Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Einordnung der Textstelle Petron 67, 11 - 68, 4 in den Kontext 3
3. Übersetzung der Textstelle Petron 67, 11 - 68, 4. 4
4. Kritisch-exegetische Analyse der Textstelle Petron 67, 11 - 68, 4 5
4.1. sauciae 5
4.2. ebriaque 5
4.3. matris familiae. 6
4.4. deliciae 7
4.5. indulgentiam. 7
4.6. correptos 8
4.7. au au’ 8
4.8. composita 8
4.9. incensissimam 9
4.10. secundas mensas. 9
4.11. scobemque croco et minio tinctam sparserunt et, quod numquam ante videram,
e ex lapide speculari pulverem tritum 10
4.12. fer i culo. 12
4.13. sed 12
4.14. si quid belli habes, affer 12
4.15. puer Alexandrinus 13
4.16. caldam 13
4.17. subinde 14
4.18. luscinias coepit imitari 14
4.19. interea medium Aeneas iam classe tenebat 15
5. Bibliographie 16
1. Einleitung
Publius 1 Petronius Niger Arbiter, über dessen Leben wir nur durch Tacitus ein wenig wissen, zählt zu den neronischen Dichtern und gilt als erster Verfasser eines römischen Romans vor Apuleius Metamorphoses. Anfang der sechziger Jahre nimmt Kaiser Nero ihn in den Kreis seiner Vertrauten auf, wo Petron als Autorität in Fragen verfeinerter Lebensart Einfluss auf den Kaiser gewinnt. In den Wirren der Pisonischen Verschwörung 66 n. Chr. wird Petron von seinem ärgsten Rivalen Tigellinus auf Grund von Intrigen gestürzt, weshalb Petron sich zum Freitod entschließt, den er in spielerischem Gleichmut ausführt (vgl. Neuer Pauly s.v. Petronius [5]).
In Petrons Werk, der Satyrica, die nur bruchstückartig überliefert ist, geht es um Personen, die sich wie die Satyrn des Dionysos verhalten. Aber auch der Anklang an die Satire (satura) ist gewollt. Der Roman handelt von den Erlebnissen des Erzähler Encolpius, seinem Gefährten Ascyltos und seinem Liebling Giton, die unter anderem auch zum Gastmahl des Trimalchio, der cena Trimalchionis, eingeladen werden. „Dort durchleiden sie mit fasziniertem Grauen ein pompöses Gastmahl und die abgründig-oberflächliche Konversation des Gastgebers und seiner Freunde“ (Neuer Pauly s.v. Petronius [5]). Auch die zu bearbeitende Textstelle 67, 11 - 68, 4 stammt aus der Cena Trimalchionis des Petrons. Zunächst werde ich die Textstelle in den Kontext des Gastmahles einordnen und sie anschließend übersetzen. Daran schließt sich die kritisch-exegetische Analyse des Abschnittes an. Die Textgrundlage und Bezeichnung der Handschriften bildet die Ausgabe von Smith. Bei meinen Erläuterungen stützte ich mich auf die Kommentare von Bücheler, Friedlaender, Perrochat, Schöneberger und Smith.
2. Einordnung der Textstelle Petron 67, 11 - 68, 4 in den Kontext
Nach den Gruselgeschichten, die Niceros und Trimalchio erzählen [61, 6 - 63, 10], und dem letzten Gang der mensa prima [65, 1 - 2], der aus Poularden und Gänseeiern mit Filzmütze besteht, erreicht zu später Stunde ein weiterer Gast Trimalchios convivium. Dabei handelt es sich um Habinnas, Mitglied des Sechserkollegiums (sevir) und ein ausgezeichneter Steinmetz (lapidarius) [65, 5]. Er betritt mit seiner Frau Scintilla und einem großen Gefolge das triclinium und lässt sich auf dem für den Prätor reservierten Ehrenplatz (praetorio loco) nieder. Das Trinkgelage beginnt (commissatio). Da er zuvor bereits auf einem prächtigen Leichenschmaus
1 Der Vornahme des Petron war lange Zeit unklar, weshalb mehrere überliefert sind. Das Praenomen Titus ist
durch Plinius, NH XXXVII, 20 und Plutarch, quom. adul. 19 p. 60 D belegt. Bei Tacitus ann. XVI, 17 - 18 fin-
det man Gaius, im Monumentum Ephesenum dagegen wird ein consul suffectus mit Namen Publius Petronius
Niger erwähnt, der mit dem Schriftsteller Petron identisch sein soll. Mit diesem Inschriftenfund scheint das um-
strittene Praenomen geklärt zu sein (vgl. Neuer Pauly s.v. Petronius [5]).
