DOGMA-FILM
Der Zusammenhang von Schauspiel
und Authentifizierungskonzepten
Schriftliche Hausarbeit
für die Bachelorprüfung der Fakultät für Philologie
an der Ruhr-Universität Bochum
(Gemeinsame Prüfungsordnung für das Bachelor/Master-Studium
im Rahmen des 2-Fach-Modells an der RUB vom 7.1.2002)
vorgelegt von
Britta Schiwy
am
24.07.2008
Inhaltsverzeichnis
INHALTSVERZEICHNIS II
ABBILDUNGSVERZEICHNIS III
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS IV
1 EINLEITUNG 1
2 UNTERSUCHUNGSRELEVANTE GRUNDLAGEN 3
2.1 ,,Das Keuschheitsgelübde" als Basis der DOGMA-Filme 3
2.2 Authentizität 5
2.3 Schauspiel 7
3 ANALYSE DER AUTHENTIFIZIERUNGSSTRATEGIEN 9
3.1 Besonderer Ablauf am Set 10
3.1.1 Einsatz von Handkameras 12
3.1.2 Abhängigkeit von Bild und Ton 18
3.1.3 Bewusst unvollständige Informationsgebung an Schauspieler 19
3.2 Besondere Bedingungen am Set über den Dreh hinaus 21
3.3 Methoden und Techniken zur Emotionsbildung 22
3.4 Besonderer psychischer und physischer Anspruch an die Schauspieler24
4 KRITISCHE DISKUSSION 30
5 SCHLUSSBETRACHTUNG 33
BIBLIOGRAPHIE V
FILMOGRAPHIE VII
PERSONENVERZEICHNIS IX
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Lovers Paris bei Tag mit Fußgängern 11
Abbildung 2: Lovers Paris bei Nacht mit Fußgängern 1 11
Abbildung 3: Lovers Paris bei Nacht mit Fußgängern 2 11
Abbildung 4: Das Fest Kapitel 15: Christians zweite Rede 16
Abbildung 5: Das Fest Direkter Blick in die Kamera 17
Abbildung 6: Idioten - Paprika Steen 1 20
Abbildung 7: Idioten - Paprika Steen 2 20
Abbildung 8: Idioten - Karen nach dem Schlag 1 27
Abbildung 9: Idioten - Karen nach dem Schlag 2 27
Abbildung 10: Mifune - Gewalt an Kresten 1 27
Abbildung 11: Mifune - Gewalt an Kresten 2 27
Abbildung 12: Mifune - Paprika Steen in der Bestrafungsszene 28
Abbildung 13: Mifune Kresten mit blauem Auge 28
Abkürzungsverzeichnis
bspw. -
beispielsweise
bzw.- beziehungsweise
ca. -
circa
d.h. -
das heißt
DOGMA -
DOGMA 95 Bewegung
etc. - et
cetera
f. - folgende
ff. -
fortfolgende
o.ä. -
oder Ähnliches
o.g. -
oben genannte
S. -
Seite
s.u. -
siehe unten
u.a. -
unter anderem
usw. -
und so weiter
vgl. - vergleiche
z.B. - zum
Beispiel
z.Z. - zur
Zeit
1 Einleitung
Nicht ein Film selbst, sondern sein Verhältnis zu anderen Filmen entscheidet über seine Authentizität1. Demzufolge ist Authentizität also keine DOGMA 952-spezifische Eigenschaft, sondern Effekt einer Relation zwischen einem DOGMA-Film und einem Nicht-DOGMA-Film. Erst durch Betrachtung dieser Beziehung können die Authentifizierungskonzepte der DOGMA-Produktionen analysiert werden. (vgl. Seier 2005, 108ff.) Das DOGMA-,,Keuschheitsgelübde"3 liest sich wie eine Anleitung zur Produktion von Authentizität und stellt dem individuellen Film ein unangreifbares Regelwerk gegenüber.
Mit ihrem DOGMA-Manifest stellten sich die Regisseure gegen die zunehmende Wirklichkeitsverfremdung des klassischen Hollywoodkinos, Effekte und technische Raffinessen sowie Illusion und dramaturgische Vorhersehbarkeit wurden durch selbstauferlegte Regeln aus ihren Filmen verbannt.
Dies sollte den von Technik überfluteten Regisseuren die Lust am Filmemachen wiedergeben. Die zehn Dogmen bestehen aus neun Geboten und einem Verbot in ihnen steckt die Absage, Wirklichkeit zu manipulieren. Sie beziehen sich auf eine Keuschheit gegenüber dem Subjektiven und dem Privaten. (vgl. Hallberg/ Wewerka 2001, 158f.) Der Drehbuchautor Mogens Rukov4 bringt diesen Ansatz auf den Punkt:
1 Vgl. ,,Untersuchungsrelevante Grundlagen": Begriffserklärung ,,Authentizität".
2 Als DOGMA95-Bewegung (hier folgend kurz: DOGMA) bezeichnete sich ursprünglich eine Gruppe
von vier dänischen Filmregisseuren, zu denen neben Lars von Trier als Kopf der Bewegung auch Thomas Vinterberg, Søren Kragh-Jacobsen sowie Kristian Levring gehörten. Sie betitelten sich selbst als ,,DOGMA-Brüder".
