Inhalt
1. Einleitung
4
2. Die Gliederung des Romans in drei Episoden: Gateshead/Lowood, Thornfield und
Moorhouse 5
2.1.Gateshead/Lowood 5
2.2. Thornfield 6
2.3. Moorhouse 6
3. Die Symbole 7
3.1. Wetter und Jahreszeiten 7
3.2. Feuer und Wasser 9
3.3.Eis und Stein 11
3.4. Farben 12
3.5. Mond 14
3.6. Träume 15
3.6. Janes Aquarelle 16
3.6.1. Das erste Aquarell: Tobende See, Leichnam und Kormoran 16
3.6.2. Das zweite Aquarell: Venus 18
3.6.3. Das dritte Aquarell: Der gewaltige Kopf aus Eis 18
4. Schlußbemerkung 19
Literaturverzeichnis 20
3
1. EINLEITUNG
Viele Kritiker haben Charlotte Brontes Jane Eyre eine fehlende Einheit vorgeworfen oder moniert, daß eine Einheit nur durch künstliche Mittel erreicht werde. So zitiert Langford in einem seiner Aufsätze William Peden, der unter anderem bemängelt, daß die Untereinteilungen des Romans in drei vage miteinander verbundenen Sequenzen „artificial“ sei und auch der Plot „over-contrived“ 1 . Langford selber bemerkt, daß die Einfachheit der Struktur offensichtlich sei und zitiert in diesem Zusammenhang Mark Schorer: „The structure in Jane Eyre is nearly artless“ 2 . Aber nicht nur auf die Struktur des Werkes zielen die Kritiker; Zitate wie „ ...the lack of retraint, the flat secondary characters...“ 3 , „...a number of implausible circumstances that in the hands of a lesser author would be fatal to the credibility of the narrative“ 4 sind nur einige von vielen typischen, die sich in der Sekundärliteratur finden. Jedoch gestehen alle hier genannten Kritiker zu, daß der Roman seine offensichtlichen Schwächen wiedergutmacht durch ein durchlaufendes Muster an Symbolen. So sagt Ericksen, we are moved in this novel by a substructure of imagery that intensifies our involvment with the main characters“ 5 , und Walter Allen bemerkt „if it were not for the unity of tone, Jane Eyre would be incoherent, for as a construction it is artless.“ 6 Die Kritiker beziehen sich hier hauptsächlich auf die Symbolik der vier Elemente, die den gesamten Roman durchzieht und strukturiert. So bemerkt Solomon, daß zwar viele der Bilder in Jane Eyre plump seien, so der „chestnut tree“ oder „grim landscape“, doch merkt er an: „.. two images are so pervasive that they serve as a substructure for the entire novel: fire and water“ 7 . David Lodge weist darauf hin, daß der Gebrauch der vier Elemente in Jane Eyre korrespondiere mit der hierarchischen Ordnung der vier Elemente im elisabethantischen Zeitalter, die die Erde zuunterst setzt, gefolgt vom Wasser, dann Luft und schließlich Feuer, „the noblest element of all“ 8 . Doch bemerkt Lodge weiterhin, daß Charlotte Bronte nicht elisabethanisch war und auch kein „highly self-conscious and deliberate symbolist novelist like Joyce or Conrad“ 9 . Charlotte Bronte, so Lodge, suche in der Natur keine Ordnung, sondere Widerspiegelung von Janes turbulentem inneren Leben. „The elements
1 Zit. nach Langford, S. 229, 1974
2 zit. nach Langford , S. 299,1974
3 Solomon, S. 215, 1963
4 Ericksen, S.18, 1966
5 Ericksen, S.18, 1966
6 zit. nach Lodge, S. 119, 1966
7 Solomon, S. 216, 1963
8 zit. nach Lodge S. 120, 1966
4
have a constantly changing, and often ambivalent aspect in the novel, sustained by iits basic rhythms, the alternation of night and day, storm and calm.“ 10 In der vorliegenden Arbeit möchte ich nun die Bedeutung der Symbolik und Bilder besonders im Hinblick auf ihre Entwicklung in den Episoden des Romans zu zeigen versuchen.
2. DIE GLIEDERUNG DES ROMANS IN DREI EPISODEN:
GATESHEAD/LOWOOD, THORNFIELD UND MOORHOUSE
Im Groben teilt sich der Roman in drei größeren Episoden, an die sich eine kürzere Konklusion anschließt. Bleibt die Bedeutung der einzelnen Symbole gleich, so setzt Charlotte Bronte sie jedoch entsprechend den Stimmungen und Geschehnissen in den drei Episoden und der Konklusion anders ein. Ich möchte nun so vorgehen, daß ich die nächsten drei Unterkapitel den drei Episoden widme, wobei ich jeweils die wichtigsten Elemente kurz umreißen möchte. In den daran anschließenden Kapiteln sollen dann die Symbole und Bilder in Bezug auf ihre Bedeutung für diese Elemente untersucht werden.
