Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Biographie Giordano Brunos 3
3. Naturphilosophie der Renaissance 4
4. Entwicklung der Weltbilder 5
4.1 Aristoteles 5
4.2 Ptolemäios 6
4.3 Kopernikus 6
4.4 Bruno 7
5. „Von der Ursache, dem Prinzip und dem Einen“ 8
5.1 Prinzip und Ursache 8
5.2 Materie 9
5.3 Weltseele 10
5.4 Das Universum und das Eine 12
6. allgemeine Bemerkungen 13
7. Bibliographie 14
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1. Einleitung
Das Sprechen über die Weltseele beginnt mit der Differenzierung zwischen Ursache und Prinzip. Eine neue Konzeption des Unendlichen wird herausgebildet. Die Untersuchung des Unendlichen erfolgt über die Materie.
2. Biographie Giordano Brunos
Giordano Bruno wurde 1548 in Nola nähe Neapel mit dem Vornamen Filippo geboren. Als er mit 15 Jahren in den Dominikanerorden eintrat bekam er den Ordensnamen Giordano. Bruno interessierte sich jedoch so stark für die Natur und die wissenschaftlichen Entdeckungen seiner Zeit und damit auch für die weltlichen Studien, dass er sich dazu entschloss, den Orden zu verlassen. Da dies damals nicht gern gesehen war, war sein darauf folgendes Leben von Wanderschaften und Reisen geprägt. Es führte ihn zuerst nach Genf und dann nach Frankreich, wo er in Paris Vorlesungen hielt. Unterbrochen wurde sein Leben in Paris von einem Aufenthalt in England, wo er in Oxford und London lebte und lehrte. Nach seiner Rückkehr nach Paris ging er nach Deutschland, um in Marburg, Wittenberg, Prag, Helmstedt und Frankfurt Zuhörer für seine Lehren zu finden. Jedoch war dies für ihn ebenso enttäuschend, wie die Tatsache, dass er keinen Verleger für seine Schriften finden konnte, da diese alle Angst vor der Inquisition und den Folgen dieser hatten. Nach 15 Jahren folgte auf Einladung eines Venezianers die Rückkehr nach Italien, aber auch der Verrat an die Inquisition und die Auslieferung nach Rom. Dort wurde er sieben Jahre gefangen gehalten und schließlich zum Tode auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Am 17. Februar 1600 starb Giordano Bruno. „Als man ihm das Kruzifix vorhielt, wandte er sich mit finsterer Miene verächtlich ab.“ 1
Bruno schrieb in der italienischen Sprache und nicht auf Latein. Seine Philosophie basiert trotz Kosmologie eher auf Gefühl als auf Wissenschaft. Bezüglich seiner Werke sind außer „Von der Ursache, dem Prinzip und dem Einen“ (1584) auch noch „Vom Unendlichen, dem All und den Welten“ (1584), „Das Aschermittwochsmahl“, „Die Ausbreitung der triumphierenden Bestie“ und „Von den heroischen Leidenschaften“ zu nennen. Vorbild für Bruno war Thomas von Aquin. Agrippas „De occulta philosophia“ stellte sein wichtigstes Lehrbuch dar.
