Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Vergleich der vier Überlieferungen. 4
3. Die Genese der Primärüberlieferung und
die Konstruktion der Umstände durch die Sekundärhistoriker 9
4. Die Glaubwürdigkeit und Vertrautheit des Orakelspruch und
die Möglichkeit seines Vollzugs 13
5. Zusammenfassung. 17
6. Bibliografie. 18
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1. Einleitung
Während des Kleinasienzuges (334/333) stand Alexander unter hohen Druck. Er rechnete mit einem Gegenangriff der Perser. Ebenso war das Klima innerhalb seines Heeres angespannt. Diese Anspannung wurde durch den steinigen Weg an der Südwestküste Kleinasiens mitbedingt. In diesen unbekannten Gefilden hatte er jederzeit mit Hinterhalte, Mordanschlägen und Intrigen von Seiten der Perser zu rechnen. Hinzukommt, dass für ihn kein anderer Weg gangbar war, weil er der persischen Flotte den Zugang zum Land abschneiden wollte. Um die Anspannung seiner Truppen zu nehmen und um ihnen Zuversicht zu geben, soll er sich eines der berühmtesten Orakel bedient haben. In der damals bekannten Stadt Gordion soll er den Sagen umwobenen Knoten am Joch des Wagens gelöst haben. Durch die Lösung des Knotens sollte ihm die Herrschaft über ganz Asien versprochen
werden. 1
Das Ereignis ist so sehr im kollektiven Bewusstsein verankert, dass es heute noch gerne als geflügeltes Wort zitiert wird, wenn es darum geht einen gordischen Knoten zu lösen. Dennoch kann diese Tatsache keinen Aufschluss darüber geben, ob dieses Ereignis historisch ist. Der erste Blick auf die damaligen Ereignisse offenbart, dass Alexanders Aufenthalt in Gordion nur strategisch bedingt sei. So vereinbarten Parmenion und Alexander, dass sie sich dort treffen wollten. Alexander sollte die Küstenstädte offenhalten und Parmenion sollte mit schweren Tross und Entsatz nach Gordion ziehen. Ebenso schien Gordion ein idealer Ort zu sein, um ein militärisches Aufgebot gegen die Perser zu organisieren und die Kräfte für die bevorstehende Schlacht zu sammeln. Denn Alexander rechnete damit, dass er am Halysbogen auf Memnon treffen würde. Auch durch seine geografische Lage war Gordion ideal, denn von dort aus konnte er schnell zu jeder Region Kleinasiens - besonders über die persische Königsstraße - gelangen, sei es zu den besagten Küstenstädten oder zum Bosporus, um beides
vor einen Übergriff der Perser zu schützen. 2
Diese Arbeit wird sich also mit folgender These auseinandersetzen: Die Geschehnisse, die zur Erfüllung der mit dem gordischen Knoten verbundenen Prophezeiung erforderlich waren, sind eine Fiktion der späteren Alexanderhistoriker. Erst in der neueren Forschung ist diese These Gegenstand des Interesses geworden. In der früheren Forschung wurde über die Glaubwürdigkeit der beiden Lösungsvarianten des Knotens diskutiert. Daher ging die ältere Forschung davon aus, dass diese Ereignisse historisch waren. Dies macht verständlich,
weshalb sich die Historiker besonders mit der Symbolwirkung des Knotens beschäftigten. 3
1 Vgl. FOX: 2004, S. 174f u. 182.
2 Vgl. KRAFT: 1971, S. 87-89.
3 Vgl. SEIBERT: 1990, S. 92-94.
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Um der These genüge zu tun, wird folgende Methodik erwogen: zunächst werden die Überlieferungen der vier Alexanderhistoriker, die sich auf die Erfüllung der Prophezeiung beziehen, detailliert verglichen. Dabei werden ausgewählte Vergleichsmerkmale berücksichtigt. In einem weiteren Arbeitsschritt werden die Absichten der vier Autoren aus den Ergebnissen des Vergleiches herausgearbeitet. Ebenso soll der Überlieferungsweg von den Primär- zu den Sekundärquellen nachvollzogen werden. Dabei wird besonders darauf eingegangen, inwieweit die Autoren bewusst die Umstände so zusammenstellten, um Alexander in ein für sie günstiges Licht zu stellen. Im letzten Arbeitschritt soll gezeigt werden, welcher Mittel sich die Alexanderhistoriker bedienten, um ihren Darstellungen Glaubwürdigkeit zu verleihen. Es soll gezeigt werden, inwieweit die Autoren Elemente des Mythos und die Erfahrungen ihrer Alltagswelt einbrachten. Kurz wird auf die Vorraussetzungen eingegangen, die zur Durchführung der Prophezeiung erforderlich waren.
2. Vergleich der vier Überlieferungen
Zunächst werden die Überlieferungen der vier Alexanderhistoriker (Justin, Plutarch,
Arrian und Curtius) 4 inhaltlich mit einander verglichen. Dieser Vergleich soll zeigen, dass in allen Überlieferungen ähnliche Elemente wiederkehren. Diese Elemente werden von Autor zu Autor unterschiedlich gewichtet und unterscheiden sich daher nur im geringen Maße von einander. Diese Unterschiede sollen in diesem Abschnitt der Arbeit herausgearbeitet werden. Eine bloße Inhaltswiedergabe der vier Überlieferungen würde diesem Zweck nicht genügen. Für den Vergleich werden folgende Kriterien verwendet: (1) die geografische Beschreibung der Stadt, (2) die Standortsbestimmung des Wagens, (3) die Motive Alexanders Gordion aufzusuchen, (4) Alexanders Wissen um die Bedeutung der Sage, des Wagens und des Orakelspruchs, (5) der Geltungsbereich des Orakelspruches, (6) die Beschaffenheit des Wagens, (7) Material des Knotens, (8) Ausgestaltung des Knotens, (9) der subjektive Eindruck bezüglich der Nichtlösbarkeit des Knotens, (10) die beiden Lösungsvarianten des Knotens und (11) die bei Arrian und Curtius überlieferten Sagen.
4 Die Zitierweise der Primärquellen wird im Literaturverzeichnis erläutert. Die vier Alexanderhistoriker schrieben ihre jeweiligen Werke mit großen zeitlichen Abstand zu den Ereignis in Gordion: So schreib Quintus Curtius Rufus (im folgenden Curtius) die Historiae Alexandri Magni zwischen den Jahren 41-54 nach Christus, Marcus Iunianus Iustinus (Iustin) schrieb seine Historiarum Philippicarum libri XLIV zwischen 200 und 400 nach Christus. Lucius Flavius Arrianus (Arrian) schrieb seine Anabasis Alexandrou um 120 nach Christus. Neben den drei Historiografien schrieb Plutarch seine Doppelbiografien um 100 nach Christus. Folglich war keiner von ihnen Zeitzeuge des Geschehens (Vgl. WIEMER: 2005, S. 18.).
