires 1975: 38ff.). Dies erklärt sich aus der Tatsache heraus, dass seine Stellung ihm die Möglichkeit einräumt „[…] Entscheidungen von größter Tragweite zu treffen […]“ (Mills 1962: 16; o.a. Hartmann 2002: 77). Aufbauend auf die deskriptive Analyse von Charles Wright Mills (1962) entwickelte Hans Jürgen Krysmanski (2004) das Ringmodell der Machteliten. Der Autor geht von einer Ringburg aus, welche in vier Segmente unterteilt ist (Krysmanski 2004: 50ff. & 57). Im Kern befinden sich die Superreichen, auch Geldelite genannt, welche sich durch ihre Reichtümer auszeichnen. Diese bilden die Quelle ihrer Macht und haben somit einen enormen Einfluss auf alle gesellschaftlichen Bereiche. Die Geldelite ist vornehmlich mit Kapitalverwertungsprozessen beschäftigt, wodurch sie nie in ernsthafte Gefahr gerät, ihre Machtposition einzubüßen. Im inneren Ring befinden sich die Konzerneliten oder Verwertungseliten. „Sie bestehen aus den Chief Executive Officers aus Industrie, Finanz und Militär, die gewissermaßen einen Schutzring um den Kern der Superreichen formen und mit ihnen gemeinsam den Komplex der Corporate Community/Upper Class […]“ bilden (ebd.: 51). In diesem Kreis kann es, aufgrund ökonomischer Interessen, zu Konflikten kommen, besonders zwischen den Vorständen von TNCs. Den nächsten Ring bilden die Verteilungseliten bzw. politische Eliten. Sie setzen sich aus allen Gruppen zusammen, die mit politics in Verbindung stehen. Diese Gruppe ist maßgeblich für den Zusammenhalt des ganzen Systems verantwortlich und bemüht sich zudem um ein Minimum an Verteilungsgerechtigkeit (vgl. ebd.: 58). Den äußeren Ring bildet die technokratische Elite, auch Wissensmacht genannt. Nach Meinung des Autors besteht dieser Ring aus einem Millionenheer von Helfern. Zu den Wichtigsten gehören Vertreter aus Wissenschaft, Medien, Kultur und Technik (vgl. ebd.: 60).
Alle vier Ringe dieses Modells bauen aufeinander auf und sind ebenso voneinander abhängig. Die Möglichkeit eines Wechsels der Protagonisten zwischen den Ringen ist prinzipiell gegeben, bildet jedoch eher die Ausnahme. In den Kern des Modells, also zur Geldelite, zu gelangen, ist quasi ausgeschlossen. Somit kann bei diesem Modell von einer Zentripetalkraft gesprochen werden, welche die einzelnen Ringe und deren Protagonisten in der Bahn hält (vgl. ebd.: 58).
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2.2 International Political Economy: Structural Power nach Susan Strange
„Die strikte Trennung von Ökonomie und Politik ist bei ihr ebenso aufgehoben wie die zwischen der nationalen und internationalen politischen Ökonomie“ - mit diesen Worten beschreibt Hans-Jürgen Bieling (2006: 382) treffend den besonderen Charakter des Strukturen Macht Ansatzes von Susan Strange (1988) in der IPE. Die Autorin geht dabei von zwei Arten der Macht aus die in der IPE vorherrschend sind. „Relational power, as conventionally described by realist writers of textbooks on international relations, ist he power of A to get to B to do something they would not otherwise do“ (Strange 1994: 24).
Diese Art von Macht sieht Strange (1988) jedoch nicht als eigentliche Gestaltungsoption in der IPE. Diese Rolle spricht sie strukturaler Macht zu:
„[…] the power to shape and determine the structures of the global political economy within which other states, their political institutions, their economic enterprises and (not least) theirs scientists and other professional people have to operate“ (Strange 1988: 24f).
Explizit weist die Strange (1988) darauf hin, dass sich strukturale Macht nicht nur auf die politische Ebene der IPE bezieht. Des Weiteren betont sie die schwierige Unterscheidung politischer und ökonomischer, aber auch ideologischer Dimensionen von strukturaler Macht (vgl. Strange 1988: 25; o.a. Bieling 2006: 387f.). Demzufolge ist ihrer Meinung nach „[…] structural power […] be found not in a single structure but in four separate distinguishable but related structures“ (Strange 1988: 26). Die security structure bildet dabei den Machtrahmen, bei dem es um „Schutz- und Abwehrmechanismen […] bzw. Vermeidung von Gewalt“ geht (Bieling 2006: 388). Den Sicherheitsbegriff legt die Autorin jedoch über nationalstaatliche und internationale Ebenen hinweg. Für sie zählen ebenso „[…] Umweltprobleme, Währungs-und Finanzmarktkrisen, Arbeitslosigkeit, Hungersnöte [und] (waffen-)technologische Entwicklungen […]“ dazu (Bieling 2006: 389; vgl. Strange 1988: 33f. et al.). Die Wichtigkeit der security structure stellt Strange (1988) nicht zwangsläufig an oberste Stelle. In Abhängigkeit von inneren und äußeren Gefahren oder bei drohender Gefahr (z.B. Terrorgefahr) nimmt diese einen höheren oder niedrigeren Rang ein. Dennoch stellt sie fest: „Security is, after all, the most basic of basic human needs. In fear of death, most human beings are ready to sacrifice wealth, to abandon social status or political position, and to accept injustice and the loss of freedom“ (Strange 1994: 45).
