Gliederung
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Teil 1: Die Eröffnung
1.I. Von geliebter und ungeliebter Freiheit 4
1.II. Einleitung 5
Teil 2: Die Freiheit des Kompatibilisten Peter Bieris Konzeption der Freiheit
2.I. Das Problem 6
2.I.1. Determinismus 6
2.I.2. Idee der Freiheit 6 7
2.II. Ein Problem das keines ist Der falsche Gegner 7
2.II.1. Indeterminismus 7
2.III. Die falsche Freiheit des Indeterministen 7 8
2.IV. Die richtige Freiheit von Bedingung 8 13
2.V. Die richtige Freiheit von Aneignung 13 15
2.VI. Die richtige Freiheit ein Idealbild 15 17
Teil 3: Andere Konzeptionen der Freiheit im Vergleich mit Peter Bieri
3.I. Die Freiheit des Existentialisten 18
3.I.1. Existentialistische Freiheit Freiheit nach Jean-Paul Sartre 18 23
3.I.2. Von Bedingungen und Zwängen Bieri und Sartre 24 25
3.II. Die Freiheit des Moralisten 25
3.II.1. Freiheit aus Verantwortlichkeit Freiheit nach Immanuel Kant 25 29
3.II.2. Freiheit durch Aneignung Bieri und Kant 29 31
3.III. Die Freiheit des Mystikers 31
3.III.1. Schicksal oder Charakter Freiheit nach Walter Benjamin 31 34
3.III.2. Ideal der (komischen) Person Bieri und Benjamin 35 36
3.IV. Ein Bild von Freiheit 36 37
3.V. Freiheit ein verlorener Posten Ein und Ausblicke der Hirnforschung 38 42
1
Teil 4: Der Abschluss
4.I. Schlusswort 43-44
4.II. Plädoyer für den Glauben an die Freiheit 44-46
Literaturverzeichnis 47-49
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„Wir müssen uns als determiniert denken und können es nicht.
Teil 1: Die Eröffnung
Hier soll die Begründung des Titels erfolgen und eine kurze Skizze zum Thema der Arbeit entworfen werden.
1.I. Von geliebter und ungeliebter Freiheit - Vorwort
Warum geliebte Freiheit? Weil wir nicht bereit sind sie aufzugeben. Wir halten daran fest, allen Augenblicks, auch wenn sie uns einmal wirklich genommen wird. Wir können nicht nur ohne sie nicht handeln, wir wollen sie auch fast immer. Selbst in der ausweglosesten Situation sind wir nicht bereit kampflos den einzigen Weg zu gehen, der geblieben ist. Selbst dort wollen wir es sein, die aus eigenen Stücken diesen Weg einschlagen. Wir wollen hinterher sagen können, dass wir es waren, die diesen Weg gewählt haben. Wir wollen die Freiheit, uns für oder gegen unsere Gewohnheiten zu entscheiden. Kein Zwang soll uns irgendetwas vorgeben oder über uns bestimmen.
Warum ungeliebte Freiheit? Weil wir die Freiheit gleichermaßen hassen wie lieben. Trotz allen Festhaltens an der Freiheit in allen möglichen Situationen gibt es auch Momente, wo wir uns zur Freiheit gezwungen fühlen. Oder um es mit Sartre zu sagen, wo wir uns zur Freiheit verurteilt fühlen. Sie wird zu einem Zwang. Wir fühlen uns in die Ecke gedrängt. Wir wollen uns nicht für oder gegen etwas entscheiden, aber wir müssen. Es mag in Gefahrensituationen sein, wenn wir vor der Wahl stehen, welches Kind wir vor dem Ertrinken retten. Es mag in Situationen sein, in denen wir über unsere Zukunft entscheiden müssen. Nicht unbedingt die Tatsache, dass wir unsere Entscheidung hinterher bereuen, plagt uns, wir könnten hinterher mit der Entscheidung sogar zufrieden sein – vielmehr ist es das Gefühl der Unfreiheit, des Zwangs, dass uns plagt. Wir fühlen uns genötigt. Der Moment der Entscheidung ist ein quälender, die Entscheidung verlangt uns alles ab. Und nicht zuletzt die Tatsache, dass eine freie Handlung bedeutet, man kann uns hinterher für sie und ihre Folgen verantwortlich machen, lässt die Freiheit uns manchmal unliebsam erscheinen.
Freiheit, gleichermaßen Glück und Fluch, bestimmt, ob wir wollen oder nicht, unser Leben – sie ist eines der großen unerklärten Rätsel, die uns umgeben.
