Inhaltsverzeichnis
Abk ürzungsverzeichnis I
Tabellen- und Abbildungsverzeichnis II
1. Einleitung 1
2. Systemtheoretische Grundlagen 3
2.1 Konstruktivismus 4
2.2 Beobachtung 5
2.3 Kybernetik 5
2.4 Triviale und nichttriviale Maschinen 6
2.5 Der Systembegriff 7
2.6 Autopoiese 9
2.7 Selbstreferenz 10
2.8 Sinn 10
2.9 Soziale Systeme 11
2.10 Kommunikation 13
3. Systemische Ansätze in Therapie, Organisationsberatung und Coa-
ching 14
3.1 Systemische Therapie 14
3.1.1 Von der Psychotherapie zur systemischen Therapie 14
3.1.2 Kernfragen systemischer Therapie 16
3.1.3 Grundhaltungen, Annahmen und Zielsetzungen systemi-
scher Therapie 17
3.1.4 Techniken und Methoden der systemischen Intervention 19
3.2 Systemische Organisationsberatung 21
3.2.1 Beteiligte Systeme in der Organisationsberatung 22
3.2.2 Experten- und Prozessberatung 23
3.2.3 Systemische Interventionen in der Organisationsberatung 24
3.3 Systemisches Coaching 25
3.3.1 Beteiligte Systeme im Coaching 27
3.3.2 Systemische Interventionen im Coaching 27
4. Systemische Führung 28
4.1 Systemtheoretische Managementansätze 30
4.1.1 Der St. Galler Ansatz 30
4.1.2 Der Münchner Ansatz 33
4.1.3 Der Wiener Managementansatz 34
4.2 Systemische Interventionen als Führungsinstrument 35
4.2.1 Beteiligte Systeme in der Führung 35
4.2.2 Besonderheiten im Kontext Führung 36
4.2.3 Systemische Interventionen in der Mitarbeiterführung 36
4.3 Konsequenzen für die Personalentwicklung 37
5. Schluss 42
Literaturverzeichnis 46
Abkürzungsverzeichnis
Abb. Abbildung BKS Beratungssystem bzw. Berater-Klienten-System BS Beratersystem bzw. beziehungsweise ca. circa DGSF Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie und Familientherapie d.h. dass heißt et al und andere ebd. ebenda f. folgende ff. fortfolgende Herv. i. O. Hervorhebung im Original Hrsg. Herausgeber Jg. Jahrgang KS Klientensystem n. pag. no paging o. J. ohne Jahr o. S. ohne Seite PE Personalentwicklung S. Seite SG Systemische Gesellschaft u. a. und andere vgl. vergleiche z.B. zum Beispiel
I
Tabellen- und Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Triviale Maschine
Abb. 2: Nichttriviale Maschine
Abb. 3: Ebenen der Systembildung
Abb. 4: Das Berater-Klienten-System
Abb. 5: Die systemische Schleife
Abb. 6: Schritte der ganzheitlichen Problemlösungsmethodik
II
Systemische Führung Kerstin Friedrich
1. Einleitung
„Nichts ist beständiger als der Wandel“ (Heraklit ca. 500 v. Chr.). Wandel und Veränderung sind keine neuen Phänomene (vgl. Schubert, 2004, S. XXI). Das besondere unserer Zeit ist vielmehr die Dimension, mit der sich dieser Wandel in einer immer komplexeren Welt beschleunigt hat. Globalisierung, Deregulierung, Flexibilisierung, Individualisierung, Erwartungen und Anforderungen von Stakeholdern, Innovationen und technologische Entwicklungen erhöhen sowohl die gesellschaftliche Dynamik als auch die gegenseitigen Abhängigkeiten und Vernetzungen, die immer schwerer beschrieben und verstanden werden können (vgl. Steinkellner, 2005, S. 60). Die Bewältigung dieser zu verzeichnenden Beschleunigung und Komplexitätssteigerung von Wandlungsprozessen hat sich für Organisationen zu einem wesentlichen Wettbewerbsfaktor entwickelt (vgl. Schubert, 2004, S. 122). Da komplexe Situationen nicht mehr kausalanalytisch berechnet werden können und somit mit den bisher angewendeten Methoden nicht beherrschbar sind, muss sich das Management neuen Anforderungen stellen und einen adäquaten Umgang mit solchen Veränderungsprozessen entwickeln (vgl. Klimecki et al, 1991, S. 109). Dies erfordert ein Überdenken bisheriger Führungssysteme (vgl. Steinkellner, 2005, S. 9).
