Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem Übergang von Studenten ins Berufsleben. Hierbei werden nicht, wie üblicherweise, spezielle Faktoren, wie beispielsweise die Dauer der Arbeitslosigkeit oder die Art der Betriebe in denen die Absolventen unterkommen, untersucht. Die Arbeit befasst sich stattdessen mit den sich derzeit stetig und rasch verändernden Rahmenbedingungen im Zusammenhang mit der Einführung des Bachelor/Mastersystems in der deutschen Hochschullandschaft. Diese, sozusagen auf Makroebene stattfindenden, Veränderungen haben einen weitaus größeren Effekt auf die Hochschulabsolventen, als die ‚üblichen’ Untersuchungsaspekte - sie begründen diese sogar teilweise. Bei der Begründung des Systemwechsels wird von Experten oftmals auf die USA als Paradebeispiel verwiesen. Daher wird die Entwicklung des deutschen Systems mit dem derzeitigen Stand der USA verglichen und es wird gezeigt, wie die beiden Systeme sich unterscheiden und ob sich das deutsche System dem amerikanischen angleichen wird bzw. kann. Dabei wird auch der Bachelor betrachtet, und es wird überprüft, ob die Kritik der Öffentlichkeit und der Fachkreise berechtigt ist.
I
Inhalt
Seite
Zusammenfassung. I
Inhaltsverzeichnis.......................................................................................................... II
Abbildungsverzeichnis. IV
1. Einleitung. 1
2. Die Hochschulsysteme. 3
2.1 Der Aufbau des US-Hochschulsystems 3
2.1.1 Differenziertheit. 3
2.1.2 Wettbewerb. 5
2.2 Der Aufbau des deutschen Hochschulsystems. 7
2.2.1 Das alte Hochschulsystem Deutschlands. 9
2.2.2 Das neue Hochschulsystem Deutschlands 9
3. Vergleich der Daten 14
3.1 USA. 15
3.1.1 Allgemeine Daten. 15
3.1.2 Durchschnittsalter der Studenten. 16
3.1.3 Durchschnittseinkommen 17
II
3.1.4 Absolventen. 18
3.1.5 Abschlüsse in den einzelnen Fachrichtungen 19
3.1.6 Arbeitslosenquoten in den einzelnen Fachrichtungen 20
3.1.7 Studiendauer. 22
3.2 Kultureller Hintergrund des Studiums in den USA 25
3.3 Zusammenfassung USA. 27
3.4 Deutschland. 28
3.1.1 Allgemeine Daten. 28
3.1.2 Durchschnittsalter der Studenten. 30
3.1.3 Durchschnittseinkommen 31
3.1.4 Absolventen. 34
3.1.5 Abschlüsse in den einzelnen Fachrichtungen 34
3.1.6 Erwerbslosenquoten in den einzelnen Fachrichtungen 36
3.1.7 Studiendauer. 37
3.5 Die ersten Bachelorabsolventen in Deutschland 40
4. Fazit 44
Literatur
Anhang A1
III
Abbildungsverzeichnis
Seite
Abb. 1: Altersverteilung der Studenten (USA)
Abb. 2: Durchschnittseinkommen nach höchstem erreichtem Abschluss (USA)
Abb. 3: Anzahl der Abschlüsse nach Fachrichtung (USA)
Abb. 4: Arbeitslosenquote nach Fachrichtung (USA)
Abb. 5: Altersverteilung bei Bachelorabschluss (USA)
Abb. 6: Masterstudenten nach Alter (USA)
Abb. 7: Altersverteilung der Universitätsstudenten (D)
Abb. 8: Durchschnittseinkommen von Bachelorabsolventen
nach Fachrichtung (D)
Abb. 9: Anzahl und Art der Abschlüsse nach Fachrichtung (D)
Abb. 10: Erwerbslosenquote nach Fachrichtung (D)
Abb. 11: Abschlüsse nach Art und Alter (D)
Abb. 12: Altersverteilung bei Bachelorabschluss (D)
IV
1. Einleitung
Deutsche Studenten befinden sich derzeit in einer schwierigen, da undurchsichtigen, Situation. Die Veränderung des Hochschulsystems mit den neuen Abschlüssen des Bachelor und Master stellt viele vor eine schwierige Entscheidung bezüglich eines Studiums und dessen Abschluss. Von den Medien als unsicher und unbekannt betitelt, bringt dabei der Abschluss des Bachelor die meisten Probleme mit sich. Bildungsexperten verweisen bei diesem Thema gerne auf die USA als System, in welchem der Bachelorabschluss seit Jahren die Grundlage für eine erfolgreiche Hochschulpolitik sei und nennen bei Begründungen für den derzeit stattfindenden Systemwechsel in Deutschlands Hochschullandschaft die USA mit ihren Spitzenuniversitäten gerne als Aushängeschild. Das neue System soll zu jüngeren Absolventen und zu mehr Differenzierung in Deutschlands Hochschulsystematik führen und es soll in einem gesamteuropäischen Projekt zur Herausbildung einer starken bzw. angesehenen Hochschul-landschaft führen, die ihrerseits mit den USA konkurrieren kann.
