Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung S. 3 - 4
Über den Inhalt der Arbeit und Fragestellungen
zu Mantegnas Kupferstich „Christus in der Vorhölle“
2. Die Besonderheiten IN und ÜBER Mantegnas Kupferstich
„Christus in der Vorhölle“
2.1 Eigenheiten im Bild.
2.1.1 Die Bildbeschreibung. S. 4 - 5
2.1.2 Das Deutungsspektrum und die Einbettung der
Szene im apokryphen Evangelium. S. 5 - 8
2.2 Besonderheiten über den Stichs
und in dessen Darstellung.
2.2.1 Das Bildthema und die angebliche Anregung
durch Jacopo Bellini. S. 8 - 9
2.2.2 Bildvergleich mit Bellinis Werk sowie
dem Albrecht Dürers, die selbiges
Bildthema darstellen. S. 9 - 10
2.3 Divergente Meinungen über Zu- und Abschreibungen des Stichs an
Andrea Mantegna.
S. 10 - 11
2.4 Kann der Kupferstich für einen Zyklus gedacht gewesen sein?
Eine Pro- und Contradarstellung.
S. 11 - 13
3. Fazit 13
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1. Über den Inhalt der Arbeit und Fragestellungen zu
Mantegnas Kupferstich „Christus in der Vorhölle“.
Die vorliegende Arbeit betrachtet den Kupferstich „Christus in der Vorhölle“ von Andrea Mantegna (1431-1506) 1 ,Kupferstich in brauner Druckfarbe, 42,9 x 33,6 cm, 2 London, British Museum 3 , Leihgabe an Berlin, Staatliche Museen zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Kupferstichkabinett, Inv.-Nr. 840-21 4 . In der Literatur ist der Kupferstich unter „Datierung unbekannt“ 5 verzeichnet, aus einer anderen Quelle geht jedoch hervor, dass der Kupferstich im Zeitraum 1460/70 entstanden sein soll 6 .
Das Bildthema kommt nicht in der Bibel vor, sondern findet im apokryphen Evangelium 7 Inhalt, was allerdings nicht die einzige Besonderheit des Stichs ist. Mantegna soll für den Kupferstich von einem Bild von Jacopo Bellini angeregt worden sein 8 , jedoch war das Bild J. Bellinis in der Literatur nicht zu finden, aber ein Verweis auf ein, an J. Bellini angelehntes Bild von Giovanni Bellini 9 . Die Darstellungen der Figuren in beiden Werke weisen Ähnlichkeiten auf, allerdings auch beachtliche Unterschiede. Desweiteren gibt es drei weitere Werke Mantegnas mit religiösen Inhalt und zeitlicher Abfolge einer biblischen Szenerie, die dem Neuen Testament 10 entstammen. Es ergibt sich die Frage nach einem Bildzyklus. Interessant ist auch die Fragestellung, ob das Werk überhaupt Mantegna zuzuschreiben ist. Es gibt abweichende Standpunkte darüber 11 , welche in dieser Arbeit Inhalt finden werden. Aufgrund dass „Die Argumente für eine Zuschreibung des Stichs an Mantegna überwiegen.“ 12 , wird in dieser Hausarbeit davon ausgegangen, dass besagter Kupferstich Mantegna zuzuschreiben ist. Über einen Entstehungsprozess des Kupferstiches „Christus in der Vorhölle“ sind keine näheren Informationen zu finden. Da in der Literatur kein
1 Vgl. STÜTZER, Herbert Alexander: Die italienische Renaissance, Köln 1977, S. 42
2 Vgl. DÜCKER, Alexander: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, Berlin 1994, S. 252
3 Vgl. TIETZE-CONRAD, E.: Mantegna, Köln 1956
4 Vgl. DÜCKER, Alexander: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, Berlin 1994, S. 252
5 KNAPP, Fritz (Hrsg.): Andrea Mantegna, Berlin/Leipzig 1924, S.186
6 Vgl. DÜCKER, Alexander: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, Berlin 1994, S. 252
7 Vgl. ebd.
8 Vgl. ebd.
9 Vgl. EISLER, Colin T.: The Genius of Jacopo Bellini, New York 1989, S. 64
10 Vgl. ZUFFI, Stefano (Hrsg.): Bildlexikon der Kunst. Erzählungen und Personen des Neuen Testaments, Berlin 2004, S.276ff.
