INHALTSVERZEICHNIS
1. Einleitung 4
2. Grundzüge der Debatte um Nachhaltigkeit 5
3. Von der Umwelt- zur Nachhaltigkeitsberichterstattung 9
4. Nutzen und Ziele einer Nachhaltigkeitsberichterstattung 14
5. Zielgruppen der Nachhaltigkeitsberichterstattung 17
6. Die Erstellung eines Nachhaltigkeitsberichts. 20
7. Der Inhalt eines Nachhaltigkeitsberichtes. 32
8. Anforderungen an den Nachhaltigkeitsbericht 37
9. Nachhaltigkeitsberichterstattung im internationalen Vergleich. 40
10. Die österreichische Nachhaltigkeitsberichterstattung 43
11. Die Institutionalisierung der Nachhaltigkeitsberichterstattung. 53
12. Fazit 55
Die Nachhaltigkeitsberichterstattung (Sustainability Reporting)
1. Einleitung
Seit der Weltkonferenz zu Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro im Jahr 1992 ist „Nachhaltigkeit“ zu einer gesellschaftlich weithin akzeptierten Vision geworden. Der Begriff Nachhaltigkeit umschreibt als Grundidee, dass Menschen auf diesem Planeten so leben sollten, dass „... die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt (werden), ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können“ (Hauff 1987). Regierungen, internationale Einrichtungen, Kommunen, Unternehmen und auch einzelne Konsumenten sind seit Rio aufgefordert, sich konstruktiv mit der Vision der Nachhaltigkeit auseinander zu setzen und ihren Beitrag zu leisten (CLAUSEN et al. 2001, S.7). Neben der Nutzung neuer umweltentlastender Technologien und Produkte im Sinne des vorsorgenden Umweltschutzes ist es nötig, durch Umweltkommunikationsmaßnahmen dazu beizutragen, dass eine Verhaltensänderung und -verstetigung im Sinne der Realisierung einer nachhaltigen Entwicklung vor Ort erfolgt (CLAUSEN et al. 2001, S.1).
Als wichtigstes Instrument ist hier der Nachhaltigkeitsbericht zu nennen. Eine anspruchsvolle Berichterstattung zur Nachhaltigkeit setzt wichtige Impulse, die die Kultur vieler Unternehmen, Organisationen und Regierungen und ihre Einbettung in die Gesellschaft positiv beeinflussen.
Derzeit existieren zahlreiche Ansätze, Anforderungen und Vorschläge für eine nachhaltige Berichterstattung. Angesichts dieser Vielfalt besteht jedoch eine gewisse Unsicherheit darüber, welche grundlegenden Anforderungen berücksichtigt werden sollen. Dies spiegelt sich unter anderem in der anhaltenden Kritik wieder, das Nachhaltigkeitsleitbild sei zu komplex und nur schwer kommunizierbar (LOEW et al. 2004, S. 17). Ziel der vorliegenden Arbeit ist es nun, einen Überblick über den aktuellen Status der Nachhaltigkeitsberichterstattung in Österreich zu geben sowie grundlegende Bausteine der Berichterstattung zu erörtern.
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2. Grundzüge der Debatte um Nachhaltigkeit
Unsere Zeit ist gekennzeichnet durch raschen Wandel. Globalisierung und Informationsgesellschaft, Wettbewerb und technischer Fortschritt sind Schlagworte, die die öffentliche Diskussion beeinflussen. Durch diesen raschen Wandel treten gleichzeitig neue Probleme und Herausforderungen in ökologischer, ökonomischer und sozialer Hinsicht auf. Hier sind einerseits soziale Probleme, wie die langfristige Sicherung der Altersvorsorge oder steigende Arbeitslosigkeit, aber auch globale Umweltprobleme wie das Ozonloch und der Treibhauseffekt und die wirtschaftliche Herausforderung durch globale Konkurrenz und die Gefährdung von Standorten durch ungehinderte Mobilität von Kapital zu nennen Die Frage nach Kriterien, Konzepten und Strategien zur Umsetzung einer dauerhaft erhaltbaren Entwicklung der Menschheit nahm demnach in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung zu. Wir brauchen daher ein neues Planungs- und Politikkonzept, das uns eine solide langfristige Zielsetzung bietet und das uns befähigt, in den notwendigen kurz- und mittelfristigen Entscheidungen den neuen Herausforderungen gewachsen zu sein (GRABHER et. al 1998, S.9).
