INHALT
1. Einleitung: The French Lieutenant’s Woman- ein feministischer Roman? 4
2. Die Beschreibung Sarahs 6
2.1. Sarah als moderne und zeitlose Frau 7
2.2. Sarah als Sexualwesen 9
2.3. Sarah als Hexe 12
3. Sarahs Bedeutung 15
3.1. Sarahs Bedeutung für die Lymer Gesellschaft 15
3.2. Sarahs Bedeutung für Charles 17
4. Die Person Sarah in Bezug auf Ende 2 und Ende 3 19
5. Schlußbemerkung 23
Bibliographie 24
3
1. Einleitung: The French Lieutenant’s Woman- ein feministischer Roman?
Sarah ist in John Fowles The French Lieutenant’s Woman wohl die Figur, die die verschiedenartigsten Interpretationen zuläßt. Ihr Charakter bleibt weitgehend im Dunkeln und über ihre Intentionen kann der Leser nur spekulieren. Die Ambiguität der Konzeption der Person Sarah kann ohne Zweifel darauf zurückgeführt werden, daß der Text weitgehend darauf verzichtet, dem Leser Sarahs „point of view“ zu vermitteln. Im Grunde ist Sarah nur durch Außenperspektiven dargestellt. Nach Magali C. Michael sind es „Charles‘, „the male narrator’s and Fowles‘ voice“ 1 , die Sarah dem Leser präsentieren; allesamt männliche Perspektiven. So finden wir dementsprechend in der Sekundärliteratur kontroverse Interpretationsansätze, die sich nach Magali Michael in zwei Grundkategorien aufteilen lassen. Die einen betrachten den Roman als einen feministischen, die anderen stellen an den Roman keinen solchen Anspruch 2 . Für die Rezeption als einen feministischen Roman sprechen die Bezüge auf historische Figuren und Ereignisse, die im Zusammenhang mit der Emanzipation stehen: „Mrs. Carloine Norton as ‚an ardent feminist‘ writer, ‚Florence Nightingale‘, ‚John Stuart Mill‘ and his argument that ‚now was the time to give woman equal rights at the ballot box,‘ the date of ‚March 30 th , 1867‘ as marking ‚the beginning of feminine emancipation in England‘, the publication of ‚Mill’s Subjection of Woman‘, and the founding of ‚Girton College‘.“ 3 Auch läßt sich eine allmähliche Entwicklung Sarahs feststellen, in der sie ihr eigenes feministisches Bewußtsein entwickelt. Weiterhin könnte Charles‘ Sichtweise eine Interpretation des Romans als einen feministischen stützen. Charles sieht in Sarah „an independence of spirit“ und „a determination to be what she was“, am Ende des Romans erkennt er, daß sie „a new selfknowledge and self-posession“ gewonnen hat. Jedoch ist Charles unfähig, aus seiner einseitigen männlichen Perspektive herauszutreten. M.C. Michael stellt, meiner Meinung nach sehr berechtigt fest, daß die Tatsache, daß Sarah letztendlich nur eine Projektion männlicher Darstellung bleibt, im Gegensatz zu
1 M.C. Michael, 1985, S.225
2 Ibid, S.225
3 Ibid, S. 226
4
einem feministischen Thema stehe. Dadurch daß Sarah keinen eigenen Standpunkt im Roman hat, stellt sie keine eigenständige Person mit eigenen Rechten dar. Byrds Behauptung, „Fowles provides sufficient information about Sarah’s personality traits, values, and experiences for one to understand her character and history by the time one has finished reading the novel“ 4 , ist für M. C. Michael symptomatisch für „a naive reading“. Auch ich halte die These Byrds für sehr gewagt. Sicherlich ist es richtig, daß der Leser bewußt dazu geführt wird, über Sarahs Charakter nachzudenken und ihre Motivation zu interpretieren. Hierbei darf aber nicht außer acht gelassen werden, daß es sich immer um eine spekulative Interpretation handeln wird. Letztlich wird Sarah immer das Mysterium bleiben, das sie von Anfang an darstellt. Diese Tatsache kommt vor allem durch das Unwissen des Erzählers selber zustande. Er betont, daß die Darstellung Sarahs nur auf einem externen und eingeschränkten Blickwinkel beruht: „I report then, only the outward facts“. Noch deutlicher als im ständigen Gebrauch von Wörter wie „perhaps“, „as if“ und „it was hard to say“ wird diese Tatsache, als sich der Autor, der sich an dieser Stellen von der Erzählerperspektive zu lösen scheint, selber die Frage stellt: „Who is Sarah? Out of what shadows does she come?