I
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis I
Abk ürzungsverzeichnis IV
Abbildungsverzeichnis V
1
1 Einleitung
1.1 Forschung und Entwicklung im Wandel 1
1.2 Motivation und Ziel der Arbeit 2
1.3 Vorgehensweise 3
4
2 Kooperationen zwischen Industrie und Hochschule
2.1 Arten der Zusammenarbeit 4
2.1.1 Die Kooperationsforschung 4
2.1.2 Der FuE-Auftrag 7
2.1.3 Die informelle Zusammenarbeit 8
2.1.4 Partnerschaften 8
2.2 Motive für Kooperationen 9
2.2.1 Motive für die Industrie 9
2.2.1.1 Zugang zu Wissen 10
2.2.1.2 Kürzere Innovationszeit 11
2.2.1.3 Kostenreduktion 12
2.2.1.4 Risikominimierung 13
2.2.1.5 Recruiting 14
2.2.1.6 Imagegewinn 14
2.2.2 Motive für die Hochschulen 15
2.2.2.1 Finanzierung 15
2.2.2.2 Praxisrelevanz 17
2.2.2.3 Personalperspektiven 17
2.2.2.4 Reputationsgewinn 18
2.2.2.5 Synergien in der Forschung 19
2.2.3 Politisches Rahmenwerk 20
2.2.3.1 Das Landeshochschulgesetz 20
2.2.3.2 Projektförderung 21
II
2.2.4 Zusammenfassung 23
24 3 Studie zur Untersuchung von Kooperationen 3.1 Zielsetzung der Studie 24 3.2 Aufbau der Studie 25 3.2.1 Wahl der Erhebungsart 25 3.2.2 Auswahl der Befragten 26 3.2.3 Fragestellung 28 3.2.4 Durchführung 29 3.3 Auswertung der Ergebnisse 30
Kooperationsmotive der Partner 32 3.3.1
Auswahlkriterien der Kooperationspartner 38 3.3.2
Organisation und Vorgehensweise im Projekt 40 3.3.3
Erfolgsfaktoren in der Befragung 49 3.3.4
55 4 Konfliktfelder in Kooperationen 4.1 Soziale Faktoren 55 4.1.1 Kommunikation 55 Kulturunterschiede 56 4.1.2 Vertraulichkeit 59 4.1.3 4.1.4 Motive 60 Organisatorische Faktoren 61 4.2 4.2.1 Abhängigkeiten 62 Teamstruktur 63 4.2.2 Ziel und Erfolgsdefinition 64 4.2.3 Zusammenfassung 65 4.3
66 5 Handlungsempfehlung Ziel und Aufgabenplanung 66 5.1
Kooperations- und Kommunikationskultur 68 5.2 Organisation 70 5.3 Machtverhältnisse 72 5.4
III
73 6 Abschlussbetrachtung
75 7. Anhang A 76 Anhang B 86 Anhang C 97 Anhang D 106 Anhang E
111 8. Literaturverzeichnis
IV
Abkürzungsverzeichnis
Abb. Abbildung ebd. Ebenda et al. et alii e.V. eingetragener Verein Hrsg. Herausgeber S. Seite o.V. ohne Verfasser o.Jg. ohne Jahrgang o.Nr. ohne Nummer Vgl. Vergleiche
V
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Stichprobenaufteilung der Erhebung
Abb. 2: Rückläufer der Erhebung
Abb. 3: Größenverteilung der Industriebefragung
Abb. 4: Kooperationsgründe der Industrieunternehmen
Abb. 5: Kooperationsgründe der Hochschulen
Abb. 6: Kooperationsziele der Industrieunternehmen
Abb. 7: Kooperationsziele der Hochschulen
Abb. 8: Bedeutung von Kooperationen für Industrieunternehmen
Abb. 9: Bedeutung von Kooperationen für Hochschulen
Abb. 10: Kriterien für Kooperationspartner aus Unternehmenssicht
Abb. 11: Kriterien für Kooperationspartner aus Hochschulsicht
Abb. 12: Fragestellung zur Verteilung der Projektarbeit
Abb. 13: Verteilung der Projektarbeit aus Unternehmenssicht
Abb. 14: Verteilung der Projektarbeit aus Hochschulsicht
Abb. 15: Verteilung der Projektaufgaben aus Unternehmenssicht
Abb. 16: Verteilung der Projektaufgaben aus Hochschulsicht
Abb. 17: Kontrollmechanismen der Unternehmen
Abb. 18: Kontrollmechanismen der Hochschulen
Abb. 19: Geplante Projekttreffen der Industrie
Abb. 20: Geplante Projekttreffen der Hochschulen
Abb. 21: Projekterfolge der Unternehmen
Abb. 22: Projekterfolge der Hochschulen
Abb. 23: Problemfelder aus Sicht der Unternehmen
Abb. 24: Problemfelder aus Sicht der Hochschulen
Abb. 25: Erfolgsfaktoren in der Befragung
Abb 26: Zielfindungsprozess
1
1 Einleitung
1.1 Forschung und Entwicklung im Wandel
Der Zusammenhang zwischen Forschung und Entwicklung, Produktivität und Wirtschaftswachstum wird in der Wachstumsforschung durch eine logische Abfolge beschrieben. FuE führt zu neuen Erkenntnissen, die ihrerseits die Grundlage für innovative Produkte bilden. Durch die gelungene Markteinführung dieser Produkte entsteht wirtschaftliches Wachstum, das durch Weiterentwicklungen und Prozessinnovationen weiter vergrößert wird. 1 Was für die Gesamtwirtschaft gilt, ist für die Unternehmen im nationalen und internationalen Wettbewerb zur Maxime geworden. Der Markt verlangt neue Produkte und verspricht hohe Gewinne für den, der den Bedarf erkennt und durch proaktive Entwicklungen bedienen kann. Obschon der finanzielle Aufwand für FuE meist hoch ist, sichern doch gerade neue Produkte die Zukunft des Unternehmens und liefern entscheidende Vorteile gegenüber dem Wettbewerb. 2
Des Weiteren haben Innovationen häufig einen positiven Effekt auf andere Produkte eines Anbieters. So konnte der Apple-Konzern durch seine Entwicklung iPod neben dem außerordentlichen betriebswirtschaftlichen Erfolg auch einen bedeutenden Imagegewinn verzeichnen. Dieser hat sich wiederum positiv auf den Absatz der Mac-Personalcomputer ausgewirkt, obwohl es sich weder um Komplementärgüter handelt noch zwischen iPod und Mac ein funktioneller Zusammenhang besteht. 3
Durch die Tatsache, dass der Wettbewerb zwischen Unternehmen heute zunehmend im Bereich FuE stattfindet und Innovativität zur Strategie vieler Anbieter geworden ist, haben sich die Rahmenbedingungen der Produktforschung verändert. Die forschenden Wettbewerber zwingt das Unternehmen, seine Produkte möglichst schnell zur Marktreife zu führen um zu verhindern, dass andere ihm zuvorkommen und womöglich die hohen Kosten der Entwicklung ganz oder teilweise verloren sind. 4