Diodor wird bei diesem Vergleich nicht berücksichtigt. Diodor hatte für Alexanders Kleinasienzug nicht viel übrig, dies liegt sicherlich daran, dass Diodor den „persischen“ Standpunkt bei der Betrachtung der Ereignisse einnahm. Für ihn sind die Berichte um den Lynkesten, Memnons Tod und die Eroberung Makedoniens wichtiger, als die Geschehnisse in Gordion. (Vgl. KRAFT: 1971, S. 86 Anm. 16, S. 88-90, S. 89 Anm. 19). Für diese Zeit bezieht sich Diodor wahrscheinlich auf einen Gewährsmänner, der aus persischer Sicht die Ereignisse darstellt, bzw. Kleitarch (Vgl. WIEMER: 2005, S. 20).
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(1) Sämtliche Autoren belegen, dass Alexander sich in Gordion aufhielt und dort den Wagen vorfand. Nur Iustin und Curtius beschreiben die genaue geografische Lage der Stadt. Iustin beschreibt auch die Geografie, nämlich dass Gordion „zwischen Klein- und Großphrygien“ liegt (I 7-10). Ausführlicher lokalisiert Curtius den Standpunkt der Stadt: er betont das, dass Land dünn besiedelt sei, auch liege die Stadt am Fluss Sangarios und sei in etwa gleichweit vom Schwarzen wie vom Killikischen Meer entfernt. Dies sei auch der kürzeste Abstand zwischen den beiden Meeren, er verdeutlicht dies metaphorisch, wenn er sagt, dass sich dort das Festland „wie ein enger Hals“ (C 13) zusammenschnüre. Dieses kleinasiatische Festland zeichnet sich durch drei Merkmale aus: es besitzt eine dünne Scheidewand - den Bosporus -, welche die Meere trennt, dann hängt es am Festland - Asien - und ist an den restlichen Seiten von Fluten umspült (C 11-14). (2) Arrian und Plutarch weisen daraufhin, dass der Wagen in der Residenz des Midas bzw. auf den Königsberg stehe(A 2-5 A 37, P 3f). Für Justin und Curtius steht der Wagen im
Zeus- bzw. Jupitertempel 5 (I 10f I 37, C 14). 6
(3) Iustin zufolge wollte Alexander die Stadt nicht vordergründig in Besitz nehmen, sondern er wollte nur „das Joch des Gordios“ im Jupitertempel sehen, weil er vom Orakelspruch gehört hatte (I 9 -12). Auch nach Arrian hatte Alexander den Wunsch den Wagen zu sehen und suchte daher den Königsberg auf (A 1f). Curtius geht von einer anderen Motivation aus. Ihm zufolge wollte Alexander Gordion erobern (C 14). Auch für Plutarch ist die Unterwerfung Phrygiens der einzige Beweggrund, die Stadt zu betreten. (4) Nach Iustin hatte Alexander von der Sage und dem Orakelspruch gehört (I 10-12). Es muss nicht so sein, dass ihm diese Umstände erst in Gordion bekannt wurden, sondern schon früher bekannt waren. Denn das Auffinden des Wagens war für Alexander die Hauptmotivation nach Gordion zu gehen. Nach Arrian scheint die Sage auf eine Überlieferung der phrygischen Bevölkerung zu basieren. Daneben wurde ihm auch vom Orakelspruch erzählt (A 6 u. 41). Sicherlich handelt es sich hier nur um eine Versicherung durch die örtliche Bevölkerung, denn andernfalls hätte er nicht zuvor den Wunsch gehabt dem Königsberg zu besteigen (A 2). Eine ähnliche Ansicht vertritt auch Curtius, denn die Einheimischen versicherten ihm, dass es einen Orakelspruch gäbe (C 16). Ebenso erkannte er den Wagen mit seiner Bedeutung für Midas nach dem er in den Zeustempel trat (C 14).
5 Nach ALBERS ist es aus römischer Perspektive gleichgültig, ob es sich bei dem Gott um Zeus oder Jupiter handelt. Beide Götter haben für die Römer eine ähnliche Bedeutung und Funktion, d.h. sie sind gleichwertig. Vgl. ALBERS: 2008, Art.: Zeus.
6 MEDERER geht davon aus, dass der Wagen im Tempel auf dem Burgberg steht. Dieser Ansicht kann nicht gefolgt werden. Im Text steht dass der Wagen durch Midas dem Zeus Basileus geweiht wurde, daraus kann nicht geschlossen werden, dass der Wagen zwangsläufig in einem Tempel aufbewahrt werden müsse. Etwas anderes ist aus dem Wortlaut des Textes nicht ersichtlich (vgl. MEDERER: 1936, S. 9, Anm.).
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Daher ist anzunehmen, dass er ein Wissen um die Bedeutung des Wagens hatte. Auch Plutarch spricht für diesen Verdacht, wenn er davon ausgeht, dass er erst den Wagen sah und dann von der Sage erfuhr(P 4-7). Alle vier Überlieferungen sprechen dafür, dass Alexander ein sicheres Wissen um die Bedeutung des Wagens, des Orakelspruchs und der Sage hatte. (5) Die drei antiken Historiografen Curtius, Arrian und Iustin stimmen darin überein, dass der Orakelspruch nur die Herrschaft über Asien verspreche. Plutarch meint, dass der Orakelspruch die Herrschaft über die ganze Ökumene verspreche (P 7-8). (6) Laut den von Iustin und Arrian aufgeführten Sagen wird der Wagen als Ochsengespann beschrieben (I 15, A 9). Midas bzw. Gordios fuhren mit den Wagen nach Gordion. Nach Arrian ergibt sich, dass der Wagen auf der Reise nach Gordion nicht gegen einen repräsentativeren Wagen ausgetauscht wurde, da er der „Wagen seines Vaters“ (A 38), d.h. Gordions Wagen, sei. Auch Curtius würde einen Tausch gegen einen repräsentativeren Wagen widersprechen, da er „in seiner Ausstattung von den geringeren und gewöhnlich gebrauchten Wagen nicht grundlegend verschieden war“ (C 14). Bei Plutarch wird der Wagen
nur erwähnt, aber nicht genauer beschrieben (P 4). 7 Somit handelte es sich um einen sehr bescheidenen Wagen.
