Inhalt
1 NA
Vorwort 3
2 NA
Was ist Big Brother überhaupt 4
2.1 NA
Das Konzept 4
2.2 NA
Die Spielregeln 4
2.3 NA
Die Kandidaten 6
2.4 NA
Die Macher 7
2.4.1 NA
Endemol Entertainment 7
2.4.2 NA
RTL 2 8
3 NA
Die Medienhysterie 9
3.1 NA
Die Historie des Reality-TV 10
3.2 NA
Die Menschenrechtsdebatte 12
3.3 NA
Die totale Kontrolle à la Orwell 14
4 NA
Das große Geschäft mit den Kandidaten 16
4.1 NA
Authentizität oder Inszenierung 16
4.2 NA
Der Goldesel Zlatko 18
4.3 NA
Die Knebelverträge Endemols 19
5 NA
Der Fankult 21
5.1 NA
Theorien des Erfolgs 21
5.2 NA
Voyeurismus 23
5.3 NA
Promotion 24
6 NA
Fazit und Ausblick 26
6.1 NA
Geldmaschine Big Brother 26
6.2 NA
Was kommt nach Big Brother Co 26
7 NA
Literaturverzeichnis 1
2
1 Vorwort
Selten war ein Start eines neuen Fernsehformates so umstritten wie der von „Big Brother“. Ausschweifende Phantasien, Ängste und eine tiefgehende moralische Entrüstung wurden von Journalisten, Psychologen, Vertretern der Kirche und der Landesmedienanstalten artikuliert und so eine regel- rechte Medienhysterie entfacht. Die Produzenten von „Big Brother“ heizten die Stimmung dabei insofern an, als dass sie eine nicht enden wollende Flut von Spekulationen über mögliche Drogenexzesse, Orgien und Gewalt publi- zierten. Den Zuschauern wurde die Erfahrung von etwas außerordentlich Skandalösem und Exzessiven in Aussicht gestellt und Schlagwörter wie Menschenexperiment oder Menschenzoo kursierten in sämtlichen bundes- deutschen Gazetten.
Als die Reality-Soap „Big Brother“ am 1. März 2000 um 20.15 Uhr auf RTL2 dann tatsächlich das erste Mal über die Mattscheibe flimmerte, waren die Erwartungen der Zuschauer erwartungsgemäß hoch. Was dann aber wirklich zu sehen war, war verglichen mit den Prophezeiungen für die meis- ten wohl eher enttäuschend. Die mediale Inszenierung eines 100-tägigen WG-Lebens war banal, langweilig und äußerst unspektakulär.
Ich widme diese Hausarbeit all denjenigen, die wie ich -angestachelt durch die mediale Hysterie- in „Big Brother“ zunächst ein gefährliches Menschen- experiment vermuteten und in zahlreichen Diskussionen, zu Protest und Boykott aufriefen –so lange bis ich durch die intensive Beschäftigung der Thematik bemerkte, worum es bei diesem Phänomen in Wirklichkeit geht. Diesen „Sinneswandel“ möchte ich in dieser Hausarbeit skizzieren und be- legen und meinen Erkenntnisgewinn all denjenigen zugänglich machen, die dem gleichen „trojanischen Pferd“ aufgesessen sind.
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2 Was ist „Big Brother“ überhaupt?
