I
Inhaltsverzeichnis
ABBILDUNGSVERZEICHNIS II
TABELLENVERZEICHNIS III
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS V
SYMBOLVERZEICHNIS VIII
1 EINLEITUNG 1
1.1 HINFÜHRUNG ZUM THEMA 1
1.2 ZIELSETZUNG UND AUFBAU DER ARBEIT 2
2 AKTIENFONDS ALS ALTERSVORSORGEINSTRUMENT 3
2.1 AKTIEN IN DER ALTERSVORSORGE 3
2.2 KRITERIEN FÜR DIE AUSWAHLENTSCHEIDUNG BEI AKTIENFONDS 6
3 DIE BESTEUERUNG VON AKTIENANLAGEN VOR UND NACH
EINFÜHRUNG DER ABGELTUNGSTEUER 13
3.1 AKTUELLE BESTEUERUNG VON AKTIENANLAGEN 13
3.2 ECKPUNKTE ZUR EINFÜHRUNG DER ABGELTUNGSTEUER 15
3.3 BESONDERHEITEN BEI DER BESTEUERUNG VON AKTIENFONDS 19
3.4 STRATEGIEN UND EMPFEHLUNGEN FÜR DIE AKTIENANLAGE 22
3.5 AUSGEWÄHLTE KRITIKPUNKTE UND VORZÜGE DER ABGELTUNGSTEUER 25
4 MODELLRECHNUNGEN ZU DEN AUSWIRKUNGEN DER EINFÜHRUNG
DER ABGELTUNGSTEUER AUF AKTIENANLAGEN 27
4.1 GRUNDLEGENDE BETRACHTUNGEN ZUR EINFÜHRUNG DER ABGELTUNGSTEUER
27
4.2 VERGLEICH VON EINMALANLAGEN IM FONDS- UND PRIVATVERMÖGEN BEI
ANLAGE AB 2009 35
4.3 VERGLEICH VON EINMALANLAGEN IM FONDS- UND PRIVATVERMÖGEN BEI
ANLAGE VOR 2009 38
4.4 VERGLEICH VON SPARPLÄNEN MIT AKTIENANLAGEN 41
5 SCHLUSSBETRACHTUNGEN 43
ANHANG VII
EHRENWÖRTLICHE ERKLÄRUNG XXX
II
Abbildungsverzeichnis
Abb 1: Beispiel zur Behandlung von „Altverlusten X
Abb 2: Renditeeinbuße bei verschiedenen Grenzsteuersätzen XV
III
Tabellenverzeichnis
Tab 1: Besteuerung von Kursgewinnen 32
Tab 2: Aktienbesteuerung bei verschiedenen Grenzsteuersätzen 33
Tab 3: Umschichtungshäufigkeit und durchschnittliche Rendite 35
Tab 4: Komponenten der Wertschöpfungskette eines Investmentfonds VII
Tab 5: Schema zur Ermittlung der Kapitaleinkünfte nach alter
Rechtslage VIII
Tab 6: Schema zur Ermittlung der Gewinne oder Verluste aus
Veräußerungsgeschäften VIII
Tab 7: Übersicht wesentlicher Neuerungen nach der neuen Rechtslage IX
Tab 8: Gesamtübersicht alte und neue Rechtslage im Vergleich IX
Tab 9: Gesamtsteuerbelastung der Kapitaleinkünfte bei verschiedenen
Kirchensteuersätzen nach § 32d EStG X
Tab 10: Schema zur Ermittlung der Kapitaleinkünfte nach neuer
Rechtslage XI
Tab 11: Zweistufiges Schema zur Ermittlung der Einkünfte bei einem
Fondsanleger XI
Tab 12: Beispiel für den Durchfluss einer inländischen Dividende
über die Fondsebene zum Anleger XII
Tab 13: Übersicht über Änderungen bei der Fondsbesteuerung für
natürliche Personen XII
Tab 14: Beispiele zum Entlastungseffekt aus der Einführung der AGS XIII
Tab 15: Entlastungseffekt für verschiedene steuerpflichtige
Anlegertypen XIV
Tab 16: Berechnungsbeispiel zur steuerlichen Belastung bei
Körperschaften XIV
Tab 17: Dividenden- und Gesamtbesteuerung XIV
Tab 18: Beispiel zur Besteuerung von Kursgewinnen XV
Tab 19: Auswirkungen der PTR auf die mittlere diskrete Rendite p. a XVI
IV
Tab. 20: Auswirkungen der Umschichtungshäufigkeit auf die durchschnittliche Rendite in Abhängigkeit unterschiedlicher Bruttorenditen ....................................................................................XVI Tab. 21: Vergleich Privat- vs. Fondsanlage ab 2009 ................................... XVII Tab. 22: Einfluss der Umschichtungshäufigkeit bei Privat- vs. Fondsanlage ab 2009........................................................................ XVII