2.1.GATESHEAD/LOWOOD
Die erste Episode spielt im Haus von Janes Tante, Gateshead, und im Waiseninternat Lowood. Sie ist vor allem durch Lernprozesse bestimmt. Hier treten als positive wohlwollende Lehrer die Lehrerin Miss Temple und Janes Freundin Helen Burns auf. Als negative harsche und erbarmungslose Lehre finden wir Janes grausame Tante Mrs. Reed und den heuchlerischen Mr. Brocklehurst. Durch den Einfluß dieser Personen wird Janes Persönlichkeit weitgehend geformt. Eines der entscheidenden Elemente in dieser Persönlichkeitsentwicklung ist Janes „passion“. Durch das Verhalten von Mrs. Reed lernt Jane, daß es nötig ist, ihre passion zu unterdrücken, um zu überleben. Genauso lehrt auch Mr. Brocklehurst, daß auf das Ausleben von „Leidenschaften“ Bestrafung folgt. Aber auch Helen Burns leistet einen entscheidenden Beitrag in dieser Richtung. Sie gemahnt Jane zu einer stoahaften Leidenschaftslosigkeit. „Would you not be happier if you tried to forget her severity, together with the passionate emotions it excited? [...] We are, and must be, one and all burdened with faults in this world...“ 11 Nur durch Helen Burns wird Jane wahre Religiosität vermittelt. Keine andere Figur des Romans trägt wie dieses kleine tief-religiöse Mädchen wirkliche Pietät in sich. Wie wenig dem Mädchen Jane vor ihrem Zusammentreffen mit Helen Burns von Religion vermittelt wurde, läßt sich an ihren
9 Lodge, S. 121, 1966
10 Lodge, S.121, 1966
5
Antworten Mr. Brocklehurst gegenüber erkennen. So antwortet Jane auf seine Frage, was man tun müsse, um zu vermeiden, in die Hölle zu kommen: „I must keep in good health and not die“. 12 Lehrte Helen Jane also Religiosität, so ist es Mrs. Temple, die ihr Großherzigkeit und Güte vorlebt und so beibringt. Durch den Einsatz von Symbolen werden diese inneren Prozesse koloriert.
2.2. THORNFIELD
In der zweiten Episode in Janes Leben muß sie nun das, was sie in ihrer Kindheit gelernt hat, anwenden und sich ein weiteres Mal gegen eine Autorität, hier jetzt Rochester, durchsetzen. Diese Autorität stellt sich nun jedoch etwas anders dar, als Jane es bisher gewöhnt war. Denn hier trifft sie in der Autorität ihre romantische Liebe. Eine Bedrohung stellt diese nun nicht, wie in der vorangegangenen Episode, durch Brutalität und Grausamkeit, sondern durch eine erstickende und für Jane wesensverändernde Liebe dar. Sich gegen diese durchzusetzen, gelingt ihr durch, so Solomon, „quiet aggressivness“ 13 . Ganz deutlich erkennt man in dieser Episode den Einfluß, den ihre „Lehrer“ auf sie übten. „Her indomitable reply „I care for myself“ repeats the lesson forced upon her by Aunt Reed. Jane’s advice to Rochester, „trust in God and youself“, reflects Helen’s teaching.“ 14 Auffällig mehr und eine inhaltliche Verstärkung der Symbolik finden wir in dieser Episode. Die tiefe Liebe zu Rochester verstärkt Janes Wahrnehmung der Welt und bringt alles in ihrem Inneren zur Aufruhr. Durch das gezielte Einsetzen der Symbole gelingt es Charlotte Bronte, dem Leser diese inneren Geschehnisse ganz nahe zu bringen und das Verhältnis zur Heldin zu intensivieren. Doch ist diese Episode nicht nur durch die konsequente Weiterentwicklung der Symbolik und Bilder bestimmt, ganz zentral sind auch die gehäuften Enigmata. Ständig ist der Leser vor Rätsel gestellt, ständig geschehen Ereignisse, die ersteinmal unerklärt bleiben. Diese beiden Elemente, Verstärkung der Symbole und Rätsel, machen die Wirkungskraft dieser Episode aus.
2.3. MOORHOUSE
Ist die Thornfield- Episode von einer Verstärkung der Symbolik geprägt, so verhält sich dies in der Moorhouse- Episode genau gegenteilig. Hier finden wir weniger Symbole und Bilder und auch die Rätsel sind mehr und mehr weggelassen. Diese Tatsachen erzeugen den besonderen Charakter dieser Episode. Jane hatte die Liebe ihres Lebens gefunden und
11 Jane Eyre, S. 49
12 Jane Eyre, S. 24
13 Solomon, S. 215, 1963
6
Quote paper:
Constanze Cariers, 2000, Charlotte Bronte - Jane Eyre: Bilder und Symbole, Munich, GRIN Publishing GmbH
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