2.1 Das Konzept
Zehn Menschen ziehen gemeinsam in eine Wohngemeinschaft und geben damit freiwillig für 100 Tage jegliches Privatleben auf. Vierundzwanzig Stunden täglich werden sie von 28 Kameras beobachtet, jedes Wort und jede Handlung werden aufgezeichnet und um 20.15 Uhr von RTL2 einem Millionenpublikum in einem Zusammenschnitt präsentiert. Wer die 100 Tage Überwachung durchhält ohne aufzugeben oder vom Fernsehpublikum aus dem Haus gewählt zu werden, erhält das Preisgeld von 250.000 Mark. 1
2.2 Die Spielregeln
Die zehn Bewohner haben sich vor dem Start von „Big Brother“ niemals zuvor getroffen. Jeder Kandidat muss sich vor dem Einzug in das „Big Bro- ther“- Haus intensiven psychologischen und allgemeinmedizinischen Tests unterziehen. Diese sollen die überdurchschnittliche Ausprägung der seeli- schen Stabilität, des Durchsetzungsvermögens, der emotionalen Intelligenz und der Gruppenfähigkeit der zukünftigen Bewohnern gewährleisten. Medi- ziner und Psychologen stehen während des Projektes ständig bereit. In der dritten Staffel wurde diese Regel dahingehend modifiziert, dass nun ein Paar, das sich bereits seit längerem kennt mit in die Wohngemeinschaft ein- zieht.
Die Gruppe ist von der Außenwelt hermetisch abgeriegelt. Kameras, techni- sches Personal, Redaktion und Betreuer sind für die Gruppe nicht zu sehen oder zu hören. Das Team kommuniziert nur per Lautsprecher mit der Grup- pe. Massenmedien wie Fernsehen, Radio oder Zeitung stehen ihr nicht zur Verfügung. Ab der dritten Staffel kommuniziert das „Big Brother“- Team nur noch per E-mail oder mit einer elektronisch veränderten Stimme mit den Bewohnern.
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http://www.bigbrother-haus.de
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Das Prinzip "Back to the Basics" gilt als Lebensstil bei „Big Brother“. Die Bewohner müssen während der 100 Tage vollständig auf Luxus und Kom- fort verzichten. Jeder Teilnehmer darf nur einen Diplomatenkoffer voll per- sönlicher Habe mitbringen. Holz zum Heizen muss selbst gehackt werden, Brot von Hand gebacken und Gemüse im Garten des Containers gezogen und geerntet werden. Für alle weiteren Waren steht der Gruppe ein - gerin- ges -Budget zur Verfügung, über das sie gemeinsam entscheiden muss. Das Budget kann erhöht werden, indem die Gruppe die Tages- und Wochenauf- gaben erfolgreich löst. Die Kameras sind ständige Beobachter der Aktivitä- ten im „Big Brother“- Haus. Alles wird von ihnen registriert und die Be- wohner werden selbst auf der Toilette beobachtet. Diese intimen Bilder werden jedoch nicht veröffentlicht, sondern dienen lediglich der Sicherheit.
Die Bewohner müssen täglich einen persönlichen Bericht abgeben. Dies geschieht im sogenannten Sprechzimmer, in dem sie unbeobachtet und un- belauscht von den Mitbewohnern über ihre individuellen Erfahrungen, Ge- fühle und Konflikte reden.
Alle zwei Wochen muss ein Bewohner die Gruppe verlassen Die Gruppe spricht dafür je zwei Nominierungen aus. Jeder Teilnehmer nennt im Sprechzimmer zwei Mitbewohner, die gehen sollen. Jene beiden Bewohner, die von ihren Mitbewohnern in der betreffenden Runde am häufigsten ge- nannt wurden, sind nominiert. Wer tatsächlich gehen muss, entscheiden die Zuschauer. In der dritten Staffel wurde das Nominierungsverfahren dahin- gehend modifiziert, dass fortan die Nominierungen gewichtet werden müs- sen: Einer der nominierten Bewohner erhält zwei Punkte, der andere einen. Die beiden Kandidaten mit den meisten Punkten - plus Publikumspunkte - sind nominiert. Wer dann tatsächlich gehen muss, entscheiden die Zuschau- er von RTL und RTL II und die Fans aus dem Internet bis zum Samstag der folgenden Woche per TED und via Internetvoting.
