Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis..................................................................................................................... 2
I. Einleitung. 3
1. Hinführung und Zielvorgabe. 3
2. Vorgehensweise 4
II. Die Anwendbarkeit des Begriffs „interkulturelle Kommunikation“ auf Männer und
Frauen unter der Annahme von geschlechtstypischen Gesprächsstilen 5
3. „Erforschte“ gesprächstypische Verhaltensweisen von Männern und Frauen. 5
4. Interkulturelle Kommunikation. 7
a) Eine Begriffsbestimmung und probeweise Anwendung auf die Kommunikation
zwischen Frauen und Männer 7
b) Die Verständigungsproblematik interkultureller Kommunikation nach K. Knapp und
K. Brinker. 9
c) Zusammenfassung. 11
5. Kritik am Zwei- Kulturen Ansatz. 12
III. Sprechen Männer und Frauen tatsächlich so unterschiedlich? 13
6. Neuere Ergebnisse der Geschlechterforschung: Hängt ein bestimmtes
Kommunikationsverhalten nicht doch maßgeblich von anderen Faktoren als dem
Geschlecht ab? 13
7. Der Gebrauch von Abtönungspartikeln und Positionsausdrücken in einer Sendung von
„Sabine Christiansen“: Eine Stichprobe. 15
a) Die Positionsausdrücke (P-A) 16
b) Die Abtönungspartikel (A-P) 18
c) Zusammenfassung. 19
IV. Fazit. 20
VI. Literaturverzeichnis 21
VI. Anhang: Transkript. 22
Sabine Christiansen - Überflüssigkeit der Religion? 22
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I. Einleitung
1. Hinführung und Zielvorgabe
Seit den 70er Jahren gibt es mit dem Aufkommen der Frauenbewegung verstärkt linguistische Untersuchungen zu „Männersprache und Frauensprache“. Sprachwissenschaftlerinnen wie Senta Trömel- Plötz oder Robin Lakoff meinten herausgefunden zu haben, dass es große, sozialisatorisch bedingte Unterschiede zwischen den Sprechweisen von Männern und denen von Frauen gäbe. Dabei würden die Frauen in Gesprächen durch die Männer unterdrückt, ja
sogar „in der Sprache vergewaltigt“ 1 . Diesen Untersuchungen liegt Heilmann zufolge 2 die Defizit - Hypothese zugrunde, die von Unterschieden im Gesprächsverhalten zwischen Frauen und Männern als Unzulänglichkeiten des weiblichen Gesprächsstils ausgeht. Mit der Differenzhypothese einige Jahre später ist für Frauen zumindest „eine selbstständige
Kategorie eröffnet, nicht mehr eine relationale in Bezug auf den Mann“ 3 . Diese Kategorie ist die Grundlage für den Ansatz der „Zwei Kulturen“, dem zufolge „Frauen und Männer jeweils
als eine homogene Gruppe begriffen werden“ 4 , die ein jeweils vermeintlich einheitliches Kommunikationsverhalten an den Tag legt.
Neuere Untersuchungen, zum Beispiel von R. Albert „Sprechen Frauen anders als Männer?“
5 , zeigen jedoch, dass „die These, Frauen und Männer sprächen kontextübergreifend anders und dies sei einer unterschiedlichen Sozialisation anzulasten, heute in dieser Schlichtheit nicht
mehr vertreten werden kann“ 6 . Diese Tendenzen in der linguistischen Gender- Forschung sprechen eher für die Verneinung der Frage, ob sich kommunikatives Verhalten von Männern und Frauen so sehr unterscheidet, dass es als interkulturelle Kommunikation betrachtet werden kann.
In der vorliegenden Arbeit soll genau diese Frage untersucht werden. Außerdem soll anhand einer Begriffsbestimmung von interkultureller Kommunikation überprüft werden, ob der Terminus auf das Kommunikationsverhalten von Frauen und Männern anwendbar ist, selbst wenn Unterschiede bei solchem bestehen.
