Inhaltsverzeichnis I
Inhaltsverzeichnis
I. ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS III
II. ABBILDUNGSVERZEICHNIS IV
III. TABELLENVERZEICHNIS V
1. EINLEITUNG 1
1.1 Thematik der Arbeit. 1
1.2 Stand der Forschung 3
1.3 Wissenschaftliches Erkenntnisinteresse 7
1.4 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit 8
2. VISUELLE KOMMUNIKATION 10
2.1 Das Bild in der Kommunikationswissenschaft. 13
2.2 Eigenschaften der Bildkommunikation 15
2.2.1 Vor- und Nachteile bildlicher Kommunikation 16
2.2.2 Bildfunktionen in den Medien 18
2.2.3 Text und Bild 19
2.3 Visuelle Kommunikation in Tageszeitungen 21
2.4 Entwicklung der Sportfotografie 22
2.5 Zusammenfassung 24
3. DIE GESCHLECHTERDARSTELLUNG IN DEN MEDIEN 26
3.1 Zweigeschlechtlichkeit als soziales Konstrukt 26
3.2 Soziale Konstruktion von Geschlecht im Sport. 28
3.3 Massenmedien und Geschlecht 31
3.4 Die Präsentation der Geschlechter in den Medien. 34
3.5 Zusammenfassung 37
4. DER (TAGES-) ZEITUNGSMARKT IN DEUTSCHLAND. 40
4.1 Geschichtliche Entwicklung 40
4.1.1 Merkmale von Zeitungen. 42
4.1.2 Sportberichterstattung in Tageszeitungen. 44
4.2 Die Tageszeitung Die Welt 46
4.2.1 Entwicklungsgeschichte der Welt. 47
4.2.2 Struktur und Auflagenzahlen der Welt 49
4.2.3 Der Sportteil der Welt. 51
4.3 Zusammenfassung 51
5. HYPOTHESEN 53
5.1 Gruppe A: Formale Merkmale 53
5.2 Gruppe B: Quantitative Geschlechterdarstellung 54
5.3 Gruppe C: Emotionen. 55
5.4 Gruppe :D Erotisierung 56
5.5 Gruppe E: Werbung 57
Inhaltsverzeichnis II
6. UNTERSUCHUNGSDESIGN. 58
6.1 Auswahl der Untersuchungsmethode 58
6.1.1 Inhaltsanalyse. 59
6.1.2 Durchführung einer Inhaltsanalyse. 61
6.2 Grundgesamtheit der Einheiten und Untersuchungszeitraum 62
6.3 Methodisches Vorgehen 63
7. ERGEBNISDARSTELLUNG 65
8. HYPOTHESENÜBERPRÜFUNG 70
8.1 Gruppe A: Formale Merkmale 70
8.2 Gruppe B: Quantitative Geschlechterdarstellung 77
8.3 Gruppe C: Emotionen. 82
8.4 Gruppe :D Erotisierung 88
8.5 Gruppe E: Werbung. 91
9. FAZIT UND AUSBLICK 94
10. LITERATURVERZEICHNIS 96
ANHANG
A Kategoriensystem
B Untersuchungsstichprobe
C Hypotheseauswertungen
Abkürzungsverzeichnis III
I. Abkürzungsverzeichnis
Abb. Abbildung bzw. beziehungsweise ca. circa cm² Quadratzentimeter d.h. das heißt ebd. ebenda, wie vorgenannt et al. et alii, und andere Hrsg. Herausgeber Kap. Kapitel Mio. Millionen s. siehe S. Seite Tab. Tabelle u.a. unter anderem usw. und so weiter vgl. vergleiche vs. versus z.B. zum Beispiel
Abbildungsverzeichnis
II. Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Der Bildbegriff
Abb. 2: Fototechnik „Mitziehen“
Abb. 3: Fototechnik „Einfrieren“ I.
Abb. 4: Fototechnik „Einfrieren“ II
Abb. 5: Gesamtzahl der analysierten Bilder.
Abb. 6: Bildverteilung pro Jahr.
Abb. 7: Anzahl der Bilder auf der Titelseite
Abb. 8: Geschlechterverteilung (in Prozent)
Abb. 9: Geschlechterverteilung (in Prozent pro Jahr)
Abb. 10: Anzahl der Bilder (Ressorts Sport und Politik)
Abb. 11: Bildanzahl pro Seite (Ressorts Sport und Politik)
Abb. 12: Bildgröße in cm (Ressorts Sport und Politik)
Abb. 13: Verteilung der Geschlechter im Sportressort (gesamt)
Abb. 14: Verteilung der Geschlechter im Sportressort (nach Jahr)
Abb. 15: Bildanteil von Sportlerinnen
Abb. 16: Anzahl dargestellter Emotionen im Sportressort.
Abb. 17: Anteil dargestellter Emotionen im Sportressort
Abb. 18: Anteil positiver Emotionen (nach Geschlecht)
Abb. 19: Anteil dargestellter sportlicher Aktion (nach Geschlecht)
Abb. 20: Anzahl dargestellter erotischer Merkmale von Sportlerinnen.
Abb. 21: Anteil dargestellter erotischer Merkmale (nach Geschlecht)
Abb 22: Anteil dargestellter Werbebotschaften im Sportressort
Tabellenverzeichnis V
III. Tabellenverzeichnis
Tab. 1: Darstellung der Irrtumswahrscheinlichkeit ......................................... 64 Tab. 2: Spearman-Korrelation im Ressort Sport ............................................. 73 Tab. 3: Spearman-Korrelation im Ressort Politik ........................................... 74 Tab. 4: Chi-Quadrat-Test zur Darstellung erotischer Merkmale .................... 89
1. Einleitung 1
1.1 Thematik der Arbeit
Medien, und im Speziellen Massenmedien, haben in unserer heutigen postindustriellen Gesellschaft einen festen Platz im täglichen Leben und gewinnen stetig an Bedeutung. Jeden Tag werden wir mit Filmen, Zeichnungen, Plakaten, Bildern oder Anzeigen konfrontiert. Wissenschaftler, Künstler oder Journalisten benutzen diese, um gesellschaftliche Zustände und historische Ereignisse in direkter Art und Weise darzustellen (vgl. Wilharm, 1995, S. 19).
