Selbstdarstellung im Web 2.0 und ihre möglichen Konsequenzen II
Inhaltsverzeichnis
Vorwort V
1. Einleitung 6
1.1 Fragestellung und Zielsetzung 6
1.2 Aufbau und Vorgehensweise 6
2. Selbstdarstellung im Web 2.0 8
2.1 Selbstdarstellung der eigenen Persönlichkeit 8
2.1.1 Definition Selbstdarstellung 8
2.1.2 Selbstdarstellung - Was bedeutet „Selbst“ überhaupt? 8
2.1.3 Selbstdarstellung - Ein Versuch mit ungewissem Ausgang 9
2.1.4 Selbstdarstellung - Wie ist sie ausgerichtet? 9
2.1.5 Selbstdarstellung - Welchen Werkzeugen bedient sie sich? 9
2.1.6 Impressionsmanagement 10
2.2 Buzzword Web 2.0 10
2.2.1 Definition Web 2.0 10
2.2.2 Abgrenzung zu Web 1.0 12
2.2.3 Web 2.0 - Eine zweite Internet-Revolution? 13
2.2.4 Kritik am Web 2.0 14
2.3 Das Web 2.0 und seine Auswirkung auf die Selbstdarstellung 16
3. Plattformen der Selbstdarstellung im Web 2.0 17
3.1 Social-Networking-Plattformen im engeren Sinn 18
3.1.1 Berufliche Networking-Plattformen 19
3.1.2 Studentische Networking-Plattformen 20
3.1.3 Schulische Networking-Plattformen 21
3.1.4 Private Networking-Plattformen 22
3.2 Weitere Social-Software-Anwendungen 23
3.2.1 Videoplattformen 24
3.2.2 Fotoplattformen 25
3.2.3 Social Bookmarking 26
4. Internetnutzung in Deutschland 28
4.1 Aktuelle Statistiken zur Internet- und Web-2.0-Nutzung in Deutschland 28
4.1.1 Soziodemographische Merkmale 28
4.1.2 Aufgerufene Inhalte und Onlineanwendungen 30
4.1.3 Verweildauer der Nutzer im Internet 33
Selbstdarstellung im Web 2.0 und ihre möglichen Konsequenzen III
4.2 Web 1.0 vs. Web 2.0 - Technische Weiterentwicklung erleichtert die
Selbstdarstellung im Internet 33
4.2.1 Einfache Bedienbarkeit der Selbstdarstellungswerkzeuge 34
4.2.2 Verbesserte technische Voraussetzungen beim User selbst 34
4.2.3 Vielfältiges Angebot an Selbstdarstellungsplattformen 35
4.2.4 Sinkende Internet-Nutzungskosten 35
5. Weblogs und studiVZ als Varianten studentischer
Selbstdarstellung im Web 2.0 36 5.1 Methode 36
5.2 Beschreibung der Untersuchungsgegenstände 38
5.2.1 Weblogs - Tagebücher im World Wide Web 38
5.2.2 studiVZ - Studentisches Networking in Deutschland 43
6. Motive studentischer Selbstdarstellung im Web 2.0 48
6.1 Grundlegende Merkmale der Nutzung von studiVZ und Weblogs 49
6.1.1 Ergebnisse der studiVZ-Mitgliederinterviews 49
6.1.2 Ergebnisse der studentischen Blogger-Interviews 53 6.2 Informationsmanagement 58
6.2.1 Definition des Begriffs Informationsmanagement 58
6.2.2 Ergebnisse der studiVZ-Mitgliederinterviews 60
6.2.3 Ergebnisse der studentischen Blogger-Interviews 64 6.3 Identitätsmanagement 67
6.3.1 Definition des Begriffs Identitätsmanagement 67
6.3.2 Ergebnisse der studiVZ-Mitgliederinterviews 68
6.3.3 Ergebnisse der studentischen Blogger-Interviews 76 6.4 Beziehungsmanagement 83
6.4.1 Definition des Begriffs Beziehungsmanagement 83
6.4.2 Ergebnisse der studiVZ-Mitgliederinterviews 84
6.4.3 Ergebnisse der studentischen Blogger-Interviews 90
7. Verweigerung studentischer Selbstdarstellung im Web 2.0 95 7.1 Ergebnisse der Interviews mit studiVZ-Verweigerern 95
7.2 Ergebnisse der Interviews mit Weblog-Verweigerern 95
7.3 Interpretation der Aussagen 96
8. Konsequenzen studentischer Selbstdarstellung im Web 2.0 97 8.1 Individuelle Konsequenzen 97 8.1.1 Gläserner Bürger 2.0 97
Selbstdarstellung im Web 2.0 und ihre möglichen Konsequenzen IV
8.1.2 Gefahr durch Datenmissbrauch 99
8.1.3 Gefahr durch Täuschung 107
8.1.4 Nutzung von Selbstdarstellungsplattformen erfordert erhöhten
Zeitaufwand 108
8.1.5 Erlernen und Verbessern bestimmter Fertigkeiten 108
8.1.6 Aufbau und Pflege sozialer Beziehungen 108
8.2 Gesellschaftliche Konsequenzen 109
8.2.1 Bereitstellung von Sozialkapital 109
8.2.2 Social-Software-Anwendungen setzen gesellschaftliche Standards 110 8.3 Berufliche Konsequenzen 110
8.4 Interpersonale Konsequenzen 114 8.5 Rechtliche Konsequenzen 115 8.5.1 Persönlichkeitsschutz 115 8.5.2 Urheberrechtsschutz 116
8.5.3 Fälle von Rechtsverletzungen 116
8.6 Wirtschaftliche Konsequenzen 121
9. Schlussbemerkung 122
Anhang I: Abbildungsverzeichnis 126
Anhang II: Tabellenverzeichnis 126
Anhang III: Abbildungen und Tabellen 127
Anhang IV: Fragebögen im Rahmen dieser Diplomarbeit 129
Anhang V: Gesetzesauszüge 137
Literatur- und Quellenverzeichnis 140
Ausgefüllte Fragebögen der 40 befragten Studenten 149
Selbstdarstellung im Web 2.0 und ihre möglichen Konsequenzen V
Vorwort
Mit der vorliegenden Arbeit möchte ich einen Einblick in die Präsentation der eigenen Persönlichkeit im Web 2.0 geben. Dabei sollen dem Leser Motive und Nutzungsweisen dieser Art der virtuellen Selbstdarstellung näher gebracht werden und zudem auf die Konsequenzen dieses Handelns hingewiesen werden. Zu diesem Zweck führte ich eine Reihe eigener Umfragen durch, deren Ergebnisse den Kern dieser Arbeit bilden. Mein ganz besonderer Dank gilt daher allen studentischen Umfrageteilnehmern, welche sich die Zeit genommen haben und mir die Fragebögen so gewissenhaft und ausführlich beantworteten.
Ferner möchte ich Frau Prof. Dr. Gabriele Goderbauer-Marchner und Herrn Dr. Jan Schmidt für die Betreuung dieser Diplomarbeit danken. Besonders Dr. Jan Schmidt stellte sich geduldig all meinen Fragen und beantwortete E-Mails teilweise auch noch weit nach Mitternacht oder aus dem kanadischen Ausland.
Für die Unterstützung und Anregungen möchte ich mich bei Julia Marold und Astrid Freidhof bedanken, bei Janina Fenn für die gemeinsame Diplomarbeitszeit am Hubland, bei Esther Lehmann für das Korrekturlesen und bei all meinen Kommilitonen für die großartige gemeinsame Studienzeit.
Vor allem danke ich meinen Eltern für die Geduld und die finanzielle Unterstützung, ohne die mir dieses Studium nicht möglich gewesen wäre, sowie Julia Schmitt für den Zuspruch und den seelischen Beistand.
Matthias Back Würzburg, November 2007
Selbstdarstellung im Web 2.0 und ihre möglichen Konsequenzen 6
1. Einleitung
1.1 Fragestellung und Zielsetzung
„Es ist besser, für das, was man ist, gehasst, als für das, was man nicht ist, geliebt zu werden“. Dieses Zitat stammt von dem französischen Schriftsteller und Nobelpreisträger André Gide (1869 - 1951). Doch ist uns die Meinung von Familienangehörigen, von Freunden oder die unseres Partners über uns selbst wirklich komplett egal und wollen wir geliebt werden so wie wir sind? Oder ertappen wir uns doch ständig selbst dabei, uns nach außen hin besser und vorteilhafter darzustellen als wir es wirklich sind? Die vorliegende Diplomarbeit mit dem Titel „Selbstdarstellung im Web 2.0 und ihre möglichen Konsequenzen“ greift Teilaspekte dieses Zitates auf. Durch die weltweite Nutzung des Internets und den aktuellen Veränderungen in diesem Bereich ergeben sich für den Menschen neue Möglichkeiten sich der Öffentlichkeit zu präsentieren. Ziel dieser Diplomarbeit ist es, die Plattformen der Selbstdarstellung im Web 2.0 genauer zu untersuchen. Die erste Fragestellung, welche sich aus dem Thema ergibt, beschäftigt sich mit den Nutzungsmotiven der Anwender. Warum machen beispielsweise Studenten ihre alltäglichen Erlebnisse auf einem Weblog der gesamten Internetgemeinde zugänglich? Was veranlasst Studenten, sich bei einer studentischen Kontaktplattform wie studiVZ anzumelden - sehen sie befreundete Kommilitonen doch sowieso Woche für Woche an ihrer Hochschule? Die zweite Fragestellung berührt die möglichen Konsequenzen dieser Nutzungsweisen. Ist die bislang weit verbreitete sorglose Haltung gegenüber Selbstdarstellungsplattformen in Deutschland gerechtfertigt oder sollten studiVZ & Co. durchaus kritischer von ihren Nutzern hinterfragt werden?
1.2 Aufbau und Vorgehensweise
Eingangs werden die beiden Kernbegriffe des Themas - Selbstdarstellung und Web 2.0 näher erläutert. Zudem wird das aktuelle Angebot an Selbstdarstellungsplattformen im Überblick vorgestellt. Dabei handelt es sich jedoch nur um eine selektive Auswahl. Eine komplette Abbildung aller Angebote ist für die Beantwortung der beiden Fragenstellungen nicht erforderlich. Der letzte Teil der Einführung zeigt die grundlegenden Merkmale der Internetnutzung in Deutschland.
Untersuchungsgegenstände der Selbstdarstellung im Web 2.0 sind die studentische Net- working-Plattform studiVZ und das generelle Format Weblog. Anhand dieser Social-
Selbstdarstellung im Web 2.0 und ihre möglichen Konsequenzen 7
Software-Anwendungen werden die Nutzungsmotive der Selbstdarstellung und die daraus resultierenden Konsequenzen abgeleitet. Zudem wird an verschiedenen Stellen auch das Bewusstsein der Social-Software-Nutzer für mögliche Konsequenzen näher beleuchtet. Das Format Weblog wurde insoweit eingeschränkt, als dass nur Weblogs mit Selbstdarstellungscharakter (persönliche Online-Tagebücher) Gegenstand der Untersuchung sind. Journalistisch motivierte Weblogs spielen im Zuge dieser Arbeit keine Rolle. Auch sollte der Leser immer im Hinterkopf behalten, dass es sich bei der studentischen Networking-Anwendung studiVZ um ein spezielles Angebot handelt und bei Weblogs um ein generelles Format. Ein Vergleich von studiVZ und Weblogs miteinander macht folglich keinen Sinn, da beide völlig unterschiedliche Möglichkeiten zur Selbstdarstellung bieten. Sie stehen somit nicht in Konkurrenz.
