Inhalt
03 Woher kommt eigentlich
unsere Schrift?
Eine kleine Einführung in die Schriftgeschichte
16 Bildbeispiele zur
Geschichte der Schrift
25 Zur Geschichte
der arabischen Ziffern
29 Geheimnisvolle Zeichen,
fast vergessene Alphabete Zwei Beispiele
32 Tabellen, Karten
36 Literaturhinweise
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Woher kommt eigentlich unsere Schrift? Eine kleine Einführung in die Schriftgeschichte
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kretischen Linear A-Schrift
mann hat in seinem empfehlenswerten produziert und die Frage, ob die ausge-
Werk Universalgeschichte der Schrift auf
wählte Schrift eigentlich zum Inhalt des
die Wahrscheinlichkeit einer frühen Wan-
Textes paßt, scheint ein Relikt aus der
derung der Vinˇ ca-Kultur in den ägäischen
Vergangenheit zu sein.
Raum hingewiesen. Földes-Papp hatte be-
reits 1966 in seinem Werk Vom Felsbild
Woraus resultiert diese offensichtli-
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stritten über den Ursprung des Alphabets. Palastes von Knossos, verdanken wir die Der Geograph Strabo nannte das iberische Funde der kretischen Linear A- und Line- Volk der Turdetanier; diese hätten eine ar B-Schrift. Linear A entwickelte sich über 6000 Jahre alte Schrift besessen. höchstwahrscheinlich aus der Hierogly- Heute dürfen wir annehmen, daß diese phenschrift und wurde für die minoische iberische Schrift nichts anderes als ein Sprache verwendet. Linear A ist bis heu- Ausläufer des phönikischen Konsonanten- te nicht entziffert. Wir wissen auch nicht, alphabets war. Platon dagegen hielt die was etwa im 15. Jahrhundert vdZ zum Un- Ägypter für die Schöpfer des Alphabets. tergang der minoischen Kultur geführt Der Römer Plinius der Jüngere nannte die hat; die Wissenschaftler halten eine gro- Assyrer, während der Historiker Tacitus ße Naturkatastrophe ebenso für möglich der ägyptischen Hypothese den Vorzug wie eine Invasion vom griechischen Fest- gab. Der Grieche Diodor schrieb, nicht die land.
Phöniker hätten das Alphabet erfunden, sondern sie hätten lediglich eine aus Kreta Auf Zypern war während der Bronze- stammende Schrift übernommen und ver- zeit, im 2. Jahrtausend vdZ, eine Schrift ändert. Sicher ist, daß bei den bereits im in Gebrauch, die mit der minoischen Li- Altertum lebhaften Handelsbeziehungen near A offensichtlich verwandt ist. Sie im Mittelmeerraum, ein Schriftsystem wird als Kyprisch-Minoische oder alt- nicht isoliert bleiben konnte. Gerade den kyprische Schrift bezeichnet. Die gefun- seefahrenden Phönikern ist die kretische denen Tontafeln wurden im Gegensatz zu Linearschrift sicherlich nicht unbekannt den kretischen Funden gebrannt und geblieben. Insofern darf man Kreta wohl nicht in der Sonne getrocknet. Die alt- die Funktion einer Drehscheibe bei der kyprische Schrift ist bis heute unent- Verbreitung der Schrift zuschreiben.
ziffert. Ab dem 1. Jahrtausend vdZ wur- de auf Zypern für die griechische Spra- che die sog. klassische zyprische Schrift Kreta und Zypern verwendet, die bei der Entzifferung der
Das älteste auf Kreta nachzuweisen- (1922–1956) eine Schlüsselrolle spielen de Schriftsystem, eine Bilderschrift, wird sollte.
auf etwa 2000 vdZ datiert. Sie ist auf wenigen Tonstreifen und Siegeln erhal- Als Sir Arthur Evans 1941 starb, hat- ten geblieben. Ihre Herkunft aus den te er mit der Entzifferung der kretischen
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Linear B kaum Fortschritte gemacht und Das phönikische war bis zuletzt davon überzeugt, daß die Konsonantenalphabet minoische Sprache unmöglich ein frühes Griechisch sein konnte. Die Phöniker (oder Phönizier) waren wohl die größten Händler und Entdecker Dem Architekten Michael Ventris, der der Antike. Sie bereisten und erforschten bereits als 15 jähriger Evans kennenge- den gesamten Mittelmeerraum und grün- lernt hatte, gelang 1953, unterstützt von deten Kolonien. Ihr Vorstoß bis zu den John Chadwick, der Nachweis, daß die Kanarischen Inseln gilt heute als wahr- Linear B-Tafeln in einem archaischen Grie- scheinlich, manche Wissenschaftler hal- chisch beschriftet wurden. Linear B-Fun- ten sogar eine Umsegelung Afrikas für de gab es nicht nur auf Kreta, sondern möglich. Die Phöniker haben der Nach- auch auf dem griechischen Festland (Pylos welt ein Konsonantenalphabet mit 22 1939, Mykene 1950, Theben 1964 und Buchstaben hinterlassen, von dem wir Tiryns 1966). Die Minoer und Mykener ha- heute wissen, daß sich aus ihm die früh- ben also bereits Jahrhunderte vor Homer griechische Schrift entwickelt hat. Die griechisch gesprochen. Andrew Robinson phönikische Schrift gehört zum nord- schreibt in seinem Werk Die Geschichte semitischen Schriftenkreis, dem außer- der Schrift: »Dies ist nicht das Griechisch dem die kanaanäische und die aramä- Homers, geschweige denn das klassische ische Schrift zuzurechnen sind. Über die Griechisch des Euripides – so wie das Herkunft des phönikischen Konsonan- moderne Deutsch nicht das Deutsch Grim- tenalphabets wissen wir wenig, kretische melshausens ist.« Einflüsse können ebenso wenig ausge- schlossen werden, wie ägyptische oder sinaitische 3 . Vielleicht kam Diodor tat- sächlich der Wahrheit sehr nahe, als er
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Die griechische Geschichte von etwa
Eines der ältesten uns erhalten ge- 1200 – 700 vdZ wird von den Historikern bliebenen griechischen Schriftdenkmäler allgemein als dunkle Periode bezeichnet, ist die sog. Dipylonkanne aus dem Athen was aber lediglich besagt, daß wir fast des 8. Jahrhunderts vdZ, deren Inschrift keine Kenntnisse über die Ereignisse die- in die zweite Gruppe einzuordnen ist. Die ses Zeitraums besitzen. Etwas Licht in das linksläufige Beschriftung lautet in deut- Dunkel werfen immerhin die Dichtungen scher Übersetzung: Wer nun von den Tän- Homers. Aber gerade in dieser Periode ent- zern am anmutigsten tanzt, der soll dies standen die ersten frühgriechischen Al- erhalten. Offensichtlich war die Dipy- phabete, die aus der phönikischen Schrift lonkanne als Siegespreis gedacht (Abbil- entlehnt waren und der griechischen dung 10).
Sprache angepaßt wurden. Kretische bzw.
zyprische Einflüsse dürften hierbei eben- Abbildung 11 zeigt ein Beispiel aus falls eine Rolle gespielt haben.
der dritten Gruppe – es handelt sich um eine rechtsläufige Inschrift aus dem 5.
Über mehrere Jahrhunderte gab es Jahrhundert vdZ nach dem westlichen verschieden Schreibweisen in den griechi- (lakonischen) Alphabet.
schen Regionen, wohl eine Folge des aus-
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Arbeit zitieren:
Bernhard Schnelle, 2003, Zur Geschichte der Schrift, München, GRIN Verlag GmbH
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