War es bis in die späten fünfziger Jahren noch der Hörfunk, der die Medienlandschaft in Deutschland in hohem Maße prägte, so sind es heutzutage vor allem die visuellen Medien, denen eine hohe Relevanz bei der Information und (Meinungs-)Bildung der Gesellschaft zukommt und deren Anteil beständig anwächst. Neben dem Fernsehen als Leitmedium der Massenmedien sind auch die Bilder in Zeitungen und Zeitschriften von großer Bedeutung. Es herrscht in der heutigen Zeit eine wahre Bilderflut, die auf die Rezipienten einströmt. In Fernsehen, Zeitung und Internet können wir uns Fotos und Bildern nicht entziehen. Dem im Laufe der vergangenen Jahrzehnte gestiegenen Medieninteresse und Informationsbedürfnis auf Empfängerseite steht zweifelsohne ein deutlich größeres Angebot auf Kommunikatorseite entgegen. In diesem Zusammenhang weist Schierl darauf hin, dass Rezipienten lediglich einen kleinen Teil dieser zur Verfügung gestellten Informationen aufnehmen können: „Brünne et al. berechneten schon Mitte der achtziger Jahre aus der Differenz zwischen dem medialen Informationsangebot [...] und der Menge, die ein Konsument tatsächlich auswählt und beachtet, eine gesamtgesellschaftliche Informationsüberlastung von über 98%“ (Brünne, Esch & Ruge, 1987, zitiert nach Schierl, 2001, S. 85).
Obwohl dieser sogenannte „information overload“ maßgeblich durch visuelle Kommunikation gefördert wird, kann ein Informationsangebot durch Bilder besser dargestellt und sichtbar gemacht werden (vgl. Kroeber-Riel, 1996, S. 7). So kommt dem Bild durch sein hohes Aktivierungspotenzial und seine hohe
1. Einleitung 2
Kommunikationsgeschwindigkeit eine Rolle als „Eyecatcher“ und „Lead in“ zu, indem es die Aufmerksamkeit des Rezipienten zielgerichteter und direkter lenken kann, als beispielsweise Text (vgl. Schierl & Ludwig, 2007, S. 95). Dementsprechend ist die visuelle Kommunikation, aufgrund ihrer beschriebenen Eigenheiten, dazu prädestiniert, die notwendige
Aufmerksamkeitsschwelle des Rezipienten zu überschreiten und somit sein Interesse zu wecken.
Dies trifft vor allem auf die Bildkommunikation in Tageszeitungen zu, mit der sich die vorliegende Arbeit beschäftigt. In den letzten Jahren hat auch in diesem Bereich des Journalismus eine Veränderung hin zur vermehrten Verwendung von Bildern stattgefunden, um die Aufmerksamkeit der Rezipienten auf einen bestimmten Ausschnitt zu lenken. Die Tageszeitungen müssen sich im Wettbewerb mit der inter- und intramediären Konkurrenz behaupten. Diese Arbeit zeigt auf, dass die Bildkommunikation ein probates Mittel dazu darstellt.
Aufgrund der oben angesprochenen hohen Relevanz der Medien hinsichtlich der Meinungsbildung, kommt den Medienmachern eine Mitverantwortlichkeit für die Darstellung gesellschaftlicher Entwicklungen zu. Ein Hauptaugenmerk der folgenden Untersuchungen liegt auf einem Teilbereich dieser Gestaltung von sozialen Werten: der Herstellung von Geschlechterdifferenzen durch eine spezifische Darstellung von Frauen- und Männersport. Oft wird der dem Sportjournalismus nachgesagt, sich durch eine monotone, auf Athleten fokussierte Berichterstattung an der Erhaltung traditioneller
Geschlechterstereotype zu beteiligen und Athletinnen als eine Randerscheinung darzustellen.
Durch vielfältige Gründe, wie etwa bessere Produktionsbedingungen, technischer Fortschritt, ökonomische Zwänge oder gesellschaftliche Rahmenbedingungen, lässt sich vermuten, dass sich die
Sportbildberichterstattung der Welt im Untersuchungszeitraum von 1955 bis 2005 nachhaltig verändert hat. Inwiefern sich Veränderungen in formaler und inhaltlicher Hinsicht herausgestellt haben, untersucht die vorliegende Arbeit
1. Einleitung 3
unter besonderer Berücksichtigung der Geschlechterdarstellung in der Sportbildberichterstattung der Welt.
1.2 Stand der Forschung
Bei der Entstehung und Entwicklung von Stereotypen sowie gesellschaftlich relevanten Themen durch Bilder in der Tageszeitung - gerade im Bereich der Darstellung von Geschlecht - kann den Medien eine enorme Verantwortung zugeschrieben werden. Daher muss sich die Forschung auch verstärkt mit dem Bereich der visuellen Kommunikation auseinandersetzen. Die
wissenschaftliche Arbeit in diesem „sich dynamisch entwickelnden Forschungsfeld“ (Knieper & Müller, 2001, S. 8) gestaltet sich sehr differenziert und lässt sich aus verschiedenen Perspektiven erkunden. So sind etwa Betrachtungsweisen aus natur-, sozial- oder geisteswissenschaftlicher Sicht denkbar, die den interdisziplinären Charakter des noch jungen Forschungsgebietes verdeutlichen (vgl. Müller, 2003, S. 9). Obwohl sich das Interesse an Medienbotschaften auf Rezipientenseite und das Angebot auf Kommunikatorseite stetig auszuweiten scheinen, wurde der
Bildkommunikation in der empirischen Sozial- und Kommunikationsforschung bisher eine eher untergeordnete Rolle beigemessen, was die erst im Jahr 2000 gegründete Fachgruppe Visuelle Kommunikation innerhalb der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft (DGPuK) zeigt (Schierl & Ludwig, 2007, S. 94). Das Anliegen der Fachgruppe ist es, die kommunikationswissenschaftlichen Methoden und Forschungsperspektiven für das Visuelle und dessen kommunikative Besonderheiten zu öffnen (vgl. Knieper & Müller, 2001, S. 7).
