Gliederung
Vorwort ................................................................................ 2
1. Das Weltbild der Tuareg ................................................................................ 4
1.1.das dualistische Weltbild ............................................................................... 5
1.2.Zusammenleben im Volk
1.2.1. Frauen
1.2.2. Tiere / das Kamel ................................................................................ 8
2. Die Religion ................................................................................ 10
2.1. Rolle im Alltag
2.1.1. Islam
2.1.2. Heidentum
2.2. Bedeutung des Todes ................................................................................ 13
3. Feste/ Traditionen ................................................................................ 15
3.1. Musik ................................................................................ 15
3.1.1 das Byanu Fest/ Geerewol ................................................................................ 17
3.2. Die Hochzeit ................................................................................ 18
Schlusswort ............................................................................... 21
Quellen etc. .............................................................................. 23
1
Die Tuareg
Wie in jedem Land, in jeder Nation, in jedem Volk und in jeder Kultur gibt es im Nomadenvolk der Tuareg neben dem alltäglichen Leben noch eine zweite Seite. Diese Seite beschäftigt sich weniger mit Nahrung, Schlaf, Waschen und Putzen , sondern viel mehr mit Bildung, Religion, Spiritualität, Traditionen, Gemeinschaft.
Diese zweite Seite dominiert bei den Tuareg über den Alltagstrott und gehört ebenso zum alltäglichen Leben wie die essentiellen, wesentlichen Gewohnheiten des Existierens. Das Leben und Überleben in einem Stamm der Tuareg baut auf den Pfeilern und dem Fundament der Traditionen und des Glaubens auf. Ihr Alltag in der Wüste wird durch eben diese Dinge entscheidend geprägt.
Diese Tatsache und dieser enorme Unterschied zu unserer Welt und unserem Leben hier machten das Thema für mich interessant und lohnenswert zu untersuchen. Die ersten Fragen die mir einfielen waren: Woran glauben die Tuareg eigentlich? Glauben sie überhaupt? An einen Gott oder an Geister? Was hängt wie zusammen? Gehören sie einer Religion an? Glauben sie an ein Leben nach dem Tod? Was geschieht mit ihren Verstorbenen? Was für Feste feiern sie und aus welchem Grund feiern sie diese Feste? Wie läuft eine traditionelle Zeremonie ab?
Was bedeutet für sie die Familie? Die Gemeinschaft?
Die Tuareg waren Sklavenhändler und sind oft als Räuber bekannt. Wie ist die Stellung der Frauen in diesem Volk? Welche Bedeutung haben ihre Tiere? Wie gestaltet sich das Zusammenleben mit Natur und Tieren?
In wieweit bestimmen Glauben, Sitten und Tradition ihr Leben in der Gemeinschaft? Wie meistern die „blauen Ritter“ ihren Alltag und inwieweit wird er von welchen bestimmten Faktoren beeinflusst? Wie gestaltet sich das kulturelle Leben der Tuareg zwischen Gott und Geistern?
Ich habe versucht, mit meiner Seminararbeit einen Einblick zu gewinnen, in das Leben der Tuareg, weiter zu denken als nur an das „primitive Wüstenvolk“, das seit Jahrhunderten durch die Wüsten Afrikas zieht.
Ich wollte wissen, was für Menschen die Tuareg sind. Was sie denken und was sie fühlen. Ob sich hinter ihren Tüchern und ihren Zelten nur Sand, Wind und Aberglaube versteckt oder vielleicht sogar eine weit entwickelte Kultur die sich durchaus mit unserer „Zivilisation“ messen kann.
All diesen Fragen möchte ich mit meiner Arbeit auf den Grund gehen. Ich habe versucht Parallelen zu unserer Gesellschaft und zur westlichen Welt aufzuzeigen oder Unterschiede hervorzuheben, die Sichtweise der Tuareg zu veranschaulichen und möglichst einfach und unverfälscht wieder zu geben.
Hier präsentiere ich Ihnen nun meine Ergebnisse. Die Informationen, Tatsachen und Fakten, die ich zum Verständnis und zur Klärung all meiner Fragen für am wichtigsten hielt und zum Verständnis, für die kulturelle Seite dieses Volkes für erwähnenswert erachtete. Es sind die Resultate meiner eigenen Arbeit und Recherche.
Ein Einblick in das Leben der Tuareg. Klar, sachlich, objektiv und sinngemäß und trotzdem menschlich, individuell und persönlich.
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1. Das Weltbild der Tuareg:
Ganz an den Anfang möchte ich einige Gedanken über das Leben an sich, aus Sicht der Tuareg stellen. Wo sehen sie sich selber? Was sind sie für Menschen? Was ist ihre Pflicht und Aufgabe hier auf der Erde und wie leben sie in den Tag? Und wie sehen sie uns? Was denken sie über unser Verhalten und über unsere Welt? Auf dieser Basis kann meine weitere Arbeit jedem Leser eine eigene und individuelle Meinung ermöglichen. Der Standpunkt der Tuareg soll ein Gedankenanstoß sein, um alles zu hinterfragen was auf den nächsten Seiten folgt. Um sich zu überlegen, sehe ich das auch so? Wie stehe ich dazu? Die Stellungnahme basiert auf einem Gespräch eines Tuareg mit einem weißen Mann aus Europa. Sie haben sieben Nächte lang miteinander gesprochen und ihre beiden Welten verglichen. Zu Beginn meiner Arbeit folgen nun also einige Aspekte und Überlegungen aus dem daraus entstandenen Buch „Die Weisheit der Tuareg“ von Amenokla Alhavi.