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Der production structure spricht Strange (1988) die „Schlüsselentscheidung“ über die „Verteilung ökonomischer Ressourcen“ zu (Bieling 2006: 389f.). Dabei können Veränderungen dieser ad hoc zu Irritationen in den Macht- und Klassenverhältnissen einer Gesellschaft führen. Wesentliche Änderungen auf internationaler Ebene sieht sie dabei in der Interaktion von Regierungen und Wirtschaft, welche durch Transnationalisierung von Macht-und Kontrollstrukturen hervorgerufen wird (vgl. Bieling 2006: 390; Strange 1988: 76ff.). Strange bezeichnet diese als „triangular diplomacy“, bei der einerseits zwischen Regierungen und TNKs und andererseits zwischen TNKs untereinander kommuniziert werden muss. In diesem Aktionsfeld wird der Kampf um Weltmarktanteile geführt, in dem die Produktion und Distribution der Waren den Bedingungen angepasst werden (vgl. Bieling 2006: 389f.). Zusammengefasst ergibt sich für Strange in der production structure die Frage: „[…] by whom and for whom, by what method and on what terms?“ (Strange 1988: 64). Die financial structure spiegelt die „Kontrollmacht über die Funktionsweise und Entwicklung der Ökonomie“ wieder (Bieling 2006: 391). Diese unterscheidet Strange (1988) in: „[…] two inseparable aspects […] the first the power to create credit is shared by Governments and banks […] the second, the exchange rates between the different moneys, or currencies, are determined by the policies of governments and by markets […]“ (Strange 1988: 90).
Besonders betont wird die eingeschränkte Handlungsmacht der nationalen Akteure, wie der Zentralbanken. Die äußeren transnationalen Einflüsse wirken sich durch die Globalisierung umso deutlicher auf alle Bereiche der financial structure aus. Demzufolge sind Regulationsmechanismen, z.B. zur Geldwertstabilität auf nationaler Ebene, meist wirkungslos, da diese durch exogene Faktoren der globalen Finanzmärkte erodiert würden (vgl. Strange 1988: 90ff.). Ein ebenso deutliches Augenmerk richtet die Autorin auf das internationale Kreditwesen, besonders auf die Worldbank und IMF. Die amerikanisch dominierte Finanzwelt ist vor allem für LDCs, welche die Kriterien kaum oder gar nicht erfüllen können, ein stetiges Wachstums- und Entwicklungshemmnis. „Credit is literally the lifeblood of a developed economy. Like blood in the human anatomy, mony in the predominate from of creditmoney has to reach and renewevery part of economie. It has to circulate regularly and reliably“ (Strange 1988: 91).
Somit stellt Strange (1988) eine entwickelte Finanzstruktur als notwendige Bedingung für Prosperität fest. Gleichzeitig weist sie aber auf den sozial zerstörerischen Effekt und die damit
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bedingte Instabilität in der IPE hin. Aus diesem Grund erhebt sie die Notwendigkeit politischer Kontrolle ins Zentrum der Kriterien für weltweite Kreditvergabe. Die knowledge structure wirkt auf den ersten Blick der IPE nicht zugehörig, Strange (1988) sieht in ihrer Verbreitung und Weitergabe jedoch eine bedeutende Machtquelle des Wissens und der Information. Eine besondere Schwierigkeit stellt die Erfassung dieser Struktur aus Kommunikationskanälen, wie z.B. Universitäten, Massenmedien und Elitennetzwerken dar (vgl. Strange, 1988: 119; Bieling 2006: 393f.). Denn die Weitergabe von Wissen macht sich in vielen Fällen erst durch die Nichtweitergabe kenntlich. „Firstley, there are changes in the provision of and control over information and Communication systems. Secondly, there are changes in the use of language and nonverbal channels of communication. And thirdly, there are changes in the fundamental perceptions of and beliefs about the human condition which influence value judgements and, through them, political and economic decisions and policies“ (Strange 1988: 120).
Die herausragenden Eigenschaften der knowledge structure durchdringen alle Bereiche der beschriebenen Kommunikationssysteme. Somit erhöhen sich durch neue
Informationstechnologie, bei nicht gegebenen materiellen Ressourcen, die Möglichkeiten der Einflussnahme. Diese wissensbasierte Ressource gewinnt somit an Bedeutung und kann zivilgesellschaftlich, zum Beispiel von sozialen Gruppen (auf nationaler oder internationaler Ebene) ebenso ausgeübt werden, wie zuvor nur von Gruppen mit materiellen Machtressourcen (vgl. Bieling 2006: 393ff.).
