Der Tractatus logico-philosophicus ist das wohl bedeutendste und größte Werk des Philosophen Ludwig Wittgenstein. Durch dieses Werk war er von großer Bedeutung für den logischen Positivismus oder logischen Empirismus. Diese Denkrichtung war eine von zweien, zu denen er den Anstoß gegeben hatte. (vgl. Wright 1986, S. 23) Begonnen hatte Wittgenstein sein Werk bereits vor 1914, vor dem Ausbruch des 1. Weltkrieges und vor seinem 26. Lebensjahr. Der älteste Teil ist der der Logik. Dann, an der Ostfront im Herbst 1914, beschäftigte er sich mit dem Wesen eines sinnvollen Satzes. Auf die Idee dazu kam Ludwig Wittgenstein durch einen Zeitungsartikel über einen Autounfall, wo vor Gericht ein Miniaturmodell des Unfalls gezeigt wurde. Dadurch kam er darauf, den Satz als Modell oder Bild zu sehen. Seine Struktur ist Wittgensteins Ansicht nach ein Bild einer möglichen Verbindung von Elementen der Wirklichkeit. Während er im August 1918 auf Heimaturlaub war, vollendete er das Werk. Als er im Oktober 1918 gefangen genommen wurde und in ein italienisches Lager kam, hatte er sein Manuskript bei sich. Noch während er dort war, setzte er sich in Verbindung mit Russell, einem Freund und ließ ihm die Seiten zu kommen. Gewidmet ist der Text David Pinsents, einem Freund Wittgensteins, der im Krieg gefallen ist. (vgl. ebd., S. 29 f.)
Der Titel des Tractatus war ursprünglich Logisch-philosophische Abhandlung. Wittgenstein selbst hatte seinem Manuskript diesen Namen gegeben. Erst durch die zweisprachige Ausgabe wurde der lateinische Titel bekannt. Vorgeschlagen hatte ihn G.E. Moore. Ludwig Wittgenstein benutzte ihn nie, sondern sprach immer nur von der Logisch-philosophischen Abhandlung. Trotzdem etablierte sich der fremdsprachige Name und wurde beibehalten (vgl. Vossenkuhl 2001, S. 2) Bis heute ist der Tractatus das bekannteste der Werke Ludwig Wittgensteins. Auch weil es das einzige Buch ist, das er selbst veröffentlicht hat. Heute gilt der Tractatus als wichtigster Text zur philosophischen Logik.
Die Veröffentlichung dieser Abhandlung gestaltete sich als schwierig. Bereits kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs begann Wittgenstein das Manuskript mehreren Verlagen anzubieten. Von den Verlegern Jahoda und Braunmüller bis zu Ficker und dem Verlag Reclam, mit niemandem kam eine Veröffentlichung zustande. Entweder das Werk wurde abgelehnt oder Wittgenstein und die Verleger kamen über die Bedingungen und Einzelheiten nicht überein. So forderte Braunmüller beispielsweise eine Übernahme der Kosten durch Ludwig Wittgenstein oder bei Reclam konnte Wittgenstein Russells Vorwort nicht akzeptieren. Ansonsten wäre es dort zum Beispiel vielleicht zu einer Zusammenarbeit gekommen. Doch so kam es,
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dass erst der fünfte Anlauf glückte. Schlussendlich wurde die erste deutsche Fassung des Tractatus 1921 in den Annalen der Naturphilosophie veröffentlicht. Später bereute Wittgenstein diesen Schritt, da die Ausgabe voll von Fehlern war. 1922 dann kam eine zweisprachige Fassung heraus, in deutsch und englisch, die den Titel Tractatus logico-philosophicus trug, der dann beibehalten wurde. Die zweite, 1933 bei Routledge & Kegan Paul erschienene, ebenfalls zweisprachige Ausgabe ist der zuverlässigste Text des Werkes. (vgl. ebd., S. 1 f., S. 10) Erwähnenswert im Zusammenhang von Wittgensteins Werken ist auch seine Sprache. Ludwig Wittgenstein hat einen sehr einfachen, klaren und übersichtlichen Stil. Einfach deshalb, weil er auf poetische Ausschmückungen und Schnörkel verzichtet, ebenso wie auf jeglichen Fachjargon. Seine Satzkonstruktionen sind sicher und präzise. Manchmal benutzt er Dialoge oder, wie im Tractatus logicophilosophicus, Aphorismen.
