I
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis I
Abbildungsverzeichnis IV
Tabellenverzeichnis V
Abk ürzungsverzeichnis VI
1 Einleitung. 1
1.1 Motivation und Ziel der Arbeit 1
1.2 Aufbau der Arbeit 3
2 Grundlagen. 4
2.1 Demenz 4
2.2 Unterschiedliche stationäre Einrichtungen. 5
2.3 Soziale Arbeit. 6
2.4 Demographischer Wandel in Deutschland. 7
3 Demenz 10
3.1 Formen von Demenz 10
3.1.1 Demenz vom Alzheimer Typ 10
3.1.2 Irreversible Demenzen 12
3.1.3 Reversible Demenzen 13
3.2 Klassifikation von Demenzen 14
3.2.1 Primäre Demenzen 14
3.2.2 Sekundäre Demenzen. 15
3.3 Hergang und Schweregrad von Demenz 16
3.3.1 Leichte Demenz 16
3.3.2 Mittelschwere Demenz 16
3.3.3 Schwere Demenz 17
3.4 Epidemiologie - Prävalenz und Inzidenz demenzieller
Erkrankungen 18
3.5 Diagnose Demenz 19
II
3.5.1 ICD-10 und DSM IV. 19
3.5.2 Präsentation symptomdiagnostischer Screeningverfahren zur
Einordnung einer Demenz. 21
3.5.2.1 Der Mini-Mental-Status-Test 21
3.5.2.2 Der Uhrenzeichentest 23
3.5.2.3 Der DemTect. 24
3.6 Spezifische Verhaltensweisen dementer Menschen. 25
4 Recht, Gesetz und finanzielle Unterstützung in Hinblick auf die
soziale Sicherung der Menschenwürde. 28
4.1 Übertragung der Entscheidungsfähigkeit 28
4.2 Gesetzliche Betreuung. 30
4.3 Leistungen der Pflegeversicherung und andere finanzielle
Hilfen. 31
4.3.1 Rechtliche Angelegenheiten. 38
4.4 Aufsichtspflicht und Haftung 39
5 Anregungen für sozialpädagogische Handlungsfelder sowie
Betreuungsm öglichkeiten und Freiraumgestaltung bei der Arbeit
mit dementen Menschen in Einrichtungen der Altenhilfe. 41
5.1 Die Maslowsche Bedürfnispyramide 41
5.2 Lerntheoretische Handlungsansätze. 43
5.2.1 Biographiearbeit 43
5.2.2 Das Realitätsorientierungstraining. 45
5.2.3 Selbsterhaltungstherapie. 46
5.2.4 Geborgenheit als Therapie 49
5.3 Der verstehende Umgang mit dementen Menschen -
Betreuungskonzepte. 50
5.3.1 Validation 51
5.3.2 Integrative Validation. 53
5.3.3 Milieutherapie 54
5.3.3.1 Gartenkonzept. 56
5.3.3.2 Tiergestützte Therapie 58
5.3.4 Klientenzentrierte Gesprächsführung 60
III
5.3.5 Begleitende Angebote in der Betreuung Demenzerkrankter in
Einrichtungen der Altenhilfe 62
5.3.5.1 Ergotherapie. 62
5.3.5.2 Musik- und Maltherapie 63
5.3.5.3 Gedächtnistraining- und spiele. 64
5.3.5.4 Snoezelen 65
5.3.5.5 Basale Stimulation 66
5.4 Ziele und Aufgaben der sozialen Arbeit in der Betreuung dementer
Menschen. 67
6 Zusammenfassung 70
Literaturverzeichnis 73
IV
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Bevölkerungsentwicklung in Deutschland
Abb. 2: Häufigkeit der Demenz bezogen auf
unterschiedliche Altersklassen
Abb. 3: Übersicht zur Häufigkeitsverteilung der
verschiedenen Demenztypen 1998.
