Inhaltverzeichnis
1 Quellenkritik. 3
1.1 Quellenbeschreibung. 3
1.2 Äußere Kritik. 3
1.3 Innere Kritik 3
1.3.1 Sprachliche Aufschlüsselung 3
1.3.2 Sachliche Aufschlüsselung. 4
2 Quelleninterpretation. 5
2.1 Inhaltsangabe. 5
2.2 Einordnung in den historischen Kontext. 5
2.2.1 Der Hitler-Stalin-Pakt 5
2.2.2 Überfall auf Polen - die deutsche Wehrmacht. 7
2.2.3 Das Generalgouvernement Polen 8
2.2.4 Überfall auf Polen - die Rote Armee 9
2.2.5 Unternehmen „Barbarossa 11
2.2.6 Katyn 13
2.2.6.1 Die Erschießungen von Katyn. 13
2.2.6.2 Die Entdeckung der Massengräber und die folgenden Untersuchungen 14
3 Ergebnis und Ausblick 21
4 Literaturverzeichnis. 22
4.1 Quelle 22
4.2 Literatur 22
1 Quellenkritik
1.1 Quellenbeschreibung
Bei der ausgewählten Quelle handelt es sich um einen Artikel mit der Überschrift „Reuter gibt Beruhigungsspritzen - Der Mord von Katyn hat bei den polnischen Emigranten wie eine Bombe eingeschlagen“ verfasst von der Berliner Schriftleitung am 17. April 1943 und erschienen im Rostocker Anzeiger der Wochenendausgabe vom 17. und 18. April 1943. Es handelt sich hiermit um eine schriftliche Quelle, die in der Kategorisierung von Ahasver von Brandt den „Traditionen“ zuzuordnen ist. 1
1.2 Äußere Kritik
Die Quelle ist auf das Wochenende des 17. und 18. April 1943 datiert. Als Verfasser ist die Berliner Schriftleitung (auch Redaktion genannt 2 ) angegeben. Daraus ist der Schluss zu ziehen, dass der Artikel der Lenkung des am 13. März 1933 gegründeten Ministeriums für Volksaufklärung und Propaganda 3 unter der Leitung des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda sowie Gauleiter von Berlin, Dr. Joseph Goebbels 4 unterstand. Die Überschrift ist in altdeutscher Schrift gedruckt, als Adressaten ist die Bevölkerung in Mecklenburg, Vorpommern und Prignitz, wie es aus dem Untertitel der Zeitung hervorgeht, gewählt. 5
1.3 Innere Kritik
1.3.1 Sprachliche Aufschlüsselung
Als einziges Wort der in dem Artikel heute möglicherweise nicht mehr verständlich ist, kommt „Spießgeselle“ (Dritte Spalte, Zeile 26) in Frage.
1 Brandt, Ahasver von: Werkzeug des Historikers. Eine Einführung in die historischen Hilfswissenschaften, 16. Auflage, Stuttgart/Berlin/Köln 2003, S. 48-159.
2 Kammer, Hilde/Bartsch, Elisabet: Lexikon Nationalsozialismus. Begriffe, Organisationen und Institutionen. Hamburg 1999, S. 228.
3 Bedürftig, Friedemann: Lexikon Drittes Reich. München 1997, S. 273.
4 Hachmeister, Lutz/Kloft, Michael (Hrsg.): Das Goebbels-Experiment. Propaganda und Politik. München/Hamburg 2005, S. 29.
5 Siehe Quelle im Anhang.
3
Spießgeselle bedeutet, soviel wie Helfershelfer 6 und beschreibt das Handeln von „… Teilnehmer[n], Gehülfen, Mittwisser[n] in einer bösen Sache.“ 7
1.3.2 Sachliche Aufschlüsselung
- „Sikorski“ (Erste Spalte, Zeile 15)
Gemeint ist hier, der für die seit dem 30. September 1939 - aus Mitgliedern der bisherigen polnischen Oppositionsparteien bestehende 8 - existierende Polnische Exilregierung 9 eingesetzte Ministerpräsident, General Wladyslaw Sikorski 10 .
- „Churchill“ (Erste Spalte, Zeile 17)
Gemeint ist hier, der von Mai 1940 bis 1945 amtierende Premierminister 11 von Großbritannien, Winston Churchill 12 .