(7, 8) Bei Iustin besteht der Knoten aus Riemenwerk (I 48), bei Arrian und Plutarch wurde für den Knoten Kornelkirschbast verwendet (A 44, P 4f). Curtius beschreibt das Material nicht näher. Bei allen befindet sich der Knoten am Joch des Wagens. Bei Arrian und Plutarch wird der Knoten durch einen Jochnagel zusammen gehalten (A 53, P 15). Bei den vier Alexanderhistorikern war das Enden des Knotens nicht sichtbar. Nur Plutarch und Curtius begründen dies. Der Knoten war mehrfach in einander verschlungen, so dass die Enden nicht sichtbar waren und somit als unentwirrbar galt (P 9f, C17f). (8, 9) In allen Überlieferungen, außer in der von Iustin, hatte Alexander den subjektiven Eindruck (A 46, P 11, C 17), dass er den Knoten nicht lösen könne wegen der viele Verschlingungen. Auffallend ist, dass bei Iustin nicht festgestellt wird, dass er den Knoten nicht lösen könne und dass der Knoten aus (Leder-)Riemen bestand. Zieht sich Leder zusammen, so wird der Knoten unlösbar, daher ist ein solcher subjektiver Eindruck nicht nötig, denn der Knoten ist aufgrund des Materials schon unlösbar. Der subjektive Eindruck der Nichtlösbarkeit des Knotens nach Curtius könnte dadurch bedingt sein, dass Alexander in Anbetracht der um ihn versammelten Phryger und Makedonier unter Erfolgsdruck stand und daher keine Zeit hatte um nach einer anderen Lösung zu suchen. Auch Arrian weist daraufhin,
7 ROLLER geht davon aus, dass es sich um einen Wagen handelt, der für den Transport und nicht zum Kämpfen geeignet ist (Vgl. ROLLER: 1984, S. 270). KÖRTE betont ebenfalls den bäuerlichen Charakter des Wagens (Vgl. KÖRTE: 1904, S. 16).
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dass Alexander „bei der Mehrzahl der Menschen (keine) falsche(n) Gemütsbewegungen erwecke(n)“ wolle (A 48).
(10) In den Quellen werden zwei Wege der Knotenlösung beschrieben. Alle Autoren beschreiben die Lösung durch Schwertschlag (I 48, A 50, P 12, C 18). Arrian zufolge bemerkte Alexander, dass der Knoten gelöst sei (A 50). Iustin geht davon aus, dass es sich beim Schwertschlag um eine gewaltsame Auslegung des Orakelspruchs handelte (I 47). Auch Curtius würde von einer gewaltsamen Auslegung reden, wenn Alexander ihm zufolge meint, dass „es kommt auf eines heraus, wie man sie löst!“ (C 18). Nur Plutarch und Arrian berichten von einer zweiten zusätzlichen Lösungsvariante des Knotens. Sie berufen sich dabei auf Aristobulos und berichten Alexander habe den Spannnagel entfernt, der den Knoten zusammenhält. Dieser wurde von Alexander aus dem Knoten gezogen, sodass man das Joch von der Deichsel ziehen könne (A 52 - 56, P 14 - 17). (11) Im folgenden Abschnitt des Quellenvergleiches sollen die beiden Sagen von Iustin und Arrian mit einander verglichen werden. Auf diese Sagen bezieht sich der Orakelspruch. In beiden Sagen wird Gordios als Bauer, der sein Land mit einem Ochsenpflug bestellte, beschrieben (I 14f, A 7 - 11). Eines Tages erhielt er ein Zeichen durch eine Vogelschar (I 11) bzw. durch einen Adler (A 12). Da er die Bedeutung des Zeichens nicht kannte, wollte er einen Zeichendeuter aufsuchen. In der Nachbarstadt (I 16) bzw. in Telmissos (A 14) traf er eine wunderschöne Jungfrau an einem Brunnen (A 19) bzw. am Stadttor (I 18). Arrian zufolge gäbe es in Telmissos schon eine lange Tradition von Seherkünsten, die Tradition werde von Generation zu Generation weiter vererbt (A 15 - 18). Anders begründet Justin ihre Fähigkeiten, in dem er sagt, sie hätte die Seherkunst von ihren Eltern erlernt (I 22f). In beiden Sagen erfährt Gordios während des Gesprächs mit der Seherin, dass sie Seherin ist und das Zeichen deuten könne (I 19f, A 20f). Darauf prophezeite die Seherin ihm, dass er das Königtum erhielt. Sogleich wollte die Seherin Gordios Frau werden (I 24). Arrian zufolge „hieß (die Seherin) ihn wieder genau an den Platz zurück zu kehren um dort dem Zeus Basileus ein Opfer bei zu bringen“. Darauf nahm Gordios sie auf ihre Bitte hin mit und die Seherin deutete das Opfer (A 21 -24). Beide heirateten einander (I 27, A 25). Nach der Hochzeit bricht zwischen den Phrygern Streit aus (I 27f A28). Die Phryger erfuhren durch die Orakelbefragung, dass ein Wagenführer König werde und für Frieden sorgen würde. Nur nach Arrian findet eine doppelte Orakelbefragung statt (A 29, A 35, I 29 -34). Laut Iustin werde der König, der als erstes mit dem Wagen am Zeustempel eintraf (I 33). Dagegen führt Arrian an, dass derjenige, der mit einem Wagen auf der Volksversammlung erschien, König werde (A 33). In beiden Quellen heißt es, dass der König unmittelbar nach der letzten Orakelbefragung erkoren werde (I 35, A 31f). Bei Arrian wurde Midas, der schon vor den
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Unruhen geboren war [Iustin geht nicht auf den Geburtspunkt von Midas ein, er geht nur davon aus, dass Midas Gordios Sohn sei (I 38f)], zum König erhoben (A 26f), nach dem er mit seinen Eltern in Gordion an kam (A 32f). Bei Iustin wurde Gordios selber zum König ernannt (I 35). Laut den beiden Überlieferungen beendet Midas den Zwist (I 41f, A37), in dem er nach Iustin einen Kult, den er von Orpheus gelernt hatte, in Phrygien einführte (I 39 -42). Nach der Ankunft des zukünftigen Königs wurde Iustin zufolge der Wagen der „königlichen Erlauchtheit“ geweiht (I 38). Nach Arrian wurde der Wagen „auf der Burg als Dankgeschenk Zeus Basileus“ geweiht, weil er den Adler als Zeichen geschickt hatte (A 38 -40).
Aus dem Vergleich ergibt sich, dass es einen groben Handlungsplan gab: Alexanders Ankunft in Gordion, Auskundschaftung des Aufbewahrungsortes des Wagen, Besichtigung des Wagens, Kenntnisnahme des Orakelspruches, Erfüllung des Orakelspruches durch Knotenlösung. Von dieser Kernhandlung weichen die einzelnen Alexanderhistoriker ab, in dem Handlungen und Geschehnisse hinzugefügt oder weggelassen werden: die Knotenlösung durch Entfernung des Jochnagels (A, P), kein subjektiver Eindruck über die Nichtlösbarkeit des Knotens (I), ausführliche geografische Informationen über den Standort Gordions(C), die überlieferten Sagen der Phryger über die Herkunft des Wagen (I. A) und die Anmerkung, dass die Schwertlösung eine gewaltsame Auslegung des Orakelspruches sei (I, C). Auffallend sind, dass die Autoren verschiedene Begriffe benutzten um gleiche Begebenheiten zu beschreiben. So wird der Aufbewahrungsort des Wagens: einmal als Tempel (J, C) oder Burg (A,P) bezeichnet, der Herkunftsort der Seherin: Telmissos (A), Nachbarstadt (I), erster König in Phrygien: Midas (A), Gordios (I), das Zeichen: Vogelschar (I), Adler (A), Material des Knotens: Kornelkirschbast (A,P), Lederriemen (I), Ursprung der Seherkenntnis: Tradition
(A), Kenntnis der Eltern (I) 8 Auch gibt es Tatsachengleichheiten: das von den Alexanderhistorikern unterstellte sichere Wissen vom Wagen, Orakelspruch und der Sagen, die bescheidene Ausstattung des Wagens, Befriedigung des Zwist durch den phrygischen König.