Müller (Grundlagen der visuellen Kommunikation, 2003), Knieper und Müller (Kommunikation visuell. Das Bild als Forschungsgegenstand. Grundlagen und Perspektiven, 2001), Sachs-Hombach (Bildwissenschaft zwischen Reflexion und Anwendung, 2005), Kroeber-Riel (Bildkommunikation, 1996) und Doelker (Ein Bild ist mehr als ein Bild, 2002) liefern mit ihren Werken die Basis für eine genaue Eingrenzung des Bildbegriffes und vermitteln die
1. Einleitung 4
Grundlagen des Forschungsbereiches der visuellen Kommunikation. Mit Hilfe dieser allgemeinen Gesichtspunkte lässt sich eine einheitliche Betrachtungsweise definieren, so dass sichergestellt werden kann, dass Autor und Leser die Ausführungen und Ergebnisse aus einer identischen Perspektive betrachten.
Als erste und heute immer noch von vielen Autoren zitierte Studie zur Sportberichterstattung in Tageszeitungen ist die Inhaltsanalyse von Binnewies (1975) zu nennen, der neun Tageszeitungen über einen Zeitraum von drei Monaten in seine Untersuchungen einbezog. In seiner Veröffentlichung „Sport und Sportberichterstattung“ resümierte Binnewies, dass die Berichterstattung die Sportrealität nicht adäquat abbilde. Allerdings beschäftigt sich die Studie mit den textlichen Merkmalen der Sportberichterstattung, während Bilder nicht im Vordergrund der Untersuchung stehen. Diese Lücke schließt die vorliegende Arbeit.
Schierl (2001) beleuchtet in seiner Arbeit „Text und Bild in der Werbung“ die beiden grundlegenden Gestaltungsmittel massenmedialer Kommunikation. Einen zentralen Punkt stellt die Darstellung der Funktionen von Text und Bild dar. Vor allem das Wissen um Eigenschaften und Einfluss des Bildes ist für die Untersuchung von großer Relevanz. Zur visuellen Kommunikation im Bereich Sport stellt der von Schierl (2004) herausgegebene Sammelband „Die Visualisierung des Sports in den Medien“ ein Grundlagenwerk dar. In Kapitel 9 geht Scherer mit seinem Beitrag „Die Darstellung von Emotionen in der Sportberichterstattung“ auf den Umgang mit emotionalen Aspekten im Medium Fernsehen, aber auch im Print ein. Die Auswahl von emotionsgeladenen Bildern - vor allem in Bezug auf die Geschlechterdarstellung - ist auch Gegenstand der folgenden Untersuchungen innerhalb dieser Arbeit.
Vor diesem Hintergrund haben ebenso die Beiträge von Zurstiege und Hartmann-Tews und Rulofs in Kapitel 4 bzw. 5, die sich mit der Konstruktion von Geschlecht im Rahmen der visuellen Sportkommunikation beschäftigen, eine große Bedeutung für die Analyse. So soll beispielsweise überprüft werden,
1. Einleitung 5
ob die dargestellten Zustände der Unterrepräsentation der Frauen in der Sportberichterstattung in gleichem Maße auf den zu untersuchenden Zeitraum in der Tageszeitung Die Welt zutreffen. Hinsichtlich dieser Problematik ist auch die Arbeit „Wir und die anderen...“ von Jens Wernecken zu nennen, die herausstellt, dass „das Bild des Sports in der Tageszeitung [...] ein vorwiegend männliches“ ist (2000, S. 309). 1 Diese und andere traditionelle Stereotype, die in verschiedenen Gesellschaftsbereichen und gleichermaßen in der Sportberichterstattung vorzufinden sind, sollen ebenfalls Teil der folgenden Untersuchungen sein.
Die traditionelle Geschlechterordnung im Sport selbst sowie in der Sportberichterstattung wurde erst Anfang der 80er Jahre systematisch in Frage gestellt, wobei hier der Forschungsstand in der deutschsprachigen Literatur zu Grunde gelegt wird. Allgemeine und einführende Beiträge in das Themengebiet stellen das „Handbuch Sport und Geschlecht“ von Hartmann-Tews und Rulofs (2006) sowie „Soziale Konstruktion von Geschlecht im Sport“ von Hartmann-Tews, Gieß-Stüber, Klein, Kleindienst-Cachay und Petry (2003) dar. Beide Werke liefern grundlegende Einsichten zur Geschlechterordnung im Sport aus verschiedenen Forschungsrichtungen und geben einen Überblick über die relevanten Forschungsthemen.
Die erste umfangreiche deutsche Untersuchung zur Darstellung von Sportlerinnen in den Medien war die Studie von Klein (1986). Sie analysierte die Sportteile von vier deutschen Tageszeitungen (Frankfurter Rundschau, Westdeutsche Allgemeine, Bild, Die Welt) des Jahrgangs 1979 und entwickelte als erste eine Codiermöglichkeit für Zeitungsartikel anhand eines Kategoriensystems. Die wesentlichste Erkenntnis von Klein in Bezug auf die vorliegende Arbeit war das extreme Missverhältnis zwischen den Flächenanteilen in der Sportberichterstattung des Frauensport und des Männersports. Durchschnittlich sechs Prozent der Fläche wurden mit Berichten über Sportlerinnen besetzt, wobei Die Welt mit 6,7 Prozent noch den höchsten Frauensportanteil der vier untersuchten Tageszeitungen verzeichnet (vgl. Klein, 1986, S. 113). Da sich seit der Untersuchung Kleins erhebliche
1 Wernecken untersuchte die Sportberichterstattung von 18 Titeln der Tagespresse mit je 53 bzw. 54 Ausgaben. Gegenstand waren sowohl Texte als auch Bilder.