1 Störig, Hans Joachim. Kleine Weltgeschichte der Philosophie. Fischer, Frankfurt a. M.: 2004, S. 339.
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3. Naturphilosophie der Renaissance
Das Denken in der Renaissance ist dadurch gekennzeichnet, dass es „selbstständiger und freier [wird], die philosophische Abhängigkeit von großen Vorbildern wird geringer, und das Zeitgeistige kommt unverhüllter zum Ausdruck“ 2 . Wichtig in dieser zeit ist der neue Wissenschaftsbegriff. In der italienischen Naturphilosophie ist immer noch eine neuplatonische Grundlage vorherrschend. Thematisch sind die Elementargeister und die Allbeseelung zu nennen. 3
Der Religion bzw. Theologie steht nun die naturalistische Sichtweise gegenüber. Die Naturphilosophie in der Renaissance hängt stark mit der magisch-astrologischen Grundanschauung der Kausalität zusammen 4 . Ziel ist es, die Natur aus eigenen Anstrengungen zu erklären und zu verstehen und zwar nach „ihren eigenen Prinzipien“ (juxta propia principia). Interessant war also das „technische Funktionieren der Wirkprinzipien“ 5 . Diese Kräfte lassen sich im Bereich der Himmelskörper ansiedeln. Voraussetzung ist ein immanentes Gesetz des Kosmos, d.h. eine allumfassende universale Regel. Basis für die Wahrheiten der Natur ist die Vorstellung von Alleinheit. Die Naturphilosophie der Renaissance will nicht mehr der theoretischen aristotelisch-scholastischen Wissenschaften folgen, da diese ontologische Entwürfe zum Thema haben und nicht die Natur. Den Naturphilosophen geht es um die Erklärung dafür, dass ein einzelnes Prinzip zugleich Wirkprinzip und Interpretationsprinzip der Natur ist 6 . Die grundlegenden Punkte der Philosophie Brunos sind der Panpsychismus und der Monismus 7 , ebenso wie die Magie 8 . Für die Renaissancedenker sind Magie und Astrologie nicht unvereinbar. Auch bei Giordano Bruno kann man keine sichere Grenze zwischen der Magie und seiner Philosophie ziehen 9 . Hinsichtlich des Monismus treffen die mystisch-neuplatonische Ausprägung und der naturalistische Zug der Orientalen zusammen, woraus sich eine mystische Naturphilosophie entwickelt. Diese hat grundlegenden Charakter bei der Gestaltung des Weltbildes der Renaissance 10 . Den Höhepunkt bilden im 15. und 16. jahrhundert Cusanus, Paracalsus und
2 Riekel, August. Die Philosophie der Renaissance. Reinhardt, München: 1925, S. 25.
3 Hirschberger, Johannes. Geschichte der Philosophie. Bd. II: Neuzeit und Gegenwart. Komet, Köln: 1980, S. 37.
4 Cassirer, Ernst. Individuum und Kosmos in der Philosophie der Renaissance. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt: 1963, S.107.
5 Blum, Paul Richard. Philosophieren in der Renaissance.Kohlhammer, Stuttgart: 2004, S.16.
6 Blum, Paul Richard. Philosophieren in der Renaissance.Kohlhammer, Stuttgart: 2004, S.97.
7 Philosophische Einheitslehre, die alle Erscheinungen auf eine einzige Grundkraft zurückführt.
8 Yates, Frances A. Giordano Bruno in der englischen Renaissance. Wagenbach, Berlin: 1989, S.14.
9 Cassirer, Ernst. Individuum und Kosmos in der Philosophie der Renaissance. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt: 1963, S.108.
10 Riekel, August. Die Philosophie der Renaissance. Reinhardt, München: 1925, S. 24.
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Bruno. Dieses Weltbild aber brachte Bruno in Konflikt mit der Inquisition und führte somit zu seiner Verurteilung und Hinrichtung.
4. Entwicklung der Weltbilder
4.1 Aristoteles
Zum besseren Verständnis werde ich nun kurz auf das zugrunde liegende antike Kosmologiebild des Aristoteles eingehen.
Das Universum des Aristoteles geht auf Platon zurück. Es ist in sich abgeschlossen und unabhängig, ohne Raum und ohne etwas außerhalb seiner selbst. Materie und Raum sind untrennbar miteinander verbunden und bilden Aspekte eines gleichen Grundbestandteils der natürlichen Welt 11 . Die Sterne sind für Aristoteles unveränderliche, ewige, göttliche Wesen und der Himmel eine Kugel, da die Kugel eine vollendete Form ist und nur diese dem Himmel zukommen kann. Kreise sind ohne Anfang und Ende. Also müssen sich die Himmelskörper auf vollkommenen Kreisen bewegen, um ewig sein zu können. Da das Zentrum eines rotierenden Körpers aber ruht, ist die logische Folge für Aristoteles, dass die Erde im Mittelpunkt des Universums ruht 12 . Er führt den Begriff des Äthers ein, der sich durch Ewigkeit, Unveränderlichkeit, Unzerstörbarkeit und vollkommene Kreisbewegung kennzeichnet. Aus ihm bestehen die Himmelssphären und Himmelskörper, deren Bewegung und Beschaffenheit vollkommen ist. Um die Erde herum bestehen noch 55 homozentrische himmlische Sphären, die um die Erde kreisen. Diese führen die Himmelskörper mit sich. Die äußere Sphäre ist die der Fixsterne, deren Außenfläche das Ende des Universums bestimmt. Nur der Stoff, der sich innerhalb der sublunaren Sphäre des Universums befindet, ist dem Wandel und Verfall unterworfen 13 . Der erste Beweger (= Gott) bewegt die äußerste Sphäre. Alle Sphären berühren sich jeweils und werden so von der Bewegung der Fixsternsphäre angetrieben.