Abb. 4: Mini-Mental-Status-Test
Abb. 5: Drei Beispiele für einen pathologischen Uhrenzeichentest.
Abb. 6: Stufen der Pflegebedürftigkeit in Abhängigkeit der
erforderlichen Hilfen
Abb. 7: Leistungen der Pflegeversicherung im Überblick
Abb. 8: Die Maslowsche Bedürfnispyramide.
Abb. 9: Die 10 Grundsätze und Werte der Validation.
Abb. 10: Tiergestützte Therapie.
Abb 11: Demenzpflege
V
Tabellenverzeichnis
Tab. 1: Leistungen der Pflegeversicherung ..........................................35 Tab. 2: Die Identität von Alzheimer-Kranken ........................................48 Tab. 3: Bezugspunkte für milieutherapeutische Maßnahmen...............55
VI
Abkürzungsverzeichnis
Abs. Absatz Art. Artikel BSHG Bundessozialhilfegesetz BGB Bürgerliches Gesetzbuch bzgl. bezüglich bzw. beziehungsweise CDR Clinical Dementia Rating Klinische Demenz-Ratingskala DAT Demenz Alzheimer Typ DMS IV Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders,
DemTect Demenz-Detektion EEG Elektroenzephalografie ebd. ebenda et al. und andere GDS Global Deterioration Scale GG Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland FAST Functional Assessment Staging ICD International Classification of Diseases,
IVA Integrative Validation MDK Medizinischer Dienst der Krankenkassen MID Multi-Infarkt-Demenz MMST Mini-Mental-Status-Test ROT Realitäts-Orientierungs-Training SET Selbsterhaltungstherapie s. siehe S. Seite Tab. Tabelle TÜV Technischer Überwachungsverein
VII
UZT Uhrenzeichentest vgl. vergleiche WHO World Health Organization, Weltgesundheitsorganisation zit. n. Zitat nach
1
1 Einleitung
1.1 Motivation und Ziel der Arbeit
Aufgrund der demographischen Veränderung werden psychische Erkrankungen im Alter zunehmen. In der Bundesrepublik Deutschland sind ca. 13 Millionen Menschen über 65 Jahre alt. Von diesen Menschen leiden etwa 2,5 Millionen an psychischen Erkrankungen. Die häufigsten Erkrankungen sind Demenzen, Depressionen und Ängste. 1 Aktuell leiden 1,2 Millionen Menschen an einer Demenzerkrankung. Nicht zuletzt aufgrund der demographischen Entwicklung und einer Zunahme an hochaltrigen Menschen, wodurch mit dem Lebensalter die Wahrscheinlichkeit steigt, an einer Demenz zu erkranken, gewinnt die Sozialarbeit in der Arbeit mit alten kranken Menschen zunehmend an Bedeutung. Eine große Herausforderung des neuen Jahrtausends wird es für die Sozialarbeit sein, für die immer größer werdende Gruppe demenzkranker Menschen eine adäquate, professionelle und menschenwürdige Pflege mit individuellen Betreuungskonzepten zu gewährleisten. Dabei gab es in der Vergangenheit erst spät eine sozialwissenschaftliche Erforschung des Alters und entsprechende Empirien. Die Altenpflege war medizinischen und pflegerischen Berufen vorbehalten. 2 Die Demenz wird derzeit immer noch als eine rein organische Störung angesehen, „bei der man nichts mehr machen kann“. Dabei wirken sich vielfältige Dienstleistungsmöglichkeiten positiv auf die Lebensqualität von Menschen mit Demenz aus. Wissenschaftliche Forschungen des Kuratoriums deutsche Altenhilfe belegen, dass der Verlauf einer Demenzerkrankung nicht nur von organischen, sondern auch von psychischen und sozialen Faktoren abhängig ist.
