Abstract
Die vorliegende Arbeit stellt einen Ausblick auf die Entwicklung der Elitenbildung an Deutschlands Hochschulen dar und überprüft den Zusammenhang zwischen Elite und Karriere. Hierzu wird die Gruppe der studentischen Elite und ihre unterschiedlichen Ausprägungen in Frankreich, den USA und Deutschland untersucht. Im Fokus der Arbeit zum einen die genaue Betrachtung des Elitebegriffes selbst und es wird gezeigt, dass dieser auf unterschiedlichste Art und Weise interpretiert werden kann. Des Weiteren werden die unterschiedlichen Zugangsvoraussetzungen für Elitehochschulen in den drei genannten Ländern sowie die Repräsentation der Absolventen in elitären Positionen genauer betrachtet. Aus diesen Betrachtungen wird ein Ausblick auf die mögliche Entwicklung und eine aktuelle Bewertung der deutschen Exzellenzinitiative gegeben. Entgegen der weitläufigen Meinung eine Ausbildung an einer Elitehochschule sei nur den Besten vorbehalten, stellt sich heraus, dass habituelle Präferenzen ebenso für die Aufnahme an eine Elitehochschule von Bedeutung sind wie der Faktor Geld. Weiter wird gezeigt, dass der Elitebegriff eine hohe Komplexität aufweist, die leicht zu Fehlinterpretationen führen kann. Abschließend wird der Elitebegriff auf seinen Zusammenhang zum Begriff der Karriere hin untersucht und es wird festgestellt, dass die Begriffe weder aufeinander aufbauen noch strikt miteinander in Verbindung stehen.
Inhaltsverzeichnis
1 Abgrenzung der Themenstellung 1
2 Der Elitebegriff 2
3 Die studentische Elite. 4
3.1 Die studentische Elite der USA. 5
3.2 Die studentische Elite Frankreichs. 9
3.3 Die studentische Elite Deutschlands. 10
4 Die deutsche Exzellenzinitiative 11
5 Der Zusammenhang von Elite und Karriere 14
6 Resümee 16
Literatur
I
1 Abgrenzung der Themenstellung
Persönlichkeiten wie Bill Gates, Steven Spielberg, Rene Obermann oder Ferdinand A-lexander Porsche stehen beinahe tagtäglich im Blickpunkt der Gesellschaft. Eine nicht allzu kritische Hinterfragung dieses Phänomens endet oftmals in der Begründung es handele sich hierbei nun mal um so genannte Macher, Stars oder Spitzenkräfte. Sie befriedigen den hedonistischen Drang der Öffentlichkeit oder geben der breiten Allgemeinheit durch ihr Verhalten jenen Nährboden, anhand dessen sich diese nur zu gerne empört. Der Weg, der zu diesen Positionen führt, wird gemeinhin als Karriere bezeichnet. In der Öffentlichkeit agierende Akademiker, Spitzenkräfte der Wirtschaft, Profi-sportler, Filmstars oder Politiker - sie alle haben ein entsprechend hohes Einkommen und genießen bestimmte Privilegien. Dieser Fakt macht sie in einer - zugegeben sehr simpel formulierten - Kausalitätskette zur Spitze unserer Gesellschaft. ’Karriere machen’ ist folglich ein hoch angesehenes Gut der heutigen Zeit. Karrieren können, so zumindest die Ansicht der breiten Masse, geformt werden und führen zu Spitzenpositionen. „Bei einer Betrachtung der Akademikerquoten von Topmanagern der Wirtschaft in Frankreich, den USA und Deutschland stößt man auf Werte von über 89 %“ (Vgl. Opitz, 2005, 92). Die Besucher hoher und höchster Bildungseinrichtungen scheinen folglich wie geschaffen für das Erreichen von Elitepositionen zu sein. Studenten orientieren sich hin zu praktisch orientierten Studiengängen, um anschließend in der Wirtschaft besagte Karrieren machen zu können, verlautet es aus allen Ecken der deutschen Hochschullandschaft. Ein Richtungswechsel der Hochschulpolitik in Deutschland scheint demnach eine logische Folge des Erfolgsdenkens zu sein. Spitzenpositionen besetzen, zu den Besten gehören, Karriere machen - all diese Formulierungen münden in einer Bezeichnung, die sich zeitweise auch im gleichnamigen Programm der Hochschulpolitik wieder fand: es geht um die Ausbildung und Förderung von Eliten. Dieser Begriff findet sich jedoch in unterschiedlichsten Zusammenhängen und Formulierungen wieder, so dass eine genauere Betrachtung hier notwendig erscheint.
Ziel der vorliegenden Arbeit ist die Herausarbeitung von internationalen Unterschieden der Elitenausbildung von Studenten, um so zu einer Prognose der Entwicklung der deutschen Hochschullandschaft zu gelangen. Hierzu muss vorab definiert werden, was unter Eliten zu verstehen ist bevor Datensätze aus verschiedenen Ländern (USA und Frankreich) untersucht werden, um anschließend das deutsche Programm der Exzellenzinitia-
1
tive hiermit zu kontrastieren. Abschließend wird der Zusammenhang zwischen dem Karrierebegriff und dem Elitebegriff näher untersucht.
