Einführung
Simbabwe ist ein Staat, der schwere wirtschaftliche und soziale Probleme aufweist und der von einem autoritären Diktator regiert wird. Frauen wurden nach der Unabhängigkeit zwar dem Mann per Gesetz gleichgestellt, aber diese Rechte wurden nicht zuletzt durch das Einwirken der männlichen Bevölkerung wieder aufgehoben. Die Grundlage dieser Ausarbeitung bildet ein Bericht über die Situation der Frauen auf den Resettlement Areas. Besonders an diesem behandelten Text von Pat Made ist, dass der er nicht von einem ausländischen Beobachter stammt, sondern von einer Journalistin, die aus Simbabwe stammt, somit also mit dem Land und den Leuten gut vertraut ist und zudem weitere Artikel zum Thema „development and gender issues“ 1 verfasst hat. Um die Situation der Frauen in Simbabwe zu verstehen, müssen zunächst die kulturellen und historischen Besonderheiten im Land kurz umrissen sowie die Besonderheiten durch die neu geschaffenen Resettlement Areas aufgezeigt werden.
Simbabwes historische Entwicklung
Simbabwe blickt auf eine lange und ereignisreiche Geschichte zurück. Auf dem heutigen Gebiet des Staates entstanden mehrere Großreiche. Durch das „fruchtbare Hochplateau zwischen Limpopo und Sambesi“ 2 im Südosten Afrikas verliefen Handelsrouten und in den Küstenstädten sowie im Landesinneren waren Handelsplätze unter anderem für „Gold, Eisen, Elfenbein […] und Sklaven.“ 3 Haupthandelspartner war der Nahe Osten. Im 19. Jahrhundert entdeckten die europäischen Kolonialherren den Wert des Landes, allen voran Cecil Rhodes, der zunächst einen Handelsvertrag mit dem damaligen Herrscher anstrebte, später aber das Land eroberte. 4 Bis 1961 stand Rhodesien, wie der dort neu gegründete Staat genannt wurde, unter britischer Herrschaft. 1961 kam eine weiße Minderheitenregierung an die Macht. Rhodesien erklärte sich einseitig für unabhängig. Nach Sanktionen durch die britische Regierung und den Vereinten Nationen, sowie einem Bürgerkrieg kam es zu ersten freien Wahlen und 1980 zur endgültigen Unabhängigkeit. Seit 1980 regiert Robert Gabriel Mugabe die Republik Simbabwe mit einer schwarzen Mehrheitsregierung. Offizielle Regierungsform
1 Judith Mirsky, Marty Radlett (Hrsg.) No Paradise Yet - The World’s Women Face the New Century, Panos Institute und Zed Books, London, 2000, S. 259.
2 Martin Pabst, Simbabwe, C.H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung (Oscar Beck), München, 1999, S. 33.
3 Ebenda S. 34.
4 Vergleiche hierzu: Gerhard Hauck, Gesellschaft und Staat in Afrika, Brandes & Apsel Verlag GmbH, Frankfurt am Main, 2001, S. 122 ff.
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ist die parlamentarische Demokratie. Der Pluralismus, der seit der Unabhängigkeit herrschte, besteht nur noch theoretisch, da es nur eine Einheitspartei gibt. Die Zimbabwe African Nation Union (ZANU) und die Zimbabwe African People’s Union (ZAPU) wurden zur Einheitspartei (ZANU-PF) zusammengelegt.
Die Opposition wurde und wird immer wieder ausgeschaltet. Simbabwes Hauptstadt ist Harare. Das Land ist in acht Provinzen und zwei Städten mit provinzialem Status eingeteilt. Die wichtigsten Handelspartner sind Südafrika und die Demokratische Republik Kongo. 5 Der Staat kämpft mit innenpolitischen Problemen, greift aber in Kriege anderer Staaten ein, so auch 1998 in der Demokratischen Republik Kongo.
Die seit der Kolonialisierung bestehenden Sonderrechte der weißen Bevölkerung wurden abgeschafft. Die Bevölkerung ist überwiegend christlich, wobei der Naturglaube parallel dazu betrieben wird. 1992 erließ Mugabe das Landenteignungsgesetz. Es kam zur Landenteignung der weißen Bevölkerung, 2000 zu massiven Landenteignungen und -umverteilungen. Diese Maßnahme sollte eigentlich dazu dienen, den Schwarzen Bürgern ein Stück Land zur Bearbeitung zu übergeben. Es führte aber zu Protesten sowohl innerhalb der Bevölkerung als auch auf internationaler Ebene und zu einer hohen Arbeitslosigkeit, da viele schwarze Arbeiter auf den großen Farmen gearbeitet hatten.
