Mittelständische Betriebe müssen durch den zunehmenden Wettbewerbsdruck, u.a. entstanden in Folge der Globalisierung, ihre Unternehmensabläufe,
insbesondere IT-Prozesse, ständig auf Effektivität und Effizienz überprüfen und ggf. erneuern bzw. erweitern, um am Markt im In- und Ausland bestehen zu
können. Damit mittelständische Unternehmen den steigenden Anforderungen des Marktes gerecht werden, greifen sie verstärkt auf leistungsfähige und moderne
ERP-Systeme zurück, um dadurch die Gesamtbetriebskosten zu senken und die Produktivität zu steigern.
Groß-Anbieter von ERP-Software haben diese Entwicklung erkannt und versuchen verstärkt in dieses Marktsegment einzusteigen, auch da der Markt für
Großunternehmen bereits nahezu vollständig gesättigt ist.
Diese Fallstudie zeigt Probleme auf, die beim Einstieg von ERP-Anbietern in den Mittelstand entstehen oder entstehen können und welchen Anforderungen ERPSysteme in mittelständischen Unternehmen gerecht werden müssen, an Hand zwei
unterschiedlicher ERP-Systeme erläutert.
Im ersten Teil dieser Arbeit werden die Begriffe ERP-Systeme und Mittelstand definiert. Darauf aufbauend stellt der zweite Teil die individuellen Anforderungen von mittelständischen Unternehmen an ERP-Lösungen dar und zeigt dabei verschiedene Auswahlkriterien für ERP-Softwareanbieter und vorhandene Barrieren bei der Implementierung auf.
Der dritte Teil zeigt signifikante Aspekte des Mittelstandmarktes für ERP-Software in Deutschland auf und vergleicht zwei bekannte ERP-Systeme. Abschließend wird diese Fallstudie zusammengefasst und ein Ausblick auf künftige Entwicklungen gegeben. Der Begriff ERP wurde im Jahre 1990 von der Gartner Group entscheidend geprägt. Seither hat sich noch keine einheitliche Definition in der Literatur
durchgesetzt. „Enterprise Resource Planning (ERP) bezeichnet die unternehmerische Aufgabe, die in einem Unternehmen vorhandenen Ressourcen (wie z.B. Kapital, Betriebsmittel, Personal, …) möglichst effizient für den betrieblichen Ablauf einzuplanen.“ Zur Unterstützung dieser Geschäftsprozesse
werden entsprechende Softwarelösungen (ERP-Systeme) eingesetzt. Durch kontinuierliche Funktions- und Aufgabenerweiterungen der bis dato bestehenden Produktionsplanungssysteme (PPS) bzw. Manufacturing Resource Planningsystems (MRPII) entwickelten sich daraus die heutigen ERP-Systeme.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Enterprise Resource Planning (ERP) Systeme
3 Mittelstand
3.1 Quantitative Kriterien
3.1.1 Definition nach der Europäischen Union (EU-Kommission)
3.1.2 Definition nach dem Institut für Mittelstandsforschung (IFM) Bonn
3.1.3 Definition nach dem Handelsgesetzbuch § 267 (1),(2)
3.2 Qualitative Kriterien
3.2.1 Unternehmensführung
3.2.2 Organisationsstrukturen
3.2.3 Kundenorientierung
3.2.4 Finanzierungsproblematik
3.2.5 Personalknappheit und -Kompetenz
3.2.6 Informations- und Kommunikationstechnologie
3.3 Betriebsgrößenproblematik „Mittelstand“
3.4 Volkswirtschaftliche Bedeutung des Mittelstandes
4 Anforderungen an ERP-Systeme im Mittelstand
4.1 Flexibilität
4.2 Anpassungsfähigkeit und Erweiterbarkeit
4.3 Ergonomie
4.4 Kosten-Nutzen-Verhältnis
4.5 Beherrschbarer Systembetrieb
5 Auswahlkriterien für ERP-Softwareanbieter
