Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Die Türken und ihre Medien 5
2.1 Die türkische Einwanderung 6
2.2 Die türkischen Medien 7
3. Die Befragung 10
3.1 Ähnliche Untersuchungen 11
3.2 Ablauf der Befragung. 12
3.3 Demographische Daten der Befragten 13
4. Ergebnisse der Befragung 17
4.1 Der Fernsehkonsum. 18
4.2 Die Nutzung von Zeitungen 21
4.3 Mögliche Ursachen der Mediennutzung 23
5. Konklusion 27
6. Bibliographie. 29
6.1 Literatur. 29
6.2 Quellen aus dem Internet. 30
Anhang: der Fragebogen 32
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1. Einleitung
„Will man die türkische Bevölkerung integrieren, sollte man sie nicht allein lassen mit der Presse und dem Fernsehen aus der Türkei“, empfiehlt Cem Özdemir, 2001 einwanderungspolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis `90/ Die Grünen im Deutschen Bundestag. 1 Dass die deutschen Medien noch einiges tun müssen, um für Türken attraktiv zu sein, belegt u.a. die Studie „Lebenswelten Deutschtürken 2002“: Darin gaben mehr als 60 Prozent der befragten Türken an, mit der Darstellung ihrer Landsleute in den deutschen Medien nicht zufrieden bis überhaupt nicht zufrieden zu sein. 2 Damit riskieren deutsche Medien, dass ihnen ein großes Publikum den Rücken zukehrt, Immerhin ist der Anteil von Türken in Deutschland bereits auf 2,6 Millionen angewachsen, das ist mehr als ein Drittel aller Ausländer Deutschlands. 3 Auch sollte den großen Zuwachs von fremdsprachigen Medien ernst nehmen, der überproportional gegenüber der Ausländerzahl in Deutschland angestiegen ist, nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Internationale Medienhilfe (IMH) seit 1990 um rund 40 Prozent auf 2500 Medien. Besonders groß sei der Anstieg von Medien in russischer, chinesischer und türkischer Sprache. 4 In den Medien geht es oft um das „Ausländerproblem“, um Fragen der Zuwanderung, der wachsenden Kriminalität oder in jüngster Zeit den EU-Beitritt der Türkei. Kritiker weisen darauf hin, dass die Berichterstattung zu klischeehaft, einseitig und negativ sei. Diese Untersuchung soll sich der Frage widmen, ob die Unzufriedenheit der Türken über die Berichterstattung in deutschen Medien über ihre Landsleute oder die Türkei sie auch dazu bringt, mehr Zeit den türkischen Medien zu widmen. 50 Türken in Baden-Württemberg wurden gefragt, wie oft sie deutsche und türkische Medien nutzen und welche Medien ihnen besser gefallen. 5
Der Schwerpunkt sollte auf zwei Medien gelegt werden, wobei ein Vergleich von deutschen und türkischen Medien möglich sein sollte. Beim Fernsehen ist dies der Fall; immer mehr Türken beschaffen sich eine D-Box, mit der sie türkische Fernsehkanäle empfangen können. Für das Radio ist es zwar auch möglich, bei Kabel Baden Württemberg kann man sich ein solches Fremdsprachenpaket kaufen. Aber dieses Angebot wird nur selten genutzt. 6 Zum einen, weil das monatliche Kosten von etwa sechs Euro pro Monat bedeutet, zum anderen, weil man dieses Angebot, wenn man es sich für zu Hause beschafft, weder im Auto noch am Ar- 1www.mediaundmarketing.de, 7.7.2004