1. Einleitung 6
Veränderungen im Sport und seiner Berichterstattung beobachten lassen, können diese Befunde nicht mehr als aktuell bezeichnet werden. Außerdem bezog sich die Studie von Klein sowohl auf die sprachliche als auch auf die bildliche Präsentation von Frauen in der Sportberichterstattung, was beim folgenden Vergleich zwischen den Befunden Kleins und den Ergebnissen der vorliegenden Arbeit zu berücksichtigen ist.
Am Institut für Geschlechterforschung der Deutschen Sporthochschule Köln wurde 1999/2000 durch Hartmann-Tews und Rulofs an die Studie von Klein angeknüpft. Der Untersuchungszeitraum erstreckte sich von Juni 1999 bis Mai 2000 und das von Klein entwickelte Kategoriensystem wurde nur unwesentlich verändert bzw. aktualisiert, so dass die Ergebnisse der Inhaltsanalysen miteinander vergleichbar blieben. Die Befunde von Hartmann-Tews und Rulofs ergaben einen Flächenanteil der Frauenberichterstattung von zwölf Prozent und damit nur sechs Prozent mehr als 20 Jahre zuvor in der Klein-Studie. Fasst man die Ergebnisse dieser beiden Untersuchungen zusammen, kann keinesfalls davon ausgegangen werden, dass die Berichterstattung über Sportlerinnen in Tageszeitungen signifikant gestiegen ist. Ob Frauen in der Sportberichterstattung der Welt ebenfalls unterrepräsentiert sind, bleibt an dieser Stelle noch offen.
Die Geschlechterdarstellung in den Medien wurde nach der Veröffentlichung der Studie Kleins zwar immer wieder im Rahmen der sportwissenschaftlichen Frauenforschung behandelt, jedoch blieben umfassende Untersuchungen, außer der Erhebung von Hartmann-Tews und Rulofs, in Deutschland aus. Untersuchungsgegenstand im Beitrag „Konstruktion von
Geschlechterdifferenzen in der Sportpresse?“ von Rulofs (2003) ist die Berichterstattung zur Leichtathletik WM 1999. Die Autorin erhob u.a. die tägliche Sportberichterstattung von Text und Bild in sechs deutschen Tageszeitungen und analysierte die Daten sowohl aus quantitativer als auch qualitativer Sicht. Gerade die Umsetzung der Berichterstattung soll auch Bestandteil dieser Untersuchungen sein. So stellt Rulofs beispielsweise heraus, dass Sportler in der bildlichen Präsentation häufiger in Aktion, d.h. bei ihrer Sportausübung, gezeigt werden als Sportlerinnen (vgl. ebd., S. 169). Die
1. Einleitung 7
Präsenz von Sportlerinnen und Sportlern in der Werbung untersuchten Bertling und Schaaf (2007) in ihrer Studie „Spitzensportler/innen als Marke“. Auch sie resümieren, dass eine starke Vernachlässigung von Sportlerinnen in der Werbung, im Gegensatz zu ihren Kollegen und zu weiblichen Testimonials aus anderen gesellschaftlichen Teilbereichen, besteht. Diese und weitere Thesen werden im Folgenden im gewählten Untersuchungszeitraum und Printmedium auf ihre Gültigkeit überprüft.
1.3 Wissenschaftliches Erkenntnisinteresse
Der im vorherigen Kapitel aufgezeigte Forschungsstand verdeutlicht, dass verschiedene Untersuchungen und Forschungen zur Sportberichterstattung stattgefunden haben. Vor allem die Studien von Binnewies, Klein, Hartmann-Tews/Rulofs (Klein-Folge-Studie), Rulofs und Wernecken liefern interessante Ergebnisse zur Sportbildberichterstattung, an die sich die folgende Untersuchung anknüpfen lässt. Die in diesen Studien fehlenden eventuellen Veränderungen in einer weiträumigen Zeitspanne sollen durch die vorliegende Arbeit ergänzt werden.
Des Weiteren beschäftigen sich die oben genannten Studien vornehmlich mit textlichen Merkmalen der Sportberichterstattung. Während die
Kommunikationsform Text hinsichtlich ihres Aufbaus, Rezeption und Wirkung bereits tiefgründig untersucht wurde, mangelt es im Forschungsgebiet der visuellen Kommunikation in der Sportberichterstattung in Tageszeitungen an wissenschaftlichen Erkenntnissen, die auf Veränderungen des Mediensports eingehen. Mit dem Projekt „Entwicklung der Sportbildberichterstattung in überregionalen Tageszeitungen“ leistet das Institut für Sportpublizistik der Deutschen Sporthochschule in Köln einen Beitrag zur Reduzierung dieses Mangels.
Erkenntnisziel dieser Arbeit ist es darzulegen, welchen Veränderungen und Entwicklungen die Sportbildberichterstattung in den letzten Jahrzehnten allgemein unterlag und welchen Stellenwert die Kommunikatoren explizit der
1. Einleitung 8
Darstellung von Sportlerinnen und Sportlern beigemessen haben. Anhand einer inhaltsanalytischen Auswertung und der theoretischen Vorarbeit soll ein Status Quo der Sportbildberichterstattung am Beispiel der Tageszeitung Die Welt angefertigt werden.