Führung ist seit Jahren eines der meistbehandelten Themen in der betriebwirtschaftlichen und sozialwissenschaftlichen Literatur 1 . Im Mittelpunkt gängiger Definitionen steht im Allgemeinen ein Prozess intentionaler Verhaltensbeeinflussung. Stellvertretend versteht Staehle (1989, S. 303) unter Führung „die Beeinflussung der Einstellungen und des Verhaltens von Einzelpersonen sowie der Interaktionen in und zwischen Gruppen, mit dem Zweck, bestimmte Ziele zu erreichen.“
Der Begriff der systemischen Führung ist ein Hybridbegriff, der zwei entgegen gesetzte und scheinbar widersprüchliche Elemente in sich vereinigt. Mit System wird im allgemeinen Ganzheitlichkeit und Selbstorganisation impliziert, mit Führung hingegen individuelle Einwirkung und Fremdbestimmung (vgl. Neuberger, 2002, S. 597). Diese Gegensätzlichkeit führt dazu, dass „systemisches Führen“ in vielen aktuellen Lehrbüchern noch nicht einmal erwähnt wird (z.B. Rosenstiel et al 2003). Eine zunehmende Anzahl von Veröffentlichungen über systemisches Management und Führung findet sich hingegen in Managementratgebern. Diese sind zumeist im Sinne von Rezeptbüchern aufgebaut und weisen nur eine geringe Theorienähe auf. Dem gegenüber gibt es wissen-
1 Eineinheitliches Verständnis existiert jedoch nicht. Vielmehr konstatiert Neuberger (2002, S. 6) für die Führungs-
forschung eine „vielstimmige dissonante Diskussion.“ Übersichtsdarstellungen (z.B. Neuberger, 2002, S. 12 ff.)
dokumentieren die Bandbreite unterschiedlicher Definitions- und Legitimationsansätze.
Seite 1
Systemische Führung Kerstin Friedrich
schaftliche Literatur zum Thema, die wiederum sehr stark an der Theorie ausgerichtet ist (vgl. ebd., S. 30 f.).
Dennoch - oder gerade deshalb - ist „[d]er Begriff ‚systemisch’ […] mystisch verklärt in aller Munde“ (Pinnow, 2005, S. 150). „Systemisch“ ist ein Schlagwort geworden. „Alles und jeder arbeitet angeblich systemisch. Dabei kann kaum jemand wirklich erklären, was systemisch heißt“ (ebd.). Systemisch verweist zunächst einmal auf die Systemthe-orie. „Die Systemtheorie ist ein Versuch, […] Komplexität zu beschreiben, ohne sie so stark zu reduzieren, dass die Beschreibung die Komplexität dieser Welt zu sehr vereinfacht“ (Steinkellner, 2005, S. 60). Genau dieser Aspekt begründet das Potential der Systemtheorie im Umgang mit komplexen Systemen. Eine allgemein akzeptierte sozialwissenschaftliche Systemtheorie hat sich jedoch bisher nicht herausgebildet. Der teilweise verwirrende Konzept- und Perspektivenreichtum systemtheoretischer Ansätze ist auf verschiedene Traditionslinien zurückzuführen, in denen sie stehen, z.B. der Biologie, der Steuerungstechnik, der Soziologie, der Psychotherapie, der Kommunikations-theorie, der konstruktivistischen Erkenntnistheorie etc. (vgl. Neuberger, 2002, S. 593 f.). Auf dem Gebiet des Managements hat sich in der betriebswirtschaftlichen Forschung vor allem der soziologische Ansatz von Luhmann (1984), der als die Theorie sozialer Systeme bezeichnet wird, etabliert. Die Anwendungsfelder systemischer Ansätze sind vielfältig und haben in den letzen Jahren insbesondere im Bereich der Therapie (z.B. Schlippe/Schweitzer, 2003), der Organisationsberatung (z.B. Königswieser/Exner, 1999) sowie dem Coaching zu wesentlichen Erkenntnissen geführt (vgl. Steinkellner, 2005, S. 31 f.). Zielsetzung dieser Masterarbeit ist es insofern, wesentliche Aspekte dieser Ansätze darzustellen und hinsichtlich ihrer Anwendungsmöglichkeiten für das Management kritisch zu hinterfragen sowie die sich daraus für die Personalentwicklung 2 ergebenden Konsequenzen zu erörtern.