„Wer dement ist, der kann nichts mehr“, ist eine übliche pauschalisierte Voreingenommenheit. Menschen, die unter einer Demenz leiden, werden von anderen oft als schwerstbeeinträchtigte, leidende und hilfsbedürftige Personen wahrgenommen. Familienangehörigen sehen in ihnen teilweise
1 vgl. Schulz-Hausgenoss/Arbeiterwohlfahrt Bundesverband 2004, S. 26, 27.
2 vgl. Schweppe 2005, S. 39, 40.
2
„das große Unglück“, die Gesellschaft ein finanzielles Desaster. Selten werden die einzelnen Demenzformen differenziert und zwischen den vielfältigen, sehr unterschiedlichen Schwankungsbreiten dieser Erkrankung unterschieden. Das Umfeld der Erkrankten tut aus Unwissenheit und Ungeduld meist vieles dafür, dass die Kranken noch kränker werden und die Behinderung möglichst rasch fortschreitet, anstatt die Erkrankung zu verzögern. Es bleibt starr, reizlos und unüberschaubar, so dass Menschen, die mit ihrer Orientierung und ihrem Selbstbild vermehrt Schwierigkeiten aufweisen, noch einsamer, abhängiger und hilfloser werden als dies aufgrund des Beschwerdebildes eintreten würde. So bedarf es noch größerer Anstrengungen, damit ein alter Mensch mit einer Demenzerkrankung als ge-sunder Mensch wahrgenommen wird und nicht als Schwerkranker ohne eigenen Willen. Es ist wichtig, den Demenzkranken als Individuum anzusehen und seine Ressourcen zu fördern. Die Herausforderung des Krankheitsbildes Demenz liegt darin, „besondere und andere“ Wege zu finden, zu lernen, und diese neu zu beschreiten.
Diese „ besonderen und anderen Wege“ soll die folgende Arbeit darstellen, die sich mit speziellen konzeptionellen Rahmenbedingungen für die sozialpädagogische Betreuung von Demenzkranken beschäftigt. Explizit soll diese Arbeit sich mit der Thematik auseinandersetzen, welche Möglichkeiten Sozialarbeiter besitzen, um demenzkranke Menschen zu unterstützen. Untersucht wird ebenso die Erforschung von sozialpädagogischen Handlungsfeldern und diversen Betreuungsmöglichkeiten von Sozialpädagogen, um einerseits die Krankheit Demenz zu retardieren und andererseits den dementen Menschen eine abwechslungsreiche und eine auf ihn abgestimmte Betreuung im vollen Umfang zu gewährleisten. Hierbei stellt sich die Frage, welche Ziele und Aufgaben die Sozialarbeit in der Betreuung mit dementen Menschen mit sich bringt und ob der Krankheitsverlauf mit Hilfe professioneller und adäquater sozialpädagogischer Betreuung verlangsamt werden kann. Ebenso wird die Notwendigkeit der Sozialen Arbeit in der Behandlung von Demenzerkrankungen analysiert. Des Weiteren wird in dieser Arbeit ein Überblick über die Möglichkeiten einer erlebnis- und be- dürfnisorientierten Betreuung von Demenzerkrankten im stationären Be-
3
reich gegeben, die über die elementaren Versorgungsmaßnahmen hinausgeht.