Das Volk der Tuareg sieht sich selbst als momentane Wesen, die kamen und wieder verschwinden werden. Sie stellen sich nicht über die Natur, nicht über die Tiere. Sie sehen sich als Wesen an, die nur akzeptiert und geduldet werden im System der Welt . Sie leben in den Tag hinein mit der Zuversicht, dass schon alles klappen wird, mit der Gewissheit, dass alles einen Sinn ergibt und geschieht, was geschehen muss. Für sie macht es keinen Sinn nach höherem und schnelleren zu streben. Für sie ist liegt die Macht in der Natur und in Gott. Sie wissen, dass alles vergänglich ist und nichts für immer bleibt und das dennoch nichts verloren geht. Die Zukunft und die Vergangenheit sind elementar und eng miteinander verbunden. Ein neugeborenes Baby hat ebenso eine Vergangenheit wie ein verstorbener Mensch. Die Verbindung zu den Ahnen und den Nachkommen ist allgegenwärtig und darf nicht getrennt oder gestört werden.
Die Tuareg haben keine Angst davor etwas zu verpassen oder nicht mit zubekommen. Die Welt da draußen, die „Zivilisation“ ist für das Volk der Tuareg oft eine Lüge. Ein Trugbild, das wir uns kreieren um unsere Ängste zu überspielen. „Ich habe gehört, einer deiner Landsleute verbringt den größten Teil seines Lebens im Flugzeug. Er fliegt mit höchster Geschwindigkeit von Kontinent zu Kontinent. Wovor rennt er davon, wenn nicht vor sich selbst? Von wem, außer von sich selbst, fühlt er sich bedroht?“ 1 Es fällt ihnen schwer die bei uns herrschende Hektik und Terminplanung zu verstehen. Ebenso gibt es immer wieder
1 Zitat aus: Amenokal Alhavi „Die Weisheit der Tuareg“; Goldmann Arkana Verlag; S.80
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Konflikte, da sich manche Tuareg nicht an die Grenzen in der Wüste halten. Für sie besitzt die Wüste keine Schranken und ist nichts was man begrenzen und kontrollieren kann. Sie tanken ihre Energie aus der Sonne, der Ruhe und ihrem Glauben. Dem Glauben an sich selbst, an die anderen und dem Glauben an Gott. Sie verurteilen unsere schnelle, hektische Welt, in der keiner mehr Ruhe findet, um sich selbst zu finden. Sie leben im Einklang mit der Natur und in Erinnerungen. Ihre Moral und ihre Ethik sind für sie höchstes Gut und unbedingt einzuhalten, um ein Zusammenleben mit dem Stamm und der Umwelt zu ermöglichen. „Ich frage mich, ob es unter euch überhaupt noch Menschen gibt, die nach ihrem Glauben handeln! Ich sah, wie sie kleine rote, blaue, gelbe Kügelchen schluckten. Sie hofften, ihre verlorene Energie in Pülverchen wieder zu finden, oder die Kraft, Müdigkeit und Leiden zu vergessen. Doch wer Kraft sucht, muss sich von Wahrheit und Aufrichtigkeit ernähren. Er muss sein Wesen entdecken und seinem geraden Weg folgen“ 2
1.1. das dualistische Weltbild
Das Leben der Tuareg wird durch ihr dualistisches Weltbild geprägt.
Das Wort „dualistisch“ stammt aus dem lateinischen (duo = zwei). Es beschreibt nach Thomas Hyde, einem Orientalisten und Sprachwissenschaftler, die Tatsache, dass es eine böse und eine gute übernatürliche Seite in der Religion und im Leben gibt. 3 Die Tuareg nahmen diese Überzeugung in der Zeit von 640 bis 711 an. In dieser Zeit herrschten Kämpfe und Krieg zwischen den Arabern und Berbern. Während diesem Krieg wurden die Berber und ihnen eingeschlossen das Volk der Tuareg islamisiert. Der Sieg der Araber brachte den Tuareg somit zu ihrer Naturreligion den islamischen Glauben und das dualistische Weltbild.
Die Kel Tamashek 4 wie sich die Tuareg selbst nennen, unterteilen die Welt in drei Bereiche. Das Erdinneren, die Erdoberfläche und den Himmel.
Im Erdinneren leben die Geister und Dämonen. Oben auf der Erdoberfläche die Tuareg selbst mit allen Tiere und Pflanzen. Der Himmel ist der göttliche Bereich. Dort befindet sich Allah mit seinen Engeln.
Ihm Weltbild der Tuareg kann eine Sache nicht ohne ihr Gegenstück existieren. So könnte die Nacht nie ohne den Tag definiert werden und umgekehrt. Es gibt zu jedem Gegenstand, jedem Gefühl, jedem Zustand ein Gegenstück, das ebenso wichtig und mächtig ist 2 Zitat: Literatur „ Die Weisheit der Tuareg“ von Amenokal Alhavi S. 56
3 Wikipedia „Dualismus“
4 kursiv geschriebenes: Tamashek, die Sprache der Tuareg
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Arbeit zitieren:
Anna Freitag, 2007, Die Tuareg, München, GRIN Verlag GmbH
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