Inhaltsverzeichnis
A. Einleitung 3
B. Kohäsion, Kohärenz und die Problematik der Chat-Technologie. 4
I. Kohäsion und Kohärenz als Kategorien der Textlinguistik. 4
1. Kohäsion. 4
a. Referenz. 4
b. Substitution. 5
c. Ellipse 6
d. Konjunktionen. 6
e. lexikalische Kohäsion. 6
2. Kohärenz 7
II. Die Problematik der Chattechnologie hinsichtlich von Kohäsion und Kohärenz 10
1. mangelnde Aktivitäts- bzw. Status-Awareness. 10
2. Fehlende Bezugsindikatoren 11
3. Parallele Diskussionsstränge 12
4. keine Möglichkeit der Fehlerkorrektur 12
III. Konzepte zur Vermeidung der Problematik. 13
1. Der MMChat 15
2. Der Flow Client. 15
3. Der Threaded Chat 16
4. Der ThreadChat 16
5. Der Factchat 16
C. Zusammenfassung und Fazit 17
D. Literaturverzeichnis. 19
2
A. Einleitung
Kohäsion und Kohärenz sind zweifellos elementare Eigenschaften eines Textes und werden deshalb nach Einteilung von De Beaugrande/Dressler neben Intentionalität, Akzeptabilität, Situationalität, Informativität und Intertextualität zu den sieben Kriterien der Textualität gezählt. Sie stellen durch grammatisch-funktionale (Kohäsion) bzw. semantisch-kognitive Verknüpfungen (Kohärenz) einen lokalen oder globalen Sinnzusammenhang her. Ein Text macht für uns Leser daher nur Sinn, wenn er diese Grundeigenschaften besitzt. Auf die theoretischen Aspekte von Kohäsion und Kohärenz soll weiter unten näher eingegangen werden.
Kohäsion und Kohärenz sind, mehr oder weniger klar von einander abgetrennt, seit den 50er Jahren Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen. In jüngerer Vergangenheit wurde neben dem traditionellen Printtext ein weiteres Medium in die Diskussion über Kohäsion und Kohärenz miteinbezogen: das Internet. Die mannigfachen kommunikativen Möglichkeiten, die es mit sich brachte, zogen demnach schnell linguistisches Interesse auf sich und fanden ihren Niederschlag in verschiedensten Arbeiten. Der Hauptteil dieser Arbeit soll sich nach näherer Erläuterung der Konzepte von Kohäsion und Kohärenz hauptsächlich mit dem Thema Chat-Kommunikation beschäftigen. Der Chat hat im Vergleich zu beispielsweise Messenger-oder Email-Kommunikation durch seine Struktur mit großen Problemen hinsichtlich der
Kohäsion und Kohärenz zu kämpfen. Die Folge ist ein „konversationales Chaos“ 1 , das aber von einer gewissen Zahl der Chat-Benutzer als anregend angesehen wird und für diese ein Grund ist, überhaupt einen Chatroom zu betreten. Diese Problematik werde ich anhand von Ausschnitten aus Chats näher ausführen und erklären.
Seit geraumer Zeit beschäftigen sich einige Wissenschaftler mit der Frage, wie sich das oben angesprochene „konversationale Chaos“ vermindern lässt. Die Chat-Technologie verfügt über weitaus größere Potentiale als die, die sie in den sog. „social chats“ ausschöpft. Es wurden deshalb verschiedene Konzepte entwickelt, wie die Technologie beispielsweise für die Arbeits- oder Lernwelt nutzbar gemacht werden kann. Hierzu soll auf einige neue Ansätze eingegangen werden, die ich hinsichtlich ihrer Praktikabilität verglichen werden. Abschließend werde ich ein kurzes Fazit wagen.