1 Trömel- Plötz, 1991. Gewalt durch Sprache. Frankfurt a.M.: Fischer, S. 52
2 Heilmann. Geschlechtstypische Unterschiede. In: Papst - Weinschenk, 2004. Grundlagen der Sprechwissenschaft und Sprecherziehung. München: Reinhardt Verlag, S.162
3 Heilmann, 2004: a.a.O., S. 163
4 Faschingbauer, Hrsg.,2002. Neuere Ergebnisse der empirischen Genderforschung. Hildesheim: Georg Olms Verlag, S. 63
5 Albert, R., 1997. Sprechen Frauen anders als Männer?. In: Orbis Linguarum, 1997
6 Kotthoff, 1996. Die Geschlechter in der Gesprächsforschung. In: Der Deutschunterricht 1. Differenzen, S. 9
3
2. Vorgehensweise
Im ersten Teil der Arbeit geht es darum, zu überprüfen, ob der Begriff „interkulturelle Kommunikation“ unter der Annahme, dass geschlechtstypische Unterschiede bestehen, auf die Kommunikation zwischen Männern und Frauen angewendet werden kann. Dazu soll dem Leser zunächst ein Überblick über die als weiblich und männlich geltenden Kommunikationsmerkmale gegeben werden. Diese werden in einer Tabelle aufgelistet. Anschließend soll der Begriff „interkulturelle Kommunikation“ definiert und probeweise auf die Kommunikation zwischen Männern und Frauen angewandt werden. Damit soll überprüft werden, was man demnach unter Kommunikation zwischen Geschlechtern verstehen müsste. Die sich aus der hypothetischen Anwendung ergebenden Schlussfolgerungen sollen dann konkret auf die zuvor in der Tabelle genannten Merkmale wie beispielsweise „gebrauchen indirekte Formulierungen“ angewendet werden. Da sich aus dieser hypothetischen Anwendung des Begriffs der interkulturellen Kommunikation auf Männer- und Frauensprache Kritik am „Zwei- Kulturen Ansatz“ ergibt, folgt diese anschließend in einem Abschnitt. Im zweiten Teil der Arbeit geht es um die Frage, ob die kommunikativen Unterschiede zwischen Männern und Frauen tatsächlich so groß sind, wie lange behauptet wurde/ teilweise immer noch behauptet wird. Da es den Rahmen einer Hausarbeit sprengen würde, Auswertungen an großen Textkorpora vorzunehmen, sollen hierzu verschiedene neuere Studien zu geschlechtstypischem Kommunikationsverhalten angeführt werden. Anschließend soll eine von mir selbst durchgeführte Stichprobe anhand eines Auszugs aus einer „Sabine Christiansen“ - Sendung vorgestellt und ausgewertet werden. Es geht hierbei um den Gebrauch von Abtönungspartikeln und Positionsausdrücken.
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II. Die Anwendbarkeit des Begriffs „interkulturelle Kommunikation“ auf Männer und Frauen unter der Annahme von geschlechtstypischen Gesprächsstilen
3. „Erforschte“ gesprächstypische Verhaltensweisen von Männern und Frauen
Eine der stärksten Verfechterinnen des „Zwei-Kulturen Ansatzes“ ist Deborah Tannen 7 , der zufolge die unterschiedlichen Gesprächsstile von Männern und Frauen aus den unterschiedlichen Kulturen resultieren, die sich in ausschließlich männlichen oder weiblichen Gruppen ausbilden.
Im folgenden sollen solche typischen Merkmale, nach denen in der linguistischen Genderforschung weibliches und männliches Kommunikationsverhalten unterschieden wird, aufgeführt werden. Dabei stütze ich mich auf die Auflistungen von R. Albert von 1997
(„Sprechen Frauen anders als Männer?“) 8 und auf den Artikel von T. Faschingbauer von 2002 („Quantitative versus qualitative Methoden in der Sprachwissenschaft: die Variable Gender
im Unterbrechungsverhalten) 9 .
