Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. St. Emmeram im Mittelalter. 1
2.1. St. Emmeram I : Der Sintpertbau 2
2.2. St. Emmeram II. - Ramwold Basilika (980/90) 3
2.2.1. Die Ramwoldkrypta 4
2.2.2. Weitere Baumaßnahmen unter Abt Ramwold 4
2.3. St. Emmeram III. - Reginward Basilika (1049/60) 4
2.3.1. Das Westquerhaus 5
2.3.2. Das Doppelnischenportal 6
2.4. Weitere Baumaßnahmen bis zum Ende des Mittelalters. 7
2.4.1. Der Brand im Jahr 1166 7
2.4.2. Aufstellung eines Lettners 1496. 8
3. Die Barockisierung der Kirche St. Emmeram. 9
3.1. Erste Barockisierung nach dem Brand um 1642 10
3.1.1. Die Orgelempore 10
3.1.2. Das Bildprogramm der Kirche 10
3.1.3. Der Hochaltar 11
3.1.4. Weitere Ausstattungsmaßnahmen 12
3.2. Zweite Barockisierung unter Abt Anselm Godin. 13
3.2.1. Die Situation vor der Neuausstattung durch die Gebrüder Asam 13
3.2.2. Welche Umgestaltungsmaßnahmen wurden durchgeführt? 13
3.2.3. Das Dekorationssystem im Langhaus 14
3.2.4. Das Bildprogramm 15
4. Zusammenfassung. 19
5. Abbildungen 20
6. Abbildungsverzeichnis/ - nachweis. 31
7. Literaturverzeichnis 33
St Emmeram in Regensburg Yvonne Sitter
Die Barockisierung der ehemaligen Benediktinerabtei
St. Emmeram in Regensburg
1. Einleitung
Kein anderes Kloster in Regensburg errang jemals die Bedeutung der Benediktinerabtei St. Emmeram. Sie bildete über ein Jahrtausend lang den klösterlichen, geistigen und kulturellen Mittelpunkt der Stadt und des Bistums. Als im Jahre 1964 Papst Paul IV. der Pfarrkirche St. Emmeram die Ehre und Würde einer Basilika verlieh, schrieb er: „Heiliger Boden ist jener Teil der Stadt Regensburg, wo das dem Bischof und Märtyrer Emmeram geweihte Gotteshaus aufragt.“ St. Emmeram ist der größte vorromanische Kirchenbau Deutschlands und zählt zu den ehrwürdigsten kirchlichen und geschichtlichen Stätten des deutsprachigen Raums. Die Baugeschichte ist eine sehr komplexe. Jede Baumaßnahme stellt einen wichtigen Abschnitt in der Klostergeschichte dar.
Die Aufgabe dieser Arbeit soll es sein, die Geschichte der Kirche zusammenfassend darzustellen. Der wichtigste Teil ist die Barockisierung unter den Gebrüder Asam, die 1731-33 die Ausstattung der Kirche übernahmen. Ausgangspunkt der Betrachtung der barocken Umgestaltung ist aber die mittelalterliche Kirche St. Emmerams.
Bis heute lässt sich sehr wenig Literatur zur Baugeschichte der Kirche finden. Eine große Ausnahme bilden jedoch die Thurn und Taxis Studien, die seit 1963 in gewissen Abständen erscheinen und immer wieder von neuen Erkenntnissen zur Kirche und zum Kloster berichten. Sehr hervorzuheben wäre Max Piendl, der das verstreute schriftliche Quellenmaterial zusammenstellte und kommentierte. Durch ihn erstrahlte die Geschichte der Kirchen in einem neuen Licht.
2. St. Emmeram im Mittelalter
Die Anfänge der Benediktinerabtei reichen wohl bis zur Wende vom 7. zum 8. Jahrhundert zurück. 685 wird der Hl Emmeram in der Georgskirche beigesetzt. Schon 730 kommt es zur ältesten datierten Schenkung. Diese stammte von Herzog Hugbert, der seinen Hof in
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St Emmeram in Regensburg Yvonne Sitter
Prükwang der Kirche des Hl. Georg und des Hl. Emmeram vermacht. 1 Es zeigt, welche große Verehrung Emmeram schon kurz nach seinem Tod zukam.