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1.II. Einleitung Das Freiheitsproblem beschäftigt den Menschen schon seit jeher. Sind wir frei? ist eine der am häufigsten gestellten Fragen. Verschiedenste Philosophen und andere Denker, aber auch, gerade in der heutigen Zeit, Wissenschaftler, haben sich dieser Problematik gewidmet. Theorien darüber, dass der Mensch sich frei und ungebunden bewegt, denkt und handelt wie es ihm beliebt, stehen denjenigen gegenüber, die behaupten, der Mensch sei schon immer und ist in all seinen Handlungen fremdbestimmt – nicht er selbst, sondern eine Aneinanderreihung von Ursachen und Folgen lässt ihn handeln. Beide Theorien scheinen bis aufs bitterste verfeindet. Völlige Unbestimmtheit trifft auf völlige Bestimmtheit.
Ich kann mich weder auf Seiten der einen, noch der anderen schlagen. Angenommen der Mensch wäre völlig frei und unbestimmt, wie könnte er dann einen bestimmten Willen haben? Völlige Unbestimmtheit gleicht der Willkür wie ihr Zwilling.
Angenommen der Mensch wäre völlig fremdbestimmt, völlig unfrei, wie kann er dann Entscheidungen bewusst durch Abwägen treffen oder es auch nur so empfinden? Wie ist es möglich sich frei zu fühlen, bei völliger Unfreiheit?
Und schließlich: Wie ist es in einer fremdbestimmten Welt möglich jemanden für sein Tun verantwortlich zu machen?
Aufgrund dieser Paradoxien fiel der Entschluss, sich mit Theorien, insbesondere einer Theorie, zu beschäftigen, die beide Seiten gleichermaßen in den Blick nehmen und sie vereinen.
Peter Bieri beschreibt, wie aus seiner Sicht der so unversöhnlich scheinende Widerspruch zwischen Bedingtheit und Freiheit aufgehoben werden kann und entwirft ein Bild von Freiheit, in dem Bedingtheit kein Argument gegen sondern für Freiheit ist. Diese Bedingtheit geht einher mit der Aneignung, die beiden Eckpfeiler seiner Theorie.
Im Anschluss an die Beschreibung seiner Konzeption folgen Vergleiche mit Jean-Paul Sartre, Immanuel Kant und Walter Benjamin. Sie sollen gewisse Übereinstimmungen zum Vorschein bringen und andeuten wie Bieris Position in der Tradition einzuordnen ist. Außerdem richten sie den Fokus auf spezielle Bereiche, die innerhalb der Freiheitsdiskussion immer wieder diskutiert worden sind – Verantwortung, Moralität, Schicksal, Charakter.
Um Bieri und seine Theorie in der derzeitigen Debatte um Willensfreiheit zu verorten, sollen daran anschließend Einblicke in die Argumentationen der Hirnforschung gegeben werden.
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Teil 2: Die Freiheit des Kompatibilisten – Peter Bieris Konzeption der Freiheit In diesem Teil der Arbeit soll der Freiheitsentwurf, den Peter Bieri in seinem „Handwerk der Freiheit“ macht, dargestellt werden. Zunächst wird der Rahmen gegeben, aus dem heraus Bieri seine Argumentation beginnt. Daran anschließend wird seine Theorie in zwei Teilen – unter dem Gesichtspunkt der Bedingung und der Aneignung – dargelegt. Schließlich soll ein ganzheitliches Bild seiner Freiheitsauffassung und eine Einordnung unter die Position des Kompatibilimus folgen. Die Grundlage dieses Teils ist das Buch von Peter Bieri, die Argumente und Ansichten, die erläutert werden, stammen hieraus.
2.I. Das Problem
Zwei entgegen gesetzte Gedanken prägen die Diskussion darüber, ob der Mensch einen freien Willen besitzt oder nicht. Beide Gedanken, der des Determinismus auf der einen Seite und der der Freiheit auf der anderen Seite, können nicht aufgegeben werden, da beide für unsere Sicht auf uns als Menschen erforderlich sind. 1 So beginnt Bieri im Prolog seines „Handwerks der Freiheit“, um dessen Inhalte es im Folgenden gehen soll. Die beiden Gedanken stellen scheinbar einen unüberwindbaren und unversöhnlichen Gegensatz dar, beide Auffassungen sollen deshalb kurz dargestellt werden.