8 Vgl. FREI: 1972, S. 113.
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3. Die Genese der Primärüberlieferung und
die Konstruktion der Umstände durch die Sekundärhistoriker
Die Ergebnisse des Quellenvergleiches lassen sich darauf zurückführen, dass es keine einheitliche Überlieferung der Ereignisse gab. Die Überlieferung scheint perspektivisch gebrochen zu sein. Jeder der Alexanderhistoriker hatte einen gewissen Standort, eine gewisse Absicht. Dieser Hintergrund bestimmte auch die Wahrnehmung, die Interpretation und Akzeptanz gewisser Primärquellen (z.B. Kallisthenes, Aristobulos, Kleitarch). In diesem Abschnitt soll gezeigt werden, dass die Verschiebungen innerhalb der vier Überlieferung durch die ebengenannten Faktoren bestimmt sind.
Die offizielle Hofhistoriografie Alexanders bezieht sich nicht auf den Gordischen
Knoten. ZAHRNT zufolge referieren weder Kallistenes noch Ptölemäios diese Geschehnisse. 9 Das Werk Kallisthenes „Praxou Alexandrou“ ist nur fragmentarisch überliefert. In diesen Fragmenten gibt es nur einen Bezug auf Gordios und Midas. Auch FREDRICKSMEYER geht davon aus, dass Kallisthenes sich in seiner Historiografie nur auf Midas Wohlstand in
Gordion bezog. 10 Für Kallisthenes war es nicht wichtig über die Umstände der Knotenlösung zu berichten. Wichtiger war es für ihn „die Vorgeschichte der Kleinasiatischen Städte“ 11 darzustellen. Außerdem wollte er Alexander nicht als mutmaßlichen Nachfolger des bekämpften Großkönigs darstellen. Die offizielle Hofbiografie bezog sich also nicht auf die
Ereignisse in Gordion. 12
Wenn Kallisthenes die Ereignisse nicht darstellte, wie kamen sie dann trotzdem in die Historiografie? ZAHRNT weist daraufhin, dass die Geschehnisse durch Mündlichkeit tradiert wurden. Diese Tradition kann sowohl auf die tatsächlichen Geschehnisse in Gordion rekurrieren als auch auf eine Konstruktion durch die Teilnehmer des Zuges oder die Geschichtsschreiber Kleitarch und Aristobulos. Die mündliche Überlieferung lässt sich als psychologisches Phänomen verstehen, bei dem möglicherweise verschiedene Geschehnisse, die nicht unmittelbar mit Gordion in Verbindung stehen, zu einer „historischen Tatsache“ gemacht wurden. Durch eine Art Diskurs zwischen den Soldaten, den Mitreisenden, den Unterhaltungskünstlern und den Erzählungen in den Soldatenkneipen kristallisierten sich entsprechende Sagen und Ereignisse, die zur Erfüllung der vermeintlichen Prophezeiung nötig
9 Vgl. ZAHRNT: 2001, S. 203
10 Vgl. FREDRICKSMEYER: 1961, S. 163.
11 Vgl. FREI: 1972, S. 122. Auch KÖRTE geht davon aus, dass es sich bei den Sagen um Gründungslegenden der Stadt Gordion handelt. (vgl. KÖRTE: 1904, S. 12).
12 Kallisthenes zeichnete sich durch eine Betrachtungsweise aus, die Alexander in das Übermenschliche hob (vgl. WIRTH: 1985, S. 726). Denn durch die Abhängigkeit von einer Prophezeiung, die ihm die Herrschaft über Asien garantiere, würde er nicht mehr über das Menschlich-Normale hinausragen. Daher ist es für Kallisthenes undenkbar, über die Geschehnisse in Gordion zu berichten.
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waren, heraus. 13 Auch die einheitliche Rahmenhandlung der Quellen spricht für diesen Überlieferungsweg. Die Historiker waren also auf die Ergebnisse dieses Diskurses angewiesen, denn die Erinnerungskraft der Primärquellenautoren Aristobulos und Kleitarch reicht nicht aus, um sich an die vermeintlichen Ereignisse zu erinnern. Denn Kleitarch und Aristobulos schrieben ihre Darstellungen mit zeitlicher Distanz (Kleitarch 20 Jahre) oder im fortgeschrittenen Alter (Aristobulos mit 84 Jahren). Also lässt sich annehmen, dass die Fiktion der Ereignisse durch mündliche Tradition entstand, dass heißt erst Kleitarch bzw. Aristobulos lassen die Ereignisse als „historische Wirklichkeit“ stattfinden. Beide begründeten zwei neue Überlieferungszweige, die sich durch eine alexanderfreundliche
(Aristobulos) bzw. alexanderfeindliche (Kleitarch) Grundhaltung auszeichnen. 14 Zunächst soll der alexanderfeindliche Überlieferungszweig untersucht werden. Curtius und Iustin rückten Alexander in ein schlechtes Licht. Beide standen in stoischer Tradition.
Ihnen zufolge wurde der Knoten nur durch Schwertschlag gelöst. 15 Sie gingen davon aus, dass Alexander von seinen Leidenschaften getrieben wurde, den Knoten zu lösen. Für sie wäre ein rationaler Alexander, der den Jochnagel entfernt, nicht denkbar. Beide merken an, dass die Schwertlösung eine gewaltsame Auslegung des Orakelspruchs sei. Er hätte damit die Götter
missachtet, wie TARN ausführt. 16 Dieser Gedanke wird umso eher verständlich, wenn man bedenkt, dass der Wagen laut ihren Ausführungen in einem Göttertempel steht. Schon allein diese Tatsache macht deutlich, dass dieser heilige Ort höhere Ansprüche an die Lösung des Orakelspruches stellt als der von Arrian und Plutarch beschriebene Aufbewahrungsort des
Wagens. 17
Ein weiteres Indiz für eine stoische Betrachtungsweise ist, dass Alexander seinen Affekten untertan ist. Somit ist er für die Stoiker „der jugendlich ungeduldige (…)
Draufgänger Achill“. 18 Dieses Bild lässt sich aber nicht mit dem Ideal der stoischen Seelenruhe vereinbaren. Daher muss sich Curtius einer psychologisierenden
Betrachtungsweise bedienen 19 , um Alexander im Sinne der Stoiker abzuwerten. Er verwendete verschiedene Begriffe, die das Seelenleben Alexanders und seiner Gefährten
13 Vgl. ZAHRNT: 2001, S. 206; FOX: 2004, S. 183.
14 Vgl. WIRTH: 1985, S. 728.
15 Das Schwert, dass alles zerschlägt, ist ein auch ein Symbol des Eroberers. WIEMER zu folge wird Alexander bei Curtius als furchtbarer Despot dargestellt, besonders nach Darios Tod (vgl. WIEMER: 2005, S. 25). Ebenso geschieht eine Darstellung als Eroberer bei Iustin (vgl. TARN: 1963, S. 339). So heben besonders Curtius und Iustin hervor, dass Alexander die Stadt erobern wollte. Für sie gibt keine andere Möglichkeit als die Schwertlösung. Diese Umstände und Tatsachen betonen, dass Alexander von Iustin und Curtius nur als Eroberer gesehen wurde.