Die Inflationsrate steigt seit Jahren ins Unermessliche. Im November 2007 betrug sie 26.000%. 6 Von den ca. 12 Millionen Einwohnern haben 24,6% Aids. 7 Die Verfolgung und Misshandlung von Oppositionellen durch die Regierung Mugabes, die Vernichtung der Armenviertel, 8 beispielsweise in Harare, da dort viele Anhänger der Regierungsopposition zu finden sind, sowie die Zensur der Presse sorgen für Unmut in der Bevölkerung.
Fast Track Land Resettlement Programme
Vor der Landenteignung von 1992 besaßen 4.500 weiße Bauern 155.000 km² Boden, wohingegen auf 8.500 schwarze Bauern nur ca. 20.000 km² kamen. 9 Um die Verstaatlichung des Landes und die anschließende Umverteilung zu ermöglichen, änderte „das Parlament die
5 Vergleiche: https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/geos/zi.html vom 18.03.08.
6 “The Reserve Bank of Zimbabwe routinely prints money to fund the budget deficit, causing the official annual inflation rate to rise from 32% in 1998, to 133% in 2004, 585% in 2005, passed 1000% in 2006, and 26000% in November 2007.” Entnommen aus: https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/geos/zi.html vom 18.03.2008
7 Vgl. hierzu https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/geos/zi.html vom 20.03.2008.
8 Vgl. hierzu http://www.guardian.co.uk/world/2005/jul/01/zimbabwe.comment vom 20.03.2008.
9 Vgl. hierzu http://www.simbabwe-botschaft.de/ vom 10.03.2008.
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Verfassung.“ 10 Mit der Landenteignung sollten neue Arbeitsplätze geschaffen werden, Fakt war aber, dass die weißen Bauern „26% der Arbeitsplätze im formalen Sektor“ bildeten und über eine „jahrzehntelange Erfahrung“ 11 für die spezialisierte Anbauwirtschaft Simbabwes verfügten.
1997 wurde eine Liste mit 1.500 Farmen veröffentlicht, 12 die enteignet werden sollten. Darunter waren nicht nur weiße Bauern, sondern auch schwarze Farmer, die nicht der Einheitspartei angehörten. Das enteignete Land wurde den Bauern nicht erstattet, lediglich Gebäude und Infrastruktureinrichtungen sollten ersetzt werden. Teilweise warten die enteigneten Bauern teilweise bis heute noch auf ihr Geld, da der Staat nicht über die finanziellen Mittel zur Entschädigung verfügt.
Die Regierung verteilte das so neu gewonnene Land an die schwarze Bevölkerung. 87% der neuen Landnutzer sind männlich, 13% Witwen oder geschiedene Ehefrauen, 13 die allerdings in ständiger Angst leben müssen, dass männliche Verwandte ihres Ehemannes das Land in Anspruch nehmen wollen.
Die Rechte der Frauen in Simbabwe werden nicht nur von der Gesellschaft bestimmt, sondern auch von der Regierung. Die Gleichberechtigung der Frau, die seit 1982 bestand, wurde 1999 wieder aberkannt. Frauen bekamen den Status eines „junior males“ 14 und haben so rechtlich keine Möglichkeit ein Grundstück zu erwerben.
Zwar würden nach einer Studie von 1993, 38% aller Männer beide Ehepartner als Eigentümer eines Landes eintragen lassen, 15 sie fürchten aber, dass sie dann nicht mehr als männlich angesehen werden könnten. Nach Meinung der männlichen Bevölkerung sollten nur Witwen als Eigner einer kleinen Farm eingetragen werden. Frauen könnten nur in einer Familie existieren, da sie nicht in der Lage wären allein ein Grundstück zu bebauen. Fakt ist allerdings, dass viele Frauen bereits selbstständig ein Feld bearbeiten, da die Männer oft in die Stadt gegangen sind, weil sie hofften, dort ein besseres Leben beginnen zu können. Alleinstehende Frauen, Witwen oder geschiedene Frauen besitzen alle einen gleichen, niedrigen sozialen Status, da Männer davon ausgehen, dass Frauen heiraten und ihnen deswegen kein Land zugewiesen werden sollte.
10 Konrad Melchers, Zimbabwe, in: Handbuch der Dritten Welt, Diether Nohlen, Franz Nuscheler, (Hrsg.), Band 5 Ostafrika und Südafrika, Verlag J. H. W. Dietz Nachf. GmbH, 3. Auflage, Bonn, 1993, S. 509.
11 Pabst, S. 162.
12 Vgl. hierzu Pabst, S. 162
13 Pat Made, A Field of her Own - Women and land rights in Zimbabwe in: No Paradise Yet. The World’s Women Face the New Century, Judith Mirsky, Marty Radlett (Hrsg.), Panos Institute und Zed Books, London, 2000, S. 85.
14 Ebenda, S. 84.
15 Siehe ebenda S. 87.
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Arbeit zitieren:
Silke Peters, 2007, Frauen und Landrechte in Simbabwe, München, GRIN Verlag GmbH
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