Der dritte Teil enthält eine kurze Zusammenfassung, ein Fazit des Autors sowie einen Ausblick auf künftige Entwicklungen in diesem Bereich.
Da die Selbstdarstellung im Web 2.0 erst in den letzten Monaten zu einem sehr aktuellen Thema geworden ist, beziehen sich eine Vielzahl der Quellen des Autors nicht auf Bücher, sondern in hohem Maße auf Forschungsberichte, Artikel in Fachzeitschriften sowie Blog-und Foreneinträge. Kern dieser Arbeit bilden vom Verfasser durchgeführte Umfragen mit studentischen Weblog-Autoren und studiVZ-Mitgliedern sowie Verweigerern dieser beiden Anwendungen. Zudem sind eigene Erfahrungen des Autors in die Arbeit mit eingeflossen. Zum Schluss dieses Einleitungsteils muss noch darauf hingewiesen werden, dass aus den Ergebnissen dieser Diplomarbeit aufgrund des Auswahlverfahrens zur Datenerhebung und -auswertung kein Anspruch auf statistische Repräsentativität hervorgeht. Jedoch lässt die Vielfalt der bereits beschriebenen Informationsquellen aussagekräftige Rückschlüsse auf die Motive der studentischen Selbstdarstellung und deren Konsequenzen zu. Weitere Einzelheiten hinsichtlich der Methoden der Datenerhebung und -auswertung werden in Ab- schnitt 5.1 dieser Arbeit besprochen.
Selbstdarstellung im Web 2.0 und ihre möglichen Konsequenzen 8
2. Selbstdarstellung im Web 2.0
2.1 Selbstdarstellung der eigenen Persönlichkeit
Der erste Eindruck ist nicht zwangsläufig der richtige, jedoch ist er entscheidend. In den ersten Augenblicken einer Begegnung spüren wir, ob uns der Gegenüber sympathisch ist oder nicht. Nur sehr zögerlich sind wir später bereit unser Anfangsurteil zu revidieren. 1 In Situationen wie beispielsweise einem Vorstellungsgespräch oder bei einem Flirt kommt dem ersten Eindruck eine noch höhere Bedeutung zu, entscheidet dieser doch meist vollständig über den weiteren Verlauf. Kann ein Bewerber den Personalchef nicht von sich überzeugen, wird er die Stelle ebenso wenig bekommen wie ein Mann die von ihm gewünschte Aufmerksamkeit seiner Flirtpartnerin.
Versuchen wir daher wirklich „nur“ ein Abbild unseres faktischen Selbstbildes zu offenbaren oder reagieren wir übermotiviert und präsentieren eine überzogene Darstellung unseres „Ichs“, nur um unserem Gegenüber zu imponieren?
2.1.1 Definition Selbstdarstellung
Selbstdarstellung definiert sich als:
„Versuch, uns als den Menschen zu präsentieren, der wir sind oder von dem wir wollen, dass andere Menschen glauben, dass wir so sind; dies geschieht durch die Worte, die wir sprechen, unser nonverbales Verhalten wie auch unsere Handlungen.“ 2
Selbstdarstellung lässt sich folglich in vier wesentliche Gesichtspunkte unterteilen. Es ist der Versuch, das eigene Selbst nach außen unter Zuhilfenahme diverser Werkzeuge zu präsentieren.
2.1.2 Selbstdarstellung - Was bedeutet „Selbst“ überhaupt?
Das Selbst teilt sich in die beiden Aspekte Selbstkonzept und Selbstaufmerksamkeit auf. Das Selbstkonzept ist dabei unser Wissen von dem, wer wir sind. Es ist „der Inhalt unseres Selbst - unsere Wahrnehmung unserer Gedanken, Überzeugungen und Persönlichkeitseigenschaften“. 3 Die Selbstaufmerksamkeit ist der Akt des Nachdenkens über sich selbst. Dabei vergleichen und beurteilen wir das eigene Verhalten mit innerpersönlichen Maßstä-
1 Vgl.o.V.: Der erste Eindruck. Online verfügbar unter http://egonet.de/ego/alltag/alltag.php [zuletzt
geprüft am 11.11.2007].
2 Aronson/Wilson/Akert (2006), S. 177.
3 Vgl. Fußnote 2, S. 183.
Selbstdarstellung im Web 2.0 und ihre möglichen Konsequenzen 9
ben und Werten. 4 „Diese beiden Aspekte des Selbst gehören zusammen und bilden ein kohärentes Identitätsgefühl.“ 5 Eine objektive Darstellung unseres Selbst ist nicht möglich, da theoretisch kein Mensch unvoreingenommen über sich selbst reden oder schreiben kann. 6
2.1.3 Selbstdarstellung - Ein Versuch mit ungewissem Ausgang
Bei einem Versuch handelt es sich um eine zielgerichtete Handlung, deren Ausgang nicht absehbar ist. Die Wirkung einer Selbstdarstellung im World Wide Web lässt sich demzufolge nur unzureichend vorhersehen. Ein studiVZ-Mitglied hat weder die Gewähr, dass sein Profil aufgerufen wird, noch, dass es exakt die gewünschte Wirkung beim Rezipienten erzielt.
2.1.4 Selbstdarstellung - Wie ist sie ausgerichtet?
Die hervorgerufene Wirkung beim Rezipienten hängt stark von der Art der Ausrichtung der Selbstdarstellung ab. Sie offenbart „wie man sich selbst sieht bzw. wie man gesehen werden möchte. Selbstdarstellung betrifft also sowohl die Vermittlung von faktischen Selbstbildern, durch die sich eine Person gekennzeichnet sieht, als auch von potentiellen Selbstbildern, die eine Person anstrebt.“ 7 Stellt sich eine Person so dar, als ob sie ein komplett anderer Mensch wäre, handelt es sich um eine Täuschung oder Verstellung. 8 Eine derartige Inszenierung der eigenen Person wird durch die Anonymität des Internets vereinfacht und gefördert.
2.1.5 Selbstdarstellung - Welchen Werkzeugen bedient sie sich?
Um die Aufmerksamkeit und das Interesse der Rezipienten zu wecken, muss sich der Mensch diverser Werkzeuge bedienen. Gesprochene Worte, nonverbales Verhalten und Handlungen finden in der klassischen Face-to-Face-Kommunikation ihre Anwendung. Für das Internet sind sie ungeeignet, da keine direkte Rückmeldung möglich ist. Im World Wide Web nutzen wir stattdessen Fotos oder Videos, treten Gruppen bei, geben unsere Hobbys und persönliche Eigenschaften an oder schreiben auf einem Online-Tagebuch von unseren alltäglichen Erlebnissen. Die Rückmeldung der Rezipienten erfolgt hier zeitversetzt
4 Vgl. Aronson/Wilson/Akert (2006), S. 150 u. S. 158.
5 Vgl. Fußnote 4, S. 150.
6 Vgl. Mummendey (1990), S. 103.
7 Renner/Marcus/Machilek/Schütz (2005), S. 192.
8 Vgl. Fußnote 7, S. 192f.
Selbstdarstellung im Web 2.0 und ihre möglichen Konsequenzen 10
und über verschiedene Kanäle, beispielsweise über die Kommentarfunktion auf einem Weblog, der Pinnwand bei studiVZ, per E-Mail oder auch beim nächsten Treffen im realen Leben. 9
2.1.6 Impressionsmanagement
Spricht man im Zuge der Selbstdarstellung von einer konzeptionellen und gezielten Umsetzung, so fällt dies unter den Begriff des Impressionsmanagements. Dabei handelt es sich um einen „Prozess, bei dem bewusst oder unbewusst eine der Situation angepasste Selbstpräsentation zusammengestellt wird, die dazu dient, einen bestimmen Eindruck zu erwecken, der zu unseren Zielen und Bedürfnissen in einer sozialen Interaktion passt“. 10 In vielen Unternehmen wird Impressionsmanagement mittlerweile auch als Konzept der Öffentlichkeitsarbeit eingesetzt.
2.2 Buzzword Web 2.0
Als Buzzword - zu Deutsch Schlagwort - bezeichnet man im Englischen einen Begriff, welcher beim Publikum besondere Aufmerksamkeit hervorrufen soll. 11 In der Internetgemeinschaft ist Web 2.0 seit geraumer Zeit ein solches Buzzword. Die Suchmaschine Google findet 670 Millionen Einträge (Stand 11.11.2007) zu diesem Begriff und auch im Marketingbereich sowie in der Unternehmenskommunikation ist Web 2.0 längst ein etablierter Begriff.
2.2.1 Definition Web 2.0
Die Bezeichnung Web 2.0 selbst entstand aus einem Brainstorming zwischen den „Inter-net-Vordenkern“ Tim O’Reilly und Dale Dougherty und wurde der Öffentlichkeit erstmals im Herbst 2004 auf der „Web 2.0 Conference“ in San Francisco vorgestellt.
Web 2.0 wird demnach wie folgt beschrieben:
„Web 2.0 is the network as platform, spanning all connected devices; Web 2.0 applications are those that make the most of the intrinsic advantages of that platform: delivering software as a continually-updated service that gets better the more people use it, consuming and remixing data from multiple sources, including individual users, while providing their own
9 Vgl. Renner/Marcus/Machilek/Schütz (2005), S. 193.
10 Aronson/Wilson/Akert (2006), S. 177.
11 Vgl. o.V.: Buzzword. Online verfügbar unter http://www.answers.com/topic/buzzword?cat=biz-fin
[zuletzt geprüft am 11.11.2007].
Selbstdarstellung im Web 2.0 und ihre möglichen Konsequenzen 11
data and services in a form that allows remixing by others, creating network effects through an ‚architecture of participation,’ and going beyond the page metaphor of Web 1.0 to deliver rich user experiences.“ 12
Web 2.0 ist darüber hinaus ein Paradigmenwechsel. Es steht weniger ein technischer als ein gesellschaftlicher Wandel im Vordergrund. Der Internet-User ist nicht mehr nur bloßer Empfänger und Konsument von Informationen, sondern es kommt zu einem wechselseitigen Austausch von Informationen zwischen Sender und Empfänger. 13 Abbildung 1 veranschaulicht die wichtigsten Aspekte und Eigenschaften des Webs 2.0. Abbildung 1: Eigenschaften des Web 2.0 (Netz 2.0)
Quelle: Angermeier: Netz2.0 - Das Web2.0 auf gut deutsch. Online verfügbar unter http://blog.aperto.de/
[zuletzt geprüft am 2005/11/24/netzwelt-web-20/netz20-das-web20-auf-gut-deutsch-12/
11.11.2007].
