Diese Arbeit wird sich mit der Umsetzung der Erlebnispädagogik im Jugendstrafvollzug und ihrer Auswirkungen auf die teilnehmenden jugendlichen Insassen auseinandersetzen. Dazu wird ein historischer Abriss einen Einstieg in dieses Thema bieten. Dabei sollen einerseits die allgemeinen geschichtlichen Hintergründe aufgezeigt werden, andererseits soll auch den Wegbereitern der erlebnispädagogischen Arbeit mit delinquenten Jugendlichen Bedeutung zukommen. Anschließend soll ein Einblick in die gegenwärtige Alltagssituation im Jugendstrafvollzug Vergleichsmöglichkeiten zur erlebnispädagogischen Arbeit mit jugendlichen Straffälligen bieten. Diese soll anhand einiger Unternehmungen und deren Wirkungen auf die Teilnehmer der Haftanstalt Adelsheim in Baden-Württemberg veranschaulicht werden. Letztlich wird eine kurze Darstellung der gegenwärtigen Kritik an der erlebnispädagogischen Arbeit im Jugendstrafvollzug, aber auch ihrer Verdienste erfolgen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Geschichtliche Hintergründe der Erlebnispädagogik
2.1 Das Erfahrungslernen im Spiegel der Jahrhunderte
2.1.1 Anfänge im 18. Jahrhundert
2.1.2 Die Schulreformen im 19. Jahrhundert
2.1.3 Landerziehungsheimbewegung und Erlebnistherapie im 20. Jahrhundert
2.2 Wegbereiter der erlebnispädagogischen Arbeit mit delinquenten Jugendlichen
2.2.1 Giovanni Bosco
2.2.2 August Aichhorn
2.2.3 Edward Josef Flanagan
2.2.4 Anton Semenovic Makarenko
3 Moderne Erlebnispädagogik im Jugendstrafvollzug
3.1 Gesetzliche Regelungen
3.2 Alltag im Jugendstrafvollzug
3.3 Erlebnispädagogik im Jugendstrafvollzug
3.3.1 Erlebnispädagogik in der Jugendstrafanstalt Adelsheim
3.4 Sinn und Zweck erlebnispädagogischer Arbeit mit straffälligen Jugendlichen
4 Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Umsetzung und Auswirkungen der Erlebnispädagogik im Jugendstrafvollzug, um zu klären, inwieweit diese pädagogische Methode zur Resozialisierung und Persönlichkeitsentwicklung delinquenter Jugendlicher beitragen kann.
- Historische Entwicklung der Erlebnispädagogik seit dem 18. Jahrhundert
- Biografien und Ansätze der Wegbereiter Bosco, Aichhorn, Flanagan und Makarenko
- Analyse des Alltags und der gesetzlichen Rahmenbedingungen im Jugendstrafvollzug
- Fallbeispiel der erlebnispädagogischen Arbeit in der Jugendstrafanstalt Adelsheim
- Kritische Reflexion über Sinn, Zweck und Wirksamkeit der Methode
Auszug aus dem Buch
2.2.1. Giovanni Bosco
Der italienische Vertreter der eben Genannten, Giovanni Bosco, lebte in seiner „Jungenstadt“ zusammen mit den Turiner „Niemandskindern“ in einer symbiotischen Beziehung aus Religion und Erziehung. Bosco wurde 1815 in Becchi, einer italienischen Stadt in der Region Piemont als Sohn armer Bauern geboren, dem ein „geruhsames Leben eines Landpfarrers“ bevorstand. Stattdessen verschlug ihn sein Studium nach Turin, wo er auf die verwahrlosten Straßenkinder traf und ihnen Zuwendung in Form gemeinsamer Spiele und Gebete gab. Bald darauf gründete er 1846 eine „Jungenstadt“ im Turiner Vorort Valgeccho, in der die Straßenkinder lernen sollten, „ihr eigenes Leben als Übung im Guten zu führen“. Bosco verfügte dabei über ein reiches Instrumentarium an Erziehungsmitteln, die das tägliche Leben der Kinder in der „Jungenstadt“ begleiteten; als da wären: das Abendwort, die Arbeit, Bündnisse, Erfahrungen, Erholung, Freundschaft, Frohsinn/Freude, Jugend/Kindheit und Optimismus.