Etwas, das auch für jeden Leser wichtig ist, ist der Aufbau seiner Werke. Die Struktur des Buches ist bei ihm keine alltägliche. Wittgensteins Texte bilden kein logisches System wie die meisten Bücher, die wir kennen. Seine Werke hingegen sind Systeme von Sätzen, Gedanken, Schlussfolgerungen, die definitionsartig aufgebaut sind. Er erzählt im Grunde genommen keine Geschichte, sondern reiht Gedanken auf, und zwar so, dass sie sich nacheinander definieren. Deshalb ist es auch fast nicht möglich, einzelne Passagen des Textes getrennt von den anderen zu behandeln oder zu interpretieren. Jeder Satz ist mit allen davor und danach verbunden und ist Teil des Ganzen. (vgl. ebd., S. 4 f. ) Das Buch kann man laut Georg H. v. Wright als Synthese bezeichnen. Die Synthese wird aus der Theorie der Wahrheitsfunktionen und der Annahme, die Sprache wäre ein Bild der Wirklichkeit gebildet. Aus diesen zwei Gedankengängen entsteht der dritte Teil des Werkes. Dieser ist die Lehre von dem, was nicht gesagt, sondern nur gezeigt werden kann. (vgl. Wright 1986, S. 29 f.) Wittgenstein legt am Anfang dar, wie und dass sich die Welt aus Tatsachen zusammensetzt, die von der Sprache abgebildet werden. (vgl. wikipedia.org) In dem Werk gibt es eine zentrale Unterscheidung zwischen Sagen und Zeigen. Diese Unterscheidung war für Wittgenstein so wichtig, dass er es auch als „Hauptproblem der Philosophie“ bezeichnete. Später allerdings spielte sie für ihn keine besonders große Rolle mehr. (vgl. Wright 1986, S. 5, S. 60) Das, was nicht gesagt werden kann, kann nur gezeigt werden. Nach diesem Gedanken lässt sich der Tractatus in 3 Teile aufteilen: in den ersten drei Sätzen geht es um die
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begrifflichen Grundlagen, in 4 und 5 führt er den Gedanken ihn dann aus und in den letzten zwei Sätzen folgert er daraus. (vgl. Mayer)
Wittgenstein versucht also in seinem Tractatus diese Unterscheidung zu machen, die Grenze zwischen Sagbarem und nicht Sagbarem zu ziehen. Er stellt sich die Frage, worüber man eigentlich sinnvoll und wissenschaftlich sprechen kann, was sagbar ist. Diesen sagbaren Bereich versucht er abzugrenzen. Zum Unsagbaren gehört nach Wittgenstein die Methaphysik. (vgl. wikipedia.org)
Auch Wittgenstein selbst sagt in seinem Vorwort, dass der Sinn des Buches sich in folgendem Satz zusammenfassen ließe: Was sich überhaupt sagen lässt, lässt sich klar sagen und worüber man nicht reden kann, darüber muss man schweigen. Genauso der Schlusssatz: Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen. (vgl. Wittgenstein 1975) Für ihn gab es also Sagbares und nicht Sagbares, etwas dazwischen gab es nicht. Laut Wilhelm Vossenkuhl gelang ihm dieses Anliegen, das Sagbare vom Unsagbaren zu trennen, auch. (vgl. Vossenkuhl 1986, S. 8)
Am Ende des Buches kommt Ludwig Wittgenstein dann zum Schluss, dass auch seine eigenen Sätze, die Sätze des Tractatus zum Unsagbaren gehören. (vgl. Mayer)
Wittgenstein kommt auch zu einer weiteren interessanten These: Denken und Sprache sind unzertrennlich miteinander verbunden. Das heißt also, dass er mit der Grenze zwischen Sagbarem und Unsagbarem auch die Grenze des Denkbaren und des nicht Denkbaren festlegt. Und es heißt auch, dass Philosophie ebenfalls mit Sprache zu tun hat. (vgl. Internet Lexikon)
Wittgenstein sagt diese Unzertrennlichkeit auch aus mit dem Satz: „Das Buch will also dem Denken eine Grenze ziehen, oder vielmehr dem Ausdruck der Gedanken.“ (Wittgenstein 1975) Der Ausdruck der Gedanken ist die Sprache. So steht es auch in den Zeilen der Zeitung „Die Tat“, die im Tractatus abgedruckt sind: „Wittgensteins Traktat untersucht die Möglichkeiten des Denkens an den Möglichkeiten der Sprache.“ (ebd.) Und durch die Untersuchung des Denkens untersucht er auch die Philosophie.
Da also Philosophie mit Sprache zu tun hat, haben auch die philosophischen Probleme damit zu tun: „Das Buch behandelt die philosophischen Probleme und zeigt - wie ich glaube - dass die Fragestellung dieser Probleme auf dem Missverständnis der Logik unserer Sprache beruht.“ (ebd.) Wittgenstein will im Tractatus somit auch die philosophischen Probleme lösen und erklären, wodurch sie
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Arbeit zitieren:
Sigrid Lang, 2005, Tractatus logico-philosophicus , München, GRIN Verlag GmbH
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