Inhalt
0. Einleitung 3
1. Ursprüngliche und ursprünglichere Erfahrungen. 3
2. Mathematisches und weniger mathematisches Denken. 4
3. Das Problem der Kausalität. 4
4. Der Widerspruch als Unterscheidungskriterium 6
5. Erkenntnisquellen. 6
6. Das Problem der Induktion 7
7. Ausblick 9
8. Literaturangaben 11
2 2
0. Einleitung
Das Problem, zu dem diese Proseminararbeit hinführen will, stellt sich mit der erkenntnistheoretischen Frage, ob und inwiefern induktive Schlüsse unser Wissen erweitern. Diese behandelt Hume in seiner Untersuchung über den menschlichen Verstand, wenn gleich Hume darin nicht (wie Kant vor allem) nach den Bedingungen, sondern nach der Entstehung von Erkenntnis fragt 1 .
1. Ursprüngliche und ursprünglichere Erfahrungen
Auf der Suche nach dem „Ursprung der Ideen“ 2 , bzw. der Natur 3 menschlicher Erkenntnis differenziert Hume zunächst zwischen impressions (Eindrücken) und ideas (Vorstellungen), die sich nur „durch den verschiedenen Grad ihrer Stärke und Lebhaftigkeit“ 4 von einander unterscheiden, da sie beide gleichermaßen durch sinnlichen Erfahrungen hervorgerufen sind.
Was Hume mit der Trennung zwischen Unmittelbarem (Eindrücken, impressions) und Mittelbarem (Vorstellungen, ideas) meint, ist die Unterscheidung zwischen gegenwärtigen und vergangenen Eindrücken. Der Begriff unmittelbar scheint m.E. insofern irreführend, als dem Menschen als sprachliches Wesen nicht nur die Fähigkeit zur Sprache besitzt, sondern damit auch die Unmöglichkeit der Unmittelbarkeit. Weder sind stark sinnliche Eindrücke weniger mittelbar (oder gar unmittelbarer) als notwendig (irgendwie) vermittelte Vorstellungen, noch lässt sich überhaupt je von einer tatsächlich unmittelbaren Erfahrung oder einem „unmittelbare(n) Bewusstsein (immediate perception)“ 5 sprechen. Dem würde Hume auch zustimmen, wenn er schreibt, „dass die Sinne nur die Einlasspforten sind, durch welche diese Bilder übermittelt werden, und dass sie nicht imstande sind, einen unmittelbaren Verkehr zwischen dem Gesite und dem Gegenstand zu bewirken.“ 6
Sind sinnliche Eindrücke (impressions) nicht mehr durch gegenwärtige Sinneserfahrungen (von der Hume als „unsere ursprünglichen Perzeptionen“ 7 spricht) gegeben, bleiben davon Abbilder in unserer Vorstellung (ideas) zurück (Copy-These). Diese lassen sich als einfach Vorstellungen erinnern oder einbilden oder zu zusammengesetzten Vorstellungen verknüpfen, die wir wieder erinnern oder uns einbilden können und wodurch möglicherweise wieder neue Eindrücke (der Reflexion) erzeugt werden, die durch Erinnerung und Einbildungskraft (memory und imagination)
1 Vgl. Gerhard Funke, Vorwort. In: Farr (Hg.), Hume und Kant, 8.
2 Hume, Untersuchung, 26. (Zweiter Abschnitt: Über den Ursprung der Ideen)
3 Natur der menschlichen Vernunft klingt vielleicht nach Metaphysik. Doch obwohl auch Hume nicht jedes
metaphyische Denken grundsätzlich ablehnt, (vgl. Hume, Untersuchung, 20) geht es Hume hier nicht um das Wesen
des menschlichen Verstandes, sondern tatsächlich um ein Stück Natur im Menschen, nämlich um die natürliche
Genese menschlicher Erkenntnis, um Erkenntnistheorie, um ein Stück Psychologie.