Tab. 23: Vergleich Privat- vs. Fondsanlage vor 2009................................. XVIII Tab. 24: Einfluss von Umschichtungen bei Privat- vs. Fondsanlage vor 2009 .......................................................................................... XVIII
Tab. 25: Vorzieheffekte Privat- und Fondsanlage 2008 vs. 2009..................XIX Tab. 26: Sparplanvergleich für verschiedene Anlegertypen 2008 vs. 2009....................................................................................................XIX
V
Abkürzungsverzeichnis
a. F. alte Fassung
Abb. Abbildung
Abs. Absatz
AEK Arbeitseinkommen
AGS Abgeltungsteuer
Aufl. Auflage
AuM Assets under Management
AV Altersvorsorge
B. v. Beschluss vom
BGBl. Bundesgesetzblatt
BMF Bundesministerium der Finanzen
BMG steuerliche Bemessungsgrundlage
Bsp. Beispiel
bsph. beispielhaft
bspw. beispielsweise
Bst. Buchstabe
bzgl. bezüglich
bzw. beziehungsweise
c. p. ceteris paribus (unter sonst gleichen Bedingungen)
ca. circa
CAPM Capital Asset Pricing Model
CF Cash Flow
d. h. das heißt
DAX 30 Deutscher Aktienindex der 30 größten Unternehmen
Diss. Dissertation
Div. Dividende
dt. deutsch
EaK Einkünfte aus Kapitalvermögen
EStG Einkommensteuergesetz
et al. Et alii (und andere)
EU Europäische Union
EUR Euro
evtl. eventuell
f. folgende
ff. fort folgende
FiFo First in - First out
VI
G. v. Gesetz vom
ggf. gegebenenfalls
ggü. gegenüber
HEV Halbeinkünfteverfahren
Hrsg. Herausgeber
i. Allg. im Allgemeinen
i. B. a. in Bezug auf
i. d. F. v. in der Fassung vom
i. d. R. in der Regel
i. H. v. in Höhe von
i. R. im Rahmen
i. S. v. im Sinne von
i. V. m. in Verbindung mit
InvG Investmentgesetz
InvStG Investmentsteuergesetz
Jg. Jahrgang
JStG Jahressteuergesetz
KAG Kapitalanlagegesellschaft
KGV Kurs-Gewinn-Verhältnis
KirchSt. Kirchensteuer
KStG Körperschaftsteuergesetz
mind. mindestens
n. F. neue Fassung
NAV Net Asset Value (Nettoinventarwert)
Nr. Nummer
NV Nichtveranlagung
p. a. per annum (pro Jahr)
PTR Portfolio Turnover Rate (Portfolioumschlag)
R² Bestimmtheitsmaß
RAFI Research Affiliates Fundamental Indexing
S. Seite
sog. so genannt
Soli Solidaritätszuschlag
SolZG Solidaritätszuschlaggesetz
Tab. Tabelle
TAK Transaktionskosten
TB Tabellenblatt
TER Total Expense Ratio (Gesamtkostenquote)
VII
u. a. unter anderem u. a. O. und andere Orte Undertakings for Collective Investments in Transfe-UCITS (OGAW) rable Securities (Organismus für gemeinsame Anlage in Wertpapieren) UN Unternehmen UnStR. Unternehmensteuerreform UStRG Unternehmensteuerreformgesetz v. a. vor allem VaR Value at Risk Vgl. Vergleiche vs. versus (im Vergleich zu) WK Werbungskosten z. B. zum Beispiel zvE zu versteuerndes Einkommen zzgl. zuzüglich
VIII
Symbolverzeichnis
r t : Geometrisches Mittel der diskreten Renditen
T :
B r :
Bruttorendite des Jahres t t
V k :
Kosten auf der Vermögensebene in % des NAV in t (z.B. TAK) t
A k :
Kosten auf Anlegerebene in % des NAV in t (z.B. Depotführungs- t