11 Lovell, Bernd. Das unendliche Weltall. Geschichte der Kosmologie von der Antike bis zur Gegenwart. C.H. Beck, München: 1983: S. 14.
12 Lovell, Bernd. Das unendliche Weltall. Geschichte der Kosmologie von der Antike bis zur Gegenwart. C.H. Beck, München: 1983: S. 15.
13 Lovell, Bernd. Das unendliche Weltall. Geschichte der Kosmologie von der Antike bis zur Gegenwart. C.H. Beck, München: 1983: S. 16.
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4.2 Ptolemäios
Ptolemäios (etwa 100 bis 160 n. Chr.) war ein griechischer Geograph, Astronom und Mathematiker. Geboren wurde er allerdings in Ägypten. Sein größtes Werk war das „Almagest“, in dem er sein astronomisches System vorstellt. Diese Schrift liefert Hinweise auf das astronomische Wissen des zweiten Jahrhunderts (n. Chr.). Das geozentrische ptolemäische Weltbild sieht die Erde als Kugel und außerdem als Mittelpunkt der Welt, da sie das schwerste Element ist. In dieser Ordnung der Leichtigkeit folgen darauf Wasser, Luft, Feuer und ein göttliches Element. Die Erde ruht im Zentrum des Universums, sie ist also unbeweglich und sowohl die Planeten, als auch die Sonne umkreisen die Erde. Als äußerste Sphäre nimmt auch Ptolemäios die Fixsternsphäre an. 14 Er setzt die Welt (mundus) mit dem Universum gleich (ganz im Gegensatz zu Bruno), welches aus einer ätherischen und Elementarregion besteht 15 .
4.3 Kopernikus
Mit Nikolaus Kopernikus (1473-1543) vollzieht sich eine Wende zur Neuzeit. Wichtig war vor allem sein Werk „De revolutionibus orbium coelestium“ (1543). Das geozentrische ptolemäische Weltbild wird durch das heliozentrische abgelöst. Nur den Fixsternhimmel, die äußerste Sphäre übernimmt Kopernikus von Ptolemäios. Bei Aristoteles und Ptolemäios war die Erde noch der Ruhepunkt 16 , Kopernikus aber schreibt dieser vier prinzipielle Bewegungen zu: eine tägliche Rotation. Der Sternenhimmel ruht dadurch und bleibt immer gleich.
Eine jährliche Rotation der Erde um die Sonne, d.h. Die Sonne stellt hier ein Zentrum dar.
Eine jährliche entgegengesetzte Rotation der Erdachse zur Erklärung der Jahreszeiten. Kopernikus war der Meinung, dass die Erdachse sich in einer natürlichen Bewegung auf die Sonne ausrichtet.
Schon in der Antike bemerkte man verschiedene scheinbare Sonnenbahnen. Diese wurden an der Stellung des Polarsterns festgemacht. Da auch für Kopernikus der Sternenhimmel
14 Brockhaus. Art. „Ptolemäios“, in: Der große Brockhaus in einem Band (2. Auflage). F.A. Brockhaus, Leipzig: 2005, S. 816.
15 Bruno, Giordano. Zwiegespräche vom unendlichen All und den Welten. (Erläuterung von Ludwig Kuhlenbeck) Wissenschaftliche Buchgesellchaft, Darmstadt: 1983, S. V.
16 Dtv Atlas Philosophie. Dtv, München: 1991, S. 95.
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unbeweglich ist, nimmt er zusätzlich eine langfristige wankende Bewegung der Erdachse an, welcher er eine Periode von 3434 Jahren zuschreibt. 17
Die Sonne stellt also ein Zentrum dar, um welches sich die Erde bewegt. Außerdem wird die Erde nicht mehr als Mittelpunkt der Welt angenommen.