Aufgrund der zunehmenden Verehrung kam es unter Gaubald zur Umbettung Emmerams von einem Bodengrab in ein Prunkgrab. 2 Dies ist aber kein Hinweis auf den Bau der Emmeramskrypta (samt Ringkrypta), wie die ältere Literatur vermutet. 3 Aufgabe des Prunkgrabes sollte es sein mehr Pilger anzuziehen.
Der entscheidende Moment in der Geschichte St. Emmerams war die Translatio, die vom Regensburger Bischof vollzogen wurde. Erst von diesem Zeitpunkt an konnte man dem Hl. Emmeram eine Kirche errichten
2.1. St. Emmeram I : Der Sintpertbau 4
St. Emmeram I ist der älteste feststellbare Kern der Basilika. 792 wird in einer Schenkung erstmals der Hl. Emmeram als Titelheiliger an erster Stelle genannt, dies deutet auf einen Patroziniumswechsel hin.
In den „Annales Ratisponenses“ kann man lesen, dass Sintpert diesen Neubau auf Geheiß Karls des Großen 783 errichtete. Arnold von Freising schreibt im Jahr 1036 in der „Liber de Miraculis“ Altbischof Sintpert die Emmeramskrypta zu 5 . Heute kann man diesen Bau nur mehr in der Emmeramskrypta und den unteren Lagen der ursprünglich über ihrem inneren Mauerring aufsteigenden Apsiswand erkennen.
Die Apsis war halbrund geschlossen. Der gesamte Bau war flach gedeckt oder hatte einen offenen Dachstuhl. Der Ringgang wies wahrscheinlich fünf schmale Rundbogenfenster mit schräger Leibung auf. Im Gang kann man heute teilweise freigelegte ornamentale Malereien finden, die Flechtbanddekor und komplizierte geometrische Muster zeigen (dies lässt sich auch gut mit der karolingischen Buchmalerei des 8. Jahrhunderts vergleichen). 6
1 Max Piendl: Quellen und Forschungen zur Geschichte des ehemaligen Reichstiftes St. Emmeram in Regensburg, in: Thurn und Taxis Studien (Band 1), Kallmünz 1961. (im folgenden zitiert als Piendl Fontes) Seite 10
2 Siehe Abbildung 1
3 Auch Piendl vermutet noch, dass um diese Zeit die Ringkrypta erbaut wurde - Piendl fontes - siehe Anm.1-Seite 11ff
4 Siehe Abbildung 2 - Grundriss St. Emmeram I
5 „…Er errichtete dem Hl. Emmeram eine neue, größere Kirche, die durch ihn besonders kostbar ausgestattet worden sei“ aus: Piendl Fontes - siehe Anm.1 - Seite 15
6 Siehe Abbildung 3 - Malerei in der Ringkrypta
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St Emmeram in Regensburg Yvonne Sitter
Im Jahr 893 schenkte Kaiser Arnulf von Kärnten dem Kloster den gesamten Schmuck seiner Pfalz, unter anderem das Arnulf Ziborium und den Codex Aureus 7 . Dies zeigt auch, wie sehr Arnulf den Hl. Emmeram verehrte. Es ist auch überliefert, dass Graf Jrinc, der mehrfach im Gefolge des Kaisers nachzuweisen war, Baumaßnahmen in der Emmeramskirche vornahm 8 . Man nimmt daher an, dass in dieser Zeit ein Umbau der Ostteile stattfand, dem die halbrund geschlossenen Nebenchöre zu verdanken sind. Bis zur Barockisierung konnte man im nördlichen Seitenschiff eine Inschrift lesen, derzufolge Jrinc diesen, dem Hl. Georg geweihten Teil der Kirche, in dem früher der Hl. Emmeram begraben war, erbaut habe. 9 Das würde bedeuten, dass es im 9. Jahrhundert schon einen Dreiapsidenabschluss gab. Jedoch kann es genauso sein, dass nur das südliche Seitenschiff einen apsidialen Abschluss bekam, da dieser Teil der Kirche der Älteste und Wichtigste war. Schließlich wurde hier der Hl. Emmeram 740 beigesetzt.