- „Außenminister Eden“ (Erste Spalte, Zeile 23/24)
Gemeint ist hier, der Außensekretär und Minister im Kriegskabinett von Großbritannien, Anthony Eden. 13
- „Bolschewisten“ (Erste Spalte, Zeile 27)
Gemeint sind hier diejenigen, die die sowjetische Politik und die dahinter stehenden marxistischen Ideologie nach 1917 vertraten 14 , so auch die Mitglieder des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion 15 . Geschichtlich gesehen waren die Bolschewisten (=„Mehrheitler“) der linke Flügel der Russischen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei. 16
6 Klappenbach, Ruth/Steinitz, Wolfgang (Hrsg.): Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache. S-V. Berlin-Ost 1980, S. 3495.
7 Mißka, Walther (Hrsg.): Trübners Deutsches Wörterbuch. Band 6. Berlin-West 1955, S. 464.
8 Gruchmann, Lothar: Der Zweite Weltkrieg. Kriegsführung und Politik. Elfte, durchgesehene und aktualisierte Auflage, München 2005, S. 36.
9 Alexander, Manfred: Kleine Geschichte Polens. Stuttgart 2003, S. 310.
10 Ebd., S. 314.
11 Maurer, Michael: Kleine Geschichte Englands. Aktualisierte Auflage und bibliographisch ergänzte Ausgabe, Stuttgart 2002, S. 419.
12 Bedürftig, Friedemann: Lexikon Drittes Reich. München 1997, S. 58.
13 Kluxen, Kurt: Geschichte Englands. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Vierte, aktualisierte Auflage, Stuttgart 1991, S. 808.
14 Bedürftig, Friedemann: Lexikon Drittes Reich. München 1997, S. 44.
15 Besymenski, Lew: Stalin und Hitler. Das Pokerspiel der Diktatoren. Berlin 2002, S. 8.
16 Altrichter, Helmut: Kleine Geschichte der Sowjetunion 1917-1991. München 1993, S. 29.
4
- „Stalin[s]“ (Dritte Spalte, Zeile 9/10)
Gemeint ist hier der ab 1922 in der Funktion des Generalsekretärs des Zentralkommitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion fungierende und ab 1928/29 unumschränkte Herrscher der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken 17 , Josef Stalin, eigentlich Iossif Wissarionowitsch Dschugaschwili (21.12.1879-05.03.1953) 18 .
2 Quelleninterpretation
2.1 Inhaltsangabe
Der Bericht geht auf die Erschießungen polnischer Offiziere in Katyn ein. Es wird berichtet, dass die polnischen Emigranten in England nur Beschwichtigungen von den Engländern zu hören bekämen, da diese aus politischem Kalkül die Sowjetische Regierung nicht mit diesem, doch so offensichtlich von ihnen befehligten, Erschießungen in Verbindung bringen will. Des Weiteren wird vermittelt, dass die polnische Exilregierung daher keine Aufklärung - und Aufklärungswillen - von der englischen Regierung zu erwarten hätten, und nur die deutsche Regierung mit ihren umfassenden Untersuchungen die Geschehnisse in Katyn aufarbeiten könnte.
2.2 Einordnung in den historischen Kontext
2.2.1 Der Hitler-Stalin-Pakt
Der Hitler-Stalin-Pakt, dessen offizielle Bezeichnung „Nichtangriffspakt zwischen Deutschland und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken“ 19 war, wurde am 23. August 1939 20 „…auf die Dauer von 10 Jahre abgeschlossen…“ 21 und von Wjatscheslaw Molotow 22 , dem Volkskommissar für äußere Angelegenheiten 23 der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR) und dem deutschen Außenminister von
17 Bedürftig, Friedemann: Lexikon Drittes Reich. München 1997, S. 329.
18 Barth, Reinhard/Bedürftig, Friedemann: Taschenlexikon. Zweiter Weltkrieg. München 2000, S. 375.
19 Ebd., S. 113.
20 Davis, Norman: God’s Playground. A History of Poland. Volume II 1795 to the Present. Oxford/New York 2005, S. 320.
21 Hürten, Heinz (Hrsg.): Deutsche Geschichte in Quellen. Weimarer Republik und Drittes Reich 1918-1945. Band 9, Stuttgart 2003, S. 329.
