Inhaltsverzeichnis
I. Abbildungsverzeichnis 3
II. Tabellenverzeichnis 3
1. Einleitung 4
2. Historischer Verlauf der Freiwilligenarbeit in Deutschland 5
3. Differenzierung und Kriterien der Freiwilligenarbeit 6
3.1. Traditionelles ehrenamtliches Engagement 6
3.2. Freiwillig soziales Engagement 7
3.3. Bürgerschaftliches Engagement 8
4. Gegenwärtige Entwicklungen der Freiwilligenarbeit 9
4.1. Modernisierung der Freiwilligenarbeit 9
4.2. Eingrenzung des bürgerschaftlichen Engagements 10
4.3. Gesellschaftlicher Wandel vom traditionellen zum modernen Ehrenamt 10
4.4. Statistische Auswertung zur Freiwilligenarbeit in Deutschland 13
5. Nichtregierungsorganisationen (NGO’s) 16
6. Ehrenamtlichkeit und Hauptamtlichkeit 17
7. Freiwilligenagenturen 18
7.1. Entwicklungshintergrund von Freiwilligenagenturen 18
7.2. Freiwilligenagenturen als Nonprofit-Organisationen 20
7.3. Freiwilligenagenturen in Sachsen-Anhalt 21
8. Freiwilligenagentur Halle-Saalkreis e.V. 22
8.1. Organisationsstruktur 22
8.2. Aufgaben und Ziele 23
8.2.1. Freiwilligen-Beratung, Vermittlungsarbeit und Evaluation 23
8.2.2. Organisationsberatung 25
8.2.3. Projektarbeit und -entwicklung 26
8.2.4. Anerkennungsmöglichkeiten und Fortbildungsmaßnahmen 26
8.2.5. Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit 27
8.3. Statistische Auswertung der Freiwilligenagentur Halle-Saalkreis e.V. 28
9. Kritische Auseinandersetzung 35
10. Fazit 36
III. Literaturverzeichnis 39
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I. Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Determinanten der ehrenamtlichen Arbeit 11
Abb. 2: „Nur“ Aktive und freiwillig Engagierte in den alten und den neuen Bundesländern 1999 und 2004 13
Abb. 3: Übersicht: Gemeinschaftsaktivität, freiwilliges Engagement und Stellung in der Gesellschaft 14
Abb. 4: Freiwilliges Engagement in 14 Bundesländern (2004/1999) 29
Abb. 5: Geschlechtsspezifischer Anteil an Freiwilligen 2002-2006 30
Abb. 6: Freiwillig Engagierte nach Geschlecht und Alter - 2004 31
Abb. 7: Zielgruppen des freiwilligen Engagements in der BRD und in Sachsen-Anhalt 2004 32
Abb. 8: Kohorten weiblicher Freiwilliger 2002-2006 32
Abb. 9: Kohorten männlicher Freiwilliger 2002-2006 33
Abb. 10: Freiwillig Engagierte nach Erwerbsstatus in Sachsen-Anhalt 1999-2004 34
Abb. 11: Erwerbsstatus im Vergleich 2002-2006 35
II. Tabellenverzeichnis
Tab. 1: Anteil freiwillig Engagierter nach Geschlecht, Landesteil und Alter 15
Tab. 2: Anteil freiwillig Engagierter nach Geschlecht, Landesteil und Erwerbsstatus 15
Tab. 3: Beschäftigte und Ehrenamtliche im Nonprofit-Sektor im Jahr 1995 18
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1. Einleitung
Die vielfältigen Formen des bürgerschaftlichen Engagements haben in Deutschland eine lange Tradition und sind in vielen gesellschaftlichen Bereichen von großer Bedeutung. In den letzten Jahren stieg das Interesse von Politik und Öffentlichkeit an der Freiwilligenarbeit. Dies beweisen die zahlreichen Untersuchungen und Initiativen der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestags und des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Der unentgeltliche Einsatz von Bürgern am öffentlichen Gemeinwohl ist in einer Gesellschaft mit ökonomischen, kulturellen und sozialen Veränderungen von unverzichtbarer Bedeutung. Innerhalb dieser Entwicklungen, welche sich mit den Begriffen ‚Individualisierung’ oder ‚Globalisierung’ beschreiben lassen, soll Freiwilligenarbeit Werte wie Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität, Eigenverantwortung und Teilhabe am Gemeinwohl aktivieren bzw. aufrechterhalten. Die Beteiligung und Mitarbeit von Bürgern ist ein notwendiger Bestandteil eines sozialen und starken Staates. In einem Dokument der Bundesregierung heißt es: „Ehrenamt, bürgerschaftliches Engagement und Selbsthilfe sind unverzichtbare Voraussetzung für gelebte Demokratie und humanes Miteinander. In Zeiten globaler Veränderungen wird der gesellschaftliche Zusammenhalt in hohem Maße von der oft wenig sichtbaren und unspektakulären Arbeit bestimmt, die Menschen freiwillig täglich erbringen“ (Enquete-Kommission 2001: 16). Die Engagementbereitschaft erfasst alle Altersgruppen unabhängig von Status oder Rasse. Junge und alte Menschen, Erwerbstätige und Arbeitslose, Frauen und Männer, Fachleute und Laien sind motiviert, sich freiwillig und unentgeltlich für andere in Vereinen, Verbänden, Selbsthilfegruppen oder Institutionen zu engagieren.