1 Herring, Susan, „Interactional coherence in CMC”, Journal of Computer-Mediated Communication. 1999.
3
B. Kohäsion, Kohärenz und die Problematik der Chat-Technologie
I. Kohäsion und Kohärenz als Kategorien der Textlinguistik
1. Kohäsion
Begriff der Textlinguistik, speziell der Textgrammatik für unterschiedliche manifeste Eigenschaften eines Textes, die Ausdruck und Indiz seiner Textualität sind und dem
Rezipienten formale Hinweise zur Verknüpfung der Textteile geben 2
Diese Definition von Kohäsion stammt aus Bußmann’s Lexikon der Sprachwissenschaft und trifft meiner Meinung nach das Wesen der Kohäsion sehr gut. In der Vergangenheit wurden Kohäsion und Kohärenz oftmals gleichgesetzt bzw. die Kohäsion als Unterkategorie der Kohärenz bezeichnet. Nach neuestem Forschungsstand wird klar zwischen Kohäsion und Kohärenz getrennt. Die Kohäsion bewegt sich auf der formalen und „sichtbaren“ Ebene, d. h. die Elemente, die die Kohäsion bedingen, können in einem Text klar benannt werden. Die Kohärenz dagegen ist eine semantisch-kognitive Kategorie, die keine formalen Elemente besitzt. Bublitz schreibt hierzu: „As a descriptive category, coherence is a construct, and as such a ‘third-order entity’ in Lyon’s terms, which is epistemologically though not
phenomenologically real.” 3
Die folgenden Erläuterungen und Beispiele zur Kohäsion beziehen sich auf das Standardwerk „Cohesion in English“ von Halliday/Hasan. Als relationales Konzept bezeichnet die Kohäsion die Verknüpfung (cohesive tie) zwischen zwei oder mehreren grammatischen Elementen.
Cohesion occurs where the interpretation of some element in the discourse is dependant on that of another. The one presupposes the other, in the sense that it cannot be effectively
decoded except by recourse to it. 4
Aus dieser Erklärung geht hervor, dass das eine Element das andere voraussetzt und von diesem abhängig ist.
a. Referenz
Als erste Kategorie der Kohäsion soll die Referenz untersucht werden. Zunächst wird zwischen endophorischer und exophorischer Referenz unterschieden. Der Unterschied besteht darin, dass sich endophorische Referenz auf ein im Text befindliches Element bezieht,
2 Bußmann, Hadumod, Hg., Lexikon der Sprachwissenschaft. Stuttgart, 2002, S. 352.
3 Bublitz, Wolfram, „The user as ‚cyberego’“, Anglistentag 2004 Aachen, Proceedings. Trier, 2005, S. 311-324.
4 Haliday/Hasan, S. 4
4
während die exophorische Referenz sich auf ein Element außerhalb des Textes bezieht. Ein Besipiel hierzu: „For he’s a jolly good fellow and so say all of us” (S. 32). Das Referenzelement zum Personalpronomen „he” liegt nicht innerhalb des Textes, es ist eine Person außerhalb.
Die endophorische Referenz lässt sich wiederum in anaphorische und kataphorische Referenz unterteilen. Die anaphorische Referenz verweist auf ein Element, das bereits im Text vorher genannt wurde. „Wash and core the six cooking apples. Put them into a fireproof dish“ (S. 3). Das Personalpronomen „them“ verweist in diesem Fall auf die vorher im Text genannten „apples“. Die kataphorische Referenz bezieht sich dagegen auf ein Element, das erst danach im Text vorkommt. „That you have wronged me does appear in this: You have condemned and noted Lucius Pella for taking bribes here of the Sardians.” (S. 68) Das Demonstrativpronomen “this” setzt in diesem Fall den Sachverhalt voraus, der erst nach ihm ausgeführt wird.