4.4 Bruno
Grundlage für Brunos Kosmologie ist das heliozentrische Weltbild des Kopernikus. Bruno jedoch entwickelt darauf aufbauend eine für seine Zeit neuartige Kosmologie. Diese besteht darin, dass er ein unendliches Universum annimmt, worin sich eine unendliche Zahl von Welten (bei Bruno auch Weltkörper genannt), Sonnen und Sternen befindet. Unter Einfluss von Cusanus geht er ebenso davon aus, dass die Erde nicht das Zentrum des Universums sein kann 18 , was in der folgenden Zeit zur Norm werden sollte. Als Mittelpunkt innerhalb der äußersten Schale wird die Sonne angesehen 19 . Er distanziert sich aber von Kopernikus Idee der Fixsterne, die das Weltall begrenzen und nimmt für diese eine Sonnennatur an 20 . Die Vorstellung Brunos ist, dass das Universum ohne Grenzen und ohne Mittelpunkt ist bzw. der Mittelpunkt überall ist:
[...] dass das Universum ganz Centrum oder das Centrum ganz Universum überall ist, und dass der Umkreis nicht in irgendeinem Theile, sofern derselbe vom Mittelpunkt verschieden ist, sondern vielmehr, dass er überall ist; aber ein Mittelpunkt als etwas von jenem veschiedenes ist nicht vorhanden. 21
Diese Idee hatte auch schon Cusanus formuliert. Die einzelnen Welten im Universum sind veränderbar und vergänglich und können, ebenso wie die Erde, bewohnt sein. Das Universum jedoch ist ewig und unbewegt. Es stellt alles Sein dar. Der Grund hierfür ist, dass ein unendlicher Gott auch nur Unendliches schaffen kann. Die Welt ist nicht mehr nur ein Abbild Gottes sondern sie tritt an dessen Stelle. Die Gegenwart des Ewigen und Unendlichen in der Zeit und der endlichen Welt ist typisch für die Denker der Renaissance und Grundlage der damaligen Erkenntnistheorie, welche mit der Kosmologie gleichgesetzt werden kann 22 .
Ziel Brunos ist es, die antiqua vera filosofia aufzudecken.
17 Wildgen, Wolfgang. Das kosmische Gedächtnis. Kosmologie, semiotik und Gedächtnistheorie im Werke Giordano Brunos (1548-1600). Lang, Frankfurt a.M.: 1998, S. 120/ 121.
18 Bruno, Giordano. Von der Ursache, dem Prinzip und dem Einen. (Einleitung von Werner Beierwaltes) Meiner, Hamburg: 1983, S. X.
19 Hirschberger, Johannes. Geschichte der Philosophie. Bd. II: Neuzeit und Gegenwart. Komet, Köln: 1980, S. 38.
20 Riekel, August. Die Philosophie der Renaissance. Reinhardt, München: 1925, S. 101.
21 UPE, S. 100.
22 Blum, Paul Richard. Philosophieren in der Renaissance.Kohlhammer, Stuttgart: 2004, S.16.
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Brunos Weltbild und seine Kosmologie ähneln schon stark der modernen Wissenschaft. Statt Kopernikus wäre also besser Bruno in diesem Sinne zu nennen. Ludwig Kuhlenberg zieht in seinem Vorwort zu Brunos Schrift „Vom unendlichen All und den Welten“ den Vergleich zwischen Kopernikus und Kolumbus, der bei seinem Tod nichts von seiner Entdeckung einen neuen Erdteils wusste und davon ausging, 'nur' einen neuen Seeweg nach Indien entdeckt zu haben, sich also der Wichtigkeit und der Folgen seiner Entdeckung nicht wirklich bewusst war, genauso wie Kopernikus 23 .
5. „Von der Ursache, dem Prinzip und dem Einen“
5.1 Prinzip und Ursache
Beschrieben werden sollen die Funktion und das Wirken von Prinzip und Ursache. Unterschieden werden sie in der Natur auf die Art, dass ein Prinzip etwas von innen bewirkt und erschafft und darin bleibt, die Ursache aber hat von außen bei der Erschaffung Anteil, ihr Wesen geht nicht auf das Ding über.
