Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Das Leben Theodosius des Großen 2
3. Die Religionspolitik Theodosius des Großen 4
3.1 Antihäretische Gesetzgebung 4
3.1.1 Das Edikt „cunctos populos“ 4
3.1.2 Weitere ausgewählte Maßnahmen gegen Häretiker 6
3.1.3 Die Konzile von 381 , 382 und 383 7
3.2 Antiheidnische Gesetzgebung 9
3.3 Antijüdische Gesetzgebung 11
4. Fazit 12
5. Literaturverzeichnis 14
5.1 Quellen 14
5.2 Sekundärliteratur 14
5.2 14
5.2 14
1. Einleitung
Als Theodosius 379 nach der verheerenden Niederlage des Ostteils des römischen Reiches bei Adrianopel Nachfolger des in der Schlacht gefallenen Kaiser Valens wurde, gab es sowohl außen- als auch innenpolitisch einen immensen Regelungsbedarf. Ein zentraler Aspekt der Innenpolitik war die Religionspolitik, da trotz der Beschlüsse des Konzils von Nicäa der Glaubensstreit, vor allem zwischen eben jenen Nicänern und den Arianern, noch immer nicht beendet war. Waren Theodosius´ Vorgänger, mit Ausnahme des Heiden Julian, weitestgehend arianisch orientiert, so war nun mit Theodosius erstmals ein Kaiser an der Macht, der voll und ganz den Glauben von Nicäa, also den katholischen Glauben vertrat. Mit dieser Einstellung zum Glauben konnte Theodosius auch keine Duldung anderer Glaubensrichtungen mehr vertreten und begann nach seinem Amtsantritt mit Edikten und Gesetzen den, seiner Meinung nach, einzig wahren Glauben durchzusetzen.
Es stellt sich nun die Frage, wie Theodosius versuchte den katholischen Glauben zur zentralen Religion zu machen? Welche Methoden ergriff er und mit welcher Konsequenz setzte er diese durch? Im Mittelpunkt dieser Hausarbeit steht das, auf normativer Ebene betrachtete, gesetzgeberische Verhalten Theodosius´ gegenüber den Häretikern. Doch soll auch der Einfluss auf Heidentum und Judentum überprüft werden, um etwaige Unterschiede hinsichtlich der Be-handlung der Glaubensrichtungen in groben Zügen herausstellen zu können. Final soll herausgearbeitet werden, ob, und wenn ja inwiefern, Theodosius´ Gesetzgebung in einen zusammenhängenden, teleologischen Kontext eingeordnet werden kann. Betrachtet wird hauptsächlich der Ostteil des Reiches, da Theodosius vornehmlich Ostkaiser war und sich seine Gesetze zu großen Teilen auf dieses Gebiet bezogen. Im Falle einer relevanten Bedeutung für den Westen soll dies im Kontext des Gesetzes natürlich erwähnt werden. Einleitend soll zunächst eine kurze Biografie Theodosius´ Leben und wichtige Stationen seiner politischen Karriere darstellen.
Die zentrale Quelle, die in dieser Hausarbeit verwendet wird, ist die für diese Zeit wichtigste Sammlung von Gesetzestexten, der Codex Theodosianus, in welchem unter anderem die Gesetze des Theodosius unter Theodosius II. zusammengefasst und überliefert wurden. Außerdem werden die Schriften der Kirchenhistoriker Sozomenos, Theodoret und Socrates hinzugezogen, um zeitnahe Kommentare zu den historischen Ereignissen zur Verfügung zu haben.
1
2. Das Leben Theodosius des Großen
Theodosius wurde am 11. Januar 347 in Cauca in der nordwestspanischen Provinz Gallaecia geboren. Dort verbrachte er auch seine Kindheit und Jugend, in der er von seinem Vater und seinen Großeltern väterlicherseits nizänisch erzogen wurde. Seine Mutter ist weitestgehend unbekannt. Der familiären Tradition folgend - sein Vater war ein bedeutender Militär unter Valentinian I. - strebte auch Theodosius eine militärische Karriere an. Ab 368 begleitete Theodosius seinen Vater auf Feldzügen in Britannien gegen Alamannen und Sarmaten. Nachdem sein Vater 373 zur Unterwerfung einer Usurpation nach Afrika gerufen wurde, wurde Theodosius Militärbefehlshaber der Provinz moesia prima. Dort bewies er rasch seine militärischen Fähigkeiten, indem er 374 die einfallenden Sarmaten schlug. Doch der militärische Aufstieg wurde unterbrochen, als sein Vater 375 entlassen und zum Tode verurteilt wurde. Theodosius reagierte darauf, indem er in seine spanische Heimat zurückkehrte. Dort heiratete er 376 Aelia Flacilla, welche 377 seinen ersten Sohn - Arcadius - und kurz darauf seine Tochter Pulcheria gebar. 1
Nachdem die Goten am 9. August 378 in der Schlacht bei Adrianopel beinahe das gesamte Heer des Ostteils des römischen Reiches vernichtet hatten, berief Kaiser Gratian Theodosius wieder zum General. Dieser folgte dem Ruf und schlug noch im selben Jahr wiederum einfallende Sarmaten an der Donaugrenze.