1.4 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit
Hinsichtlich der in der Einleitung skizzierten Problemstellungen der Informationsüberlastung, der medialen Geschlechterdarstellung im Besonderen in der überregionalen Tageszeitung, beschäftigt sich diese Arbeit mit der Veränderung der Sportbildberichterstattung in der Welt. Aus dem Ziel, eine Längsschnittanalyse der letzten 50 Jahre zu dieser Thematik anzufertigen, leitet sich die forschungsleitende Frage ab:
„Wie hat sich die Sportbildberichterstattung der überregionalen Tageszeitung Die Welt zwischen 1955 und 2005 in Bezug auf formale Aspekte und die Darstellung der Geschlechter verändert?“
Zur Spezifizierung des Forschungsgebietes werden aus der zentralen forschungsleitenden Frage weitere Subfragen abgeleitet:
1. Welche neuen formalen Ausprägungen und Tendenzen sind anhand des Bildmaterials zu erkennen? 2. Welchen Stellenwert weisen die Tageszeitungen dem weiblichen
3. Wie werden Sportlerinnen und Sportler hinsichtlich emotionaler und erotischer Aspekte bildlich dargestellt? 4. Werden traditionelle Stereotype in der Sportberichterstattung bekräftigt oder neutral behandelt?
1. Einleitung 9
Am Beispiel der Welt soll also ergründet werden, in wie weit sich die Bildberichterstattung in überregionalen Tageszeitungen formal sowie inhaltlich verändert hat. Im Vordergrund der Untersuchungen steht die Bildberichterstattung im Ressort Sport, wenngleich auch die Ressorts Politik, Wirtschaft und Kultur Beachtung in der Untersuchung finden, um Vergleiche zu bestimmten Fragestellungen zwischen den einzelnen Ressorts ziehen zu können.
Zu Beginn dieser Arbeit werden die Grundlagen zum Forschungsgebiet der visuellen Kommunikation dargestellt. Auf die Eigenschaften der Bildkommunikation sowie ihre Vor- und Nachteile wird ebenso eingegangen wie auf den aktuellen Stand der visuellen Kommunikation in Tageszeitungen und die Entwicklung der Sportfotografie. Das nachfolgende Kapitel bietet eine Übersicht zur Darstellung der Geschlechter in den Medien. Nach einer Erläuterung der Thematik der Zweigeschlechtlichkeit und der sozialen Konstruktion von Geschlecht im Sport aus Sicht der Geschlechterforschung, liegt der Fokus dieses Kapitels auf der (bildlichen) Präsentation von Athletinnen und Athleten im Sportressort. Im vierten Kapitel wird der Markt der Tageszeitungen in Deutschland mit seiner geschichtlichen Entwicklung beleuchtet. Die Vorstellung der Tageszeitung Die Welt inklusive ihrer Entwicklungsgeschichte und aktuellen Struktur schließt die theoretische Betrachtung dieser Arbeit ab.
Anschließend folgt im fünften Kapitel eine den Fragestellungen entsprechende Aufstellung und Begründung der Hypothesen, bevor im nachfolgenden Kapitel das Untersuchungsdesign beschrieben wird. Darauf folgend werden die Ergebnisse der Analyse präsentiert, die Hypothesen überprüft und die Resultate interpretiert. Ein Fazit mit einem kurzen Ausblick wird die Arbeit abschließen.
2. Visuelle Kommunikation 10
Der Begriff „Kommunikation“ wurde ursprünglich durch die Kommunikationswissenschaft geprägt. Im heutigen inflationären
Sprachgebrauch vermag aber keine allgemein gültige Definition, die verschiedenen Teilbereiche des Begriffs abzudecken. „Kommunikation ist ein sowohl fach- wie auch alltagssprachlich verwendeter Begriff mit zahlreichen Bedeutungsgehalten“ (Pürer, 2003, S. 58). In den deutschen Sprachgebrauch hat „Kommunikation“ in Bezug auf soziale Kommunikation durch den Begriff Massenkommunikation Einzug gefunden.
Merten versucht in seiner 1977 durchgeführten Analyse, die verschiedenen Arten von Kommunikation zu unterscheiden und nimmt eine hierarchische Differenzierung in subanimalische, animalische, Human-und
Massenkommunikation vor (vgl. 1977, S. 94). Einen immer wichtiger werdenden Sektor fügt Pürer dieser Einteilung hinzu, indem er die Systematisierung Mertens um die computervermittelte (Gemeinschafts-) Kommunikation ergänzt (2003, S. 58). Legt man die dargestellte Systematisierung für die untersuchte Sportbildberichterstattung der Welt zugrunde, so fällt diese in den Bereich der (visuellen) Massenkommunikation. Die Massenkommunikation, als grundlegender Forschungsbereich der Kommunikationswissenschaft, befasst sich mit der Informationsübermittlung durch Massenmedien wie etwa Bücher, Zeitungen oder Fernsehen. Innerhalb dieser Medien stellen die Informationsträger „Text“ und „Bild“ eine zentrale Rolle dar (vgl. Knieper, 2005a, S. 56). Für die Kommunikationswissenschaft sind dementsprechend primär massenmedial verbreitete Bilder von Forschungsinteresse. Unter diese fallen auch die in der vorliegenden Arbeit untersuchten Bilder. Durch das Trägermedium Tageszeitung erfüllen sie die Merkmale der medialen Verbreitung, Reproduktion sowie Distribution und können als Medienbilder bezeichnet werden (vgl. Knieper, 2005b, S. 40).