2.I.1. Determinismus
Der Determinismus verficht die Auffassung, dass die Vergangenheit eine einzige, eindeutig bestimmte Zukunft festlegt und somit nur noch ein einziges zukünftiges Geschehen möglich ist. 2 Dieser Grundsatz gilt sowohl für die Natur, als auch für den Menschen. Alles, was geschieht, hat bestimmte Bedingungen unter denen es geschieht. Für alles gibt es notwendige und zusammen hinreichende Bedingungen und eben diese Bedingungen sind die Motive unseres Handelns, darunter fallen Wünsche und Gefühle, welche sich wiederum unter bestimmten Vorbedingungen so entwickelt haben. Die Idee der Bedingtheit ist mit der Idee der Gesetzmäßigkeit verknüpft, woraus folgt: Unser Handeln unterliegt Gesetzmäßigkeiten. 3
2.I.2. Die Idee der Freiheit
Die Idee der Freiheit beinhaltet die Vorstellung eines Spielraums an Möglichkeiten, zwischen denen man in jedem Augenblick wählen kann. Es ist dem Menschen nicht möglich sich vorzustellen, er hätte keine Wahl. Die Idee der Freiheit stützt sich auf die Erfahrung der
1 vgl. Bieri: Das Handwerk der Freiheit. S.21f.
2 vgl. ebd. S.16.
3 vgl. ebd. S.17f.
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Freiheit. Wir erleben uns selbst als die Urheber unseres Tuns und wissen „Ich hätte auch anders handeln können“ 4 . Und diese Idee der Freiheit ist es auch, aus der die Idee der Verantwortlichkeit entspringt. Wir tragen für unser Handeln Verantwortung, weil wir frei sind und auch anders hätten entscheiden können. 5
2.II. Ein Problem, das keines ist – Der falsche Gegner
In Wahrheit ist der Konflikt zwischen Determinismus und Freiheit keiner, denn der Gegensatz zum Determinismus ist der Indeterminismus, nicht die Freiheit. Der Kontrast zur Freiheit ist der Zwang, nicht der Determinismus. 6 Wer somit einen unüberwindbaren Gegensatz zwischen der Idee der Freiheit und dem Determinismus sieht, ist einer falschen Vorstellung zum Opfer gefallen. Man hat mit der Idee der Freiheit dem Determinismus den falschen Gegner gegenübergestellt, der richtige Gegner ist der Indeterminismus.
2.II.1. Indeterminismus
Der Indeterminismus ist die Lehre von der Nichtbestimmtheit der Handlungen durch kausale Zusammenhänge, den Charakter oder Motive. 7 Man nimmt also an, dass Handlungen nicht unter Vorbedingungen stattfinden, sondern ohne kausalen Zusammenhang ausgelöst werden. Dementsprechend geht man von einem unbedingten und unbestimmten Willen aus. Nach dem Indeterminismus ist der Wille nicht determiniert, er ist ursachlos, also unabhängig von allen äußeren und inneren Ursachen und Bestimmungsgründen. Dieser Lehre nach ist der Wille mit der Fähigkeit begabt, sich selbst ganz willkürlich zu bestimmen und etwas genauso wie sein Gegenteil mit gleicher Freiheit wählen zu können. 8
2.III. Die falsche Freiheit des Indeterministen
Zu glauben, der Mensch wäre vollkommen frei und könnte seine Entscheidungen vollkommen ohne Vorbedingungen, ohne irgendwelche Abhängigkeiten treffen, hieße daran zu glauben, dass unbegründete, willkürliche Entscheidungen von Freiheit zeugen. Die Traumvorstellung vieler: Ein vollständig losgelöster, von allen ursächlichen Zusammenhängen freier Wille. Ein Wille der unabhängig ist von allem um uns herum, der von nichts und niemandem abhängt, auch nicht von mir. Ein Wille ohne jegliche
4 Bieri: Das Handwerk der Freiheit. S.20.
5 vgl. ebd. S.20/21.
6 vgl. Bieri: Untergräbt die Regie des Gehirns die Freiheit des Willens? S.28.
7 vgl. Indeterminismus. (Wörterbuch der phil. Begriffe) S.311.
8 vgl. Indeterminismus (Rudolf Eisler Lexikon)
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Abhängigkeit würde auch nicht mit dem zusammenhängen, was mich als meine Person ausmacht, es wäre nicht mein Wille, sondern ein entfremdeter Wille, da ihm die vorangehende Entscheidung und damit die Urheberschaft fehlt. 9 Was für einen Einfluss hätte ich auf einen solchen Willen noch? Und was würde ich mit einem solchen Willen überhaupt noch wollen?
