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Gliederung
1. Einleitung: Jazz und Jazz Poetry als intermediale Phänomene 3
2. Kurzdefinition der zwei Einzelmedien 4
2.1 4
2.2 Lyrik 5
3. Zur Etablierung des Jazz in Skandinavien: Jazzdiskurse in der schwedischen Literatur 6
3.1 Die Initialphase 6
3.2 Etablierungsphase 8
3.3 Die Ästimationsphase 9
4. Zur Entstehung und Entwicklung der bimedialen Gattung Jazz Poetry 10
4.1 Die Ursprünge in den USA 11
4.2 Anfänge von Jazz Poetry in Europa 12
5. Jazz Poetry des Norwegers Jan Erik Vold 13
5.1 Biografischer Überblick 13
5.2 Die Jazz Poetry-Vortragsweise Jan Erik Volds 13
5.3 Jazz und Lyrik: Eine Medienkombination 14
5.4 Intermediale Aspekte im Vergleich mit anderen Künstlern 15
5.4.1 Improvisation pur Jack Kerouac 15
5.4.2 Die Medienkombination Jazz Film Miles Davis 16
5.4.3 Vergleich der Medienkombinationen Jazz Poetry und Lied Bob Dylan 17
5.4.4 Musik als Sprache Medienwechsel bei John Coltrane 17
5.5 Jazz und Sprache eine geeignete Kombination für den Rezipienten 19
6. Zusammenfassung 20
7. Literaturangaben 21
3
1. Einleitung: Jazz und Jazz & Poetry als intermediale
Phänomene
„Musik stört Dichterlesung“ 1 überschrieb in den sechziger Jahren der Rezensent einer deutschen Zeitung seinen Artikel über eine frühe Jazz & Poetry-Veranstaltung, in der Gedichte von Heinrich Heine zu Jazzmusik vorgetragen wurden. Die Verbindung von Jazz und Lyrik zur bimedialen Gattung Jazz & Poetry war damals neu und somit fremd und ungewohnt für die Rezipienten.
In der heutigen Zeit stößt solch eine Veranstaltung, die zwei einzelne künstlerische Ausdrucksformen miteinander verbindet, nicht mehr auf Erstaunen oder gar Ablehnung durch die Zuhörer, werden doch die Phänomene intermedialer Bezüge in der Welt der Kultur immer bekannter und alltäglicher: „Daß sich mediale Ausdrucksformen und Gattungen aufeinander zu bewegen, sich mischen, gegenseitig durchdringen und aufeinander Bezug nehmen, ist keineswegs eine neue, wohl aber eine immer offenkundiger und allgegenwärtig zutage tretende Tendenz.“ 2 Folglich beschäftigt sich auch die Forschung mit dem Phänomen des Intermedialen, dem so genannten „Drang nach Grenzüberschreitungen, nach gegenseitiger Befruchtung und Hybridisierung der Diskurse.“ 3 Im Rahmen des Hauptseminarthemas „Nordische Literatur in, neben und zwischen den Medien – Zur Inter- und Transmedialität seit dem Mittelalter“ soll die vorliegende Arbeit einen Beitrag zum Verständnis der bimedialen Gattung Jazz & Poetry leisten.
Nach einem Einblick in die Jazzdiskurse der skandinavischen Literaturen und in die ihnen innewohnenden intermedialen Bezüge zwischen Jazz und Lyrik am Beispiel Schwedens wird die Entstehung von Jazz & Poetry thematisiert, worauf eine eingehende Analyse der intermedialen Aspekte dieser Gattung am Beispiel der Jazz & Poetry Jan Erik Volds, des bekanntesten skandinavischen Jazz & Poetry-Schaffenden, und anderer Künstler folgt. Da die bimediale Kunstform Jazz & Poetry ganz offensichtlich aus den zwei Einzelmedien Jazz und Lyrik besteht, sollen diese Begriffe zunächst kurz definiert und umrissen werden, da dies im weiteren Verlauf der Arbeit als Grundwissen in der Intermedialitätsdiskussion und bei den damit zusammenhängenden Überlegungen zur Affinität zwischen Jazz und Lyrik unabdinglich ist.
1 Hielscher, Hans: Lyrik und Jazz – Der Groove von Heinrich Heine, erschienen am 13. September 2006 auf
Spiegel Online Kultur: http://www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,434050,00.html.