16 Vermutlich möchten die gottesfürchtigen Stoiker dem Alexander eine Form der Asebie unterstellen, in dem er den Orakelspruch nicht buchstabengetreu ausführte.
17 Vgl. TARN: 1963, S. 545-549.
18 Vgl. ZAHRNT: 2001, S. 206.
19 Vgl. WILL: 1986, S. 21.
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darstellen soll: die „Begierde, diesen Spruch zu lösen“(C 16), „spannungsvolle Erwartung“ (C 17), die Sorge um sich und die Sorge der Makedonen und Phryger (C 17), die Sorge um sich (C 18), und die Gelassenheit, die im zynischen Ausspruch: „Es kommt auf eines hinaus, wie
man sie löst!“ (C 18) 20 zum Ausdruck kommt. 21
Das Alexanderportrait des Iustin erweckt „oft den Eindruck, als wünsche er, Curtius“
zu überbieten. 22 Denn bei ihm ist das Verhalten Alexanders nur durch äußere Einwirkungen und Umstände begründet. Daher beschreibt Iustin den Knoten als aus Lederriemen bestehend, denn dieses Material hat die Eigenschaft, wenn es austrocknet, einen nahezu unlösbaren Knoten zu gerieren. Dieser Knoten lässt sich weder durch Aufknüpfen noch durch die Entfernung des Jochnagels lösen. So blieb für Alexander nur der Schwertschlag als mögliche Lösungsvariante übrig. Ebenso wurde die Handlung in einem ununterbrochenen Bewegungsfluss durchgeführt, weil es für Alexander keinen subjektiven Eindruck gab, dass der Knoten für ihn unlösbar sei. Somit war die Handlung nur ein Ergebnis äußerer Umstände. Eine solche Handlungsweise wird durch die Stoiker nicht gerühmt. Sie steht daher in einem
besonders schlechten Licht. 23
Der alexanderfreundliche Überlieferungszweig begründet seine Tradition für die Geschehnisse in Gordion bei Aristobulos. WILL zufolge soll er Augenzeuge der Ereignisse in Gordion gewesen sein. Sein Interesse für technisches Gerät, besonders aber für Brückenbau
und Belagerungstechnik, 24 könne der Grund für die genaue Beschreibung des Knotens und Materials sein. Der Kornelkirschbast erlaubt es erst den Knoten zerstörungsarm, dass heißt, er
entfernt durch trickreiches Vorgehen den Jochnagel, aufzulösen. 25 Seine Bedeutung als Augenzeuge kann infolge seines hohen Alters stark angezweifelt werden. Vielmehr ist diese
20 Vgl. TARN: 1936, S. 295. Der Ausspruch soll die Missachtung gegen die Götter hervorheben, denn er macht sich bewusst, dass es zwei Lösungsvarianten - eine zerstörungsarme und zerstörungsreiche - gibt. So dass er bewusst gegen den Willen der Götter handelt.
21 Die Einführung zu WIRTH weist daraufhin, dass die psychologischen Methode Curtius versucht, einen Neuansatz zu beginnen, da sie die ganze Tradition alexanderfeindlicher Darstellung korrigiert. (Vgl. WIRTH: 1985, S. 736) Für diese Korrektur spricht auch die ausführliche Beschreibung der geografischen Lage, denn sie impliziert Gordion als Erdmittelpunkt (Vgl. PFISTER: 1927, S. 360). Wenn Gordion Erdmittelpunkt ist, so kann dies den Orakelspruch legitimieren. Dadurch muss Curtius sich nicht auf eine legitimierende Sage berufen. Wenn Curtius nun Alexander unterstellt, dass er Gordion aus diesen Gründen aufsucht, so scheint dieses Verhalten dem Stoiker vermutlich angemessener zu sein, als wenn es durch eine Sage begründet wäre. Trotzdem bleibt an den wesentlichen Stellen die alexanderfeindliche Grundstimmung erhalten (Vgl. WIRTH: 1985, S. 736).
Die Frage, ob die explizite Beschreibung der geografischen Lage Gordion zufällig mit den von PFISTER gemachten Beobachtungen übereinstimmt kann hier nicht beantwortet werden. Es gibt starke Evidenz dafür, dass die Angaben über die geografische Lage der Stadt Gordion durch Iustin und Curtius einfach bei Kleitarch übernommen wurde, denn WIEMER zufolge geht Kleitarch gerne auf zoologisch, geografische und ethnografische Fragen ein (Vgl. WIEMER: 2005, S. 34; I 7 -10; C 11-14).
22 Vgl. TARN: 1963, S. 340.
23 Vgl. WIRTH: 1985, S. 729f.
24 Vgl. WILL: 1986, S. 18.
25 Vgl. ZAHRNT: 2001, S. 206.
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Beschreibung der Umstände durch Aristobulos apologetische Tendenz und „panegyrische
Sichtweise“ geprägt. 26 Diese Beschreibung der Umstände wurde von Plutarch und Arrian übernommen und neben der Schwertlösung eingereiht. 27
Arrian und Plutarch lassen die Geschehnisse um die Knotenlösung auf den Königsberg stattfinden. Der göttliche Anspruch am Vollzug des Orakelspruches ist an diesen Orten geringer als in den Göttertempeln. Dadurch findet ein Bruch des Orakelspruchs erst gar nicht statt. Weder Plutarch noch Arrian wollen Alexander eine gewaltsame Auslegung des Orakelspruchs unterstellen. Vielmehr handelte Alexander im Einvernehmen mit den Göttern, wenn Arrian berichtet, dass die Götter ihm „in der folgenden Nacht am Himmel Zeichen
durch Donner und Blitz“(A 62) gaben. 28
Plutarchs Darstellung ist relativ knapp und sehr oberflächlich. Er beschreibt anders als Arrian nur das wesentliche. Für Plutarch ist der ethisch-pädagogische Aspekt seiner Abhandlung besonders wichtig. Er möchte, dass die Menschen besser und glücklicher werden. Dieses Moment führte wohl dazu, dass Plutarch die Ereignisse in Gordion auf ihren populären Gehalt hin verkürzte, da dieses Geschehen keine besondere Lektion für seine
Adressaten enthält. 29 Auffallend ist, dass Plutarch die Geltung des Orakelspruches auf die ganze Ökumene hin ausweitet, dies geschieht wohl dadurch, dass er die Eroberung Asiens durch Alexander im Nachhinein besonders billigt. Daher sind für Plutarch keine anderen Beweismittel erforderlich - wie die Sagen oder Vorstellungen vom Erdmittelpunkt - um den Orakelspruch zu legitimieren. Für Plutarch ist der Orakelspruch durch Alexanders Erfolge im
Nachhinein legitimiert worden. 30
26 WIEMER: 2005, S. 23; WILL: 1986, S. 18. MEDERER geht fehl mit seiner Annahme, dass die Schwertlösung eine panegyrische Betrachtungsweise sei. Sein Argument, dass „das Heer für den militärischen Charakter dieser Lösung mehr Verständnis hatte“ (vgl. MEDERER 12), geht fehl, weil er die stoischen Intentionen der Autoren nicht hinreichend berücksichtigt.