Im ersten Teil der Arbeit werden zentrale Begrifflichkeiten und Überlegungen eingeführt, die von vielen systemtheoretisch argumentierenden Autoren verwendet werden und die Ausgangsbasis für die weiteren Ausführungen sowie insbesondere für ein besseres Verständnis des Verhältnisses von Selbst- und Fremdorganisation darstellen. Den theoretischen Rahmen bildet dabei die Theorie sozialer Systeme von Luhmann. Aufgrund der oftmals selbstbezüglichen Logik systemtheoretischer Arbeiten (vgl. Steinkellner, 2005, S. 19), muss hier auf den Anspruch einer durchgängig linearen Darstel-
2 Personalentwicklungsoll hier verstanden werden als das „Insgesamt der Strategien, Konzepte und Modelle […], die
darauf bezogen sind, die Kompetenzen der Mitarbeiterschaft eines Unternehmens bzw. einer Organisation (auf
verschiedenen Ebenen) kontinuierlich zu verbessern, an Wandlungen anzupassen bzw. Wandlungen qualifikatorisch
zu antizipieren“ (Arnold/Bloh, 2001, S. 6).
Seite 2
Systemische Führung Kerstin Friedrich
lung der einzelnen Konzepte verzichtet werden 3 . Im zweiten Teil der Arbeit werden die systemischen Ansätze in der Therapie, der Organisationsberatung und dem Coaching näher betrachtet und wesentliche Aspekte herausgestellt. Dazu wird zunächst auf die Entwicklung der systemischen Therapie sowie deren erkenntnistheoretische Prämissen eingegangen, um anschließend die dem konkreten Handeln zugrunde liegenden Haltungen, Annahmen und Zielsetzungen zu beschreiben sowie zentrale systemische Interventionstechniken und -methoden zu skizzieren. Darauf aufbauend werden dann die den Beratungskontext konstituierenden Typen von Systemen in der Organisationsberatung dargestellt sowie eine Differenzierung von Experten- und Prozessberatung vorgenommen. Anhand eines Basismodells werden dann die Reflexivität und Zirkularität des Beratungsprozesses sowie deren Bedeutung für systemische Interventionen herausgearbeitet. Die analogen Ausführungen zum systemischen Coaching schließlich verweisen insbesondere auf die Bedeutung alternativer Handlungsentwürfe. Im dritten Teil der Arbeit rückt die Frage in den Mittelpunkt, „[…] auf welche Weise die Systemtheorie alte Fragen der Führungstheorie neu stellt und/ oder beantwortet“ (Neuberger, 2002, S. 593) und greift damit den augenscheinlichen Widerspruch von Selbst- und Fremdorganisation für die systemische Führung auf. Hierzu werden insbesondere drei systemthe-oretische Managementansätze mit ihren unterschiedlichen Prämissen vorgestellt, um darauf aufbauend die Einsatzmöglichkeit systemischer Interventionen als Führungsinstrument zu erörtern. Anschließend werden die sich daraus ergebenden Aspekte sowie weitere mögliche Ansatzpunkte für die Personalentwicklung betrachtet. Eine zusammenfassende Betrachtung schließt die Arbeit ab.
2. Systemtheoretische Grundlagen
Generell lässt sich im Bereich der Systemtheorie ein hohes Maß an Heterogenität konstatieren. Insofern kann nicht von der Systemtheorie gesprochen werden (vgl. Lattwein, 2002, S. 58). Allerdings lässt sich ein gemeinsamer Aussagenbereich beschreiben, den viele systemtheoretische Ansätze als Bezugspunkt verwenden, wenngleich dieser auch nicht immer deckungsgleich ist (vgl. ebd.). Erschwert wird ein allgemeines Verständnis weiterhin durch die Verwendung von Begrifflichkeiten, die „sehr voraussetzungsvoll und abweichend von der Alltagssprache konstruiert“ sind (Neuberger, 2002, S. 593). Die grundlegenden Konzepte sollen daher im Folgenden vertieft werden.