Ein unbedingter Wille führt nicht die lang ersehnte vollkommene Freiheit herbei, sondern die Unfreiheit, da ihm jegliche Bedingtheit fehlt. Ein solcher Wille wäre unbelehrbar, unverständlich, unberechenbar und zufällig. Unbedingte Freiheit wäre vollkommene Ohnmacht einem unberechenbaren Willen gegenüber. 10 Und gleicht eine solche Ohnmacht gegenüber einem unberechenbaren Willen nicht der Fremdbestimmtheit? Die Loslösung von allen Abhängigkeiten führt in eine neue Abhängigkeit. Ich als Person bin nicht mehr von der Naturkausalität bestimmt, mein Wille ist dadurch nicht beeinflusst. Anstatt dessen bin ich als Person nun von meinem Willen abhängig. Ich kann keinen Einfluss auf ihn nehmen, das heißt: nicht ich habe die Kontrolle. Peter Bieri zufolge gibt es keinen unbedingt freien Willen und es kann ihn nicht geben, da er keine stimmige Idee ist. Er nennt es einen fundamentalen Fehler, den Unterschied zwischen Freiheit und Unfreiheit des Willens mit dem Gegensatz von Unbedingtheit und Bedingtheit in Verbindung zu bringen. Damit kritisiert Bieri die für gewöhnlich gemachte Zuteilung der Deterministen und Indeterministen, Freiheit sei nur in der Unbedingtheit zu finden und Unfreiheit liege aufgrund von Bedingtheit vor. Anstelle dessen schlägt Bieri eine andere Sichtweise vor. Ihm zufolge ist die Idee der Bedingtheit den Ideen der Freiheit und der Unfreiheit vorgeordnet, man spricht nicht von Freiheit aufgrund des Fehlens von Bedingungen und nicht von Unfreiheit aufgrund ihres Vorhandenseins, sondern je nach Art der vorliegenden Bedingungen spricht man von Freiheit oder Unfreiheit.
„Man sucht die Freiheit am falschen Ort, wenn man sie in der Lockerung oder Abwesenheit von Bedingtheit und
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Bestimmtheit sucht.“
2.IV. Die richtige Freiheit – von Bedingung
Als Gegenkonzept zu der unbedingten Freiheit, die keine Freiheit ist, entwirft Peter Bieri das der „Bedingten Freiheit“.
Die entscheidenden Begrifflichkeiten sind die der Handlung und des Willens, welche er zunächst einmal klärt. Zu einer Handlung gehört, dass sie einen Urheber hat, dass sie Ausdruck eines Willens ist, dass sie einen bestimmten Sinn hat, also erklärbar ist, und dass ihr
9 vgl. Bieri: Das Handwerk der Freiheit. S.230.
10 vgl. ebd. S.239.
11 ebd. S.244.
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ein Bewegungsspielraum von Möglichkeiten zugrunde lag. Das sind die Bedingungen, die eine Handlung erfüllen muss, damit sie eine Handlung ist.
Was den Willen ausmacht, ist, dass er ein handlungswirksamer Wunsch ist und, dass er bestimmte Grenzen hat. Ein Wille hängt davon ab, wie wir unsere Fähigkeiten einschätzen und was wir für möglich, für machbar halten. Er ist ein Ensemble von Wunsch, Überzeugung, Überlegung und Bereitschaft. 12
Zur Freiheit einer Handlung gehört es, dass es einen Spielraum an möglichen Handlungen gibt, dass heißt:
„Von einem, der frei ist, […] wollen wir sagen, dass das eine, was er tatsächlich tut, nicht das einzige ist, was er
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.
tun könnte“ Das bedeutet, es muss eine „offene Zukunft“ geben, in der bestimmte Gelegenheiten und die dazu nötigen Mittel und Fähigkeiten vorhanden sind.