27 Vgl. ZAHRNT: 2001, S. 204 Anm. 8. Eine Aussparung der Schwertlösung von Seiten Plutarch und Arrian ist nicht denkbar. Da die Schwertlösung schon zu einer einheitlichen Tradition gehörte. Außerdem gehörte es zum Wesen der antiken Geschichtsschreiber eine vollständige Darstellung zu liefern, um sich gegen andere Darstellungen zu bewähren. Die Darstellung kann mit persönlichen „Meinungen und Wertschätzungen“ ausgefüllt werden. So wird die Schwertüberlieferung erwähnt und gleichzeitig wird eine zweite Tradition eingeführt, die die Schwertüberlieferung modifiziert und somit neue „Erkenntnisse“ im Sinne der antiken Historiografie zu Tage fördert. (Vgl. HAHN: 1984, S. 389).
28 Vgl. FOX: 183. Justin und Curt beschreiben die Göttertempel als Aufbewahrungsort des Wagens. Dieser Umstand könnte aber auch eine „Verkürzung“ des göttlichen Zeichens sein. Jedoch wird kein Überlieferungsweg zwischen ausgehend von Arrian zu Iustin oder Curtius angenommen. Daher ist es undenkbar, dass die Standortwahl des Wagens bei Iustin und Curtius durch Arrians Götterzeichen bestimmt wäre.
29 Vgl. WIEMER: 2005, S. 21; WILL: 1986, S. 202.
30 Nach PERL sah Plutarch den Sinn der Geschichte als „die Zusammenfassung aller Bewohner der Oikumene zu einem einheitlichen Staat; die von Alexander angebahnte Entwicklung findet im Imperium Romanum ihre Vollendung“. Diese Vorläuferfunktion Alexanders macht ebenso deutlich, dass der Geltungsbereich des Orakelspruches nicht nur in Asien liegen darf, sondern vielmehr sich über die ganze Oikumene erstrecken muss (vgl. PERL: 1984, S. 572). In diesem Zusammenhang scheint auch wichtig zu sein, dass bei Plutarch die Eroberung der Stadt die Motivation Alexanders war um die Stadt aufzusuchen.
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Die alexanderfeindliche Tradition kritisiert Alexanders Verhalten stark aus stoischer Sicht. Sie stellt höhere Ansprüche an die Knotenlösung und versucht bewusst darzustellen, dass Alexander den Orakelspruch nicht erfüllen konnte. Die Wahl der Umstände ist schon durch die Tendenz bestimmt, dass sie Alexander als draufgängerischen und grausamen Eroberer darstellen. Die alexanderfreundliche Tradition setzt niedrigere Ansprüche, sie relativiert Alexanders tun. Sie geht davon aus, dass Alexander im göttlichen Einvernehmen handelte, als er den Orakelspruch löste. Besonders Plutarch würdigte Alexander im Nachhinein. Durch die bewusste Wahl der Überlieferungsketten und der Interpretation (z.B.: Arrian: Jochnagel (Primärquelle), Bast, Königsberg (Deutung) vs. Iustin: Schwert, Lederriemen, Tempel) konnten die Umstände entsprechend der Intentionen der Alexanderhistoriker zusammengefügt werden. Diese starken Kohärenzen (Jochnagel, Bast) innerhalb einer Überlieferungskette und die mangelnden Primärberichte sprechen dafür, dass der Gordische Knoten eine Fiktion ist.
4. Die Glaubwürdigkeit und Vertrautheit des Orakelspruch und
die Möglichkeit seines Vollzugs
Im Folgenden soll gezeigt werden, inwiefern die Durchführung des Orakelspruchs den historischen Umständen nach möglich war. Laut den Überlieferungen ist der Wagen nötig, um den Orakelspruch zu erfüllen. Auch müsste sich der Orakelspruch auf eine ursprüngliche Sage zurückführen lassen. Diese Sage müsste die Wirkmächtigkeit des Orakelspruchs legitimieren und begründen. Nur wenn die Sagen einen eindeutigen Bezug zum Orakelspruch herstellen, könnten sich Alexander und die Teilnehmer des Zuges auf diese Sagen berufen. Daher soll in diesen Abschnitt gezeigt werden, dass sich die Alexanderhistoriker nicht auf eine begründende Sage bezogen, sondern sie schufen nachträglich eine Sage, um die Prophezeiung als historische Tatsache darzustellen. Für diesen Zweck bedienten sie sich verschiedener Mittel: sie schöpften aus den Überlieferungen des Mythos Glaubwürdigkeit und machten die Sage durch die Einbringung von Allgemeinwissen verständlich und wollten somit eine gewisse Vertrautheit bezüglich der Sagen herstellen. Diese ebengenannte Mittel
sollen im Folgenden dargestellt werden: 31
Die „ätiologischen Sagen“ könnten Abwandlungen aus den alten phrygischen und griechischen Mythen sein. So existierte der Midas-Mythos, auf den die Sagen anspielen, sowohl in Phrygien, Griechenland, Makedonien zur Zeit Alexanders und zur Zeit der
Alexanderhistoriker. 32 Es gibt mehrere Bezüge: Iustins Vogelzeichen lassen auf Midas Frau
31 Vgl. ZAHRNT: 2001, S. 204f.
32 Vgl. DREWS: 1993, S. 20.
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Kybele deuten. Daher wird verständlich, dass auch die Seherinnen, die die Vogelzeichen deuten und später durch die Protagonisten geheiratet werden, einen Bezug zu Kybele
darstellen 33 . Ebenfalls soll Iustin zufolge Midas durch die Einführung von Kulten das Land befriedet haben. Diese Kulte soll er bei Orpheus gelernt haben. Der Bezug auf Orpheus, der als mythischer Erfinder der Musik und als Religionsstifter gilt, ist eindeutig, wenn seine Fähigkeit berücksichtigt wird, dass er mittels seines Gesanges einen paradiesischen Frieden
herstellen kann. 34 Besonders Arrians Sage bezieht sich auf den Göttervater Zeus, so sind die bei Arrian beschriebenen Blitze und Donner, der Adler auf den Joch eindeutige Symbole, die für Zeus stehen. Arrian nennt als einziger expressis verbis Zeus, dem der Wagen geweiht
wurde. 35 Mit SMOLIAN scheint sogar der Wagen mit dem Midas/ Gordios nach Phrygien kam ebenfalls ein mythisches Vorbild zu haben, da Dionysos mit einen Wagen von Thrakien
nach Phrygien kam. 36 Die Verwendung dieser mythischen Versatzstücke geschah, um der Sage eine gewisse Geltung und Wirkmächtigkeit zuzuschreiben. Durch die Bezugnahme auf die besondere göttliche Autorität von Zeus und Dionysos, sollte die Glaubwürdigkeit der Sagen betont werden.