Alles in allem betont Strange (1988) die amerikanische Dominanz in der entstehenden IBC. Dabei hat sie besonders das Zusammenspiel von „[…] amerikanischen Finanzmetropolen, den Headquarters der TNKs und dem politischen Entscheidungszentrum in Washington […]“ im Visier (Bieling 2006: 396f.). Aus dieser Beobachtung leitet sie die Existenz eines „nonterritorial empire“ ab, welches über die internationalen Machtstrukturen entscheidet und diese nachhaltig beeinflusst (ebd.).
2.3 These, Erkenntnisinteresse und Untersuchungsobjekt
An dieser Stelle werde ich die Wahl des Untersuchungszeitraums begründen und aufzeigen, inwieweit dieser von besonderem Interesse zur Beantwortung meiner These ist. In Anlehnung an die Geschichte Chiles stehen die Regierungen unter Eduardo Frei und Salvador Allende unter besonderen Vorzeichen. Diese beiden Regierungsperioden führten ab 1964 zur
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Ablösung einer, seit der Unabhängigkeit Chiles von Spanien, im Wechsel regierenden, landbesitzenden Elite. Seit diesem Zeitpunkt sind die nun oppositionellen Machthaber nicht mehr Agierende, sondern zu Reagierenden der politischen Auseinandersetzung geworden (vgl. u.a. Huneeus: 1981; Nohlen: 1973; Valenzuela: 1978). Somit bildete der Zeitabschnitt, ab 1964 bis zum Militärputsch im Jahre 1973, in der Geschichte Chiles eine exemplarische Rolle, in der die politischen Akteure erstmals die parlamentarischen Positionen tauschten. Nicht mehr Großgrundbesitzer standen an den Schalthebeln der Macht, sondern neue politische Akteure, die in die regierenden Machsphären Chiles eintraten. Die in dieser Abschlussarbeit bearbeitete These möchte die Vorgehensweise der politischen Einflussnahme chilenischer Eliten untersuchen. Einerseits bilden parlamentarische Handlungen eine Untersuchungseinheit, andererseits außerparlamentarische Ereignisse, die die politische Landschaft beeinflusst oder gar maßgeblich beeinträchtigt haben. Dabei soll der These nachgegangen werden, ob die Eliten ihre nachweislich hohe Beteiligung an Geschehnissen, die zur Destabilisierung der Demokratie Chiles geführt haben, bewusst eingenommen haben (vgl. De Vylder: 1974; Huneeus: 1981; Lawrezki: 1975; Mires: 1975; Valenzuela: 1978; Verdugo: 2003). Präziser formuliert, gehe ich von der These aus, dass die Einflussmöglichkeiten von nationalen und/ oder inter- sowie transnationalen (Teil-) Eliten in Chile, zwischen 1964 und 1973, so weitreichend waren, dass die von den Regierungen eingeleitete Umverteilungspolitik von vornherein zum Scheitern verurteilt gewesen ist und demzufolge gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Konsequenzen ein einkalkuliertes Risiko für (Teil-) Eliten darstellten. Um diese These zu untersuchen, werde ich zunächst das Handlungspotenzial der beiden Präsidenten, Frei und Allende, im Blick auf ihre politisch und gesellschaftlich ambitionierten Veränderungen untersuchen. Befanden sich diese beiden Regierungen und deren Unterstützer in einer Art babylonischer Gefangenschaft, die kein oder kaum politisches Gestaltungs- und Umsetzungspotenzial zuließ? Zur Beantwortung dieser Frage habe ich die Untersuchungsgegenstände, Agrarreform sowie die Kupferpolitik, gewählt. In der Bearbeitung der These stehen die nationalen chilenischen Eliten im Fokus der Analyse. Sie bilden zwar den Hauptaspekt, jedoch spielen inter- und transnationale Eliten ebenso eine eminente Rolle in diesem Kontinuum. Die Begründung dafür ergibt sich aus dem für Chile bis heute signifikant hohen Exportanteil an Bodenschätzen, welcher einen vergleichbar hohen Anteil an ausländischem Kapital in der chilenischen Wirtschaft ausmacht. Unter dem Begriff Eliten soll in dieser Abschlussarbeit eine Funktionselite verstanden werden. Es geht um differenzierte Funktionseliten (vgl. Mills und Strange), welche, in der Tradition von Robert Michels (1911), eine „[…] Oligarchisierung von menschlichen
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Stefan Spriestersbach, 2008, Eliten in Lateinamerika - Am Beispiel Chile von 1964 – 1973 unter der Administration Eduardo Frei und Salvador Allende , München, GRIN Verlag GmbH
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