Inhalt
1. Die Ausgangsfrage 3
2. Kants transzendentale Deduktion. 4
3. Die Kategorien Substanz und Kauslität 6
4. Kausalität und Wille - Heteronomie oder Autonomie? 7
5. Humes Kausalschluss und Kants Kausalitätsprinzip 10
6. Literaturangaben 11
2
1. Die Ausgangsfrage
Der erste Teil der PS-Arbeit ist mit Hume vor dem Problem gelandet, dass Erfahrungen und Erkenntnissen ihre objektive Gültigkeit und Notwendigkeit eingebüßt haben, was an der Kritik des Kausalschlusses 1 und am Induktionsproblem 2 sichtbar wurde. Dass sich der Induktionsschluss rein logisch nicht begründen lässt, weil aus zwei Prämissen ein Schluss gezogen wird, der nicht in den Prämissen enthalten ist, wurde an einem einfachen Beispiel (A ist sterblich, B ist sterblich > C wird auch sterblich sein) deutlich. Dieser induktive Schluss ist insofern unlogisch und falsch gezogen, als C in den Aussagen A und B nicht beinhaltet ist. Der Schluss ist zwar ein (unlogischer, nicht analytischer) Erweiterungsschluss, aber als solcher eben nicht wahrheitskonservierend. Die Induktion wird aber nicht nur im Bereich der Logik, sondern auch im Bereich der Empirie zum Problem. So wird der Kausalschluss bei Hume psychologisch entlarvt als subjektive Nötigung aus Gewohnheit. Hume hat aufgezeigt, dass sich rein logisch eine Wirkung nie notwendig aus einer Ursache begründen und sich eine Wirkung nie mit Sicherheit aus einer Ursache herleiten lässt, sondern wir immer nur von Wahrscheinlichkeiten sprechen können; und in ganz ähnlicher Weise wird auch der induktive Schluss psychologisch entlarvt, weil er so in den menschlichen Alltag integriert ist und uns die Schwäche des Induktionsschlusses wenig bewusst ist, dass dieser nämlich eine Prämisse voraussetzt (die, dass auch in Zukunft alles sein wird wie bisher) welche sich selber nicht wieder allein aus der Erfahrung begründen lässt. Hume spricht also einerseits von logischen, analytischen (rein formalen) Schlüssen und andererseits von Erweiterungsschlüsse aus der Empirie, die aber nicht mit Sicherheit, sondern mit bloßer Wahrscheinlichkeit gelten. Humes anfängliches Bestreben war es, die Methode der Erfahrung in die Geisteswissenschaft einzuführen 3 , doch letztlich führt der Empirist Hume den Empirismus konsequent an sein Ende und erkennt, dass man nichts wissen, sondern nur raten kann. So landet man mit Hume im (gemäßigten) Skeptizismus. Wie Kant versucht hat, dieses Dilemma zu lösen, ist nun Thema im zweiten Teil der Arbeit. Es soll gezeigt werden, (1.) welche Schlüsse Kant aus Hume zieht und (2.) warum bei Kant transzendentale Schlüsse auftauchen, die weder zu den rein logischen Schlüssen, noch zu den bloß wahrscheinlichen empirischen Schlüssen gezählt werden können und schließlich (3.) was Deduktion bei Kant bedeutet, da Kant nicht einfach einen deduktiven Schluss zieht, wie z.B. A ist x.
1 „Jede Wirkung ist ein von ihrer Ursache verschiedenes Ereignis. Sie kann daher in der Ursache nicht entdeckt werden, und was man sich zuerst a priori von ihr erfindet oder vorstellt, muss gänzlich willkürlich sein. Und selbst nachdem sie uns in den Sinn gekommen, muss ihr Zusammentreffen (conjunction) mit der Ursache ebenso willkürlich scheinen; weil es immer eine Menge anderer Wirkungen gibt, die der Vernunft genau so widerspruchslos und natürlich dünken müssen. Vergeblich würden wir uns also anmaßen, irgendeine Ursache oder Wirkung herzuleiten, ohne den Beistand von Beobachtungen und Erfahrungen.“ (Hume, Untersuchung, 50.)
2 Vgl. Hume, Untersuchung, 52-61 und 99-106.
3 Vgl. Hume, Traktat, Buch I, 8, zitiert nach: Farr, 17.
3
und alle x sind y, ergo auch A ist y.
2. Kants transzendentale Deduktion
In seiner „Deduktion der reinen Verstandesbegriffe“ leitet Kant keine deduktiven Schlüsse ab, sondern weist Kategorien auf. Erkenntnisse können, wie Kant zeigen möchte, nicht gänzlich durch Erfahrungen begründet werden, sondern müssen auf Prinzipien a priori beruhen. Denn Erfahrungen sind für Kant nicht die bloße Akkumulation von Wahrnehmungen, die, wie Hume zeigen wollte, durch Abbilder (impressions und ideas) verarbeitet, synthetisiert und erinnert werden können. Erfahrungen, die objektive Gültigkeit beanspruchen wollen, müssen mehr sein als das, müssen in einer Einheit der Erscheinungen ergründen. Denn es ist nicht,
„wie man gemeiniglich sich einbildet, zur Erfahrung genug, Wahrnehmungen zu vergleichen und in einem Bewusstsein vermittelst des Urteilens zu verknüpfen; dadurch entspringt keine Allgemeingültigkeit und Notwendigkeit des Urteils, um deren willen es allein objektiv gültig und Erfahrung sein kann.“ 4
Kant kämpft nun darum, die Notwendigkeit und Allgemeingültigkeit von Erfahrungen zu begründen aber nicht wieder bloß durch Erfahrung und auch nicht durch eine Metaphysik, die spekulative Dogmen aufstellt, sondern durch eine kritische Metaphysik, die nach synthetischen Urteilen a priori sucht, die einerseits die Erkenntnisgrenze der Erfahrungswissenschaft einschränkt und andererseits auch nicht zulässt, über diese Grenze hinaus einen unkritischen, überschwänglichen Gebrauch von Begriffen zu machen, die aus der Erfahrungswissenschaft deduziert und daher auch nur für diese Gültigkeit beanspruchen können. Kant spricht daher nicht mehr von transzendenten Erkenntnissen der Metaphysik jenseits aller Sinnlichkeit, sondern von transzendentalen Erkenntnissen, die sich
„mit unserer Erkenntnisart von Gegenständen, insofern diese a priori möglich sein soll, überhaupt beschäftigt. Ein System solcher Begriffe würde Transzendental-Philosophie heißen. (...) Diese Untersuchung, die wir eigentlich nicht Doktrin, sondern nur transzendentale Kritik nennen können, weil sie nicht die Erweiterung der Erkenntnisse selbst, sondern nur die Berichtigung derselben zur Absicht hat (...). “ 5
4 Kant, Prolegomena, 56.
5 Kant, KrV (=Kritik der reinen Vernunft), B25-26.
4
Arbeit zitieren:
Renate Enderlin, 2008, Warum Kant transzendentale Schlüsse zieht, München, GRIN Verlag GmbH
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