Auch Alltagswissen könnte seinen Eingang in die Sagen gefunden haben. Nicht nur die Vorstellung, das Gordion Erdmittelpunkt sei, hätte Gordion als Ort des Geschehen prädestiniert, sondern auch die Tatsache, dass Gordion von alters her ein bedeutsamer
Haltepunkt auf Reisen nach Asien war und durch den Midas-Mythos sehr bekannt war. 37 Auch die Beschreibung, von der Ankunft von Midas/ Gordios in Gordion, ist vergleichbar mit den von SMOLIAN gemachten Beschreibungen zu kultischen Umzügen. Arrian zufolge kommt Gordios mit den Wagen in die Volksversammlung gefahren. Für den griechischen Umzug scheint es ebenso typisch zu sein, dass an diesem das Volk teilnimmt. Bei Iustin wird die Anwesenheit des Volkes nicht betont, vielmehr scheinen nur Priester bei der Ankunft von
Midas teilgenommen zu haben, so wie es für römische Umzüge üblich zu sein scheint. 38 Die vier Alexanderhistoriker Alexander bedienten sich eines weiteren rhetorischen Mittels: sie unterstellten Alexander ein sicheres Wissen um die Bedeutung des Wagens, des
33 Vgl. ROLLER: 1984, S. 266; A 25, I 27.
34 Vgl. DNP-Gruppe: Art.: Orpheus, I 39-42.
35 Vgl. ROLLER: 1984, S. 268 Vgl. ALBERS: Art.: Zeus, A 12, S 39, A 62.
36 Vgl. SMOLIAN: 1963, S. 221. Für die griechische Tradition ist Midas mit Makedonien fest verbunden (vgl. ROLLER: 1984, S. 261), somit ist der Bezug zwischen den Zügen von Dionysos und Midas aus den Augen der Alexanderhistoriker zulässig. Daher ist es für uns unrelevant, woher Midas stammt, denn die Sagen legen nicht eindeutig fest, ob Midas ursprünglich aus Gordion oder Thrakien stammt.
In wieweit sich die Sagen auf den Dionysoskultes beziehen kann hier nicht beantwortet werden. Für einen Bezug auf den Dionysoskult sprechen die Verbindungen zwischen Dionysos, Orpheus und Midas. Auch der bescheidene Wagen Midas wird mit SMOLIAN zu einem Heroengefährt (Vgl. SMOLIAN: 1963, S. 206). Für die Konsequenzen dieser Annahme muss ebenfalls auf eine andere Arbeit verwiesen werden.
37 Vgl. DREWS: 1993, S. 20.
38 Vgl. SMOLIAN: 1963, S. 222.
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Orakelspruches und der Sage. Diese Unterstellung erzeugt eine innere Glaubwürdigkeit der Quellen. Außerdem hebt diese Unterstellung hervor, dass Alexander von den Umständen gewusst hätte, so dass er auch entsprechend handeln müsse. Diese Unterstellung soll dem
Rezipienten versichern, dass die Handlungen Alexanders historisch sind. 39 Dieses Vorgehen ähnelt einer Methode der antiken Historiografen, nach der sie ihren Protagonisten bestimmte
Reden in den Mund legten, obwohl sie diese Reden nie vortrugen. 40 Neben den Bezügen auf mythische Überlieferungen, das Allgemeinwissen der damaligen Zeit und dem unterstellten Wissen Alexanders gibt es ein weiteres Argument dafür, dass die Sagen extra für den Orakelspruch konstruiert wurden: nach KRAFT würden die Sagen zwar erklären, wie man König über Phrygien werden würde, jedoch gibt es keine Erklärung, weshalb die Sagen die Herrschaft über Asien bzw. die Ökumene begründen. Dieser Bruch zwischen Sage und Orakelspruch legt nahe, dass die Sagen überhaupt nicht
geeignet sind den Orakelspruch in seiner Wirkmächtigkeit zu begründen. 41 Die These, dass sich Iustin und Arrian auf allgemein bekannte Mythen und auf das damalige Allgemeinwissen bezogen, um die „ätiologische Sage“ zu konstruieren, wird durch die nächsten beiden historischen Umstände gestützt. Es gibt eine gewisse Ähnlichkeit zwischen den Orakelspruch, welchen Alexander in Gordion erfüllen wollte, und einer anderen Verheißung, die er früher in Xanthos (Lykien) erhielt. Diese Weissagungen versprachen den Griechen die Herrschaft über die Perser bzw. über Asien. Der einzige inhaltliche Unterschied zwischen dem Orakelspruch und der Weissagung ist, dass der Orakelspruch nur durch die Lösung des Knotens erfüllt wird, der andere aber bedingungslos wirkt. Aufgrund der zeitlichen Nähe der beiden Ereignisse lässt sich vermuten, dass die alexanderfeidliche Vulgärtradition die Weissagung als Anlass sah, diesen bedingten Orakelspruch - schon diese Bedingung schränkt Alexanders Unmittelbarkeit zu Gott ein - in ihre Überlieferung ein zuführen. Ebenso wird Alexanders Unmittelbarkeit zu Gott durch einen zweiten Orakelspruch
eingeschränkt. 42 Der gordische Orakelspruch scheint für einen religiösen und gläubigen
39 Auch ZAHRNT geht davon aus, dass Alexander aufgrund eines „vorbedachten Planes“ nach Gordion zog. (Vgl. ZAHRNT: 2001, S. 206). Ebenso geht auch FREDRICKSMEYER in seiner Argumentation davon aus, dass Alexander gut über die Sagen, den Orakelspruch und den Wagen informiert ist (Vgl. FREDRICKDMEYER: 1961, S. 163).
40 Vgl. WIEMER: 2005, S. 16f,
41 Vgl. FREI: 1972, S. 114; KRAFT: 1971, S. 84.
42 Vgl. KRAFT: 1971, S. 91; FOX: 2004, S. 175. Aus der Tiefe einer Quelle soll ihm eine eherne Tafel zu Tage gefördert worden sein. Auf dieser stand mit uralten Schriftzeichen geschrieben, dass „die Herrschaft der Perser, durch die Griechen niedergeworfen, ein Ende nehmen“ wird, nach Plut. Alex. 17.
Diese Vermutung über die Entstehung des Orakelspruches hat eine gewisse Evidenz zu den Sagen, nämlich dass es in den Sagen erst ein Zeichen (Vogelzeichen bei Midas/Gordios vs. Quelle in Xanthos bei Alexander) gab und später dann eine Orakel (Befragung des Orakels durch Phryger bei Midas/Gordios vs. Orakelspruch und Wagen). Eine ausführliche Untersuchung zu dieser Analogie zwischen Sagen und vermeintlichen Geschehen muss in einer anderen Arbeit geschehen.