Jedoch benötigen viele der Freiwilligen eine qualifizierte Beratung über die Möglichkeiten des Engagements, die Tätigkeiten und die Einsatzfelder. Diese Beratung erhalten sie in den über 200 Freiwilligenagenturen in Deutschland. Freiwilligenagenturen sind Vermittlungsorganisationen, welche die Bürger über die Möglichkeiten der Freiwilligenarbeit informiert und berät und in individuell passende Tätigkeitsfelder vermittelt.
Dieser Bericht bietet nicht nur einen Einblick in Entwicklung der Freiwilligenarbeit, sondern zeigt vor allem die Entstehung und Bedeutung der Freiwilligenagenturen, ihren Leistungen und Strukturen.
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2. Historischer Verlauf der Freiwilligenarbeit in Deutschland
Freiwilligenarbeit gilt in der modernen Gesellschaft als Ausdruck für gesellschaftliche Werte wie Solidarität, Altruismus und Nächstenliebe, da sie ohne finanzielle Gegenleistung im Dienste anderer erbracht wird. Jedoch ist Freiwilligenarbeit kein Phänomen der heutigen Zeit.
Seit Jahrhunderten scheint die Motivation für Freiwilligenarbeit die Verwirklichung der Humanität und religiös motivierter Nächstenliebe zu sein. Nächstenliebe ist eine Basis des Sozialen, als Grundlage der Selbstverständlichkeit oder auch der Zwang zum Helfen. Einerseits löst Helfen ein inneres, subjektiv befriedigendes Gefühl aus, andererseits besteht eine Art sittliche Verpflichtung. Demnach stellt sich die Frage, ob unter diesem Aspekt die Hilfeleistung noch als freiwillig bezeichnet werden darf, da die Motivation nur bedingt intrinsisch ist.
Davon ausgehend ist Nächstenliebe und gegenseitige Hilfe ein entscheidendes Kriterium sozialer Kultur (Knöpfel 1998: 12). Zu Beginn des 19. Jahrhunderts erfolgte aufgrund der Industrialisierung im Zusammenhang mit der Entstehung des Sozialstaates ein Aufschwung von Fürsorgeeinrichtungen. In den Städten wurden ehrenamtlichen Armenpflegern die Aufgaben der persönlichen Hilfe für die Armen eines Bezirkes übertragen. Frauen erlaubte man nicht, sich an kommunalen Aufgaben wie der Armen- und Waisenpflege zu beteiligen. Durch die Frauenbewegung kam es zur Gründung von Vereinen und zur Erbauung von Einrichtungen zum Schutz von Kindern und Frauen. Dadurch versuchten sie in kirchlichen und politischen Kreisen auf die sozialen Nöte aufmerksam zu machen (Bock 2000: 91). Es entstand eine Verbindung von öffentlichen und privaten Institutionen, deren Aufgabe darin bestand, die Solidarität zu organisieren und praktisch umzusetzen. Die Entstehung der Freiwilligenarbeit basiert somit auf der Bildung des Sozial- und Gesundheitswesens. Bis zur Weimarer Republik hatten die Bürger in ihren Kommunen Verantwortung für die alten und schwachen Menschen übernommen, bis die Armenfürsorge von den großen Wohlfahrtsverbänden übernommen wurde.