Am 19. Januar 379 erhob Gratian Theodosius zum Mitaugustus und Nachfolger des in der Schlacht gefallenen Kaiser Valens, da gerade in der Armee der Wunsch bestand, einem erfolgreichen Feldherrn die Leitung des Staates zu übergeben. Theodosius erhielt den Ostteil des Reiches, welcher sowohl außen- als auch innenpolitisch eine große Herausforderung darstellte. Obwohl Theodosius noch nicht getauft war, zeigte er seine christliche Einstellung, indem er den höchsten Priestertitel - den pontifex maximus - ablehnte. Dies hatten selbst seine christlichen Vorgänger nicht getan. 2
Theodosius´ außenpolitische Hauptaufgabe bestand nun darin den Staat zu stabilisieren. Dazu musste er zunächst die Grenzen gegen die Goten sichern, was sich, auf Grund des Verlustes eines Großteils der Armee bei Adrianopel, als schwierig erwies. 382 schloss Theodosius einen foedus mit den Goten, welcher die Goten zu foederati machte und ihnen also Land im römi-
1 Vgl. Leppin, H., Theodosius der Große, Darmstadt 2003, S. 29-33 und Lippold, A., Theodosius der Große und seine Zeit, München ²1980, S. 11- 14
2 Vgl. Leppin, a.a.O., S. 44 und Lippold, a.a.O., S. 15-16 2
schen Staatsgebiet zuwies. Als Gegenleistung mussten die Goten in der römischen Armee dienen. Mit Hilfe dieses Vertrages hatte Theodosius eine Stabilisierung der Donaugrenze erreicht. 3
Zu dieser Zeit weilte Theodosius schon in Konstantinopel. Seine erste Reise in die Hauptstadt verlief allerdings mit Komplikationen. Während er auf seiner Reise in Thessaloniki Halt machte, erkrankte Theodosius so stark, dass er sich, im Bewusstsein des nahen Todes, taufen ließ. 4 Da er entgegen der Erwartungen wieder gesundete, ergab sich ein kirchenpolitisches Novum. Zum ersten Mal in der Geschichte unterstand nun ein römischer Kaiser der Kirche. Im Sommer 383 usurpierte im Westen der Spanier Maximus und setzte sich gegen Gratian durch. Theodosius erkannte ihn zunächst an und handelte nicht. Als aber Valentinian II. aus Italien fliehen musste, änderte sich Theodosius´ Einstellung, da dieser nach dem Tod seiner ersten Ehefrau im Jahr 386, ein Jahr Später Valentinians Schwester Galla geheiratet hatte und mit Valentinian familiär verbunden war. Theodosius rüstete nun zum Kampf gegen Maximus, welchen er 388 siegreich beendete. 5 Zur Stabilisierung des Westteils blieb Theodosius bis 391 in Italien, obwohl dieser formal von Valentinian regiert wurde.
In dieser Zeit geriet Theodosius zwei Mal mit Ambrosius, dem Bischof von Mailand aneinander. 388 wurde in Folge von Christenaufständen in der am Euphrat gelegenen Stadt Kallinikum eine jüdische Synagoge zerstört. Theodosius verordnete, diese wieder aufzubauen, was in den Reihen des Ambrosius für einen großen Protest sorgte, da Theodosius so eine nichtchristliche Religion privilegierte. Unter Androhung das Meßopfer in Theodosius Gegenwart in Mailand so lange nicht auszuteilen bis dieser seine Meinung änderte, beugte sich Theodosius Ambrosius. Doch schon kurze Zeit später eskalierte die Situation auf ein Neues. Während der Kaiser 390 in Mailand residierte, erfuhr er von einem Aufstand in Thessaloniki. 6 Im ersten Eifer wies er an, alle Beteiligten hart zu bestrafen. Obwohl er nach kurzer Zeit sein Urteil revidierte, war es zu spät und es wurden mindestens 7000 Menschen niedergemetzelt. 7 Ambrosius sah dies als moralischen Fehltritt und verbat Theodosius, in einem nur an ihn gerichteten Brief, am Meßopfer teilzunehmen und forderte außerdem ein öffentliches Bekenntnis seiner Sünde. 8 Theodosius lehnte zunächst einen öffentlichen Bußakt ab. Doch nach eini-
3 Vgl. Leppin, a.a.O., S. 49-52
4 Vgl. Hansen, G. C. (Übers.), Sozomenos, Kirchengeschichte, Turnhout 2004, VII 4,3
5 Vgl. Lippold, a.a.O., S. 34-38
6 Der Grund für den Aufstand findet sich bei Soz. VII 25,3 und 25,4
7 Vgl. Seider, A. (Übers.), Theodoret von Cyrus, Kirchengeschichte, München 1926, V 17
8 Vgl. Schaff, P. (Übers.), Ambrose: Selected works and letters, Peabody, Mass. 1996, Letter LI 3
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Philipp Prinz, 2008, Die Religionspolitik Theodosius des Großen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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