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Menschen, wie Alexander, überflüssig zu sein, da er Zweifel an seinen Glauben begründen würde. Also folgt aus dem oben gesagt, dass das gordische Orakel für Alexander nicht nötig ist.
Ebenso ist der Vollzug des Orakelspruches ohne die Existenz des mythischen Wagens des Midas/Gordios nicht denkbar. Die frühesten Berichte über Midas, der in Gordion regierte, besagen, dass Midas während des Überganges vom achten zum siebten vorchristlichen
Jahrhundert in Phrygien regierte. 43 Folglich müsste der Wagen mit dem der neue König nach Gordion kam über 400 Jahre an seinen Aufbewahrungsort gestanden haben. Dies scheint aber aus mehreren Gründen unwahrscheinlich. Der Wagen müsse beim Kimmerersturm im 7. Jahrhundert untergehen, da die ganze Stadt zerstört wurde. Hätte der Wagen dies überstanden,
so wäre er vermutlich im 4. Jahrhundert dem Erdbeben oder dem Feuer zu Opfer gefallen. 44 Auch wenn der Wagen an einem sicheren Ort aufbewahrt wurde, so hätte der Wagen während des Satrapenaufstandes im 4 Jahrhundert seinen Untergang erfahren oder die Prophezeiung
wäre bereits vor Alexanders Zeit durch einen Konkurrenten des Großkönigs erfüllt worden. 45 Daher scheint es undenkbar zu sein, dass Alexander den Wagen bei seinem Besuch in
Gordion vorfand. 46
43 KÖRTE geht davon aus, dass Midas 696/5 starb (Vgl. KÖRTE: 1904, S. 23). Vgl. ROLLER: 1984, S. 256; DREWS: 1993, S. 16.
44 Vgl. KÖRTE: 1904, S. 23; FREI: 1972, S. 205; ROLLER: 1984, S. 265.
45 Vgl. FREI: 1972, S. 205.
46 Trotzdem bleibt folgendes denkbar: die Darstellung von FOX legt nahe (Vgl. FOX: 2004, S. 183), dass Alexander den Knoten am letzten Tag seines Aufenthaltes in Gordion löste. Eine gewagte These, die sicherlich schwer nachprüfbar ist, ist, dass er am letzten Tag Probleme hatte seinen Wagen abfahrbereit zu machen. Vielleicht musste er den Wagen umspannen um andere Zugtiere daran zu befestigen. Würde man dieser These zustimmen, so würde es begreiflich werden, dass dem Wagen mythische und historische Traditionen zu gemessen werden, um gerade diese Probleme zu relativieren. Auch FREI stellt die Frage, zwar in einem anderen Zusammenhang, ob „es beim Orakel im Grunde genommen darum ging, den Wagen handhaben zu können“ (Vgl. FREI: 1972, S. 114).
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5. Zusammenfassung
Die Ereignisse, die mit den Gordischen Knoten im Zusammenhang stehen, sind Fiktion. In dieser Arbeit wurde auf das Allgemeinwissen der damaligen Zeit und einige historische Umstände eingegangen. Die mündliche Tradition könnte sich dieser populären Gegenstände (Reisezentrum, Erdmittelpunkt, die berühmte Stadt, die lykische Weissagung, Abfahrprobleme) bedient haben, um die Ereignisse in Gordion entstehen zu lassen. Für diese Tradition spricht auch die einheitliche Rahmenhandlung in den Quellen. Als die mündliche Tradition weit verbreitet war, bezogen sich die Geschichtsschreiber Kleitarch und Aristobulos auf diese Tradition. Diese beiden Autoren begründeten die alexanderfeindliche und die alexanderfreundliche Darstellung des vermeintlichen Ereignisses. Die Alexanderhistoriker fügten den Erzählungen neue Umstände hinzu. Innerhalb einer jeden Überlieferungskette findet sich eine Kohärenz zwischen den nach und nach hinzu gefügten Umständen. In jeder dieser Überlieferungsketten findet eine Zuspitzung der jeweiligen Grundhaltung statt (z.B.: Aristobulos: Jochnagel, Arrian: Bast und Burgberg). So neigen die einen dazu die Umstände zu relativieren, die anderen aber stellen Alexander bewusst in ein schlechtes Licht. Es ist unwahrscheinlich, dass es den Orakelspruch gab. Um den Orakelspruch als glaubwürdig darzustellen, bedienten sich die Alexanderhistoriker verschiedener Mittel. Sie nutzten Mythen und Allgemeinwissen um die Wirkmächtigkeit des Orakelspruchs zu untermauern. Eine eindeutige Verbindung zwischen den Sagen und den Orakelspruch lies sich nicht herstellen. Außerdem wurde gezeigt, dass der Wagen zur Zeit Alexanders gar nicht mehr existieren konnte. Wenn es also den Orakelspruch und den Wagen nicht gab, so sind die Ereignisse um den Gordischen Knoten nicht denkmöglich.
Trotz der Fiktion des Gordischen Knotens, ist es aber nicht ausgeschlossen, dass Alexander die Stadt aus strategischen Gründen, wie eingangs gezeigt wurde, aufgesucht hat. Ebenso könnten die Verlockungen des Midas-Mythos einen Aufenthalt in Gordion rechtfertigen.
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6. Bibliografie
Primärquellen
Die Primärquellen (Iustin, Arrian, Plutarch und Curtius) werden nach folgender Methode zitiert: die Quellenangaben sind zweiteilig: Anfangsbuchstabe des Autors und Angabe der Zeile, aus der zitiert wurde. A 14 steht für die 14. Zeile bei Arrian. Die erste Zeile entspricht stets dem Beginn des Abschnittes. Abweichend von der obigen Regel wird bei Curtius nach Sätzen gezählt. Folgende Abschnitte werden zugrunde gelegt: Arr. Anab. II 3 (= Wirth, Gerhard (Übers.): Arrian. Der Alexanderzug. Indische Geschichte München 1985.)
Iust. XI 7 (= Seel, Otto (Hrsg.): Pompeius Trogus. Weltgeschichte von den Anfängen bis Augustus. München 1972.)
Plut. Alex. 18 (= Ziegler, Konrad (Übers. U. Hrsg.): Plutarch. Große Griechen und Römer. Band 5: Plutarch: Vita des Alexandros. Stuttgart 1960.) Curt. III 1 (= Baier, Thomas (Hrsg.): Q. Curtius Rufus. Geschichte Alexander des großen. 2 Bde.: Band 1. Darmstadt 2007.)
Sekundärquellen
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DNP-Gruppe: Art.: Orpheus. In: Cancik, Hubert/ Schneider, Helmuth/ Landfester, Manfred (Hrsg.): Der Neue Pauly. http://www.brillonline.nl/subscriber/ entry?entry=dnp_e901260. 28. Januar.
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