2 www.digitale-chancen.de, 7.7.2004
3 Laut www.medialine.focus.de lebten 2004 sieben Millionen Ausländer in Deutschland
4 www.drehscheibe.org, 29.10.2004
5 Auf die Charakteristiken der Befragten wird noch genauer in Kapitel 3.2 und 3.3 eingegangen.
6 Die Untersuchung des Bundespresseamtes brachte das Ergebnis, dass es von den Türken in Deutschland mit 30 Prozent doppelt so viele Leser türkischsprachiger Zeitungen gibt als Hörer des türkischen Radio (15 Prozent). www.verbrauchernews.de, 7.7.2004
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beitsplatz nutzen kann. Nicht nur deswegen fiel die Wahl des zweiten Mediums auf die Zeitung. Bis zu fünfzehn Zeitungen sind an deutschen Kiosken erhältlich, somit lässt sich gut ein Vergleich zwischen dem Konsum von deutschen sowie türkischen Zeitungen ziehen. Ein weiteres Argument für die Wahl des Print-Mediums ist, dass der Leser im Gegensatz zum Fernsehkonsum über Grundkenntnisse der deutschen Schrift verfügen muss. Zudem spricht die Zeitung eine andere Mediennutzergruppe an als die „passiven“ Medien Fernsehen und Radio, die oft im Hintergrund laufen. Diese Unterschiede führen zu unterschiedlichen Hypothesen, deren Beantwortung anhand eines Fragebogens mit drei Teilen vorgenommen werden soll: Im Teil eins werden neun Fragen über die Nutzung des Fernsehers gestellt. Hier sollten die Türken nicht nur ihre technische Ausstattung beschreiben, sondern auch die Art und Häufigkeit ihres Fernsehkonsums. Im zweiten Teil wird weniger ausführlich auf das Zeitungslesen eingegangen. Der dritte Teil liefert demographische Daten über die Teilnehmer, zum Beispiel über ihre Bildung und die Bindung zu Deutschland und den Deutschen. Zum Thema Fernsehen wurde vermutet, dass mehr als zwei Drittel der Befragten ein Fernsehgerät besitzen, über einen Kabelanschluss oder Satelliten verfügen sowie eine D-Box besitzen, womit man türkische Fernsehkanäle empfangen kann. Wegen der großen Auswahl von Filmen auf deutschen Fernsehkanälen wurde angenommen, dass die Türken öfter deutsches Fernsehen sehen. Andererseits wurde davon ausgegangen, dass die türkischen Kanäle besser die kulturellen Interessen der Türken ansprechen und deshalb die Türken bei ihren drei Lieblingssender eher zwei türkische als zwei deutsche angeben und ihnen die türkischen Kanäle besser gefallen. Vermutet wurde, dass die Türken auf türkischen Kanälen hauptsächlich Shows und Filme zur Unterhaltung sehen; außerdem noch die Nachrichten, da man komplexe Inhalte eher in seiner Muttersprache versteht. Dafür, so die Annahme, punkten die deutschen Fernsehsender mit dem großen Angebot an Spielfilmen.
Was das Zeitungslesen betrifft, wurde bei der Hypothesenbildung davon ausgegangen, dass man zum Lesen bessere Sprachkenntnisse als zum Fernsehen braucht. Deswegen wird behauptet, dass Türken lieber türkische Zeitungen lesen und als Grund die besseren Sprachkenntnisse angeben. Bei der Frage nach den zwei Lieblingszeitungen lag die Vermutung nahe, dass die Türken meist eine deutsche und eine türkische Zeitung angeben, um über Umfeld und Heimatland gleichermaßen informiert zu sein.
Um mögliche Ursachen der Mediennutzung herauszukristallisieren, werden im Kapitel 4.3 manche Fragen in Kombination ausgewertet. Folgende Annahmen wurden aufgestellt: Je jünger die Türken waren, als sie nach Deutschland kamen, desto mehr nutzen sie deutsche Me-
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dien. 7 Zweitens: Je enger die Bindung zu Deutschland und den Deutschen, desto öfter werden deutsche Medien genutzt. Dahinter liegt die Idee, dass man sich eher auf die Sprache und Kultur eines Landes einlässt, wenn man sich damit identifizieren kann. Als Beispiele über die Bindung zu Land und Leuten wurden die Fragen gestellt, ob die Türken mehr deutsche oder mehr türkische Freunde haben, welche Nationalität ihre Vertrauensperson hat und wie lange sie planen, in Deutschland zu bleiben. Die letzte Hypothese sollte eventuelle Geschlechtsunterschiede in der Mediennutzung herausarbeiten. Angenommen wurde, dass die türkischen Männer häufiger deutsche Zeitungen lesen als Frauen und die Frauen wochentags mehr Zeit mit dem Ansehen deutscher Fernsehprogramme verbringen als Männer. Ausgangspunkt war die traditionelle Geschlechterverteilung, nach der Frauen sich eher um die Kinder und den Haushalt kümmern und unter der Woche mehr Gelegenheit zum Fernsehen haben, während die Männer arbeiten und am Arbeitsplatz unter deutschen Kollegen ihre Sprachkenntnisse verbessern. Da die Frauen zu Hause arbeiten und mit türkischen Hausfrauen in Kontakt sind, zögern sie wegen schlechterer Sprachkenntnisse eher, deutsche Zeitungen zu lesen, so die Annahme.