1 Vgl. Voßkamp, R., Schmidt-Ehmcke (2006), S. 8.
2 Vgl. Kotler, P. (2000), S. 328.
3 Vgl. Allison, K. (2007), S. 4.
4 Vgl. Vahs, D., Burmester, R. (2002), S. 11 f.
2
Ein anschauliches Beispiel dafür sind die immer schneller vollzogenen Modellwechsel der Automobilhersteller. Durch den Entwicklungsdruck am Markt hat sich die Lebenszeit der Baureihen auf dem Deutschen Markt drastisch verringert. Zudem setzt die Branche auf Facelifts, was dem Austausch oder der Veränderung einzelner Technik- und Designelemente bestehender Modelle entspricht, um die Fahrzeuge innovativer bzw. moderner erscheinen zu lassen und gegenüber dem Wettbewerb in puncto Produktattraktivität nicht ins Hintertreffen zu geraten. 5 Um den schnelllebigeren Produktlebenszyklen Rechnung zu tragen müssen Produkt- und Technologieentwicklungen mit verkürzten Zeitplänen auskommen und Grundlagenwissen schnell beschafft werden. Da viele Unternehmen aufgrund des gestiegenen Kostendrucks nicht mehr in der Lage sind von der Grundlagenforschung bis zum Produkt die Aufwendungen für FuE alleine zu tragen werden Kooperationen in diesem Bereich immer häufiger. 6 Vor allem die Zusammenarbeit mit Hochschulen, die sowohl detaillierte Grundlagenforschung als auch Technologieentwicklung betreiben, ist hier eine interessante Option für die Industrie. Die hohe Spezialisierung der Lehrstühle und das ausgezeichnete Equipment machen Sie auf den ersten Blick zu einem ausgezeichneten Partner für die Industrie. 7 Inwiefern dies auch auf die übrigen Bereiche der Zusammenarbeit zutrifft wird unter anderem in dieser Arbeit untersucht werden.
1.2 Motivation und Ziel der Arbeit
Aufgrund der steigenden Zahl von Kooperationen zwischen Industrie und Hochschulen im Bereich FuE sowie ihrer zunehmenden wirtschaftlichen als auch strategischen Bedeutung, besteht großes Interesse diese Art der Zusammenarbeit erfolgreich zu managen und zu einem nutzbringenden Ergebnis zu führen. Aufgrund der unterschiedlichen Arbeitsweisen und Motive kommt es aber zwischen den Partnern oftmals zu Differenzen, die häufig dazu führen, dass Zeitpläne nicht eingehalten werden, Budgets überschritten und sogar die Projekte selbst scheitern
5 Vgl. Spiller, K. (2007),
http://www.ftd.de/unternehmen/autoindustrie/:BMW%20Modellwechsel/252847.html, Stand 04.03.2008
6 Vgl. Schlüter, A. (2007) S. 47.
7 Vgl. Waudig, D. (1994), S. 2.
3
können. Speziell für Industrie und Hochschule wäre es wichtig gewinnbringende Kooperationen durch angepasstes Projektmanagement zu gewährleisten und angestrebte Projektziele gemäß den erwünschten Vorgaben zu erreichen. Anhand dieser Diplomarbeit sollen die kritischen Faktoren von Kooperationen im Bereich FuE zwischen Industrie und Hochschulen im Rahmen einer Studie erarbeitet und untersucht werden. Ziel ist es aus den in dieser Studie gewonnenen Erkenntnissen eine Handlungsempfehlung zu erstellen, welche möglichst praxisnah die Probleme und Hemmnisse vermindern soll.
1.3 Vorgehensweise
Im theoretischen Teil der Arbeit werden ausgehend von einer umfassenden Literaturrecherche die Grundzüge von Kooperationen im Bereich FuE zwischen Industrie und Hochschulen dargestellt. Dabei sollen die aktuellen Kooperationsformen, sowie deren Bedeutung, ebenso wie die Motive der Partner und das politische Rahmenwerk, abgebildet werden.
Der praktische Teil basiert auf einer vom Autor durchgeführten Studie, deren Ergebnisse dargestellt und anschließend zur Findung der kritischen Faktoren einer Kooperation herangezogen werden. Die erarbeiteten Erkenntnisse sollen dann zur Erarbeitung einer Handlungsempfehlung dienen, welche abschließend unter dem Aspekt der Durchführbarkeit beurteilt wird.
