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Abstract
Der Begriff der „emotionalen Intelligenz“ ist in der Wissenschaft erst in den letzten beiden Jahrzehnten in das Zentrum des Interesses von Emotions- und Intelligenzforschern gerückt. Zum rechten Zeitpunkt das angemessene Maß an Emotion zu äußern, wird seit der Antike als Zeichen eines guten Charakters angesehen. Heutzutage sind die Forschungen über „emotionale Intelligenz“ jedoch eher von dem Bedürfnis motiviert, Lösungen für moderne Probleme wie soziale Instabilität, Beziehungsstörungen bei Kindern und Erwachsenen bis hin zu sozio-ökonomischen Missmanagement zu finden. Dabei liegen inzwischen diverse Modelle vor, die darauf abzielen, „emotionale Intelligenz“ als ein sowohl theoretisch als auch empirisch fundiertes, wissenschaftliches Konstrukt nutzbar zu machen.
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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Das Modell von emotionaler Intelligenz nach Salovey Mayer 4
3. Golemans Modell von emotionaler Intelligenz 6
3.1 Selbstwahrnehmung 7
3.2 Selbstregulierung 9
3.3 Motivation 10
3.4 Empathie 11
3.5 Soziale Kompetenz 12
4. Empirische Studien zur Emotionalen Intelligenz 14
4.1 Studie 1 14
4.2 Studie 2 15
4.3 Studie 3 16
5. Ausblick 20
Literaturverzeichnis 21
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1. Einleitung
Der Begriff der Emotionalen Intelligenz wurde zum ersten Mal 1990 von Salovey & Mayer in die wissenschaftliche Diskussion eingeführt. Allerdings gab es schon zuvor in der Emotions- bzw. Intelligenzforschung verschiedene Ansätze, die in eine ähnliche Richtung zielten. Einem breiten Publikum wurde die Emotionale Intelligenz (EI) jedoch erst durch Daniel Golemans gleichnamigen populärwissenschaftlichen Bestseller (1995) bekannt. Golemans Konzept der EI stützt sich im Wesentlichen auf die Thesen von Salovey & Mayer, setzt aber darüber hinaus noch eigenständige Akzente.
Vorläufer zur EI finden sich bereits1927 bei Thorndike und dessen Theorie einer „sozialen Intelligenz“, die jedoch im damaligen Wissenschaftsbetrieb auf wenig Resonanz stieß. Stattdessen bestimmte über Jahrzehnte eine analytisch-logisch ausgerichtete Intelligenz- Theorie die Psychologie. (Bezeichnend hierfür lässt sich die Bedeutung des IQ-Tests als „Prognose-Instrument“ für schulische Leistungen anführen (Nettelbeck & Wilson, 2005).) Emotionen wurden dabei eher als störend oder hinderlich empfunden und schienen mit einem objektiven Verständnis von Wissenschaft unvereinbar.
Über Emotionen wurde natürlich auch schon vorher geforscht. Um 1884 entwickelten William James und 1885 Carl Lange unabhängig voneinander eine Emotionstheorie (James- Lange-Theorie), wonach physiologische Prozesse für die Entstehung von Gefühlen maßgeblich seien. James stellte sogar die These auf, dass Weinen nicht aus Traurigkeit resultiere, sondern vielmehr Traurigkeit eine Folge des Weinens sei (Wygotski, 1964). Jedoch konnte diese These nicht aufrecht erhalten werden, da spätere Forschungen ergaben, dass physiologische Reaktionen oft langsamer verlaufen als das Erleben von Gefühlen. So konnte z.B. Walter Cannon nachweisen, dass sich der Herzschlag bzw. die Darmaktivität erst nach einem Schreckerlebnis deutlich erhöhten (Huber, 1996).
Bis heute sind allerdings die Wechselwirkung von Kognition und Emotion nicht vollständig geklärt. Als sicher gilt aber, dass das emotionale und das kognitive System unabhängig voneinander agieren können (Damasio, 1994).
In seinem 1954 (in französischer Sprache) veröffentlichten Aufsatz über: „Intelligenz und Affektivität in der Entwicklung des Kindes “ resümierte Jean Piaget, dass es „weder einen Gefühlszustand ohne Beteiligung der Intelligenz noch das Umgekehrte“ (Piaget, 1995, S.22) gäbe. Er vertrat die These, dass die Affektivität als eine Art Energiequelle anzusehen sei, während die Intelligenz den strukturellen Rahmen für Denken und Handeln darstelle. In
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seinen Augen könne Affektivität geistige Prozesse forcieren bzw. verlangsamen ohne dabei die kognitiven Strukturen als solche zu beeinträchtigen.