Diese Arbeit stellt die zentralen Unterschiede der beiden Hochschulsysteme dar und betrachtet ausgewählte Punkte bezüglich deren Absolventen. In den üblichen Untersuchungen zum Übergang der Hochschulabsolventen wurden Schwerpunkte wie die Länge der Arbeitslosigkeit nach dem Studium oder die Art der Betriebe, in denen die Absolventen unterkommen, betrachtet. Diese Thematik ist zum aktuellen Zeitpunkt jedoch nicht bzw. weniger von Interesse, da sich mit dem Systemwandel die Grundvoraussetzungen von Absolventen viel stärker verändern, als die Seite des Arbeitsmarktes. Hinzu kommt, dass die aktuell stattfindende Systemumstellung noch lange nicht abgeschlossen ist bzw. gerade erst begonnen hat und daher die üblicherweise den Absolventenuntersuchungen zugrunde liegenden Langzeitstudien über Bachelor- und Masterabsolventen schlichtweg nicht in ausreichendem Maße vorliegen. Eine Untersuchung anhand der vorhandenen Langzeitergebnisse über den Verbleib der Diplom-und Magisterabsolventen wäre zu diesem Zeitpunkt zudem wenig reizvoll, da diese Studiengänge im Jahr 2010 voraussichtlich nur noch vereinzelt, wenn überhaupt noch existieren werden.
Einer Erklärung des US-amerikanischen und des deutschen Hochschulsystems, wobei bezüglich des deutschen Systems das alte System der Diplom- und Magisterstudiengänge ebenso wie das neue Bachelor-/Mastersystem erklärt wird, folgt eine Betrachtung der Daten aus dem Hochschulbereich der USA. Die Daten stammen zu einem großen Anteil vom US Census Bureau und vom National Center for Education Statistics (NCES) in den USA und sind auf-grund ihrer Aktualität häufig von den entsprechenden Internetdatenbanken der beiden Einrichtungen entnommen. Die Betrachtung der amerikanischen Daten des Hochschulsystems
1
schließt mit einer kurzen Erläuterung der kulturellen Hintergründe an den Spitzenuniversitäten ab, welche in Deutschland so gerne betrachtet werden und mitunter die auslösende Kraft des Systemwechsels der europäischen Hochschullandschaft darstellen. Parallel zur darauf folgenden Analyse der deutschen Hochschullandschaft erfolgt der Vergleich mit den zuvor betrachteten US-amerikanischen Daten. Die Schwerpunkte liegen hierbei auf Werten über das Alter der Studenten, Arbeitslosenzahlen der Absolventen, abgelegte Prüfungen sowie Verdienstmöglichkeiten und Arten von Abschlüssen. Die hierbei verwendeten Daten entstammen (wiederum aus Aktualitätsgründen) größtenteils den Internetdatenbanken des Statistischen Bundesamtes, des Hochschul-Informations-Systems (HIS), sowie der Hoch-schulrektorenkonferenz (HRK). Die deutschen Erwerbslosenquoten für Absolventen wurden anhand eines Datensatzes aus dem Mikrozensus 2004 berechnet, der auf Anfrage bereitgestellt wurde. Daher befindet sich die Tabelle, auf welcher die Berechnungen basieren, im Anhang. Die meisten Daten enthalten nicht nur Zahlen über die Studenten und Absolventen der Bachelor- und Masterstudiengänge, sondern auch die Werte der alten Studiengänge. Dies hat zwei Gründe: Zum einen ist die Umstellung des Systems noch nicht so weit fortgeschritten, dass eine reine Betrachtung der Bachelor- und Masterstudenten möglich bzw. sinnvoll wäre. Zum anderen sind die Zahlen der Diplom- und Magisterstudenten äußerst wertvoll im Hinblick auf die künftigen Veränderungen für Hochschulabsolventen. So wird also ein mehrschichtiger Vergleich zwischen Daten des US-Systems, den Daten über die neuen Abschlüsse des deutschen Systems, sowie den Daten über die alten Abschlüsse des deutschen Systems gezogen. Die Analyse schließt mit einer kurzen Zusammenfassung der ersten Absolventenbefragung des Abschlussjahrgangs 2002/2003 der Bachelorabsolventen ab, in welchem erste Ergebnisse zu Studium und Verbleib der Absolventen erarbeitet wurden. Abschließend wird in der Arbeit, anhand der über die Bachelor-Absolventen erhobenen Daten, ein Fazit über die Situation der Absolventen in Deutschland gezogen.
