Inhalt
Inhalt 2
Einleitung und Vorbemerkungen 3
Adaption und Medienwechsel: vom Papier auf die Leinwand 3
Kriterien der Bewertung einer Adaption 3
Der Vorgang der Adaption 4
Stanley Kubrick und Lolita 7
Die Adaption und die Rolle der literarischen Vorlage bei Kubrick 7
Kubricks „Emanzipation“ von Nabokov - Die Verfilmung von Lolita 1962 8
Vergleich der Lolita-Adaption bei Stanley Kubrick und Adrian Lyne 11
Fazit 14
Quellen 16
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Einleitung und Vorbemerkungen
Im Laufe der Erarbeitung des Themenkomplexes Lolita und seiner vielfältigen Betrachtungsmöglichkeiten war ein Thema immer wieder besonders interessant: Obwohl es zahlreiche Untersuchungen, Arbeiten und Auseinandersetzungen mit und über das Thema des Romans gab und gibt, ist der Roman immer noch mit dem Makel der Anrüchigkeit behaftet. Gerade diese Anrüchigkeit macht ihn natürlich auch interessant und hat sicherlich eine Menge zu seiner Popularität beigetragen. Genau dieser Bekanntheitsgrad macht den Aspekt der Filmadaptionen dieses offensichtlich schwierigen Stoffes so faszinierend. Ganz unabhängig davon, ob man die Verfilmungen als gelungen oder nicht einstufen will, dass liegt im Zweifel ohnehin im Auge des Betrachters, und die Bezeichnungen, ganz besonders im Fall der Verfilmung von Stanley Kubrick, reichen von „enttäuschend“ bis „meisterhaft“, ist schlicht und einfach die Aufgabe der Umsetzung einer solchen Vorlage spannend. Darüber hinaus eignet sich Lolita, bedingt durch das meisterhafte Talent des Autors Nabokov, vorzüglich, um in Hinsicht auf die Filmadaptionen zu zeigen, wo die Möglichkeiten und die Grenzen der Adaption liegen. Ich werde in dieser Arbeit zunächst auf die Adaption einer Vorlage aus der Literatur im allgemeinen eingehen und versuchen, einen Einblick in dieses Feld zu geben. Ich halte dies für notwendig, um die Kriterien der Beurteilung einer Adaption ausreichend deutlich darstellen zu können.
Im Anschluss soll dann auf die Arbeit Stanley Kubricks mit Lolita eingegangen werden. Ich werde die zweite Verfilmung von Adrian Lyne aus dem Jahr 1997 nur am Rande behandeln und lediglich für einen exemplarischen Szenenvergleich benutzen, da ich Kubricks Lolita in Hinsicht auf das Thema der Adaption für interessanter halte.
Adaption und Medienwechsel: vom Papier auf die Leinwand
Kriterien der Bewertung einer Adaption
Die Geschichte der Romanadaption für den Film ist unmittelbar verknüpft mit den Problemen des Films, als eigenständige Kunstform akzeptiert zu werden. Viele Filmschaffende, die auf einen Roman, eine Kurzgeschichte oder ein Theaterstück zurückgreifen, um daraus einen Film zu machen, müssen sich den Vorwurf machen lassen, der Film werde der Vorlage nicht gerecht. Besonders drastisch fallen diese Vorwürfe natürlich meist dann aus, wenn es sich dabei um eine bekannte, allgemein anerkannte und am besten noch vom Kritiker persönlic h
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geschätzte Vorlage handelt. Mit diesem Konflikt muss sich der Film schon seit seinem Bestehen auseinandersetzen. Schon von den ersten Gehversuchen mit dem Medium Film an, haben Filmemacher auf Vorlagen aus der Literatur zurückgegriffen, teilweise um etwas eigenes daraus zu machen, um der Inspiration willen, oder einfach nur, um dem Werk ihre Wertschätzung zu erweisen.
Akzeptiert man das Medium Film als eigene Kunstform, so folgt daraus der Bedarf nach eigenen Bewertungskriterien. Der Film ist nicht nur ein relativ junges Medium, wenn man ihn z.B. mit dem Buchdruck oder dem Theater vergleicht, sondern er weist auch in seiner Funktion und in seinen Rezeptionsanforderungen entscheidende Unterschiede zu den „Alten Medien“ auf.