4
2 Kooperationen zwischen Industrie und Hochschule
2.1 Arten der Zusammenarbeit
Kooperationen zwischen Industrie und Hochschule im Bereich FuE beschränken sich nicht allein auf klassische Forschungsaufträge, die durch
Industrieunternehmen an Hochschulen vergeben werden, vielmehr haben sich verschiedene Arten der Zusammenarbeit entwickelt. Da dem Begriff Kooperation im allgemeinen Sprachgebrauch, sowie der Fachliteratur keine eindeutige Auslegung zuzuordnen ist, soll dieser Arbeit die nachfolgende Definition zugrundegelegt werden:
Kooperation ist die stillschweigend oder vertraglich vereinbarte Zusammenarbeit voneinander unabhängigen Partnern, die gemeinsame Aktivitäten planen und durchführen. 8
Weiterhin sind FuE-Kooperationen zwischen Industrie und Hochschulen auf den Austausch und die Bildung von Wissen bzw. Technologien ausgerichtet, wobei die Ressourcen beider Partner zur Erreichung eines gemeinsamen Ziels gebündelt werden. 9 Die für eine Kooperation zwischen Industrie und Hochschulen gängigen Formen der Zusammenarbeit sollen nachfolgend dargestellt werden.
2.1.1 Die Kooperationsforschung
Das Paradebeispiel für eine Kooperation zwischen Industrie und Hochschule ist die sogenannte Kooperationsforschung. Zentrales Element ist das Erreichen eines gemeinsamen Ziels in arbeitsteiliger Zusammenarbeit, wobei der beidseitige Transfer von Wissen und Erfahrungen eine wichtige Rolle spielt. 10 Die Kooperationsforschung hat in den letzten Jahren vermehrt strategische Charakterzüge ausgeprägt und wird je nach Umfang der Forschungstätigkeit häufig auf längere Zeit ausgelegt. Grundlage der Zusammenarbeit ist ein Kooperationsvertrag der das Zusammenspiel zwischen den Partnern und die Zielsetzung regeln soll. In den letzten 12 Jahren haben sich die finanziellen Aufwendungen für diese Art der Kooperation mehr als verdoppelt, was ihre
8 Vgl. Müller, C. (2003), S. 7-10.; Rüdiger, M. (1998), S. 26.
9 Vgl. Nguyen, H. (2007), S. 16.
10 Vgl. o.V. (2007), S. 12 f.
5
zunehmende Bedeutung auch im Vergleich zur rein unternehmensinternen Forschung veranschaulicht. 11
Im Gegensatz zur Auftragsforschung ist hier das Ziel zwar definiert und die Rahmenbedingungen vertraglich festgehalten, das Ergebnis der Zusammenarbeit aber offen. 12 Diese Unsicherheit über das Projektergebnis kommt vor allem durch das Risiko in einer Forschungskooperation zu scheitern und ist deshalb im Vorfeld naturgemäß nicht mit Sicherheit zu bestimmen. 13 Auch die Umsetzung muss deshalb eine gewisse Flexibilität aufweisen und kann nicht unabhängig von Forschungsergebnissen innerhalb der laufenden Kooperation von Beginn an festgelegt werden. 14
Somit ist ein hohes Maß angepasster Planung und Organisation notwendig, wobei der Charakter eines Projektes in einer Forschungskooperation meist deutlich zu erkennen ist. Folgende Charakteristika und Anforderungen werden mit dem Projektbegriff verbunden:
-Die zeitliche Begrenzung:
Die gemeinschaftliche Forschung zwischen Industrie und Hochschule hat naturgemäß eine definierte Zeitspanne die entweder mit dem erfolgreichen Abschluss oder dem Scheitern der Aufgabe endet und im Vorfeld festgelegt wird. Unbefristete Kooperationen bzw. Partnerschaften werden unter Punkt 2.2.4 behandelt und sind hier explizit ausgenommen.
-Das definierte Ziel:
Jede Kooperation im Bereich FuE hat ein erklärtes Ziel, bzw. ein Problem das durch die Forschungsarbeit gelöst werden soll. Wie aber bereits erwähnt, kann das Ergebnis der Arbeit im Vorfeld wenn überhaupt, meist nur ungenau beschrieben werden.
-Die Begrenzung der Ressourcen:
Die Durchführung von FuE-Aktivitäten erfordert bei Unternehmen und Hochschulen gleichermaßen eine ausgewogene Budget-und
11 Vgl. Frank, A. et al. (2007), S. 6.
12 Vgl. o.V. (2007), S. 12 f.
13 Vgl. o.V. (2004), S. III, S.455, S.504
14 Vgl. o.V. (2007), S. 12 f
6
Ressourcenplanung, die ein wichtiges Kriterium für die Steuerung und Kontrolle darstellt. Sie ist auch ein wichtiger Teil der vertraglichen Gestaltung von Forschungskooperationen und somit unumgänglich.
-Die Einmaligkeit bzw. Neuartigkeit:
Grundsätzlich ist der FuE selbst ein neuartiger und einmaliger Charakter inhärent. Weiterhin zeichnet sich ein Kooperationsprojekt stets durch Ressourcenintensivität und hohe Kosten aus, wobei davon ausgegangen werden kann, dass kein Unternehmen, respektive keine Hochschule für ein bereits gelöstes Problem Anstrengungen auf sich nimmt. Mit der Neuartigkeit kommt auch der Aspekt des Risikos zum tragen, was bedeutet, dass eine Forschungskooperation keinesfalls zum Erfolg führen muss, sondern auch das Scheitern aus verschiedenen Gründen möglich ist.
-Merkmal der Organisation:
Durch die bereits erwähnte Zusammenlegung der Ressourcen beider Partner und den arbeitsteiligen Charakter einer Forschungskooperation entsteht eine neue Struktur, die auf die zu lösende Aufgabe ausgelegt ist. Die besonderen Anforderungen in Puncto Planung, Steuerung und Kontrolle machen darüber hinaus eine angepasste Organisation unabdingbar. 15
Somit ist davon auszugehen, dass eine Forschungskooperation die Merkmale eines Projektes aufweist und folglich auch die Komponenten des Projektmanagements für Planung, Organisation und Kontrolle angewendet werden können. 16
Weiterhin ist sie aufgrund der intensiven Zusammenarbeit, sowie des ausgeprägten Projektcharakters und der überwiegend langen Dauer ideal für die Untersuchung von Kooperationen zwischen Industrie und Hochschule.
