Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Propädeutische Betrachtungen zum Begriff „Anglizismus“ 3
2.1. Definition. 3
2.2. Die Typologie der Anglizismen nach Jürgen SPITZMÜLLER 3
2.3. Motive für den potenzierten Gebrauch von Anglizismen 4
3. Zum Stand der Forschung 6
4. Der Anglizismus Design 8
5. Die korpuslinguistische Untersuchung zu Frequenz und
Verwendungskontexten von Design 9
5.1. Abfrageformulierung bei COSMAS II. 9
5.2. Komposita als Analyseobjekte für die Verwendungskontexte 10
5.3. Die Kookurrenzanalyse mittels COSMAS II und Projekt Deutscher
Wortschatz 12
5.4. Design und seine vermeintlich deutschen Synonyme 14
6. Zusammenfassung 16
7. Literatur 18
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1. Einleitung
„‚Die englische Sprache breitet sich in Deutschland mit solch einer halsbrecherischen Geschwindigkeit aus, dass man sich fast fragen muss, ob es sich lohnt weiterhin Deutsch zu lernen‘“. 1 Mit dieser Aussage brachte The Daily Telegraph, London den evidenten Einfluss von Anglizismen auf die deutsche Sprache zum Ausdruck, der viele Kritiker eine Überfremdung des Deutschen befürchten lässt.
Sprachen stehen stets miteinander in Kontakt und beeinflussen sich somit gegenseitig. Dieser Sprachwandel ist als ein Resultat des Kulturkontaktes zu sehen. Stammten früher die Entlehnungen, die in die deutsche Sprache integriert wurden, aus dem Griechischen, Lateinischen und Französischen, so ist es heute das Englische, das als Lingua franca fungiert. Folglich sind „die meisten modernen Anglizismen oder Amerikanismen [.] Internationalismen“. 2
Die Thematik „Anglizismus“ wird von den Linguisten kontrovers diskutiert: Die proanglizistische Partei argumentiert damit, dass Anglizismen ein Bestandteil des Sprachwandelprozesses sind und die kommunikativen Möglichkeiten erweitern. Sprachwandel und Entlehnung seien demnach nicht bedrohlich. 3 Sprachkritiker hingegen befürchten, dass durch den zunehmenden Gebrauch von englischen Entlehnungen eine Vielzahl indigener entsprechender Lexeme verdrängt werden kann, wie dies beispielsweise bei „Sitzung“ geschieht, das oftmals durch „Meeting“ ersetzt wird.
In der vorliegenden Arbeit sollen Frequenz und Verwendungskontexte des Anglizismus Design korpuslinguistisch analysiert werden. Zudem ist es Ziel der Untersuchung herauszufinden, ob Design adäquat durch deutsche Synonyme substituiert werden kann - wie es von den Sprachpflegern vielfach behauptet wird.
An die Einleitung schließt sich ein vorbereitender Teil zum Begriff „Anglizismus“ mit zwei Definitionen, einer Typologie sowie Argumenten, die den Gebrauch von englischen Entlehnungen rechtfertigen (sollen), an. Darauf folgt ein Forschungsüberblick zur linguistischen Untersuchung von Anglizismen im Deutschen. In Punkt 4 wird die lexikalische Semantik von Design erörtert. Danach werden die Ergebnisse der korpuslinguistischen Analyse, für die die Korpussammlung COSMAS II sowie die Korpora Projekt Deutscher
1 R. POGARELL/M. SCHRÖDER (Hgg.), Wörterbuch überflüssiger Anglizismen, Paderborn 2 2000, S. 7.
2 P. VON POLENZ, Deutsche Sprachgeschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart, Band 3, Berlin/New York 1999, S. 400.
3 Vgl. J. SPITZMÜLLER, Metasprachdiskurse. Einstellungen zu Anglizismen und ihre wissenschaftliche Rezeption (Linguistik - Impulse & Tendenzen 11), Berlin/New York 2005, S. 363-364.
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Wortschatz und Wortwarte einbezogen wurden, vorgestellt. Der Unterpunkt 5.2. behandelt die aus Wortwarte und COSMAS II extrahierten Komposita, mit denen erste Erkenntnisse zur Verwendung von Design getroffen werden können. Hiernach wird die Kookurrenzanalyse mit Hilfe von COSMAS II und dem Projekt Deutscher Wortschatz Gegenstand der Arbeit sein. Zuletzt sollen die Verwendungskontexte von Design mit seinen vermeintlich deutschen Synonymen Entwurf, Form, Gestalt und Muster verglichen werden. Den Abschluss der Arbeit bildet eine Zusammenfassung.
2. Propädeutische Betrachtungen zum Begriff „Anglizismus“
2.1. Definition
„Ein Anglizismus ist ein Wort aus dem britischen oder amerikanischen Englisch im Deutschen oder eine nicht übliche Wortkomposition, jede Art der Veränderung einer deutschen Wortbedeutung oder Wortverwendung (Lehnbedeutung, Lehnübersetzung, Lehnübertragung, Lehnschöpfung, Frequenzsteigerung, Wiederbelebung) nach britischem oder amerikanischem Vorbild“. 4
Dagmar SCHÜTTE fasst diese Definition enger: „Ein Anglizismus ist ein sprachliches Zeichen, das ganz oder teilweise aus englischen Morphemen besteht, unabhängig davon, ob es mit einer im englischen Sprachgebrauch üblichen Bedeutung verbunden ist oder nicht“. 5
2.2. Die Typologie der Anglizismen nach Jürgen SPITZMÜLLER 6
(1) Ein aus dem Englischen entlehntes Lexem oder ein entlehnter Phraseologismus bzw. Fremdwort, Lehnwort, Lehnwendung, z. B. „Meeting“, „Keks“, „Happy Birthday“. Zu dieser Kategorie zählt auch Design.