5.1 Investitionssicherheit
5.2 Fachkompetenz der Anbieter
5.3 Überlebensfähigkeit der Anbieter
5.4 Zukunftssicherheit der ERP-Software
6 Barrieren bei der Implementierung von ERP-Systemen
6.1 Investition
6.2 Organisation
6.3 Wissen und personelle Kapazität
6.4 Geschäftsprozesse
6.5 Akzeptanzprobleme und Widerstände
6.5.1 Management
6.5.2 Mitarbeiter
7 ERP-Markt für KMU
7.1 Marktabgrenzung
7.2 Ausgewählte Marktaspekte
7.2.1 Relevante Marktsegmente
7.2.2 Anbieterübersicht nach Marktsegmenten
7.2.3 Open-Source-Lösungen
7.2.4 Homogenität des Marktes
7.2.5 Marktvolumen und Entwicklung
7.3 Marktausblick
8 ERP-Softwarevergleich
8.1 Hersteller- und Produktvorstellung
8.1.1 Microsoft Dynamics NAV
8.1.2 SAP Business One
8.2 Quantitativer Vergleich
8.3 Qualitativer Vergleich
8.3.1 Funktionsumfang
8.3.2 Anpassungs- und Integrationsfähigkeit
8.3.3 Erweiterbarkeit
8.4 Vergleichsergebnis
9 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Diese Fallstudie untersucht die spezifischen Herausforderungen und Anforderungen mittelständischer Unternehmen bei der Einführung von Enterprise Resource Planning (ERP) Systemen und vergleicht führende Softwarelösungen auf dem deutschen Markt.
- Definition und Besonderheiten des Mittelstandes.
- Anforderungen an moderne ERP-Software im Mittelstand.
- Kriterien für die Auswahl von ERP-Softwareanbietern.
- Barrieren bei der Implementierung von ERP-Projekten.
- Vergleichende Analyse von Microsoft Dynamics NAV und SAP Business One.
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Unternehmensführung
Die Leitung eines mittelständischen Betriebes wird meist durch eine natürliche Person wahrgenommen, die kontrollierend und planend auf alle unternehmerischen Entscheidungen Einfluss nimmt. Der Verantwortliche ist dadurch „so eng mit dem Unternehmen verbunden …, dass von einer Identität zwischen Unternehmen und Unternehmer gesprochen werden muss.“ Dies hat eine Aufgaben- und Wissenskonzentration in einer einzelnen Person zur Folge, welche somit kaum oder nur sehr schwer zu ersetzen ist. Meist existiert dadurch ein sehr breites Wissen, jedoch fehlen der Unternehmensführung Spezialkenntnisse.
Hinzu kommt die Einheit von Eigentum, Haftung und Risiko. Dies resultiert daraus, dass zwischen der wirtschaftlichen Existenz des Betriebes und der wirtschaftlichen Existenz des Eigentümers inklusive seiner Familie in der Regel ein zwingender Zusammenhang besteht.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die zunehmende Bedeutung von ERP-Systemen durch Wettbewerbsdruck und stellt den strukturellen Aufbau der Fallstudie vor.
2 Enterprise Resource Planning (ERP) Systeme: Dieses Kapitel definiert den Begriff ERP, beschreibt dessen historischen Ursprung aus PPS-Systemen und skizziert die heutigen Anforderungen an diese Softwarelösungen.
3 Mittelstand: Es werden quantitative und qualitative Kriterien zur Abgrenzung des Mittelstands behandelt und die volkswirtschaftliche Bedeutung dieses Sektors hervorgehoben.
4 Anforderungen an ERP-Systeme im Mittelstand: Hier werden spezifische Kriterien wie Flexibilität, Anpassungsfähigkeit, Ergonomie und ein beherrschbarer Systembetrieb für mittelständische Unternehmen erarbeitet.