15 Vgl. Müller, C. (2003), S. 16-19.; Deutsches Institut für Normung e.V. (2002), DIN 69901
16 Vgl. Müller, C. (2003), S. 19.
7
2.1.2 Der FuE-Auftrag
Die Auftragsforschung unterscheidet sich von der Kooperationsforschung in einigen Punkten. So beansprucht die Hochschule, wie für eine Auftragnehmer üblich, die Kostenübernahme durch das beauftragende Industrieunternehmen, welches somit meist das gesamte finanzielle Risiko alleine trägt. Daraus ergibt sich auch die Aufgabe der Hochschule die FuE-Arbeit selbständig durchzuführen, wobei aber das Vorgehen letztinstanzlich vom Auftraggeber festgelegt wird. Auch der Wissensbzw. Technologietransfer ist bei der Auftragsforschung tendenziell eher einseitig. Hier findet zwar ein Austausch statt, doch bringt die Hochschule meist einen deutlich höheren Beitrag in das Ergebnis ein. Analog zur Forschungskooperation ist auch hier das Ergebnis bzw. der Erfolg im Vorfeld nicht garantiert oder genau fixierbar. 17
Auch der Forschungsauftrag erfüllt die bereits beschriebenen Kriterien für die Einordnung als Projekt. Einzig das Merkmal der Organisation wird durch Umfang der Forschungsaufgabe und Engagement der Industrie in der Forschungsarbeit beeinflusst. Hier kann aber davon ausgegangen werden, dass auch bei einer ausschließlich von der Hochschule durchgeführten Forschungsarbeit ein Projektteam gebildet sowie ein Projektleiter aus dem Lehrstuhl als direkter Ansprechpartner für das Unternehmen benannt wird. 18 Die Auftragsforschung ist in der Praxis oft nur schwer von der Kooperationsforschung zu unterscheiden. 19 Es entstehen häufig Mischformen zwischen den beiden Kooperationsarten, beispielsweise eine arbeitsteilige Forschung durch beide Partner, bei der das Unternehmen aber als Auftraggeber fungiert und den überwiegenden Teil der Kosten trägt. Die Auftragsforschung ist vom Werk- bzw. Dienstvertrag, den
Industrieunternehmen an Hochschulen vergeben, abzugrenzen. Sie beinhalten Einzelaufgaben die in Durchführung und Ergebnis klar definiert sind, wobei die Hochschule als Dienstleister auftritt. Weitere Differenzierungsmerkmale sind die zeitliche Limitierung und eine geringere Komplexität der Aufgabe. 20
17 Vgl. o.V. (2007), S. 12 f.
18 Vgl. ebd., S. 13.
19 Vgl. Frank, A. et al. (2007), S. 34.
20 Vgl. o.V. (2007), S. 12 f.
8
Vielfach ist die technische Ausstattung der Hochschule Grund für ein Unternehmen, Messungen oder Testverfahren in Auftrag zu geben, da die Anschaffung entsprechender Geräte oftmals nicht wirtschaftlich ist.
2.1.3 Die informelle Zusammenarbeit
Die informelle Zusammenarbeit, ist nicht vertraglich geregelt und besitzt meist auch keinen strategischen Kooperationscharakter. Sie tritt vornehmlich sporadisch auf und ist in den meisten Fällen nicht Teil eines Kooperationsplans. 21 Informelle Kontakte zwischen Industrie und Hochschulen leisten dennoch einen nicht unerheblichen Beitrag bei der Arbeit an technischen Innovationen die durch forschende Unternehmen bzw. Hochschulen entwickelt werden. Der Anteil am Erfolg kann nur geschätzt werden, da hier das Netzwerk einzelner Mitarbeiter die entscheidende Rolle spielt und eine Zusammenarbeit auf dieser Basis nur in den wenigsten Fällen dokumentiert wird. 22
Aufgrund der Beschaffenheit dieser Zusammenarbeit ist sie nur bedingt für die Untersuchung der Beziehungen zwischen Industrie und Hochschule geeignet. Weiterhin erfährt die Einordnung der informellen Zusammenarbeit in die oben beschriebene Definition von Kooperationen eine gewisse Abschwächung, da der Fokus auf persönlichen Beziehungen Einzelner liegt und Pläne, bzw. Dokumentationen über die Zusammenarbeit größtenteils fehlen.
2.1.4 Partnerschaften
Partnerschaften zwischen Industrie und Hochschulen sind als strategische Kooperationen zu verstehen, mit dem vertraglich erklärten Willen langfristig und umfassend zusammenzuarbeiten. Hier ist der Kreis der Beteiligten deutlich größer als in der Kooperations- oder Auftragsforschung, bei der die universitären Ansprechpartner meist Fakultäts- oder Institutsleiter sind. Bei der Partnerschaft sind auch Dekanat, Verwaltung, Fakultäten und Institute gleichermaßen
21 Vgl. o.V. (2007), S. 12 f.
22 Vgl. o.V. (2004), S. 501.
9
erwünschte Gegenüber der Industrie, was eine Zusammenarbeit auf verschiedenen technischen und thematischen Plattformen ermöglicht. 23 So entsteht eine enge Verbindung der FuE-Aktivitäten von Unternehmen und der Hochschule, wobei auch Diplom- und Doktorarbeiten, die vom Unternehmen an Studenten und Mitarbeiter der Hochschule vergeben werden, einen wichtigen Beitrag zur Verflechtung der Partner liefert. 24 Grundsätzlich ist die Partnerschaft auch als Kombination der zuvor dargestellten Formen der Zusammenarbeit zu verstehen, die zudem auf unterschiedliche Kompetenzen einer Hochschule ausgerichtet sind.
