Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Einleitung zum Thema der Diplomarbeit 5
Abbildungsverzeichnis / Tabellenverzeichnis 6
I. Fragestellung
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II. Theoretischer Zugang
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III. Methodischer Zugang
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IV. Stand der Forschung
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V. Der Bosnienkrieg - Ein kurzer Überblick
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VI. Die Region um BihaüÆ „Bihaüki okrug“ die bosnische „Krajina“
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1. Die Akteure
1.1 Die einzelnen Akteure im Überblick 28
1.2 Entstehung der bosnischen Armee bzw. des 5. Korpus 36
a. Das 5. Korpus der bosnischen Regierungsarmee 39
b. Kommandostruktur und Aufbau 41
1.3 Fikret Abdiü 44
a. Vorgeschichte zu Abdiü 44
b. Die Geschehnisse in Velika Kladuša um Fikret Abdiü 47
2. Der Kriegsverlauf in der bosnischen Krajina
2.1 Der Beginn der Kampfhandlungen im Raum Bihaü (1992 ) 55
2.2 Das zweite Jahr der Belagerung (1993 )
und der Aufstand von Fikret Abdiü 65
2.3 Bihaü 1994 : Siege und Niederlagen (Angriff und Gegenangriff) 69
2.4 Das Jahr der Entscheidungen (1995 ) 78
3. Die Versorgung
3.1 Versorgungsprobleme und Lösungen (NVI) 89
3.2 Die Versorgung der Zivilbevölkerung in der bosnischen Krajina
zwischen 1992 und 1995 98
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Inhaltsverzeichnis
4. Zeitzeugen- und Medienberichte zum Krieg in der bosnischen Krajina
4.1 Medien in Bosnien-Herzegowina: Vorkriegs , Kriegs- und
Nachkriegssituation 101
4.2 Analyse der Medienberichte 106
4.3 Kurzbiographie der Zeitzeugen 109
4.4 Analyse der Zeitzeugenberichte 112
5 Die Kriegsverbrechen in der bosnischen Krajina und die Verantwortlichen
5.1 Anklagen und Prozesse 116
Schlussfolgerungen 126
Abkürzungsverzeichnis 133
Anhang 135
Literatur- und Quellenverzeichnis 140
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Vorwort
Vorwort
Wenn ich an die Zeit meines Geschichtestudiums denke, fällt mir eine Vielzahl an Menschen ein, bei denen ich mich bedanken möchte.
An erster Stelle stehen dabei meine Eltern, Mujo und Murisa Alijagiü. Ohne deren grenzenlose und immerwährende Unterstützung hätte ich meine bisherigen Ziele nicht erreichen können. Vielen Dank!!!
Weiters gilt mein Dank meinen Verwandten in Bosnien, besonders meinen Großeltern und meinem Onkel, die mich bei meinen Recherchen unterstützt haben. Vielen Dank!!! Außerdem möchte ich mich bei meinen Interviewpartnern bedanken, die sich freiwillig bereitgestellt haben, um über ihre Erlebnisse während des Krieges in Bosnien zu erzählen. Vielen Dank!!!
Auch gilt mein Dank Herrn Mag. Dr. Christian Promitzer!
Ohne Ihre Unterstützung und Ihre Hilfe bei den Vorbereitungen und Recherchen zu meiner Arbeit wäre diese nicht realisierbar gewesen.
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Einleitung zum Thema der Diplomarbeit
Einleitung zum Thema der Diplomarbeit
Persönlicher Hintergrund und Motivation
Durch eine entstandene Diskussion mit Herrn Promitzer im Herbst 2005 kam mir die Idee, eventuell meine Diplomarbeit über den Bosnienkrieg zu schreiben. Anfangs war ich aber der Meinung, es wäre besser, nicht über den Bosnienkrieg zu schreiben, da dieser nicht so lange zurück lag und die Gefahr bestand, sich für eine Partei zu entscheiden. Nachdem ich mich in die Literatur zu diesem Thema eingelesen hatte und mich kurz darauf für die bosnische Krajina als Diplomarbeitsthema entschied, fragte ich Prof. Promitzer, ob er nicht meine Diplomarbeit betreuen könnte. Weiters informierte ich mich über diese Region und ob es bereits eine Arbeit zu diesem Thema gäbe. Nach meinen Recherchen begab ich mich zu meinem Betreuer und besprach mit ihm mein weiteres Vorgehen. Ich erzählte ihm, dass ich in der bosnischen Krajina, genauer gesagt in der Stadt Bihaü, geboren wurde und dort immer noch Verwandte habe, die mich auch bei meiner Arbeit unterstützen würden. Ich entschied mich nach diesem Gespräch meinen Themenbereich auch geographisch einzugrenzen und mich auf die Region in und um Bihaü zu konzentrieren. In den Sommermonaten 2006 begann ich mit meinen Recherchen direkt vor Ort in Bihaü.
Ich stellte fest, dass dies ein interessantes Themengebiet sei und obwohl der Zugang zu wichtigen Quellen aus Sicherheitsgründen versperrt schien, konnte ich mir durch die Unterstützung meiner Verwandten und deren Verbindungen zu den verantwortlichen Stellen einen Zugang zu einigen dieser Quellen verschaffen.
Durch die bis dahin ausgearbeiteten Informationen konnte ich mir einen Überblick verschaffen und mein Thema stand bereits im Sommer 2006 endgültig fest: Der Kampf um Bihaü. Ein wichtiger Kriegsschauplatz des Bosnienkrieges und seine Besonderheiten zwischen 1992 und 1995. Ich dachte mir, dass nicht nur die Wichtigkeit des Kriegsschauplatzes, sondern auch die Besonderheiten wie der Aufstand von Fikret Abdiü oder der Handel und Schmuggel zwischen den Fronten, meiner Arbeit als Hauptpunkte dienen könnten.
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Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Tabelle 1 : Militärische Kräfteverteilung September 1992
Tabelle 2 : Bewaffnung der Kriegsparteien in Bosnien November 1994
Abb. 1 : Die Region um Bihaü im ersten Kriegsjahr 1992
Abb. 2 : Zeitgenössische Zeichnung der Festung Bihaü um 1590
Abb. 3 : Photographie von Bihaü aus dem Jahr 1892
Abb. 4 : Photographie von Bihaü aus dem Jahr 1964
Abb. 5 : Kommandostruktur der VRS
Abb. 6 : Kommandostruktur des HVO
Abb. 7 : Schlachtordnung der Territorialverteidigung Bosnien-Herzegowina
Abb. 8 : Struktur der Armee Bosnien-Herzegowina (ARBiH) ab August 1992
Abb. 9 : Befehlsstruktur des 5. Korpus
Abb. 10 : General Atif Dudakoviü
Abb. 11 : Kommandostruktur der Bürgerwehr NO
Abb. 12 : Skizze des Luftwaffenstützpunktes Željava
Abb. 13 : Eingang zu den Kasernen am Grabež-Plateau
Abb. 14 : Die strategisch wichtige Hasin-Anhöhe am Grabež-Plateau
Abb. 15 : Treibstofftanks am Güterbahnhof von Bihaü
Abb. 16 : Kroatische Operation Sturm
Abb. 17 : Organisation der bosnischen Waffenproduktion in der bosnischen Krajina
Abb. 18 : Die Fabrik Kombiteks
Abb. 19 : Die Fabrik Karajinametal
Abb. 20 : Die Fabrik von Omarska
Abb. 21 : Jama „BEZDAN Die Grube ohne Tageslicht
Abb. 22 /1 : Der felsige Abgrund dieser Grube
Abb. 22 /2 : Die Gedenktafel zur Jama „BEZDAN“
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I. Fragestellung
I. Fragestellung
Es gab viele Fragen die ich in dieser Arbeit beantworten wollte, doch es musste eine Abgrenzung vorgenommen werden, da sonst eine Ausuferung drohte und diese Arbeit sonst nie ein Ende finden würde.
Deswegen entschied ich mich für folgende Fragen, die ich in dieser Diplomarbeit auch beantworten möchte und werde:
1. Wie bereitete sich die bosnisch-moslemische Seite auf die Verteidigung vor?
2. Warum gelang es dem 5. bosnischen Korpus den Belagerungsring immer wieder zu durchbrechen aber nicht endgültig zu zerschlagen?