Die Inhalte im Netz werden nicht mehr nur von Journalisten, Unternehmen oder professionellen Programmierern bereitgestellt. Mittels Weblogs, Social-Software-Anwendungen oder auch Wikis 14 kann jeder beliebige User seine Gedankengänge und Ideen einer breiten Masse an Mitmenschen zur Verfügung stellen und mit ihnen Informationen/Inhalte austauschen.
12 O'Reilly: Web 2.0: Compact Definition? Online verfügbar unter http://radar.oreilly.com/archives/2005/
10/web_20_compact_definition.html [zuletzt geprüft am 11.11.2007].
13 Vgl. Stamer (18.10.2006), S. 9ff.
14 Vgl. Abschnitt 2.2.2 in dieser Arbeit.
Selbstdarstellung im Web 2.0 und ihre möglichen Konsequenzen 12
Typische Web-2.0-Anwendungen sind: N Weblogs N Podcasts N Video- und Fotoplattformen N Wikis N Soziale Networking-Plattformen
Bei Web 2.0 handelt es sich weder um eine spezifische neuartige Software noch um eine bahnbrechende, innovative Technologie oder einen konkreten Anwendungstypus. Es ist vielmehr eine Weiterentwicklung von bereits Vorhandenem, ausgeschmückt mit ein paar ausgefallenen Schlagwörtern.
2.2.2 Abgrenzung zu Web 1.0
In der Informatik kennzeichnet die Version den Entwicklungsfortschritt einer Software zu einem bestimmten Zeitpunkt. 15 Die Zahl 2.0 impliziert, dass der Version Web 2.0 eine Version Web 1.0 zu Grunde liegt. Abbildung 2 zeigt den „Web-1.0-Ursprung“ diverser Web-2.0-Anwendungen.
Abbildung 2: Unterschiede zwischen Web 1.0 und Web 2.0
Quelle: O'Reilly: What is Web 2.0. Online verfügbar unter http://www.oreillynet.com/pub/a/oreilly/
tim/news/2005/09/30/what-is-web-20.html [zuletzt geprüft am 11.11.2007].
15 Vgl. Alby (2007), S. 17.
Selbstdarstellung im Web 2.0 und ihre möglichen Konsequenzen 13
Bei Britannica Online handelt es sich beispielsweise um eine englischsprachige Enzyklopädie, ähnlich dem deutschen Brockhaus. Wikipedia gehört zur Gattung der Wikis, welche „das gemeinsame und gleichberechtigte Editieren von Textdokumenten im Internet unterstützen“. 16 Während es bei Britannica nur auserwählten Fachleuten und Wissenschaftlern vorbehalten ist, Artikel zu schreiben, macht sich Wikipedia das Wissen der Internetgemeinde zu Nutze. Freiwillig und unentgeltlich schreiben Autoren auf Wikipedia Beiträge und belegen diese mit Quellen. Anders als herkömmliche Enzyklopädien ist Wikipedia zudem kostenlos.
Das so genannte „Mitmach-Internet“ 17 setzt ferner auf participation (zu Deutsch Mitwirkung) seiner Nutzer. Inhalte werden nicht mehr nur einfach publiziert (publishing) - der Austausch von Informationen steht an erster Stelle.
Ähnlich deutlich werden die Unterschiede hinsichtlich des Grundgedanken von Web 2.0 bei dem Beispiel mp3.com/Napster. Mp3.com war bis zu seinem Verkauf 2003 eine reine Online-Tauschbörse für Musikstücke. 18 Nach der Anmeldung konnte der Nutzer beliebig viele Songs auf seinen Rechner laden und anschließend frei (innerhalb der gesetzlichen Rahmenbedingungen) über diese Verfügen. Bei dem Online-Musikdienst Napster hat der User mittels einer Music-Flatrate uneingeschränkten Zugriff auf fünf Millionen Songs von über 370.000 Künstlern (Stand 11.11.2007). 19 Das zeitaufwendige Downloaden eines jeden Songs ist komplett überflüssig geworden. Die Napster-Client-Software fungiert ähnlich einem MP3-Player, mit dem Unterschied, dass die Musikstücke nicht physikalisch auf dem eigenen Rechner vorhanden sein müssen. Das Internet selbst ist die Festplatte des Konsumenten.
2.2.3 Web 2.0 - Eine zweite Internet-Revolution?
Der Medienrummel um das neue Gesicht des World Wide Web erinnert stark an die Zeit um die Jahrtausendwende. Im März 2000 führte die Euphorie um das Medium Internet und seine kleinen Start-up-Unternehmen zu einem weltweiten Zusammenbruch der Technologiemärkte und ging unter dem Begriff der „New Economy-Blase“ 20 (oder auch „Dot-
16 Schmidt(2006), S. 38.
17 Buck: Mitmach-Internet für unterwegs. Online verfügbar unter http://www.handelsblatt.com/news/
Technologie/E-Trends/_pv/_p/303150/_t/ft/_b/1290163/default.aspx/mitmach-internet-fuer-
unterwegs.html [zuletzt geprüft am 11.11.2007].
18 Vgl. Kolokythas: Verkauft: MP3.com hat einen neuen Besitzer. Online verfügbar unter http://www.pc
welt.de/start/dsl_voip/archiv/35638/ [zuletzt geprüft am 11.11.2007].
19 Vgl. Startseite www.napster.de [zuletzt geprüft am 11.11.2007].
20 Alby (2007), S. IX (Vorwort).
Selbstdarstellung im Web 2.0 und ihre möglichen Konsequenzen 14
com-Blase“ 21 ) in die Geschichte ein. Irrationale Hoffnungen auf schnellen Reichtum sowie riskante Aktienanlagen sorgten dafür, dass sowohl Kleinanleger als auch Großinvestoren viel Geld verloren. 22
Gut ein halbes Jahrzehnt später mehren sich die Anzeichen für eine erneute „New Economy-Blase“, diesmal sinngemäß als „Bubble 2.0“ 23 bezeichnet. Und tatsächlich scheint es, als haben die Unternehmen aus der Vergangenheit nur bedingt dazu gelernt. Firmenübernahmen werden weiterhin mit Aktien bezahlt (u.a. YouTube/Google) und immer noch ist weitgehend unklar, inwieweit Unternehmen aus ihren Nutzern Kapital schlagen können. 24 Selbst Xing Gründer Lars Hinrichs sagte unlängst auf einem Kongress: „Auf jeden Fall, wir haben eine Bubble 2.0, und es wird auch wieder eine gewisse Down-Phase geben.“ 25 Es besteht jedoch begründete Hoffnung, dass die Blase diesmal länger durchhält und auch nicht wie ihre Vorgängerin mit einem lauten Knall zerplatzen wird. Joe Kraus, Vorstands-vorsitzender des Web-2.0-Unternehmens JotSpot, sieht sich und sein Unternehmen zwar als Teil der Blase, jedoch ist sie in seinen Augen diesmal anders: „I absolutely think we're in a bubble, but the bubble we're in is very different (…). It's so much cheaper to bring a product to market these days. Computers are 100 times cheaper. The software you use to develop your software is free. You have access to offshore labor like never before. ... (Google) AdWords allow you to reach small markets." 26 Privatanleger sind dadurch viel besser geschützt, da die zahlreichen kleinen Start-up-Unternehmen zur Kapitalbeschaffung nicht mehr an die Börse gehen müssen.
2.2.4 Kritik am Web 2.0
Auch im Web 2.0 ist längst nicht alles Gold, was glänzt und so ist es nicht verwunderlich, dass kritische Stimmen aus dem Internetumfeld immer lauter werden. Zu frisch ist bei vielen noch die Erinnerung an den Börsen-Crash im März 2000. „Von denen, die jetzt das Web 2.0 hypen, waren noch nicht alle damals dabei. Insofern machen mich vielleicht auch
21 Seyfer: Angst vor der Dotcom-Blase. Online verfügbar unter http://www.focus.de/digital/internet/web-
2-0_aid_114283.html [zuletzt geprüft am 11.11.2007].
22 Vgl. Alby (2007), S. IX (Vorwort).
23 Rickens: Bis die Blase platzt. Online verfügbar unter http://www.manager-magazin.de/magazin/artikel/
0,2828,422778,00.html [zuletzt geprüft am 11.11.2007].
24 Vgl. Fost: Debate 2.0. Online verfügbar unter http://www.sfgate.com/cgi-bin/article.cgi?file=/chronicle/
archive/2006/10/15/BUBBLE.TMP [zuletzt geprüft am 11.11.2007].
25 Vgl. Fußnote 23.
26 Vgl. Fußnote 24.
Selbstdarstellung im Web 2.0 und ihre möglichen Konsequenzen 15
das Alter und die Erfahrung etwas zurückhaltender in meiner Euphorie“, 27 so Florian Rötzer vom Online-Magazin „Telepolis“. Im Folgenden sollen vier der wichtigsten Kritikpunkte kurz erläutert werden:
N Obwohl der Begriff schon seit nahezu drei Jahren existiert, ist es kaum möglich, eine kurze und prägnante Definition über das Web 2.0 zu finden. Viele Menschen reden von Web 2.0 ohne genau zu wissen, was sich dahinter verbirgt. In einem Interview Ende Juli 2006 sagte der WWW-Gründer Tim Berners-Lee zu diesem Problem: “I think Web 2.0 is of course a piece of jargon, nobody even knows what it means.“ 28
N Die Begrifflichkeiten Web 1.0 und Web 2.0 lassen den Schluss zu, dass es sich um einzelne abgeschlossene Entwicklungsstufen handelt. In Wirklichkeit ist das Web 2.0 nur eine logische Weiterentwicklung des Web 1.0. Florian Rötzer vom Online-Magazin „Telepolis“ sieht darin einen klaren Widerspruch: „Da wird etwas Neues propagiert, ohne dass es wirklich etwas grundsätzlich Neues gibt.“ 29
N Als eine Besonderheit des Webs 2.0 wird die Interaktivität der Nutzer untereinander propagiert. Es gibt keine klare Trennung mehr zwischen Sender und Empfänger. Jeder Onliner kann Inhalte generieren und veröffentlichen. Diese Ansätze gab es im Web 1.0 allerdings auch. Das Usenet (ein elektronisches Netzwerk, das Diskussions-foren aller Art bereitstellt) ermöglicht seinen Teilnehmern, Themen zu diskutieren und sich über diese zu informieren. Laut WWW-Gründer Tim Berners-Lee war die Interaktivität von jeher Ziel des Internets: „Web 1.0 was all about connecting people. It was an interactive space, (…). If Web 2.0 for you is blogs and wikis, then that is people to people. But that was what the Web was supposed to be all along.“ 30
N Datenschutz im Web 2.0 ist ein besonders heikles und viel diskutiertes Thema. Internet-User geben auf Selbstdarstellungsplattformen sensible persönliche Daten über sich selbst preis. Nicht selten sind auf einem studiVZ-Steckbrief Telefon- und Handynummer, E-Mail-Adresse oder sogar die genaue Postanschrift angegeben. Dies birgt Gefahren, welche in Abschnitt 8 dieser Arbeit näher erläutert werden. Sehr kritisch gesehen wird in diesem Zusammenhang auch der Verkauf des studiVZ an die Holtzbrinck Verlagsgruppe. 31
27 Kaul: Web 2.0: Phantom oder Phänomen? Online verfügbar unter http://www.dw-world.de/dw/article/
0,2144,1790308,00.html [zuletzt geprüft am 11.11.2007].