oder Beratungskosten)
s :
Anzuwendender Steuersatz in t t
π :
Inflationsrate in t t
rN r :
Reale Nettorendite in t t
π : Durchschnittliche Inflationsrate in % pro Periode T t
vSt r :
t
Kurs r :
Rendite aus Kurssteigerungen (nach Abzug von TAK) t
Div r :
Rendite aus Dividendenzahlungen t
Pers
s
: Persönlicher Einkommensteuersatz t
AGS
s : Abgeltungsteuersatz; AGS-Satz
nSt r :
Nachsteuerrendite in t t
08 nSt
r
: Nachsteuerrendite in t für Veranlagungszeiträume bis einschließ- t
lich 2008
09 nSt
r
: Nachsteuerrendite in t für Veranlagungszeiträume ab 2009 t
K :
Kapital nach T Perioden, Endwert T
K :
Anfangskapital 0
R :
B V :
Bruttovorteil aus fiktiver AGS des Anleger I I
N V :
Nettovorteil aus fiktiver AGS des Anleger I I
r Durchschnittliche Kurssteigerungen (Konstante)
U : Umschichtungshäufigkeit
1
1 Einleitung
1.1 Hinführung zum Thema
Zum 1. Januar 2009 wird eine Abgeltungsteuer (AGS) auf Kapitalerträge in Deutschland eingeführt. Diese Gesetzesentscheidung hat in der Öffentlichkeit für viele Schlagzeilen gesorgt und u. a. zu einer weitreichenden Diskussion hinsichtlich der optimalen Anlagestrategie in der privaten Altersvorsorge (AV) geführt. 1 Die Begründung dafür liegt in einer veränderten Behandlung der Kapitaleinkünfte. Diese werden erstmalig aus der allgemeinen Bemessungs-grundlage (BMG) herausgelöst und unabhängig von den übrigen Einkünften pauschal besteuert.
Die bedeutende Rolle von Steuern für die private AV ergibt sich daraus, dass Anleger zur Bestreitung ihres Lebens im Alter nur das nach Abzug von Steuern verfügbare Kapital verwenden können. Somit stellt eine möglichst hohe Nachsteuerrendite ein wesentliches Zielkriterium dar. 2
Wie z. B. die in den 90er Jahren in Deutschland eingeführte Zinsabschlagsteuer gezeigt hat, kann sich eine veränderte Besteuerung auch auf den Bereich der Anlageprodukte deutlich auswirken. In den Jahren nach der Gesetzgebung kam es zu einer vermehrten Auflegung von Investmentfonds in Luxemburg. 3 Auch diesmal zeigen sich Tendenzen, dass aufgrund der AGS bestimmte Produktentwicklungen forciert werden.
Die Einführung der AGS erlaubt in Zukunft eine stärkere Konzentration auf den Vergleich der Vorsteuerrenditen verschiedener Anlageprodukte. Jedoch kann es aus steueroptimierender Sicht wichtig sein, schon jetzt die richtigen Entscheidungen zu treffen, um nicht von höheren Steuerzahlungen betroffen zu sein. 4 Doch wie stark wirkt sich die AGS wirklich auf die Renditen der Kapitalanlagen aus? Ist es vielleicht sinnvoller sein Kapital noch in diesem Jahr voll zu investieren und in Zukunft nicht mehr umzuschichten? Und wie hoch können die verschiedenen Effekte und die möglichen negativen Abweichungen sein? Mit diesen und weiteren praxisrelevanten Fragestellungen beschäftigt sich die nachfolgende Arbeit ausführlich.
1 Vgl. Oberhuber (2007).
2 Vgl. Stein (1998), S. 2, der feststellt, dass der negative Einfluss von Steuern auf die Performance sogar größer als der aus TAK, Managementgebühren und Inflation sein kann. 3 Vgl. Remsperger / Stöß (2005), S. 1369.