3. Wie hat sich die Zivilbevölkerung auf die langandauernde Belagerung vorbereitet bzw. eingestellt?
4. Warum und wie kam es zum innermoslemischen Konflikt in dieser Region?
5. Wer hat außerhalb von Bosnien die Hilfe für Bihaü organisiert und wie sah diese Hilfe aus und konnte Bihaü damit geholfen werden?
6. Wie wurde der Schmuggel und Handel mit Waffen aber auch mit anderen Materialien zwischen den Fronten getätigt und wer waren die Organisatoren?
7. Wer hat in dieser Region während und nach dem Krieg Profit geschlagen und wer waren die Leidtragenden?
8. Was berichteten die Medien über diesen Kriegsschauplatz des Bosnienkrieges?
9. Welche Kriegsverbrechen werden den einzelnen Kriegsparteien angelastet und wer waren die Verantwortlichen?
10. Wieweit trifft die Theorie der Neuen Kriege auf den Krieg in Bosnien-Herzegowina bzw. auf den Kriegsschauplatz Bihaü überhaupt zu?
All diese Fragen sollen in den nächsten 100 Seiten beantwortet werden und in einer Schlussfolgerung kurz erörtert werden.
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II. Theoretischer Zugang
II. Theoretischer Zugang
Als eine klassische Theorie zum Thema Krieg ist die Theorie von Carl von Clausewitz zu bezeichnen. Der Krieg ist ein Akt der Gewalt, um einen Gegner zur Erfüllung des eigenen Willens zu zwingen, wobei dies nur durch physische Gewalt bzw. mit der Niederwerfung des Gegners möglich ist. Laut Clausewitz ist der Krieg ebenso ein gefärbtes Chamäleon, welches sich ständig an neuartige politische, soziale und ökonomische Herausforderungen und Bedingungen anpassen muss. 1
Vorweg muss man aber eine grundsätzliche Klarstellung vornehmen. Obwohl Clausewitz’s Theorie des Krieges auch heute noch Verwendung findet, werden die jugoslawischen Zerfallskriege, besonders der Krieg in Bosnien-Herzegowina und in diesem Rahmen der Kriegsschauplatz im Raum Bihaü bzw. in der bosnischen Krajina, als ein typisches Beispiel für den Typus der so genannten Neuen Kriege angesehen.
Die Neuen Kriege sind zum Einen dem Zerfall staatlicher und gesellschaftlicher Strukturen zuzuordnen, indem die staatliche, zentrale Autorität, die ehemals in der Lage war, divergierende Strömungen entweder in positiver Weise zu integrieren oder zu überdecken, beispielsweise durch Repression, an den Rändern schwach wird oder aufgrund politischer Umstürze ganz entfällt. 2 Zum anderen wird dem Typus des Neuen Krieges auch ein qualitativer Wandel auf der Akteursebene wie der Entstaatlichung und Privatisierung des Krieges, sowie in der Ablaufdynamik und der neuartigen Kriegsökonomik zugesprochen. 3
Im Gegensatz zu den alten Kriegen, wie Clausewitz sie beschrieb, deren Hauptziel darin bestand, territoriale Gewinne zu erzielen, ist das Ziel in den Neuen Kriegen, einheitliche, ethnische oder religiöse Gebiete zu schaffen. Man kann sagen, dass die Organisation und Kriegsführung sich änderte: frühere Kriege wurden unter dem Gesichtspunkt Armeen gegen Armeen geführt und somit die Zivilbevölkerung weitestgehend verschont. In der Neuen Kriegsführung ist hingegen die Einbeziehung der Zivilbevölkerung von enormer Bedeutung.
Herkömmliche Konventionen zum Schutz der Zivilbevölkerung spielen keine Rolle mehr und Vertreibung, Einschüchterung, Ermordung sowie die Zerstörung von Symbolen, wie Kirchen und Moscheen, sind übliche Techniken. 4
1 Clausewitz (2006), S. 13-23.
2 Vgl. Azzelini / Kanzleiter (2003), S. 7-13.
3 Vgl. Daase (2004), S. 6.
4 Vgl. Kaldor (1999), S. 124.
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II. Theoretischer Zugang
Auch die Finanzierung der Neuen Kriege änderte sich, da aufgrund des Zerfalls von staatlicher Wirtschaft und der damit verbundenen Steuereintreibung sich die Kriegsparteien neue Möglichkeiten suchen mussten, um ihre kriegerischen Aktivitäten finanzieren zu können.
Die Politologin Mary Kaldor zählte einige dieser Möglichkeiten auf, zum Beispiel:
- Die Aufrechterhaltung der Produktion einiger wertvoller Waren,
- Drogen- und Menschenhandel,
- Raub, Plünderungen, Erpressung oder Geiselnahme,
- Zölle auf Hilfs- und humanitäre Lieferungen,
- Schutzgelder und Kriegssteueren sowie die
- Hilfe aus dem Ausland. 5
Abschließend soll in dieser Arbeit überprüft werden, ob die Theorie der Neuen Kriege auf den Krieg in Bosnien auch anwendbar sei.
Ich bin der Meinung, dass die von Mary Kaldor hier aufgezählten Punkte und die anderen neuen Attribute, die den Neuen Kriegen angerechnet werden, genau auf die Geschehnisse im Bosnienkrieg und im besonderen Maße auf den Raum Bihaü zutreffen.
Ich werde auf die Attribute der Neuen Kriege, immer wieder in meiner Arbeit hinweisen und in der Schlussfolgerung eine Gesamtdarstellung zu diesem Thema liefern.
5 Vgl. Kaldor (1999), S. 134f.
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V. Methodischer Zugang
V. Methodischer Zugang
In dieser Arbeit wird die Region um die nordwestbosnische Stadt Bihaü, mit folgenden Methoden durchleuchtet: Erstens werden Informationen aus bestehender Literatur entnommen, weiters einzelne Medien, größtenteils Zeitungen und Zeitschriften die im Ausland verkauft wurden, ausgewertet und analysiert. Weiters werden Informationen aus den Archiven des bosnischen Militärs in Bihaü sowie aus dem Stadtarchiv von Bihaü verwendet. Schließlich spielen auch die geführten Interviews mit den betreffenden Zeitzeugen, die u.a. der Beschaffung von Informationen aus der Sicht der Zivilbevölkerung dienten, eine wichtige Rolle. Da es sich um Geschehnisse aus jüngster Vergangenheit handelt, wird es schwierig sein, wichtige Informationen aus militärischen Quellen zu bekommen, besonders, da es sich um Themen wie innere Sicherheit oder Kriegsverbrechen handelt. Selbst wenn Archive existieren, sind sie nicht immer für Forscher zugänglich. Privatarchive sind kaum vorhanden und wenn, können sie nur mit Einwilligung des Eigentümers konsultiert werden. Sogar die Benutzung öffentlicher Archive ist oft eingeschränkt. Gemäß international ausgehandelter und vereinbarter Konventionen kann der Zugang zu Dokumenten, die jünger als 30 Jahre sind, verweigert werden; in der Praxis ist das Limit oft näher bei 50 oder 100 Jahren. 6 Großen Erkenntniswert zum Thema liefert das 2006 erschienene Werk von Nigel Thomas und Krunoslav Mikulan: The Yugoslav Wars (Vol. 2) welches einen genaueren Einblick in die militärischen Strukturen der einzelnen Kriegsparteien liefert. Aber das 2002 publizierte Werk vom bosnischen Brigadier Bejdo Feliü „Peti Korpus“ („Das 5. Korpus“), liefert umfangreiches Material zum bosnischen Militär, welches in der Region um Bihaü operierte. Dieses Werk ist deswegen auch von mir in diesem Kapitel erwähnt worden, da es neben den wichtigen Informationen auch die wichtigsten Quellen und die Ansprechpartner für den nötigen Zugang zu diesen Quellen liefert. Weiters sind für die Kapitel Akteure und Versorgung sowie für die Medienberichte und Kriegsverbrechen die Zeitungen und Zeitschriften der bosnischen Moslems Osloboÿenje, Ljiljan, Nova Bosna, der Kroaten Veüernje Novine, Veüernji List, und bosnischen Serben Vreme International zwischen 1992 und 1995 wichtig. Da diese Medienberichte aus der Zeit des Krieges stammten, werden sie einer Analyse unterworfen.