3 So schreibt Luhmann (1984, S. 13 f.) selbst über die Theorie sozialer Systeme: „[D]ie Theorie [hat] einen Komplexi-
tätsgrad erreicht, der sich nicht mehr linearisieren läßt.“
Seite 3
Systemische Führung Kerstin Friedrich
2.1 Konstruktivismus
Das konstruktivistische Paradigma hat eine lange Tradition, stellt jedoch kein einheitliches Theoriegebäude dar. Der Begriff Konstruktivismus wird vielmehr in mehreren unabhängig voneinander entstandenen und in ihren Auffassungen verschiedenen Forschungsrichtungen der Wissenschaft verwendet (vgl. Rüegg-Stürm, 2001, S. 26 f.). Entsprechend tritt dieses Paradigma in unterschiedlichen Spielarten 4 auf. Ein verbindender Grundgedanke der verschiedenen Denkrichtungen besteht darin, „dass die Gewissheit einer ‚natürlichen’ bzw. ‚objektiv’ gegebenen, vom handelnden und erkennenden Subjekt unabhängigen Wirklichkeit aufgegeben werden muss. Demgegenüber ist davon auszugehen, dass Wirklichkeit ‚gemacht’ bzw. ‚erfunden’ wird“ (Bardmann, 1994, S. 45). Insofern verweisen konstruktivistische Theorien darauf, dass die Welt, wie wir sie individuell wahrnehmen, ein Konstrukt ist.
Eine besonders grundlegende Stellung beansprucht der von Ernst von Glasersfeld (mit)begründete radikale Konstruktivismus. Dieser beschäftigt sich mit der zentralen Frage, wie Erfahrungen gemacht, Wissen gewonnen, Schemata und Strukturen abstrahiert und Bedeutungen begrifflich konstruiert werden (vgl. Prieb, o.J., o.S.). Aber auch der radikale Konstruktivismus stellt ein sehr heterogenes und uneinheitliches Konstrukt dar, in das unterschiedliche Disziplinen einfließen. Als bekannteste Vertreter sind Humberto Maturana, Francesco Varela, Heinz von Förster und Gregory Bateson zu nennen. Der radikale Konstruktivismus gilt vor allem deshalb als „[…] radikal, weil er mit der Konvention bricht und eine Erkenntnistheorie entwickelt, in der die Erkenntnis nicht mehr eine ‚objektive’, ontologische 5 Wirklichkeit betrifft, sondern ausschließlich die Ordnung und Organisation von Erfahrungen in der Welt unseres Erlebens“ (von Glasersfeld, 2006, S. 23, Herv. i.O.). Wissen stellt damit keine Repräsentation ontologischer Wahrheit dar, sondern wird aus dem Erleben des kognitiven Subjekts entwickelt. Es wird ein Verständnis von Wissen etabliert, das ohne Ontologie auskommt (vgl. Maresch, 1998, o.S.). Der philosophische Wahrheitsbegriff wird nach konstruktivistischer Denkweise im Bereich der Erfahrung durch den Begriff der Viabilität (Gangbarkeit) ersetzt (vgl. von Glasersfeld, 1997, S. 43). So können Wahrnehmungen und Konstruktionen nicht auf ihre Entsprechung in der Realität, sondern nur auf ihre Viabilität überprüft werden. „Handlungen, Begriffe und begriffliche Operationen sind dann viabel, wenn sie
4 Zu nennen sind beispielsweise der radikale Konstruktivismus, der Sozialkonstruktivismus, der symbolische Interak-
tionismus und der soziale Konstruktivismus (vgl. Rüegg-Stürm, 2001, S. 26).
5 „Unter Ontologie wird die philosophische Lehre vom Sein verstanden, d.h. von den Ordnungs-, Begriffs- und We-
sensbestimmungen des Seienden“ (Rüegg-Stürm, 2001, S. 19, Herv. i.O.). Die Ontologie trifft Festestellungen dar-
über, „[w]ie die Dinge wirklich sind!“ (Neuberger, 2002, S. 597).
Seite 4
Systemische Führung Kerstin Friedrich
zu den Zwecken der Beschreibungen passen, für die wir sie benutzen“ (von Glasersfeld, 1996, S. 43).
2.2 Beobachtung
„Dem systemischen Ansatz geht es nicht um ontologische Feststellungen, sondern um standpunkt- und methodenabhängige Beobachtungen, die den scheinbar objektiven Gegenstand für den Betrachtenden erst konstruieren“ (Neuberger, 2002, S. 597). Damit ist gemeint, dass Beobachter sich ein Bild von der Wirklichkeit machen und auf Basis dieser ‚Konstruktion’ handeln (vgl. ebd.). „Wirklichkeit ist nicht einfach da, sondern wird durch Beobachtende auf Grund deren Unterscheidungen konstituiert“ (ebd., S. 599). „Beobachtung heißt […]: Handhabung von Unterscheidungen“ (Luhmann, 1984, S. 63). „Eine Beobachtung liegt immer dann vor, wenn eine Unterscheidung gemacht wird, um die eine (aber nicht die andere) Seite der Unterscheidung zu bezeichnen“ (Luhmann, 2000, S. 126).
