Inhaltsverzeichnis:
A. Übersicht der Arbeit 3
B. Die Besatzer und die Öffnung der Konzentrationslager in Bayern am Beispiel des Lagers
Dachau. 4
1. Kurzer Überblick über die wichtigsten Konzentrationslager und ihre Befreiung. 4
2. Die letzten Tage des Konzentrationslagers Dachau. 6
3. Die Ankunft der Amerikaner. 8
a) Die 45. „Thunderbird“- Infantriedivision unter dem Befehl Colonel Felix Sparks. 9
b) Die 42. „Rainbow“- Infantriedivision unter dem Befehl Generals Henning Linden. 10
c) Der Streit um die Befreiung des Lagers in der Forschung und aus heutiger Sicht 11
4. Dis Diskussion um die Tötungen von SS-Männern durch US-Soldaten 12
a) Rekonstruktion nach Howard A. Buechner 14
b) Neue Forschungsansätze und Fazit. 15
5. Die Öffnung des Lagers 19
C. Abschließende Betrachtungen 21
Quellenverzeichnis und Zeitzeugendarstellungen. 23
Literaturverzeichnis. 23
2
A. Übersicht der Arbeit
Meine Arbeit beschäftigt sich mit der Öffnung der Konzentrationslager in Bayern am Beispiel des Konzentrationslagers Dachau. Es sollen die Vorgänge vor, während und nach der Ankunft der Amerikaner untersucht werden und dabei besonders auf die in der Forschung kontrovers diskutierte Frage nach den Erschießungen von SS-Männern durch US-Soldaten eingegangen werden. Zu den Vorgängen rund um die Befreiung des Lagers in Dachau ist bereits einiges an Literatur vorhanden. Ein großes Überblickswerk über die Besatzungszeit in Deutschland hat Klaus-Dietmar Henke 1 verfasst, während sich etwa Harold Marcuse 2 speziell mit den Vorgängen im Lager und der Stadt Dachau beschäftigt hat.
Die Arbeit gliedert sich in fünf große Abschnitte. Im ersten Teil soll ein kurzer Überblick über die Befreiung der Konzentrationslager generell gegeben werden um die Thematik in einen größeren Zusammenhang einzubetten. Hierbei werden vor allem die Differenzierungen Jon Bridgmans 3 zur Sprache kommen und ein Ausblick auf die Vorgänge in Flossenbürg gegeben werden, dem zweiten Konzentrationslager in Bayern. Mit dem zweiten Teil soll dann die spezifische Untersuchung der Vorgänge in Dachau beginnen. In den Tagen vor der Befreiung am 29. April 1945 zeichnete sich die Ankunft der amerikanischen Streitkräfte bereits ab und so kam es zu einer Reihe von Veränderungen im Lager. Die Überblickswerke und mehrere Aufsätze beschäftigen sich mit diesem Zeitraum. 4 Der dritte Punkt wird schließlich auf den Tag der Befreiung selbst eingehen. Hierzu gibt es eine bereits lang andauernde Diskussion in der Forschung und unter den Beteiligten, welche der beiden amerikanischen Infantriedivisionen das Lager zuerst erreicht und damit auch befreit hat. Auf diese Diskussion soll mit Hilfe von Literatur und Quellenuntersuchungen eingegangen werden.
Im vierten Abschnitt kommt schließlich die Forschungskontroverse um die Tötungen von SS-Männern durch US-Soldaten zur Sprache. Hierzu existieren in der Forschung und auch in den Quellen die unterschiedlichsten Zahlenangaben. Näher untersucht werden soll hierzu ein Buch Howard A. Buechners 5 , einem ehemaligen Angehörigen der 45. Infantriedivision, der sehr hohe Zahlen aufführt. Im Gegensatz zu diesen Zahlen stehen erst kürzlich freigegebene
1 Klaus-Dietmar Henke: Die amerikanische Besetzung Deutschlands. München 1995.
2 Harold Marcuse: Legacies of Dachau. The Uses and Abuses of an Concentration Camp, 1933 - 2001.
Cambridge 2001.
3 Jon Bridgman: The end of the Holocaust: The liberation of the camps. Portland 1990.
4 So u.a. bei Barbara Distel: Der 29. April 1945. Die Befreiung des Konzentrationslagers Dachau, in: Dachauer
Hefte 1 (1985), S. 3 - 11.
5 Howard A. Buechner: Dachau. The hour of the avenger (an eyewitness account). Metairie 1986.
3
Quellenmaterialien 6 . Diese werden in einem Aufsatz Jürgen Zaruskys 7 zusammengefasst, werden aber auch noch selbstständig ausgewertet werden.