28 Laningham: developerWorks Interviews: Tim Berners-Lee. Online verfügbar unter http://www-128.ibm.
com/developerworks/podcast/dwi/cm-int082206.txt [zuletzt geprüft am 11.11.2007].
29 Vgl. Fußnote 27.
30 Vgl. Fußnote 28.
31 Vgl. Abschnitt 5.2.2 in dieser Arbeit.
Selbstdarstellung im Web 2.0 und ihre möglichen Konsequenzen 16
2.3 Das Web 2.0 und seine Auswirkung auf die Selbstdarstellung
Selbstdarstellung ist ein wichtiger Bestandteil der Internetlandschaft und gehört mittlerweile zu unserem alltäglichen Leben. Der Internet-User 2.0 stellt seine Urlaubsfotos bei Flickr ins Netz, berichtet auf seinem Online-Tagebuch vom Besuch eines Dire Straits Konzertes am Vorabend und präsentiert seinen weitläufigen Freundeskreis im studiVZ oder auf MySpace.
Die Voraussetzungen zur Selbstinszenierung wurden nicht erst mit Web-2.0-Anwendungen geschaffen - sie wurden durch das Web 2.0 vielmehr modifiziert und modernisiert. Auch zu Zeiten des Web 1.0 hatte der Nutzer die Möglichkeit, sich selbst der Netzöffentlichkeit zu präsentieren. Für das Erstellen statischer Internetseiten waren jedoch meist spezielle Fachkenntnisse und ein hoher Zeitaufwand notwendig.
Der Unterschied zwischen Web 1.0 und Web 2.0 liegt unter anderem am vielfältigeren Angebot, der einfacheren Bedienbarkeit der Anwendungen, den verbesserten technischen Voraussetzungen beim Nutzer und den stark gesunkenen Internetkosten. Die technische Weiterentwicklung als Ursache für die veränderten Möglichkeiten zur Präsentation der eigenen Persönlichkeit im World Wide Web wird unter Abschnitt 4.2 dieser Arbeit ausführ- lich thematisiert.
Selbstdarstellung im Web 2.0 und ihre möglichen Konsequenzen 17
3. Plattformen der Selbstdarstellung im Web 2.0
Ein Bühnenschauspieler benötigt zur Inszenierung seiner Rolle die Theaterbühne. Auf ihr versucht er das Publikum von seiner Figur zu überzeugen. Der Zuschauer soll dem Schauspieler abnehmen, was er ihnen vorspielt. Der Selbstdarsteller im Internet verhält sich ähnlich einem Bühnenschauspieler. Er nutzt die Selbstdarstellungsplattformen des World Wide Web, um sich vor der Internetgemeinde selbst in Szene zu setzen. Die Figur, die er darstellt, kann seinem wahren Selbst, einem „Wunsch-Selbst“ oder einer ganz anderen Person entsprechen. 32
Selbstdarstellungsplattformen werden den Social-Software-Anwendungen zugeordnet. Dabei handelt es sich um einen relativ neuen Begriff für den derzeit noch keine einheitliche Definition existiert. Folgende zwei Definitionen erscheinen dem Verfasser dennoch geeignet den Begriff näher zu erläutern:
Social Software umfasst „diejenigen onlinebasierten Anwendungen (...), die das Informations, Identitäts- und Beziehungsmanagement in den (Teil-) Öffentlichkeiten hypertextueller 33 und sozialer Netzwerke unterstützen“. 34
Programme/Anwendungen, welche die Kommunikation oder den Austausch von selbst erstellten oder zumindest in irgendeiner Weise angereichten Inhalten zwischen den Usern zum Ziel haben. 35
Ein soziales Netzwerk ist
„das Geflecht aus Beziehungen, die ein Mensch hat, und - soweit vorhanden - die Beziehung der verschiedenen Bekannten dieses Menschen untereinander“. 36
Bei vielen Social-Software-Anwendungen ist es möglich, dieses Geflecht an Beziehungen online abzubilden (beispielsweise bei studiVZ, Xing oder den Lokalisten). Die Nutzungsmotive zur Selbstdarstellung im Internet sind vordergründig dem Identitäts- und Beziehungsmanagement zuzuordnen. Informationsmanagement spielt bei der Selbstinszenierung
32 Vgl. Abschnitt 2.1.4 in dieser Arbeit.
33 „Damit sind die Netzwerke gemeint, die durch Hyperlinks gebildet werden. Viele Angebote aus dem Be-
reich der Social Software stellen „Permalinks“ zur Verfügung, über die einzelne Texte (z.B. ein Weblo-geintrag) direkt addressiert werden können und nicht ganze Webseiten referenziert werden müssen“
Schmidt (2006), FN 2.
34 Schmidt (2006), S. 37.
35 Vgl. Alby (2007), S. 87f.
36 Klünder: Soziales Netzwerk und Konstellationen, Online verfügbar unter http://www.diss.fu-berlin.de/
2005/77/Kap09.pdf S. 74 [zuletzt geprüft am 11.11.2007].
Selbstdarstellung im Web 2.0 und ihre möglichen Konsequenzen 18
eine eher untergeordnete Rolle. 37 Eine der wichtigsten Eigenschaften sozialer Networking-Plattformen ist der Netzwerkeffekt. Demzufolge ist ein Angebot für einen User umso interessanter, je höher die Zahl seiner Teilnehmer ist. Auf der anderen Seite minimiert der Netzwerkeffekt die Gefahr der Positionierung erfolgreicher Konkurrenz-Anwendungen. 38
Auswahlmöglichkeiten an Selbstdarstellungsplattformen im Internet gibt es derzeit zu genüge. Die Erfolge dieser Dienste, beispielsweise von MySpace im nordamerikanischen Raum oder studiVZ in Deutschland, wecken Begehrlichkeiten bei den großen Medienunternehmen. So ist es nicht verwunderlich, dass Medienmogul Rupert Murdoch am 19. Juli 2005 den Kauf von MySpace für 580 Millionen Dollar verkündete. 39 Auch das studiVZ wechselte Anfang 2007 für einen Betrag zwischen 50 und 100 Millionen Dollar in den Besitz der Holtzbrinck Verlagsgruppe. 40 Bereits seit Ende 2006 hält die ProSiebenSat.1 Media AG jeweils 30 Prozent der Besitzanteile an der Videoplattform MyVideo 41 und der sozialen Networking-Site Lokalisten. 42 Der direkte Konkurrent RTL Television ging den umgekehrten Weg und gründete unter Führung der RTL Tochter Opal Beteiligungs GmbH ein eigenes Videoportal mit dem Namen Clipfish. 43
Der folgende Abschnitt stellt beispielhaft einige einschlägige Anwendungen aus dem Bereich der Social Software vor. Es ist kaum möglich zu allen Anbietern genaue und aktuelle Zahlenangaben zu recherchieren. Aufgrund des Konkurrenzdrucks auf diesem schnell wachsenden Markt werden Mitgliederzahlen oder Angaben über tägliche/wöchentliche Abrufe von Dateien auf Video-/Fotoportalen nur sehr spärlich, verspätet oder gar nicht veröffentlicht.
3.1 Social-Networking-Plattformen im engeren Sinn
Social-Networking-Plattformen im engeren Sinn sind Onlineportale, bei denen die User aktiv untereinander kommunizieren. Jeder User unterhält zu diesem Zweck ein eigenes Profil mit Angaben zur Person (Name, Alter, Hobbys, Interessen etc.). Freunde, Kommili-
37 Eineausführliche Besprechung der Nutzungskomponenten von Social-Software-Anwendungen findet in
Abschnitt 6 dieser Arbeit statt.
38 Vgl. Meyer-Lucht: Die Revolutionäre des Web 2.0. Online verfügbar unter http://www.cicero.de/97.php
?item=1665&ress_id=6 [zuletzt geprüft am 11.11.2007].
39 Vgl. Fußnote 38.
40 Vgl. Rühle: Kapitaler Freundeskreis. Online verfügbar unter http://www.sueddeutsche.de/,tt3m3/kultur/
artikel/98/97001/ [zuletzt geprüft am 11.11.2007].
41 Vgl. ProSiebenSat.1 Media AG (Pressemitteilung vom 04.09.2006).
42 Vgl. ProSiebenSat.1 Media AG (Pressemitteilung vom 17.10.2006).
43 Vgl. Schöneberg: Myvideo und Co.: Deutsche YouTube-Alternativen vorgestellt. Online verfügbar unter
http://www.netzwelt.de/news/74594-myvideo-und-co-deutsche-youtubealternativen.html [zuletzt geprüft
am 11.11.2007].
Selbstdarstellung im Web 2.0 und ihre möglichen Konsequenzen 19
tonen, Schüler und Geschäftspartner/Arbeitskollegen werden zudem über ein virtuelles Netzwerkgeflecht miteinander verbunden. So lässt sich problemlos erkennen, welcher User mit welchem über wie viel Ecken befreundet ist. Stanley Milgram untersuchte diesen Um-stand erstmals 1967 und fand heraus, dass „alle Menschen auf dem Erdball nur über sechs Ecken miteinander bekannt“ 44 sind. In einer Neuauflage dieses Experimentes bestätigten Wissenschaftler der Columbia University in New York dieses „Kleine-Welt-Phänomen“ 45 mittels zeitgemäßer Internet-Kommunikation. 60.000 Personen aus 116 Ländern schafften es per E-Mail die 18 ausgewählten Personen in 13 Staaten mit durchschnittlich sechs E-Mail-Weiterleitungen ausfindig zu machen. Eine generelle Verallgemeinerung dieser Theorie ist jedoch umstritten, da an dem Versuch nur Menschen mit einem E-Mail-Account und Internetzugang teilnehmen konnten. Über wie viele Ecken ein ecuadorianischer Bauer mit einem äthiopischen Waisenkind bekannt ist, lässt sich auch weiterhin nicht feststellen. 46
3.1.1 Berufliche Networking-Plattformen
Berufliche Networking-Sites sind die ertragreichsten Social-Networking-Plattformen. Der Nutzer ist viel eher bereit für zusätzliche Features Geld zu bezahlen, da sein eigenes Portemonnaie auf lange Sicht von gut gepflegten Geschäftskontakten profitieren wird. Bei dem deutschen Anbieter Xing besitzt ungefähr jeder Achte eine Premium-Mitgliedschaft. 47 Tabelle 1: Berufliche Networking-Plattformen (XING und myCorners) 48
44 Löfken: Jeder kennt jeden über sechs Ecken. Online verfügbar unter http://www.wissenschaft.de/wissen
schaft/news/225709.html [zuletzt geprüft am 11.11.2007].