2
2. Die Hochschulsysteme
2.1 Der Aufbau des US-Hochschulsystems
Betrachtet man das Hochschulsystem der USA, stellen sich vor allem zwei Aspekte in den Vordergrund: Differenziertheit und Wettbewerb.
2.1.1. Differenziertheit
Das Hochschulsystem der USA ist bei Weitem komplexer und differenzierter als das deutsche, was sich bereits bei der Einteilung in unterschiedliche Kategorien zeigt. Aufgrund der offensichtlich etwas komplexen und vor allem oftmals nicht einheitlichen Bezeichnungen der US-Hochschulen (der Begriff college wird bspw. auch für Fachbereiche benutzt) wird im Verlauf dieser Arbeit eine nochmals vereinfachte Form der Kategorisierung des U.S.News and World Report 1 benutzt. Dieser unterscheidet National University, Master’s University, Liberal Arts College, Comprehensive College, Business Programms und Engineering Programms. National Universities werden hierbei verstanden als „248 American universities (162 public and 86 private) that offer a wide range of undergraduate majors as well as master's and doctoral degrees; many strongly emphasize research.“ 2
Master’s Universities hingegen klassifiziert der U.S.News and World Report als „institutions [that] provide a full range of undergraduate and master's programs. But they offer few, if any, doctoral programs.“ 3
Die Liberal Arts Colleges sind „the nation's 215 liberal arts colleges [,which] emphasize undergraduate education and award at least 50 percent of their degrees in the liberal arts. Most are private institutions but 22 are public.“ 4
Demzufolge sind die Comprehensive Colleges „institutions [,which] focus primarily on undergraduate education just as the liberal arts colleges do but grant fewer than 50 percent of their degrees in liberal arts disciplines. They also offer a range of programs in professional fields such as business, nursing and education. At these schools, at least 10 percent of undergraduate degrees awarded are bachelor's degrees. There are 320 comprehensive colleges-bachelor's.“ 5
1 Vgl. Schindel in: Breinig, Gebhardt, Ostendorf, 185
2 US News and World Report: America’s Best Colleges 2007, National Universities
3 US News and World Report: America’s Best Colleges 2007, Universities-Master’s
4 US News and World Report: America’s Best Colleges 2007, Liberal Arts Colleges
5 US News and World Report: America’s Best Colleges 2007, Compehensive Colleges-Bachelor’s
3
Die Business und die Engineering Programs in dieser Klassifizierung tragen zur weiteren Verarbeitung in dieser Untersuchung nichts bei und werden daher ignoriert. Die weiter vereinfachte Kategorisierung der Hochschulformen im Verlauf dieser Arbeit differenziert lediglich zwischen 2-jährigen Colleges (Associate Studiengänge), 4-jährigen Colleges (sowohl die Universities als auch die Colleges bieten diese an. Sie enden mit dem Ba-chelorabschluss. Der Unterschied zwischen Liberal Arts College und Comprehensive College wurde bereits oben definiert), Graduate Schools (an Universities angebotene Masterstudiengänge - in dem Fall sind dies die oben beschriebenen Master’s Universities - und Promotionen - in diesem Fall sammeln sich hierunter die oben definierten National Universities) und Professional Schools (in etwa zu vergleichen mit Schulen an denen nach deutschen Verständnis nur Staatsexamensstudiengänge angeboten würden, wie etwa Jura oder Medizin). Im Rahmen dieser Hochschulen existieren fünf verschiedene Abschlüsse, deren Dauer in der Regel von zwei bis zu acht Jahren betragen kann.