5 Auswahlkriterien für ERP-Softwareanbieter: Das Kapitel analysiert, warum Faktoren wie Investitionssicherheit, Fachkompetenz und die Überlebensfähigkeit des Anbieters bei der Auswahl entscheidend sind.
6 Barrieren bei der Implementierung von ERP-Systemen: Es werden typische Ursachen für das Scheitern von Einführungsprojekten identifiziert, insbesondere in den Bereichen Organisation, Finanzen und Akzeptanz durch Personal.
7 ERP-Markt für KMU: Eine Analyse des Marktes für kleine und mittelständische Unternehmen, inklusive Segmentierung, Anbieterübersicht und der Rolle von Open-Source-Lösungen.
8 ERP-Softwarevergleich: Ein detaillierter quantitativer und qualitativer Vergleich zwischen Microsoft Dynamics NAV und SAP Business One.
9 Zusammenfassung: Die Kernaussagen der Fallstudie werden zusammengefasst und die Schwierigkeiten für Großanbieter auf dem hart umkämpften Mittelstandsmarkt bekräftigt.
Schlüsselwörter
ERP-Systeme, Mittelstand, KMU, Implementierung, Softwareauswahl, Investitionssicherheit, Unternehmensführung, Geschäftsprozesse, Microsoft Dynamics NAV, SAP Business One, Anpassungsfähigkeit, IT-Systeme, Marktsegmente, Projektmanagement, Wirtschaftlichkeit.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das übergeordnete Thema dieser Arbeit?
Die Arbeit behandelt die Rolle von ERP-Systemen in mittelständischen Unternehmen, unter besonderer Berücksichtigung der speziellen Anforderungen dieser Firmen und der Marktsituation für entsprechende Software.
Welche zentralen Themenbereiche werden abgedeckt?
Die Arbeit deckt die Begriffsdefinitionen, Anforderungen an Software, Auswahlkriterien für Anbieter, Implementierungsbarrieren und einen direkten Produktvergleich ab.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Fallstudie zielt darauf ab, Probleme beim Einstieg von ERP-Anbietern in den Mittelstand aufzuzeigen und zu klären, welchen speziellen Anforderungen ERP-Systeme dort gerecht werden müssen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine Fallstudie, die auf einer umfassenden Auswertung existierender Literatur, Marktstudien und Daten von IT-Beratungsunternehmen basiert.
Was steht im inhaltlichen Fokus des Hauptteils?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Anforderungen an ERP-Systeme, die Auswahlkriterien für Anbieter, die Identifikation von Barrieren bei der Einführung sowie einen Vergleich von Microsoft Dynamics NAV und SAP Business One.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind ERP-Systeme, Mittelstand, KMU, Implementierungsbarrieren und Softwarevergleich.
Warum spielt die Personaldecke im Mittelstand bei der IT-Einführung eine so wichtige Rolle?
Da in mittelständischen Betrieben oft keine dedizierte IT-Abteilung existiert und Mitarbeiter mehrere Aufgaben gleichzeitig wahrnehmen, ist ein ERP-System erforderlich, das nach der Einführung weitgehend eigenständig und beherrschbar betrieben werden kann.
Wie unterscheidet sich die Bewertung von Microsoft Dynamics NAV und SAP Business One laut der Analyse?
Beide Systeme unterscheiden sich nicht fundamental, jedoch bietet Microsoft Vorteile in der Verbreitung auf dem deutschen Markt, während SAP bei den Branchenlösungen punktet.
Warum haben große ERP-Anbieter Schwierigkeiten im Mittelstandsmarkt?
Der Markt ist stark fragmentiert, durch viele kleine Nischenanbieter geprägt und erfordert eine hohe Flexibilität sowie Anpassungsfähigkeit an spezifische mittelständische Unternehmenskulturen, was für Großkonzerne oft eine Herausforderung darstellt.
- Citation du texte
- R. Schmidl (Auteur), Ch. Becker (Auteur), V. Popovic (Auteur), 2007, ERP-Systeme im Mittelstand, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115986