1.2 Aufbau der Arbeit
Nach der Darstellung der Motivation für das Thema, der Zielsetzung und des Aufbaus der Arbeit im ersten Kapitel werden in Kapitel zwei die begrifflichen Grundlagen zum Verständnis der Arbeit erläutert. Es erfolgen Begriffsklärungen von Demenz, unterschiedlichen stationären Einrichtungen, sozialer Arbeit und vom demographischen Wandel in Deutschland. Daraufhin wird im dritten Kapitel ein umfangreicher Einblick in das Krankheitsbild Demenz gegeben. Unterschiedliche Formen, die Klassifizierung sowie der Hergang und der Schweregrad der Krankheit werden angeführt. Des Weiteren folgen aktuelle Screeningverfahren zur Einordnung einer Demenz und der speziellen Verhaltensweisen Demenzerkrankter. Alsdann soll im vierten Kapitel ein Überblick über die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen gegeben werden, der die Übertragung der Entscheidungsfähigkeit und Leistungen der Pflegeversicherung impliziert. Im Anschluss daran folgen im fünften Kapitel verschiedene lerntheoretische Handlungsansätze, mit denen diverse Betreuungskonzepte erforscht werden, um einen sicheren und verständnisvollen Umgang mit den Demenzkranken zu gewährleisten. Weiterhin werden begleitende Beschäftigungen angeführt, um intensiv und fördernd auf den Demenzkranken einzuwirken. Fortan werden die Bedeutung von Sozialarbeitern in der Arbeit mit alten kranken Menschen sowie die konkreten Aufgaben der sozialen Arbeit in der Betreuung mit Demenzkranken dargestellt. Im sechsten und letzten Kapitel der Arbeit wird eine Zusammenfassung gegeben.
Aus Gründen der Lesbarkeit wird bei Personenbezeichnungen lediglich die maskuline Form benutzt. In der männlichen Sprachform sehe ich die weib- liche Personen integriert.
4
2 Grundlagen
In diesem Kapitel wird eine Klärung der Begriffe Demenz, stationäre Einrichtungen, soziale Arbeit sowie demographischer Wandel durchgeführt, welche aus dem Thema dieser Arbeit hervorgehen.
2.1 Demenz
Der Terminus Demenz stammt aus dem Lateinischen und beinhaltet die beiden Wortteile de was mit weg von übersetzt werden kann und menz, was Geist bedeutet. Dementsprechend lautet die sinngemäße Übersetzung weg vom Geist. 3 Kasten et al. beschreiben Demenz als Entgeistigung, Entvernünftigung und Entverständigung. 4 Allerdings existiert in der Literatur keine eindeutige Begriffsbestimmung von Demenz. Die Definition der Welt-gesundheitsorganisation WHO scheint hierbei zweckentsprechend und lautet wie folgt 5 :
„Demenz ist eine erworbene globale (umfassende) Beeinträchtigung der höheren Hirnfunktion, einschließlich des Gedächtnisses, der Fähigkeit, Alltagsprobleme zu lösen, sensomotorischer und sozialer Fertigkeiten der Sprache und Kommunikation, sowie der Kontrolle emotionaler Reaktionen, ohne Bewusstseinsstörungen. Meist ist der Verlauf progredient (fortschreitend) und nicht notwendigerweise irreversibel (nicht umkehrbar).“ 6
Das Krankheitsbild einer Demenz zeigt sich durch den Verlust der intellektuellen Leistungsfähigkeit sowie des Gedächtnisses, Störungen im emotionalen Bereich und bei der Sprache und durch ein vermindertes Urteils- und Denkvermögen. Ein weiteres markantes Merkmal einer Demenz ist es, dass sich Gedächtnis und Intelligenz der Leidtragenden konstant verschlechtern, obwohl es vor der Erkrankung keine Einschränkungen gegeben hat. 7
3 vgl. Bell/Troxel 2004, S. 84.
4 vgl. Kasten et al. 2004, S. 17, 18.
5 vgl. Popp 2003, S.13.
6 Weltgesundheitsorganisation, zit. n. Hametner 2007, S. 13.
7 vgl. Hametner 2007, S. 13.