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gewesen ist, den Scissa für seinen freigelassenen Sklaven veranstaltet hat, ist er schon sehr betrunken [65, 6 - 11]. Von Trimalchio dazu aufgefordert, berichtet Habinnas sehr genau über die Speisen, die dort angeboten worden sind und welche er und seine Frau davon bevorzugten [66, 1 - 7]. Nachdem er seinen Vortag beendet hat, erkundigt er sich nach Fortunatas Verbleib und gibt vor, wieder gehen zu wollen, wenn Fortunata sich nicht von ihren Pflichten abwenden und zum Gelage kommen wird [67, 1 - 3]. Daraufhin betritt Fortunata prächtig bekleidet und mit wertvollem Schmuck behangen das Speisezimmer und lässt sich neben Scintilla auf dem Sofa (lectum) nieder [67, 4 - 5]. Die beiden Frauen fangen an, mit ihren Schmuckstücken zu prahlen [67, 6, 9]. Auch Trimalchio und Habinnas äußern sich dazu. Trimalchio zeigt seinen Gästen, mit welchen Kostbarkeiten er seine Frau an sich fesselt [67, 7 - 8] und stellt somit wieder einmal seinen Reichtum zur Schau; Habinnas dagegen betont, dass er ihr den Schmuck keinesfalls freiwillig gekauft habe und, dass er, wenn es nicht um der Weiber Willen wäre, gut mit ein bisschen Dreck (pro luto) auskommen könnte [67, 10]. Daraufhin vertiefen die Frauen ihre Unterhaltung und es folgt die zu analysierende Textstelle 67, 11 - 68, 4. Dort wird das beschwipste Verhalten Scintillas, Fortunatas und Habinnas beschrieben und der Nachtisch, der von Gesangseinlagen begleitet wird.
3. Übersetzung der Textstelle Petron 67, 11 - 68, 4
[67, 11] Die inzwischen betrunkenen (beschwipsten) Frauen lachten (kicherten) miteinander und gaben sich trunkene Küsse, während die eine mit ihrer Genauigkeit als Hausfrau prahlte, die andere mit dem Lieblingssklaven und der Zärtlichkeit ihres Mannes. [67, 12] Und während sie so zusammenhingen, stand Habinnas heimlich auf und packte Fortunatas Füße und warf sie auf das Speisesofa.
[67, 13] „Ach, ach“, schrie sie, als die Tunika über ihre Kniee rutschte (wörtlich: als sich die Tunika über ihre Kniee verirrte). Als sie sich geordnet hatte, verbarg sie also ihr vor Scham feuerrotes Gesicht mit einem Taschentuch in Scintillas Schoß.