Das kürzeste Studium ist das innerhalb von 2 Jahren absolvierbare Associate-Studium, welches an den junior colleges (private Einrichtungen) oder community colleges (staatliche Einrichtungen) abgelegt wird. Innerhalb dieser Programme unterscheidet man zwischen Transfer-Programmen, welche als Teil eines Bachelor-Studiengangs fungieren und den Terminal-Programmen, die als berufsorientierter gelten und zumeist auch im direkten Berufseinstieg ihr Ende finden. Der Grund für die hohe Frequentierung der junior oder community colleges liegt meist in den niedrigeren Studiengebühren dieser Einrichtungen, da die Absolventen stets die Möglichkeit besitzen im Rahmen eines Transfer-Programms anschließend einen Bachelor-Abschluß zu erwerben.
Der Bachelor-Abschluß wird in den USA auch als undergraduate Studium bezeichnet. Innerhalb des Bachelor-Studiums erfolgt selten von Beginn an eine Spezialisierung durch inhaltliche Schwerpunkte. Es wird vielmehr eine Art Grundausbildung vermittelt, die eine Entscheidung für bestimmte Schwerpunkte, wenn überhaupt, erst nach 2 Jahren vorsieht. 6 Der Bache-lor, auch Baccalaureat genannt, ist damit der erste vollwertige Studienabschluss in den USA und kann als Basis für weitere Abschlüsse dienen, wenngleich nur etwa rund ein Viertel der US-Amerikaner dies realisieren. In diesen Fällen kann der Bachelor-Abschluß entweder als Vorbereitung auf ein bestimmtes Berufsfeld dienen, wie beispielsweise Jura und Medizin (preparatory degree). Er kann zu einem weiteren Masterstudium führen oder einen vollwertigen ersten Studienabschluß repräsentieren, wie dies beispielsweise in den Wirtschaftswissenschaften der Fall ist.
6 Vgl. Rothfuß, 47
4
Der Abschluß des Master-Studiums hat je nach Studium verschiedene Bedeutungen: Zum einen kann dies ein vollwertiger Abschluss „in praxisorientierten Fächern [sein], in denen der Doktortitel entweder nicht angeboten wird oder als eindeutiger „Gelehrtengrad“ gilt.“ 7 Meist wird in den USA der Master-Abschluß jedoch auf dem Weg zum Doktortitel erworben und manchmal sogar komplett ausgelassen. Die vorab angesprochenen preparatory degrees werden im Master-Studium an professional schools fortgesetzt und gehen mit einer Dauer von 3 Jahren ein Jahr länger als die übrigen Master-Studiengänge. Das Doktorandenstudium kann in den USA entweder direkt nach dem undergraduate degree (Bachelor-Abschluß) begonnen werden oder im Anschluss an das Master-Studium (mit entsprechender zeitlicher Verkürzung). Es gilt hierbei zwei Arten des Doktorats zu unterscheiden: Einerseits kann der klassische Doctor of Philosophy (Ph.D.), dessen Erwerb eher auf „eigene, echte Forschungsarbeit“ 8 hindeutet, erworben werden und andererseits kann das praxisnahe Doktorat, wie beispielsweise das des Doctor of Business Administration (BA.D) oder des Doctor of Science (Sc.D.), welches weniger auf eigene Forschung abzielt. Der Umfang soll hierbei vergleichbar sein. 9 Die Unterscheidungen sind formell zwar noch vorhanden, in der Praxis zeigt sich jedoch eine zunehmende Angleichung der einst unterschiedlichen Abschlüsse.