46 Vgl. Fußnote 44.
47 Vgl. Ihlenfeld: OpenBC/Xing kann Umsatz deutlich steigern. Online verfügbar unter http://www.gole
m.de/0703/50883.html [zuletzt geprüft am 11.11.2007].
48 Vgl. Villwock (2007), S. 10.
49 Alle in Abschnitt 3 aufgeführten Startseiten von Social-Software-Anwendungen wurden letztmals am
11.11.2007 geprüft. Sofern keine anderen Quellen genannt sind, entstammen alle in den Tabellen gemach-
ten Angaben (Sprache, Ausrichtung etc.) den jeweiligen Internetauftritten der Anwendungen.
Selbstdarstellung im Web 2.0 und ihre möglichen Konsequenzen 20
Interessant wird es sicherlich mitzuverfolgen, wie sich der amerikanische Anbieter Linkedin in Deutschland verkaufen wird. Trotz lokaler Konkurrenten kündigte Linkedin-Marketingdirektor Konstantin Guericke einen Ausbau der Marktführerschaft in Ländern wie Deutschland oder Frankreich an. Im europäischen Raum ohne Deutschland hatte Linkedin gegenüber seinem deutschen Konkurrenten XING bereits Ende 2006 mehr als das zehnfache an Mitgliedern. 50
Tabelle 2: Berufliche Networking-Plattformen (Viadeo und Linkedin) 51
Die Plattformen unterscheiden sich meist lediglich im Layout voneinander. Sie bieten nahezu identische Grundfunktionen bei denen sich Xing und myCorners mit einer Online-Jobbörse noch etwas von der restlichen Konkurrenz abheben können.
3.1.2 Studentische Networking-Plattformen
Nach dem Erfolg von Facebook in Nordamerika positionierten zwei Studenten 2005 in Deutschland eine identische Networking-Plattform unter dem Namen studiVZ. 52 Die Ähnlichkeiten hinsichtlich Design und Aufbau sind derart frappierend, dass schon frühzeitig der Vorwurf des Plagiatismus laut wurde. 53 Die Popularität des studiVZ blieb davon unberührt, was der Verkauf der studentischen Kontaktplattform an die Holtzbrinck Verlagsgruppe bestätigt. Ein Jahr nach Gründung des studiVZ ging mit Unister und Studylounge identische Anwendungen online, welche jedoch bislang nicht in der Lage sind, studiVZ die Marktführerschaft streitig zu machen.
50 Vgl. Hage: "Open BC hat den Weg für uns bereitet". Online verfügbar unter http://www.manager-magaz
in.de/it/artikel/0,2828,453026,00.html [zuletzt geprüft am 11.11.2007].
51 Vgl. Villwock (2007), S. 10.
52 Vgl. Abschnitt 5.2.2 in dieser Arbeit.
53 Vgl. Meusers: Wir begrüßen Meinungsvielfalt. Online verfügbar unter http://www.spiegel.de/netzwelt/
web/0,1518,448444,00.html [zuletzt geprüft am 11.11.2007].
Selbstdarstellung im Web 2.0 und ihre möglichen Konsequenzen 21
Tabelle 3: Studentische Networking-Plattformen (studiVZ und Unister)
Tabelle 4: Studentische Networking-Plattformen (Studylounge und Facebook)
Das enorme Potential einer solchen Plattform zeigt sich beinahe standesgemäß im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. 2006 lehnte Facebook-Gründer Mark Zuckerberg eine Offerte des amerikanischen Großkonzerns Yahoo über knapp eine Milliarde Dollar ab. Das amerikanische Wirtschaftsmagazin „Business Week“ beziffert den Wert der studentische Networking-Site mittlerweile auf das Doppelte, und sollten sich die prognostizierten Zahlen wirklich bestätigen (eine Milliarde Dollar Umsatz bei 48 Millionen Mitglieder bis 2010), ist auch dieser Wert bald Makulatur. 58
3.1.3 Schulische Networking-Plattformen
Schulische Networking-Anwendungen gingen in Deutschland erst Anfang 2007 online. Da es folglich noch keine verlässlichen Angaben zu den Mitgliederzahlen geben kann, wäre eine tabellarische Übersicht, ähnlich der beruflichen, studentischen und privaten Kontakt-plattformen, wenig aussagekräftig.
54 studiVZ (Werbepräsentations-PDF September 2007), S.2.
55 o.V.: Großes Hochschulvoting - von Studenten für Studenten. Online verfügbar unter http://openpr.de/
[zuletzt geprüft am news/107077/Grosses-Hochschulvoting-von-Studenten-fuer-Studenten.html
11.11.2007].
56 Kunze: Digitale Türöffner für Geschäfte. Online verfügbar unter http://www.ksta.de/html/artikel/
1162473118029.shtml [zuletzt geprüft am 11.11.2007].
57 Pitzke: Milliarden für die Menschel-Maschine. Online verfügbar unter http://www.spiegel.de/wirtschaft/
0,1518,478808,00.html [zuletzt geprüft am 11.11.2007].
58 Vgl. Fußnote 57.
Selbstdarstellung im Web 2.0 und ihre möglichen Konsequenzen 22
Momentan buhlen folgende vier Anbieter um die Gunst der Schüler in Deutschland: N SchülerVZ (www.schuelervz.net) N SchülerRegister (www.schuelerrg.de) N Schüler Community-Center (www.schueler.cc) N SchülerProfile (www.schuelerprofile.de)
Im Gegensatz zu den übrigen Anwendungen ergeben sich für schulische Kontaktplattformen folgende drei Probleme:
N schwierige langfristige Kundenbindung: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein 35-jähriger Arbeitnehmer weiterhin Kontakte zu ehemaligen Kommilitonen über eine studentische Plattform unterhält, ist um ein Vielfaches größer, als dass derselbe Arbeitnehmer in diesem Alter noch immer eine schulisches Networking-Anwendung aktiv nutzt. Die im Rahmen dieser Diplomarbeit durchgeführte Umfrage bestätigt diese Annahme zumindest ansatzweise. 13 der 15 befragten studiVZ-Mitglieder können sich vorstellen, die Plattform nach ihrer Studienzeit weiter zu nutzen. 59
N mangelnde Erlösmodelle: „Der Onlinewerbemarkt für die Zielgruppe Schüler ist eher dürftig“, 60 so Stefan Klingbeil vom haefft-Verlag. Vor allem Banken und Versicherungen, welche über das Internet schnell und unkompliziert Geschäfte mit Usern abzuwickeln, haben keine Chance mit minderjährigen Schülern Geschäfte zu tätigen. 61
N Jugendschutz ist nur schwer zu gewährleisten: Minderjährige müssen vor Gewalt verherrlichenden, rassistischen und diffamierenden Inhalten geschützt werden. In einem Onlineportal sind dafür strenge Kontrollen erforderlich, welche wiederum einen hohen Personaleinsatz und somit steigende Kosten verursachen. 62
3.1.4 Private Networking-Plattformen
Private Networking-Plattformen haben höhere Mitgliederzahlen als solche Plattformen, die nur auf bestimmte Gruppen (wie Berufstätige oder Studierende) ausgerichtet sind. Zwei Zivildienstleistende aus Kassel/Bad Tölz, welche sich auf einem Lehrgang kennen gelernt haben, finden sich über Friendster möglicherweise ebenso wieder, wie ein Frankfurter Investmentbanker seine Biologie studierende Urlaubsbekanntschaft aus Hamburg.
59 Vgl. Abschnitt 6.1.1 in dieser Arbeit.
60 Steglich: Wie neue Communitys Schüler umgarnen. Online verfügbar unter http://www.spiegel.de/schul
spiegel/leben/0,1518,465477,00.html [zuletzt geprüft am 11.11.2007].
61 Vgl. Fußnote 60.
62 Vgl. Fußnote 60.
Selbstdarstellung im Web 2.0 und ihre möglichen Konsequenzen 23
Tabelle 5: Private Networking-Plattformen (MySpace und Friendster)
Tabelle 6: Private Networking-Plattformen (Lokalisten und FreundeVZ)
Private Netzwerke sind nicht auf einen bestimmten Lebensabschnitt limitiert und so ist eine weltweite Ausrichtung neben der Größe des Netzwerkes nach Meinung des Verfassers das ausschlaggebende Auswahlkriterium für die Nutzer. Schließlich geht es Nutzern bei privatem Networking nicht nur um die Abbildung und Pflege des bereits bestehenden Freundeskreises sondern auch darum neue und interessante Menschen aus aller Welt kennen zu lernen. Der deutsche Medienmanagement-Student kann sich auf MySpace ebenso mit einem finnischen Elektroingenieur über das neueste Musikalbum der Red Hot Chili Peppers austauschen, wie eine angehende Abiturientin mit einer amerikanischen Hausfrau über das Für und Wider eines dritten Teils von „Bridget Jones: Schokolade zum Frühstück“.
3.2 Weitere Social-Software-Anwendungen
Die im Folgenden aufgeführten Social-Software-Anwendungen werden von den Nutzern zwar vielfach zu Selbstdarstellungszwecken verwendet, jedoch steht die Selbstinszenierung bei diesen Plattformen nicht zwingend im Vordergrund. Sie ist vielmehr ein Teilaspekt ei-
63 „AboutUs“ Rubrik unter www.friendster.com [zuletzt geprüft am 11.11.2007].
64 Meyer-Lucht: Die Revolutionäre des Web 2.0. Online verfügbar unter http://www.cicero.de/97.php
?item=1665&ress_id=6 [zuletzt geprüft am 11.11.2007].
65 „Presse/Zahlen & Fakten“ unter www.lokalisten.de [zuletzt geprüft am 11.11.2007].
Selbstdarstellung im Web 2.0 und ihre möglichen Konsequenzen 24
ner ganzen Reihe vielfältiger Nutzungsmöglichkeiten. Selbstgefilmte Konzertmitschnitte können auf einer Videoplattform ebenso der Netzöffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden, wie die neuesten Urlaubsbilder auf einer Fotoplattform oder die Erfahrungen eines Auslandssemesters auf einem persönlichen Online-Tagebuch. Da das Format Weblog Un-tersuchungsgegenstand dieser Diplomarbeit ist, soll an dieser Stelle lediglich darauf hingewiesen werden, dass Weblogs eine Art Sonderstellung innerhalb der Social Software innehaben. Sie sind hinsichtlich Gestaltung und Inhalt weitestgehend frei und zudem teilweise in andere Social-Networking-Plattformen (z.B. MySpace) eingebunden. Eine ausführliche Beschreibung dieses Formats findet in Abschnitt 5.2.1 dieser Arbeit statt.