Demgegenüber entwickelte Jean-Paul Sartre eine Theorie des „emotionalen Bewusstseins“, das spezifische Wissens- und Erkenntnisstrukturen aufweise. Dies bilde emotionale Beziehungsmuster aus und sei ausschlaggebend für Gefühle des persönlichen Involviert- bzw. Betroffen-Seins (Sartre, 1982). Sartre verknüpft in Anlehnung an Husserls phänomenologischen Ansatz die Frage nach dem Wesen der Emotionen mit der Struktur des Bewusstseins. So versucht er aus existenzialistischer Perspektive die Bedeutung dieser Fragestellung für unsere Vorstellung vom Sein zu analysieren. Ob es Bewusstsein ohne Emotion überhaupt geben kann, ist seit jeher von grundlegender Bedeutung für Philosophie, Ethik und in neuerer Zeit auch für die kognitiven Neurowissenschaften (Goleman, 2005; Varela, 1994). (Dies zeigen nicht zuletzt die „Mind and Life-Dialoge“ von angesehenen westlichen Wissenschaftlern mit dem Dalai Lama, in denen insbesondere auch interkulturelle Besonderheiten bezüglich der Auffassung bzw. des Umgangs von Gefühlen diskutiert werden (Goleman, 2001; Goleman, 2005).) In den letzten beiden Jahrzehnten hat vor allem die Hirnforschung dazu beigetragen bislang hypothetische Annahmen über die Funktionsweise von Emotionen präziser zu spezifizieren. Demnach werden verschiedene Aufgaben unterschiedlichen Hirnarealen im emotionalen bzw. kognitiven System zugeordnet. Die fundamentalste ist die Unterscheidung von linker und rechter Gehirnhemisphäre, wobei die linke vor allem mit logisch-analytischen, sprich kognitiven Prozessen einhergeht, während die rechte vor allem mit gefühlsmäßiger Wahrnehmung, musischer Kreativität und intuitivem Denken assoziiert wird. Darüber hinaus hat man aber inzwischen noch wesentlich weitreichendere Erkenntnisse gewonnen. So lassen sich unterschiedliche Arten von Intelligenz schon aus der verschiedenen Aktivität von Teilen des Gehirns bei vorwiegend intellektuell bzw. emotional ausgerichteter Tätigkeit nachweisen. Dabei fungiert der Neokortex (äußere Schichten des Gehirns) als Zentrum des Intellekts, während die emotionale Schaltzentrale vorwiegend im limbischen System bzw. Subkortex lokalisiert ist. Nach Goleman basiert die Emotionale Intelligenz auf dem harmonischen Zusammenspiel der emotionalen und intellektuellen Zentren (Goleman, 1999).
Bereits 1983 hatte Howard Gardner ein Modell der „vielfachen Intelligenz“ entworfen, das verbale, mathematisch-logische, räumliche, kinästhetische, musikalische und personale (differenziert in interpersonale und intrapersonale) Fähigkeiten umfasste. Damit versuchte er der vorherrschenden Meinung und Test-Praxis entgegenzuwirken, wonach Intelligenz „anhand von Reaktionszeiten oder Hirnwellen gemessen werden“ (Gardner, 1991, S.10)
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könne. Er ließ sich vor allem von einem pädagogischen Interesse leiten, da ihm daran lag, Kinder hinsichtlich ihrer schulischen Fähigkeiten nicht lediglich aufgrund ihrer logisch- analytischen Begabung zu beurteilen. Dazu entwickelte der Harvard-Psychologe auch eigens einen Spektrum-Test (in Anlehnung an den Stanford-Binet-IQ-Test), der bezüglich der Testresultate auch keine Korrelation zum IQ-Test aufwies.
Gardner maß zwar den Emotionen in seinem Intelligenzmodell eine wesentliche Rolle zu, jedoch war er der Ansicht, dass sie sich wissenschaftlich nicht zuverlässig analysieren ließen. Von daher favorisierte er eher die Analyse von Metakognitionen über Emotionen als Emotionen als solche zu untersuchen.
So waren es schließlich Salovey & Mayer (1990), die ausgehend von Gardners personaler Intelligenz (in seinem vielfachen Intelligenzmodell) die Theorie der Emotionalen Intelligenz entwarfen (Goleman, 2001).
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2. Das Modell von emotionaler Intelligenz nach Salovey &
Mayer
Seit ihrer ersten Veröffentlichung (1990) eines Konzeptes zur Emotionalen Intelligenz (siehe Abbildung 1) verfeinerten Salovey & Mayer kontinuierlich ihr Modell.
Abbildung 1: Modell von emotionaler Intelligenz ( Salovey & Mayer, 1990)
Schon bald nach Veröffentlichung ihrer ersten, weit gefassten Rahmen-Theorie zur EI, hielten sie es für angemessener ihr Konzept zur EI lediglich auf mentalen Fähigkeiten aufzubauen und diese von charakterlichen Merkmalen wie Wärme, Aus-sich-heraus-gehen-können (outgoingness) bzw. Ausdauer abzugrenzen (Mayer, J.D., Salovey, P. & Caruso, D. ; 2000). Auf diese Weise sei es leichter zu analysieren, bis zu welchem Grad die untersuchten Merkmale jeweils das Verhalten einer Person und deren Kompetenz mit dem Leben umzugehen, beeinflussen (Mayer & Salovey, 1993; 1997).
Quote paper:
M.A. Axel Pathe, 2006, Über Emotionale Intelligenz, Munich, GRIN Publishing GmbH
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