2.2. St. Emmeram II. - Ramwold Basilika (980/90) 10
Um 980/90 wurde St. Emmeram zu einem weit strahlenden Zentrum für monasterische Erneuerung. Als Hauptvermittler dieser Reform galt der damalige Reichsbischof Wolfgang. 11 Er lernte in Trier das Ideal monastischer Erneuerung kennen und verhalf ihm auch im neuen Wirkungskreis zum Sieg. Bald nach Regierungsantritt willigte er zum einen in die Abtrennung des böhmischen Missionsgebiets ein und löste zum anderen die Personalunion vom Domstift und Domkloster, indem er seinen Trierer Freund Ramwold zum Abt von St. Emmeram bestellte. Dieser leitete ein Vierteljahrhundert lang das Kloster in bester benediktinischer Tradition und hob nicht nur in Regensburg, sondern in ganz Bayern die Vollblüte monastischen Lebens an.
Eine weitere Erneuerung war die Einführung der Gorzer Reform, die mit einem geistigen Erwachen und Aufblühen einherging. Auch der bayrisch-sächsische Herzogssohn und spätere Kaiser Heinrich II. wuchs im Regensburger Reformkreis auf.
7 Piendl Fontes (siehe Anm.1): Seite 17
8 Piendl Fontes (siehe Anm. 1): Seite 18
9 Piendl Fontes: …Tunc in amore sui hanc aulam construxerat Irinc, Exellens praesens regis…. (Seite 18)
10 Siehe Abbildung 4 - Grundriss St. Emmeram II
11 Hl. Wolfgang (924-994): Wolfgang wurde 924 in Schwaben geboren. 956 folgte er dem Trierer Erzbischof Heinrich nach Trier und unterrichtete bis 964 an der dortigen Domschule. Nach seiner Priesterweihe (968) war er zunächst als Missionar in der Provinz Noricum tätig. Nachdem er 972 von Kaiser Otto II. zum Bischof von Regensburg ernannt worden war, reformierte Wolfgang das Bistum und gründete das Frauenkloster Sankt Paul. Wolfgang starb am 31. Oktober 994 im oberösterreichischen Pupping.
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St Emmeram in Regensburg Yvonne Sitter
Das bedeutendste Zentrum der Gorzer Reform im Westen des Reiches war das Kloster St. Maximin in Trier. 12 Von hier aus wurde Ramwold nach Regensburg berufen. Die Kirche wurde das Vorbild für weitere bauliche Veränderungen St. Emmerams.
Die Ramwoldkrypta 13 2.2.1.
Unter anderem lässt Ramwold die, der Hauptapsis vorgelagerten und später nach ihm benannte Außenkrypta errichten. 14 Sie war halb in den Boden versenkt und besaß, bis zu ihrem Umbau 1750 drei gewölbte Seitenschiffe, die durch zwei freistehende Säulen getrennt waren. Von den Säulen sind heute nur noch Topfkapitelle erhalten. Diese Krypta besaß laut der Weihnachricht sechs Altäre, die in kreuzförmiger Anordnung aufgestellt waren.
2.2.2. Weitere Baumaßnahmen unter Abt Ramwold
Die neuere Forschung geht davon aus, dass auch die im aufgehenden Mauerwerk der nördlichen Chorwand freigelegten Arkadenpfeiler aus der Zeit Ramwolds stammen. 15 1952 wurden die Arkaden freigelegt. Sie zeigen teilweise hochkant gestellte und unter sparsamsten Mörtelgebrauch versetzte Großquader. Früher dachte man, dass diese „römisch“ anmutende Technik auf den Sintpertbau zurückgeht, doch dies wurde durch neuere Befunde widerlegt. Schließlich wurde diese Technik nur in der Ramwoldkrypta und der Chorwand angewandt und findet sich an keiner anderen Stelle der Kirche.
Insgesamt war die Kirche damals bedeutend niedriger als heute. Sie war eine dreischiffige Pfeilerbasilika ohne Querhaus, flach gedeckt und mit einer lisenenartigen Obergadenwand versehen.
2.3. St. Emmeram III. - Reginward Basilika (1049/60) 16
Das größte Ziel St. Emmerams in der Mitte des 11. Jahrhunderts war die Exemption. Sie galt als Voraussetzung für eine freie und gesunde Entfaltung des klösterlichen Lebens. 17 St. Emmeram versuchte es auf dem Weg des „frommen Betruges“ (pia fraus), indem sie Reliquien, aber auch Urkunden fälschte.