3 Vgl. Kapitel 2.1: ,,"Das Keuschheitsgelübde" als Basis der DOGMA-Filme".
4 Vgl. über Mogens Rukov: http://www.imdb.com/name/nm0750000/. (zuletzt gesehen am: 11.07.2008,
11:21h.)
,,Die Dogmen haben nicht nur einen Rahmen der Einfachheit geschaffen, sondern auch das eigentliche Gefühl des Films zurück in die Wirklichkeit geführt, dorthin, wo die Dinge stattfinden und die Vorstellungen sich entfalten bis zu einem gewissen Grad an die Quelle der Natürlichkeit aller Dinge." (Hallberg/ Wewerka 2001, 89)
Dies geschieht durch die Absage an technische Hilfsmittel des klassischen Films und dadurch die Konzentration auf das Wesentliche. Diese selbst auferlegten Beschränkungen zwingen die Filmemacher, die eigene Phantasie in höchstem Maße zu nutzen. (vgl. Hallberg/ Wewerka 2001, 179) Das Schauspiel, sowie die Schauspieler an sich haben in Filmen der DOGMA-Bewegung einen besonders hohen Stellenwert bezüglich der Konzipierung von Authentizität.
Das Ziel dieser Arbeit ist die Untersuchung der Relation von Schauspiel und Authentifizierungskonzepten im DOGMA-Film. Es soll festgestellt werden, ob sich diese Beziehung anders als bei traditionellen Filmen verhält und durch welche Strategien an der Entstehung von Authentizität im Rahmen von DOGMA 95-Produktionen gearbeitet wird.
Gegliedert ist die vorliegende Arbeit in vier Teile, d.h. im folgenden zweiten Kapitel werden zunächst die fachlichen Grundlagen geklärt, die für den Einstieg in die Thematik notwendig sind. Die detaillierte Analyse bildet im Kapitel 3 den Hauptteil der Ausarbeitung. Folgend wird im vierten Kapitel eine kritische Diskussion der vorangegangenen Analyse geführt. Das letzte Kapitel beinhaltet die Schlussbetrachtung der Thematik.
2 Untersuchungsrelevante Grundlagen
In diesem Kapitel werden die für das Verständnis dieser Arbeit wichtigen Fachtermini und Zusammenhänge erläutert.
2.1 ,,Das Keuschheitsgelübde" als Basis der DOGMA-Filme
Grundlage für die Analyse dieser Arbeit stellt das 1995 von Lars von Trier und Thomas Vinterberg publizierte ,,Keuschheitsgelübde" dar, auf dessen Basis bis heute sämtliche DOGMA-Filme produziert werden. Vinterberg war von Lars von Triers Idee begeistert, eine neue Welle im Filmbereich zu kreieren und bei einem informellen Treffen verfassten sie innerhalb weniger Stunden das immer noch gültige DOGMA-Manifest. Laut von Trier, der übrigens als eine der kreativsten Persönlichkeiten des europäischen Kinos gilt5, ist diese schnelle Entstehung nicht als Qualitätsminderung der Inhalte zu sehen. Für ihn müssen Manifeste schnell verfasst werden, damit sie die nötige Expressivität und Provokation erhalten. (Vgl. Hallberg/ Wewerka 2001, 175f.)
Die von den beiden Regisseuren aufgestellten Regeln lauten wie folgt:
,,Ich gelobe, mich den folgenden Regeln zu unterwerfen, die von DOGMA 95 ausgearbeitet und bestätigt wurden:
1. Die Dreharbeiten müssen an Originalschauplätzen stattfinden. Requisiten und Bauten sind verboten. (Wenn ein bestimmtes Requisit für die Geschichte notwendig ist, muss ein Drehort gefunden werden, an dem dieses Requisit vorhanden ist.)
2. Der Ton darf niemals unabhängig vom Bild aufgenommen werden und umgekehrt. (Musik darf nicht verwendet werden, es sei denn, sie kommt direkt am Drehort vor.)
5 Vgl. über Lars von Trier in: Bock 199, 475f.
3. Es darf nur mit Handkamera gedreht werden. Jede Bewegung und jede Stabilisierung, die von Hand erzeugt werden kann, ist erlaubt. (Der Film darf nicht stattfinden, wo die Kamera steht, sondern es muss gedreht werden, wo der Film stattfindet.)