Da es in der vorliegenden Arbeit um geschlechtstypische Gesprächsstile geht, soll außerdem
kurz nach der in „Grundlagen der Sprechwissenschaft und Sprecherzeihung“ 10 aufgeführten Definition zwischen geschlechtsspezifisch und geschlechtstypisch unterschieden werden. Als geschlechtsspezifisch bezeichnen Degenhardt und Trautner Merkmale, die unabänderlich an das jeweilige Geschlecht gebunden sind und ausschließlich bei ihm vorkommen. Als geschlechtstypisch sind solche Merkmale zu benennen, die zwischen den Geschlechtern deutlich stärker ausgeprägt sind, jedoch bei beiden vorkommen. Bei den in der folgenden Tabelle 1 Aufgeführten handelt es sich um solche geschlechtstypischen Merkmale.
7 Tannen, D., 1991. Du kannst mich einfach nicht verstehen. Warum Männer und Frauen aneinander vorbeireden. Hamburg: Ernst Kabel Verlag
8 Albert, R., 1997. a.a.O, S. 140, 141.
9 Faschingbauer, T., 2002. a.a.O., S. 57
10 Heilmann, C., 2004: a.a.O., S. 162
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Tabelle 1
Frauen wird also ein kooperativer Gesprächsstil, Männern ein kompetitiver beziehungsweise kontroverser Gesprächsstil zugeschrieben. Die in der Tabelle aufgeführten, unterschiedlichen Stilmerkmale sind jedoch teilweise schwer konkret zu untersuchen, da sie schwer oder nicht operationalisierbar sind.
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Darauf weist R. Albert in ihrem Artikel „Sprechen Frauen anders als Männer?“ hin. „Wenn ich z. B. zwei Personen daran setze, zu überprüfen, wie viele Redezüge in einem konkreten Gespräch jemand auf der Beziehungsebene interpretiert hat (...), so werde ich mit großer
Sicherheit verschiedene Ergebnisse bekommen.“ 11
Als operationalisierte Merkmale führt sie folgende an:
- der Gebrauch von Abtönungspartikeln in Relation zur Wortzahl
- der Gebrauch von Positionsausdrücken in Relation zur Wortzahl - Unterbrechungen in Relation zur Gesamtzahl der Redezüge - die Anzahl von bestätigungsheischenden Elementen in Relation zur Wortzahl Geht man nun einmal hypothetisch davon aus, dass die genannten Unterschiede wirklich bestehen, soll jetzt der Begriff der interkulturellen Kommunikation probeweise auf die Kommunikation zwischen Männern und Frauen angewandt werden. Es soll also festgestellt werden, wie die Kommunikation zwischen den Geschlechtern verstanden werden müsste, bezeichnete man sie als interkulturelle Kommunikation.
4. Interkulturelle Kommunikation
a) Eine Begriffsbestimmung und probeweise Anwendung auf die Kommunikation zwischen Frauen und Männer
Da der Begriff interkulturelle Kommunikation sich auf die Kommunikation zwischen („inter“) zwei Kulturen bezieht, muss zunächst danach gefragt werden, was unter Kultur zu verstehen ist. Hierbei beziehe ich mich weitgehend auf die Sprachwissenschaftler Karlfried Knapp und Stefan Kammhuber.