Die Welt bildet eine dynamische Einheit. Ganz der metaphysischen Tradition folgend nimmt Bruno Gott als erstes Prinzip und erste Ursache an (C27, 34f, 65, 16f).Gott las Ursache unterscheidet sich strikt von dem von ihm Bewirkten und Hervorgebrachten. Er ist aber auch Prinzip, weil er das Erste bezeichnet, „dem alles andere im Hinblick auf Dauer und Würde nachfolgt“ 24 . Gott als das einzige Prinzip beherrscht und bewegt den ganzen Kosmos. Dieses Prinzip beinhaltet alle Gegensätze (sowohl das Kleinste und das Größte als auch Möglichkeit und Wirklichkeit), es ist unendlich und unteilbar 25 . Diese metaphysische Einheit des Prinzips ist traditionell neuplatonisch und scholastisch 26 . Die All-Einheit des göttlichen Urgrundes enthält alles Sein (complicatio). Die Einzeldinge entfalten sich dann in der Welt (explicatio) und verlieren dadurch auch die Eigenschaften des ersten Prinzips, d.h. sie enthalten keine Gegensätze mehr, auch nicht Möglichkeit und Wirklichkeit 27 . Deshalb sind die Einzeldinge unvollkommen, wandelbar und vergänglich. Sie sind nie alles, was sie seinkönnen. Die Welt an und für sich ist zusammengesetzt und in ihren teilen auch zerstörbar. Sie kann deshalb ihr Sein nicht durch sich selbst haben, sondern muss es durch ein höheres Prinzip empfangen.
23 Bruno, Giordano. Zwiegespräche vom unendlichen All und den Welten. (Erläuterung von Ludwig Kuhlenbeck) Wissenschaftliche Buchgesellchaft, Darmstadt: 1983, S. II.
24 Winter, Jochen. Giordano Bruno. Eine Einführung. Parerga, Düsseldorf: 1999, S. 39.
25 Störig, Hans Joachim. Kleine Weltgeschichte der Philosophie. Fischer, Frankfurt a. M.: 2004,S. 342.
26 Blum, Paul Richard. Philosophieren in der Renaissance. Kohlhammer, Stuttgart: 2004, S.13.
27 Dtv- Atlas Philosophie, S. 99.
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Jedoch steht Gott nicht mehr über oder außerhalb der Welt und regiert sie, sondern er ist in der Welt. Seine Wirkung als beseelendes Prinzip zielt sowohl auf das Ganze als auch auf jedes der Teile. Gott oder auch die allgemeine Vernunft besteht also in einer wirkenden Einheit. Er ist in allen Formen der Natur gegenwärtig und formt die materielle Welt von innen heraus, worauf ich hinsichtlich der Materie noch zurückkommen werde. Das heißt also, der ganze Kosmos ist beseelt und Gott ist nur im Kosmos. Diese pantheistische Gottesvorstellung setzt Gott mit der Natur gleich 28 .
Bruno nimmt in Anlehnung an Aristoteles eine vierfache Bestimmung der Ursachen an: die causa formalis: sie bestimmt das Sein und verleiht die eigentümliche Gestalt.
Die causa materialis: sie ist hinsichtlich der Bestimmung das Mögliche oder aber sie bringt die Bestimmung selbst hervor.
Die causa efficiens: die erwirkende Ursache, „das 'woher' der Bewegung (der Veränderung, der Prozesse)“ 29 .
Die causa finalis: sie stellt das 'wohin' dar, das ziel oder Ende von Bewegung und Werden, sie ist also die Zielursache.
Im Unterschied zu Aristoteles, der diese Definitionen nur auf das einzelne Seiende anwendete, erfasst Bruno damit die Totalität der Einheit.
5.2 Materie
Am Begriff der Materie lassen sich die einzelnen Lebensbezüge und die Gestalten des Ganzen zeigen. Es geht hierbei um das Verhältnis von Materie und Form. Diese beiden Ursachen und Prinzipien bilden eine Einheit, wobei die Formen der Materie selbst enthalten sind.
Der Aufbau des Universums resultiert aus dem gemeinsamen Wirken von Materie und Weltseele. Ein aus der Weltseele kommender Geist formt die Materie von innen zur Vielfalt der Natur. Die Form wird der Materie also nicht von außen mitgegeben, sondern sie enthält sie und bringt sie hervor.