Neben der Literatur und der Recherche in Printmedien und Archiven ist die Vorbereitung und
6 Vgl. Howell (2004), S. 53.
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V. Methodischer Zugang
Führung von Leitfadeninterviews mit betroffenen Zeitzeugen ein weiterer methodischer Zugang. Dazu gehören folgende Bereiche: Vorbereitung des Interviews (Voraussetzungen, Ziele, Kontaktphase); Erhebungsunterlagen/System der Erfassung (Medienbasis); die eigentliche Durchführung des Interviews (Interview-Konstellation/Methoden der Fragen, Aufnahmesystem und Umgang damit); Auswertung (die Arbeit mit den Interviewergebnissen/Rückmeldung an den Interviewpartner/Publikation). 7
Mündliche Geschichtsüberlieferung und mündliche Zeugenbefragung über geschichtliche Sachverhalte hat es gegeben, seit Menschen sich für ihre Vergangenheit interessieren. Und das Bedürfnis, zeitgeschichtlich wichtige Aussagen Dabei gewesener festzuhalten, gibt es in der Geschichtswissenschaft nicht erst, seit sich das Fach Zeitgeschichte etabliert hat. Es sind so unterschiedliche Gründe wie etwa die Verschiebung von Interessenrichtungen (Stichwort "Geschichte von unten"), die Änderung von Quellenlagen, wie zum Beispiel durch die Telekommunikation, oder einfach auch die allgemeine Verfügbarkeit von Kassettenrecordern. Oral History als vor allem zeitgeschichtlich genutzte Forschungstechnik trifft mit ihren heute vorhandenen apparativen Möglichkeiten offenbar auf eine mehrfälltige Bedarfslage. Zum einen sind traditionelle Zugänge zu wichtigen traditionellen Themen oft erheblich erschwert, sei es durch das enorme Ausmaß der Zerstörung schriftlicher Quellen durch Kriegseinwirkung oder sei es durch den Einzug neuer Kommunikationsmöglichkeiten, die das Zustandekommen solcher Quellen auf weite Strecken von vornherein verhindern, indem sie im Vorfeld wichtiger Entscheidungen die Schriftlichkeit weithin verdrängt haben. Zum anderen haben sich die Themen selbst erweitert, haben sich Forschungsperspektiven verschoben, Interessenrichtungen geändert.
Neben und vielfach anstelle der großen Geschichte der objektiven Strukturen, Prozesse und Apparate gilt das Interesse der Innenseite, den Betroffenen als den Subjekten des Erfahrens, Deutens und Verarbeitens, dem alltäglichen Reagieren und Verhalten der Menschen, in Aneignung und Widerstand und damit in geschichtswirksamer Veränderung von Bedingungsstrukturen. 8
Zu jedem Interview habe ich ein System von Leitfragen bzw. Untersuchungsschwerpunkten erarbeitet. Diese inhaltlichen Schwerpunkte bilden eine Art Gerüst, das bei der Erhebung der Erinnerungen wichtig ist. Es ist zweckmäßig, diese Leitgesichtspunkte auf einem elektronischen Karteikartensystem festzuhalten. Dieses System erlaubt eine optimale Flexibilität. Während des Gesprächs kann immer wieder auf den einen oder anderen Punkt eingegangen werden.
7 Vgl. Vorländer (1990), S. 132.
8 ebenda (1990), S. 143.
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V. Methodischer Zugang
Wesentliche Gesichtspunkte bleiben präsent und werden nicht vergessen. Ebenso wenig wie im gesamten Interviewverlauf bin ich mit den Leitfragen starr umgegangen. Sie sind nur eine innere Orientierung für mich gewesen.
Bei jedem Gespräch gab es auch belastende, Tabu-Themen, mit denen umzugehen es besonders schwierig und heikel war. Grundsätzlich können solche Themen und Bereiche plötzlich auftauchen, teilweise wurden sie vom Gegenüber selbst schrittweise ausgelöst. In solchen Situationen muss natürlich der Interviewer viel Takt, Rücksicht und menschliche Anteilnahme aufbringen. Auf keinen Fall darf angesichts einer solchen emotional belastenden Situation das Gespräch nach Programm weitergeführt werden. Der Interviewer wird spüren, ob er durch aktives Zuhören und verstehende Beteiligung richtig reagiert oder einfach nur durch kurzes gemeinsames Schweigen. Dies gilt bei besonders schwierigen Themen, wie die eigenen erlebten Schicksale in den Kriegsjahren.
Alles in allem beruht meine Diplomarbeit auf drei methodischen Säulen:
1. Literatur zum Thema sowie Quellen und Informationen aus den Archiven des bosnischen Militärs und des Stadtarchivs Bihaü,
2. Leitfadeninterviews mit den Betroffenen und
3. Medienberichte aus dieser Region und deren Analyse.
Der Aufbau meiner Diplomarbeit ist, wie folgt:
1. In der Einleitung werden die Fragestellungen, Theorie, Methode, Stand der Forschung sowie ein kurzer Überblick über den Bosnienkrieg sowie über die bosnische Krajina geliefert.
2. Da der Zugang zu Quellen der beteiligten Akteure beschränkt ist, werde ich im Ersten Kapitel eine allgemeine Beschreibung der einzelnen Akteure liefern. Eine Ausnahme bildet die Beschreibung der bosnisch-moslemischen Seite, da ich zu diesen Akteuren einen Zugang zu den benötigten Quellen bekommen habe. Es werden einerseits die bosnischen Regierungstruppen des 5. Korpus und andererseits der Industrielle und Politiker Fikret Abdiü, von mir genauer vorgestellt werden.
3. Im Zweiten Kapitel wird auf das Kriegsgeschehen in der bosnischen Krajina eingegangen.
4. Im Dritten Kapitel, unter Versorgung, werden die Versorgungsprobleme und Lösungen des bosnischen Militärs sowie der Zivilbevölkerung erörtert.
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VI. Stand der Forschung
5. Das vierte Kapitel beschäftigt sich mit den Zeitzeugen und Medienberichten zum Krieg in der bosnischen Krajina und im fünften und letzten Kapitel werden die Kriegsverbrechen aller Beteiligten aufgearbeitet.
VI. Stand der Forschung
Diese Diplomarbeit befasst sich mit einem Teil der südosteuropäischen Geschichte und insbesondere mit einem Teil der Geschichte Bosnien-Herzegowinas. Als Basiswerk zur bosnischen Geschichte dient das Werk von Noel Malcolm. In seinem 1994 erschienen Buch: „Bosnia - a short history“ vermittelt der Britte einen fundierten Überblick zu den Anfängen Bosniens vom Mittelalter bis in die 90er-Jahre. Aber auch das Werk von Omer Ibrahimagiü „Državni-pravni Razvitak Bosne i Hercegovine“ (1998) liefert einen guten Überblick über die bosnische Geschichte.
Zu den Themen Neue Kriege und Kriegsgewinnler im Jugoslawienkrieg sind die Werke von Azzelini Dario und Boris Kanzleiter „Das Unternehmen Krieg. Paramilitärs, Warlords und Privatarmeen als Akteure der Neuen Kriegsordnung“ (2003) zu erwähnen. Diese geben wichtige Angaben zu meiner Diplomarbeit. Die Geschichte zwischen 1992 und 1995 ist aber wiederum zweigeteilt. Einerseits gibt es Literatur zum Krieg in Bosnien-Herzegowina, welche aber nur einen Gesamtüberblick liefert. Als Beispiel ist das Werk von Hans Kerch „Der Bürgerkrieg in Bosnien-Herzegowina (1992-1997)“ (1997) anzuführen, das zusätzlich auch noch einen chronologischen Abriss über die Kriegsereignisse in Bosnien-Herzegowina wiedergibt oder Nigel Thomas und Krunoslav Mikulan: „The Yugoslav Wars“ (Vol. 2) (2006), wo ein allgemeiner Überblick über die einzelnen Kriegsparteien geliefert wird. Weiters gibt es Werke wie „Balkan Krieg. Zehn Jahre Zerstörung Jugoslawiens“ (2001) von Hannes Hofbauer, das wiederum nur stichprobenartige Erkenntnisse über einige Regionen des ehemaligen Jugoslawiens liefert. Für den Bosnienkrieg ist insbesondere auch das nicht ganz unproblematische Werk vom deutschen Journalisten Jürgen Elsässer „Wie der Dschihad nach Europa kam. Gotteskrieger und Geheimdienste auf dem Balkan“ (2005) zu erwähnen, da dieses Buch einen tieferen Einblick in die Machenschaften der Westmächte in den Balkankonflikt liefert und auch aufzeigt wie die bosnisch-moslemische Seite sich während des Krieges verhielt.