Die organisierte Solidarität gewann im letzten Jahrhundert zunehmend an Bedeutung. Vor allem die großen Wohlfahrtsverbände, die in enger Verbindung mit dem Staat standen, regulierten die Initiativen der Bürger. Das heißt, Freiwilligenarbeit wurde in diesem paternalistischen und hierarchischen System primär durch den
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Staat gestaltet und nicht von einer politisch aktiven Bürgerschaft. Dieser Verlauf hat bis in die Gegenwart nachhaltig Einfluss hinterlassen. Viele engagierte ältere Menschen beteiligen sich häufig nur innerhalb von Verbänden. Erst in den 1970er Jahren entwickelten sich neben Wohlfahrtsverbänden auch organisierte Freiwilligengruppen. Sie dienten als Ergänzung zu den professionalisierten und bürokratisierten Verbänden, welche die wichtigsten Vermittler von Freiwilligenarbeit waren. Allmählich bildete sich ein Engagement heraus, das eigene Ziele, beispielsweise im politischen oder Umweltbereich, verfolgte und sich gegen staatliche Strukturen stellte. Immer stärker ergab sich eine Arbeitsteilung innerhalb des Bereiches der Freiwilligenarbeit. Seitdem vor einigen Jahren in der deutschen Politik die Debatten über den Wert engagierter Bürger entfachten, prägen zahlreiche Begriffe das breite Feld der Freiwilligenarbeit.
3. Terminologische Differenzierung und Kriterien von Freiwilligenarbeit Die Pluralität von Engagementformen entspricht der Vielfalt verwendeter Begrifflichkeiten. Während der Begriff des ‚traditionellen Ehrenamtes’ kaum noch verwendet wird, bildeten sich neue Terminologien wie ‚freiwilliges Engagement’ und ‚bürgerschaftliches Engagement’. Diese werden im folgenden Abschnitt näher bestimmt.
3.1. Traditionelles ehrenamtliches Engagement
Der Begriff des traditionellen Ehrenamtes entstammt dem ersten Viertel des 19. Jahrhunderts, in dem die Kassen des preußischen Staates leer waren. Im Zuge der preußischen Verwaltungsreform wurde die gemeindliche Selbstverwaltung eingeführt. Im Rahmen dieser Verwaltungsreform wurden kostengünstige Möglichkeiten zur Effektivitäts- und Effizienzsteigerung gesucht. Zahlreiche Aufgaben der Verwaltungstätigkeit wurden unentgeltlich an Ehrenmänner bzw. ausgewählten Honoratioren übertragen. Diese Übernahme einer öffentlichen Staatsaufgabe bzw. eines Amtes war etwas Ehrenhaftes.
Durch den deutschen Bundestag wurde die ehrenamtliche Tätigkeit 1996 folgendermaßen definiert: „Grundsätzlich wird unter ehrenamtlicher Tätigkeit jede
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freiwillig erbrachte, nicht auf Entgelt ausgerichtete außerberufliche Tätigkeit verstanden, die am Gemeinwohl orientiert ist, auch wenn sie für einen einzelnen erbracht wird. Kostenerstattungen oder Aufwandsentschädigungen stehen der Ehrenamtlichkeit grundsätzlich nicht entgegen“ (Stecker 2002: 44f). Diese Bedingungen wurden durch die Bindung der ehrenamtlichen Tätigkeit an einen institutionellen Rahmen erweitert, einer Organisation außerhalb des Haushalts. Demnach sind helfende Tätigkeiten für Nachbarn und Verwandte aus dem Begriff der ehrenamtlichen Tätigkeit ausgeschlossen. Der Begriff des ehrenamtlichen Engagements wird demnach meist im Zusammenhang mit Aktivitäten in traditionellen Arbeitsfeldern von Verbänden und Organisationen verwendet. In der Regel wird die Fremdhilfe unentgeltlich, freiwillig und nach den Kriterien der Mindestdauer und Verbindlichkeit geleistet. „Unentgeltlichkeit bedeutet, dass ehrenamtliche Tätigkeiten nicht analog zu Erwerbsarbeit zeit- oder leistungsäquivalent bezahlt werden, dass das Engagement zumindest nicht in erster Linie um eines Entgelts willen stattfindet“ (Otto u.a. 2003: 24). Freiwilligkeit bedeutet, die Tätigkeit ohne äußeren Zwang auszuüben. Neuere Formen der Bürgerarbeit widersprechen diesem Kriterium, weil der Sozialhilfebezug sie an diese Aktivität bindet. Ebenso