Gerade so muss die Natur […] zu ihren Wirksamkeiten die Materie haben. Denn es ist nicht möglich, dass es ein wirkendes gebe, welches, wenn es etwas machen will, nichts hätte, woraus es das machen könnte, oder wenn es wirken will, nichts hätte, um daran zu wirken. Es giebt also eine Art von Substart, aus welchem, mit welchem und in welchem die natur ihre Wirksamkeiten, ihre Arbeiten vollzieht, und welches durch
28 Störig, Hans Joachim. Kleine Weltgeschichte der Philosophie. Fischer, Frankfurt a. M.: 2004, S. 343.
29 Bruno, Giordano. Von der Ursache, dem Prinzip und dem Einen. (Einleitung von Werner Beierwaltes) Meiner, Hamburg: 1983, S. XIII.
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diese in so viele Formen gebracht wird, wie sie sich in der grossen Verschiedenheit der Arten den Blicken des Betrachters darbieten. 30
Sowohl die Materie, als auch alle Teile der Welt sind vom Geist durchdrungen und daher beseelt. Durch die Materie wird der Bereich des göttlichen Prinzips und dessen Wirksamkeit gezeigt. Materie ist in „höherem Sinne wirklich“ (C 92,30) als die Formen. Diese Wirklichkeit macht sie mit dem göttlichen Prinzip identisch. Sie ist ein beständiges Prinzip. Der Kreislauf besteht in der Aufnahme der Formen in sich, der Produktion der Formen und schließlich in der Wiederaufnahme in sich. Es findet also eine ständige Verwandlung der Formen statt, die aus der Materie hervorgehen und wieder in sie zurück. Die Materie ist das gleich bleibende Prinzip und der Zweck der Form, damit diese sich im Sein festigen kann. Alle Formen sind in der Materie enthalten, d.h. eine Materie ohne Form ist überhaupt nicht vorstellbar. Die Unterschiede und Gegensätze, die man bei der Materie der Natur findet, stammen von der Form 31 . Jedoch darf man Materie nicht mit dem Universum gleichsetzen. Das Universum umfasst die Materie nur als Ganzes 32 . Durch ihre Dynamik und Aktivität stellt die Materie „etwas Göttliches“ dar. (3. Dialog, de la causa). Die activa potentia der Materie ist der Geist. Hierbei entsteht die Schwierigkeit der Unterscheidung zur Weltseele, welche als innere Kraft die Materie beseelt.
5.3 Weltseele
Die Weltseele ist das Bewegungsprinzip und Lebensprinzip des Universums, die in der Natur wirkende Ursache. Bruno erklärt hier ihr Sein und ihr Wirken.
Was nun die bewirkende Ursache betrifft, so halte ich für die physische allgemeine bewirkende Ursache die allgemeine Vernunft, das oberste und hauptsächlichste Vermögen der Weltseele, welche des Weltalls allgemeine Form ist. 33 Das Universum bzw. die Welt ist durch das Wirken der Weltseele verursacht. Bewirkende Ursache kann sie aufgrund ihrer Tätigkeit genannt werden.
Die universelle Vernunft ist das innerste, wirklichste und eigenste Vermögen und der Theil der Weltseele, der ihre Macht bildet. Sie ist ein Identisches, welches das All erfüllt, das Universum erleuchtet und die Natur unterweist, ihre Gattungen, so wie sie sein sollen, hervorzubringen. 34
Die Weltseele (forma universale) ist ebenso wie Gott erwirkende Ursache (causa effectrice) und Prinzip. Als erwirkende Ursache übernimmt sie eine Leitfunktion und bestimmt so das
30 UPE, S. 54.
31 UPE, S. 55.
32 Bruno, Giordano. Von der Ursache, dem Prinzip und dem Einen. (Einleitung von Werner Beierwaltes) Meiner, Hamburg: 1983, S. XXI.