5
Die Betroffenen zeigen Defizite explizit im Rahmen der Aufnahme und Wiedergabe von neuen Informationen, im Gegensatz zu einst erlernten Abläufen oder vertrauten Angelegenheiten. Diese scheinen immer wieder abrufbar zu sein, verschwinden jedoch im weiteren Verlauf aus dem Langzeitgedächtnis. Weitere Auffälligkeiten der Demenz sind Störungen der Auffassungsgabe, eine Abnahme des Einfallsreichtums und einer Behinderung der Informationsverarbeitung. Durch die Störungen auf emotionaler Ebene sind Auffälligkeiten im Sozialverhalten und Unzulänglichkeiten der Motivation wahrnehmbar. Ebenso können Wesensveränderungen auftreten. 8
2.2 Unterschiedliche stationäre Einrichtungen
Das Altenheim ist eine Wohneinrichtung zur Betreuung und Pflege alter Menschen. Jeder Altenheimbewohner besitzt ein Zimmer oder ein Kleinappartement mit eigenen Möbeln, einer Waschgelegenheit und einer Kochnische. Arbeiten wie Haushaltsführung und Zubereitung von Essen werden den Altenheimbewohner abgenommen. Es handelt sich bei den älteren Menschen meist nur um einen schwach ausgeprägten Hilfebedarf zur Bewerkstelligungen des täglichen Lebens und nicht um eine Pflegebedürftigkeit. In Altenheimen bestehen häufig ein Mangel sowie Missstände von Funktionsräumen, die für die Pflege von hoher Notwendigkeit sind. Unter anderem dadurch schwindet die Autonomie der Bewohner. Bei einer steigenden Hilfsbedürftigkeit, die sich in eine leichte Art der Pflegebedürftigkeit umformt, ist der Bewohner gezwungen das Altenheim zu verlassen. Die Expansion von Altenheimen stagniert und die derzeitig bestehenden Altenheime werden langsam in Pflegeheime oder Wohnheime umgewandelt. 9
Ein Altenwohnheim ist für alte Menschen errichtet, die ihre Autonomie in einem gesicherten Bereich erhalten wollen. Die Wohnheime bestehen meist aus mehreren kleinen Wohnungen, die abschließbar sind und über eine Kochnische bzw. kleine Küche verfügen. Die Konzeption dieser Wohn- 8vgl. Popp 2003, S. 14.
9 vlg. Schöndube et al. 2004, S. 58, 59.
6
heime ermöglicht die Verpflegung, Fürsorge und Versorgung. Allerdings ist der Umfang von Personal und Gemeinschaftsangeboten sehr gering. 10
Das Altenpflegeheim ist eine der bedeutendsten Wohnformen, wenn alte Menschen nicht mehr in ihren normalen Wohnungen leben können. Durch den Bezug zur Pflegebedürftigkeit besitzt ein Altenpflegeheim wesentlich mehr Personal, das eine umfangreiche Pflege sowie Betreuung und Ver-sorgung garantieren kann. Dies gilt besonders für chronisch kranke und pflegebedürftige alte Menschen, für die ein Altenpflegeheim eine intensivste Betreuung bietet. In den Pflegeheimen wird der Focus explizit auf eine gemeinschaftsfördernde räumliche Gestaltung bei Bau, Ausstattung und Personalbesetzung gerichtet. So sollen beispielsweise mehr Wohnräume und sekundäre Wohnbereiche erschaffen werden, damit beispielsweise soziale Kontakte auch auf den Korridoren stattfinden können. Mehr Einzelzimmer ermöglichen den Bewohnern mehr Privatsphäre und geben ihnen mehr Gelegenheiten für hauswirtschaftliche Aktivitäten. Diese Faktoren dienen dazu, die verbliebenen Kräfte der alten kranken Menschen zu exerzieren und zu bewahren sowie eine Besserung des gesundheitlichen Befindens zu ermöglichen. 11,12
2.3 Soziale Arbeit
Die Terminologie der Sozialen Arbeit ist eine Zusammensetzung aus Sozialpädagogik und Sozialarbeit, die viele Institutionen und Maßnahmen vor gibt, die Menschen unterstützen sollen, sich in die Gesellschaft einzufügen und in ihr ein Leben zu führen, das der Würde des Menschen entspricht. Soziale Arbeit bezieht sich auf die Bedürfnisse der Betroffenen sowie auf die Wünsche der Bevölkerung und hat somit ein „doppeltes Mandat“. Soziale Arbeit ist ein sozialwissenschaftlich und -pädagogisch unverzichtbares Instrument der heutigen Gesellschaft und dient als Profession dazu, Personen in Problemsituationen indirekt zu effektiven und effizienten Lösungen zu verhelfen und sie als ganzheitliches Subjekt mit ihren Eigenarten und ihrer Entwicklung neutral zu betrachten. Ziel ist es, Probleme zu reduzieren
10 vgl. Deutscher Bundestag 1998, S. 146.