Die wichtigste Bedeutung kommt in der Pädagogik Boscos der Kindheit bei, die in seinen Augen als eine handlungsorientierte Entwicklungsphase basierend auf tiefgreifender Emotionalität, zu betrachten gilt. Um ein Kind erziehen zu können, musste Bosco also einen Weg zur Emotionalität des Kindes finden und bediente sich dabei verschiedener Werkzeuge. Zum einen praktizierte Bosco mit diesen Kindern eine „Pädagogik der Freude“, die aus einer tiefen Verbundenheit mit den Kindern und mit Gott resultierte. Zum anderen galten für Bosco die Arbeit und die Religion als Eckpfeiler seines Erziehungssystems.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in das Thema der Erlebnispädagogik im Jugendstrafvollzug sowie Erläuterung der Zielsetzung und Vorgehensweise der Arbeit.
2 Geschichtliche Hintergründe der Erlebnispädagogik: Darstellung der ideengeschichtlichen Wurzeln vom 18. Jahrhundert bis zur modernen Erlebnispädagogik und deren zentralen Vordenkern.
3 Moderne Erlebnispädagogik im Jugendstrafvollzug: Untersuchung der aktuellen Anwendung erlebnispädagogischer Methoden in Strafvollzugseinrichtungen, inklusive rechtlicher Aspekte und konkreter Praxisbeispiele wie Adelsheim.
4 Schluss: Fazit der Arbeit mit einer zusammenfassenden Einordnung der erlebnispädagogischen Bedeutung und einer Reflexion der Möglichkeiten und Grenzen bei straffälligen Jugendlichen.
Schlüsselwörter
Erlebnispädagogik, Jugendstrafvollzug, Delinquenz, Resozialisierung, Erfahrungslernen, Pädagogik der Freude, Persönlichkeitsentwicklung, Straffälligkeit, Erziehungsmittel, Landerziehungsheimbewegung, Adelsheim, Sozialverhalten, Transferproblematik, Charakterbildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beleuchtet die historische Entwicklung und die heutige Umsetzung erlebnispädagogischer Konzepte bei der Arbeit mit delinquenten Jugendlichen im Jugendstrafvollzug.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf der pädagogischen Ideengeschichte, den biografischen Ansätzen bedeutender Wegbereiter sowie der Analyse der praktischen Anwendung im deutschen Justizvollzug.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit zielt darauf ab, den erzieherischen Wert und die Wirksamkeit erlebnispädagogischer Interventionen für straffällige Jugendliche kritisch zu untersuchen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen historisch-deskriptiven Ansatz sowie eine Literaturanalyse, ergänzt durch die Auswertung von Praxisberichten und gesetzlichen Rahmenbedingungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historischen Hintergründe der Erlebnispädagogik, die Vorstellung ihrer Wegbereiter sowie die Anwendung und Kritik der Methode im modernen Jugendstrafvollzug.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Erlebnispädagogik, Jugendstrafvollzug, Delinquenz, Resozialisierung, Erfahrungslernen und Charakterbildung.
Was zeichnet die Pädagogik von Giovanni Bosco aus?
Bosco nutzte sein „Präventivsystem“, das auf Liebe, Religion, Arbeit und freudvollen Erlebnissen basierte, anstatt auf Bestrafung zu setzen.
Welche Rolle spielt die Jugendstrafanstalt Adelsheim in der Untersuchung?
Adelsheim dient als zentrales Fallbeispiel für die praktische Umsetzung mehrtägiger erlebnispädagogischer Projekte, um die Auswirkungen auf das Sozialverhalten der Insassen aufzuzeigen.
- Quote paper
- Chrystina Kunze (Author), 2003, Historischer Rückblick der erlebnispädagogischen Arbeit mit delinquenten Jugendlichen und ihre heutige Ausprägung im Jugendstrafvollzug, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11573