4 Vgl. o. V. (2008b), S. 2.
2
1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit
Die vorliegende Arbeit verfolgt die Zielsetzung, die anspruchsvolle Entscheidungssituation eines Langfristsparers mit einer praxisbezogenen Entscheidungshilfe i. B. a. die AGS zu unterstützen. Es soll dabei keine Beschränkung auf die theoretischen Hintergründe und die rechtlichen Rahmenbedingungen stattfinden, sondern vielmehr mithilfe von Beispielen die Wirkungen der neuen AGS aufzeigt werden. Darüber hinaus besteht die Intention darin, durch eine Betrachtung der wichtigsten Auswahlkriterien für Aktienfonds, die Bedeutung des Steueraspektes zu anderen Parametern der Anlageentscheidung ins Verhältnis zu setzen. Da die private AV im Mittelpunkt der Analyse steht, soll eine Konzentration auf die Vermögensbildung mit Aktien in der Ansparphase vorgenommen werden. 5 Folgerichtig ergibt sich eine Vernachlässigung der gesetzlichen und betrieblichen AV. 6
Die vorliegende Arbeit gliedert sich in drei Teile. Im ersten Teil werden in Abschnitt 2.1 einige grundlegende Überlegungen zu Aktien und AV geführt. Dabei wird sowohl auf die Eignung von Aktien für die AV als auch auf ihre Rolle in der Asset Allocation eingegangen. In Abschnitt 2.2 wird dann eine kritische Beleuchtung der entscheidenden Faktoren bei der Fondsauswahl vorgenommen. Dies geschieht durch eine Unterscheidung in qualitative und quantitative Merkmale. Der zweite Teil der Arbeit leitet in die steuerlichen Neuerungen durch die Einführung der AGS über. Dabei wird in Abschnitt 3.1 die bestehende Situation der Aktienbesteuerung erläutert und anschließend in Abschnitt 3.2 ein Überblick über die wichtigsten Eckpunkte der neuen AGS gegeben. Im darauf folgenden Abschnitt 3.3 wird versucht einige Besonderheiten der Fondsbesteuerung im herauszuarbeiten. Konsequenterweise können in Abschnitt 3.4 einige steuermotivierte Strategieempfehlungen abgeleitet werden, bevor Abschnitt 3.5 den steuerlichen Teil mit einigen allgemeinen Vorteilen und Kritikpunkten i. B. a. die AGS abrundet. Im dritten Teil der Arbeit werden Modellrechnungen zu den Auswirkungen der Einführung der AGS durchgeführt. Nach einer Einführung in Abschnitt 4.1 werden in Abschnitt 4.2 und 4.3 die unterschiedlichen Besteuerungssituationen mit und ohne AGS auf ihre Konsequenzen für die Privat- und Fondsanlage untersucht. Abschnitt 4.4 schließt den Analyseteil mit dem Vergleich von Sparplänen ab. Im Schlussteil werden die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst.
5 Vgl. z. B. Albrecht / Goebel (2000), sowie Albrecht / Maurer (2001) für eine Analyse der aus unsicherer Lebenserwartung entstehenden Risiken in der Entspar- bzw. Rentenphase.
6 Vgl. Augsten et al. (2004), S. 107-134 zur steuerlichen Behandlung der Renten.
3
2 Aktienfonds als Altersvorsorgeinstrument
2.1 Aktien in der Altersvorsorge
Grundsätzlich ist die private AV mit Produkten der Vermögensbildung und Angeboten zur Absicherung biometrischer Risiken möglich. Versicherungsprodukte können allerdings die Risiko- und Präferenzprofile vieler Ruheständler nicht ausreichend erfüllen, so dass vermögensbildende Anlagen eine Alternative bieten können. 7 Dabei wird der Aufbau eines soliden Kapitalstocks als ausreichend angesehen, um das Langlebigkeitsrisiko abzusichern. 8 Dem Anleger steht insgesamt eine Vielzahl von Vorsorgemöglichkeiten zum Aufbau seines Anlagevermögens zur Verfügung. Er kann sowohl in Form von Bargeld, Sparbüchern, festverzinslichen Wertpapieren, Immobilien und Edelmetallen, als auch über aktienmarktbasierte Produkte wie die Direktanlage, Fonds und Zertifikate seine Vermögensstruktur gestalten. Zusätzlich kann die Anlage in Kapitallebensversicherungen und Bausparverträge der Vermögensbildung dienen, allerdings sind diese Produkte für andere Zwecke konzipiert. Dem Bürger stehen des Weiteren staatlich geförderte Produkte i. R. von vermögenswirksamen Leistungen, sowie Riester- und Rürup-Fonds für die private AV zur Verfügung. Diese können allerdings nur dann direkt der Vermögensbildung zuge-ordnet werden, wenn sie ein Kapitalwahlrecht im Ruhestandsalter enthalten.