Jeder Bewohner darf zu jedem Zeitpunkt aus freien Stücken den „Big Bro- ther“- Container verlassen. Mit dem Austritt ist das Spiel jedoch unwider- ruflich beendet. Nur wer von Anfang an bis zum 100-sten Tag ausharrt, hat die Chance auf den Hauptpreis von 250.000 Mark. In der dritten Staffel
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wird jeder Bewohner der durch Zuschauer-Abwahl nach Nominierung den Container verlässt, zusätzlich mit einem Geldgeschenk belohnt. Der erste erhält einen Bonus von DM 2.000 und die folgenden erhalten jeweils 2.000 DM mehr als ihre Vorgänger. 2
2.3 Die Kandidaten
Obwohl die Gewinnchancen beim „Big Brother“ Spiel eher gering sind, bewarben sich nichtsdestotrotz Tausende als Teilnehmer für die erste Staf- fel. Die Freiwilligen waren bereit, ihre Privatsphäre für 100 Tage im „TV- Knast“ aufzugeben. Nach einer einzigen Kandidaten-Such-Show im De- zember 1999 stritten sich 20 000 Bewerber um die zehn Betten im „Big Brother“- Container. 3
Bei der Auswahl der Kandidaten wurde stark darauf geachtet, dass diese ein möglichst breites gesellschaftliches Spektrum abdecken, so dass es viele Identifikationsmöglichkeiten für die Zuschauer gibt. Es ging der Produkti- onsfirma Endemol nicht darum, Menschen mit Starqualitäten für den Con- tainer zu gewinnen. Es genügte, wenn die Probanden sich als kommunikativ erwiesen: ,,Sie sollen schon viel erlebt haben und sich ordentlich ausdrü- cken können. Schließlich müssen sie die Zuschauer 100 Tage unterhalten. Ein unsympathischer Langweiler hat keine Chancen.", sagt Rainer Laux, verantwortlicher Produzent der Produktionsfirma Endemol. 4
Lutz Ellrich, Privatdozent für Soziologie und Kulturanthropologie in Frank- furt/Oder hat beobachtet, dass man bei der Auswahl der Frauen weniger auf klassische Schönheitsindikatoren als auf ausgeprägte Charaktereigenschaf- ten geachtet habe, bei den Männern hingegen auf modellierte Muskelpar- tien, die sich makellos ins Fernsehbild setzen ließen. Die Tatsache, dass propere Männerkörper inzwischen profitable Werbeträger hergeben, wurde
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http://www.bigbrother-haus.de/regeln
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http://www.big-brother-kandidaten.de/
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http://www.stern.de/magazin/kultur/2000/03/bigbro-2.html
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offenbar als Kriterium herangezogen , das die Spreu vom Weizen scheiden durfte.“ 5
Eine heterogene Mischung der einzelnen Teilnehmer soll das Streitpotenzial der Gruppe steigern. Nichtraucher treffen auf Raucher, Singles auf Verliebte und Familienväter und Arbeitslose auf gutbetuchte Porschebesitzer. Ende- mol und RTL2 versprechen sich durch diese „explosive Mischung“ eine spannende Show mit hohen Einschaltquoten.
Der Kölner Diplom-Psychologe Ulrich M. Schmitz betreibt bei „Big Bro- ther“ die „Eignungsdiagnostik“ der Teilnehmer. „Der Albtraumkandidat“, sagt er, „das wäre jemand, der in Stresssituationen innerlich zusammen- bricht, einer, dessen Emotionen sich in Krisensituationen unkontrolliert ent- laden. Handgreifliche Auseinandersetzungen zwischen den Bewohnern – das darf nicht passieren.“ Noch schlimmer wäre da nur das schlimmste Verbrechen des Fernsehens: den Zuschauer zu langweilen. Deshalb, weiß Schmitz, „muss die Gruppe auch Spannungen erzeugen, Konflikte austra- gen, damit sie lebendig wirkt.“ 6
2.4 Die Macher
2.4.1 Endemol Entertainment
Die Produktionsfirma der Fernsehshow ,,Big Brother“ heißt Endemol Enter- tainment. Das Unternehmen wurde 1994 in den Niederlanden gegründet und erschloss binnen kürzester Zeit 17 Länder, einschließlich des gesamten eu- ropäischen Marktes, der USA, Argentinien, Südafrika sowie Australien. Letztes Jahr übernahm der Telekommunikationskonzern Telefónica Euro- pas größte Fernseh-Produktionsfirma Endemol für 5,3 Milliarden Dollar.