Im Mittelpunkt steht hierbei das Konzept der Nachhaltigkeit. Kaum ein Begriff hat in jüngster Zeit weltweit eine vergleichbarere Popularität erlangt. Was verbirgt sich jedoch nun genau hinter diesem Begriff der durch seine inflationäre Verwendung Gefahr läuft zu einem Modewort zu mutieren?
Greift man auf das Lateinische zurück, so bedeutet das Verb „sustinere“ soviel wie aufrechthalten, stützen (STOWASSER et al. 1994, S.500). Auch im Englischen hat das Verb „sustain“ die Bedeutung von stützen, tragen, aushalten, erhalten (MESSINGER 1996, S.1099). Das deutsche Wort nachhaltig weist ein komplexeres Bedeutungsfeld auf. Die älteste Verwendung des Begriffes im deutschen Sprachraum geht auf das Jahr 1713 zurück. Hier wurde das Wort „nachhaltig“ von Carl von Carlowitz als terminus technicus in der Forstwirtschaft eingeführt, indem er ein Nachhaltigkeitskonzept entwarf, dass die dauerhafte Bereitstellung von Holz sicherstellen sollte. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde das Wort „nachhaltig“ in CAMPES Wörterbuch (1809) neu vermerkt. Hier als auch bei GRIMM (1889) wurde dem Begriff noch eine Doppelbedeutung, im Sinne von Vorrat und Dauerhaftigkeit zugemessen. In neueren Wörterbüchern wurde das Wort „nachhaltig“ bereits mit „dauernd, lang nachwirkend, …“ übersetzt. So ist die Verwendung des Begriffs mit der in der Forstwirtschaft typischen Bedeutung verloren gegangen (Zürcher, nach NINCK 1997; BÜCHI
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2000, S.201-205). Der Begriff Nachhaltigkeit umschreibt heute nicht mehr einen Weg zur dauerhaften Vorratserhaltung, sondern den Zustand von Dauerhaftigkeit. Im Deutschen hat sich der Begriff der nachhaltigen Entwicklung durchgesetzt der als Dichotomie, im Sinne einer konservativ bewahrenden und einer fortschreitend ändernden Tendenz, verstanden werden kann 1 (Trommer, nach GROSSMANN et al. 1999, S.1; Aachener Stiftung, Juli 2005).
Ferner definiert sich der Begriff über seine drei Dimensionen, und zwar die der Ökologie, Ökonomie und Soziales. Ziel der ökologischen Nachhaltigkeit ist es, die Erhaltung des ökologischen Systems, die die Lebensgrundlage aller irdischen Aktivitäten darstellt, zu sichern. Die ökonomische Dimension meint dagegen mit dem Kapitalstock so zu wirtschaften, ohne dabei den künftigen Konsum zu schmälern. Mit Fragen nach sozialen Normen einer Gesellschaft, wie z.B. die Forderung nach einer intergenerativen und intragenerativen Gerechtigkeit, beschäftigt sich die soziale Nachhaltigkeit.