Grundlegend dazu sind die Überlegungen von Spencer Brown (1969). Danach entsteht ein Raum (‚marked space’) erst dann, wenn er durch eine vollzogene Beobachtung geteilt wird. „[…] we cannot make an indication without drawing a distinction. We take therefore the form of distinction for the form” (ebd., S. 1). Der Beobachter unterscheidet, indem er eine Grenze zieht. Eine Unterscheidung ist demzufolge ein Ausgrenzung aus einem ‚unmarked space’, die einen bezeichneten Raum markiert (vgl. Neuberger, 2002, S. 601). Sie ist die Einführung einer Form. Die Differenzierung einer Innen- von einer Außenseite, vom Rest der Welt (vgl. Aderhold/Jutzi, 2003, S. 128).
2.3 Kybernetik
Der Begriff Kybernetik (griechisch kybernetes = Steuermann) wurde von Norbert Wiener im Jahre 1948 geprägt. Die Kybernetik ist die Wissenschaft „der Regelung und Steuerung komplexer Systeme“ (Schlippe/Schweitzer, 2003, S. 53). Sie beschäftigt sich mit einer speziellen Art dynamischer Systeme, die mit Hilfe von Rückkopplungen einem Gleichgewichtszustand zustreben (vgl. Wall, 1999, S. 56). Grundlegendes Prinzip der Kybernetik ist die Zirkularität 6 (vgl. von Foerster, 2005, o. S.). Die Gedanken um die Beobachtung bilden die Grundlage für eine „Kybernetik der Kybernetik“ oder „Kybernetik 2. Ordnung“ (vgl. Stepken, 2006, o. S.). Diese geht auf Heinz von Foerster (1974)
6 „Unter Zirkularität versteht man, dass das Ergebnis der Operation eines Systems die nächste Operation dieses
Systems einleitet: Das System und seine Operationen sind ein 'geschlossenes System'“ (von Foerster, 1993a, S.
146). Ein klassisches Beispiel dieses Prinzips stellt ein Thermostat dar.
Seite 5
Systemische Führung Kerstin Friedrich
zurück und wendet die kybernetischen Prinzipien auf die Kybernetik selbst an (vgl. Schlippe/Schweitzer, 2003, S. 53).
Die Kybernetik erster Ordnung ist durch die Auffassung gekennzeichnet, dass sich der Beobachter außerhalb des beobachteten Systems befindet und dementsprechend objektiv ist (vgl. Simon, 2006, S. 40 f.). Sie trennt das Subjekt vom Objekt und „verweist auf eine vermeintlich unabhängige Welt 'da draußen' " (von Foerster/ Pörksen, 1999, S. 114 f.). Dagegen geht die Kybernetik zweiter Ordnung vom Einbezug des Beobachters in die Beschreibung dessen, was er beobachtet, aus. Dadurch wird die Beobachterabhängigkeit des Erkennens thematisiert (vgl. von Foerster, 2005, o. S.). "Man lernt sich als einen Teil der Welt zu verstehen, die man beobachten will" (von Foerster/ Pörksen, 1999, S. 114 f.). Durch diese Beobachtung zweiter Ordnung wird auf den blinden Fleck 7 des Beobachters aufmerksam gemacht. So schließt die Beobachtung zweiter Ordnung „durch die Beobachtung von Beobachtungen darauf, wie beobachten möglich ist und mit welchen erkenntnisleitenden Differenzen welche Art von Informationen produziert werden“ (Willke, 1998, S. 110). Der Beobachter zweiter Ordnung sieht somit, wo der blinde Fleck des Beobachters erster Ordnung liegt. Gleichzeitig kann er von dem, was er sieht, auf sich selbst schließen. Denn mit jeder Beobachtung ist auch gleichzeitig untrennbar ihr eigener blinder Fleck verbunden. „Wir sehen nicht, daß wir nicht sehen“ (von Foerster, 1993a, S. 86).