Im letzten Teil der Arbeit wird schließlich noch näher auf die Vorgänge kurz nach der Befreiung des Lagers eingegangen werden. Es soll hier noch die Organisation der Öffnung des Lagers betrachtet werden und auch die Schwierigkeiten, die sich durch den schlechten Gesundheitszustand der ehemaligen Häftlinge ergaben. Mit diesem Zeitraum zwischen der Befreiung und der tatsächlichen Heimkehr der Gefangenen haben sich unter anderem Wolfgang Benz und Gabriele Hammermann beschäftigt. 8
B. Die Besatzer und die Öffnung der Konzentrationslager in
Bayern am Beispiel des Lagers Dachau
1. Kurzer Überblick über die wichtigsten Konzentrationslager und ihre Befreiung
Die Thematik der Befreiung der Konzentrationslager wurde lange Zeit von der Forschung kaum berücksichtigt, da man die Befreiung nur als den kurzen Moment ansah, in dem die Armeen der Alliierten in den Lagern eintrafen. Erst Bridgman machte in seinem Buch deutlich, dass zu dem Vorgang der Befreiung der Konzentrationslager auch die Zeitspanne einiger Wochen vor der Befreiung und einiger Monate oder sogar Jahre nach dem Eintreffen der Alliierten zuzurechnen ist. 9 Bridgman unterscheidet zudem zwischen vier verschiedenen Arten der Befreiung der Lager. 10 Eine erste Kategorie bildet er mit der sogenannten „Classic Liberation“. Mit dieser Bezeichnung fasst er Vorgänge zusammen, wie sie etwa bei der Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen aufgetreten sind. Bei er „Classic Liberation“ handelt es sich also um die Befreiung eines relativ vollbesetzten Lagers durch die alliierten Streitkräfte. Dass jedoch längst nicht alle Befreiungen der Lager nach diesem Schema abliefen, zeigt sich an den Öffnungen der Vernichtungslager im Osten. Sie wurden
6 So: Investigation of Alleged mistreatment of German Guards at Dachau, made by Lt. Colonel Joseph M.
Whitaker (folgend aufgeführt als Material Whitaker) und verschiedenes, vom Sohn des Generals der 42.
Division Henning Linden zusammengetragenes Quellenmaterial The surrender of the Dachau KZ Prisoner
Compound, 29 April 45: A Compilation of Documents and Photographs by Colonel John H. Linden (folgend
aufgeführt als Material John Linden).
7 Jürgen Zarusky: „That is not the American Way of Fighting“. Die Erschießungen gefangener SS-Leute bei der
Befreiung des KZ Dachau, in: Dachauer Hefte 13 (1997), S. 27 - 55.
8 Wolfgang Benz: Zwischen Befreiung und Heimkehr. Das Dachauer Internationale Häftlings-Komitee und die
Verwaltung des Lagers im Mai und Juni 1945, in: Dachauer Hefte 1 (1985), S. 39 - 61; Gabriele Hammermann:
Das Kriegsende in Dachau, in: Bernd A. Rusinek: Kriegsende 1945. Verbrechen, Katastrophen, Befreiungen in
nationaler und internationaler Perspektive. o.O. 2004, S. 27 - 53. (Dachauer Symposien zur Zeitgeschichte Bd.
4).
9 Bridgman: The end of the Holocaust, S. 9 f.
10 Ebd. S. 11.
4
bereits einige Monate vor Kriegsende befreit, so dass der SS-Verwaltung noch genug Zeit blieb, den Großteil der Häftlinge in Richtung Westen zu evakuieren und die russische Armee nur noch den Bruchteil der Gefangenen in den Lagern vorfand, die zu schwach gewesen waren, um auf Transporte geschickt zu werden. Die Befreiung der Lager Auschwitz, Majdanek oder Sachsenhausens sieht Bridgman also als Beispiele für das Muster der sogenannten „Hollow Liberation“ an. Nur je ein Beispiel gibt es für die von Bridgman aufgestellten Kategorien der „Spontaneous Liberation“ und der „Transfer Liberation“. Mit ersterem ist die selbstständige Befreiung der Häftlinge gemeint, wie sie mit der Besetzung der Wachtürme durch Gefangene nur im Konzentrationslager Buchenwald vorkam. Der zweite Begriff bezeichnet die Vorgänge in Theresienstadt, wo die SS die Kontrolle kurz vor der Befreiung auf das Internationale Rote Kreuz übertrug, das das Lager dann an die Russen übergeben konnte.
Wenn man nun versucht, die Befreiung der Konzentrationslager in Bayern mit diesen Mustern zu beschreiben, stellen sich die Vorgänge sehr unterschiedlich dar. Das Konzentrationslager Flossenbürg ließe sich der Kategorie der „Hollow Liberation“ zuordnen. Zum Zeitpunkt der Befreiung durch Einheiten der 90. Infantriedivision der US-Armee am 23. April 1945 waren von den über 8000 Häftlingen, die im Dezember 1944 gezählt worden waren, nur noch 1312 im Lager verblieben. 105 Menschen starben noch nach der Befreiung. 11 Alle anderen Häftlinge waren zu diesem Zeitpunkt bereits nach Süden evakuiert worden, auch in Dachau kamen mehrere Züge mit Häftlingen aus Flossenbürg an. 12
Dachau hingegen war zum Zeitpunkt seiner Befreiung am 29. April 1945 völlig überbelegt und lässt sich so dem Schema der „Classic Liberation“ zuordnen. Als die Amerikaner eintrafen befanden sich um die 32.000 Menschen in dem für nur 8000 Gefangene konzipierten Lager. 13 Diese gewaltige Zahl ergab sich aus der Lage Dachaus, das neben Mauthausen das am südlichsten gelegene Lager war. So trafen in den ersten Monaten des Jahres 1945 viele Evakuierungszüge aus dem Norden ein. Aus dieser großen Zahl an oft kranken oder schwachen Häftlingen ergaben sich für die Amerikaner große Schwierigkeiten bei der Verwaltung des Lagers. Dem Konzentrationslager Dachau kam früh große Beachtung zu. Ein Grund hierfür ist, dass Vertretern aus Politik und Presse direkt ein paar Tage nach der Befreiung gestattet wurde, das Lager zu betreten, während etwa in Buchenwald Journalisten
11 Jörg Skriebeleit: “Alles muss verschwinden, was den Charakter des Lagers trägt, die Baracken, der Eingang,
die Wachtürme”. Das Gelände des KZ Flossenbürg zwischen 1945 und 1949, in: Dachauer Hefte 19 (2003), S.