Es gilt bei der Betrachtung der Daten klarzustellen, dass die mit dem Associate degree endenden Abschlüsse - das bedeutet diejenigen Abschlüsse, denen kein weiteres Bachelorstudium an einer 4-jährigen Einrichtung folgt - in Deutschland dem Ausbildungssektor zugerechnet werden. Betrachtet man die übrigen Abschlüsse, so lässt sich feststellen, dass die USA zwei Vorteile durch diese akademische Vielfalt schaffen: zum einen hat das Land durch hohe Studenten- und Absolventenzahlen bzw. durch die Möglichkeit eines schnellen Studienabschlusses einen internationalen Vorteil bzw. das weithin bekannte internationale Ansehen. Andererseits „kann sich in den USA […] das Bildungsangebot besser an die Bildungsnachfrage anpassen.“ 10 , es ist also in der Lage schneller auf Veränderungen zu reagieren.
2.1.2 Wettbewerb
In den USA gibt es kein Hochschulgesetz, d.h. es gibt keine staatliche Regelung zu Angelegenheiten der Hochschulpolitik, was dazu führte, dass dies Sache der einzelnen Staaten wurde und die Universitäten, Colleges und sonstigen Einrichtungen relativ frei handeln können. Dies
7 Glidden in: Breinig, Gebhardt, Ostendorf, 140
8 Glidden in: Breinig, Gebhardt, Ostendorf, 140
9 Vgl. Glidden in: Breinig, Gebhardt, Ostendorf, 140
10 Vgl. Rothfuß, 27
5
erscheint jedoch nur auf den ersten Blick so, da der Staat durch die steigende finanzielle Unterstützung der Hochschulen indirekt immer mehr Einfluß auf deren Handlungsspielraum nehmen kann. Die grundsätzliche Unterscheidung von staatlichen und privaten Einrichtungen ist in finanzieller Hinsicht und in rechtlicher Hinsicht bedeutend. Die staatlichen Hochschulen werden letztendlich vom jeweiligen Bundesstaat kontrolliert, während die privaten Einrichtungen von einem board of trustees, einem meist aus Sponsoren und Ehemaligen bestehenden, sich selbst zusammensetzenden Vorstand verwaltet werden, der sämtliche Entscheidungen bezüglich der Hochschule trifft. Die Einnahmen der privaten Universitäten stammen vorwiegend aus Studiengebühren und Spenden ihrer Alumni. Die staatlichen Einrichtungen werden hauptsächlich von der Regierung, bzw. ihrem Bundesstaat unterstützt. Eines haben die Hochschulen jedoch gemeinsam: ein erheblicher Teil der Finanzen wird durch Forschungsgelder gedeckt, die jedoch nur begrenzt verfügbar sind. Daher stehen die US-amerikanischen Hochschulen in stetiger Konkurrenz zueinander. Es gilt, ‚sich einen Namen zu machen’, die besten Studenten und Absolventen zu beherbergen, gute Lehrkräfte anzuwerben und mit der Wirtschaft zu kooperieren um Unterstützung von selbiger zu erhalten. Der Hochschulmarkt der USA spiegelt hierbei eine kulturelle Einstellung der Amerikaner wider: es wird versucht den Staat so weit wie möglich in seinen Eingriffen einzuschränken, stattdessen vertraut man auf die Selbstregulierung des Marktes.
Nach dem zweiten Weltkrieg explodierten, begünstigt durch die GI Bill (ein Abkommen zur Zahlung der College-Kosten für Kriegsrückkehrer), die amerikanischen Studentenzahlen. Die Wirtschaft war in der Lage derart hohe Absolventenzahlen unterzubringen und es wurde viel in den Hochschulsektor investiert. Dies war zugleich der Beginn eines bis heute anhaltenden Ringens um Fördergelder. Diese Gelder, ob sie von Unternehmen, Stiftungen, oder vom Staat kommen, wurden und werden lediglich an die besten Einrichtungen vergeben. Dies hatte zur Folge hatte, dass die Hochschulen sich spezialisierten und vor allem untereinander zu konkurrieren begannen. Denn nur durch die Reinvestition von Geldern zur Verbesserung der Hochschule kann garantiert werden, auch im kommenden Zyklus weiterhin zu den besten Einrichtungen zu gehören und damit erneut Gelder zu erhalten.