Strategien für die AV stellen eine sehr komplexe Entscheidungssituation für Privatpersonen dar, was daraus resultiert, dass individuelle Faktoren wie Anlegerprofil, Ziele, Wünsche, Risikobereitschaft und Anlagehorizont berücksichtigt werden müssen. 9 Hier ist das Hinzuziehen von Experten zu empfehlen, weshalb der Anlageberatung eine zentrale Rolle zukommt. 10
Die Eignung von Aktienanlagen für die AV lässt sich über die theoretische Begründung von Aktienrisikoprämien 11 herleiten. So kann argumentiert werden, dass Aktien positive Risikoprämien haben müssen, da sie die teilweise Übernahme eines wirtschaftlichen Risikos darstellen. Niemand wäre bereit unsichere Rückflüsse aus der unternehmerischen Tätigkeit ohne einen Auf-
7 Vgl.Dus (2006), S. 2.
8 Vgl. Viebrok et al. (2004), S. 81-83.
9 Vgl. Garz et al. (2006), S. 162-166.
10 Vgl. Kritzman (1992), S. 12f., der feststellt, dass aufgrund des fehlenden mathematischen und theoretischen Verständnisses bei Privatinvestoren, intuitive Strategien für die Asset Allocation beim Vermögensaufbau abzuleiten sind und ausführlich Rouette (2005), S. 197ff. 11 Die Risikoprämie stellt die erwartete Entlohnung des Kapitalgebers für die Übernahme von Risiken dar. Vgl. Rouette (2005), S. 35.
4
schlag einzugehen. 12 Dieser Zusammenhang wird auch in der Standard-Finanzierungstheorie durch das CAPM bestätigt. 13 Für den praktisch orientierten Privatanleger lässt sich mithilfe einer intuitiven Herangehensweise und unter Verwendung des Konzeptes der Risikoprämie relativ einfach eine langfristig zu erwartende Aktienrendite ableiten. Diese sollte sich als Erwartungswert der Summe aus einer risikobehafteten Prämie und einer nominalen risikolosen Rendite ergeben, die wiederum aus der realen sicheren Rendite zzgl. der Inflationsrate zusammengesetzt ist. Um die Größenordnung zu bestimmen, kann zunächst die Inflationsrate bestimmt werden, die durch verschiedene Statistikbehörden veröffentlicht wird und sich aktuell im Bereich von 2-3 % bewegt. Des Weiteren kann die reale sichere Verzinsung aus inflationsindexierten Anleihen abgelesen werden. Diese schwankt im Zeitablauf relativ wenig und liegt im Bereich von 2-3 %. Die implizite Risikoprämie für Aktien wird in der Spanne von 1-4 % angenommen. 14 Somit ergibt sich eine grob geschätzte Spannweite für die Aktienrendite zwischen 5-10 %. 15 Die Forderung einer langfristigen Entlohnung für die Übernahme von Risiken lässt sich durch einen Blick auf historische Renditen von verschiedenen Aktienmärkten bestätigen. 16
Die wissenschaftlichen Abhandlungen zur Bestimmung der optimalen Aktienquote sind so umfangreich, dass hier nur auf einige wichtige Argumente eingegangen wird. Die Arbeiten von Samuelson und Merton stellen häufig den Ausgangspunkt für Diskussionen rund um die Aufteilung der Vermögenswerte dar. Die Autoren proklamieren die Vorteilhaftigkeit einer konstanten Asset Allocation über die Zeit. 17 Dabei muss allerdings kritisch angemerkt werden, dass die Optimalität einer konstanten Asset Allocation von der Annahme einer konstanten relativen Risikoaversion der Investoren abhängig ist. Diese Vereinfachung abstrahiert von der Wirklichkeit, denn es sind auch andere Formen der Risikowahrnehmung vorstellbar. 18 Dem gegenüber stehen Empfehlungen anderer Autoren wie bspw. Campbell und Viceira, welche aus einem Lebenszyklusmodell die Vorteilhaftigkeit riskanter Investments für junge Haushalte mit