3.2.1 Videoplattformen
Der Suchmaschinenanbieter Google sorgte im Oktober 2006 mit dem Kauf von YouTube für Furore. 1,56 Milliarden Dollar ließ sich der amerikanische Großkonzern sein Vorhaben, „aus YouTube die werbefinanzierte Universalbibliothek des Internets zu machen“, 66 kosten.
Tabelle 7: Videoplattformen (YouTube und Sevenload)
Der Kauf könnte sich für Google jedoch schon bald zu einem wahren Alptraum entpuppen. Urheberrechtsverletzungen wurden von den YouTube-Verantwortlichen bisher stets auf die User abgewälzt. Da mit Google nun der finanzstarke Suchmaschinenanbieter an der Spitze der Videoplattform steht, droht dem Unternehmen eine nicht unerhebliche Klagewelle. Um dem Vorzubeugen strich YouTube Ende Oktober vergangenen Jahres bereits
66 Meyer-Lucht: Die Revolutionäre des Web 2.0. Online verfügbar unter http://www.cicero.de/97.php
?item=1665&ress_id=6 [zuletzt geprüft am 11.11.2007].
67 Ihlenfeld: Deutsche Video-Communitys bringen sich ins Gespräch. Online verfügbar unter
http://www.golem.de/0610/48303.html [zuletzt geprüft am 11.11.2007].
68 Vgl. Fußnote 67.
69 Vgl. Fußnote 66.
Selbstdarstellung im Web 2.0 und ihre möglichen Konsequenzen 25
30.000 Videos aus seinem Angebot. 70 Dies dürfte jedoch erst der Anfang gewesen sein. Inwieweit sich die Probleme hinsichtlich Persönlichkeits- und Urheberrechtsverletzungen auf den Erfolg der gesamten Branche auswirken, ist bisweilen noch nicht abzusehen. Tabelle 8: Videoplattformen (MyVideo und Zeec)
Kriterien der Nutzer bei der Auswahl einer Videoplattform sind beispielsweise das vorhandene Video-Angebot (Netzwerkeffekt) oder Art und Umfang der Zusatzfeatures. Bei Zeec hat der User beispielsweise die Möglichkeit Podcasts selbst zu erstellen oder Videos und Fotos bequem per Handy ins Internet zu stellen.
3.2.2 Fotoplattformen
Die Anbieter von Fotoplattformen sehen sich nach Meinung des Verfassers einer verschärften Konkurrenzsituation ausgesetzt. Egal ob Weblog, studentische oder private Net-working-Site, bei jeder dieser Anwendungen kann der Nutzer Bilder online veröffentlichen. Flickr & Co. müssen sich daher nicht nur der Konkurrenz aus dem „eigenen“ Lager stellen, sondern sich zudem gegenüber anderen Social-Software-Anwendungen behaupten. Innovative Zusatzfeatures ermöglichen es dem Anbieter jedoch auch auf diesem Markt, sich von der Konkurrenz abzuheben. Mitglieder von Flickr können beispielsweise Bilder direkt vom Handy ins Netz hochladen und bei View werden die schönsten Bilder sogar im gleichnamigen monatlichen General-Interest-Magazin aus der Stern-Familie veröffentlicht. So gibt das Printmagazin bislang unbekannte Fotografen die Chance, ihre Werke einer breiten und interessierten Leserschaft vorzustellen.
70 Vgl. Patalong: Ordnung ist der halbe Tod. Online verfügbar unter http://www.spiegel.de/netzwelt/web/
0,1518,445462,00.html [zuletzt geprüft am 11.11.2007].
71 MyVideo Broadband S.R.L. (Pressemitteilung vom 27.11.2006).
72 Ihlenfeld: Deutsche Video-Communitys bringen sich ins Gespräch. Online verfügbar unter
http://www.golem.de/0610/48303.html [zuletzt geprüft am 11.11.2007].
Selbstdarstellung im Web 2.0 und ihre möglichen Konsequenzen 26
Tabelle 9: Fotoplattformen (Flickr und View)
Tabelle 10: Fotoplattformen (23)
3.2.3 Social Bookmarking
Social Bookmarking ist eine spezielle Form von Social Software. Es steht weder der User selbst noch ein selbst geschaffener Inhalt (Foto/Video/Text) im Vordergrund. Es werden vielmehr Internetseiten bzw. -artikel mit einem virtuellen Lesezeichen versehen. Liest ein User beispielsweise einen Artikel über eine Verletzung des deutschen Fußballnationalmannschaftskapitäns Michael Ballack beim FC Chelsea, könnte er diesen Artikel mit Schlagwörtern wie „Verletzung“, „Ballack“ oder auch „FC Chelsea“ versehen. Diese Schlagwörter - auch Tags genannt - sind, sofern vom User gewollt, jedem im Netz frei zugänglich. Ist ein anderer User auf der Suche nach Informationen über Michael Ballack, würde dieser den genannten Artikel, zusammen mit anderen getaggten Webseiten anderer Nutzer, vorgeschlagen bekommen.
73 o.V.: Flickr lernt Deutsch und Spanisch und Italienisch… Online verfügbar unter http://foerderland.de/
419+M54855a27ce8.0.html [zuletzt geprüft am 11.11.2007].
74 Hochhuth: Fotos 2.0: Die Foto-Community von stern.de. Online verfügbar unter http://www.idemo
kratie.de/?p=178 [zuletzt geprüft am 11.11.2007].
75 Vgl. Fußnote 73.
Selbstdarstellung im Web 2.0 und ihre möglichen Konsequenzen 27
Anders als bei den bisher genannten Social-Software-Anwendungen gibt der Nutzer einer Social-Bookmarking-Anwendung keine persönlichen Informationen preis. Lediglich die getaggten Artikel lassen einen Rückschluss auf die Interessen des einzelnen Users zu. Die bekannteste Social-Bookmarking-Anwendung ist Del.icio.us und startete Ende 2003. Zwei Jahre später kaufte Yahoo die „Online-Lesezeichensammlung“ für 30 Millionen Dollar. 76 Del.icio.us ist kostenlos und hatte im Herbst 2006 seinen millionsten Nutzer. 77
76 Vgl. Franzmann (2006), S. 30.
77 Vgl. sid0074u: Del.icio.us - Now Serving: 1,000,000 Online verfügbar unter http://itools.wordpress.com/
2006/09/26/delicious-now-serving-1000000/ [zuletzt geprüft am 11.11.2007].
Selbstdarstellung im Web 2.0 und ihre möglichen Konsequenzen 28
4. Internetnutzung in Deutschland
4.1 Aktuelle Statistiken zur Internet- und Web-2.0-Nutzung in
Deutschland
4.1.1 Soziodemographische Merkmale
Nach der ARD/ZDF-Online-Studie 2007 waren im März/April dieses Jahres 40,8 Millionen Menschen 78 über 14 Jahre in Deutschland gelegentlich 79 im Internet. Dies entspricht einer Steigerung gegenüber dem Vorjahr um gut fünf Prozent. 80
Tabelle 11 in dieser Arbeit zeigt zwei signifikante Trends hinsichtlich der Entwicklung der Onlinenutzung in Deutschland. Zum einen wird die Kluft zwischen Frauen und Männern kleiner und zum anderen entdecken immer mehr ältere Menschen das World Wide Web für sich. 1999 waren nahezu doppelt so viele Männer wie Frauen im Internet. Acht Jahre später sind es nur noch zehn Prozent - Tendenz weiter fallend.
Tabelle 11: Entwicklung der Onlinenutzung in Deutschland 1997 bis 2007 (Anteil in %)
Basis: Onlinenutzer ab 14 Jahre in Deutschland.
Quelle: van Eimeren/Frees (2007), S. 364.
78 Vgl. Anhang III, Tabelle 24.
79 Der Begriff „gelegentlich“ wird in der Studie nicht näher erläutert. Jedoch führte die ARD/ZDF parallel
eine weitere Befragung durch, bei der nach der Onlinenutzung innerhalb der letzten vier Wochen gefragt
wurde. Beide Kennwerte unterscheiden sich nur geringfügig voneinander.
80 Vgl. Fußnote 78.
Selbstdarstellung im Web 2.0 und ihre möglichen Konsequenzen 29
Bei den Menschen über 60 ist der Zuwachs noch ausgeprägter. Den 800.000 älteren Web-Nutzern zur Jahrtausendwende stehen 2007 schon mehr also fünf Millionen gegenüber -Tendenz weiter steigend. 81
Vergleicht man die gesamte Entwicklung der Onlinenutzung in % in Deutschland von 1997 bis 2007, so fällt auf, dass die Zuwächse gegenüber dem jeweiligen Vorjahr in den letzten vier Jahren deutlich geringer wurden. Dies liegt an der weitestgehenden Ausschöpfung einiger als besonders internetaffin geltenden Zielgruppen. Zu ihnen gehören jüngere und formal hoch gebildete Personen. Ein Wachstum findet daher überwiegend in „Schwellen- und Randgruppen“ statt (beispielsweise bei den Senioren). 82 Abbildung 3: Onlinenutzung und Nutzung von Web-2.0-Anwendungen
Quelle: Haas/Trump/Gerhards/Klingler (2007), S. 216.
Abbildung 3 in dieser Arbeit zeigt den Anteil der Web-2.0-Nutzer an der Gesamtbevölkerung aus dem Vorjahr. Demnach nutzten zwölf Prozent aller Menschen ab 14 Jahre in Deutschland mindestens einmal pro Woche Web-2.0-Anwendungen. Dies entspricht ungefähr 7,5 Millionen Menschen. Die Zahl der Nutzer von Web-2.0-Anwendungen dürfte 2007 deutlich höher liegen, da allein die Networking-Site studiVZ im Zeitraum von März
81 Vgl. Anhang III, Tabelle 24.
82 Vgl. van Eimeren/Frees (2006), S. 403.
Selbstdarstellung im Web 2.0 und ihre möglichen Konsequenzen 30
2006 bis März 2007 ein Mitgliederwachstum von 1,8 Millionen neuen Usern 83 verzeichnen konnte. 84
Folgende soziodemographische Abweichungen bestehen zwischen einem Web-2.0-Nutzer und einem durchschnittlichen Onliner: 85
N Der Männer-Anteil bei Web-2.0-Anwendern liegt fast 25 Prozent über dem Männer-Anteil bei durchschnittlichen Onlinenutzern.
N Der Anteil der 14- bis 29-jährigen Web-2.0-Nutzer ist im Vergleich zu den gleichaltrigen durchschnittlichen Onlinenutzern um fast 60 Prozent höher. N Der Anteil der formal hoch gebildeten Web-2.0-Nutzer (Abitur/Studium) ist im Vergleich zu den durchschnittlichen Onlinenutzern um gut 80 Prozent höher.
4.1.2 Aufgerufene Inhalte und Onlineanwendungen
Signifikante Veränderungen im Nutzungsverhalten der Onlinenutzer ab 14 Jahre in Deutschland sind gegenüber dem Vorjahr nicht zu erkennen. 86
Tabelle 12: Onlineanwendungen (mindestens einmal wöchentlich, in %) 1999 bis 2006
Basis: Onlinenutzer ab 14 Jahre in Deutschland.