Von den Gelegenheiten, über die Mittel und schließlich zu den Fähigkeiten werden die Spielräume immer persönlicher, am Ende steht schließlich der Spielraum meines Willens und der ist wiederum von bestimmten Dingen abhängig. 14 Der Wille ist zunächst einmal abhängig von äußeren Umständen: „…jede Welt (ist) eine bestimmte Welt [ist], die in ihrer Bestimmtheit Grenzen setzt und tausend Dinge ausschließt. Und wir brauchen diese Bestimmtheit und diese Grenzen, damit auch unser Wille jeweils ein
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bestimmter sein kann.“ Wäre die Welt um uns herum keine festgelegte, also eine bestimmte zu einem bestimmten Zeitpunkt, könnten wir unseren Willen nicht auf etwas Bestimmtes richten, somit sind die Grenzen des Willens Voraussetzung für seine Freiheit, nicht ein Hindernis. Weitere Abhängigkeiten bestehen für den Willen in uns selbst, in unseren körperlichen Bedürfnissen, unseren Gefühlen und unserer Geschichte, also unserem Charakter. Der Wille ist somit in unserer Innenwelt mit ihren festen Konturen verankert. Diese festen Konturen machen uns zu einer bestimmten Person und dadurch wird der Wille, der Wille einer bestimmten Person, also überhaupt jemandes Wille. 16 Erst dadurch, dass der Wille von den Dingen abhängt, die uns ausmachen, gehört er zu uns, es ist unser Wille.
12 vgl. Bieri: Das Handwerk der Freiheit. S.31ff.
13 ebd. S.45.
14 vgl. ebd. S.46ff.
15 ebd. S.50.
16 vgl. ebd. S.51f.
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Für die Freiheit der Entscheidung gelten verschiedene Abhängigkeiten, verschiedene Bedingungen, damit sie wirklich frei ist. Dabei kann man mehrere Arten von Entscheidungen trennen.
Zunächst die instrumentellen Entscheidungen. Dies sind Entschlüsse, die den Mitteln für eine Umsetzung eines bereits gebildeten und feststehenden Willens gelten. Die Mittel und damit die Umsetzung selbst werden von einer Einschätzung der Situation gelenkt und sind in diesem Sinne Ergebnis einer Entscheidung. Der Wille wird durch Überlegen ausgebildet und durch Überlegen umgesetzt. Zu den instrumentellen Entscheidungen zählt auch das „widerwillige Tun“ 17 . In diesem Fall wünscht man ein Übel, man wünscht etwas, dass einem normalerweise widerstrebt und was man nie wollen würde, aber die Situation macht dieses Wünschen erforderlich. Ein widerwilliges Tun ist ein echtes Tun in dem Sinne, dass es wahre Urheberschaft besitzt. Man wünscht etwas nicht um seiner selbst willen, sondern weil es nötig ist, um etwas, dass man ursprünglich wollte, also einen ursprünglichen Wunsch, zu erfüllen. Somit besitzt das Mittel „geborgte Wünschbarkeit“. 18 Eine andere Art der Entscheidung sind substantielle Entscheidungen. Entscheiden ist Willensbildung durch Überlegen und bei substantiellen Entscheidungen geht es gerade darum, von welchen Wünschen man möchte, dass sie zum Willen werden oder eben nicht. Es geht darum sich zu fragen, was man eigentlich möchte. Man bildet in gewisser Weise eine Rangfolge seiner Wünsche. Welche sind am wichtigsten? Was möchte ich unbedingt? Bei solchen substantiellen Entscheidungen ergreife ich Partei für sich widerstreitende Wünsche. Ich entscheide mit welchem Wunsch ich mich wirklich identifiziere. Wer will ich sein? Für diese Art der Entscheidung brauche ich die Phantasie. Die Phantasie als Fähigkeit im Inneren verschiedene Möglichkeiten auszuprobieren. Ich male mir die inneren und äußeren Umstände aus. Ich lasse die verschiedenen Szenarien meiner unterschiedlichen Entscheidungen ablaufen, was mir mögliche Konsequenzen meines Willens deutlich macht. Auch kann die Phantasie mir helfen Wünsche, also einen möglichen Willen, zu erkennen, der mir bisher verborgen war, den ich aber habe. 19 Ein weiterer Punkt, der für die Entscheidungsfindung notwendig ist, ist die Distanz zu mir selbst. Ich muss einen Abstand zu mir selbst und meinen Wünschen aufbauen können. Es ist ein Zeichen unserer Freiheit, dass wir in der Lage sind mit unseren eigenen Gedanken und der eigenen instrumentellen Phantasie kritisch und distanziert umzugehen. Die kritische Reflexion kann uns vor Augen führen, warum wir die Dinge wirklich wollen und auch, dass wir sie
17 Bieri: Das Handwerk der Freiheit. S.57.
18 ebd. S.60.
19 vgl. ebd. S.61ff.
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Mirjam Rüscher, 2008, (Un-) geliebte Freiheit - Von Bedingung und Aneignung in Peter Bieris Konzeption der Freiheit, Munich, GRIN Publishing GmbH
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