12 Vgl. Rouette (2005), S. 31.
13 Das CAPM geht auf Sharpe (1964), Lintner (1965) und Mossin (1966) zurück und, dass mit
steigendem Risiko auch höhere Renditeforderungen einhergehen müssen.
14 Vgl. Rouette (2005), Abb. 3-15, S. 104. und Abb. 3-19, S. 112.
15 Vgl. Rouette (2005), S. 38-97; Reimer /Zanker (2003), S. 91-111 und Ebertz et al. (2003), S.
113-156 für verschiedene Ansätze zur Ermittlung von Risikoprämien.
16 Vgl. Dimson et al. (2008), S. 480, die für einen Anlagezeitraum von 1900-2005 reale
annualisierte Aktienrenditen von 2,4-7,8 % für verschiedene Märkte feststellen; zzgl. einer
Inflation von 2 - 3 % lässt sich damit die angegebene Spanne von 5 - 10 % rechtfertigen.
17 Vgl. Samuelson (1969) und Merton (1969,1971).
18 Vgl. Klos et al. (2002), S. 747, bspw. eine ab- bzw. zunehmende relative Risikoaversion.
5
moderaten Ersparnissen ableiten. Die Intuition geht hierbei davon aus, dass junge Haushalte über ein hohes Humankapital in Relation zu ihrem Finanzanlagevermögen verfügen und somit eine höhere Aktienquote sinnvoll ist. 19 Das sog. Background Risk sollte daher wegen seiner Wichtigkeit für die Vermögensaufteilung in die Anlageentscheidung mit einbezogen werden. 20
In der Praxis wird häufig eine Argumentation für eine dominierende Stellung der Asset Allokationsentscheidung angeführt, die sich auf Brinson et al. beruft. 21 In ihrer Grundaussage sind dabei laut der Autoren 93,6% der Abweichungen von einer Benchmark auf die Asset Allocation zurück zu führen. 22 Die Ergebnisse ihrer Studie werden dabei tendenziell von Ibbotson und Kaplan bestätigt, allerdings nicht ohne den Versuch zu unternehmen, einige Unklarheiten zu beseitigen. 23 Eine grundlegende Kritik besteht darin, dass die angewandten Methoden zu falschen Ergebnissen führen. 24 Schließlich kann argumentiert werden, dass die Ergebnisse von Brinson et al. häufig falsch interpretiert werden, denn der genannte Wert beschreibt nur das vom Manager eingegangene Risiko in Form der Abweichung zur Benchmark. 25 Der hohe Wert von 93,6 % bedeutet dabei, dass der Fondsmanager relativ wenig aktives Risiko zu seinem Vergleichsindex eingeht. Nichtsdestotrotz wird die Entscheidung der Asset Allocation als wichtige Komponente im Portfolio Management Prozess eingestuft. 26 Nimmt man wiederum eine praktische Perspektive ein, so wird eine Übergewichtung von Aktien für die Altersvorsorge wegen ihrer überdurchschnittlichen Performance positiv gesehen, auch wenn zwischenzeitliche Einbrüche in Kauf genommen werden müssen. 27
Für die AV kommen zum einen Einmalinvestments in Frage, zum anderen kann sukzessive ein Kapitalstock aufgebaut werden. Ein Privatanleger hat oft gar nicht die Möglichkeit, sich zwischen Einmalanlage und Sparplan zu entscheiden, weil die zu sparenden Beträge erst aus Arbeitseinkommen erzielt werden müssen. Dennoch kann ein Vergleich der Eigenschaften der unter-
19 Vgl.Campbell / Viceira (2003), 195-225.
20 Vgl. Klos et al. (2002), S. 748ff.; als Background Risk wird die Unsicherheit über das zukünftige Arbeitseinkommen bezeichnet.