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III. Der Bosnienkrieg - Ein kurzer Überblick
Zu den Ereignissen in der Region um Bihaü die zur bosnischen Krajina gehört, gibt es aber nur wenige Werke. Eines davon ist „Peti Korpus“ (2002) von Bejdo Feliü, das für meine Diplomarbeit von großer Bedeutung war. Dieses Buch ist auf die Geschehnisse in der Bosnischen Krajina fixiert und liefert datailierte Informationen zum 5. Korpus und zum Krieg in dieser Region. Es ist teilweise mit einem Kriegstagebuch zu vergleichen, was wiederum eine eingeschränkte Sicht dieser Region wiedergibt. Als weitere wichtige Werke zum Bürgerkrieg in der Region um Bihaü sind „Crisis at Bihaü“ (1998) vom englischen Offizier Brendan O’Shea, „Agresija na bihaüki okrug“ (1995) von Jasareviü Senudin oder „Svi zloþini Fikreta Abdiüa“ (1997) von Emin Huskiü zu erwähnen. Diese Werke liefern größtenteils Geschehnisse aus politischer Sicht. Deshalb habe ich mir vorgenommen, durch die Interviews auch die Betroffenen zu Wort kommen zu lassen und somit auch die Sicht der Zivilbevölkerung mit einzubeziehen. Schlussendlich gilt festzuhalten, dass die bosnische Krajina oder die Region um Bihaü noch nicht so sehr ins Blickfeld der Historiker geraten ist wie andere Regionen in Bosnien-Herzegowina und des ehemaligen Jugoslawiens.
III. Der Bosnienkrieg - Ein kurzer Überblick
Nachdem in Slowenien und Kroatien 1991/92 die ersten Kämpfe ausbrachen, drohte nun auch, das friedliche Bosnien-Herzegowina in Chaos und Gewalt zu versinken. Spätestens mit der moslemisch-kroatischen Unabhängigkeitserklärung Bosnien-Herzegowinas am 03. März 1992 trat die ethnische Spaltung der jugoslawischen Teilrepubliken gewaltsam zu Tage. Serbische Nationalisten begannen damit, Barrikaden um ihre Stadtteile zu errichten, Moslems folgten diesem Beispiel. 9 Die bosnischen Serben proklamierten bereits am 09. Januar 1992 die Republika Srpska Bosna i Hercegovina, als eine Teilrepublik Bosniens und im August des selben Jahres wurde sie in Republika Srpska umbenannt. 10 Die ersten Kämpfe beginnen in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo: Am 1. März 1992 schießt in Sarajevo ein nicht identifizierter Heckenschütze auf eine Gruppe feiernder Serben, die die serbische Flagge gehisst hatten. Ein Serbe wird getötet, ein weiterer verwundet. Die Serben erwiderten das Feuer und der ausbrechende Bürgerkrieg ergreift von Sarajevo ausgehend schnell das ganze Land. 11 Am 7. April 1992 erkennt die Europäische Gemeinschaft die nationale Unabhängigkeit
9 Vgl. Hofbauer (2001), S.46.
10 Vgl. Dodatne ýinjenice (2001). http://www.bhdani.com/arhiva/235/cinjenice.shtml (07.12.2001) vgl. auch Thomas / Mikulan (2006). S.4.
11 Vgl. Krech (1997), S. 47.
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III. Der Bosnienkrieg - Ein kurzer Überblick
Bosnien-Herzegowinas an. Auch die USA erkennen den Staat, gleichzeitig mit Slowenien und Kroatien an. Es beginnen die ersten schweren Gefechte zwischen den einzelnen Volksgruppen. Am drauffolgenden Tag ruft die Regierung in Sarajevo den Ausnahmezustand für Bosnien-Herzegowina aus. Die Regierung beschließt den Aufbau einer bosnischen Armee. Sarajevo wird von Panzertruppen der Jugoslawischen Volksarmee (JVA) umstellt. Mindestens 30 Menschen kommen bei Straßenkämpfen um. Damals Kommandeur der JVA in Bosnien-Herzegowina ist Generalmajor Milutin Kukanjac, Stabschef ist Generaloberst Života Paniü. 12 Seit Ende April 1992 war der Bürgerkrieg in ganz Bosnien-Herzegowina voll im Gange. Nun begann man sich der militärischen Ressourcen in Bosnien-Herzegowina zu bemächtigen. Als sich das 5. Korpus der JVA im Mai 1992 aus Bosnien-Herzegowina zurückzog, überließ es einen beträchtlichen Teil seiner Waffen und Ausrüstung den serbischen Truppen. 13 Dass die Führung der bosnischen Serben sich bereits auf einen bevorstehenden bewaffneten Konflikt vorbereitet hatte, wurde vielen bewusst, nachdem die bosnischen Serben, gut ausgerüstet und auch organisiert, fast zwei Drittel des bosnischen Territoriums und ein gutes Drittel Kroatiens innerhalb kürzester Zeit besetzt hatten. Auch die Kroaten Bosnien-Herzegovinas gründeten mit dem kroatischen Verteidigungsrat (HVO) eine eigene Truppe. Die kroatischen Einheiten, die anfänglich milizähnliche Strukturen aufwiesen, wurden später durch reguläre Einheiten der Armee Kroatiens, örtliche kroatische Polizeikräfte und parteinahe Freiwilligenverbände unterstützt. 14
Die von bosnischen Moslems dominierende Regierung, war die einzige Kriegspartei in Bosnien-Herzegowina, die sehr spät mit der Mobilisierung ihrer Einheiten begann, was auch für den späteren Kriegsverlauf Folgen hatte. Zudem entwickelte sich so etwas wie eine Privatisierung des Krieges in Bosnien-Herzegowina. Vielerorts entstanden paramilitärische Verbände mit warlordähnlichen Strukturen. 15 Militärexperten der UNO kamen zu dem Schluss, dass die Existenz separater militärischer Strukturen und die Vielfalt der Kampfeinheiten von einigen der Kriegsparteien durchaus beabsichtigt sein könnten, um ranghöhere militärische und politische Führer von jedweden Anschuldigungen, betreffend Kriegsverbrechen, zu entlasten. 16
12 Vgl. Krech (1997), S. 48.
13 Vgl. Gow (1992), S.111.
14 Vgl. Calic (1996), S. 99. vgl. auch Thomas / Mikulan (2006). S.16.
15 Vgl. ebenda (1996), S. 102. vgl. auch Basiü (2004), S. 250.
16 Vgl. UN-Commission (1993), S. 76.
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III. Der Bosnienkrieg - Ein kurzer Überblick Die militärischen Kräfte verteilten sich 1992 wie folgend:
Tabelle1: Militärische Kräfteverteilung September 1992. Vgl. Krech (1997), S. 47.
Angesichts dieser eklatanten Missverhältnisse traf das UN-Waffenembargo vom 25. September 1991 so in erster Linie die bosnischen Moslems. Sie waren den serbischen Angriffen in der ersten Etappe des Bürgerkrieges fast wehrlos ausgeliefert und kämpften um das nackte Überleben. Sie überlebten weitgehend aus eigener Kraft in dem aufopferungsvollen Abwehrkampf und konnten am 29. August 1992 mit der Rückeroberung der ostbosnischen Stadt Goražde ihre gewachsene militärische Stärke demonstrieren, die aber andererseits nicht einmal ausreichte, um den serbischen Belagerungsring um Sarajevo sprengen zu können. Fast jeden Tag wurde Sarajevo mit serbischer Artillerie beschossen. 17
Wie sahen die Ziele der einzelnen Parteien aus?