Der U.S. News and World Report erstellt jährlich eine öffentlich zugängliche Rangliste der Universitäten und Colleges anhand einer Vielzahl von Kriterien, um den angehenden Studenten einen Überblick zu geben, welche Einrichtungen für die jeweilige Fächerwahl am besten bewertet wurden. Verantwortlich für diese und andere Rankings ist die Carnegie Classification, welche seit 1970 Vergleiche zwischen den Hochschulen erstellt.
6
Um die Hochschulen untereinander vergleichen zu können, musste eine Institution geschaffen werden, die einheitliche Anerkennungen verteilen kann, um so ein gewisses Maß an Objektivität in die nationale Hochschullandschaft zu bringen. Da auch hier auf den Eingriff des Staates verzichtet wurde, bildeten sich private Akkreditierungsagenturen heraus, welche den Hochschulen zeitlich begrenzte Akkreditierungen verleihen, die ihrerseits wiederum Qualitätsmerkmal für Studenten und Lehrende sind.
So zeigt sich also, dass die US-Hochschullandschaft einem Dienstleistungsunternehmen gleicht, das sich durch Konkurrenz stetig zu verbessern versucht und um die Gunst seiner Kunden, in Form von Studenten und Professoren, unaufhörlich werben muss. An diesem Punkt ist das hohe Maß an Selbstverwaltung erneut deutlich zu erkennen: Die Verträge mit Professoren werden von Staat zu Staat und sogar von Region zu Region unterschiedlich ausgestaltet, da es lediglich formelle Abstufungen unter den Professoren gibt, jedoch kein einheitliches Bezahlungsmuster. Daher werben erfolgreiche Einrichtungen aufgrund ihrer besseren finanziellen Lage verständlicherweise auch die besseren Professoren an, zumal sie jenen meist bessere Ausstattung bieten können. Ebenso verhält es sich mit Spenden der Absolventen: Die Beziehung der US-Amerikaner zu ihrer Hochschule ist aufgrund eines hohen Mitspracherechts und aufgrund der Identifikation mit dem Namen einer besuchten Einrichtung (dieser Name verhilft schließlich zur Akzeptanz im Berufsleben) sehr hoch. Dies führt wiederum dazu, dass Absolventen guter bis sehr guter Einrichtungen auch entsprechende Karrieren einschlagen können, was wiederum bedeutet, dass sie mehr verdienen und somit auch mehr spenden.
Die Selbständigkeit der amerikanischen Universitäten ist somit das entscheidende Merkmal, das es zu berücksichtigen gilt, wenn man einen Vergleich zwischen Deutschland und den USA ziehen will. Durch eine öffentliche Bekanntgabe der Qualität der verschiedenen Hochschulen entsteht ein fördernder Wettbewerb, an dem sich jede Einrichtung beteiligen muss, sofern sie Interesse an ihrem Fortbestehen hat. Die ‚Nebenrolle’ des Staates wirkt sich in sofern positiv aus, als dass die Hochschulen größtenteils selbst gefordert sind ihren Status zu halten bzw. zu verbessern, und dass niemand nach einer (oft langsam voranschreitenden) Veränderung durch staatliche Regelungen verlangt bzw. verlangen kann.
2.2 Der Aufbau des deutschen Hochschulsystems
Im Gegensatz zu der relativ ausführlichen, da sehr differenzierten, Darstellung des US-Systems, fällt selbige Aufgabe wenn es um das deutsche System geht, eher kurz aus.
7
Arbeit zitieren:
B.A. Dominique Blümke, 2007, Zwischen Jobgarantie und Überqualifikation: Hochschulabsolventen und der Einstieg ins Berufsleben, München, GRIN Verlag GmbH
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Heiko Spallek, Gisela Spallek
2007 Graduate Programs in Physics, Astronomy, and Related Fields
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