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,,Bononia docet!"
Die Sonderstellung Bolognas in der Universitätslandschaft des Mittelalters
Inhaltsverzeichnis:
Inhaltsverzeichnis:... 1
I. Einleitung ... 2
II. Allgemeine
Begriffsbestimmungen... 5
III.
Die Verhältnisse in Paris und Oxford ... 7
IV.
Die Sonderstellung der Universität Bologna... 9
1. Allgemeines, innere Struktur... 9
2. Äußere Faktoren... 11
3. Die Rolle der Deutschen Nation... 13
V. Schluss... 15
VI. Literaturverzeichnis... 18
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I. Einleitung
Hört man gegenwärtig Neuigkeiten von der Universität Bologna, so verbindet man wohl un-
willkürlich eher die oftmals als negativ bezeichneten Effekte des sog. Bologna-Prozesses da-
mit, welche zwar nicht mehr nahezu täglich in den Medien thematisiert werden, aber im Uni-
versitätsalltag Deutschlands stetig präsent sind. Dabei geht es u.a. nicht nur um die gestiegene
Zahl von Studienabbrechern, welche schon auf den ,,Bachelor" oder ,,Master" hin studiert
hatten
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, sondern z.B. auch um Studenten des ,,alten" Systems, welche sich aufgrund der Um-
stellung diskriminiert und vernachlässigt fühlen.
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Das Gros der Historiker wird mit der Uni-
versität Bologna allerdings eher einige Schlagworte wie: älteste Universität Europas, Studen-
tenuniversität oder Deutsche Nation assoziieren. Um die knappe Beleuchtung dieser Punkte
soll es auch schwerpunktmäßig in der hier vorliegenden Arbeit gehen, wobei der Titel
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später
auch als These fungiert, d.h. durch einige Vergleiche zu den Universitäten Paris und Oxford
soll im Schluss festgestellt werden können, ob und wenn ja inwieweit Bologna eine Sonder-
stellung genoss, aber auch geklärt werden, welche Mächte sich wie und mit welcher Intensität
auf diese Universität konzentrierten. So wird sich Kapitel II mit der Bestimmung einiger zent-
raler Begriffe beschäftigen, was notwendig scheint, da man u.a. mit dem Begriff ,,Nation"
oder ,,Fakultät" moderne Inhalte assoziiert. Weiterhin wird hier knapp der Entwicklungspro-
zess der Universität allgemein nachgezeichnet. Kapitel III umreist schließlich die Verhältnisse
an den Universitäten von Paris und Oxford, wobei hauptsächlich auf die Probleme dieser frü-
hen Universitäten eingegangen wird, um ein Bild zu erzeugen, welches ein Erkennen der Un-
terschiede und Gemeinsamkeiten zu Bologna ermöglicht. In Kapitel IV soll es schließlich um
die allgemeine Erklärung des universitären Systems in Bologna gehen, weiterhin aber auch
um die Mächte, welche den Studienalltag von ,,innen" und von ,,außen" beeinflusst haben.
Hat man nämlich diese Faktoren ausgemacht, so kann dies dabei Helfen, über eine besondere
Wichtigkeit oder gar eine Sonderstellung zu entscheiden.
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Siehe z.B.: Schmiedekampf, Katrin (14.02.): Höher, Schneller, Weiter. Überraschend viele Abbrecher im Ba-
chelor-Studium. In: Spiegel Online/Uni Spiegel, Jg. 2008, 14.02. Online verfügbar unter
http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,535262,00.html, zuletzt geprüft am 20.04.2008.
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Siehe z.B.: Kieselbach, Janne A.: Diskriminierung. Warum es Diplom- und Magisterstudenten seit der Umstel-
lung auf den Bachelor so schwer haben. In: ZEIT Campus, Jg. 2008, 01. Online verfügbar unter
http://www.zeit.de/campus/2008/01/magister-vernachlaessigung, zuletzt geprüft am 20.04.2008.
