2
1. EINLEITUNG 3
1.1. ERKENNTNISINTERESSE. 3
1.2. FRAGESTELLUNG UND HERANGEHENSWEISE. 3
1.3. ÜBER DEN AUTOR 4
2. JENSEITS DES LUSTPRINZIPS 4
2.1. DIE KULTURSTUDIEN 4
2.2. ENTSTEHUNGSGESCHICHTE 5
2.2.1. Metapsychologie. 7
2.2.2. Freud und der Tod. 8
2.2.3. Der Dualismus in Freuds Denken 9
2.3. GRUNDBEGRIFFE 10
2.3.1. Das Lustprinzip 10
2.3.2. Die Triebe. 11
2.4. INHALTLICHE ZUSAMMENFASSUNG. 11
2.4.1. Lust und Unlust 11
2.4.2. Der Umgang mit Reizen 14
2.4.3. Der Todestrieb. 16
2.4.4. Die Lebenstriebe oder Sexualtriebe 18
2.5. BRÜCHE UND VORANNAHMEN IN DER ARGUMENTATIONSLINIE 18
2.5.1. Die Ursprünglichkeit der Wiederholung. 18
2.5.2. Biologistische Argumente - eine Verwechslung von Analogie und Beweis. 19
2.5.3. Die konservative Natur der Triebe. 19
2.5.4. Der Beginn des Lebens. 20
2.5.5. Die Selbsterhaltungstriebe 21
3. SCHLUSSBEMERKUNGEN 21
4. LITERATUR 23
3
1. Einleitung
1.1. Erkenntnisinteresse
Um die Perspektive, aus der ich an das Thema herangehe, deutlich zu machen, möchte ich kurz meinen Bezug zu Sigmund Freud darlegen.
Ich studiere seit dem WS 2000 Soziologie und Politikwissenschaft und habe mich schon vor meinem Studium ein wenig mit der Psychoanalyse Freuds auseinandergesetzt. Das Seminar „Psychoanalyse als Methode der Ideengeschichte“ ist die zweite Lehrveranstaltung über Politik und Psychoanalyse, die ich besucht habe. Mein Interesse für Freud gilt vor allem seinen Kulturstudien, die in ihrer Art und Weise der Betrachtung von gesellschaftlichen Zusammenhängen zu ihrer Zeit revolutionär waren. Daher halte ich es für wesentlich für die Auseinandersetzung mit Freuds Schriften, sie aus ihrer Zeit heraus und unter Berücksichtigung von Freuds gesellschaftlichen und persönlichen Umständen zu betrachten und sie nicht völlig zu isolieren und sie aus unserem heutigen besseren Wissen heraus willkürlich zu kritisieren. Trotzdem halte ich eine Kritik an Freuds Theorien im Sinne einer Analyse der persönlichen und gesellschaftlichen Ursachen seiner Ansichten für unerlässlich. Doch um zu einer fundierten und begründeten Kritik fähig zu sein, muss man sich zuerst auf die Theorien Freuds einlassen und versuchen, seine Argumentation nachzuvollziehen.
1.2. Fragestellung und Herangehensweise
Ich möchte mich in der vorliegenden Arbeit auf Freuds Herleitung eines Todestriebes und dessen Gegenüberstellung zu den Lebenstrieben beschränken. Die zweifellos hochinteressanten Abschnitte über die Natur des Todes und die Herkunft der Sexualität werde ich daher nicht behandeln.
Mein Ziel besteht darin, Freuds Argumentationslinie nachvollziehbar zu machen und gleichzeitig die darin enthaltenen Brüche sichtbar zu machen. Ich gehe davon aus, dass Freud bestimmte Annahmen a priori voraussetzt ohne sie zu belegen. Ohne diese Vorannahmen würde Freud am Ende wahrscheinlich nicht zu seinem Ergebnis kommen. Ich möchte mir jedoch auf keinen Fall anmaßen, ein Urteil über den Todestrieb zu fällen, die vorliegende Arbeit versteht sich lediglich als Versuch einer Analyse von Freuds Argumentationslinie.