Die visuelle Kommunikation als Teilgebiet der Kommunikationsforschung ist ein noch junger Zweig wissenschaftlicher Forschung, was die erst im Jahr 2000 von der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft
2. Visuelle Kommunikation 11
(DGPuK) gegründete Fachgruppe Visuelle Kommunikation verdeutlicht (vgl. Kapitel 1.2). Durch die enorme Anzahl von täglich auf uns einwirkenden visuellen Eindrücken stellt die visuelle Kommunikation zusätzlich ein hochaktuelles Forschungsgebiet dar, wie Schelske deutlich macht:
Für Publizisten in den Massenmedien ist die Epoche der
Bilder angebrochen. Das Wissen der Weltgesellschaft wird ihrer Meinung nach zukünftig bildhaft vermittelt sowie gespeichert. Sie sowie einige Wissenschaftler stellen den pictural turn über den linguistic turn, indem sie die erlernte Bild- für wichtiger als die Sprachkompetenz des Individuums einschätzen. (2002, S. 39)
Die Aktualität des Forschungsgebietes unterstreicht auch Fellmann, fügt jedoch den Grund für die Entstehung dieser Relevanz hinzu: „Unter dem Stichwort iconic oder pictural turn ist in den letzten Jahren das Bild ins Zentrum interdisziplinärer Aufmerksamkeit gerückt [...]. Ursache dafür ist die Bilderflut in den Massenmedien, insbesondere natürlich das Fernsehen“ (2005, S. 45). Neben dem visuell geprägten Fernsehen, das heute als Leitmedium gilt, verändert sich die Bildkommunikation in erheblichem Maße durch das Internet. „Bildfunktionen und Bildeinsatz werden derzeit durch die Prozesse der Digitalisierung und Vernetzung einem Wandel unterzogen [...]. Das Internet bietet neue und weitreichendere Möglichkeiten des Bildeinsatzes und der Bildverwendung [...]“ (Meckel, 2001, S. 27-28). Durch den Bedeutungsgewinn der visuellen Informationsvermittlung sowie der engen Verknüpfung von Bildern und Texten kommt dem Internet im Prozess der Visualisierung eine Rolle als Katalysator zu (vgl. ebd.).
Die visuelle Kommunikation als Forschungsfeld befasst sich vornehmlich mit Phänomenen, die nahezu ausschließlich in Form von Bildern materialisiert werden. Der Bildbegriff ist in diesem Zusammenhang bewusst möglichst weit gefasst (vgl. Müller, 2003, S. 13). Neben Druckgrafiken, Tafelbildern oder Fotografien zählen auch die bewegten Bilder aus Film und Fernsehen dazu, die als audiovisuelle Medien kategorisiert werden. Zusammengefasst werden diese Bildarten unter dem Begriff „materielle Bilder“. Zwar gehören auch
2. Visuelle Kommunikation 12
„immaterielle Bilder“ wie etwa Träume, Musik oder sprachliche Metaphern zum Bereich der visuellen Kommunikationswissenschaft. Jedoch ist der Abbildcharakter für den kommunikationswissenschaftlichen Bildbegriff unabdingbar. „Rein immaterielle Bilder, die keine Vergegenständlichung erfahren, sind nicht Teil visueller Kommunikationsforschung“ (ebd., S. 20). Diese Definition impliziert gleichermaßen, dass über die Auswahl als Gegenstand der visuellen Kommunikationsforschung weder ästhetische noch künstlerische Qualität der Bilder entscheidet. Selbst der Entstehung, ob durch Mensch oder Maschine, wird nur eine untergeordnete Rolle zugeteilt. „Relevant ist lediglich, dass sich Bilder in einer materialisierten Form ausdrücken“ (ebd.). Durch die Festlegung auf das Kriterium der Bildlichkeit und dessen Materialisierung ist die visuelle Kommunikationsforschung weiterhin von der nonverbalen Kommunikation abzugrenzen, die auch auditive Elemente respektive nicht als Bild materialisierte visuelle Eindrücke wie z.B. Gesten mit einbezieht (vgl. ebd., S. 14).
Zu Analysezwecken kann die visuelle Kommunikationsforschung in die drei Ebenen Produktionsanalyse, Produktanalyse und Wirkungsanalyse eingeteilt werden (vgl. ebd.). Während die Produktionsanalyse die
Entstehungsbedingungen und Produktionsstrukturen des Bildes untersucht (ist ein einzelner Fotograf oder eine Agentur Produzent? Wie und warum wurde das Bild von der Bildredaktion ausgewählt?), wird das Bild im Rahmen der Produktanalyse als solches begutachtet. Dazu gehört die Bestimmung formaler Kriterien wie etwa Form oder Größe sowie eine detailgenaue Beschreibung des Dargestellten als Motivanalyse. Die Wirkungsanalyse untersucht hingegen die Wahrnehmungen, Wirkungen und Rezeptionsformen von Bildern. Im Mittelpunkt stehen der Adressat und der Rezipient visueller Kommunikation. Es soll der Frage der individuellen Wirkungsweise des Bildes nachgegangen werden (vgl. ebd., S. 17). Idealtypischerweise ist ein Zusammenfügen der genannten drei Analysebereiche notwendig, um schließlich Aussagen über visuelle Kommunikationsinhalte treffen zu können
2. Visuelle Kommunikation 13
Um für den zentralen Begriff des Bildes in der vorliegenden Untersuchung ein einheitliches Verständnis zu schaffen, soll dieser im nachfolgenden Kapitel weiter eingegrenzt werden.
2.1 Das Bild in der Kommunikationswissenschaft
„Wenn zwei Menschen dasselbe Bild betrachten, bedeutet das nicht automatisch, dass sie dasselbe sehen. Ebenso wird eine Person ein Klassenfoto zum Zeitpunkt seiner Entstehung anders beurteilen als im Rückblick Jahrzehnte später“ (Müller, 2003, S. 18). In ihrem Beispiel veranschaulicht Müller die Problematik, den Begriff Bild einheitlich zu definieren. Unser Verständnis von Bildlichkeit und Bildern ist sowohl in zeitlicher als auch in räumlicher Hinsicht relativ, denn es ist „in sozialen und kulturellen Praktiken verankert“ (Mitchell, 1990, S. 18, zitiert nach Müller, 2003, S. 18). Die Bedeutungszuweisung hängt von äußeren Faktoren ab, wie etwa Kulturkreis, Präsentationszusammenhang, Vorwissen oder individueller
Wahrnehmungssituation. Schmalriede zeigt die Bedeutungsvielfalt aus der Sicht des Produzenten auf, denn „Bilder sind perspektivisch und aspekthaft, soll heißen, dass sie immer nur aus einer bestimmten Perspektive oder unter deinem bestimmten Aspekt gemacht werden“ (2004, S. 19).
