I. Inhaltsverzeichnis
I. Inhaltsverzeichnis 2
II. Einleitung und Quellenkritik 3
III. Die Titelseite des „Berliner Tageblattes“ vom 31.01.1933 4
IV. Quelleninterpretation. 6
1. Inhaltsangabe 6
2. Sprachanalyse 7
3. Sachanalyse 8
4. Wolffs Werdegang und seine politische Haltung zu den Ereignissen in der
Weimarer Republik von 1918 bis 1933 13
5. Andere Stimmen der liberalen Presse. 20
V. Fazit. 22
VI. Literaturverzeichnis. 24
2
II. Einleitung und Quellenkritik
Theodor Wolff gilt als einer der einflußreichsten und engagiertesten Publizisten des Kaiserreichs und der Weimarer Republik, seit 1973 trägt der wichtigste deutsche Medienpreis seinen Namen. Theodor Wolff verkörperte jahrzehntelang als streitbarer Chefredakteur die kritisch-liberale Stimme des „Berliner Tageblattes“, die die Machenschaften der Herrschenden immer wieder scharf angriff. Seine vielbeachteten Leitartikel waren eine Institution und hatten ihren festen Platz für gewöhnlich in der Montagsausgabe der Zeitung.
Es war allerdings an einem Dienstag, dem 31. Januar 1931 - dem Tag nach Hitlers sogenannter Machtergreifung -, an dem die überregionale Tageszeitung "Berliner Tageblatt" Theodor Wolffs Leitartikel "Es ist erreicht" veröffentlicht hatte. Dieser auf der Titelseite abgedruckte Leitartikel kommentierte die tags zuvor an den NSDAP-Führer Adolf Hitler übergebene Macht zum Reichskanzler. Reichspräsident Hindenburg hatte - unter Drängen rechtskonservativer und industrieller Kreise - Hitler nun endgültig das Mandat zur Bildung eines "Kabinetts der nationalen Konzentration" übergeben. Am Abend des 30. Januars 1933 schrieb Theodor Wolff, in seiner Funktion als Chefredakteur des "Berliner Tageblattes" (BT), seinen Kommentar: in erster Linie für die linksliberal gesinnte Leserschaft des BT.
Die vorliegende Quelleninterpretation - mitsamt vollständiger Quelle - soll Wolffs Haltung zur Entwicklung der Weimarer Republik von 1918 bis 1933 aufzeigen und sein politisches und gesellschaftliches Denken verdeutlichen. Hierdurch soll verständlich werden, warum Wolff in seinem Leitartikel zu dieser Einschätzung des Hitler-Kabinetts kam, warum er darin trotz allem an ein Scheitern der neuen Regierung glaubte. Dazu soll auch die Stellung des BT erläutert werden und Äußerungen von Kollegen Wolffs zur "Machtergreifung" mögen andere Wertungen der Situation deutlich machen. Die groben Entwicklungslinien der Weimarer Republik ab 1918, besonders aber seit den Präsidialkabinetten ab 1930, sollen - parallel und verwoben mit Wolffs Biographie - nachgezeichnet werden.
Abgeschlossen wird die Quelleninterpretation mit einer Einschätzung und Beurteilung der Prophezeiungen und Vermutungen in Wolffs Leitartikel.
3
III. Die Titelseite des „Berliner Tageblattes“ vom 31.01.1933
mit T. Wolffs Leitartikel „Es ist erreicht“
4
Der vollständige Leitartikel „Es ist erreicht“ von Theodor Wolff
im Originaldruck mit Zeilenangabe
5
IV. Quelleninterpretation
1. Inhaltsangabe
Inhaltlich kritisiert Theodor Wolff mit dem Leitartikel "Es ist erreicht" die Machtübergabe
an Hitler, zeigt die nun drohenden und wahrscheinlichen Gefahren auf, kommt aber
schlie ßlich zu dem Fazit, daß das antidemokratische "Experiment" (Zeile 80) am
Widerstand des Volkes, zumindestens des gebildeten Teils, über kurz oder lang
scheitern wird.
Wolff geht zu Beginn auf die einzelnen Personen des neuen Kabinetts unter
Reichskanzler Hitler ein, wobei er über zwei Kontinuitäten aus vorhergehenden
Regierungen erstaunt ist: Den Verbleib des bisherigen Reichsfinanzministers Schwerin-
Krosigk und des ebenfalls im Amt bleibenden Reichsaußenministers Freiherr von
Neurath. Er zweifelt an der Möglichkeit einer Zusammenarbeit dieser beiden Herren mit
den übrigen sehr radikalen Ministern. Nach Meinung des Kommentators sind selbst die
Gegner des Nationalsozialismus (und des autoritären Staates) längst auf ein Kabinett
Hitler vorbereitet. Wesentlich sei letztlich nur, unter welchen Bedingungen und mit
welchen Mitteln "das Experiment" Reichskanzler Hitler vonstatten gehen dürfe. Als
Voraussetzung fordert Theodor Wolff die Einhaltung der Verfassung. So müsse auch die
Regierung Hitler eine parlamentarische Mehrheit zum Regieren aufweisen können, oder
anderenfalls entweder wieder abtreten oder Neuwahlen ausrufen. Alles andere wird -
laut Wolff - in die "Katastrophe" (Zeile 82f) führen.
Allerdings hat der Kommentator Zweifel an der Verfassungstreue der neuen Regierung,
da das Kabinett aus Leuten bestehe, die seit langer Zeit schon Antidemokratie mit allen
Konsequenzen - Staatsstreich, Verfassungsbruch, Ausschaltung des Reichstages (RT),
Unterdr ückung der Opposition, "unbegrenzte diktatorische Gewalt" (Z.103f) - als Lösung
verkündeten. So glaubt Wolff auch, daß die Zentrumspolitiker Kaas und Brüning - die
immer wieder beteuert hätten, von Hitler Zusicherungen für seine Verfassungstreue zu
erhalten - "überrumpelt" (Z.95) worden sind. Und das, obwohl er (Wolff) und seine
Zeitung seit langem vor einem Abkommen mit Hitler gewarnt haben. Wolff vermutet nun
als Strategie des Zentrums eine "sogenannte Duldungstaktik" (Z.109) im RT. Aber auch
damit sei der Staatsstreich letztlich nicht mehr zu verhindern, sondern lediglich zu
verschleiern. Und spätestens bei der ersten Duldungsweigerung des Zentrums im RT
wird - gemäß Wolffs Argumentation - aus dem verdeckten Staatsstreich ein
offensichtlicher werden.
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Arbeit zitieren:
Kulturwissenschaftler M.A. Adrian Flasche, 1996, Theodor Wolffs Leitartikel "Es ist erreicht" im "Berliner Tageblatt" vom 31. Januar 1933, München, GRIN Verlag GmbH
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