Des Weiteren ist hier auch eine übergeordnete Instanz etabliert, die einen organisatorischen Rahmen um die Einzelprojekte bildet. 25 Eine Form der Partnerschaft ist die Weiterentwicklung in regelrechte Zentren des Wissens- und Technologietransfers, die mit eigenen organisatorischen Einheiten den Austausch und die Zusammenarbeit weiter vertiefen. So unterhält beispielsweise der Siemens Konzern bis dato zwölf solcher Zentren, die überwiegend in Deutschland etabliert sind und baut diese Struktur weiter aus. Aus diesen Zentren und anderen Partnerschaften mit Universitäten entstanden 2005 über 1000 Kooperationsprojekte. 26
2.2 Motive für Kooperationen
Aufgrund der hohen finanziellen und personellen Aufwendungen, sowie des Risikos zu scheitern stellt sich die Frage nach den Beweggründen für eine Kooperation zwischen Industrie und Hochschule. Dazu sollen beide Seiten der Partnerschaft getrennt auf ihre Motive hin untersucht werden.
2.2.1 Motive für die Industrie
Industrieunternehmen richten ihre Aktivitäten primär nach dem ökonomischen Prinzip aus. Effektivität und Effizienz des unternehmerischen Handelns sind die bestimmenden Faktoren in der Wirtschaft. Sie bilden das Fundament für die
23 Vgl. Frank, A. et al. (2007), S. 35 f.
24 Vgl. Marschall, L. (2006), S. 67
25 Vgl. Frank, A. et al. (2007), S. 35 f.
26 Vgl. Marschall, L. (2006), S. 66-68.
10
heutige und zukünftige Existenz eines Betriebes und sollten wichtiges Kriterium bei jeder Entscheidung sein. 27
Dieser Grundsatz ist konsequenterweise auch elementarer Bestandteil der Entscheidungen über ein mögliches Kooperationsvorhaben und dessen Durchführung. Welche wirtschaftlichen und strategischen Anreize aus Unternehmenssicht in Kooperationen mit Hochschulen bestehen, soll nachfolgend dargestellt werden.
2.2.1.1 Zugang zu Wissen
Der technische Fortschritt, neue Produkte und neue Märkte verlangen heutigen Industrieunternehmen große Anstrengungen im Bereich FuE ab. Die Beherrschung neuer Technologien ist durch deren Komplexität und Vielfältigkeit eine nahezu unlösbare Aufgabe, die viele Betriebe aus eigener Kraft nicht bewältigen können. 28 Nicht jedes Unternehmen kann aufwendige Grundlagenforschung betreiben, welche aber häufig die Vorraussetzung für den Eintritt in neue Märkte bildet. Dies betrifft vor allem neue Produkte, die umfangreiche Basistechnologien als Fundament für die Entwicklung erfordern. 29
Um bei dieser Entwicklung im Wettbewerb um Innovationen mithalten zu können, muss eine Quelle für Grundlagen-, oder auch Spezialwissen gefunden werden, die komplementär zu unternehmenseigenen Forschungen ist. 30 Hochschulen sind fortwährend bemüht Wissen zu generieren, weiterzuentwickeln und mit dem aktuellen Stand der Forschung mitzuhalten. 31 Ferner sind sie, aufgrund ihres breiten Angebots an Fachbereichen und Technologien, in beinahe jedem industrierelevanten Forschungsbereich aktiv. In Bezug auf den Stand von FuE im Unternehmen sind Hochschulen flexibel und in nahezu jeder Projektphase wertvoller Partner, der kompatibles Wissen einbringen kann. Weiterhin reicht ihr Spektrum von der Ideenfindung bis zur Prototypenfertigung und erfüllt dabei fast alle denkbaren Anforderungen des betrieblichen Innovationsprozesses. 32
27 Vgl. Witten, E et al. (2007), S. 27.
28 Vgl. Stern, T., Jaberg, H. (2003), S. 235.
29 Vgl. Vahs, D., Burmester, R. (2002), S. 307.
30 Vgl. Frank, A. et al. (2007), S. 38 f.
31 Vgl. Gemünden, H., Richter, T. (1999), S. 260.
32 Vgl. Frank, A. et al. (2007), S. 32 f.
11
Somit bietet die Kooperation mit Hochschulen einen für Unternehmen äußerst attraktiven Wissenszugang.
2.2.1.2 Kürzere Innovationszeit
Wie unter Punkt 1.1 bereits beschrieben, besteht für Industrieunternehmen die Notwendigkeit zu Entwickeln und innovative Produkte zur Marktreife zu führen. Doch nicht nur die Innovation allein ist entscheidend für die Sicherung der Unternehmenszukunft. Vielmehr spielt die Produkteinführungszeit, also die Zeitspanne von der Produktidee bis zur Markteinführung, eine bestimmende Rolle. Kurze Innovationszeiten bringen den entscheidenden Wettbewerbsvorteil, wobei das Unternehmen, welches sein Produkt als erstes am Markt positioniert, den größten Profit zu erwarten hat. Hier folgt also aus einem schnelleren Innovationszyklus ein gewinnbringenderes Produkt und somit eine privilegierte Position auf dem Markt. 33
Verschärft wird dieser zeitliche Wettbewerb durch die Anwendung des Patentrechts. Durch den Schutz von Schlüsselerfindungen kann ein Unternehmen auf lange Sicht hin seine Innovation schützen und gleichartige Produkte am Markteintritt hindern, bzw. Lizenzgebühren erheben. 34 So wirkt sich ein kurzfristiger Innovationszyklus nicht nur positiv auf den Profit aus, sondern vermeidet unter Umständen auch den Verlust der FuE-Investition.