Die Armee der bosnischen Serben (VRS) versuchte zuerst, die serbisch besiedelten Regionen, einschließlich der fehlenden Verbindungsstücke, unter ihre Kontrolle zu bringen. Hieraus ergaben sich drei operative Stoßrichtungen: die Sicherung des nördlichen Korridors, der Serbien durch die Posavina (Nordostbosnien) mit Banja Luka und der serbischen Krajina und Knin verband; die Eroberung des östlichen Korridors von Bijeljina und Zvornik über Bratunac und Višegrad in Richtung östlicher Herzegowina; sowie der versuchte Durchbruch eines mittleren Korridors von Knin, der Hauptstadt der serbischen Krajina (Republika Srpska Krajina RSK) und Banja Luka nach Foþa über Bugojno und Konjiü.
Die militärischen Ziele der bosnischen Kroaten bestanden darin, die Kontrolle über die westliche Herzegowina zu übernehmen. Später versuchten sie aber auch, genauso wie die bosnischen Serben einige mehrheitlich von Moslems besiedelte Gebiete außerhalb dieser serbischen und kroatischen Siedlungsgebiete zu erobern.
Die Strategie der bosnisch-moslemischen Regierungstruppen dagegen war schon angesichts ihrer militärischen Unterlegenheit anfänglich darauf reduziert, die Angriffe der serbischen, später auch der kroatischen Truppen abzuwehren. Erst als sich das Kriegsglück im Verlauf des Jahres 1993 zu ihren Gunsten wendete, gingen sie offensiv gegen die anderen Parteien vor. 18 Nur den Serben aber gelang es in einer Art Blitzkrieg, binnen kurzem, einen erheblichen Teil ihrer territorialen
17 Vgl. Krech (1997). S, 45.
18 Vgl. Calic (1996), S. 106.
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III. Der Bosnienkrieg - Ein kurzer Überblick Ziele zu verwirklichen.
Als zu Beginn des Jahres 1993 die Kämpfe an Intensität zunahmen, beschloss die UNO mit der Resolution 824 vom 06. Mai die Städte Tuzla, Žepa, Goražde, Sarajevo, Srebrenica und Bihaü zu UN-Schutzzonen zu erklären. In diesen Schutzzonen soll der Schutz der Zivilbevölkerung durch die UNO-Schutztruppe (UNPROFOR) gewährleistet werden. 19 Doch an diese Resolution hielt sich keine der kriegsführenden Parteien und die UNPROFOR war zu schwach, um ihre Schutzfunktion zu erfüllen. Dies wurde besonders mit dem Fall der Schutzzonen Srebrenica und Žepa im Sommer 1995 deutlich, als zehntausende bosnische Moslems vertrieben und umgebracht wurden.
Seit Herbst 1992 begannen sich auch noch die Beziehungen zwischen den bosnischen Moslems und Kroaten zu verschlechtern. Zwischen ihnen brachen Kämpfe aus, die anfängliche Koalition aus Moslems und Kroaten ging zu Beginn des Jahres 1993, fürs erste zu Bruch. Somit tat sich zur Jahreswende 1992/93 also eine zusätzliche Front innerhalb der Front auf: Nach dem Ausbruch moslemisch-kroatischer militärischer Konflikte am Anfang des Jahres 1993 verließen auch die kroatischen Vertreter alle zentralen Staatsinstitutionen in Sarajewo. Im Gebiet unter der Kontrolle kroatischer Militärkräfte (HVO) wurde die "Kroatische Republik Herceg-Bosna" proklamiert und institutionalisiert. Ihre Hauptstadt wurde das wirtschaftliche und kulturelle
20 Zentrum Herzegowinas Mostar.
Bereits im Juni 1993 wendete sich das Blatt wieder zugunsten der bosnisch-moslemischen Regierungstruppen, die den Kroaten zunächst Travnik abnahmen, um daraufhin weiter in Richtung Gornji Vakuf, Bugojno und Prozor vorzustoßen. Die Hälfte Mostars, das die Kroaten als Hauptstadt ihrer autonomen Herceg-Bosna beanspruchten, geriet in moslemische Hand. Seit Herbst 1993 befanden sich die moslemischen Truppen endgültig nicht mehr in der Defensive. Sie eroberten ca. 40% der von den bosnischen Kroaten gehaltenen Gebiete zurück. 21 Unter dem Druck der internationalen Staatengemeinschaft wurde im März 1994 eine Aussöhnung zwischen den zwei ehemaligen Verbündeten, Moslems und Kroaten, eingeleitet. Danach richteten sich die militärischen Anstrengungen der Moslems und Kroaten wieder konzentriert gegen die serbischen Truppen. Am 10. September 1993 hatte jedoch der bosnischmoslemische Politiker und Industrielle Fikret Abdiü den nördlichen Teil der
19 Vgl. United Nations Protection Force (2008). http://www.un.org/Depts/dpko/co_mission/unprof_p.htm (13.01.2008).
20 Vgl. Ethnisierung der Politik in Bosnien-Herzegowina. (2007). http://library.fes.de/fulltext/id/00101001.html (11.12.2007).
21 Vgl. Calic (1996), S. 105.
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III. Der Bosnienkrieg - Ein kurzer Überblick
moslemischen Enklave von Bihaü zur autonomen Region Westbosnien (Autonomna Pokrajna Zapadna Bosna APZB) erklärt, also einen weiteren Staat auf dem Territorium Bosnien-Herzegowina ausgerufen. Abdiü schloss einen Separatfrieden mit den Serben und stand auch in gutem Kontakt mit der Armee Kroatiens, die sich jenseits der serbischen Besatzungszone befand. Er trieb Handel, kaufte Waffen und Munition von den serbischen Belagerern wie auch von den Kroaten ab. Ebenso verkaufte er die Produkte seines Handels- und Landwirtschaftsimperiums Agrokomerc über die Frontlinien hinweg. 22
Die autonome Region Westbosnien wurde im Sommer 1994 großteils und ihr Restbestand im Sommer 1995 endgültig von Einheiten der bosnischen Regierungsarmee zerschlagen. Somit wurde im Laufe des Jahres 1994 die Lage der bosnischen Moslems stabil. Und das militärische Kräfteverhältnis an den Fronten Kroatiens und Bosnien-Herzegowinas begann sich zu verschieben.
Tabelle 2: Bewaffnung der Kriegsparteien in Bosnien (Stand: November 1994). Vgl. Ramet (2002), S.226. Dank illegaler Waffenlieferungen und der Neuorganisation ihrer Truppen hatten die kroatischen und die bosnischen Verbände begrenzte offensive Fähigkeiten erworben. Die Armeen der kroatischen und bosnischen Serben schienen dagegen bereits seit einiger Zeit stark überansprucht. Das Jahr 1995 sollte als das Jahr der Entscheidungen in die Geschichte dieses jungen Staates eingehen. In Sanski Most klagte der serbische General Ratko Mladiü schon zu Beginn des Jahres 1995 über die nachlassende Kampfmoral und Verteidigungsfähigkeit seiner Soldaten. Im Mai 1995 überrannte die kroatische Armee in einer Blitzoperation das serbisch besiedelte Westslawonien, den Westsektor des von den UNO-Blauhelmen kontrollierten Gebietes in Kroatien. Im August nahm sie schließlich den größten Teil der Serbenrepublik Krajina mit der Hauptstadt Knin ein, mehr als 170.000 Serben flohen oder wurden aus ihren angestammten Siedlungsgebieten vertrieben. Der Kollaps der kroatischen Serbenrepublik verschlechterte die strategische Lage der bosnischen Serben erheblich: Sie verloren den zwischen den bosnischen Serben und Kroatien gelegenen serbischen Pufferstaat. 23 Gleichzeitig waren sie gezwungen ihre Verteidigungslinien zu verlängern. Nicht zuletzt zerbrach mit der Krajina auch der Mythos der Serben, unbesiegbar zu sein.
22 Vgl. Vgl. Rüb (1998), S 63.
23 Vgl. Calic (1996), S. 143.
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III. Der Bosnienkrieg - Ein kurzer Überblick
Der Fall der Krajina ermöglichte der kroatischen Armee zusätzliche Operationen in Bosnien-Herzegowina. Am 22./23. Juli 1995 schlossen die Präsidenten Kroatiens und Bosnien-Herzegowinas in Split ein Beistandsabkommen, das eine engere Militärkooperation begründete.