11 vgl. Hartmann et al. 1992, S. 25.
12 vgl. Deutscher Bundestag 1998, S. 145.
7
und die Klientel mittels Empowerment - eine Stärkung von Autonomie, Persönlichkeit, Selbstfindung und Eigenmacht - zu aktivieren, um eine bessere Lebensqualität durch freies Entscheiden und ein ressourcen- und interventionsorientiertes Denken und Handeln zu erreichen. 13,14
2.4 Demographischer Wandel in Deutschland
Die Anzahl der älteren Menschen wird in Zukunft weiter steigen und insbesondere die Menge an Hochaltrigen wird überproportional zunehmen. Die Faktoren dafür sind unter anderem ein massiver Geburtenrückgang, ein schrumpfender Wanderungssaldo und eine moderate Erhöhung der Lebenserwartung. Die weiter steigende Lebenserwartung resultiert aus einer bessere medizinische Versorgung, einer besseren Ernährung, besseren Lebensbedingungen und Wohnverhältnissen und aus der Umsetzung von Erfahrungen der Wissenschaft. 15 Finden zukünftig keine Gegenentwicklungen wie beispielsweise steigende Geburtenraten und eine erhöhte Zuwanderung statt, wird die Bevölkerung in Deutschland im Jahr 2100 um die Hälfte kleiner sein als derzeit. 16
In Hinblick auf die sinkenden Gesamtbevölkerung wird bis 2030 jeder dritte Bundesbürger älter als 60 Jahre sein. 17,18 Nach Auswertungen des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend wird es zukünftig der Normalität entsprechen, dass Menschen das 80. Lebensjahr überschreiten. Dieses wird in Abb. 1 dargstellt. 19
13 vgl. Kreft/Mielenz 2005, S. 748.
14 vgl. Zippel/Kraus 2003, S. 33
15 vgl. Mückenheim 1997, S. 9.
16 vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2005, S. 37.
17 vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2002, S. 18.
18 vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2006.
19 vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2002, S. 18.
8
Abb. 1: Bevölkerungsentwicklung in Deutschland
Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Fischer/Schwarz 1999, S. 16. Bei der Arbeitsmarktentwicklung werden in der Bundesrepublik Deutsch-land durch die alternde Erwerbsbevölkerung und die alternden Arbeiter neue Probleme entstehen. Zusätzlich ist in der nahen Zukunft für diesen Altersbereich keine Arbeitsmarktentlastung zu erwarten. In der Zeitspanne zwischen 2020 und 2050 wird die Alterung nochmals eine Beschleunigung widerfahren. 20
Aufgrund der drastischen und raschen Verschiebung der demographischen Gewichtungen, muss eine Umstrukturierung im Bereich der Wirtschaft und der Gesellschaft stattfinden. Ziel sollte es nicht sein, die Erscheinung der Hochaltrigkeit als gesellschaftliches Defizit oder als einseitige Gefahr zu betrachten, sondern die demographische Entwicklung in Hinblick auf sozialpolitische Strategien und diverse Forschungsbemühungen positiv zu werten. Die Bundesregierung sieht eine Herausforderung darin, Benachteiligungen oder Stigmatisierungen, insbesondere bei psychisch oder physisch beeinträchtigten alten Menschen, entgegenzuarbeiten, besonders wenn diese unfähig sind, selbst ihre Interessen zu vertreten. Des Weiteren konzentriert sie sich darauf, mehr Informationen bezüglich der Gesundheit, der Interessen und der Wünsche von Hochaltrigen zu sammeln und auf deren Potenziale, Fähigkeiten, Stärken und Erfahrungen zu setzen. Sie ist
20 vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2005, S. 37.