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,,Bononia docet" ist ein ,,geflügeltes" Wort des Mittelalters, welches oft in rechtlichen Angelegenheiten ver-
wandt wurde, siehe hierzu Kapitel IV.I.
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Die älteste Universität des sog. Abendlandes ist wohl jene zu Bologna (Gründungsdatum
nicht genau bekannt, jedoch im späten 11. Jahrhundert).
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Sie ging aus idiversen Vorläufern,
privaten Schulen des Rechts und der Künste, hervor. Somit war sie der erste Anlaufpunkt jun-
ger Aristokraten, welche sich dort zielgerichtet Ausbilden ließen, oft auf Geheiß ihres Lan-
desherrn, wobei die juristische Ausbildung den Schwerpunkt bildete. Weitere prominente
Universitätsgründungen im heutigen Ausland waren u.a. Paris (um 1200), Prag (1348), Wien
(1356) und Krakau (1364). Somit lag zwar die Mehrzahl dieser frühen Universitäten inner-
halb der Grenzen des damaligen "Heiligen Römischen Reiches", jedoch bestand bekannter-
maßen nicht nur eine hohe sprachliche, sondern ebenso eine bedeutende kulturelle Diversität
innerhalb dieses Gebildes. Somit lag es nahe, dass sich an den Universitäten Studenten aus
derselben Region zusammenfanden, wobei der Begriff "Region" sehr weit gefasst sein konnte.
Die Ausbildung sog. "Nationes" ist bereits in den frühen Jahren der Universität zu Bologna
ein Charakteristikum und auch bei späteren Universitätsgründungen wurden Nationen gebil-
det.
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Die Quellenlage für die Frühzeit der Universität Bologna ist als lückenhaft einzustufen, da es
die "klassischen" Universitätsquellen, d.h. Matrikel und Promotionsregister in dieser Form
nicht gegeben hatte. Somit muss man sich bei eingehender Forschung mit kommunalen Quel-
len oder spezifischen Dokumenten der Nationen (insbesondere der Deutschen) und Doktoren-
kollegien zufrieden geben, wobei eine Interpretation über die Aussagekraft schwierig ist.
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Zudem nahmen gerade die an allen mittelalterlichen Universitäten vollständig ausgebildeten
Artisten eine Schlüsselstellung im profanen Alltag des Hochmittelalters ein. Durch den
Transport ihrer breit gefächerten, aber trotzdem stets individuellen Fähigkeiten in eine Gesell-
schaft, in der Bildung noch ein Monopol des Klerus war, trugen sie maßgeblich zur Entwick-
lung von Staat, Kultur und Technik bei, wobei die Entstehung einer systematischen Administ-
ration nur ein Beispiel ist. Ihre Kenntnisse flossen in alle Einrichtungen ein, in welchen
Schriftlichkeit gefragt war: Behörden aller Ebenen, Kanzleien, Armeen, Kontore, Manufaktu-
ren, Universitäten und Schulen. Aufgrund dieses Dispersionsprozesses fällt es auch nicht
leicht, die Gesamtheit des Wirkens der Artisten en detail zu erforschen, da hier neben der
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In der Wissenschaft ist man sich noch uneinig, ob nun Bologna oder Paris die ältere Universität ist. Beide Städ-
te deklarieren die erste europäische Einrichtung dieser Art für sich, obwohl die Quellenlage nicht eindeutig ist.
Da Paris im Jahre 1268 allerdings erst relativ spät durch Papst Clemens IV. mit einer Bestätigungsbulle aner-
kannt wurde, folgt auch diese Arbeit der Mehrheit der wissenschaftlichen Meinungen und gibt Bologna das ein-
geschränkte ,,Vorrecht".
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Biedermann, Edwin A.; Biedermann, E. Alexander (2004): Logen, Clubs und Bruderschaften. Düsseldorf:
Droste, S. 186187.