Abb. 1: Die Region um Bihaü im Ersten Kriegsjahr 1992.
Quelle: www.artofwar.ru/.../yyug060/5korpus.jpg (Stand: 22. Oktober 2006).
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III. Der Bosnienkrieg - Ein kurzer Überblick
Mit tatkräftiger Unterstützung der kroatischen Streitkräfte gelang es dem 5. Korpus der bosnischen Regierungsarmee innerhalb weniger Wochen, aus der von serbischen Truppen belagerten westbosnischen Moslemenklave Bihaü auszubrechen.
Danach gelang es der kroatischen und der bosnischen Regierungsarmee, bedeutende territoriale Gewinne in Westbosnien zu erzielen. Damit wurde die von der internationalen Kontaktgruppe vorgeschlagene Zweiteilung Bosniens immer wahrscheinlicher, denn nun kontrollierten bosnische und kroatische Truppen beinahe die Hälfte des bosnischen Staatsgebietes. Am 30. August 1995 griffen mehr als 60 NATO-Kampfflugzeuge bei Sarajevo serbische Stellungen an. Es war der bisher größte Kampfeinsatz der NATO. Die schnelle Eingreiftruppe der NATO auf dem Berg Igman feuerte 700 Granaten auf serbische Stellungen ab. 24 Nachdem die bosnischen Serben ihre brikäre Lage einsahen, gaben sie sich einverstanden, unter der Führung des jugoslawischen Präsidenten Miloseviü an Friedensverhandlungen teilzunehmen. Am 21. November 1995 wurde nach zähen Verhandlungen die Unterzeichnung eines Friedensabkommens in Dayton beschlossen. Alija Izetbegoviü, Franjo Tuÿjman und Slobodan Miloševiü paraphierten den Friedensvertrag und am 14. Dezember 1995 wird das Abkommen von Dayton in Paris unterzeichnet. 25 Es wurde die Teilung Bosnien-Herzegowinas beschlossen, die bosnisch-kroatische Föderation bekam 52% des Territoriums und die Republika Srpska 48%.
24 Vgl. Krech (1997), S. 145.
25 Vgl. ebenda (1997), S. 150.
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IV. Die Region um Bihaü Æ „Bihaüki okrug“ die bosnische „Krajina“
IV. Die Region um Bihaü Æ Æ „Bihaüki okrug“ die bosnische „Krajina“ Æ Æ
Die Region um Bihaü wird größtenteils von bosnischen Moslems bewohnt und hat etwas mehr als 350.000 Einwohner. Ihre Geschichte ist eng verbunden mit der Geschichte des Balkan und ganz Europas. Im Jahre 1260 wurde Bihaü zur Stadt erhoben. 26
Abb. 2: Zeitgenössische Zeichnung der Festung Bihaü um 1590
4XHOOHZZZ]HPOMDERVQDFRP6WDQG
26 Vgl. Juriü (2006), S. 6.
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IV. Die Region um Bihaü Æ „Bihaüki okrug“ die bosnische „Krajina“
Mitte des 15. Jahrhunderts wurde das mittelalterliche Bosnien von osmanischen Heeren besetzt. Die Region um Bihaü gehörte damals noch nicht zu Bosnien, sondern zum kroatischen Königreich, welches in einer Personalunion mit dem ungarischen Königreich verbunden war. 27 Die Grenzfestung von Bihaü wurde für die Verteidigung der kroatischen Gebiete, vor den herannahenden Osmanen, immer wichtiger. Denn sie diente den kroatisch-ungarischen Adeligen als Schutzwall gegen die türkischen Raubzüge in das Innere des Landes. Die Grenzfestung Bihaü und die umliegenden Ortschaften hatten eine Einwohnerzahl von 5.000 und waren abhängig von Lebensmittellieferungen aus dem Norden. 28 Zu Beginn des 16. Jahrhunderts versuchten die Türken die Region um Bihaü nicht zu erobern, sondern sich Wege für den Rückzug nach ihren Beutezügen in den Norden zu sichern. Diese Wege führten alle durch die Region um Bihaü bzw. wurden von der Grenzfestung Bihaü bewacht und kontrolliert. In den Jahren 1576 und 1577 wurden die in der Nähe von Bihaü gelegenen Grenzfestungen Izaüiü, Ostrožac und Ripaþ von den Türken überrannt. Unter der Wahlbedingung Ferdinands von Habsburg zum neuen ungarischen König haben die kroatischen Stände es durchsetzen können, dass Bihaü und weitere Burgen ausgebaut werden sollten. Bereits durch die verstärkten Türkeneinfälle ab November 1528, wurde Bihaü für die christliche Verteidigung immer wichtiger. 29
Im Laufe der nächsten Jahre wurden Bihaü und die umliegenden Festungen erneuert, besser befestigt, mit neuen Garnisonen ausgestattet und mit Hilfstruppen aus anderen Regionen, die im Norden lagen, verstärkt, um den türkisch-osmanischen Attacken Stand zu halten. 30 Am 10. Juni 1592 erfolgte ein groß angelegter Angriff der Türken auf Bihaü. Nach der Abwehr des Hauptangriffs auf Bihaü und nach dem Druck der Zivilbevölkerung und eines Teils der Besatzung wurde die Stadt Bihaü am 19. Juni 1592, unter freiem Abzug und Garantierung der bürgerlichen Behandlung der Zivilbevölkerung, an die Türken übergeben. Die Eroberung der Stadt wurde sogar in Rom wahrgenommen und man begann bereits mit der Planung für die Zurückeroberung dieser Stadt und seiner Region. 31 Nun begann eine fast dreihundertjährige Herrschaft der Osmanen in der Region um Bihaü. Mit der Eroberung der Region um Bihaü um das Jahr 1592 und der Feststellung der Grenzen im Friedensvertrag
27 Roth (1969), S.99.
28 Vgl. Juriü (2006), S.44.
29 Vgl. Roth (1969), S. 215.
30 Vgl. ebenda (1969), S. 244.
31 Vgl. ebenda (1969), S. 240.
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IV. Die Region um Bihaü Æ „Bihaüki okrug“ die bosnische „Krajina“ von Karlstadt (Karlovac) im Jahre 1699 wurde die heutige nördliche Grenze von Bosnien-Herzegowina gezogen. 32
Die neuen Herrscher fügten neue Verwaltungsstrukturen ein und der alte kroatisch-ungarische Adel floh oder nahm die Religion ihrer neuen Herren an den Islam. Wenn die Konversion die Voraussetzung für eine Karriere in der Regierung war, so war doch Islamisierung als Massenphänomen nur in wenigen Regionen des Balkans zu beobachten. Der größte Teil der Bevölkerung im osmanischen Europa blieb christlich. Nur in Bosnien, Teilen von Bulgarien und später in Zypern, Albanien und Kreta konvertierten christliche Bauern in großer Zahl zum Islam. 33 Aber selbst da, wo der Islam in ländliche Regionen vordrang, brachte er selten die türkische Sprache mit sich: Bosnische Moslems sprachen immer noch ihre Muttersprache Slawisch. 34
Die osmanischen Herrscher bauten umfangreiche Verteidigungsanlagen und Grenzfestungen entlang der neuen Grenze zu den habsburgischen Ländern. Ein großer Teil der Beamtenschaft wurde in der Territorialverwaltung eingesetzt. Der größte Teil der Moslems in der bosnischen Krajina waren einheimische Konvertiten oder Siedler aus dem heutigen Zentralbosnien. 35 Das Grenzgebiet profitierte weiters durch den Handel mit den habsburgischen und venezianischen Nachbarn. In Bihaü wurde eine große Karavanserei (eine Handelsstation) eingerichtet. 35 Diese Region wurde durch die Kriege mit den Habsburgern auch stark in Mitleidenschaft gezogen.