Weiterhin lässt sich die Referenz noch hinsichtlich der Elemente unterteilen, die sie bedingen. Man spricht in diesem Fall von personaler, demonstrativer und komparativer Referenz.
b. Substitution
Auf den ersten Blick mag es erscheinen, als ob Referenz und Substitution dasselbe seien. Doch unterscheiden sich diese bedien Kategorien hinsichtlich der Ebene auf der sie wirken. Die Referenz verknüpft verschiedene Elemente auf semantischer Ebene, während bei der Substitution lediglich Platzhalter eingesetzt werden.
The distinction between substitution and reference is that substitution is a relation in the wording rather than in the meaning. […] Substitution is a relation between linguistic items, such as words or phrases; whereas reference is a relation between meanings (S. 88)
Es wird unterschieden zwischen Nominal- oder Verbalsubstitution bzw. der Substitution ganzer Teilsätze. Die Nominalsubstitution wird hauptsächlich durch „one“ und „the same“ bewerkstelligt, die als Platzhalter von bestimmten Nomen fungieren. Besipiele hierzu:
„My axe is too blunt. I must get a sharper one.“ (S. 89) „I’ll have two poached eggs on toast, please. - I’ll have the same.” (S. 105) Bei der Verbalsubstitution werden Verben durch den Platzhalter “do” ersetzt. “He never really succeeded in his ambitions. He might have done, one felt, had it not been for the restlessness of his nature” (S. 113)
5
Zu guter Letzt können auch noch ganze Teilsätze ersetzt werden. Dies geschieht mit Hilfe der Platzhalter „so“ und „not“. Beispiele: “’Has everyone gone home?’ - ‘I hope so.’” “’Has everyone gone home?’ - ‘I hope not.’”(S. 133)
c. Ellipse
Die Ellipse wird auch als “Null-Substitution” bezeichnet. Der Grund hierfür liegt in der Tatsache, dass ein bestimmtes Element durch nichts ersetzt wird, praktisch ausgelassen wird. Ähnlich wie bei der Substitution wird zunächst zwischen der nominalen Ellipse und der verbalen Ellipse unterschieden. Beispiele hierzu:
„Four oysters followed them, and yet another four” (S. 148) nominale Ellipse „’Have you been swimming?’ - ‘Yes, I have’” (S. 167) verbale Ellipse Zudem ist es möglich, ganze Satzteile auszulassen, ohne den Satz damit ungrammatisch zu machen. Halliday/Hasan veranschaulichen diesen Sachverhalt an folgendem Ausgangssatz: „The Duke was going to plant a row of poplars in the garden.“ Stellt man diesen Satz nun zu einer Frage um, wie „What was the Duke going to do?“, ist die Antwort „Plant a row of polars in the garden.“ absolut korrekt, obwohl hier das modale Element des Satzes ausgelassen wurde. Dasselbe ist mit dem propostitonalem Element dieses Satzes möglich: „’Who was going to plant a row of poplars in the garden?’ - ‘The Duke.’“
d. Konjunktionen
Konjunktionen, im Deutschen auch Bindewort genannt, tragen ihren verknüpfenden Charakter praktisch schon im Namen und sind dementsprechend für die Kohäsionsbildung innerhalb eines Textes ein zentrales Element. Die Konjunktionen werden in die Kategorien additiv (and, or, furthermore, etc.), adversativyet, nevertheless, however, etc.), kausal (so, therefore, because, etc.) und temporal (then, finally, meanwhile, etc.) untergliedert.
e. lexikalische Kohäsion
Die bis hierhin vorgestellten Kategorien der Kohäsion waren grammatische Kategorien. Die kohäsiven Strukturen werden hier durch Elemente der geschlossenen Wortklassen hergestellt. Darüber hinaus gibt es noch die lexikalische Kohäsion, nach Halliday/Hasan „the cohesive effect achieved by the selection of vocabulary” (S. 274). So genannte „general nouns“ sind
6
Arbeit zitieren:
Thomas Siegl, 2008, Kohäsion und Kohärenz in der Chat-Kommunikation, München, GRIN Verlag GmbH
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