Vor allem die Tatsache, dass es sich beim Film um ein audiovisuelles Medium handelt und die eigens für die Vorführung (wir gehen davon aus, dass der Film in einem Kinosaal rezipiert wird) erforderliche Örtlichkeit und Technik sind die Hauptunterschiede im Vergleich zu anderen Medien. Die entscheidenden Fragen, die es zu betrachten gilt, wenn man sich um die Beurteilung einer Filmadaption bemüht, könnten demnach folgende sein:
• Was kann und was muss eine Romanadaption leisten?
• Ist es der Zweck bzw. sollte es der Zweck einer Verfilmung sein, ein genaues Abbild der Vorlage zu schaffen?
• Ist dies überhaupt möglich bzw. ist es wünschenswert?
• Macht es nicht viel mehr Sinn, einen Film als etwas eigenständiges zu beurteilen?
Eine definitive Beantwortung kann man sicherlich nicht geben, aber der entscheidende Punkt ist die Eigenständigkeit des Films. Nichtsdestotrotz kann natürlich ein Vergleich mit einer eventuellen Vorlage erfolgen, denn es muss auch beurteilt werden, in wie fern die Entscheidung, einen Film aus einer Vorlage zu machen, richtig war.
Der Vorgang der Adaption
Im folgenden Abschnitt soll ein knapper Überblick über den Vorgang und die Kriterien der Adaption gegeben werden. Das Thema Adaption ist sehr umfangreich und wird häufig und immer wieder diskutiert. Vor allem die Diskussion um den Wert filmischer Umsetzungen wird auch nach hundert Jahren Film und Kino immer noch geführt, und ein wirkliches Ende scheint nicht in Sicht zu sein. Zu gespalten sind die Meinungen,
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und die Kritiker des Kinos beharren auf ihren Argumenten. Einer d er häufigsten Vorwürfe, dass die meisten Filme ihren Vorlagen nicht gerecht würden und oftmals den Glanz eines Werkes der Literatur schmälerten, ist auch in Hinsicht auf die Adaptionen des Romans Lolita von Bedeutung, weil gerade an diesem Beispiel besonders die Möglichkeiten und vor allem auch die Einschränkungen, die das Kino bei der Übernahme von Stoffen aus der Literatur machen muss, deutlich gemacht werden können.
Bei den Nominierungen und der Vergabe der alljährlichen Academy Awards (Oscars) der amerikanischen Filmindustrie wird nicht umsonst zwischen dem „Original Screenplay“ und dem „Adapted Screenplay“ unterschieden. 1 Ein großer Teil der Drehbücher, aus denen später Filme werden, basiert auf bereits vorhandenen Romanen, Kurzgeschichten etc.. Beim Transfer vom Papier auf die Leinwand, um es ganz grob zu formulieren, findet ein entscheidender Prozess statt, den man als Medienwechsel bezeichnet. Dies bedeutet vor allem eine Veränderung der Reglements und der theoretischen Bedingungen, die für den betreffenden Stoff und für dessen Umsetzung gültig werden. Wird ein Buch zum Drehbuch und schließlich zum Film, gelten andere Regeln und Einschränkungen, weil Roman und Film auf eine gänzlich andere Weise funktionieren; sie erzählen eine Geschichte auf völlig unterschiedliche Art und Weise.
In seinem Buch „Concepts in Film Theory“ 2 stellt Dudley Andrew fest, dass Film und Literatur auf gegensätzliche Weise funktionieren: „Film is found to work from perception toward signification, from external facts to interior motivations and consequences, from the givenness of a world to the meaning of a story cut out of that world.“ 3
Literatur dagegen, „begins with signs (graphemes and words), building to propositions that attempt to develop perception. As a product of human language it naturally treats human motivation and values, seeking to throw them out onto the external world, elaborating a world out of a story“. 4 Die Problematik einer Adaption und eines Medienwechsels liegen also auf der Hand: Ein Autor beschreibt m it seinem geschriebenen Wort eine Geschichte, einen Zustand etc., der direkt seiner Imagination entspringt, etwas, das ihm selber widerfahren ist, oder etwas, das ihm berichtet worden ist. Seinen Weg auf das Papier findet das Wort über den Kopf, das Gehirn des Autors. Die beim Verfassen eines Drehbuches nötige Umwandlung wiederum dieser Worte in ein geeignetes Bild ist nun
1 www.oscars.com, 26.2.2002.
2 Andrew 1984.
3 Andrew, S.101.
4 Ebenda.
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Quote paper:
Arno Schumacher, 2002, Lolita - über Romanadaption und Medienwechsel, Munich, GRIN Publishing GmbH
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