2.4 Triviale und nichttriviale Maschinen
Die Unterscheidung zwischen trivialen und nichttrivialen Maschinen wurde von Heinz von Foerster geprägt. „Eine triviale Maschine ist durch eine eineindeutige Beziehung zwischen ihrem Input (Stimulus, Ursache) und ihrem Output (Reaktion, Wirkung) gekennzeichnet. Diese invariante Beziehung ist ‚die Maschine’“ (vgl. von Foerster, 1993b, S. 206 f.). Eine triviale Maschine der Funktion y = f (x) verwandelt insofern einen bestimmten Input x zu einem genau bestimmbaren Output y.
Abb. 1: Triviale Maschine (von Foerster, 1993b, S. 357 ff.)
7 „Ein System kann nur sehen, was es sehen kann. Es kann nicht sehen, was es nicht sehen kann. Es kann auch
nicht sehen, daß es nicht sehen kann, was es nicht sehen kann“ (Luhmann, 1990, S. 52).
Seite 6
Arbeit zitieren:
Diplom Kauffrau; Master (M.A.) Personalentwicklung Kerstin Friedrich, 2007, Systemische Führung - Management zwischen Selbst- und Fremdorganisation, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Kosten-/Nutzen-Vergleich für Kundenkarten im Handel
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Seminararbeit, 19 Seiten
Zur Bedeutung von Fragen im Führungsprozess, insbesondere systemischer...
Chancen und Risiken bei der Um...
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Hausarbeit, 15 Seiten
Kundenwert und Kundenwertanalyse im Versicherungsunternehmen
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Studienarbeit, 35 Seiten
Systemisches Coaching - Referenztheorien, grundlegende Prinzipien und ...
Pädagogik - Erwachsenenbildung
Diplomarbeit, 134 Seiten
Systemisches Coaching - Identifizierung charakteristischer Kriterien
BWL - Personal und Organisation
Diplomarbeit, 99 Seiten
Standort Deutschland im internationalen Wettbewerb
VWL - Internationale Wirtschaftsbeziehungen
Ausarbeitung, 5 Seiten
Die EU-Osterweiterung - Chancen und Risiken für den Standort Deutschla...
Hausarbeit (Hauptseminar), 22 Seiten
Evolutionär-systemische Ansätze in der Organisationstheorie
Studienarbeit, 33 Seiten
Personalentwicklung im Kontext systemischer Mitarbeiterführung
BWL - Personal und Organisation
Studienarbeit, 20 Seiten
Weblogs und Wandel von Öffentlichkeit im World Wide Web - Eine explora...
Medien / Kommunikation - Multimedia, Internet, neue Technologien
Magisterarbeit, 116 Seiten
Auswirkungen des Leitmediums Fernsehen auf Individuum und Gesellschaft
Eine kritische Bestandsaufnahm...
Bachelorarbeit, 47 Seiten
Das Selbstorganisationsphänomen in sozialen Prozessen
Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation
Seminararbeit, 28 Seiten
Eine andere Dimension
Psychologie - Arbeit, Betrieb, Organisation und Wirtschaft
Hausarbeit, 28 Seiten
Reflektierende Dokumentation zum Entwurf von Lernmaterialien für Schul...
Grafische Umsetzung von Schulu...
Pädagogik - Berufserziehung, Berufsbildung, Weiterbildung
Praktikumsbericht / -arbeit, 38 Seiten
Psychologie - Arbeit, Betrieb, Organisation und Wirtschaft
Hausarbeit (Hauptseminar), 30 Seiten
Kerstin Friedrich hat den Text Systemische Führung - Management zwischen Selbst- und Fremdorganisation veröffentlicht
Kerstin Friedrich hat einen neuen Text hochgeladen
Erfolgreiche Führung gegen alle Regeln
Wie Sie wertvolle Mitarbeiter ...
Marcus Buckingham, Curt Coffman, Herbert Allgeier
Fallstudien zum Personalmanage...
Michel Domsch, Erika Regnet, Lutz von Rosenstiel
Management Support Systeme und Business Intelligence
Computergestützte Informations...
Peter Gluchowski, Roland Gabriel, Peter Chamoni
Wege aus der Unverbindlichkeit
Christian Scholz, Volker Stein, Roman Bechtel
Management-Konzepte für kleine und mittlere Unternehmen
Mit 83 Abbildungen und 17 Tabe...
Ralph Berndt
0 Kommentare