Diese Vermutungen lassen sich in der Theorie zusammenfassen, dass die Mehrzahl der Türken deutsche und türkische Medien gleichermaßen nutzt, ihnen aber die türkischen Medien besser gefallen. Außerdem ist die Gruppe, die ausschließlich deutsche Medien nutzt kleiner als diejenige, die nur türkische Medien nutzt.
Es ist unerlässlich, bei einer Befragung die Befragten sowie den Befragungsgegenstand zumindest ansatzweise zu charakterisieren. Kapitel 2.1 soll die Herkunft der Befragten näher beleuchten, Kapitel 2.2 liefert eine kurze Beschreibung der türkischen Medien. Im Block „die Befragung“ sollen kurz ähnliche Untersuchungen präsentiert werden, die eine erste Vorstellung über mögliche Ergebnisse geben. Den Ablauf der Befragung sowie charakteristische Daten der Befragten beschreiben Kapitel 3.2 und 3.3. In der Konklusion werden die wichtigsten Ergebnisse der Befragung zusammengefasst, des Weiteren soll ein Ausblick zum Thema gegeben werden.
2. Die Türken und ihre Medien
So manchem Deutschen ist die türkische Bevölkerung hierzulande ein Dorn im Auge; die Initiative für ihre Einwanderung in den 60ern hat jedoch nicht die Türkei ergriffen, wie in
7 Es wurde bewusst nicht von der Anzahl der Jahre ausgegangen, die sie bereits in Deutschland leben. Denn prägend sind besonders die Jugendjahre, wo man am leichtesten und schnellsten eine Zweitsprache lernt und die eigenen Einstellungen noch nicht so weit entwickelt sind, so dass der Einfluss einer anderen Kultur prägend sein kann.
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Kapitel 2.1 erklärt wird, sondern Bundesregierung, weil es in Deutschland an Arbeitern fehlte. Nach einigen gescheiterten Versuchen schafften es dann in den 70ern Printmedien und Fernsehkanäle, sich in Deutschland einen Marktanteil zu sichern; Tendenz steigend (siehe Kapitel 2.2).
2.1 Die türkische Einwanderung
Die Migrationspolitik in der BRD ist grundsätzlich arbeitsmarktorientiert und bis auf die kurze Phase der Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte in einem größeren Maßstab im Wesentlichen auf Steuerung und vor allem auf starke Begrenzung von Einwanderung ausgerichtet. „Im Hintergrund dieser Politik stand bis 1998 der Leitsatz, die Bundesrepublik sei kein Ein-wanderungsland“, stellt Wolfgang Gieler fest. 8 Zwar kamen die ersten Türken schon 1957 nach Deutschland, doch setzte eine Wanderung größeren Umfangs erst nach der Unterzeichnung des Anwerbeabkommens ein.