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Schmutz, Jürg (2000): Juristen für das Reich. Die deutschen Rechtsstudenten an der Universität Bologna 1265 -
1425. Basel: Schwabe (Veröffentlichungen der Gesellschaft für Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte, 2),
S. 2021.
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Universitäts- und Wissenschaftgeschichte auch die Sozial-, Kultur- und Rechtsgeschichte
zusammenwirken muss. Beachtet man nun noch die Tatsache, dass man das Wirken der Artis-
ten aufgrund diffuser Berufsmöglichkeiten (Artisten waren überall dort vertreten, wo man
noch heute Geistes- und Sozialwissenschaftler antrifft) neben dem der spezialisierten Juristen,
Theologen und Mediziner leicht übersehen kann, so muss erkennen werden, dass die For-
schung noch viel Arbeit leisten muss.
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Unter anderem aus diesem Grunde wurde im April
1995 in der Schweiz während einer Tagung von Wissenschaftlern die Gesellschaft für Uni-
versitäts- und Wissenschaftsgeschichte (GUW) gegründet. Neben der Erforschung des in ih-
rem Namen enthaltenen Sachgebietes will dieser Zusammenschluss auch das "Auseinander-
driften" der Geistes- und Naturwissenschaften unterbinden und fördert und publiziert zahlrei-
che Projekt unter dem Schlüsselbegriff "Bildungsgeschichte".
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Im speziellen Falle Bologna
kann man aber trotz der problematischen Quellenlage eine gute Aufarbeitung konstatieren
9
,
wobei ein bedeutender Teil der Standardliteratur aus Italien stammt. Im deutschsprachigen
Raum hatte die Forschung im frühen 20. Jahrhundert reges Interesse an der Studentenge-
schichte, welches allerdings stagnierte
10
. Erst die letzten Jahre brachten wieder einen Auf-
schwung, wobei als ein Standardwerk die ,,Geschichte der Universität"
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, welche von Walter
Rüegg herausgegeben wurde, gilt. Weiterhin ist aber auch noch das ,,Handbuch der deutschen
Bildungsgeschichte" zu nennen, welches jedoch im ersten Band ,,nur" das 15. 17. Jahrhun-
dert abdeckt
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, aber allgemein als ein sehr gelungenes Überblickswerk bezeichnet werden
kann.
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Schwinges, Rainer Christoph (1999): Artisten und Philosophen. Wissenschafts- und Wirkungsgeschichte einer
Fakultät vom 13. bis zum 19. Jahrhundert - eine Einführung. In: Schwinges, Rainer Christoph (Hg.): Artisten
und Philosophen. Wissenschafts- und Wirkungsgeschichte einer Fakultät vom 13. bis zum 19. Jahrhundert. Ba-
sel: Schwabe (Veröffentlichungen der Gesellschaft für Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte, 1), S. 16.
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Schwinges, Rainer Christoph (Hg.) (1999): Artisten und Philosophen. Wissenschafts- und Wirkungsgeschichte
einer Fakultät vom 13. bis zum 19. Jahrhundert. Basel: Schwabe (Veröffentlichungen der Gesellschaft für Uni-
versitäts- und Wissenschaftsgeschichte), S. 12, S. IXXI.
9
Schmutz 2000, S. 39.
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Dies mag an der Tatsache liegen, dass viele Akademiker aus Studentenverbindungen einen Schwerpunkt auf
der Erforschung des Alltags an mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Universitäten, quasi als Teil der Vergan-
genheitsforschung, gelegt hatten. Mit dem Rückgang der Mitgliederzahlen dürfte auch die Forschungsintensität
zurückgegangen sein.
11
Rüegg, Walter (Hg.) (1993): Geschichte der Universität in Europa. München: Beck.
