Leistungsbeurteilung - Leistungsrückmeldung
von Sam Körber
Inhaltsverzeichnis
I. Leistungsbeurteilung in der Schule
1. Der gesellschaftliche Auftrag der Schule
2. Leistungsmotivation
II. Formen der Leistungsbeurteilung/-kontrolle
1. Leistungsbeurteilung durch Zensuren
2. Verbale bzw. beschreibende Leistungsbeurteilung (Wortgutachten)
3. Standardisierte Schulleistungstests
Schuleignungstests
Lesetests1.2.1. Lesetest für 2. Klassen (LT 2)
Knuspels Leseaufgaben (KNUSPEL-L)
Rechtschreibtests
Diagnostischer Rechtschreibtest für 2. Klassen (DRT 2)
Rechentests1.4.1. Diagnostischer Rechentest für 3. Klassen
Mathematiktest für 2. Klassen (MT 2)
III. Leistungsbewertung im offenen Unterricht
IV. Leistungsbeurteilung für Eltern und Lehrer in Form von Zeugnissen
V. Alternative zu Ziffernnoten
VI. Literaturverzeichnis
In der heutigen Gesellschaft wird die Position eines Menschen nicht über Geburt oder Klassenherkunft, sondern durch die persönliche individuelle Fähigkeit bestimmt.
Schulen werden somit zu Prüfungsinstanzen, ,,von deren Leistungsbeurteilungen die soziale Zukunft ihrer Schüler weitgehend abhängt."
Die Notwendigkeit der Leistungsbeurteilung in der Schule hat sicherlich in hohem Maße mit den gesellschaftlichen Funktionen des Bildungswesens zu tun. Diese sind im einzelnen die Qualifikationsfunktion, die Selektionsfunktion und die Integrationsfunktion. Im Zusammenhang mit der Leistungsbeurteilung steht jedoch in erster Linie die Selektionsfunktion, deshalb wird auf die anderen beiden nur sehr kurz eingegangen.
Die Integrationsfunktion beinhaltet die Weitergabe bestimmter Werte und Normen der jeweiligen Gesellschaft an die Schüler/innen. Das politische System soll dadurch stabilisiert und interpretierbar gemacht werden. Die Vermittlung der Prinzipien und Regeln einer Leistungsgesellschaft gehören zur Integrationsfunktion eben auch, damit sich die Schüler nach ihrer Schulzeit in das System eingliedern können.
Die Qualifikationsfunktion der Schule bedeutet die Übertragung von allgemeinen und beruflichen Qualifikationen, zur Teilhabe an Gesellschaft und Arbeitsmarkt, durch Lehre und Unterricht. Durch die Leistungsbeurteilung werden Qualifikationen überprüft, gemessen und vergleichbar gemacht.
Es gibt viele empirische Studien zu den Zusammenhängen zwischen dem Beschäftigungssystem und dem Qualifikationssystem, welche sehr komplex sind. Eine konstante sozialpolitische Aufgabe ist die Steuerung des Arbeitsmarktes über das Ausbildungssystem.
Nun zur Selektionsfunktion des Bildungswesens. Hier ergeben sich durch Prüfungen und Berechtigungen die Stellung im Schulsystem und der Schulabschluss.
Dies ist eine Nahtstelle zwischen dem Erziehungssystem und der Gesellschaft. Danach soll durch das Schulsystem eine Neuverteilung der Lebenschancen in jeder Generation erreicht werden. Kurz nach der Entdeckung dieser Nahtstelle war die Euphorie groß, die Klassenschranken durch das Schulsystem aufheben zu können , so dass für die soziale Stellung nur noch erwerbbare Leistungsfähigkeit und Tüchtigkeit wichtig sein würden. Spätere Untersuchungen zeigten jedoch einen weiter bestehenden Zusammenhang zwischen sozialer Lage und Bildungsbeteiligung. Daraufhin wurden Maßnahmen, wie die bessere regional Versorgung mit weiterführenden Schulen, Gesamtschulversuche und kompensatorische Erziehungsprogramme durchgeführt. Die Benachteiligung von z.B. Mädchen ging zurück. Aber was ist mit der sozialen Herkunft, lässt sich durch das Schulsystem eine völlige Chancengleichheit erreichen? Forschungsergebnisse aus anderen Ländern zu diesem Thema (Jencks, USA) sind enttäuschend, da viele soziale Vorteile außerschulisch erzeugt werden.
Die außerschulische Ungleichheit überträgt sich auf die Ungleichheit in der Schule. Das Lebenseinkommen und der Berufsstatus hängen stark mit dem Schulbesuch und dem Schulabschluss zusammen. Wie viel Ungleichheit ist auf kognitive Fertigkeiten zurückzuführen?
Jencks behauptet, dass das Schulsystem für die Herstellung sozialer Gleichheit oder Produktion von Ungleichheit relativ unbedeutend ist, seine Interpretationen werden jedoch heftig diskutiert.
Sicher ist, dass durch das Schulsystem keine vollkommene Neuverteilung der Lebenschancen und somit eine Null-Beziehung zwischen sozialer Herkunft und Schulabschluss zustande kommen kann. Aber es scheint nicht aussichtslos, das Maß an Chancengleichheit zu verbessern. Bildungspolitik ist ein Teil der Sozialpolitik und unvertretbaren sozialen Ungleichheiten muss entgegengewirkt werden. Für leistungsfähige Arbeiterkinder ist die Schule die einzige Möglichkeit des sozialen Aufstiegs. Aber es gibt schulinterne und schulexterne Barrieren einer Chancengleichheit, wie z.B. intern der frühe Selektionsdruck und die fehlenden Maßnahmen zum Ausgleich familiär mitgebrachter Lerndefizite.
Schulextern gibt es ein ganzes Bündel von unterschiedlichen Lernmöglichkeiten, weshalb die Herstellung von Chancengleichheit in hohem Maße eine Aufgabe der sozialen Familienpolitik ist.
[...]
Arbeit zitieren:
Sam Körber, 2001, Leistungsbeurteilung, München, GRIN Verlag GmbH
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