Die Kooperation mit Hochschulen hat einen entscheidend positiven Einfluss auf die FuE-Zeiten. Durch Zugriff auf bestehende Erfahrung, sowie die Ressourcen der Hochschulen können Projekte deutlich beschleunigt werden. Mit Hilfe des Transfers von vorhandenem Wissen an das Industrieunternehmen müssen Teilbereiche der Entwicklungsaufgabe nicht mehr aufwendig erarbeitet werden und verkürzen den Zeitplan erheblich. 35
33 Vgl. Vahs, D., Burmester, R. (2002), S. 11 f.
34 Vgl. Götting, H.-P., Schwipps, K. (2004), S.35 f.
35 Vgl. Waudig, D. (1994), S. 45 f.
12
2.2.1.3 Kostenreduktion
Neben der Verkürzung des Entwicklungszeitraums ist auch die Minimierung des FuE-Aufwandes ein wichtiges Ziel der Unternehmen. Geringe Entwicklungskosten wirken sich direkt auf den Preis und somit positiv auf die Wettbewerbsfähigkeit bzw. Profitabilität eines Produktes aus. 36
Die Kooperation mit Universitäten besticht durch ein sehr gutes Verhältnis zwischen Preis und Leistung und kann in den meisten Bereichen mit einer rein internen Forschung konkurrieren. Zudem werden die Aufwendungen für FuE in der Kooperationsforschung meist von beiden Seiten getragen und reduzieren die Ausgaben des Unternehmens erheblich. 37 Allein durch den bereits erwähnten Transfer von relevantem Wissen der Hochschule kann oftmals viel Forschungsarbeit und somit auch Kapital gespart werden. 38 Weitere Einsparpotentiale können durch die Nutzung von Synergieeffekten zwischen den Kooperationspartnern ausgeschöpft werden. Hier besteht die Möglichkeit doppelte Kapazitäten abzubauen und mittels Lerneffekten Prozessverbesserungen zu erreichen. 39 Auch die Verkleinerung, bzw. das Outsourcen eigener FuE-Abteilungen ist für Unternehmen oftmals sehr interessant. Hier können mit Hilfe der Auftrags-, bzw. Kooperationsforschung die Ausgaben für FuE dem Bedarf angepasst werden und die Nutzung von Personalressourcen deutlich verbessert werden. Die Wirtschaft beziffert das Einsparpotential dieser Maßnahme auf etwa 30 Prozent im Vergleich zu herkömmlichen, unternehmenseigenen FuE-Abteilungen. 40
Nicht zuletzt durch die meist gut ausgestatteten Hochschulen können hohe Investitionen in Anlagen und technisches Equipment vermieden werden. Die verringerte Kapitalbindung fördert die Innovationsfähigkeit eines Unternehmens, das nun freie Mittel für weitere FuE zur Verfügung hat.
36 Vgl. Stern, T., Jaberg, H. (2003), S. 195 f.
37 Vgl. Frank, A. et al. (2007), S. 113 f.; Meyer-Guckel, V. et al. (2002), S. 9.
38 Vgl. Waudig, D. (1994), S. 45 f.
39 Vgl. Harland, P. (2002), S. 176.
40 Vgl. o.V. (2004), S. 478.; Meyer-Guckel, V. et al. (2002), S. 9.
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2.2.1.4 Risikominimierung
Das Risiko eine angestrebte Innovation technisch oder ökonomisch nicht zu erreichen ist hoch. Verstärkt durch den zeitlichen Druck sind Unternehmen gezwungen hohe Risiken einzugehen, um durch neue Produkte im Wettbewerb weiter bestehen zu können. 41 Vor allem komplexe und langwierige FuE-Projekte beinhalten aufgrund des ungewissen Fortschritts und des offenen Ergebnisses schwer kalkulierbare Unsicherheiten. Weiterhin ist ein Ansteigen des Risikos parallel zu steigender Innovativität eines Produktes festzustellen, wodurch gerade die fortschrittlichsten Entwicklungen schwer zu handeln sind. 42 Durch das hohe Risiko und die langfristige Mittelbindung ist es für ein Unternehmen im Bereich FuE schwierig Kapital zu beschaffen. Folglich muss es für ein Industrieunternehmen erklärtes Ziel sein, das Risiko seiner Innovationsbemühungen zu minimieren. 43 Die bereits im Vorfeld besprochenen positiven Effekte der Kooperation mit Hochschulen sind auch für die Verringerung des Risikos maßgeblich. Kostenreduktion und die Verkürzung der Innovationszeit, wie unter Punkt 2.2.1.2 bzw. 2.2.1.3 beschrieben, helfen hier Unsicherheiten zu verringern und das Risiko zu mindern.
Durch die Kooperation mit Hochschulen kann analog zur Verteilung des FuE-Aufwandes auf Hochschule und Unternehmen auch das Risiko gestreut werden. Beteiligen sich also beide Partner an den Ausgaben, wird auch das finanzielle Risiko im Vergleich zur selbständigen Forschung entsprechend geringer. 44 Neben der Verteilung des Risikos wirkt sich vor allem die Mitarbeit eines erfahrenen Partners äußerst positiv auf die Erfolgsaussichten des FuE-Projektes aus. Durch das eingebrachte Wissen und Know-how der Hochschule sinkt somit auch das Risiko zu scheitern.
41 Vgl. Nguyen, H. (2007), S. 21.
42 Vgl. Stern, T., Jaberg, H. (2003), S. 169.
43 Vgl. Pleschak, F. (1999), S. 127.
44 Vgl. Nguyen, H. (2007), S. 21.
14
2.2.1.5 Recruiting
Der Bedarf an Ingenieuren und Fachpersonal im Bereich FuE ist vor allem durch die starke Nachfrage der Industrie hoch. Insbesondere hochspezialisierte Kräfte sind begehrt und meist nicht einfach zu rekrutieren. 45 Wichtiger Nebeneffekt der Mitarbeiterbeschaffung ist der damit verbundene Transfer von Wissen und Knowhow, das mit dem Personal in das eigene Unternehmen geholt wird. 46 Besonders interessant für die Mitarbeitergewinnung sind Kooperationsprojekte mit Hochschulen. Während und nach einem Kooperationsprojekt können gezielt Mitarbeiter und Absolventen der Hochschulen identifiziert und angeworben werden. 47 Hierbei ist nicht nur die Rekrutierung einer Fachkraft interessant, sondern auch die Erfahrung des Mitarbeiters im relevanten Fach und im Besonderen am Kooperationsprojekt selbst. Das Unternehmen gewinnt folglich einen hochqualifizierten Arbeitnehmer, bei dem zusätzlich die thematische Einarbeitungszeit entfällt und das Risiko einer Fehleinstellung so gut wie nicht besteht.