Abbildung 1: Dreieck der Nachhaltigkeit (Quelle: Aachener-Stiftung, Juli 2005) Den einzelnen Dimensionen wurde hierbei im Laufe der Zeit unterschiedliche Bedeutung zugemessen. So wurden noch zu Beginn des 20. Jahrhundert ökologische Probleme als Ursache allen Übels gesehen. Erst in den 70er Jahren erfolgte aufgrund der Folgewirkungen der industriellen Veränderungsprozesse und durch den 1972 veröffentlichten Bericht „die Grenzen des Wachstums“ durch den Club of Rome ein Umdenken, wodurch zunehmend ökonomische Aspekte hinterfragt wurden. Soziale Belange, die bisher immer hinter ökologischen und wirtschaftlichen Entwicklungen gestellt waren, wurden erst nach und nach konkreter in das Konzept miteinbezogen und als eigenständige Dimension anerkannt. Man erkannte also, dass eine ökologische Krisenbewältigung nicht als isoliertes Phänomen zu betrachten ist, sondern Teil der ganzheitlichen Betrachtung des Systems ist.
1 Im Folgenden werden die Begriffe sustainable development, nachhaltige Entwicklung und Nachhaltigkeit
synonym verwendet.
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Einen wesentlichen Meilenstein stellte in diesem Zusammenhang der 1987 vorgelegte Bericht „Our Common Future“, der von der WCED (World Commission on Environment and Development) unter der Führung der norwegischen Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland in Auftrag gegeben wurde, dar. Der Bericht führte den Begriff „nachhaltige Entwicklung (sustainable development) ein und definierte ihn wie folgt: “Sustainable development is development that meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs” (Brundtlandbericht 1987, nach NINCK 1997, S.51).
Seit diesem Zeitpunkt kam der Begriff weltweit in Debatten über die geeigneten Wege zur Umsetzung nachhaltiger Entwicklung vor, da er erstmals nicht nur einer Dimension grundsätzliche Priorität einräumte, sondern die drei Dimensionen Ökologie, Ökonomie und Soziales vereinte, ein Gerechtigkeitspostulat forderte und ein globales Bewusstsein erzeugte (KOPFMÜLLER et al. 2001, S. 24-26; NINCK 1997). Ferner wurde der Begriff auch erstmals der nicht-wissenschaftlichen Öffentlichkeit näher gebracht. Denn im Alltagsgebrauch der Menschen kam bzw. kommt der Begriff so gut wie gar nicht vor. Grund dafür ist, dass die Bevölkerung mit Themen wir Ressourcenknappheit, Zerstörung der Regenwälder, Versteppung oder Artenschwund nicht direkt konfrontiert ist. Unmittelbare Betroffenheit würde einen Handlungsdruck nach sich ziehen und eine Veränderung des Bewusstseins bewirken.
Diesem Anspruch auf Interessensausgleich ist zu verdanken, dass sich das Leitbild als Standard nationaler und internationaler politischer Diskurse etabliert hat. Den Höhepunkt stellt hierbei die nachfolgende Einrichtung der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro dar, an dem Delegierte von der UNO, von Regierungsstellen, lokalen Behörden, der Wirtschaft, der Wissenschaft und der Nichtregierungsorganisationen aus nahezu 180 Staaten teilnahmen. In fünf Jahre langen Verhandlungen wurde dieses Megaereignis, das eine Fortsetzung der Arbeit der Word Commission on Environment and Development darstellt, vorbereitet. Ziel dieses Erdgipfels war es, aufgrund wachsender globaler Probleme mit teilweise irreversiblen Folgen und zunehmend globalen Verflechtungen zumindest politisch verbindliche Normen für die globale Entwicklung festzulegen (GRABHER et. al 1998, S.5; GREINER 2002).