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Meine Ausgangsfrage lautet also: An welchen Stellen sind Brüche in der Argumentationslinie zur Herleitung eines Todestriebes vorhanden und welche Vorannahmen werden an diesen Stellen getroffen?
1.3. Über den Autor
Siegmund Freud wird 1856 in Freiberg, Mähren geboren. Nach seinem Medizinstudium in Wien verbringt er ein Jahr in Paris, wo er sich unter dem Einfluss von J.-M. Charcot der Psychopathologie zuwendet. Danach beschäftigt er sich in seiner Privatpraxis in Wien mit Hysterie und anderen Neurosen. Dort begründet er auch die Psychoanalyse und entwickelt sie zu einer eigenen Behandlungs- und Forschungsmethode weiter. 1938 muss er nach London emigrieren, wo er ein Jahr später stirbt.
2. Jenseits des Lustprinzips
2.1. Die Kulturstudien
Nachdem Freud 1912/13 mit „Totem und Tabu“ sein erstes großes kulturtheoretisches Werk verfasst hatte, fachte erst der Erste Weltkrieg sein Interesse an gesellschaftlichen Phänomenen wieder an. 1921 erschien dann „Massenpsychologie und Ich-Analyse“. Dabei kam ihm das Wissen über Suggestion, Hypnose und Identifizierung, das er in seiner Praxis gesammelt hatte, zu gute.
Kultur ist für Freud das, was durch die Triebrepression möglich gemacht wird. Im Zuge der Sublimierung wird das ursprüngliche Triebziel geändert, was Kulturleistungen erst ermöglicht. Kultur ist also etwas Repressives, ein Arbeitsvorgang. Die Kultur hat die Aufgabe, die „Wolfsnatur“ des Menschen zu zähmen. Die Kultur ist also immer ambivalent, sie bringt den Menschen in ein Dilemma, sie ist unverzichtbar, aber unlustbringend, da sie Triebverzicht fordert. Man könnte sagen, ohne Kultur können die Menschen nicht leben, in ihr können sie nicht glücklich leben.
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Sigmund Freud las als erstes die Psychoanalyse auch als Kulturstudie 1 , obwohl sie für ihn in erster Linie immer in engem Zusammenhang mit der Arbeit mit seinen Patienten stand. Also leitet er seine Kulturanalysen von der Individualpsychologie ab. Er geht von der Prämisse aus, das „Großindividuen“, also Gesellschaften, die selben Entwicklungsschritte durchmachen, wie Einzelindividuen. Für Freud war es selbstverständlich, die psychoanalytischen Erkenntnisse über Aufbau und Funktion des Individuums auf Aufbau und Funktion der Gesellschaft zu übertragen. Er sah einen fließenden Übergang zwischen Individualpsychologie und Soziologie, da auch der einzelne Mensch immer in Beziehung zu anderen Menschen steht und von ihnen beeinflusst wird. Doch trotz einiger weitreichender Erkenntnisse geht Freud nie so weit, Bezug auf die aktuelle politische Lage zu nehmen. Vor dem Schluss aus der Theorie in die Praxis schreckt er in diesem Bereich immer im letzten Moment zurück.