Doch nicht nur die Mitarbeiterrekrutierung aus den Hochschulen hilft dem Unternehmen qualifiziertes Personal an sich zu binden. Vielmehr treten bei der Arbeit des eigenen Teams mit den Hochschulen Lerneffekte auf, die zu Wissenszuwachs und weiterer Qualifikation führen. 48
Somit bietet gerade die Kooperation mit Hochschulen ideale Voraussetzungen für die Mitarbeitergewinnung der Industrieunternehmen.
2.2.1.6 Imagegewinn
Das Image ist wichtiger und wertvoller Bestandteil eines Produktes oder Unternehmens. Hierbei werden Unternehmenswerte vermittelt und ein Persönlichkeitsbild geprägt, das von Kunden und Partnern gleichermaßen wahrgenommen wird. Ein positives und vor allem passendes Firmenimage ist für Unternehmen besonders erstrebenswert. Hierbei übertragen sich die
45 Vgl. Böcking, D. (2007),
http://www.ftd.de/unternehmen/industrie/:Wo%20Konzerne/272725.html, Stand 12.03.2008
46 Vgl. Edler, J. et al. (2003), S.157.
47 Vgl. Frank, A. et al. (2007), S. 24.
48 Vgl. Koschatzky, K. (1999), S. 35.; Frank, A. et al. (2007), S. 7.
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Eigenschaften des Unternehmens auch auf seine Produkte und fördern so oftmals den Absatz selbiger. Auch der Imagetransfer von Produkt zu Produkt hilft Innovationen gut am Markt zu positionieren und so erfolgreich zu etablieren. 49 Eine wirksame Art der Imagebildung ist die Zusammenarbeit mit bekannten Partnern. Gerade technische Projekte mit Beteiligung renommierter Hochschulen haben hohen Wert für das Produkt- bzw. Unternehmensimage. Die Hochschule fungiert hier als Referenzgeber nach außen, vermittelt aber auch die Wertigkeit eines Unternehmens bzw. Produktes nach innen, also an Hochschulmitarbeiter und Studenten. 50
Denkt man an Eliteuniversitäten und bedeutende Fakultäten bekannter Hochschulen, so wird der mögliche Imagetransfer deutlich, den eine Kooperation hier mit sich bringen kann.
2.2.2 Motive für die Hochschulen
Die wesentlichen Aufgaben einer Hochschule sind Forschung und Lehre. Doch in beinahe allen Deutschen Bundesländern ist auch der Forschungstransfer ebenbürtig nebst Forschung und Lehre zum primären Ziel erklärt worden. 51 Neben der gesetzlichen Verpflichtung gibt es eine Reihe von Anreizen, die eine Kooperation mit Industrieunternehmen attraktiv und teilweise sogar notwendig machen. Hierbei gibt es naturgemäß auch Übereinstimmungen mit den Motiven der Industrie, die im Folgenden zwar kurz angesprochen, aber nicht vertieft werden sollen.
2.2.2.1 Finanzierung
Die Finanzierung der Hochschulen durch Bund und Länder hängt heute stark vom Profil der Einrichtung ab. Die Lehre, sowie Grundlagen- und Basisforschung der Hochschulen bilden aus Sicht des Bundesministeriums für Bildung und Forschung das Fundament des deutschen Forschungssystems und werden durch öffentliche Mittel größtenteils sichergestellt. Diese und vor allem weitere Gelder werden aber immer stärker an Leistungsindikatoren gebunden, die somit einen starken Einfluss
49 Vgl. Selkälä, Satu (2005), S. 222 f.
50 Vgl. Waudig, D. (1994), S. 46; Harland, P. (2002), S. 2.
51 Vgl. Frank, A. et al. (2007), S. 22.
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auf die finanzielle Ausstattung der Hochschulen haben. Forschungsprojekte mit externen Partnern sind ein wichtiger Teil dieser Leistungsbewertung, der zusätzliche Anreize bietet. So kann neben zusätzlichen Mitteln der öffentlichen Hand auch ein großes finanzielles Potential aus der Wirtschaft genutzt werden. 52 Deutlich wird dies bei Betrachtung der gesamten deutschen Forschungsmittel und deren Quellen. Etwa 2/3 aller Aufwendungen für FuE in Deutschland sind durch die Wirtschaft finanziert und nur etwa 1/3 wird von der öffentlichen Hand getragen. Übertragen auf die Hochschulforschung liegt der Anteil der Industriemittel an den Gesamtausgaben für FuE bei etwa 12 Prozent oder 1,1 Milliarden Euro. Zu diesem Betrag müssen die Drittmittel, also staatliche Förderung für anwendungsorientierte Forschungskooperationen, hinzugerechnet werden. Gemeinsam mit den Geldern aus der Industrie steigt der Anteil auf 36,5 Prozent oder 3,2 Milliarden Euro. 53 Besonders in Bereichen, in denen staatliche Mittel nur schwer zu abzurufen sind, bietet sich die Industrie als Finanzpartner an. In gemeinsamen Projekten werden beispielsweise Marketingaktionen für Technologien respektive Hochschule und Unternehmen durchgeführt, die durch Veranstaltungen und Programme beiden Seiten Vorteile in Sachen Öffentlichkeitsarbeit bringt. 54 Durch Kooperationen mit der Industrie und externen Aufträgen kann die Hochschule neue Finanzquellen erschließen und Ihr Budget deutlich steigern. Bei gemeinsamen FuE-Projekten reduziert sich, wie in Punkt 2.2.1.3 beschrieben, analog zur Industrie auch der Aufwand für die Hochschule, wodurch hier zahlreicher bzw. intensiver geforscht werden kann.