[68, 1] Als Trimalchio dann nach einer Weile befohlen hatte, dass die Nachtische (oder wie es die Sklaven verstehen: die zweiten Tische) herbeigebracht werden, räumten die Sklaven alle Tische fort und brachten andere herbei und streuten mit Safran und Zinnober getränkte Sägespäne aus und, was ich niemals zuvor gesehen hatte, ein aus Marienglas zerriebenes Pulver. [68, 2] Sofort sagte Trimalchio: „Freilich könnte ich mit diesem Gang zufrieden sein; denn ihr habt Nachtische. Aber wenn du irgendetwas Hübsches (Köstliches) hast, her damit.“ [68, 3] Inzwischen begann ein alexandrinischer Sklave, der warmes Wasser servierte, Nachtigallen nachzuahmen, während Trimalchio immer wieder rief: „Variiere!“
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[68, 4] Siehe da, ein anderes Spiel. Der Sklave, der zu Füßen Habinnas saß, brüllte, glaub ich, auf Befehl von seinem Herrn, plötzlich mit wohltönender Stimme: „Unterdessen segelte Aeneas schon mit seiner Flotte mitten auf dem Meer.“
4. Kritisch-exegetische Analyse der Textstelle Petron 67, 11 - 68, 4
4.1. sauciae
Das Adjektiv saucius, das sonst überwiegend in seinen Hauptbedeutungen ‘verletzt, verwundet, krank oder betrübt’ (vgl. Georges Bd. 2, S. 2507) verwendet wird, liegt hier in einer weniger häufig vorkommenden Bedeutung vor, die allerdings auch bei Martial III, 68, 5 f.: hinc iam deposito post vina rosasque pudore / quid dicat, nescit saucia Terpsichore und Iustinus XXIV. 8. I: Galli hesterno mero saucii belegt ist. Sowohl bei Martial als auch bei Iustinus und Petron bedeutet es soviel wie ‚betrunken, beschwipst’. Einige Übersetzer wie Schnur (vgl. Schnur 2003: 78) allerdings geben das Adjektiv saucius mit ‚verletzt’ oder ‚beleidigt’ wieder und beziehen es somit auf die vorangegangene Szene [67, 10]. Dort hat sich Habinnas über die Schmuckgier der Frauen ausgelassen, was die Frauen erzürnte und verletzte. In diesem Zusammenhang ergibt die Übersetzung von saucius mit ‚verletzt’ oder beleidigt’ einen Sinn, jedoch fragt man sich dabei, weshalb Fortunata und Scintilla im Folgenden plötzlich trunkene Küsse austauschen, wenn zuvor nie erwähnt worden ist, dass die beiden betrunken sind.
Daher vermutet Bücheler, dass der Kompilator des Textes die Erzählung an dieser Stelle verkürzt hat. Denn wenn sie als durch Wein ‚sauciae’ (d.h. betrunken) verstanden werden sollen, dann wäre das zweimal dasselbe (/" 2.#2)), denn es folgt noch ebriaque. Wenn sie aber als durch die bösen Worte des Habinnas ‚verletzte’ verstanden werden sollen, dann musste eben dieses deutlicher ausgedrückt werden (vgl. Friedlaender 1891: 301). Daher ziehe auch ich die von Smith bevorzugte Übersetzung mit ‚beschwpist’ vor. Ferner muss aber auch, laut Friedlaender, „ausdrücklich erwähnt gewesen sein, dass Fortunata sich betrunken hat, da sie in 67 offenbar noch eben so nüchtern ist wie in 52.“ (Friedlaender 1891: 301 - 302). Dasselbe gilt auch für Scintilla, wenn man nicht annehmen möchte, dass sie schon im Gegensatz zu ihrem Ehemann betrunken zu Trimalchios Gastmahl gekommen ist.
4.2. ebriaque
Ebriaque ist eine Konjektur von Müller. Meiner Ansicht nach wäre sie aber nicht unbedingt nötig gewesen, da die überlieferten Formen ebrieque und ebriaeque auch einen Sinn ergeben und grammatikalisch korrekt sind. Müller leitet die Form ebriaque von der Stelle 79, 9 ab, vermutlich damit der Stil Petrons gleich bleibt. Dort, wie auch in 67, 11, bezieht sich das
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Arbeit zitieren:
Karolin Büttner, 2007, Petron: Cena Trimalchionis 67, 11 – 68, 4, München, GRIN Verlag GmbH
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