2 Rajewsky, Irina O.: Intermedialität, Tübingen 2002, S. 1.
3 Ebd.: S. 4.
4
Schon in der Definition der beiden Einzelmedien nämlich werden einige Verbindungspunkte augenscheinlich, die zwischen der Musik und der Lyrik existieren und die letztendlich das Entstehen von Jazz & Poetry mit begünstigt oder gar hervorgerufen haben dürften.
2. Kurzdefinition der zwei Einzelmedien
2.1 Jazz
Jazz ist, zieht man zunächst ein allgemeines Lexikon zu Rate, „ein aus Arbeits-, Tanz- und religiösen Liedern der als Sklaven verschleppten Schwarzen in den Südstaaten der USA entstandener Musikstil“ 4 . Im Jazz begegnen sich europäische und afrikanische Musiktraditionen: Er gilt als eine „Verschmelzung afroamerikanischer Folklore (Spirituals, Blues, Worksongs) mit multikulturellen Musikstilen (Ragtime, afro-kubanische Stile u. a.) und europäisch-amerikanischer Tradition“ 5 .
Hartmann definiert die europäischen und afrikanischen Merkmale, die sich im Jazz vereinigen, folgendermaßen: „Jazz […] combines essential elements of West African music and European concert music. The elements usually picked out are African rhythm and European harmony, but the blend is richer than these stereotypes suggest.” 6 Als Geburtsstätte des Jazz gilt die im Süden der USA gelegene Stadt New Orleans. Um 1900 lebten dort freiwillige und unfreiwillige Einwanderer zusammen – Spanier, Franzosen, Engländer, Italiener, Deutsche und Nachkommen der afrikanischen Sklaven – und spielten die Musik ihrer Heimatländer. Aus dieser Begegnung der verschiedensten Musiker, Instrumente und Musikkulturen entstand innerhalb weniger Jahre ein neuer Musikstil, der Jazz. „Die Musizierfreude im alten New Orleans muss ungeheuer gewesen sein. Aus dem ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts wissen wir von etwa dreißig Orchestern.“ 7 Alleinstellungsmerkmale des Jazz sind die Spontaneität und die Improvisation im Spiel sowie die Tatsache, dass „die Persönlichkeit des spielenden Musikers wichtiger ist als das vom Komponisten gelieferte Material“ 8 . In den vergangenen hundert Jahren durchlief der Jazz mehrere prägende Phasen 9 . Nach wie vor ist der Jazz jedoch vor allem eine Musik des Protests
4 Großes Lexikon A-Z, Chur 1996, S. 428.
5 Ebd.: S. 428 6 Hartmann, Charles O.: Jazztext: voice and improvisation in poetry, jazz and song, Princeton 1991, S. 9. 7 Berendt, Joachim-Ernst: Das Jazzbuch – Von New Orleans bis in die achtziger Jahre, Frankfurt 2001, S. 24. 8 Ebd.: S. 23.
9 Wichtige Stile des Jazz sind zum Beispiel Dixieland (um 1910), Swing (ab 1930), Bebop (ab 1940) und Free Jazz (ab 1960).
5
gegen soziale und rassische und geistige Diskriminierung, gegen die Klischees der bürgerlichen Schubladenmoral, gegen die funktionierende Organisiertheit der modernen Massenwelt, gegen die Entpersonifizierung dieser Welt und gegen die Kategorisierung von Standards, zu deren Automatik es gehört, daß sie dort, wo ihnen nicht entsprochen wird, verurteilen. 10
2.2 Lyrik
Lyrik ist neben Epik und Dramatik die „dritte Form (Hauptgattung) der Dichtung“ 11 und steht seit ihren Ursprüngen in enger Verbindung mit der Musik: „Lyrische Dichtung ist seit den frühen Kulturen zur Musik vorgetragene, also meist gesungene Dichtung. Die Grundform der Lyrik wäre demnach das Lied.“ 12 Der Begriff selbst entstammt dem altgriechischen Wort für Leier: lyra.
Bis ins 19. Jahrhundert hinein wird die Lyrik von den Literaturwissenschaftlern vor allem definiert als „unmittelbarer Ausdruck der Innerlichkeit, der Subjektivität des Autors.“ 13 Der wichtigste Bereich der Lyrik ist demzufolge „das Lied; in der sich aus dem Gefühlsüberschwang zwanglos ergebenden Rhythmisierung nähert sich die Sprache des Gedichts der Musik, selbst wenn keine Vertonung vorliegt.“ 14 Diese auffällige Affinität zwischen Lyrik und Musik wird für spätere Überlegungen zu Verbindungspunkten zwischen Jazz und Sprache wichtig sein.