Im Sinne des betrieblichen Outsourcings entstehen vermehrt Stiftungslehrstühle. Diese von Industrie und Hochschule gemeinsam finanzierten Lehrstühle erweitern das Angebot der Hochschule und bilden für beide Partner attraktive Zentren für Forschung und Lehre. 55
52 Vgl. o.V. (2004), S. V f.
53 Vgl. ebd., S. III.; S. 199.
54 Vgl. Frank, A. et al. (2007), S. 59.
55 Vgl. Frank, A. et al. (2007), S. 24.
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2.2.2.2 Praxisrelevanz
Die praxisnahe Ausrichtung der Fachhochschulen hat dieser Hochschulform in den letzten vierzig Jahren große Popularität unter den Studienanfängern verschafft. Vor allem der enge Kontakt der Studierenden zur Wirtschaft hat deren Aussichten auf dem Arbeitsmarkt deutlich verbessert. 56 Auch deutsche Universitäten haben diesen Trend erkannt und arbeiten intensiv, um den Praxisbezug von Forschung und Lehre zu verbessern. Die Einführung von Master- und Bachelorstudiengängen im Rahmen des Bologna-Prozesses, ist hierbei ein deutlicher Schritt in diese Richtung. 57
Eine überaus wichtige Rolle in der Praxisrelevanz von Hochschulen und der Anwendungsorientierung der Forschung spielen Kooperationen mit der Industrie. Erfahrungen und Ergebnisse aus der gemeinsamen Forschung finden häufig Einzug in die Lehre und erhöhen das Wissensangebot und die Kooperationsattraktivität der Hochschule. Hierbei ist auch die Gewinnung von Industriepartnern als Gastdozenten eine gängige Vorgehensweise, die den Praxisbezug der Lehre zusätzlich verstärkt. Doch nicht nur über Kooperationen werden für die Industrie relevante Themen an die Hochschule übermittelt. Durch Praktika und Diplomarbeiten können Erfahrung und Wissen in die Hochschulen transferiert werden und lassen den Forschungsbedarf der Wirtschaft erkennen. 58 Auch die Verknüpfung mehrerer Fachbereiche für die Lösung eines durch die Industrie angeregten Problems bringt der Hochschule eine höhere praktische Bedeutsamkeit und nützt auch den Lehrstühlen außerhalb des technischen Fokus eines FuE-Projektes. 59
2.2.2.3 Personalperspektiven
In den Hochschulgesetzen der Länder sind unter anderem auch die Aufgaben der Hochschulen, unter Berücksichtigung des noch gültigen
Hochschulrahmengesetzes, geregelt. Wie in vielen Landeshochschulgesetzen ist auch in Bayern die berufliche Orientierung der Lehre rechtlich geregelt.
56 Vgl. o.V. (2008C), http://www.kmk.org/kmkgesch/geskap3.htm, Stand 16.02.2008
57 Vgl. Frank, A. et al. (2007), S. 10.
58 Vgl. Meißner, D. (1999), S. 44 f.
59 Vgl. Waudig, D. (1994), S. 54 f.
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„.. [Die Hochschulen] fördern in Zusammenarbeit mit der Wirtschaft und der Arbeitsverwaltung den Erwerb von Zusatzqualifikationen, die den Übergang in das Berufsleben erleichtern.“ 60 Weiter heißt es: „Die Hochschulen fördern die Weiterbildung ihres Personals.“ 61 Durch Industriekooperationen lässt sich eine praxisnahe und
anwendungsorientierte Ausbildung realisieren und ermöglicht Mitarbeitern und Studenten, wie bereits in Punkt 2.2.1.5 beschrieben, einen deutlich verbesserten Einstieg in das außeruniversitäre Berufsleben. 62 Vor allem Doktoranden können durch Ihre Arbeit an Kooperationsprojekten auf eine spätere Anstellung im beteiligtem Industrieunternehmen hoffen. Selbiges gilt für Absolventen, die durch Praktika und Diplomarbeiten Ihre Qualifikation und Ihren Wert für das Unternehmen demonstrieren können. 63 Doch auch der entgegengesetzte Weg des Personaltransfers wird durch Kooperationen deutlich einfacher. Gerade an Fachhochschulen ist die Praxiserfahrung der zukünftigen Professoren ein gesetzlich verankertes Kriterium der Berufung. Die Mindestanforderung beträgt hier fünf Jahre Erfahrung in der Praxis, wobei die Gewinnung neuer Forschungs- und Lehrkräfte auf die Wirtschaft fokussiert ist. Besonders durch Kooperationsprojekte lassen sich hier aussichtsreiche Anwärter identifizieren und durch den persönlichen Kontakt leichter akquirieren. 64
2.2.2.4 Reputationsgewinn
Durch das neue Verfahren zur Mittelvergabe der öffentlichen Hand und der offen geführten Wettbewerb um Studenten und qualifizierte Wissenschaftler, hat sich die Situation der deutschen Hochschulen stark verändert. Sie befinden sich seit einigen Jahren in einer, den Wirtschaftsunternehmen ähnlichen Form der Konkurrenz untereinander und betreiben ein regelrechtes Marketing, um Ihre Wettbewerbssituation unter den Hochschulen zu verbessern. Noch mehr als in der Wirtschaft spielt hier die Reputation, neben der Lehre und Ausstattung eine
60 Bayerisches Hochschulgesetz (v. 23.05.2006), Art. 2 Abs. 5 Ziff. 2
61 Bayerisches Hochschulgesetz (v. 23.05.2006), Art. 2 Abs. 1 Ziff. 7
62 Vgl. Frank, A. et al. (2007), S. 6. ; S. 24.
63 Vgl. ebd. S. 6.
64 Vgl. ebd. S. 10.
Arbeit zitieren:
Thorsten-Simon Eickholt, 2008, Industrieunternehmen und Hochschulen in Projekten im Forschungs- und Entwicklungsumfeld, München, GRIN Verlag GmbH
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