12 Siehe Abbildung 5 - Grundriss von St. Maximin in Trier
13 Siehe Abbildung 6 - Innenansicht der Krypta
14 Siehe Abbildungen 7-9
15 Jochen Zink, Neue Forschungen zur frühen Baugeschichte von St. Emmeram und St. Rupert, in: Thurn und Taxis Studien (Band 18), Kallmünz 1992. (im folgenden zitiert als „Zink 1992“)
16 Siehe Abbildung 10 - St. Emmeram III
17 Walter Ziegler, Das Benediktinerkloster St. Emmeram in der Reformationszeit, in: Thurn und Taxis Studien (Band 6), Kallmünz 1970. Seite 153
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St Emmeram in Regensburg Yvonne Sitter
1049 öffnete man in der Kirche ein Grab mit den angeblichen Gebeinen des Hl. Dionysius. 18 Durch den Besitz dieser Reliquien erhoffte sich das Kloster eine Steigerung seines Ansehens. Deswegen bittet Abt Reginward den Regensburger Bischof Gebhard III. um Erlaubnis für einen Neubau im Westen. Reginward hat durch seine radikalen Erneuerungen und Erweiterungen des Ramwold Baus die Klosterkirche in ihren bis zum heutigen Tag bestehenden Umrissen festgelegt.
Das Westquerhaus 19 2.3.1.
Man begann im Jahr 1050 mit dem Neubau eines Querhauses mit Westchor (dem Hl. Dionysius geweiht) und darunter liegender Krypta, in welcher die Gebeine des Hl. Wolfgang aufbewahrt wurden. Wahrscheinlich plante man auch Türme nördlich und südlich des Dionysiuschores. Man entschied sich aber dann, weit abgerückt von der Kirche, einen Campanile zu bauen und in den bereits ausgeführten Umfassungsmauern des nördlichen Chorflankenturms die Magdalenenkapelle zu errichten.
Für die Gebeine der Hll. Wolfgang und Dionysius wurde eine zweigeschossige Confessio-Anlage errichtet. In einer gewölbten Kammer unter dem Altar befanden sich die Reliquien des Hl. Dionysius. Sie konnten durch eine in der Ostwand des Chores befindlichen Fenestella verehrt werden. Die Reliquien des Hl. Wolfgang wurden in einem Schrein, der sich in der Wolfgangskrypta befindet, aufbewahrt.
Die Krypta des Hl. Wolfgang gehört zu den Höhepunkten der deutschen Raumkunst des mittleren 11. Jahrhunderts. Sie ist ein nahezu quadratischer und fünfschiffiger Raum zu fünf Jochen. 20 Die Wände des unter dem Dionysiuschores befindlichen Teils der Krypta werden durch halbrunde Wandnischen gegliedert. 16 schlanke und ungleich hohe Säulen tragen das Gewölbe. 21 Die Würfelkapitelle besitzen vertiefte Schilde, von denen einige Ornamente wie Ranken und Halbkreise tragen und damit „zu den frühesten dekorierten Würfelkapitellen überhaupt“ gehören. 22
Mit dem Bau dieses Westquerhauses, das zu „den mächtigsten seiner Zeit“ 23 gehörte, erreichte der Wettstreit zwischen St. Emmeram und der Bischofskirche St. Peter einen
18 Hl. Dionysius: Dionysius von Paris, französischer Nationalheiliger und Märtyrer. Die Historiae Francorum des Gregor von Tours berichtet, dass er um 250 zu predigen begonnen habe. Daraufhin ordnete der zuständige römische Gouverneur seine Verhaftung an und ließ ihn köpfen. Einer Legende zufolge soll Dionysius nach seiner Enthauptung aufgestanden und mit seinem Kopf in den Händen ein Stück Weges gelaufen sein. An jener Stelle, wo er sich niedergelegt haben soll, errichtete der fränkische König Dagobert I. 626 die nach Dionysius benannte Abtei Saint-Denis.
19 Siehe Abbildung 11 - Einblick in das Westquerhaus
20 Richard Strobel, Romanische Architektur in Regensburg, Nürnberg 1965. (Seiten 23-37)
21 Siehe Abbildungen 12-14
22 Zink 1992 - Siehe Anm. 15 - Seite 135
23 Zink 1992 - Siehe Anm.15 - Seite 139
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Arbeit zitieren:
Mag.phil. Yvonne Sitter, 2005, Die Barockisierung der ehem. Benediktinerabtei St. Emmeram in Regensburg, München, GRIN Verlag GmbH
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