„In der Lyrik der Moderne […] wurden […] sämtliche Grundannahmen über das, was ein Gedicht und was Lyrik ist, in Frage gestellt, insbesondere die Orientierung an der Musik“ 15 . In der heutigen Forschung gelten wiederum „Liedhaftigkeit, Kürze, Abweichung von der Alltagssprache und Versform“ 16 als charakteristische Merkmale der Lyrik, wobei manche, wie Bernhard Asmuth, zur ältesten Definition der Lyrik zurückkehren, demzufolge der Kern der Lyrik das Lied ist. 17 Es liegt eine deutliche Abgrenzung zur Dramatik vor, denn laut Burdorf „ist kein Gedicht […] geschrieben worden, um szenisch realisiert zu werden.“ 18 Deshalb sei „die Präsentation von Gedichten durch Gesang, Rezitation oder Vorlesen vom dramatischen Rollenspiel klar zu
10 Berendt, S. 570.
11 Großes Lexikon A-Z, S. 538.
12 Burdorf, Dieter: Einführung in die Gedichtanalyse, Stuttgart 1997, S. 2. 13 Ebd.: S. 5.
14 Ebd.: S. 5.
15 Ebd.: S. 5.
16 Ebd.: S. 6.
17 Vgl.: Burdorf, S. 6.
18 Ebd.: S. 18.
6
unterscheiden.“ 19 Lyrik ist demzufolge „einem Rockkonzert näher als einer Theateraufführung“ 20 .
3. Zur Etablierung des Jazz in Skandinavien: Jazzdiskurse in der
schwedischen Literatur
Als Hinführung auf die erst in jüngerer Zeit entstandene Gattung Jazz & Poetry soll nun ein Überblick darüber gegeben werden, wie die Literatur in Skandinavien auf den neuen Musikstil Jazz reagierte, lange bevor Jazz & Poetry überhaupt zu einem eigenständigen Begriff, einer eigenständigen Kunstform, herangewachsen war. Am Beispiel der Jazzdiskurse in der schwedischen Literatur – mit Schwerpunkt auf der schwedischen Lyrik – wird offensichtlich, auf welche Weise die Literaten mit der neuen Kunstform des Jazz umgingen, wie anfängliche Skepsis und Abscheu schließlich in Phasen der Etablierung und Ästimation mündeten. Ohne diese Etablierung des Jazz in der Literatur und Kultur Skandinaviens hätte die bimediale Kunstform Jazz & Poetry, auf die im Anschluss ausführlich eingegangen werden soll, hier keinen Fuß fassen können.
Der Jazz hat nämlich „im großen Umfang die Literaturen Skandinaviens angeregt“ 21 , und es steht fest, dass „er in diesem Kunstartenkontakt eine nicht zu unterschätzende Rolle in der Geschichte der ästhetischen Moderne Nordeuropas im 20. Jahrhundert spielte.“ 22 Wäre also der Jazz nicht im Laufe von etwa acht Jahrzehnten in Kultur, Literatur und Alltagsleben der Skandinavier heimisch geworden, gäbe es unter anderem keine kulturelle Voraussetzung für eine Publikumsakzeptanz der auf dem Jazz aufbauenden bimedialen Gattung Jazz & Poetry. Unter diesem Blickwinkel sollen nun die drei wichtigsten Phasen der Jazzdiskurse in der schwedischen Literatur betrachtet werden.
3.1 Die Initialphase
In der von Strauß so genannten „Initialphase“ 23 , die etwa von 1920 bis 1930 reicht, stößt der Jazz auf wenig Sympathie unter den Literaten, die sich mit dieser neuen Musik beschäftigen. In Schweden wie in ganz Skandinavien schreiben über Jazz „zuerst Autoren, die ein
19 Ebd.: S. 18.
20 Ebd.: S. 19.
21 Strauß, Frithjof: Soundsinn: Jazzdiskurse in den skandinavischen Literaturen, Freiburg 2003, S. 545. 22 Ebd.: S. 545.
23 Strauß, S. 6.
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Susanne Hasenstab, 2008, Jazzdiskurse und Jazz & Poetry in Skandinavien – zwei intermediale Phänomene , Munich, GRIN Publishing GmbH
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