11 Vgl. DÜCKER, Alexander: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, Berlin 1994, S. 252
12 Vgl. ebd.
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eindeutiger Zeitpunkt der Entstehung des Kupferstichs hervorgeht, ist der biographische Kontext zum Werk schwer zu erschließen. In mehreren Texten über Leben und Werk Mantegnas ist nur spärlich Informations-gehalt über einzelne seine Kupferstiche vorhanden. Neben einer Bildbeschreibung und dem Deutungsspektrum soll es Inhalt dieser Arbeit sein diesen Fragestellungen nachzugehen.
2. Die Besonderheiten IN und ÜBER Andrea Mantegnas Kupferstich
„Christus in der Vorhölle“.
2.1 Die Eigenheiten im Bild.
2.1.1 Die Bildbeschreibung.
Ein, das Bild zu großen Teil ausfüllendes Felstor mit nur spärlich Blick auf die übrige Landschaft, ragt frontal und mit wenig Distanz zum Betrachter ins Bild. Es ist umgeben von acht gut sichtbaren, unterlebensgroßen Figuren. Am linken Bildrand und links vom Felstor steht ein nackter, männlicher Mensch mit einem übermanns-großen Kreuz, welches er mit beiden Händen mit Leichtigkeit hält, da er es vor seinen Füßen auf den steinigen Boden aufgestellt hat. Er hat kurzes, etwas gelocktes Haar und einen kräftig gebauten, muskulösen Körper. Er blickt zu einem über ihm schwebenden, beflügelten Fabelwesen, welches in seinen Händen ein Horn hält, in welches er hineinbläst. Die Wangen dieses Wesens sind wegen der Bedienung des Blasinstrumentes aufgeplustert. Dessen Oberkörper ist menschlicher Natur, nur seine Ohren ragen auffällig spitz über seinen Kopf hinaus, der mit Haaren bedeckt ist. Der Unterkörper hat Ähnlichkeit mit einem eines Drachens, wie auch die Flügel, die das Wesen zum fliegen befähigen. Im Gegensatz zu denen eines Vogels sind sie nicht mit Federn bedeckt. Neben diesem Fabelwesen schwebt ein zweites, ebenfalls über den Köpfen der im Bild anwesenden Menschengestalten, am rechten Rand des Felstores. Es bläst auch in ein Horn. Sein drachenähnlicher Unterkörper ragt hinter seinem Oberkörper empor. Ein drittes Fabelwesen schwebt kopfüber neben dem Felstor am rechten Bildrand. Seine Hände bedienen kein Horn, sondern hängen herab, wie auch seine mittellangen Haare. Unter diesem Wesen stehen drei menschliche Figuren nebeneinander, nah neben dem geöffneten Felstor. Sie sind unbekleidet und ihre Mimik sieht verzogen aus. Die männliche Person am äußeren rechten Bildrand hält sich mit beiden Händen die Ohren zu. Dessen Oberkörper ist muskulös, wie auch seine Beine, nur seine Füße sehen knochig aus, wie auch die der ihm nebenstehenden Figuren. Zu seiner Rechten steht eine, dem Betrachter den Rücken und Teil seines Profils zugewandte, etwas nach vorn gebeugte männliche Person mit langem Haar. Sie scheint einer
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ihm gegenüberstehenden Frau etwas zuzuflüstern. Sie lehnt etwas gekrümmt am Felstor, ihr Ohr ihm zugeneigt. Sie blickt, etwas seitlich geneigt auf den Boden. Ihre Füße stehen überkreuz, ihre rechte Hand bedeckt ihre Scham. Zu ihrer Rechten und gleichermaßen im Bildzentrum steht die einzig bekleidete Figur des Bildgeschehens. Sie wendet dem Betrachter den Rücken zu und schaut deshalb in Richtung des Felsinneren. Unter seinen nackten Füßen befindet sich das aus den Angeln gerissene Felstor. Es besteht aus zwei Torflügeln, die überkreuz auf dem Boden und unter den Füßen besagter Person übereinander liegen, umgeben von losen Teilen wie Steinen, Nägeln und heraus gebrochenen Holzstücken. Die Person trägt einen bis zu den Knöcheln reichenden Umhang, der stark gefaltet ist. Er bedeckt auch die Arme. In der linken Hand umfasst er eine, an einem dünnen Stab befestigte, schmale Flagge. Über seinem Kopf ist eine helle Linie sichtbar. Im Finster des Felsinneren ist eine hell abgesetzte Schattierung erkennbar.