“ 5 . Auf diese Frage antwortet er, nun ganz klar vom Standpunkt des Autors berichtend, im Kapitel 13 mit: „I do not know.“ 6 . Er gibt vor, die in seinem eigenen Gehirn entstandene Figur Sarah selber nicht zu verstehen: „Modern women like Sarah exist, and I have never understood them.“ 7 Zudem ist die Darstellung Sarahs durch einen im 20.Jahrhundert lebenden männlichen Autor von daher fragwürdig, daß, so M. C. Michael, seine Perspektive auf doppelte Weise distanziert ist: „by time and by gender-specific ideology“ 8 Auch die Verläßlichkeit von Charles‘ Sichtweise ist fragwürdig. Seine Subjektivität der Darstellung wird in der Liebesszene eindeutig entlarvt. Ausdrücklich wird hier berichtet: „He felt her flinch with pain as the bandaged foot fell from the stool.“ 9 Später jedoch ist er erstaunt, daß der verstauchte Knöchel gar nicht existiert. Der Leser bleibt hier
4 zit. nach M.C. Michael, 1985, S.228
5 FLW., S.96
6 FLW, S. 97
7 FLW, S.97
8 M.C. Michael, 1985, S. 230
9 FLW, S. 336
5
also gefangen in der Sichtweise Charles‘. M. C. Michael bezeichnet Sarah als ein „object functioning for men.“ 10 und stellt die These auf, daß die Darstellung Sarahs durch „male myths“ bestimmt sei. Eingeführt wird Sarah als „figure from myth“, „the other figure“ und „Tragedy“. Auch im Verlauf des Roman wird Sarah diese Vergleiche mit Symbolen, Enigmata und Mythenfiguren nicht los. Ihre Darstellung ist also unauflösbar verstrickt in eine dominante maskuline Ideologie. Ganz zurecht stellt M.C. Michael die Frage, ob diese Art der Darstellung nun eine glaubhafte Kritik an der männlichen Perspektive, wie Woodcock es behauptet, darstellen kann. Und hier liegt auch der Kritikpunkt Michaels an John Fowles. „Fowles wants to represent the development of [...] a feminist consciousness and yet he does not give Sarah a voice.“ 11 Da nun der Roman weder „...a place of woman’s voice“ 12 erlaubt, noch die Entlarvung männlicher Mythen und Ideologien anbietet, kommt sie zu dem Ergebnis: „...Fowles‘ The French Lieutenant’s Woman falls short of being a feminist novel.“ 13
In den folgenden Kapiteln möchte ich nun versuchen, die Person Sarah näher zu ergründen. Natürlich kann dabei ihre einseitig männliche Darstellung nie aus dem Auge verloren werden. Wie ihr Charakter nun wirklich konzipiert ist, ob sie die femme fatal oder femme fragile des Romans ist, treibende Kraft oder Opfer, wird aufgrund dieser Problematik wohl nicht eindeutig zu lösen sein. Bei der Interpretation möchte ich nun vor allem das Augenmerk auf drei Punkte richten. Diese Punkte sind die Beschreibung Sarahs, ihre Bedeutung und ihre Persönlichkeit in Bezug auf die beiden möglichen Enden 2 und 3.
2. Die Beschreibung Sarahs
Wie schon in der Einleitung hervorgehoben, ist die Charakterkonzeption der Figur Sarah eine schillernde und vielschichtige und vom Autor als unerklärbar angelegt. Stefan Horlacher wirft die Frage auf, ob Sarahs Unerklärbarkeit und innere Zerrissenheit nicht primär das Produkt der auf verschiedenen Textebenen
10 M.C. Michael, 1985, S. 230
11 Ibid, S.233
12 Ibid, S. 235
13 Ibid, S. 235
6
Quote paper:
Constanze Cariers, 2000, Das Mysterium der Person Sarah in John Fowles -The French Lieutenant's Woman-, Munich, GRIN Publishing GmbH
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