Mit dem langsamen Niedergang des Osmanischen Reiches zu Beginn des 19. Jahrhunderts begann auch der Niedergang der Region Bihaü als Markt-, bzw. Wirtschaftszentrum. 36 Politisch gärte es damals bereits im Osmanischen Reich. In vielen Teilen des Reiches brachen Aufstände aus, der Nationalismus aus Europa erreichte nun auch die Völker auf dem Balkan. Im Jahr 1875 brach in der Provinz Herzegowina ein Aufstand aus, zudem brach ein Jahr später ein weiterer Aufstand in der osmanischen Provinz Bulgarien aus. Als noch im gleichen Jahr Serbien und Montenegro den Krieg gegen die Osmanen eröffneten, weitete sich dieser Konflikt zu einer allgemeinen Balkankrise aus. Zwar erlitten die serbischen Truppen durch die osmanischen Streitkräfte eine vernichtende Niederlage, für die Osmanen war nun aber zu befürchten, dass
32 Vgl. Ibrahimagiü (1998), S. 15.
33 Vgl. Mazower (2003), S. 104.
34 Vgl. Juriü (2006), S. 39,.
35 Vgl. Mahmutoviü (2001), S. 144.
36 Vgl. Juriü (2006), S. 24.
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IV. Die Region um Bihaü Æ „Bihaüki okrug“ die bosnische „Krajina“
die europäischen Mächte zugunsten ihrer christlichen Glaubensgenossen intervenieren würden. 37 Auf dem Berliner Kongress 1878, versuchte man eine territoriale Neugliederung des Balkans durchzuführen. Am Ende wurde Bosnien-Herzegowina und damit auch die Region um Bihaü unter die Verwaltung der österreichisch-ungarischen Monarchie gestellt. Für Bosnien-Herzegowina und Bihaü begann damit eine neue Zeit. Nach fast 300-jähriger osmanischislamischer Herrschaft übernahmen nun die katholischen Habsburger die Herrschaft in Bosnien-Herzegowina.
Abb. 3: Photographie von Bihaü aus dem Jahr 1892. Quelle: Juriü (2006), S. 48.
Die k. u. k. Truppen nahmen Bihaü am 19. September 1878 ein. Die Verwaltung wurde in Kreise eingeteilt und so entstand der Kreis Bihaü (Bihaüki okrug).
Die neue Verwaltung lies öffentliche Anlagen und Gebäude, wie die erste öffentliche Schule (1881) und eine dreijährige Handels- und Landwirtschaftsschule (1885), errichten. Im Jahr 1888 wurde die alte Festungsmauer gesprengt, neue Straßen und Kanäle angelegt.
37 Vgl. Matuz (1985), S. 245.
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IV. Die Region um Bihaü Æ „Bihaüki okrug“ die bosnische „Krajina“
In Bihaü wurde eine gut ausgebaute Infrastruktur angelegt und bis 1911 wurden weitere Anlagen eingerichtet. Eine Post- und Telegraphenstelle wurde bereits 1867 eingerichtet. Bihaü bzw. Bosnien-Herzegowina blieb bis 1918, bis zum Zerfall der Habsburgermonarchie, ein Teil dieser Konstruktion und wurde danach Teil des neuentstandenen Königreiches der Serben, Kroaten und Slowenen. 38
Bihaü wurde einer neuen territorialen Verwaltungsgliederung unterzogen. Ab 1929 unterstand es dem Vrbas-Banat, welches einen großen Teil des nördlichen Bosnien umfasste. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde Bihaü ein Teil des unabhängigen Staates Kroatien. Am 26. und 27. November 1942 wurde in der von Titopartisanen eingenommenen Stadt Bihaü der so genannte Antifaschistische Rat zur Volksbefreiung Jugoslawiens (AVNOJ) einberufen. Bihaü wurde von der deutschen Wehrmacht jedoch am 29. Januar 1943 zum zweiten Male zurückerobert und erst am 28. März 1945 von Partisanenverbänden wieder befreit. 39 Als eine Besonderheit dieser Region gilt die Formierung einer Moslemmiliz unter Huska Miljkoviü. Miljkoviü standen etwa 4.000 moslemische Kämpfer zur Verfügung, die sich nominell dem kroatisch-faschistischen Oberkommando in Zagreb unterstellten. Ende 1943 wechselte Huska Miljkoviü mit seinen 4.000 Kämpfern die Seiten und unterstützte die Partisanen, was wiederum zu Desertationen aus der Armee des faschistischen Kroatien führte. 40 Obwohl diese projugoslawische Orientierung unter den Moslems zunächst keine Mehrheit fand, gab es auch bestimmte Regionen, in denen sie mehrheitsfähig wurde, etwa im westbosnischen Gebiet um Bihaü. Miljkoviü ist als eine Art Warlord zu bezeichnen, welcher öfters die Seiten wechselte um am Ende dann als Sieger hervorzugehen. Aber Miljkoviü wurde aus nicht bekannten Gründen von deutschen Geheimagenten, kurz vor Kriegsende, ermordet. 41
Während des Zweiten Weltkrieges arbeiteten die Moslems dort viel enger mit den Serben im Kampf gegen das faschistische Kroatien zusammen, als es irgendwo anders in Bosnien der Fall war. 42
In der Zeit zwischen 1945 und 1992 waren Bihaü und die umliegende Region im Rahmen der Sozialistischen Republik Bosnien-Herzegowina Teil der Sozialistischen Föderalen Republik Jugoslawien (SFRJ).
38 Vgl. Juriü (2006), S. 47.
39 Vgl. Schieder (1961), S. 99.
40 Vgl. Redžiü (1998), S. 348.
41 Vgl. ebenda (2006), S. 54.
42 Vgl. Glenny (1993), S. 232.
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IV. Die Region um Bihaü Æ „Bihaüki okrug“ die bosnische „Krajina“ Die gesamte Region hatten aber nach dem Zweiten Weltkrieg große Probleme wieder auf die Beine zu kommen. Die Landwirtschaft hatte während des Zweiten Weltkrieges stark gelitten und so kam es in den Jahren 1952/53 zu Hungersnöten in der verarmten Region um Bihaü. Dies führte zu Revolten und Aufständen der ländlichen Bevölkerung worauf die Titoregierung reagieren musste, um keine Ausweitung dieser Revolte zu befürchten. 43 Bei diesem Aufstand beteiligten sich über 500 Bauern aus der Region zwischen Cazin und Slunj. Die Rädelsführer dieses Aufstandes waren frühere Mitstreiter des Huska Miljkoviü. Nur mit einem Großaufgebot an Militär und Polizei gelang es dem jugoslawischen Staat diesen Aufstand niederzuschlagen. 44 In den 50er und 60er Jahren, als umfangreiche Investitionen Seitens des Titostaates getätigt wurden, erlebte Bihaü und die umliegende Region einen wirtschaftlichen Aufschwung. Es wurden die Straßen asphaltiert, neue Schulen, Krankenhäuser gebaut und 1972 wurde die Universität Bihaü mit einer technischen und wirtschaftlichen Fakultät eingerichtet. Die Infrastruktur wurde erneuert und auch neue Eisenbahnverbindungen wurden errichtet. Bihaü verfügte ab 1956 über eine Eisenbahnverbindung mit Knin und Banja Luka und ab 1967/68 wurde mit dem Bau des Luftwaffenstützpunkts Željava, welcher der drittgrößte Militärflughafen Europas werden sollte, begonnen. Die Bevölkerung der Gemeinde Bihaü wuchs von 1951 mit 23.546 Einwohnern bis 1971 auf über 50.000 Einwohner und 1991 mit ca. 70.000 Einwohnern, erreichte Bihaü einen Höhepunkt welcher seit Ende des Bosnienkrieges nicht mehr erreicht werden konnte. 45
Die wirtschaftliche Depression begann in der Region um Bihaü etwas später als im restlichen Jugoslawien. Während Mitte der 70er Jahre die jugoslawische Wirtschaft sich destabilisierte, erlebte Bihaü zwischen 1974 und 1985/86 einen zweiten wirtschaftlichen Aufschwung, ausgelöst durch den Export von Textilprodukten und den wirtschaftlichen Aufstieg des Agrokomerc-Konzerns unter der Leitung von Fikret Abdiü. 46
Das Ende des realsozialistischen Systems Jugoslawiens wurde aber gerade durch die Aufdeckung des Agrokomerc-Skandals in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre eingeleitet.
