Inhaltsverzeichnis
I Einleitung 3
II Begriffe 3
III Psychoakustische Mechanismen und Modelle
III 1 Wahrnehmung des rhytmischen Fixpunkts 4
III 2 Gruppierung von Ereignissen zu einem Rhythmus 4
III 3 Modellbildung 5
IV Rhytmusbestimmung in der Sprache
IV 1 Bedeutung des Rhythmus für Sprache 6
IV 2 Satz - Wort - Silbe 6
IV 3 Rhytmische Fixpunkte 6
IV 4 Rhytmische Fixpunkte in kleineren Dimensionen 7
V Schlusswort 9
VI Literatur 10
I . Einleitung
Kommunikation als Beziehung zwischen komplexen Systemen der
Informationserzeugung auf der einen Seite und der Informationsaufnahme auf der anderen Seite bietet seit jeher die Grundlage für kräftige Auseinandersetzungen. Das was wir hören und verstehen entspricht nicht unbedingt dem was gesagt wurde. Die Wahrnehmung wird durch eigene Erwartungen und mentale Präpositionen gefärbt und eine Aussage - ohne böse Absicht - subjektiv dennoch anders wahrgenommen als ein objektiver Betrachter es beurteilen würde. Ein ähnlicher Mechanismus, wenn auch nicht unbedingt mit solch drastischen Folgen, spielt sich bei der Übertragung physikalischer Signale wie Sprache und Musik zum menschlichen Gehirn ab. Die signalverarbeitenden Prozesse im Gehör und Gehirn bewerten die vorliegenden Informationen auf ihre ganz eigene Art und Weise, die durch psychoakustische Modelle näher beschrieben werden kann. Diese Modelle haben ihre Entwicklungsgrundlage nicht ursächlich in der Sprachwissenschaft und beziehen sich auch eher selten darauf. Der zugrunde liegende Testkorpus besteht somit meist aus Sinustönen oder weissem Rauschen. In dieser Arbeit möchte ich deshalb auf die psychoakustischen Mechanismen speziell bei der Rhythmuswahrnehmung eingehen und ihre Verbindung zum Rhythmus der Sprache herstellen. Zunächst werde ich dazu auf den Begriff Rhythmus zu sprechen kommen, um dann die psychoakustischen Mechanismen bei der Rhythmuswahrnehmung vorzustellen.
Im Text sind Angaben zur Literatur mit Erscheinungsjahr und Seitenzahl beziffert.
II . Begriffe
Bei Repp (2000, 235) wird auf die Begriffsbestimmungen Rhythmus und Metrik eingegangen, denen ich mich hier anschliessen möchte, und auf mögliche Verwechslungen verwiesen (Repp 2000, 236) :
Während Metrik in einer Sequenz von Ereignissen eine zeitliche Regelmässigkeit und periodische Unterteilung sucht, kann jede denkbare regelmässige oder auch völlig unregelmässige Anordnung von Ereignissen eine Rhytmik ausbilden, solange die Bildung von Wahrnehmungseinheiten nicht z.B. durch zu grosse Intervalle zwischen den Ereignissen verhindert wird. Je besser diese Wahrnehmungseinheiten ('perceptual groups') sich voneinander trennen lassen, desto eher kann man auch von einem rhytmischen Verlauf sprechen. Eine isochrone Abfolge wäre somit minimal rhytmisch.
Auch bei Janker (1995, 16) wird Rhythmus als Abfolge von Ereignissen beschrieben, die nah genug für eine Gruppierung beieinander liegen müssen. Allerdings dürfen hier die rhytmischen Strukturen nicht zu komplex sein. Zusammenfassend kann man in Anlehnung an Povel (vgl. Rammsayer 2000, 85) sagen, dass Metrik eine Struktur der Zeit, und Rhythmus eine Struktur in der Zeit ausbildet.
III . Psychoakustische Mechanismen
III .1 Wahrnehmung des rhytmischen Fixpunkts
Um die Struktur eines Rhythmus feststellen zu können, ist es zunächst notwendig zu erkennen, wo der rhytmische Fixpunkt eines Ereignisses wahrgenommen wird. Hierbei ist nicht nur das Lautstärkemaximum (wie in III .2 beschrieben) entscheidend, auch die Hüllkurve des Signals wirkt auf den Empfindungszeitpunkt ein. In einem Versuch zur Wahrnehmung gleichmässigen Rhytmus beschreiben Zwicker & Fastl (1990, 242f) Signalformen mit verschiedenen Amplitudenhüllkurven, die zu einem rhythmisch gleichmässigen Abstand verschoben werden. Es zeigt sich, dass Signale mit langsam ansteigender Hüllkurve deutlich vorverschoben werden müssen, um einen gleichmässig wahrgenommenen Rhythmus zu erzeugen. Der rhytmische Fixpunkt liegt also bei diesen Signalen zeitlich weiter hinten als bei Signalen mit steiler Signalflanke, bei denen die Verschiebung gegen Null geht. Im Extremfall dieses Versuchs muss ein Signal einer Länge von 100ms um 60ms vorverschoben werden, um rhytmisch gleichmässig zu erscheinen.
Auch der weitere Verlauf der Hüllkurve und der des zeitlich vorher liegenden Signals fliessen, wenn auch nicht so stark, in die wahrgenommene Verschiebung mit ein. In einer Untersuchung des funktionalem Zusammenhangs zwischen Rhytmus- und Zeitwahrnehmung (Rammsayer 2000, 93ff) ergaben sich Schwellenwerte von 20 bis 30 ms einer wahrnehmbaren Abweichung zu einem gleichmässigen Rhythmus. Zugrundegelegt wurde weisses Rauschen als Reizsignal und ein Leistungsmass von 75 Prozent richtig erkannten tatsächlichen Abweichungen von der Isochronie des rhytmisch angeordneten Materials.
Daran zeigt sich, dass Veränderungen in einem Zeitbereich von 20 bis 30 ms die Rhytmuswahrnehmung schon beeinflussen können.
III .2 Gruppierung von Ereignissen zu einem Rhythmus
Schon frühe Studien wie die von Bolton 1894 befassten sich mit der subjektiven Strukturierung von isochronen, qualitativ gleichwertigen Pulsen zu einem Rhythmus. Danach erfolgt die Gruppierung von Pulsen meist zu kleinen Einheiten mit zwei, drei oder vier Impulsen, wobei der erste als betonter Puls wahrgenommen wird. Vorausgesetzt wird wiederum, dass die Intervalle zwischen den Reizen nicht zu lang, aber auch nicht zu kurz sein dürfen (Spitznagel 2000, 21).
Arbeit zitieren:
Sebastian Roos, 2006, Rhythmus: Psychoakustische Wahrnehmungsmechanismen und ihre Bedeutung für Sprache, München, GRIN Verlag GmbH
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