22 Besymenski, Lew: Stalin und Hitler. Das Pokerspiel der Diktatoren. Berlin 2002, S. 17.
23 Alexander, Manfred: Kleine Geschichte Polens. Stuttgart 2003, S. 310.
5
Ribbentrop 24 in Moskau zum Abschluss gebracht 25 . Im Falle kriegerischer Verwicklungen der jeweils anderen Seite, so versicherten sich beide Parteien wechselseitig, sollte dem Gegner des Vertragspartners keinerlei Unterstützung zuteil werden. 26 Damit sah Adolf Hitler, deutscher Reichskanzler durch Ernennung vom 30. Januar 1933 27 , den Weg frei für einen Angriff auf Polen: „…der Nichtangriffspakt war nichts anderes als die Einladung zum Angriff auf Polen.“ 28 so Hans-Ulrich Thamer. Durch die „Rückendeckung“ 29 nach Osten hin war auch ein Zwei-Fronten-Krieg (vorerst) ausgeschlossen. Auch mutmaßte er, dass Großbritannien (Beistandsabkommen mit Polen am 25. Juli 1939 geschlossen) und Frankreich (polnisch-französische Militärkonvention vom 19. Mai 1939) wegen Polen nun keinen Krieg mit dem Deutschen Reich führen würden. 30, 31 Der Hitler-Stalin-Pakt enthielt zudem ein geheimes Zusatzabkommen, das der Sowjetunion beträchtliche Gebietserweiterungen einbrachte 32 , so die eine Hälfte Polens (bis zu einer Linie entlang der Flüsse Narew, Weichsel und San), Finnland, Estland, Lettland und Bessarabien 33 und Gebietserweiterungen für das Deutsche Reich 34 in Form der Gebiete zwischen Weichsel und Bug, diese durch die Abgabe Litauens an die Sowjetunion durch ein von Ribbentropp und Molotow unterzeichnetem Grenz- und Freundschaftsvertrages vom 28. September 1939 35 , und die andere Hälfte Polens. 36
24 Müller Dr., Helmut M.: Deutsche Geschichte in Schlaglichtern. Zweite, aktualisierte Auflage, Leipzig/Mannheim 2004, S. 279.
25 Heyde, Jürgen: Geschichte Polens. München 2006, S. 103.
26 Thamer, Hans-Ulrich: Nationalsozialistische Außenpolitik: der Weg in den Krieg. In: Informationen zur politischen Bildung Heft 266, Bonn 2000, S. 45.
27 Bedürftig, Friedemann: Lexikon Drittes Reich. München 1997, S. 162.
28 Thamer, Hans-Ulrich: Nationalsozialistische Außenpolitik: der Weg in den Krieg. In: Informationen zur politischen Bildung Heft 266, Bonn 2000, S. 45.
29 Altrichter, Helmut: Kleine Geschichte der Sowjetunion 1917-1991. München 1993, S. 93. 30 Hoensch, Jörg K.: Geschichte Polens. Zweite, neubearbeitete und erweiterte Auflage, Stuttgart 1990, S. 279. 31 Müller Dr., Helmut M.: Deutsche Geschichte in Schlaglichtern. Zweite, aktualisierte Auflage, Leipzig/Mannheim 2004, S. 280.
32 Altrichter, Helmut: Kleine Geschichte der Sowjetunion 1917-1991. München 1993, S. 93.
33 Thamer, Hans-Ulrich: Nationalsozialistische Außenpolitik: der Weg in den Krieg. In: Informationen zur politischen Bildung Heft 266, Bonn 2000, S. 45.
34 Hoensch, Jörg K.: Geschichte Polens. Zweite, neubearbeitete und erweiterte Auflage, Stuttgart 1990, S. 279.
35 Musial, Bogdan: „Konterrevolutionäre Elemente sind zu erschießen“. Die Brutalisierung des deutschsowjetischen Krieges im Sommer 1941. Zweite Auflage, Berlin/München 2001, S. 25.
36 Müller Dr., Helmut M.: Deutsche Geschichte in Schlaglichtern. Zweite, aktualisierte Auflage, Leipzig/Mannheim 2004, S. 280.
6
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Johannes Pfohl, 2006, „Reuter gibt Beruhigungsspritzen - Der Mord von Katyn hat bei den polnischen Emigranten wie eine Bombe eingeschlagen.“, München, GRIN Verlag GmbH
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