kritisiert man die Formen der Freiwilligendienste wie das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) und das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ), welche den Jugendlichen teilweise als alternative Möglichkeiten zum Wehr- oder Zivildienst geboten werden. Ehrenamtlich Tätige verfügen in Abgrenzung zu fachlich kompetenten und professionellen Mitarbeitern über Laienkompetenz. Diese basiert auf Kenntnissen und Erfahrungen aus der Ausbildung oder aus beruflichen und familiären Tätigkeiten. Das heißt, die Handlungen resultieren aus den „Ressourcen alltäglicher Erfahrungen und nicht aus routinisierten, auf formaler Qualifikation (Ausbildung) basierenden
Berufsvollzügen“ (Rauschenbach u.a. 1992: 234). 3.2. Freiwilliges soziales Engagement
Das freiwillige soziale Engagement bezieht sich auf neue Formen von Engagement, welche in Initiativen, Projekten und kleinen Vereinen zum Ausdruck kommen. Dieser Begriff ist teilweise abgeleitet vom angelsächsischen Begriff Volunteering und steht für die grundlegenden Veränderungen des Engagements und lässt sich am besten mit den internationalen sprachlichen Kennzeichnungen in Einklang bringen. Jedoch
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wirkt in diesem Zusammenhang der Terminus Freiwilligkeit „als Synonym für jede ‚moderne’ Form von Engagement“ (Evers/Wohlfahrt/Riedel 2000: 13) eher traditional und verpflichtend.
3.3. Bürgerschaftliches Engagement
Die Begriffe Bürgerengagement oder bürgerschaftliches Engagement bezeichnen die gesellschaftliche oder sozialpolitische Ebene der Tätigkeiten, die am Gemeinwohl orientiert sind. Bürgerschaftliches Engagement hat sich als ein neues Schlagwort etabliert und ergänzt die klassischen Begriffe Ehrenamt und Freiwilligenarbeit. In diesem Sinne wird diese Form des Engagements definiert als „ganzheitliches Handeln oder auch die Handlungsbereitschaft von Bürgern im Eigeninteresse mit anderen gemeinsam zugunsten aller gemeinsam“ (Keupp 2001: 69). Der Begriff des bürgerschaftlichen Engagements basiert in enger Verbindung mit den Beiträgen der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages der ersten Legislaturperiode der Rot-Grünen Koalition unter Altkanzler Gerhard Schröder. Durch diesen zusammengesetzten Begriff aus Engagement, Bürgerschaft und Bürgersinn versuchten sich die Mitglieder der Kommission von einer Tradition abzugrenzen, die den Einsatz für das Gemeinwohl primär mit dem Begriff der ‚Ehre’ verbindet. Bürger werden als Mitglieder eines politischen Gemeinwesens und ihre ausgeübten, am Gemeinwohl orientierten Handlungen als bürgerschaftliches Engagement verstanden. Der Gebrauch des Adjektivs bürgerschaftlich kennzeichnet keine spezielle Form von Engagement und Beteiligung, sondern bestimmte Motive und Wirkungen wie die Übernahme von Verantwortung für andere Personen oder das Lernen von Gemeinschaftsfähigkeit. Diese Form des Engagements „sollte freiwillig sein und nicht aus der unmittelbaren Notwendigkeit des Erwerbs oder des Lebensunterhalts motiviert sein. Dann sollte das Engagement auch keinen reinen Erlebnis- bzw. Erholungscharakter haben, sondern eine Beziehung zur Öffentlichkeit, zum Gemeinwohl bzw. zum mitmenschlich-humanen Nutzen“ (Gensicke 2001: 288). Der Oberbegriff des bürgerschaftlichen Engagements vereint sowohl das Honoratiorenehrenamt als auch das unentgeltlichte traditionelle Ehrenamt aus religiöser und humanitärer Verantwortung, darüber hinaus das freiwillige Engagement in Initiativen und Verbänden sowie die Mitarbeit in Selbsthilfegruppen und Organisationen. Es ist ein durch Mehrdeutigkeit und -dimensionalität geprägter
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Randy Adam, 2007, Praktikumsbericht: Freiwilligenagentur Halle-Saalkreis e.V., München, GRIN Verlag GmbH
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