Quelle: van Eimeren/Frees (2007), S. 370, van Eimeren/Frees (2006), S. 408.
83 studiVZ (Werbepräsentations-PDF September 2007), S.2.
84 Die Untersuchungen zur ARD/ZDF-Online-Studie wurden 2006 und 2007 jeweils im Zeitraum von Ende
März bis Ende April durchgeführt.
85 Vgl. Haas/Trump/Gerhards/Klingler (2007), S. 216.
86 Vgl. Tabelle 12 in dieser Arbeit.
Selbstdarstellung im Web 2.0 und ihre möglichen Konsequenzen 31
Lediglich die zielgerichtete Suche nach bestimmten Angeboten im Internet nahm im gleichen Maße zu (sieben Prozentpunkte) wie zielloses Surfen abnahm. Die Kommunikation steht dagegen auch 2007 an erster Stelle, wenn es um die Art der Nutzung des Internets geht. Vier von fünf Internet-Usern schreiben mindestens einmal wöchentlich E-Mails und jeder Fünfte tummelt sich regelmäßig in Gesprächsforen, Newsgroups oder Chats. Des Weiteren nutzen 18 Prozent das Internet für Onlineauktionen und Versteigerungen. Bei 40,8 Millionen Internetnutzern 87 in Deutschland in diesem Jahr sind dies mehr als sieben Millionen Personen.
Wikipedia und Videoportale sind die mit Abstand begehrtesten Web-2.0-Angebote. 88 Sie werden von der Hälfte bzw. einem Drittel aller Onliner ab 14 Jahre in Deutschland zumindest selten genutzt. Fotogalerien, private und berufliche Netzwerke sowie Weblogs folgen mit einer Nutzung zwischen zehn und 15 Prozent. Anwendungen wie beispielsweise Del.icio.us und Second Life spielen momentan eine eher untergeordnete Rolle. Tabelle 13: Genutzte Web-2.0-Angebote 2006 und 2007 (mindestens selten genutzt, in %)
* 2006 nicht gefragt
Basis: Onlinenutzer ab 14 Jahre in Deutschland.
Quelle: Gscheidle/Fisch (2007), S. 400.
Wikipedia wurde bereits 2006 von jedem dritten Onliner zumindest selten genutzt. Die Diskrepanz zu dem Ergebnis aus Abbildung 3 (Seite 29) dieser Arbeit, nach der nur jeder fünfte Onliner im Vorjahr Web-2.0-Anwendungen genutzt hat (zwölf Prozent Web-2.0-Nutzung bei 59 Prozent Onlinenutzung), liegt in der abgefragten Nutzungshäufigkeit begründet. Tabelle 13 in dieser Arbeit beinhaltet auch die seltene Nutzung von Web-2.0-Anwendungen (weniger als wöchentlich), wohingegen in Abbildung 3 nur Web-2.0-Anwendungen mit mindestens wöchentlicher Nutzung enthalten sind.
87 Vgl. Anhang III, Tabelle 24.
88 Vgl. Tabelle 13 in dieser Arbeit.
Selbstdarstellung im Web 2.0 und ihre möglichen Konsequenzen 32
Web-2.0-Anwendungen werden von den Onlinern größtenteils wöchentlich oder sogar noch seltener genutzt. 89 Die tägliche Nutzung von Videoportalen und Wikipedia ist mit drei Prozent eher gering.
Tabelle 14: Nutzungshäufigkeit ausgewählter Web-2.0-Angebote 2007 (in %)
Basis: Onlinenutzer ab 14 Jahre in Deutschland.
Quelle: Gscheidle/Fisch (2007), S. 400.
Die aktive Nutzung/Mitgestaltung diverser Web-2.0-Angebote ist bei Fotogalerien und Weblogs am höchsten. 90 Jeder zweite Flickr-User sowie jeder dritte Blogger stellt sowohl eigene Inhalte im Netz zur Verfügung und ruft zudem auch Informationen ab. Videoportale und Wikipedia wird von den Onlinern fast ausschließlich zum Abrufen von Informationen genutzt.
Abbildung 4: Art der Nutzung von Web-2.0-Angeboten 2007 (in %)
Basis: Onlinenutzer ab 14 Jahre in Deutschland.
Quelle: Gscheidle/Fisch (2007), S. 401.
89 Vgl. Tabelle 14 in dieser Arbeit.
90 Vgl. Abbildung 4 in dieser Arbeit.
Selbstdarstellung im Web 2.0 und ihre möglichen Konsequenzen 33
Das Interesse, eigene Beiträge zu verfassen und ins Internet zu stellen ist gegenüber dem Vorjahr leicht gestiegen. 91 Mittlerweile ist nahezu jeder Dritte zumindest etwas daran interessiert. Im Vorjahr war es lediglich jeder Vierte.
Tabelle 15: Interesse an der Möglichkeit, aktiv Beiträge zu verfassen und ins Internet zu stellen
(in %)
Basis: Onlinenutzer ab 14 Jahre in Deutschland.
Quelle: Gscheidle/Fisch (2007), S. 399.
4.1.3 Verweildauer der Nutzer im Internet
Im Schnitt verbringt ein Onliner in Deutschland zwei Stunden pro Tag im World Wide Web. 92 Die durchschnittliche tägliche Verweildauer bei der Onlinenutzung blieb damit auch im fünften Jahr nacheinander nahezu unverändert. Unterschiede gibt es jedoch altersals auch geschlechtsspezifisch. Frauen verbringen pro Tag eine halbe Stunde weniger im Netz als Männer und Jugendliche verbringen nahezu doppelt soviel Zeit im Internet als Senioren.
Tabelle 16: Durchschnittliche Verweildauer im Internet (in Min./Tag) 2002 bis 2006
Basis: Onlinenutzer ab 14 Jahre in Deutschland.
Quelle: van Eimeren/Frees (2007), S. 376.
4.2 Web 1.0 vs. Web 2.0 - Technische Weiterentwicklung erleichtert die
Selbstdarstellung im Internet
Die Popularität von Web-2.0-Anwendungen in Deutschland ist in den letzten Jahren über-proportional gestiegen. Die studentische Selbstdarstellungsplattform studiVZ konnte ihre Mitgliederzahl in der Zeit von März 2006 bis September 2007 exponentiell von 3.000 auf
91 Vgl. Tabelle 15 in dieser Arbeit.
92 Vgl. Tabelle 16 in dieser Arbeit.
Selbstdarstellung im Web 2.0 und ihre möglichen Konsequenzen 34
3,2 Millionen Mitglieder steigern. 93 Auch die Anzahl Weblogs in Deutschland stieg innerhalb eines Jahres von 150.000 (Juli 2005) auf geschätzte 250.000 bis 350.000 (Juli 2006). 94 Mit ausschlaggebend für diesen Boom sind die technischen Veränderungen im Umfeld des Internets.
4.2.1 Einfache Bedienbarkeit der Selbstdarstellungswerkzeuge
Programmierkenntnisse waren um die Jahrtausendwende Voraussetzung für die Selbstinszenierung im World Wide Web. Selbst einfachste statische Webseiten entstanden meist nur unter beträchtlichem Zeitaufwand in Verbindung mit HTML 95 -Grundkenntnissen oder Hilfsprogrammen wie Dreamweaver.
Heutzutage kann sich ein User innerhalb weniger Minuten einen Account bei den Lokalisten einrichten, seinen eigenen Steckbrief inklusive Foto und Hobbys erstellen und nach Freunden aus der Umgebung stöbern. Spezielle Kenntnisse sind nicht von Nöten, da der Anwender seine persönlichen Daten in ein vorgefertigtes Profil einträgt.
4.2.2 Verbesserte technische Voraussetzungen beim User selbst
Ein schneller und kostengünstiger Internetzugang ist Voraussetzung für viele Web-2.0-Anwendungen. Nahezu zwei Drittel aller Internetnutzer verfügen mittlerweile über einen Breitbandanschluss/DSL. 96
Tabelle 17: Internetzugang von 2003 bis 2007 (in %)
Basis: Onlinenutzer ab 14 Jahre in Deutschland.
Quelle: Gscheidle/Fisch (2007), S. 394.
Selbst das Hochladen eines 120 MB Videos auf YouTube dauert heutzutage kaum noch länger als ein paar Minuten. Zu Zeiten, in denen die meisten User noch mittels eines ISDN-Modems ins Internet gelangten, wäre dies allein aus zeitlichen Gründen kaum zumutbar gewesen.
93 Vgl. studiVZ (Werbepräsentations-PDF September 2007), S.2.
94 Vgl. Franzmann (2006), S. 10.
95 Hypertext Mark Language ist eine Auszeichnungssprache zur Darstellung von Inhalten im Internet.
96 Vgl. Tabelle 17 in dieser Arbeit.
Selbstdarstellung im Web 2.0 und ihre möglichen Konsequenzen 35
4.2.3 Vielfältiges Angebot an Selbstdarstellungsplattformen
Interessenten einer beruflichen Networking-Plattform in Deutschland mussten sich 2004 entweder einen Account bei Xing (damals noch OpenBC) zulegen oder ganz auf berufliches Networking verzichten. Drei Jahre später hat sich die Situation auf der Anbieterseite grundlegend geändert. myCorners und Viadeo sind ebenso auf dem deutschen Markt tätig wie der amerikanische Anbieter Linkedin. Der Interessent kann somit aus einem breit gefächerten Angebot auswählen.
4.2.4 Sinkende Internet-Nutzungskosten
Die monatlichen Kosten für eine Online-Stunde pro Tag sind im Zeitraum von 1996 bis 2006 um nahezu 90 Prozent gefallen. 1996 zahlte ein Internet-User für seine tägliche Onli-ne-Stunde noch 180 Euro im Monat. Zehn Jahre später betrugen die monatlichen Kosten nur noch 20 Euro. 97 Mitverantwortlich für die signifikanten Kosteneinsparungen auf Seiten der User sind die preisgünstigen Flatrate-Angebote vieler Provider. Mehr als zwei Drittel aller Onliner surfen heutzutage mit einer Flatrate im Internet. 98 Tabelle 18: Abrechnungsarten der Onlineverbindung 2005 bis 2007 (in %)
Basis: Onlinenutzer ab 14 Jahre in Deutschland.
Quelle: Gscheidle/Fisch (2007), S. 395.