Allein im deutschen Sprachraum werden solch unterschiedliche Gegenstände wie beispielsweise Kunstwerke oder Piktogramme unter dem Begriff Bild zusammengefasst. Jedoch ist dieser weit reichende Gebrauch des Begriffs „für die visuelle Kommunikationsforschung zu unpräzise und damit ungeeignet“ (Müller, 2003, S.18). Zur Kategorisierung dieser Vielfalt unterscheidet Mitchell (1990, S. 20, zitiert nach Müller, 2003, S. 18) fünf Bildkategorien:
1. graphische Bilder (Gemälde, Zeichnungen, Fotografien)
2. optische Bilder (Spiegelbilder, Projektionen)
3. perzeptuelle Bilder (Sinnesdaten, Erscheinungen)
4. geistige Bilder (Träume, Ideen)
5. sprachliche Bilder (Metaphern, Beschreibungen)
2. Visuelle Kommunikation 14
In der Systematik von Mitchell lassen sich demnach materiell fassbare Bilder von immateriellen, also mentalen Bildern unterscheiden. Einen stärker an der Kommunikationswissenschaft ausgerichteten Standpunkt nimmt dagegen Doelker ein:
Ein Bild ist eine zum Zweck der Betrachtung oder Verständigung hergestellte visuelle Konfiguration. In diese Definition sind die Kriterien der Begrenztheit, der Transferierbarkeit und der Reproduzierbarkeit mit eingeschlossen. Eine optisch anregende Konstellation aus großer Höhe betrachtet ist noch kein Bild; erst die fotografische Aufnahme [...] und die Darbietung vor Betrachtern macht die Konfiguration zum Bild. (2002, S. 187)
Ein Bild muss also produziert respektive materialisiert werden, beispielsweise durch eine Fotografie, und es muss einem Publikum präsentiert werden. Damit bezieht sich seine Definition von Bild auf das Abbild und lässt immaterielle Bilder bzw. Denkbilder außen vor. In der visuellen
Kommunikationswissenschaft sind zwar geistige und materielle Bilder im Bildbegriff untrennbar miteinander verbunden, bei einer wissenschaftlichen Untersuchung kann aber der Schwerpunkt nur auf einen der beiden Bildaspekte gelegt werden (vgl. Kapitel 2). Müller unterteilt den Bildbegriff grundlegend in sogenannte mental images (immaterielle Bilder) und material images (materielle Bilder), die sich wiederum nach der Art ihrer Gestaltung, Produktion und Rezeption wie folgt untergliedern lassen (vgl. Abb. 1).
2. Visuelle Kommunikation 15
In den weiteren Ausführungen der vorliegenden Arbeit wird der Bildbegriff nach Müller verwendet, da die zu untersuchenden Zeitungsfotos der Welt sowohl hergestellt als auch einem Publikum präsentiert wurden. Es handelt sich demnach um materielle Bilder, die in fotografischer Gestalt journalistisch produziert wurden und wissenschaftlich rezipiert werden.
2.2 Eigenschaften der Bildkommunikation
Auf Grundlage des in Kapitel 2.1 zum einheitlichen Verständnis abgegrenzten Bildbegriffs, sollen im Folgenden Eigenschaften der Bildkommunikation herausgearbeitet werden. Vor dem Hintergrund des steigenden Stellenwertes des Bildes innerhalb des Kommunikationsprozesses werden zunächst Vor- und Nachteile der visuellen Kommunikation aufgezeigt. Kapitel 2.2.2 gibt einen Überblick über die Funktionen des Bildes in den Medien, bevor anschließend die besonderen Unterschiede zwischen den beiden Kommunikaten Text und Bild als meistgenutzte Präsentationsarten redaktionellen Inhalts in Tageszeitungen verdeutlicht werden.
2. Visuelle Kommunikation 16
2.2.1 Vor- und Nachteile bildlicher Kommunikation
Mit dem Einsatz von Bildern eröffnet sich dem Kommunikator eine Vielzahl von Kommunikationsmöglichkeiten. Im Gegensatz zur Sprache verfügen Bilder über ein hohes semantisches Potenzial. Mit ihnen können detaillierte Angaben über räumliche oder formale Beziehungen gemacht werden. Die Konstellation von Farben, Formen und Anordnungen im Raum lassen sich mit bildlicher Kommunikation deutlich präziser gestalten als mit der Sprache (vgl. Schierl, 2001, S. 222). Durch technische Entwicklungen können zudem Dinge visualisiert werden, die das menschliche Auge eigentlich nicht hätte sehen können. So beschreibt Schmalriede, dass erst mit Hilfe der Fotografie der Beweis erbracht werden konnte, dass ein Pferd während des Galopps nicht zu jedem Zeitpunkt Bodenkontakt hat (vgl. 2004, S. 13). Mittels Standbildern oder kurzen Belichtungszeiten werden dem Betrachter vorher nicht bekannte Einblicke in Geschehnisse gegeben, etwa in die Verformung des Gesichts eines Boxers beim Auftreffen der gegnerischen Boxhandschuhs (vgl. Schierl, 2004, S. 78). Diese visuellen Eindrücke werden vom menschlichen Sinnesapparat anders verarbeitet und deshalb auch auf andere Art und Weise erinnert als Informationen in Textform 2 . Das Bild verfügt demnach über eine hohe Anschaulichkeit und hinterlässt beim Betrachter „deutlich stärkere Spuren“ als Worte (ebd., S. 79).