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Die ebenfalls in Rio beschlossenen „Commission on Sustainable Development“ wurde eingerichtet um den Prozess der nachhaltigen Entwicklung in den einzelnen Staaten besser zu beobachten, fördern und evaluieren zu können (KOPFMÜLLER et al. 2001, S. 26-27). Bei der UN-Sondergeneralversammlung 1997 in Amsterdam folgte jedoch die Ernüchterung. Die globale Situation, angefangen von der wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich, Nord und Süd, bis zum zunehmenden Umweltproblem, hatte sich trotz aller entwickelten Nachhaltigkeitsstrategien drastisch verschlimmert. Aufgabe war es nun, jene Nachhaltigkeitsstrategien auf ihre praktische Umsetzung hin zu überprüfen. Dies erfolgte durch den Folgeprozess „World Summit for Sustainable Development“ in Johannesburg im Jahr 2002, der 10 Jahre nach Rio eine Bilanz des Erreichten ziehen sollte. Einigkeit bestand darüber, dass in Bezug auf nachhaltige Entwicklung und Umsetzung dieser, ein gemeinsamer Lern- und Erfahrungsprozess bestand (Aachener-Stiftung, Juli 2005).
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3. Von der Umwelt- zur Nachhaltigkeitsberichterstattung
Die Umweltberichterstattung
Unternehmen erkannten bereits sehr früh den Nutzen einer Berichterstattung. Nicht nur Umweltverbände erwarteten Transparenz über die Umweltbelastungen von Unternehmen und die zur Vermeidung und Verminderung ergriffenen Maßnahmen. Zu Beginn waren die Berichte noch Beschreibungen. Mit der Einführung von Umweltmanagementsystemen und Sozialstandards, wie EMAS (Eco-Management and Audit Scheme) oder ISO 14000 (internationale Norm zur Implementierung eines systematischen Umweltmanagements), wurden die Berichte inhaltlich aufgewertet.
Die ersten Umweltberichte wurden Ende der 80er von Chemiekonzernen veröffentlicht, als sich die Branche stärker öffentlicher Kritik ausgesetzt sah und ihr Image verbessern wollte. Weitere Pioniere waren kleine und mittelständische Vorreiterunternehmen, die über ihre herausragenden Aktivitäten im Umweltschutz berichten wollten.
Heute ist die Umweltberichterstattung Normalität geworden, ein Standard ohne Aufpreis. Die aktive Kommunikation wird heute weniger als Profilierungschance gesehen. Sie dient eher als Beleg für ein funktionierendes Umweltmanagement, das Vertrauen schafft und damit ein verantwortungsvolles Image aufbaut (CLAUSEN et al. 2002, S.52ff.). Die Sozialberichterstattung
In unterschiedlichsten Formen existiert bereits die Sozialberichterstattung. In den USA wurde der Begriff der „Social Audits“ bereits in den 40er Jahren erwähnt, wo der Begriff sozial auch mit „gesellschaftlich“ übersetzt wird. In den 60er Jahren drangen soziale Überlegungen auch in die ökonomische Betrachtungsweise und nach Europa vor. Unternehmen sollten die Interessen aller Betroffenen und Mitwirkungsmöglichkeiten im betrieblichen Entscheidungsprozess berücksichtigen sowie gesellschaftliche Verantwortung übernehmen, soziale Leistungen forcieren und darüber zu berichten. Ein erster Mindesstandard für die Sozialberichterstattung war der Social Accountabilitiy 8000 (SA 8000). Wesentliche Regelbereiche von SA 8000 waren allgemeine Erklärungen der Menschenrechte, den ILO-Konventionen (Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation) und der Einhaltung
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von ethischen Grundsätzen. Dadurch soll die soziale Verantwortung entlang der gesamten Wertschöpfungskette des Unternehmens überprüfbar sein und zertifiziert werden können. Der AA1000 (Accountability 1000) ist ein Managementsystemstandard für die Verantwortung von Unternehmen gegenüber ihren Anspruchsgruppen. Ziel des AA1000 ist das Organisationslernen und die Förderung von sozialen, ethischen, ökologischen und wirtschaftlichen Gesamtleistungen um so den Beitrag des Unternehmens zu einer nachhaltigen Entwicklung zu gewährleisten. Zur Erreichung des Zieles sollen Bilanzierungen, Auditierungen und Berichterstattungen beitragen.