33 UPE, S. 29.
34 UPE, S. 29.
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Universum. Prinzip ist sie deshalb, weil sie als innere Form die Welt belebt und gestaltet 35 . Bruno unterscheidet hier zwei Arten von Formen:
die eine, welche zwar Ursache ist, aber nicht schon die bewirkende Ursache selber, sondern die, um deren Willen die bewirkende thätig, ist; die andere das Prinzip, welches durch die bewirkende Ursache aus der Materie zur Thätigkeit erweckt wird. Die Weltseele vermittelt den Geist in das Seiende. Dadurch wird dieses belebt und beseelt. Diese aktive Vermittlungsfunktion in Bezug auf den Geist stellt den „primus motor der Prozesse und des Seins“ dar 36 . Die Kraft der Vereinigung (amor) durchdringt die Weltseele alles und hält so alles zusammen. Die Weltseele bewirkt den Zusammenhalt und die Zusammensetzung der Teile. Dies ist ein spezifisches Wirken der Weltseele. Bruno beschreibt hier eine Weltseele, „wie sie die Wirklichkeit von allem und das Vermögen von allem und alles in allem ist.“ 37
Die Weltseele ist ebenso wie Gott unteilbar, das heißt auch hier, sie ist im ganzen der Welt und in jedem Teil. Sie hat eine Vermittlerrolle zwischen dem göttlichen Geist („der alles ist“) und dem Geist des einzelnen Seienden („der alles wird“) inne 38 (C31,10). Die natürlichen und zusammengesetzten Dinge bestehen aus Materie und Form. Jedoch haben auch sie Geist, „denn Geist findet sich in allen Dingen, und ist es auch nicht das kleinste Körperchen, welches nicht einen ausreichenden Antheil davon in sich fasste, um sich beleben zu können.“ 39
Die Weltseele (spiritus mundi) ist ein Element der Materie und durch den Geist schöpferisch. Als „Herrscherin über die Materie“ 40 stellt sie die seiende und wirkende Mitte der Materie. „Denn sie ist es, welche die Materie mit allen Formen erfüllt, und sie nach der durch die letzteren gegebenen Weise und Bedingung gestaltet.“ 41 Bruno nennt die Weltseele auch deshalb „innerer Künstler“ 42 , weil sie die Materie formt und gestaltet. Durch den universalen Geist ist die Weltseele fähig aus dem möglichen Sein wirkliche Körper entstehen zu lassen.
35 Bruno, Giordano. Von der Ursache, dem Prinzip und dem Einen. (Einleitung von Werner Beierwaltes) Meiner, Hamburg: 1983, S. XII.
36 Bruno, Giordano. Von der Ursache, dem Prinzip und dem Einen. (Einleitung von Werner Beierwaltes) Meiner, Hamburg: 1983, S. XIV.
37 UPE, S.89.
38 Bruno, Giordano. Von der Ursache, dem Prinzip und dem Einen. (Einleitung von Werner Beierwaltes) Meiner, Hamburg: 1983, S. XVI.
39 UPE, S. 37.
40 UPE, S.53.
41 UPE, S. 29.
42 UPE, S. 30.
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5.4 Das Universum und das Eine
Das Sein des Einen kann unter einem Gesichtspunkt als in sich seiendes göttliches Prinzip verstanden werden, zum anderen aber auch als schaffendes Wirken, das alles bestimmt und einigt und welches auch die Basis für die Wirkung der einzelnen Kräfte bzw. Ursachen darstellt. „Das All entspringt aus dem Willen oder der Güte desselben; diese ist das Prinzip seines Wirkens, und aus ihm geht die Gesamtheit aller Wirkungen hervor“ 43 . Alle Ursachen und Prinzipien sind durch die oberste Ursache und das oberste Prinzip bedingt.
Das Universum ist unvergänglich, unbeweglich, unteilbar, ohne Unterschiede in sich und umfasst außerdem alles Sein (tutto essere). Synonym können die Begriffe Eines, In-sich-Einiges oder unendlich verwendet werden 44 . Die Einheit des Universums enthält sowohl das Einzelne als auch das Verschieden-Seiende oder Gegensätzliche. Der Coincidenz-Gedanke, der hier deutlich wird, kennzeichnet das Universum als eine bedingt, aber nicht absolute Einheit von Möglichkeit (potenza, Vermögen) und Wirklichkeit: dass es „alles das [ist], was es sein kann“ 45 im Gegensatz zu den Einzeldingen. „Da seht ihr also, wie alle Dinge im Universum sind und das Universum in allen Dingen ist, wir in ihm, es in uns, und so alles in eine vollkommene Einheit einmündet.“ 46 Es besteht des Weiteren eine Einheit von Raum und Zeit. Das bedeutet, dass es außerhalb des Universums keines der beiden geben kann. Das Universum ist alles in einem: unendlich und unbewegt (die aristotelischen Eigenschaften Gottes 47 ), möglich und wirklich, Materie und Form, Wesen und Seele, Ursache und Zweck 48 .