4. Der Film muss in Farbe gedreht werden. Künstliches Licht wird nicht akzeptiert. (Wenn zu wenig Licht vorhanden ist, muss die Szene gestrichen oder eine einzelne Lampe an der Kamera angebracht werden.)
5. Optische Bearbeitung ist ebenso wie die Verwendung von Filtern verboten.
6. Der Film darf keine vordergründige Action enthalten. (Mord, Waffen etc. dürfen nicht vorkommen.)
7. Zeitliche und geographische Verfremdung sind verboten. (Das heißt, der Film findet zeitlich im Hier und Jetzt statt.)
8. Genre-Filme werden nicht akzeptiert.
9. Das Filmformat muss 35mm-Academy sein.
10. Der Regisseur darf nicht genannt werden.
Ferner gelobe ich, als Regisseur von meinem persönlichen Geschmack Abstand zu nehmen! Ich höre auf, Künstler zu sein. Ich gelobe, nicht mehr auf ein ,,Werk" hinzuarbeiten und statt dessen den Moment stärker zu gewichten als das Ganze. Mein höchstes Ziel ist es, meinen Figuren und Szenen Wahrheit abzuringen. Ich gelobe dies zu tun mit allen Mitteln, auf Kosten jeglichen guten Geschmacks und jeglicher Ästhetik. Hiermit lege ich das KEUSCHHEITSGELÜBDE ab.
Kopenhagen, Montag, den 13. März 1995
Im Namen von DOGMA 95
Lars von Trier, Thomas Vinterberg" (Hallberg/ Wewerka 2001, 12f.)
Diese Regeln sind wie dafür geschaffen, den Schauspielern Zeit und Raum zum Spielen zu geben. Bei klassischen Filmen hingegen müssen sie ständig warten, bis beispielsweise der Ton verfeinert ist, die Requisiten am richtigen Platz sind etc. In DOGMA geht es darum, bildlich gesehen ,,die Schminke abzuwischen", was überflüssig ist zu beseitigen. Je mehr reduziert wird, desto mehr nähert man sich der Wahrheit an. (vgl. Hallberg/ Wewerka 2001, 317)
Quote paper:
Britta Schiwy, 2008, DOGMA-Film – Der Zusammenhang von Schauspiel und Authentifizierungskonzepten , Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Bernard Herrmanns Filmmusik zu Alfred Hitchcocks 'Vertigo'
Communications - Movies and Television
Termpaper, 10 Pages
Analyse zu "Das Fest" von Thomas Vinterberg im erweiterten K...
Untersuchung der ästhetischen,...
Termpaper, 23 Pages
Realismus, Authentizität und Differenzqualität - Das Projekt Dogma 95 ...
Thesis (M.A.), 139 Pages
Die subversive Kraft der Bilder: Das filmische Werk Pedro Almodóvars v...
Thesis (M.A.), 113 Pages
Communications - Movies and Television
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 25 Pages
Quote und Qualität im deutschen Fernsehen im Zeitalter von Internet- u...
Communications - Movies and Television
Thesis (M.A.), 59 Pages
Luis Bunuels "Las Hurdes. Tierra sin pan" - Eine Dokumentati...
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 25 Pages
Filmanalyse und Filmdramaturgie am Beispiel von Robert Rodriguez' ...
Communications - Movies and Television
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 42 Pages
Intermedia / Intermedialität: Konzepte,Theorien und Umsetzung
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 19 Pages
'Vielleicht' in der Funktion einer Modalpartikel
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 13 Pages
Das Dokumentartheater des Peter Weiss - Am Beispiel des "Viet Nam...
German Studies - Comparative Literature
Scholary Paper (Seminar), 16 Pages
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 15 Pages
Die Modalpartikeln "eben" und "halt" - Synchrone B...
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 16 Pages
Peter Weiss: Die Ermittlung - Zur Struktur des dokumentarischen Theate...
German Studies - Modern German Literature
Scholary Paper (Seminar), 33 Pages
Psycho-Analyse. Betrachtungen zur Entwicklung der kinematographischen ...
Scholary Paper (Seminar), 30 Pages
Filme im Literaturunterricht: Filmanalyse "Das Fest"
German - Pedagogy, Didactics, Literature Studies
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 25 Pages
Story, Plot, Narration - Filmtheoretische Grundbegriffe, veranschaulic...
Scholary Paper (Seminar), 16 Pages
Britta Schiwy's text DOGMA-Film – Der Zusammenhang von Schauspiel und Authentifizierungskonzepten is now available as a printed book
Britta Schiwy has published the text DOGMA-Film – Der Zusammenhang von Schauspiel und Authentifizierungskonzepten
Britta Schiwy has uploaded a new text
Die besten Filme und Schauspieler aller Zeiten
Ein subjektiver Querschnitt du...
Gerd Egelhof
Einführung in die Filmgeschich...
Thomas Christen, Robert Blanchet
0 comments