12
Hammerstein, Notker; Buck, August; Berg, Christa (Hg.) (1996): 15. bis 17. Jahrhundert. Von der Renais-
sance und der Reformation bis zum Ende der Glaubenskämpfe. München: Beck (Handbuch der deutschen Bil-
dungsgeschichte / hrsg. von Christa Berg ..., Bd. 1).
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II. Allgemeine
Begriffsbestimmungen
Das aus dem Hochmittelalter entstammende Wort "universitas" umschrieb zunächst sämtli-
che Zusammenschlüsse korporativer Art, also auch geistliche Bruderschaften oder auch Zünf-
te. Präzisiert und ausgeweitet wurde der Begriff um das Jahr 1200 zu "universitas scholarium"
oder "universitas magistrorum et scholarium", dann allerdings schon die zu "höheren" Bil-
dungseinrichtungen evolvierten älteren Schulen in Bologna, Paris oder Oxford beschrei-
bend.
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Trotz zahlreicher Reibungspunkte machte das Modell "Universität" schnell im wahren
Wortsinn Schule, denn bereits die ersten Jahrzehnte des 13. Jahrhunderts waren geprägt von
einigen Universitätsablegern von Bologna und Paris, welche sich dementsprechend mehr an
dem einen oder anderen System orientierten, da die Gründer zunächst abgewanderte Magister
waren, wie z.B. 1215 Arezzo oder 1222 in Padua.
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Diese Institutionsakzeleration kann nur
im Kontext der sich emanzipierenden oberitalienischen Städte gesehen werden, welche durch
ihre zunehmende Selbstständigkeit einen erhöhten Bedarf an Akademikern, aber schwer-
punktmäßig Juristen hatten. Allerdings entwickelten sich auch sog. Pflanzuniversitäten, d.h.
Stiftungen von hohen Klerikern oder Adligen, wobei die berühmtesten wohl die Universität
von Salamanca (1218/19 durch den König von Kastilien) und Neapel (1224 von Kaiser Fried-
rich II.) waren. Vor der eigentlichen Gründung stand in beiden Fällen ein herrschaftliches
Stiftungsprivileg, welches erst später durch den Papst bestätigt wurde. Auch die Motive der
weltlichen Herrscher waren ähnlich, in der Regel ging es um die Förderung der Juristen für
den eigenen Verwaltungsbedarf. Die Universität Toulouse wurde dagegen 1229 vom örtlichen
Grafen gegründet, um die Ketzerei neben dem Schwert auch mit der Missionsarbeit universi-
tären Niveaus auslöschen zu können. Jedoch konnten diese und auch die weiteren Universi-
tätsneugründungen während des gesamten Mittelalters nie oder nur zeitweise die Größe und
Ausstattung der "Uruniversitäten", Bologna und Paris erreichen.
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Einige Zentren des Schul-
wesens zogen im Hochmittelalter also in besonderem Maße Studenten an, was schlicht an
deren Rarität zu jener Zeit lag. Die Nationen fungierten hierbei überall nicht nur als eine kul-
turelle ,,Ersatzheimat"
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, sondern auch als eine Art "Schutzbund", denn sie ermöglichten eine
gemeinsame Interessenvertretung gegenüber der Universität als Institution, anderen Studenten
11
Sarnowsky, Jürgen (1999): Korporationen und Konflikte. Universität und Stadt in der Perspektive ihrer mittel-
alterlichen Entwicklung. In: Forschung & Lehre, H. 9, S. 461.
14
Weber, Wolfgang E. J. (2002): Geschichte der europäischen Universität. Stuttgart: Kohlhammer (Kohlham-
mer-Urban-Taschenbücher, 476), S. 2122.
15
Weber 2002, S. 22
16
Mit Kultur ist hier ein ganzes Bündel regionaler Sitten und Gebräuche gemeint, schwerpunktmäßig allerdings
die religiös-kultische Beheimatung der Scholaren.
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und Nationen und nicht zuletzt der einheimischen, oft feindseligen Bevölkerung.