Die Zahl der gemeldeten offenen Arbeitsstellen lag 1961 bei 500 000, arbeitslos gemeldet waren Ende 1961 aber nur 180 000 Deutsche. 9 So hieß das Zauberwort „Anwerbeabkommen“. Zwischen 1955 und 1973 wurden ausländische Arbeitskräfte aus süd- und südosteuropäischen Ländern angeworben, gesucht wurden insbesondere billige Arbeitskräften in der Industrie. 10 Der erste Vertrag wurde 1955 mit Italien abgeschlossen, 1960 folgten Abkommen mit Spanien und Griechenland, 1961 dann mit der Türkei. 11 Nicht nur Deutschland, auch die Türkei profitierte davon: Die Überweisungen der im Ausland arbeitenden Türken erreichten 1973/ 74 fast die Höhe des türkischen Exports. 12 Die Einwanderung kommentieren Faruk Şen und Andreas Goldberg folgendermaßen: „Die so angeworbenen ausländischen Arbeiter kamen nicht als Gäste, wie die damalige Bezeichnung Gastarbeiter vermuten ließ, sondern als billige und deshalb umworbenen Arbeitskräfte. 13 Deswegen überwogen die Männer in großem Maße: 1961 waren unter den 211 463 Ausländern in Baden-Württemberg rund drei Mal so viel Männer als Frauen. Inzwischen ist Anteil zwischen Männern und Frauen ausgeglichen, 2003 waren 48 Prozent der Ausländer weiblichen Geschlechts. 14
8 Gieler 2003, S. 137
9 Goldberg/ Şen 1994, S. 9
10 Gieler 2003, S. 132
11 1963 mit Marokko, 1964 mit Portugal und mit den ex-jugoslawischen Staaten, 1965 mit Tunesien. Şen 1994, S. 9
12 Aydın 2000, S. 136
13 Şen/ Goldberg 1994, S. 9
14 www.statistik.baden-württemberg.de, 7.7.2004
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Die meisten Türken wollten einige Jahre in Deutschland arbeiten und sparen, um sich später in der Türkei eine Existenz aufzubauen, so die Autoren Aydın u.a.15 Mit der Rezession von 1966/ 67 in der Türkei wäre jedoch deutlich geworden, dass ein paar Jahre Kapital nicht ausreichten, um das nötige Kapital anzusparen. In Lothringen wurde dieser Frage genauer nachgegangen: Ausländische Arbeitnehmer wurden 1969 gefragt, warum sie nach Deutschland gekommen waren. 53 Prozent gaben an, dass sie kamen um überhaupt Arbeit zu finden, 16 Prozent wollten ihr Einkommen verbessern. So bleibt also nicht einmal ein Drittel von Menschen, die aus anderen Gründen kamen, nämlich neun Prozent aus familiären Gründen und 22 Prozent aus anderen (zum Beispiel psychologischen, politischen oder moralischen).16 Zwischen 1973 und 1989 versuchte die Bundesregierung den Trend dauerhafter Einwanderung mit verschiedenen politischen Maßnahmen zu stoppen, jedoch nur mit mäßigem Erfolg. Selbst die meisten türkischen Zeitungen rieten ihren Landsleuten, sich dauerhaft in Deutsch-land einzurichten. 2003 lebten laut des Statistischen Landesamts unter den 10 693 000 Menschen in Baden-Württemberg 1 245 509 Ausländer. Der Großteil der Ausländer hat die türkische Staatsbürgerschaft, nämlich 315 618, das entspricht knapp einem Viertel der Ausländer. Die Bundesregierung hat erreicht, was sie wollte: Ausländer, die hauptsächlich wegen der Arbeit kommen. Jedoch geht damit einher, dass der Hauptgrund nicht ein großes Interesse an der deutschen Kultur und ein Interesse an dauerhafter Integration war. Inwieweit sich dies auf die Nutzung deutscher Medien auswirkt, wird noch gezeigt werden.
2.2 Die türkischen Medien
Tageszeitungen und Fernsehkanäle aus dem Heimatland sind für die meisten türkischen Mitbürger selbstverständlich. Der Fernsehkanal TRT-INT wird seit 1991 in die deutschen Kabelnetze eingespeist, schnell folgten die privaten Kanäle Show TV, ATV oder Kanal D. Türkische Tageszeitungen haben in Deutschland eine Auflage von über 250 000 Exemplaren.17 Der Hauptsitz der türkischen Zeitungsredaktionen in Deutschland befindet sich in Frankfurt, dort werden auch alle Zeitungen gedruckt. Türkische Redakteure in Frankfurt und Istanbul gestalten die Zeitungen gemeinsam, außerdem arbeiten Journalisten in deutschen Großstädten wie Bonn, Hamburg, Berlin, München und Köln. Die Zeitungen erscheinen sieben Mal pro Woche, ihr Umfang variiert zwischen zwölf und 18 Seiten. Als Zeitungsnamen werden gerne Bilder wie „Abend“ oder „Tag“ verwendet. Das Ansehen einer Zeitung in der Türkei ist stark von den Namen ihrer Kolumnisten geprägt, zu den Journalisten zählen zahlreiche bekannte
15 Aydın 2000, S. 136
16 Goldberg/ Şen 1994, S. 10 17 www.drehscheibe.org vom 29.10.2004
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Arbeit zitieren:
Sonja Breining, 2004, Umfrage und Analyse zum Thema Mediennutzung von Türken in Baden-Württemberg am Beispiel von Fernsehen und Zeitung , München, GRIN Verlag GmbH
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