4 Hume, Untersuchung, 27.
5 Hume, Untersuchung, 21.
6 Hume, Untersuchung, 190.
7 Vgl. Hume, Untersuchung, 27. Das trifft m.E. insofern besser als der Begriff unmittelbar, als auch jede sinnliche
Erfahrung eine - in welcher Form auch immer - vermittelte Erfahrung ist. Wenn man einen Eindruck durch eine
sinnliche Erfahrung unmittelbar nennt, einen Eindruck durch eine Vorstellung aber mittelbar, dann suggeriert das
eine Differenz, welche sich schon allein durch sprachphilosophische Überlegungen als problematisch erweist. Nicht
erst ein Begriff (Wort aus Buchstaben) ist ein vermitteltes Zeichengewebe, auch eine (vermeintlich unmittelbare)
Erfahrung ist eine (textuelle, vermittelte) Praxis. (Vgl. Roland Barthes, zitiert nach Bußmann, 683.) 3 3
immer wieder neu hervorgerufen werden können.
Mit den Begriffen Eindruck und Vorstellung erklärt Hume inhaltliche Bestimmungen unseres Denkens, was und wie wir denken und wodurch unsere Denkinhalte hervorgerufen werden. Doch welche Tätigkeiten unseres Denkens verarbeiten diese Inhalte (impressions und ideas), die in unser Denken eindringen und wie werden Ideen miteinander verknüpft?
2. Mathematisches und weniger mathematisches Denken
Hume differenziert zwischen zwei Arten von Gegenständen der menschlichen Vernunft: den Beziehungen zwischen Ideen (Relations of Ideas) und den Tatsachen (Matters of Fact). 8 Der erste Gegenstand der Vernunft, den Hume behandelt, zielt auf die Tätigkeit im reinen 9 Denken durch logische Schlüssen in der Arithmetik, in der Algebra und in der Geometrie 10 . Dieses abstrakte Denken kann uns bei Erfahrungen, Entdeckungen und Auswertungen von Erfahrungen helfen. Doch ohne Erfahrung - nur im reinen Denken - lassen sich nur Wahrheit konservierende Schlüsse und keine Erweiterungsschlüsse ziehen. Dazu braucht es immer Beobachtungen und Erfahrungen. Im Tatsachendenken, welches als der zweite Gegenstand der Vernunft bei Hume erläutert wird, in den Erfahrungswissenschaften gelangen wir ohne Beobachtungen, Erfahrungen und Analogien 11 zu keinen neuen Ergebnissen. Hume bringt dazu ein Beispiel: „Es müsste ein höchst scharfsinniger Mensch sein, der allein durch eine Schlussfolgerung entdecken könnte, dass Kristalle die Wirkung der Hitze und Eis die Wirkung der Kälte seien, wenn er nicht vorher mit der Wirksamkeit dieser Eigenschaften vertraut war.“ 12 Das heißt, dass wir allein durch rationalistische Ansätze, durch rein logisches (mathematisches) Denken niemals auf eine Ursache-Wirkung-Relation schließen können.
3. Das Problem der Kausalität
Hume betont, dass wir eine Relation auch nicht durch einen einmaligen Versuch beweisen können, sondern dass wir nur durch das immer und immer wieder stattfindende Zusammentreffen von Ereignissen auf eine Ursache-Wirkung-Relation schließen. Damit kommt Hume zum Problem der Kausalität.
„Jede Wirkung ist ein von ihrer Ursache verschiedenes Ereignis. Sie kann daher in der Ursache nicht entdeckt werden, und was man sich zuerst a priori von ihr erfindet oder vorstellt, muss gänzlich willkürlich sein. Und selbst nachdem sie uns in den Sinn gekommen, muss ihr Zusammentreffen (conjunction) mit der Ursache ebenso willkürlich scheinen; weil es immer eine Menge anderer Wirkungen gibt, die der Vernunft genau so
8 Vgl. Hume, Untersuchung, 45.
9 Rein meint hier ausschließlich. Vom reinen Denken spricht Hume, wenn allein Denkakte ausreichen, um zu
Erkenntnissen gelagen und wenn nicht auf Erfahrungen zurückgegriffen werden muss.
10 Vgl. Hume, Untersuchung, 45 und 51.
11 Vgl. Hume, Untersuchung, 51.
12 Hume, Untersuchung, 52. 4 4
Arbeit zitieren:
Renate Enderlin, 2008, Woraus Hume keine Schlüsse zieht, München, GRIN Verlag GmbH
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