In Deutschland weiteten Unternehmen ihre Sozialberichte Anfang der 80er Jahre nach amerikanischem Vorbild aus. Nach und nach wurde die Zahl der veröffentlichten Berichte jedoch geringer. Grund dafür war, dass die Berichterstattung häufig als Public Relations-Instrument genutzt wurde und Verschlechterungen und negative Aspekte nicht kommuniziert wurden. Die Folge war eine zu geringe Glaubwürdigkeit und zu mangelnde Akzeptanz der Veröffentlichungen (CLAUSEN et al. 2002, S.69ff.). Die CSR-Berichterstattung
Erst mit der steigenden Arbeitslosigkeit und der zunehmenden Globalisierung trat der soziale Aspekt der unternehmerischen Verantwortung wieder in den Vordergrund. Die Weiterentwicklung des Sozialberichtes stellt der CSR-Report (Corporate Social Responsibility-Report) dar. Unternehmen sollen demnach gesellschaftliche Auswirkungen ihrer Aktivitäten als Teil ihres strategischen Managements sehen und dementsprechend integrieren. Lag der Schwerpunkt der Berichterstattung in den 70er Jahren eher auf nationale Sozialbilanzen und Sozialleistungen so wird heute das Augenmerk auf gesellschaftsbezogene Aspekte gelegt und wesentlich umfassender gesehen (Entlohnung, Arbeitszufriedenheit, Kinderarbeit, geschlechtliche und ethnische Gleichbehandlung, Produktsicherheit, etc.). Ein Trend geht außerdem in die Richtung von Corporate Citizenship-Berichte, die Beiträge zu sozialen Projekten, ihren Spendentätigkeiten oder ihrem Engagement in Entwicklungsländern darstellen. CSR-Reports wurden beispielsweise von Unternehmen wie der OMV oder von Mercedes Benz Österreich veröffentlicht (CLAUSEN et al. 2002, S.74ff.).
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Die Nachhaltigkeitsberichterstattung
Immer mehr Organisationen wollen nicht nur ökonomisch erfolgreich, sondern auch ökologisch und sozial vorbildlich wirtschaften. Eine Möglichkeit diese Anstrengungen von Organisationen in diesen Bereichen darzustellen ist die Nachhaltigkeitsberichterstattung. Glaubwürdige und gleichbleibende Informationen über ökologische, ökonomische und soziale Aspekte sind wesentliche Elemente auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung. Um sich den zukünftigen Entwicklungen und Herausforderungen des 21. Jahrhunderts stellen zu können, benötigen Regierungen, Unternehmen und die breite Öffentlichkeit verlässliche Informationen. Die Nachhaltigkeitsberichterstattung soll Klarheit schaffen und sowohl für den Berichtersteller als kritisches Managementinstrument als auch für externe stakeholder 2 durch aktuelle Informationen Vorteile bringen (PRISELJ 2004, S.4).
Sie sind ein Hilfsmittel um die getrennten Bereiche Ökonomie, Ökologie und Soziales als Ganzes zu sehen. Aber nicht nur fachlich, auch zeitlich gesehen wird das Unternehmen sensibler für mittel- und langfristige Aspekte. Vom räumlichen Blickwinkel aus, lässt der Nachhaltigkeitsbericht erkennen, wie ein Unternehmen in seinem regionalen Umfeld positioniert ist (KANATSCHNIG et al. 2003, S.4).
So begannen Ende der 90er Jahre die ersten Unternehmen Nachhaltigkeitsberichte zu erstellen. Die Nachhaltigkeitsberichterstattung („Sustainability Reporting“) sollte also, im Gegensatz zu reinen Umwelt- oder Sozialberichten, alle drei Dimensionen der Nachhaltigkeit vereinen. Die Unternehmen können hierbei gut die Erfahrungen aus anderen Berichterstattungen bei der Erstellung eines Nachhaltigkeitsberichtes nutzen. Inzwischen gibt es einen regelrechten Boom von Nachhaltigkeitsberichterstattungen (Institut 4 Sustainability, Juli 2005).