21 Vgl. o. V. (2008a), S. 3.
22 Vgl. Brinson et al. (1986), S. 39-44.
23 Vgl. Ibbotson / Kaplan (2000), S. 26-33.
24 Vgl. Kritzman (2006), S. 10f.
25 Es handelt sich dabei um das Bestimmtheitsmaß R².
26 Vgl. Rouette (2005), S. 12f.
27 Vgl. Dornau / Szczesny (1999), S. 15, die eine Befragung von ca. 250 Finanzexperten durch des ZEW im Jahre 1998 i. B. a. Branchenunterschiede in der Asset Allocation auswerten.
6
schiedlichen Strategien wichtige Erkenntnisse bringen. 28 Bei der Betrachtung von Einmalanlagen und langfristigen Sparplänen, ist zu berücksichtigen, dass Einmalanlagen einen höheren Erwartungswert des Endvermögens und eine geringere Shortfalls-Wahrscheinlichkeit besitzen. 29 Sparpläne sind dagegen in der Lage, die Wahrscheinlichkeit für ein sehr negatives Ergebnis im Falle eines Shortfalls abzumildern. So gesehen spiegelt sich auch hier der gegenläufige Zusammenhang von Chance und Risiko wider. 30
Die Vorteilhaftigkeit von Aktieninvestments für die private AV lässt sich an dieser Stelle nicht abschließend beurteilen. Aufgrund der langfristigen Renditeaussichten wird die Aktienanlage trotzdem als ein wichtiger Baustein für Altersvorsorgezwecke angesehen.
2.2 Kriterien für die Auswahlentscheidung bei Aktienfonds
Wie in Abschnitt 2.1 dargelegt wurde, bieten Aktienanlagen gute Möglichkeiten, einen langfristigen realen Vermögensaufbau zu gewährleisten. Ob eine Delegation der Verwaltung dieser Aktienanlagen an einen professionellen Asset Manager sinnvoll ist und anhand welcher Kriterien sich der langfristige Anleger bei einem Vergleich verschiedener Aktienfonds 31 orientieren kann, wird in diesem Abschnitt dargestellt.
a) Vor- und Nachteile der Anlage in Aktienfonds Die Hauptvorteile der Anlage von Geldern über Investmentmanager entstehen aus verschiedenen Transformationsleistungen. 32 Mit modernen Informations-und Kommunikationssystemen, sowie professionellen Portfolio- und Risikomanagementtools sind die Finanzexperten der KAGs wesentlich besser in der Lage, Informationen zu verarbeiten. 33 Fondsgesellschaften können durch eine Bündelung von Anlegergeldern erhebliche Skaleneffekte bei einzelnen Kosten
28 Diese Fragestellung wird auch als sog. zeitliche Diversifikation bezeichnet. Vgl. Ruckpaul (2004), S. 139ff. für eine ausführliche Darstellung des Themengebietes.
29 Vgl. Klos et al. (2002), S. 739-741 und Albrecht et al. (2000), S. 16., ein Shortfall bezeichnet die Wahrscheinlichkeit eine bestimmte Rendite zu unterschreiten, das Shortfall-Risiko wird kritisch beurteilt um langfristige Erfolgsaussichten bestimmter Anlagen adäquat zu analysieren, da mit abnehmender Shortfall-Wahrscheinlichkeit gleichzeitig die durchschnittliche Shortfall-Höhe zunimmt.
30 Vgl. Ruckpaul (2004), S. 282-284.
31 Man kann eine Unterscheidung in distributive Fonds (alle Erträge ausschüttend), kumulative Fonds (nur laufende Erträge ausschüttend und thesaurierende Fonds (alle Erträge wiederanlegend) vornehmen; vgl. Maurer (2005), S. 1382.
32 Diese sind die Informations-, Losgrößen-, Risiko- und Liquiditätstransformation; vgl. Maurer (2005), S. 1382 und Garz et al. (2006), S. 155-157.
33 Vgl. Maurer (2005), S. 1382.
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Henning Padberg, 2008, Aktienfondssparen im Rahmen der privaten Altersvorsorge unter Berücksichtigung der Einführung der Abgeltungsteuer, Munich, GRIN Publishing GmbH
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