Das Unternehmen Endemol zählt allein in Holland 2000 Mitarbeiter, produ- ziert 13.000 Stunden Fernseh-Unterhaltung im Jahr und machte damit im vergangenen Jahr einen Umsatz von 520 Millionen Euro. Die deutsche En- demol- Tochtergesellschaft produziert mit 250 Angestellten jährlich 640
5
Vgl. L.Ellrich, Das Gute, das Böse, der Sex: Zur Beobachtung des Begehrens im Contai- ner, in: F. Balke u.a.(Hrsg.), Big Brother. Beobachtungen, Bielefeld, 2000, S. 113
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http://www.bild.de/service/specials/1999/bigbrother/body.html
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Programmstunden und macht weitere 185 Millionen Mark Jahresumsatz. Der Mediengigant produzierte über 400 verschiedene Formate. Darunter Größen wie ,,Traumhochzeit", „Nur die Liebe zählt“, ,,Die 100 000 Mark Show" und natürlich „Big Brother“. 7
2.4.2 RTL 2
RTL 2 ist bekannt für seinen hohen Anteil an sogenanntem „Trash-TV“- Sendungen. Das diese Fernsehformate Quoten bei der Kernzielgruppe der 14-29Jährigen bringen, belegt der kontinuierliche Anstieg der Marktanteile in diesem Zuschauersegment.
Mit einem Marktanteil von 8,9 Prozent (1999: 6,1 Prozent) in der Zielgrup- pe der 14 - 49-jährigen Zuschauer und mit einem Marktanteil von 13,9 Pro- zent (1999: 7,5 Prozent) bei den 14 - 29-Jährigen bestätigt sich der Erfolgs- kurs von RTL II. In der Kernzielgruppe 14-29 ist RTL II der einzige Sender mit steigenden Marktanteilen (10,3 Prozent). Damit positionierte sich RTL II deutlich vor seinen Mitbewerbern der 2. TV Generation. Der Ausbau des Senders mit Event- und Reality-Formaten wird konsequent umgesetzt. 8
Der Dokumentarfilmer Thomas Schadt, Lehrender an der Filmakademie Ludwigsburg sieht den Erfolg Big Brothers auf RTL2 so: „ Für mich gehört ,,Big Brother" auch zur Geschichte des Senders RTL 2. Was haben die im Programm? Reality TV, schlechte Doku-Soaps, Sexfilme. Der Sender ist seinem Format treu geblieben, nur hat er es geschafft, eine andere Wirkung zu erzielen." 9 Und zwar eine Wirkung, die Quoten bringt. Während RTL2 erst 1997 noch Verluste von 60 Millionen DM hinnehmen musste, stieg der Gewinn des Senders bis Mai 2000 auf über 55 Millionen DM. Im Monat Mai setzte sich RTL2 mit 19,4 Prozent Marktanteil bei den 14 bis 49- Jährigen in der Hauptfernsehzeit zwischen 20.00 und 23.00 Uhr an die Spit- ze aller Sender. 10
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http://www.endemol.com
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http://www.rtl2.de
9
- Vgl. M. Hanfeld, Der Mensch ist ein gar wunderliches Marketingprodukt, In: Frankfur- ter Allgemeine Zeitung. 16.05.2000
10
www.rtl2.de/facts/unternehmen/htm
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Quote paper:
Diplom-Kommunikationswirtin Julia Schroeter, 2001, Big Brother, Munich, GRIN Publishing GmbH
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