9
bemüht, weiterhin umfangreiche Hilfeangebote für Hochaltrige zur Verfügung zu stellen, um die subjektiven Bedürfnisse zu befriedigen. Ältere Menschen müssen spüren, dass der demographische Wandel für sie ein Nutzen an Lebensqualität erbringen kann. 21,22
21 vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2002, S. 19.
22 vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2006.
Arbeit zitieren:
Stefanie Erwig, 2008, Demenz – Ein Krankheitsbild als Herausforderung für die sozialpädagogische Betreuung in Einrichtungen der stationären Altenhilfe , München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Vernetzende Soziale Arbeit und Demenz
Bedeutung sozialer Unterstützu...
Psychologie - Beratung, Therapie
Hausarbeit, 17 Seiten
Nicht-medikamentöse Therapiemaßnahmen bei Demenz
Bieten nicht-medikamentöse The...
Soziologie - Medizin und Gesundheit
Studienarbeit, 25 Seiten
Zwischen Inklusion und Exklusion - Aufgaben und Funktion Sozialer Arbe...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 21 Seiten
Basale Stimulation - Förderung oder Alltagssituation
Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik
Seminararbeit, 15 Seiten
Psychologie - Klinische u. Gesundheitspsychologie, Psychopathologie
Seminararbeit, 28 Seiten
Die Bundesrepublik Deutschland als Konsensdemokratie - ein haltbares K...
Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands
Seminararbeit, 31 Seiten
Soziologie - Recht, Kriminalität abw. Verhalten
Hausarbeit (Hauptseminar), 31 Seiten
Basale Stimulation: Theorie und Anwendbarkeit - Ein Erfahrungsbericht
Hausarbeit, 23 Seiten
Emotionen zwischen Selbst- und Fremdzwängen - die Zivilisationstheorie...
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Hausarbeit, 19 Seiten
Sport im Alter - eine empirische Studie - Teilbereich Motivationsaspek...
Ausarbeitung, 22 Seiten
Zum Phänomen der Kriminalität, insbesondere der Jugendkriminalität
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 17 Seiten
Norbert Elias und der Prozess der Zivilisationen
Zur Genese des neuzeitlichen S...
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Seminararbeit, 16 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Zu: Paul Watzlawick, Menschliche Kommunikation - Formen und Störungen
Hausarbeit, 26 Seiten
Stefanie Erwig's Text Demenz – Ein Krankheitsbild als Herausforderung für die sozialpädagogische Betreuung in Einrichtungen der stationären Altenhilfe ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Stefanie Erwig hat den Text Demenz – Ein Krankheitsbild als Herausforderung für die sozialpädagogische Betreuung in Einrichtungen der stationären Altenhilfe veröffentlicht
Stefanie Erwig hat einen neuen Text hochgeladen
Demenzkranke in der stationären Altenhilfe
Aktuelle Inanspruchnahme, Vers...
Ingrid Hendlmeier, Leonore Köhler, Siegfried Weyerer, Martina Schäufele, Sandra Lode
Qualitätsniveau I: Mobilität und Sicherheit bei Menschen mit demenziel...
Martina Schäufele, Ingrid Hendlmeier, Sandra Teufel, Siegfried Weyerer
Milieutherapie in der stationären Altenhilfe
Lehr- und Arbeitsbuch für Alte...
Michael Graber-Dünow
EFQM in Einrichtungen der Altenhilfe
Messen - Bewerten - Besser wer...
Helmut Wallrafen-Dreisow, Roland Weigel
Demenz und Palliative Geriatrie in der Praxis
Heilsame Betreuung unheilbar d...
Marina Kojer, Martina Schmidl
0 Kommentare