180 - 200., hier S. 182 f.
12 So schildert etwa Edgar Kupfer-Koberwitz am 24. April: „Es kam heute auch der Transport eines
Außenkommandos an, das zum Lager Flossenbürk (sic!) gehörte, - 2000 Mann zu Fuss.“ Aus: Edgar Kupfer-
Koberwitz: Dachauer Tagebücher. Die Aufzeichnungen des Häftlings 24814. München 1997, S. 434.
5
erst zwei Wochen nach der Befreiung Gelegenheit bekamen, das Lager zu besichtigen. Über Dachau ging deshalb ein regelrechter „media blitz“ nieder und das Lager wurde vor allem in den Vereinigten Staaten zum Symbol für die Grausamkeiten des nationalsozialistischen Deutschlands. 14
2. Die letzten Tage des Konzentrationslagers Dachau
Schon ab Mitte April waren im Lager Dachau die Geräusche der herannahenden Front zu hören und es gab auch täglich Luftalarm, so dass die Häftlinge jeden Tag mehr darauf hoffen konnten, bald befreit zu werden. Edgar Kupfer-Koberwitz und Nico Rost, beide zu diesem Zeitpunkt Häftlinge im KZ Dachau berichten in ihren Tagebüchern fast stündlich über die Vorgänge im Lager. 15 Aus immer neuen Gerüchten über den Verlauf der Front, konnten die Häftlinge neuen Mut schöpfen. So schreibt Kupfer-Koberwitz am 17. April 1945: „Die Front rückt näher. - Man sagt immer wieder, dass man im Freien draußen das Schiessen der Artillerie hört. - Man sagt, die Amerikaner seien 70 Kilometer vor Dachau.“ 16 Diese neue Situation außerhalb des Lagers führte auch bald zu Veränderungen innerhalb des Lagers. Zu diesen letzten Tagen im Lager finden sich zahlreiche Veröffentlichungen, die aber oftmals widersprüchliche oder ungenau recherchierte Angaben über Ereignisse und den Verlauf machen. 17 Die folgende Darstellung wird sich also hauptsächlich auf die genannten Tagebücher, Quellen aus dem Archiv der KZ Gedenkstätte und die neueren Ausführungen Henkes und Zaruskys stützen.
Wie Nico Rost berichtet, rückten die Arbeitskommandos am 23. April das erste Mal nicht mehr aus und an diesem Tag mussten sich dann auch die im Lager verbliebenen Juden auf dem Appellplatz sammeln und sich auf eine Evakuierung vorbereiten. 18 Was mit diesen Juden geschehen ist, ist unklar, sicher ist nur, dass sie in Waggons verladen worden waren, die aber am 26. April noch immer nicht abgefahren waren. 19
Am 26. April machte die SS einen letzten Versuch, das Lager wieder in den Griff zu bekommen und ordnete die allgemeine Evakuierung des Lagers an. Die Häftlinge missachteten zwar den Befehl, sich um 12 Uhr auf dem Appellplatz zu versammeln, dennoch
13 Zarusky: „That is not the American Way of Fighting“, S. 27.
14 Marcuse: Legacies of Dachau, S. 53 - 55.
15 Kupfer-Koberwitz: Dachauer Tagebücher und Nico Rost: Goethe in Dachau. Berlin 1999.
16 Kupfer-Koberwitz: Dachauer Tagebücher, S. 427.
17 So etwa das vom Verein „Zum Beispiel Dachau“ unter der Leitung von Hans-Günter Richardi
herausgegebene Heft „Die letzten hundert Tage des Konzentrationslagers Dachau“, in dem sich einige
vereinfachte oder auch falsche Darstellungen finden und die Daten der einzelnen Beiträge oft nicht belegt
werden.
18 Rost: Goethe in Dachau, S. 289 f.
19 Ebd. S. 299.
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Arbeit zitieren:
Kerstin Schwenke, 2005, Die Besatzer und die Öffnung der Konzentrationslager in Bayern am Beispiel des Lagers Dachau , München, GRIN Verlag GmbH
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