Die zahlreich verwendeten Begriffe wie Sustainability-Report, Corporate Responsibility Report, Sozial- und Umweltbericht, Community Report, Environment, Health and Safety Report, Corporate Citizenship Report, CSR-Bericht oder Partnership Report signalisieren bereits die zahlreichen Facetten von Nachhaltigkeitsberichten. Diese unterschiedliche Breite, Tiefe und Qualität an Informationen zeigt, dass sich die Unternehmen noch in einer Phase des Experimentierens befinden. Dadurch wird jedoch das Projekt „Sustainability Reporting“, das ja Verständnis und Transparenz zum Ziel hatte, gefährdet.
2 Anspruchsgruppen wie Investoren, Regierungen, Unternehmen, Banken, etc.
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Global Reporting Initiative
Durch diese Vielfältigkeit von Berichten wurde 1997 im Auftrag der Coalition of Environmentally Responsible Economies (CERES) und dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) die Global Reporting Initiative (GRI) ins Leben gerufen. GRI ist ein vorbildliches Beispiel für Global Governance. Sie entwickelte international einheitliche Standards zur Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten um so Vergleichbarkeit, Glaubwürdigkeit, Detailgenauigkeit, Aktualität und Verifizierbarkeit der angegebenen Informationen zu erreichen. Vereinheitlicht werden sollen Berichtsformate (d.h. wie soll berichtet werden), Struktur (d.h. wie soll der Bericht aufgebaut sein) und Inhalte (d.h. über was soll berichtet werden).
Die schnelle Entwicklung der GRI zu einer weltweit wichtigen Institution spiegelt die Wichtigkeit und den Wert von Nachhaltigkeitsberichten wieder. Die Notwendigkeit von Transparenz, Neutralität, kontinuierliche Verbesserung und Einbeziehung der stakeholder hat diese Entwicklung vorangetrieben. Der GRI Prozess hat es ermöglicht, der Rechenschaftslegung (accountability) konkret Ausdruck zu verleihen und spiegelt einen lebendigen Prozess wieder, der nach dem Motto „learning by doing“ abläuft (GRI 2002, S.1, S.63).
Die Anwendung des umfassenden Katalogs von Kriterien ist freiwillig und kann auf vielerlei Art erfolgen. Er kann als Orientierungsrahmen (informal) und in eingeschränkter Weise verwendet oder vollständig umgesetzt (in accordance) werden.
Abbildung 2: Möglichkeiten der Berichterstattung (Quelle: Global Reporting Initiative,
Die Nachhaltigkeitsberichterstattung (Sustainability Reporting)
Die Ausgabe wurde zwar mit dem Augenmerk auf Unternehmen entwickelt, dennoch können andere Organisationen und Regierungsstellen den Leitfaden auch anwenden (GRI 2002, S.8). Die meisten österreichischen Unternehmen verwenden die GRI-Richtlinien als Checkliste. Die Auswahl der Leitlinien erfolgt nach Sinnhaftigkeit für die Unternehmen. So werden bei KMUs, die bisher ausschließlich an Standorten mit sehr hohen Sozial- und Umweltstandards operierten, grundsätzliche Fragen nach Menschenrechten und elementaren Arbeitsstandards weitgehend in den Hintergrund rücken. Die Verwendung beschränkt sich demnach mehr auf die Orientierungshilfe der Richtlinien (BMWA 2005, S.11). Organisationen die den GRI-Leitfaden vorbildlich verwenden sind beispielsweise die Österreichische Bundesforste AG, die VA Technologie AG, die Telekom Austria AG und die Österreichische Elektrizitätswirtschafts-AG.
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Silvia Schein, 2005, Die Nachhaltigkeitsberichterstattung (Sustainability Reporting), München, GRIN Verlag GmbH
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