43 Vgl. Kamberoviü (2000), S. 15.
44 Vgl. Kržišnik-Bukiü (1991), S. 217.
45 Vgl. Juriü (2006), S. 66.
46 Vgl. ebenda (2006), S. 52.
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IV. Die Region um Bihaü Æ „Bihaüki okrug“ die bosnische „Krajina“ Der von Fikret Abdiü im bosnischen Velika Kladuša aufgebaute Vermarktungskonzern für landwirtschaftliche Produkte habe schon seit einigen Jahren rote Zahlen geschrieben.
Abb. 4: Photographie von Bihaü aus dem Jahr 1964. Quelle: Juriü (2006), S. 59.
Gedeckt von bosnischen Parteifunktionären und dem jugoslawischen Ministerpräsidenten Branko Mikuliü, der aus Bosnien stammte, konnte Abdiü die Verluste mit Hilfe ungedeckter Wechsel jahrelang vertuschen. Hamdija Požderac, der eigentlich 1988 den Posten des Staatspräsidenten bekommen sollte, musste auf dieses Amt verzichten. Die Folge des Agrokomerc-Skandals war ein Aufschwung des serbischen und des moslemischen Nationalismus. Für die bosnischen Moslems war Abdiü jedoch ein Volksheld. Unterdessen erreichte die nationalistische Polarisierung in Bosnien im Jahre 1990 ihren ersten Höhepunkt. Die Ökonomie stand zu dieser Zeit bereits vor dem Zusammenbruch. Die Arbeitslosigkeit war bereits 1987 auf über 22 % geklettert, die Inflation lag um 50% über dem ohnehin hohen nationalen Durchschnitt. Es gab keine Auslandskredite mehr und Jugoslawien war beim IWF hoch verschuldet. 47
Dies leitete auch in der Region um Bihaü den Nationalitätenkonflikt ein. Der Krieg in dieser Region stand nun kurz bevor.
47 Vgl. Willemsen (1995), S. 4.
27
1. Die Akteure
1. Die Akteure
1.1 Die einzelnen Akteure im Überblick
In diesem Kapitel werden die einzelnen Akteure kurz vorgestellt. Da mein Zugang zu Quellen und Informationen größtenteils nur auf die moslemisch-bosnische Seite bzw. auf die Seite von Fikret Abdiü beschränkt ist, werden diese beiden Seiten etwas genauer beschrieben. Folglich sollen aus Quellenmangel im nächsten Unterkapitel die UNPROFOR, die Armee der Republika Srpska (VRS), Armee der Republika Srpska Krajina (VRSK), der kroatische Verteidigungsrat (HVO) und die paramilitärischen Verbände kurz beschrieben werden. Die Entstehung des bosnisch-moslemischen Heeres, den strukturellen Aufbau und die Kommandostruktur, wie auch die Vorgeschichte zu Fikret Abdiü sowie die Region, in welcher er seine Anhänger um sich scharrte, werden darum umso genauer beschrieben.
Die UNPROFOR
Die Schutztruppe der Vereinten Nationen, auf Englisch: United Nations Protection Fource (UNPROFOR) wurde mit der UN-Resolution 743 vom 21. Februar 1992 ins Leben gerufen. 48 Die UNPROFOR wurde bis Juni 1992 in Kroatien verstärkt eingesetzt. In Bosnien waren mit einigen zivilen und militärischen Beobachtern, keine größeren Kontingente vorhanden. Mit der UN-Resolution 758, vom 08. Juni 1992 wurden Mandat und das Einsatzgebiet der UNPROFOR auch auf ganz Bosnien-Herzegowina ausgeweitet. 49
Anfangs sollte eine Zentrale in Sarajevo eingerichtete werden sowie die Sicherheit und Kontrolle über den internationalen Flughafen der Stadt erlangt werden. In weiteren UN-Resolutionen wurden die wichtigsten Aufträge des UNPROFORS definiert:
• UN-Resolution 770 vom 13. August 1992: Schutz der UN-Hilfskonvois sowie Verteilung der Hilfsgüter an die Zivilbevölkerung.
• UN-Resolution 781 vom 09. Oktober 1992: Überwachung der Flugplätze und des Luftraumes über Bosnien-Herzegowina.
• UN-Resolution 787 vom 16. November 1992: Überwachung der Grenzen und des Abzugs der Jugoslawischen Volksarmee.
48 Vgl. United Nations Protection Force - Profile (2007). http://www.nato.int/ifor/un/un-resol.htm (26.11.2007)
49 Vgl. Security Council Resolutions (2008). http://www.nato.int/ifor/un/un-resol.htm (13.01.2008)
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1. Die Akteure
• UN-Resolution 824 vom 06. Mai 1993: Einrichtung von UN-Schutzzonen für die Zivilbevölkerung in den Städten Bihaü, Sarajevo, Tuzla, Srebrenica, Žepa und Goražde. 50
Die UNPROFOR-Soldaten waren zahlenmäßig unterlegen und konnten die ihnen gestellten Aufgaben nicht effektiv erfüllen. Zu Beginn ihres Mandats in Bosnien-Herzegowina waren es an die 7.400 Mann bis zum Ende des Krieges im Winter 1995 wuchs ihre Zahl auf 38.599 Mann an.
51 In Bihaü wurde eine UNPROFOR-Einheit aus Bangladesch stationiert und sollte den Schutz der von der UN zur Schutzzone ernannten Stadt Bihaü gewährleisten.
Die eingesetzten Einheiten waren viel zu schlecht ausgerüstet um etwaige Verletzungen der UN-Resolutionen zu ahnden und deswegen wie auch unter anderem durch die Katastrophe von Srebrenica und Žepa, war der Ruf der UNPROFOR nicht besonders gut. Nach Annahme des Dayton-Friedensabkommens durch alle Konfliktparteien erteilte der Sicherheitsrat am 15. Dezember 1995 einstimmig der NATO die Ermächtigung, mit dem Einsatz der IFOR (Implementation Force) die Umsetzung der Vereinbarungen mit allen erforderlichen Mitteln durchzusetzen. Das Mandat ist vorläufig auf ein Jahr befristet gewesen. Die IFOR sollte nach Abschluss der Stationierung 60.000 Mann aus 34 Staaten (davon 18 nicht zur NATO gehörend) umfassen. 52
Die Armee der Republika Srpska (VRS)
Die offizielle Formierung der Armee der Republika Srpska fand am 12. Mai 1992 statt. 53 Diese Armee sollte die Verteidigung der serbischen Siedlungen und somit des serbischen Volkes garantieren. Als Kommandeur wurde General Ratko Mladiü eingesetzt.
Später sollte dieser als Kriegsverbrecher vom Kriegsverbrechertribunal im niederländischen Den Haag angeklagt werden und seitdem ist er auf der Flucht vor der internationalen Justiz. Die Armee der Republika Srpska hatte eine Mannschaftsstärke von ca. 100.000 Mann und wurde von der abrückenden jugoslawischen Volksarmee mit schweren Waffen versorgt. 54 Am 12. August 1992 wurde das ehemalige Hauptquartier (HQ) des JVA Banja Luka Korpus in das HQ der VRS umbenannt. Kurz darauf aber in das Generalhauptquartier (GHQ) umbenannt und in das 20km östlich von Sarajevo gelegene Pale verlegt. 55
50 Vgl. Security Council Resolutions (2008). http://www.nato.int/ifor/un/un-resol.htm (13.01.2008)
51 Vgl. United Nations Protection Force - Profile (2007). http://www.nato.int/ifor/un/un-resol.htm (26.11.2007)
52 Vgl. Ebenda (2007). http://www.nato.int/ifor/un/un-resol.htm (26.11.2007)
53 Vgl. Army of Republic of Srpska (2008). http://www.vojska.net/eng/armed-forces/bosnia-and-herzegovina/vrs/organization/1993/ (28.01.2008)
54 Vgl. Ebenda (2008). http://www.vojska.net/eng/armed-forces/bosnia-and-herzegovina/vrs/organization/1993/ (28.01.2008)
55 Vgl. Thomas / Mikulan (2006). S.17.
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Adnan Alijagic, 2007, Der Kampf um Bihac, München, GRIN Verlag GmbH
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