Ein weiteres kommunikatives Potenzial des Bildes hinsichtlich der Informationsaufnahme besteht in seiner schnellen
Kommunikationsgeschwindigkeit. Bilder können direkt erfasst und gespeichert werden. Sie sind „schnelle Schüsse ins Gehirn“ (Kroeber-Riel, 1996, S. 53). Innerhalb von einer bis zwei Sekunden kann der Rezipient bereits die wichtigsten Informationen und das Thema des Bildes erfassen. In der gleichen Zeitspanne lassen sich für den Leser eines Textes lediglich fünf bis zehn Wörter aufnehmen und somit einen deutlich geringeren Informationsgehalt herausziehen (vgl. ebd.). Einen Grund für die rasche
Kommunikationsgeschwindigkeit liefert Schierl: „Bildliche Informationen
2 Die Tatsache, dass Bilder besser als Texte erinnert werden können, haben eine ganze Reihe von Studien belegt. Exemplarisch sollen hier die Experimente von Shepard (1967) sowie Standing et al. (1970) genannt werden (vgl. Schierl, 2004, S. 79; Müller, 2003, S. 13).
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werden praktisch automatisch ohne größeren gedankliche Anstrengung aufgenommen. [....] Dies hängt damit zusammen, dass Bilder mehr holistisch, als eine Einheit erlebt und bei der Informationsverarbeitung in deutlich niedrigerem Maße gedanklich analysiert und kontrolliert werden als sprachliche Mitteilung“ (2001, S. 228). Die Kommunikationsgeschwindigkeit ist für Tageszeitungen somit ein wichtiges Argument für den Einsatz von Bildern, denn das Leitmedium Fernsehen hat beim Rezipienten den Wunsch nach „schnellen Bildern“ enorm verstärkt (vgl. Schierl, 2004, S. 76).
In der massenmedialen Kommunikation kommt dem Bild eine weitere besondere Bedeutung hinsichtlich der Aufmerksamkeitslenkung zu 3 , indem es beim Betrachter ein hohes Maß an Aufmerksamkeit produziert. Die erhöhte Aktivierung „kann durch die Form (z.B. Farben und Größe) als auch durch die dargestellten Inhalte (z.B. stark emotionale Darstellungen) des Bildes erfolgen. Bilder aktivieren Wertungen und werden wieder in Beziehungen zu anderen Bildern und Primärerlebnissen gesetzt“ (Schierl, 2004, S. 80). Sie fesseln den Betrachter innerhalb kürzester Zeit und bereiten seine Sinne im Idealfall für eine optimale Rezeption des redaktionellen Inhalts vor, so dass Bilder als „Lead in“ begriffen werden können (vgl. Schierl & Ludwig, 2007, S. 95). Durch die Verbindung mit bereits Erlebtem, eventuellen Vorkenntnissen oder vorhandenen Einstellungen gelingt es Bildern, Emotionen zu transportieren, etablieren oder zu verstärken und die Stimmung des Rezipienten zu beeinflussen.
Allerdings ist ein Bild ohne Kontext zu einer Botschaft offen und vieldeutig. Ein Bildinhalt kann je nach Darstellungszusammenhang auf äußerst unterschiedliche Weise interpretiert werden. Prinzipiell sagt ein Bild also nichts aus, sondern stellt nur etwas dar. Um verständlich und überprüfbar zu werden, müssen Abbildungen in einen definierten Kontext gesetzt werden (vgl. Schierl, 2004, S.77-78). In dieser Offen- und Vieldeutigkeit liegt somit eine
3 Studien von Garcia (1990) zeigen, dass ein Großteil der Leser über das (farbige) Bild den Einstieg in eine Seite findet. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Text gelesen wird, kann zudem über die Präsentation von Fotos erhöht werden. Überschriften inklusive Foto wurden nach der Studie von rund 72 Prozent der Leser wahrgenommen; Überschriften ohne Bild dagegen nur von 54 Prozent der Leser (vgl. Schierl & Ludwig, 2007, S. 95-96).
2. Visuelle Kommunikation 18
Schwäche der visuellen Kommunikation, denn sie kann nur begrenzt „auf eine sichtbare, optische Wirklichkeit referieren“ (Schierl & Ludwig, 2007, S. 95).
Neben diesen Vor- und Nachteilen der bildlichen Kommunikation, die einen von mehreren Gründen für die Veränderung der Bildberichterstattung in den Medien darstellen, soll im folgenden Kapitel explizit auf die Funktionen von Bildern in den Medien eingegangen werden.
2.2.2 Bildfunktionen in den Medien
Um im ökonomischen sowie im publizistischen Wettbewerb zu bestehen, ist der Einsatz von Bildkommunikation in der Medienberichterstattung unerlässlich. Der Erfolgsmaßstab im ökonomischen Wettbewerb kann beispielsweise in Gewinn, Auflage, Absatz oder Umsatz ausgedrückt werden. Aktualität, Relevanz oder Originalität sind dagegen Kriterien des publizistischen Wettbewerbs (vgl. Schierl, 2004, S. 80). In diesem Zusammenhang erfüllen Bilder für die Kommunikatoren unterschiedliche Funktionen, die durch technologische Weiterentwicklung und neue Möglichkeiten des Bildeinsatzes stetig erweitert werden. Meckel unterteilt die Funktionen von Bildern in fünf Kategorien (vgl. 2001, S. 26):
1. Informationsfunktion: Bilder liefern zusätzliche oder ergänzende Informationen zum Textteil. 2. Unterhaltungsfunktion: Bilder sorgen für Abwechslung bei der Rezeption und Informationsverarbeitung. 3. Erlebnisfunktion: Bilder vermitteln das Miterleben von Ereignissen besser als Text. 4. Emotionalisierungsfunktion: Bilder drücken Gefühle deutlicher und direkter aus als Text. 5. Interpretationsfunktion: Bilder beeinflussen die Rezeption auf eine bestimmte Art.
Arbeit zitieren:
Torsten Adams, 2008, Die Geschlechterdarstellung in der Sportberichterstattung, München, GRIN Verlag GmbH
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