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In Bologna
existierten ursprünglich 17 Nationen, in Paris war diese Zahl später dann auf vier ge-
schrumpft
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. Die ,,nationes" waren ähnlich einer Gilde organisiert und verfolgten primär
zweierlei Aufgaben, zum Ersten die Interessenwahrung und Vertretung ausländischer Studen-
ten und Professoren
19
, zum Zweiten ermöglichten sie ihren Mitgliedern ein angemessenes
soziales Milieu zum Leben und studieren und erfüllten eine Tutorenfunktion, gerade gegen-
über den unerfahrenen Scholaren. Ab der Mitte des 13. Jahrhunderts begann sich das sog.
Vier-Nationen-Modell der Universität Paris gegen den in Bologna praktizierten ,,Modus Bo-
noniensis" durchzusetzen
20
, was ebenfalls von den en gros zwischen 1348 bis 1425 und 1450
bis 1525 gegründeten Universitäten auf dem Boden des Deutschen Reiches adaptiert wurde.
Das geographische Einzugsgebiet und davon abgeleitet der Name dieser "nationes" spiegelte
vornehmlich den Partikularismus, welcher im Deutschen Reich an der Schwelle zur frühen
Neuzeit herrschte und begünstigte ihn gewissermaßen sogar, da ein umfassender regionaler
Synkretismus vorgebeugt wurde.
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Jüngere Scholaren standen für gewöhnlich in der Pflicht, unter Aufsicht von Magistern in den
sog. Bursen zu wohnen. Diese Bursen lagen zumeist in der gesamten Stadt verstreut, wurden
von der Universität bzw. der Artistenfakultät unterhalten und waren geprägt durch oft strikte
Vorschriften, welche ein halbklösterliche Disziplin verlangten. Die Studenten mussten für
diese Unterbringung und die Verpflegung Abgaben leisten, ältere Kommilitonen hatten zu-
dem jedoch die Möglichkeit, sich privat bei einem Magister oder Doktor einzumieten, wäh-
rend nur Bürgersöhnen und den Angehörigen der oberen Stände ein Leben ohne magisterliche
Aufsicht gestattet war.
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Der Begriff "Fakultät" definierte dagegen seit dem frühen 13. Jahrhundert den Zusammen-
schluss von Lehrern und Studenten einer gewissen Disziplin. Die Wissensgliederung in ver-
schiedene Einzeldisziplinen ging der Entstehung des Gebildes Universität allerdings schon
voraus, nach dieser Einteilung bildete sich dann die Artistenfakultät, die Juristenfakultät, so-
17
Bautier, Robert-Henri (Hg.) (1993): Lukasbilder bis Plantagenêt. München: Artemis & Winkler Verl. (Lexi-
kon des Mittelalters / /Hrsg. u. Berater, 6), S. 1038.
18
Müller, Rainer A. (1998): Landsmannschaften und studentische Orden an deutschen Universitäten des 17. und
18. Jahrhunderts. In: Brandt, Harm-Hinrich; Stickler, Matthias (Hg.): "Der Burschen Herrlichkeit". Geschichte
und Gegenwart des studentischen Korporationswesens. Würzburg: Studentengeschichtl. Vereinigung d. Cobur-
ger Convents (Historica academica, Bd. 36), S. 1334, S. 15
19
Die Professoren waren in Bologna nicht in die Nationen integriert, siehe Kapitel IV.1.
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Siehe hierzu Kapitel IV.1.
21
Müller, S. 1516.
22
Seifert, Arno (1996): Das höhere Schulwesen. Universitäten und Gymnasien. In: Hammerstein, Notker; Buck,
August; Berg, Christa (Hg.): 15. bis 17. Jahrhundert. Von der Renaissance und der Reformation bis zum Ende
der Glaubenskämpfe. München: Beck (Handbuch der deutschen Bildungsgeschichte / hrsg. von Christa Berg ...,
Bd. 1), S. 197374, S. 199.
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