Das Unendliche ist ein Abbild der unendlichen Gottheit. Das eine göttliche Prinzip ist die wahre Unendlichkeit selbst und Ursache des Universums bzw. der Welt. Daher kann auch seine Wirkung nur unendlichen Charakter haben. „Mithin können wir von der göttlichen Substanz gar nichts wissen, sowohl weil sie unendlich, als weil sie von den Wirkungen, welche die äußerste Grenze des Gebietes unseres Verstandesvermögens darstellen, sehr weit entfernt ist.“ 49 Die Welt selbst ist das Unendliche und Letztwirkliche.
43 UPE, S. 25.
44 Bruno, Giordano. Von der Ursache, dem Prinzip und dem Einen. (Einleitung von Werner Beierwaltes) Meiner, Hamburg: 1983, S. XXIV.
45 UPE, S. 67.
46 UPE, S. 101.
47 Hirschberger, Johannes. Geschichte der Philosophie. Bd. II: Neuzeit und Gegenwart. Komet, Köln: 1980, S. 38.
48 Ebd.
49 UPE, S. 26.
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6. allgemeine Bemerkungen
Die Theorie von Kopernikus sah Bruno als eine Wiedergeburt der antiken pythagoreischen und mystischen Wahrheit. Hinsichtlich der Kosmologie ist das Ziel, die Begrenzungen der neun Sphären aufzubrechen „in einen unendlichen, die Grenzen der Sichtbarkeit aufhebenden Raum, in dem unzählige Welten „leben und weben“, die zueinander in Verbindung stehen“ 50 . Das heißt, Bruno nimmt weder ein Außen der Welt, noch einen Umfang oder Mittelpunkt an. (C 100,7; 145,9f; 100,39ff etc) Die erde ist demnach nicht Zentrum des Universums.
Auf die Religion bezogen lässt sich sagen, dass Bruno -zumindest philosophisch gesehen- die alte katholische Ordnung der neuen protestantischen vorzog 51 . Das konnte er ebenso mit seiner moralischen und sozialen Sichtweise auf die Dinge in Einklang bringen.
50 Bruno, Giordano. Von der Ursache, dem Prinzip und dem Einen. (Einleitung von Werner Beierwaltes) Meiner, Hamburg: 1983, S. XXXIII.
51 Yates, Frances A. Giordano Bruno in der englischen Renaissance. Wagenbach, Berlin: 1989, S.37.
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7. Bibliographie
Blum, Paul Richard. Philosophieren in der Renaissance. Kohlhammer, Stuttgart: 2004.
Brockhaus. Art. „Ptolemäios“, in: Der große Brockhaus in einem Band (2. Auflage). F.A. Brockhaus, Leipzig: 2005, S. 816.
Bruno, Giordano. Von der Ursache, dem Prinzip und dem Einen. (Einleitung von Werner Beierwaltes) Meiner, Hamburg: 1983.
Bruno, Giordano. Zwiegespräche vom unendlichen All und den Welten. (Erläuterung von Ludwig Kuhlenbeck) Wissenschaftliche Buchgesellchaft, Darmstadt: 1983.
Cassirer, Ernst. Individuum und Kosmos in der Philosophie der Renaissance. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt: 1963.
Dtv Atlas Philosophie. Dtv, München: 1991, S. 95.
Hirschberger, Johannes. Geschichte der Philosophie. Bd. II: Neuzeit und Gegenwart. Komet, Köln 1980.
Lovell, Bernd. Das unendliche Weltall. Geschichte der Kosmologie von der Antike bis zur Gegenwart. C.H. Beck, München: 1983.
Riekel, August. Die Philosophie der Renaissance. Reinhardt, München: 1925.
Störig, Hans Joachim. Kleine Weltgeschichte der Philosophie. Fischer, Frankfurt a. M.: 2004. Wildgen, Wolfgang. Das kosmische Gedächtnis. Kosmologie, Semiotik und Gedächtnistheorie im Werke Giordano Brunos (1548-1600). Lang, Frankfurt a.M.: 1998.
Yates, Frances A. Giordano Bruno in der englischen Renaissance. Wagenbach, Berlin: 1989.
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Judith Kraut, 2008, Giordano Brunos „Von der Ursache, dem Prinzip und dem Einen“: Gedanken zur Unendlichkeit des Universums. , München, GRIN Verlag GmbH
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Die motorische Entwicklung des Kindes
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