2 Der Elitebegriff
Der Elitebegriff hat bereits eine lange Geschichte durchlebt und erfreut sich inzwischen unterschiedlichster Verwendungen. Von Eliteschülern über Elitesportler, Elitesoldaten bis hin zu einem eigenen Tastaturkürzel in der digitalen Welt der Computerspiele 1 wird der Begriff eifrig gebraucht. Die breite Allgemeinheit bezeichnet schlichtweg Personen in hohen und höchsten Positionen, wie etwa Stars oder Topmanager, als Eliten ohne genauer zu differenzieren. Wichtig hierfür scheint lediglich der Grad an Bekanntheit zu sein bzw. die Tatsache überhaupt in den Medien aufzutauchen, ganz gleich in welchen Zusammenhängen.
Der vom lateinischen Verb eligere im Sinne von „auslesen, auswählen“ (Drosdowski, 1994, 392) stammende Begriff der Elite wird im klassischen Verständnis bezeichnet als eine „Auslese der Besten“ oder „Führungsschicht“ (Drosdowski, 1994, 392). Interessant erscheint an dieser Stelle bereits die Tatsache, dass der Begriff zwei Bedeutungen hat. Eine Auslese der Besten stellt nicht zwangsläufig eine Führungsschicht dar und umgekehrt.
Im soziologischen Verständnis finden sich zahlreiche weitere Unterteilungen des Begriffes wieder: so wird zwischen administrativer, alter, dynastischer, geschlossener, kombinatorischer, kultureller, meinungsbildender, neuer, offener, oligarchischer, patriarchaler, persistenter und politischer Elite unterschieden (vgl. Fuchs-Heinritz, 2007, 158f.). Die Vielzahl der verschiedenen Bedeutungen, die dieser Begriff scheinbar annehmen kann, weist eindrucksvoll auf seine Komplexität hin. Der eigentliche Elitebegriff wird in soziologischen Lexika auf folgende Ausprägungen reduziert:
Zum einen wird hierunter „die Summe der Inhaber von Herrschaftspositionen, deren Entscheidungen aufgrund ihrer Positions-Rollen gesamtgesellschaftliche Folgen haben können“ (Fuchs-Heinritz, 2007, 158), verstanden.
1 Das Kürzel 1337 steht für Leetspeak, die Ersetzung von Buchstaben durch Zahlen, was sich wiederum
aus dem englischen ’elite’ ableitete. Es wurde anfänglich als eine Art Geheimcode zur Verschlüsselung
von E-Mails verwendet und findet inzwischen Verwendung in Internet-Computerspielen. Bei 1337 steht
die 1 für ein ’l’, die 3 für ein gespiegeltes ’e’ und die 7 für ein ’t’: leet = Leetspeak.
2
Eine zweite Definition versteht unter Elite „die Summe der Inhaber der höchsten Rangplätze auf der Macht- oder Prestigeskala der Gesellschaft, die aufgrund sozial akzeptierter Qualifikationen die höchsten Positionen in Subsystemen einnehmen und hierüber die Strukturen des jeweiligen Systems beeinflussen können“ (vgl. Fuchs-Heinritz, 2007, 158).
Ein drittes Verständnis bezeichnet eine Elite als „Gruppe, die an der Spitze der Sozialhierarchie eines agrarischen Systems steht und die „vernünftige“ Herrschaft inne hat, den Zweck des Ganzen nach außen und innen repräsentiert und in sämtlichen Medien folglich an der Spitzenposition steht, z. B. was Geld, Schönheit oder Tugenden angeht“ (vgl. Fuchs-Heinritz, 2007, 158).
Eine weitere Definition sieht Eliten als „Gruppe der Inhaber der höchsten Rangplätze auf der Macht-, Einkommens- oder Prestigeskala innerhalb einer bestimmten Region, die weniger durch Positionsmacht Entscheidungen trifft, sondern diese eher beeinflusst. Diese Gruppe könnte auch mit dem Begriff Prominenz bezeichnet werden“ (vgl. Fuchs-Heinritz, 2007, 158).
Abschliessend sei noch die ursprüngliche Definition Vilfredo Paretos genannt, welcher den Begriff der Elite früh prägte. Elite ist „Nach V. Pareto die Summe der in verschiedensten Tätigkeitsbereichen Erfolgreichsten und Mächtigsten; die E. teilt sich in zwei Gruppierungen: die kombinatorische und die persistente E.“ (Fuchs-Heinritz, 2007, 158).
An anderer Stelle wird Elite anhand der „Inhaber höchster Führungspositionen einer Gesellschaft, die eine gestaltend tätige Minderheit bilden und sich weitgehend mit der Oberschicht decken“ (vgl. Hillmann, 2007, 177) definiert. „Eliten setzen sich aus Teileliten zusammen, die untereinander verflochten sind, wobei die Geburts-, Wert-, Macht, Geschmacks- und Konsum-, sowie die Funktions- und Leistungseliten die Hauptformen darstellen“ (vgl. Hillmann, 2007, 177).
Folglich steht für den Elitenbegriff, sofern er aus soziologischen Lexika definiert wird, lediglich eines fest: Eliten stellen eine gesellschaftliche Minderheit in hohen und höchsten Positionen dar - genauere Unterscheidungen sind abhängig von der jeweils gewählten Definition.
Bei genauerer Betrachtung des vorab erwähnten Eliteverständnisses der breiten Masse, wird nunmehr eine Einteilung in verschiedene Definitionen möglich. So könnten die Stars aus Film und Fernsehen einerseits der vorab erwähnten Prominenz im weitesten Sinne zugeordnet werden, gleichzeitig erfüllen sie auch zweifelsohne die Vorrausset-
3
Arbeit zitieren:
B.A. Dominique Blümke, 2008, Karriere, Elite, Exzellenzinitiative - Die studentische Elite im internationalen Vergleich, München, GRIN Verlag GmbH
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