2.1.2 Das Deutungsspektrum und die Einbettung der dargestellten Szene im apokryphen Evangelium.
Der Kupferstich „Christus in der Vorhölle“ stellt eine Szene dar, die in der Bibel nicht vorkommt, sondern im Nikodemus-Evangelium Inhalt findet 13 . Das Nikodemus-Evangelium zählt zu den apokryphen Evangelien 14 . Lehnt man das Bildthema an das Bibelgeschehen an, so findet die Szene als Christus in die Unterwelt absteigt unmittelbar nach seinem Tode 15 und vor seiner Auferstehung 16 statt. Die Hölle stellt den Ort der Verdammten dar und wird im Gegensatz zum Himmel unter der Erde gesehen 17 . Das dargestellte Felstor stellt demnach ein Höllentor dar, welches die Hölle als Ort der Unterwelt zugänglich macht. Die aus den Angeln gerissenen Höllentore, die unter den Füßen der bekleideten Figur überkreuz übereinander liegen, sind somit dem im Nikodemus-Evangelium beschriebenen Einziehen des „Königs der Herrlichkeit“ und dessen Befehl „Öffnet, ihr Herrscher, eure Tore, geht auf, ewige Pforten! Einziehen wir der König der Herrlichkeit“ 18 aus den Angeln gerissen worden und liegen heraus gebrochen auf dem Boden. Das Motiv der zersprungenen Höllentüren, die kreuzweise übereinander liegen, bleibt bei allen ostkirchlichen Darstellungen erhalten 19 , auch für Mantegnas Kupferstich trifft dies zu. Die beflügelten Fabelwesen könnten aus der Hölle
13 Vgl. DÜCKER, Alexander: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, Berlin 1994, S. 252
14 Vgl. KLAUCK, Hans-Josef: Apokryphe Evangelien. Eine Einführung, Stuttgart 2002, S. 118ff.
15 Vgl. BADSTÜBNER, Ernst/ NEUMANN, Helga/ SACHS, Hannelore: Christliche Ikonographie in Stichworten, Leipzig 1988, S. 184
16 Vgl. DÜCKER, Alexander: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, Berlin 1994, S. 252
17 Vgl. BADSTÜBNER, Ernst/ NEUMANN, Helga/ SACHS, Hannelore: Christliche Ikonographie in Stichworten, Leipzig 1988, S. 183
18 Vgl. KLAUCK, Hans-Josef: Apokryphe Evangelien. Eine Einführung, Stuttgart 2002, S. 118ff.
19 Vgl. BADSTÜBNER, Ernst/ NEUMANN, Helga/ SACHS, Hannelore: Christliche Ikonographie in Stichworten, Leipzig 1988, S. 184
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Arbeit zitieren:
Tina Pfab, 2007, Die Besonderheiten in und über Andrea Mantegnas Kupferstich „Christus in der Vorhölle“, München, GRIN Verlag GmbH
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