2.2. Entstehungsgeschichte
Obwohl Freud nicht gerade unter Bescheidenheit litt, waren seine metapsychologischen Schriften mit erheblichen Unsicherheiten belastet. Im Mai 1898 meinte er, das Buch solle den Titel: „Abhandlungen zur Vorbereitung der Metapsychologie“ haben. „Während sich Freud den Anschein fester Zuversicht gab, verrät der Titel ein letztes Zögern, einen Anfall von Unentschlossenheit.“ 2 Wie wir wissen, war Freud kein Freund der Metaphysik und indem er sich in die spekulativen Weiten der Metapsychologie vorwagte, verließ er sein zu diesem Zeitpunkt relativ gesichertes Terrain und machte sich abermals angreifbar. „Zweifellos empfand Freud das Sich-Entfernen vom klinischen Detail, um einen umfassenderen Überblick zu gewinnen, als ein gefährliches Unternehmen. Es weckte wieder seinen Drang nach unbehinderten Gedankenflügen; er fand es praktisch unmöglich, seine Spekulationslust zu zähmen.“ 3
Die Arbeit an den metapsychologischen Abhandlungen wollte nicht so recht voran gehen. 1915 diagnostizierte Freud, dass seinen Abhandlungen „die richtige Vollendung“ fehle. „Er revidierte, überdachte, hielt zurück, war offensichtlich nicht im Stande, eine gewisse
1 „...und die Individualpsychologie ist daher von Anfang an auch gleichzeitig Sozialpsychologie...“, Aus: Freud, Sigmund, Massenpsychologie und Ich-Analyse (1921), Fischer Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main, 1921 (4. Auflage 1999), S. 33
2 Aus: Gay, Peter: Freud. Eine Biographie für unsere Zeit, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main, 1995 (4. Auflage 2001), S. 409
3 Aus: Gay, Peter: Freud. Eine Biographie für unsere Zeit, S. 414
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Unzufriedenheit in den Griff zu bekommen.“ 4 Die ersten drei metapsychologischen Abhandlungen - über die Triebe, die Verdrängung und das Unbewusste - erschienen wie angekündigt 1915, aber danach ging es vorerst nicht weiter. Indessen waren noch sieben Abhandlungen geschrieben, aber noch nicht zur Veröffentlichung vorgesehen. Freud zögerte damit, er hatte kein gutes Gefühl und machte in seinen Briefen düstere Andeutungen. Im Jahre 1918 machte er seiner Unsicherheit ein Ende und vernichtete die Texte. „Das stille, beredte Drama des Buches, das nie beendet wurde, beruht vor allem auf der Wahl des Zeitpunkts. Die Fundamente, die Freud endgültig für seine Anhänger und gegen seine Rivalen festlegen wollte, zerbröckelten ihm unter den Händen. Er machte keine Bekehrung durch; die Erkennungszeichen der Psychoanalyse [...] blieben intakt. Aber vieles andere war anfechtbar geworden.“ 5
In den unmittelbaren Nachkriegsjahren veröffentlichte Freud unter anderem drei Broschüren: „Jenseits des Lustprinzips“ 1920, „Massenpsychologie und Ich-Analyse“ 1921 und „Das Ich und das Es“ 1923. Auf engem Raum legt er darin ein strukturelles System dar, dem er bis ans Ende seines Lebens treu bleiben sollte. Er hatte dieses System in den elenden Nachkriegsjahren entwickelt, als er mühselig darum kämpfte, sich und die Seinen zu versorgen.
„Freuds Hypothese eines Todestriebes stieß selbst bei vielen Psychoanalytikern auf heftigen Widerstand und tut es noch heute. Viele sahen und sehen in ihr eine Spekulation, die für die klinische Arbeit irrelevant sei, wo es ausreiche, die auftretenden Symptome und andere Phänomene auf Grund der Schicksale aggressiver Triebregungen zu verstehen, die, ähnlich wie die libidinösen, verschoben, projiziert, verdrängt oder gegen das eigene Selbst gerichtet werden können. Freud selbst ging es aber um mehr als Aggression, nämlich um Destruktivität. Es ist kein Zufall, dass die Todestriebhypothese in einem Werk auftauchte, das zwei Jahre nach Beendigung des Ersten Weltkrieges erschien.“ 6
„Jenseits des Lustprinzips ist ein schwieriger Text. Die Prosa ist so klar wie immer, wenn auch die Konzentration von beunruhigenden neuen Ideen auf den geringstmöglichen Umfang dem raschen Verständnis des Lesers Hindernisse entgegenstellt. Noch verwirrender ist, dass
4 Aus: Gay, Peter: Freud. Eine Biographie für unsere Zeit, S. 414
5 Aus: Gay, Peter: Freud. Eine Biographie für unsere Zeit, S. 421
6 Aus: Holder, Alex, Einleitung, In: Freud, Sigmund: Jenseits des Lustprinzips, 1920, in: Sigmund Freud: Das Ich und das Es. Metapsychologische Schriften, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main, 1992 (9. Auflage 2001), S. 22
Arbeit zitieren:
Mag. Andrea Schikowitz, 2003, Jenseits des Lustprinzips von Sigmund Freud, München, GRIN Verlag GmbH
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