K. Knapp schreibt: „Kultur wird (...) als ein Bestand an Symbolen und Praktiken verstanden, durch den ein zwischen Mitgliedern einer Gruppe geteiltes Wissen an Standards des
Glaubens, Deutens und Handelns in der sozialen Interaktion manifest gemacht wird.“ 12 Hier besteht meiner Ansicht nach die zentrale Eigenschaft des Kulturbegriffs darin, dass es um „geteiltes Wissen“ über Glauben, Deuten und Handeln geht, über das eine Anzahl von
Personen sich als Gruppe definiert. 13 Dieses Wissen kommt in der sozialen Interaktion zur Geltung, insofern es als Grundlage der Interaktion dient. Bezogen auf Frauen und Männer bedeutete dies meiner Ansicht nach, dass sowohl Frauen als auch Männer für sich als Gruppe
11 Albert, R., 1997. a.a.O, S. 141
12 Knapp, K., 2004. Angewandte Linguistik. Ein Lehrbuch. Tübingen/ Basel: Francke Verlag, S. 412
13 Knapp, K., 2004. a.a.O., S. 412
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betrachtet über Wissen verfügten, das der jeweils anderen Gruppe nicht zur Verfügung steht. Denn nur über exklusives Wissen gehören sie der einen oder anderen Gruppe an. Da es hierbei auch um „Wissen an Standards des Deutens (...) geht“, das „als Grundlage der
Interaktion dient“ 14 müsste man, ausgehend von der „Zwei-Kulturen Theorie“ den Schluss ziehen, dass Verständigung schwer möglich ist. Frauen und Männer hätten also keinen Zugang zu den „Codes“ des anderen Geschlechts.
J. Straubs Definition von Kultur ist eine ähnliche und erlaubt auf Frauen und Männer angewandt ähnliche Rückschlüsse. Ihm zufolge ist sie „eine variable Mehrzahl von Personen, die in ein gemeinsames, strukturell, funktional und inhaltlich bestimmtes Bezugsgewebe aus kollektiven Selbst-und Weltauffassungen, Deutungen und Orientierungen,
Wirklichkeitsdefinitionen und Praktiken eingebunden sind“. Ihm zufolge wirkt sie als „Zeichen- Wissens- und Orientierungssystem (...), das die soziale Praxis und das Handeln der
zugehörigen Individuen strukturiert, ordnet und bestimmt“. 15 Es geht nach J. Straub also ebenfalls um eine Gruppe von Menschen, die sich über eine bestimmte Anzahl von Gemeinsamkeiten, die Weltauffassung und Wirklichkeitsdefinition betreffend, als zusammengehörige Gruppe definieren. Auf Frauen und Männer bezogen hätten diese also
verschiedene „Zeichen-, Wissens- und Orientierungssysteme“ 16 , die innerhalb der Gruppe allen gemeinsam wären. Der Begriff des „Gemeinsamen“ ist demnach auch hier ein Schlüsselbegriff in der Bedeutung von „Kultur“.
Demnach können Kulturen über nationale Grenzen hinweg bestehen, es kann „ebenso gut von einer ´Stadtteil - Kultur`, einer ´Sprecherzieher - Kultur`, einer ´Unternehmens - Kultur` (...)
gesprochen werden (...)“. 17 Dies könnte man dahingehend verstehen, dass über nationale Grenzen hinweg auch von einer Frauen- und einer Männerkultur gesprochen werden könnte. Das hieße, dass Frauen und Männer unterschiedlicher Nationalität jeweils gleiche „Zeichen-, Wissens- und Orientierungssysteme“ hätten, die wiederum, wie oben geschlussfolgert, der anderen Gruppe nicht zugänglich wären.
Als Träger von Kulturen fungieren aus linguistischer Sicht K. Knapp zufolge Kommunikationsgemeinschaften und nicht beispielsweise Regionen oder ein bestimmtes Alter.
14 Knapp, K., 2004. a.a.O., S. 412
15 Straub, J., 2003. Psychologie und die Kulturen in einer globalisierten Welt. In: Thomas (2003a): Kulturvergleichende Psychologie. Göttingen: Hogrefe Verlag, S. 554
16 Straub, J., 2003. a.a.O., S. 554
17 Kammhuber, S., Interkulturelle Aspekte. In: Pabst - Weinschenk, 2004. Grundlagen der Sprechwissenschaft und Sprecherziehung. München: Reinhardt Verlag, S. 170
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Arbeit zitieren:
Bachelor of Arts Katharina Haering, 2005, Frauensprache - Männersprache: Eine interkulturelle Kommunikation?, München, GRIN Verlag GmbH
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