(2) Eine nach englischem Vorbild gebildete Konstruktion im Deutschen:
4 H. ZINDLER, Anglizismen in der deutschen Presse nach 1945, Kiel 1959, S. 2.
5 D. SCHÜTTE, Das schöne Fremde. Anglo-amerikanische Einflüsse auf die Sprache der deutschen Zeitschriftenwerbung (Studien zur Kommunikationswissenschaft 16), Opladen 1996, S. 38.
6 Vgl. SPITZMÜLLER, Metasprachdiskurse, S. 172-173.
3
(3) Eine Bedeutungserweiterung oder -verschiebung nach englischem Vorbild bzw. Lehnbedeutung, z. B. „feuern“ im Sinne von „entlassen“ nach englisch „to fire“. (4) Ein mit englischem Sprachmaterial im Deutschen gebildetes Wort, das sich auf semantischer, morphologischer oder lexikalischer Ebene vom Vorbild unterscheidet bzw. Scheinentlehnung:
(5) Mischkomposita aus deutschen und entlehnten bzw. englischen Morphemen als Teilübersetzungen, z. B. „Krisenmanagement“ nach englisch „crisis management“, oder Neubildungen wie „Gelegenheitsjob“ aus deutsch „Gelegenheit(s)“ und englisch „job“, und Mischkomposita aus englischen und aus Entlehnungen aus anderen Sprachen, z. B. „Teamchef“ aus englisch „team“ und französisch „chef“.
2.3. Motive für den potenzierten Gebrauch von Anglizismen
Seit dem 19. Jahrhundert ist die Übernahme englischer Lexeme für Dinge, die von den Angloamerikanern übernommen werden, evident. Jedoch erreichten die Entlehnungsprozesse aus dem Englischen nach dem Zweiten Weltkrieg eine neue quantitative und qualitative Dimension. Der Grund dafür ist in dem engen politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Verhältnis der Bundesrepublik Deutschland mit den USA zu suchen.
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Die meisten technischen Fachbegriffe stammen seit den 1980er Jahren aus der englischen Sprache, so dass Englisch zunehmend zur Sprache der technischen Disziplinen wurde. 7 Durch die fortschreitende Technisierung in der heutigen Zeit erhöht sich somit der Anteil der Anglizismen.
Isabel KICK sieht in der Globalisierung eine Ursache für die Zunahme der Anglizismen. 8 Dabei ist der Gebrauch und die Intention von Anglizismen am augenscheinlichsten in der Werbung wahrnehmbar, denn die global agierenden Unternehmen führen oft international einheitliche Kampagnen durch: Englisch sei kürzer und präziser und damit sprachlich ökonomischer. Ein Anglizismus kann eine ganze Bedeutung wiedergeben, für die es im Deutschen keinen Ausdruck gibt und außerdem können gewisse Anglizismen nicht sinnvoll durch ein deutsches Lexem ersetzt werden, wie beispielsweise „Hardware“, was alle technischphysikalischen Teile einer Datenverarbeitungsanlage meint. Ein englisches Wort muss folglich bestimmte denotative oder konnotative Bedeutungsinhalte tragen, die den deutschen Wortfeldnachbarn fehlen, d. h. es sind keine exakten Äquivalente in der deutschen Sprache vorhanden.
Anglizismen werden von den Werbemachern gern dazu genutzt, ein Produkt aufzuwerten und seinen exquisiten Charakter zu vermarkten. Ziel soll es schließlich sein, das Interesse des potentiellen Käufers zu wecken, den Leser zu beeinflussen und das Produkt attraktiver erscheinen zu lassen. Außerdem wird englisches Wortmaterial dafür verwendet, ein Image für einen Artikel zu prägen und ihm Prestige zu verleihen, denn Fremdwörter werden als intensiver, moderner, innovativer, internationaler, pointierter, lebendiger empfunden und Anglizismen transportieren ein Gefühl von Elite, Insiderwissen, Kompetenz und Wissenschaftlichkeit. Demzufolge werden Anglizismen in der Werbung eingesetzt, um Exklusivität, Seriosität, Individualität, Freizeitgenuss, Erfolg, Wohlgefühl, Lifestyle, Schönheit, Trendbewusstsein und gehobene Ansprüche zu formulieren.
In den Fachsprachen werden Anglizismen benötigt, da die Fachkommunikation nach Präzision verlangt und eine mehrdeutige Terminologie vermieden werden soll, denn man ist bestrebt, eine sprachlich einheitliche Terminologie zu erreichen. Darüber hinaus verfügen englische Lexeme auch im Bereich der Fachkommunikation über ein höheres Prestige und werden eher als Mitglied einer Fachgesellschaft anerkannt.
7 Vgl. S. BOHMANN, Englische Elemente im Gegenwartsdeutsch der Werbebranche, Marburg 1996, S. 44.
8 Vgl. I. KICK, Die Wirkung von Anglizismen in der Werbung. „Just do it“ oder lieber doch nicht?, Paderborn 2004, S. 31.
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Arbeit zitieren:
Anja Großmann, 2007, Frequenz und Verwendungskontexte des Anglizismus Design in der deutschen Sprache, München, GRIN Verlag GmbH
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