97 Vgl. Alby (2007), Abbildung 1.3, S. 7.
98 Vgl. Tabelle 18 in dieser Arbeit.
Selbstdarstellung im Web 2.0 und ihre möglichen Konsequenzen 36
5. Weblogs und studiVZ als Varianten studentischer Selbstdarstellung im Web 2.0
5.1 Methode
Um die Nutzungsmotive studentischer Selbstdarsteller und deren Bewusstsein für mögliche Konsequenzen zu ermitteln, wurden leitfadengestützte Interviews mit studiVZ- und Weblognutzern durchgeführt. Da weder ein Gesamtverzeichnis aller Weblogs noch eine frei verfügbare Liste aller Mitglieder des studiVZ vorliegt, geschah die Auswahl der Befragungsteilnehmer in einem mehrstufigen Prozess: Zuerst wurden Anfang Juli 2007 jeweils fünf befreundete - und im Sommer 2007 an einer deutschen Hochschule als Studenten eingeschriebene - Weblog-Autoren und studiVZ-Nutzer vom Verfasser per E-Mail angeschrieben und gebeten an einer Umfrage teilzunehmen. Zusätzlich sollten diese den Fragebogen an zwei weitere Nutzer sowie an einen „Verweigerer“ der jeweiligen Anwendung weiterleiten. Die Zielpersonen zeigten sich durchweg kooperativ. Im Rahmen dieser Diplomarbeit wurden somit insgesamt je 15 Weblog-Autoren und studiVZ-Nutzer sowie je fünf Weblog- und „studiVZ-Verweigerer“ befragt.
Die Fragebögen enthielten überwiegend offene Fragen und liegen dieser Arbeit im Anhang bei. 99 Die Antworten der Befragten wurden vom Autor durchgearbeitet, nach eigenem Ermessen gewichtet und in die vorliegende Arbeit eingearbeitet. Die Auswertung erfolgte ohne Zuhilfenahme von Analyse-Programmen wie SPSS.
Ergebnis-Verzerrungen sind aufgrund der selektiven Auswahl der Befragten nicht auszuschließen. Um dem teilweise entgegenzuwirken, achtete der Verfasser darauf, dass sich die von ihm ausgewählten fünf studiVZ-Nutzer und Weblog-Autoren untereinander nicht kennen und sich sowohl hinsichtlich Studienort und -richtung unterscheiden. Die vom Autor ausgewählten Nutzer erhielten diese Vorgaben ihrerseits für die Weitergabe der Fragebögen. Eine Überwachung seitens des Verfassers war nicht möglich. Eine Abfrage soziodemographischer Merkmale fand im Rahmen dieser Untersuchung nicht statt. Nach Meinung des Autors sind diese bei einer kleinen Grundgesamtheit von insgesamt 40 Befragten wenig bis gar nicht aussagekräftig.
99 Vgl. Anhang IV. Die ausgefüllten Fragebögen der 40 befragten Studenten liegen der gedruckten Version
dieser Arbeit aus Platzgründen nicht bei. Sie können jedoch bei Interesse beim Verfasser angefordert wer-
den. Der PDF-Version dieser Arbeit werden die Fragebögen angehängt sein.
Selbstdarstellung im Web 2.0 und ihre möglichen Konsequenzen 37
Aus Gründen der verbesserten Lesbarkeit sind die Interviews fortlaufend durchnummeriert. Die Befragten #1 bis #15 sind studiVZ-Nutzer, #16 bis #20 sind „studiVZ-Verweigerer“, #21 bis #35 sind Weblog-Autoren und #36 bis #40 sind „Weblog-Verweigerer“. Zudem verwendet der Autor die männliche Form als geschlechtsübergreifende Bezeichnung für die befragten Studenten. Des Weiteren wurden die Interviews lediglich hinsichtlich ihrer Form vom Verfasser redigiert. Orthographie und Interpunktion blieben sowohl in den zurückgesendeten Fragebögen als auch in den Zitaten dieser Arbeit unverändert.
Bei der Auswertung der Fragebögen stellte sich heraus, dass je ein studiVZ-Nutzer (#10) und ein Blogger (#32) bereits im Berufsleben stehen. Da beide im Sommer 2007 noch an einer deutschen Hochschule immatrikuliert waren, entschied sich der Verfasser ihre Ant-worten in die Arbeit einfließen zu lassen. Gleiches gilt für einen Blogger (#24), welcher sein Studium erst zum Wintersemester 2007/2008 aufnehmen wird. Ein „Weblog-Verweigerer“ (#38) absolviert ein Studium an einer Berufsakademie. Ferner wurden vereinzelt Fragen von den Nutzern falsch interpretiert oder erschienen nach der Auswertung als zu wenig aussagekräftig. Frage 14 und 26 des studiVZ-Fragebogens sowie Frage 13 des Weblog-Fragebogens fließen demzufolge nicht in diese Diplomarbeit ein. Frage 24 und 25 des studiVZ-Fragebogens liefern identische Ergebnisse und werden fortan als eine Frage gesehen.
Zur Ermittlung der einzelnen Ausprägungen der Handlungskomponenten Identitäts-, Beziehungs- und Informationsmanagement bei Weblogs und studiVZ wurden ausschließlich die ausgewerteten Ergebnisse der studentischen Befragungsteilnehmer herangezogen. Sie geben ausreichend Aufschluss über die studentische Nutzungsweise dieser beiden Social-Software-Anwendungen. Bei der Beurteilung möglicher Konsequenzen aus der Nutzung von Social-Software-Anwendungen beschränkte sich der Verfasser weder auf bestimmte Anwendungen noch auf die alleinige Heranziehung der Befragungsergebnisse. Als Quellen der Informationsbeschaffung dienten vielmehr Forschungsberichte, Artikel in Fachzeitschriften, Diskussionen in Weblogs und Foren, sowie eigene Erfahrungen des Autors mit einigen Werkzeugen der Selbstdarstellung. Die Ergebnisse aus den Fragebögen zeigen an einigen Stellen, inwieweit studentische Nutzer die Gefahren solcher Anwendungen wahr- nehmen und wie sie diese beurteilen.
Selbstdarstellung im Web 2.0 und ihre möglichen Konsequenzen 38
5.2 Beschreibung der Untersuchungsgegenstände 5.2.1 Weblogs - Tagebücher im World Wide Web
Bei Weblogs handelt es sich um
„Webseiten, auf denen Beiträge (meistens Texte und Bilder, in wachsendem Maße aber auch andere multi-mediale Inhalte wie Ton- oder Videodokumente) rückwärts chronologisch ange-ordnet werden. Jeder Eintrag ist über eine spezifische URL einzeln adressierbar und kann von anderen Nutzern kommentiert werden. Durch wechselseitige Verweise auf andere Online-Quellen und Weblogs entsteht ein dichtes Netzwerk von Informationen und verteilten Konversationen.“ 100
Der Begriff selbst setzt sich aus Web (Kurzform von World Wide Web) und Log (abgeleitet von Logbuch) zusammen und wurde erstmals 1997 von dem Amerikaner Jorn Barger verwendet. 101
Die wichtigsten Eigenschaften von Blogs lauten wie folgt: 102
N Weblogs lassen sich schnell aktualisieren. N Weblogs werden von ihren Usern meist gut gepflegt.
N Einträge auf einem Weblog sind in chronologischer Reihenfolge angeordnet, beginnend mit dem aktuellsten Beitrag am Anfang der Seite.
N Weblogs sind interaktiv ausgelegt. Die Möglichkeit, Einträge zu kommentieren und diskutieren, ist ein wichtiger Bestandteil.
N Jeder Beitrag enthält den Namen (oder Pseudonym) des Autors und Zeitpunkt der Veröffentlichung.
N Weblogs sind sehr technikaffin. Neue Einträge können automatisch mit Schlagwörtern (Tags) versehen und mittels RSS-Feeds 103 von den Lesern per E-Mail abonniert werden.
N Jeder Beitrag eines Weblogs erhält eine dauerhafte Verlinkung (Permalink 104 ).
N Themenähnliche Blogs weisen untereinander eine hohe Vernetzung auf.
100 Schmidt (2006), S. 38.
101 Vgl. Alby (2007), S. 21.
102 Vgl. Franzmann (2006), S. 11f.
103 Ein Real Simple Syndication-Feed ist „ein Dokument, das Inhalte in einem bestimmten Format (meistens
XML) beinhaltet, damit es von anderen Seiten oder Applikationen genutzt werden kann. Blogs bieten in
der Regel ein Feed an, in dem ein Ausschnitt oder gar ganze Beiträge des Blogs enthalten sind, zusammen
mit dem Publikationsdatum und den jeweiligen Permalinks.“ Alby (2007), S. 210.
104 „Ein Link zu einem einzelnen Eintrag in einem Blog, der auch dann noch funktioniert, wenn der Eintrag
von der Blog-Homepage verschwindet oder archiviert ist.“ Alby (2007), S. 214.
Selbstdarstellung im Web 2.0 und ihre möglichen Konsequenzen 39
N Weblogs sind multimedial. Inhalte anderer Social-Software-Anwendungen (Bilder-und Videodienste) können eingebunden werden.
N Weblogs sind größtenteils standardisiert, können jedoch mittels entsprechender Programmierkenntnisse auch frei gestaltet werden.
Die amerikanische Weblog-Suchmaschine Technorati verzeichnete am 11.11.2007 111,6 Millionen registrierte Weblogs. 105 Im Juli 2006 waren es mit 47,2 Millionen registrierten Weblogs noch weit weniger als die Hälfte. 106 Wie viele davon genau auf Deutschland entfallen ist nicht genau bekannt. Die Schätzungen schwanken zwischen 250.000 bis 350.000 in Deutschland (Juli 2006) 107 und 400.000 bis 500.000 Weblogs im deutschsprachigen Raum (September 2006). 108
Der große Vorteil von Weblogs ist ihre einfache und unkomplizierte Handhabung. Ein Blogger benötigt für sein Online-Tagebuch keine besonderen Programmierkenntnisse, sondern lediglich einen Computer mit Internetzugang sowie einen Webbrowser. Auch inhaltlich gibt es keinerlei Einschränkungen. Das Einsatzfeld eines Online-Tagebuchs ist breit gefächert und kann wie folgt variieren: N „Weblogs als persönliche Online-Tagebücher,
N Weblogs als Medien der (internen wie externen) Organisationskommunikation, N Weblogs als (quasi-)journalistische Publikation oder N Weblogs als Medien der Expertenkommunikation und des persönlichen Wissensmanagements“ 109
Aufgrund der Themenstellung sind die drei letztgenannten Einsatzfelder nicht Bestandteil dieser Untersuchung. Die Diplomarbeit befasst sich ausschließlich mit Weblogs im Sinne persönlicher Online-Tagebücher. Erlebnisse und Gedanken rund um die eigene Person und deren Umwelt stehen im Vordergrund. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Online-Journal nur vorübergehend geführt wird (beispielsweise während eines Auslandssemesters) oder eine dauerhafte Institution im Leben des Studenten ist.
105 „About Us“ Rubrik unter www.technorati.com [zuletzt geprüft am 11.11.2007].
106 Vgl. Franzmann (2006), S. 10.
107 Vgl. Fußnote 106.
108 Schmidt: Doch eine Million deutsche Blogs? Online verfügbar unter http://www.bamberg-gewinnt.de/
wordpress/archives/548 [zuletzt geprüft am 11.11.2007].
109 Schmidt/Schöneberger/Stegbauer (2005), S. 2.
Selbstdarstellung im Web 2.0 und ihre möglichen Konsequenzen 40
Abbildung 5: Screenshot eines Online-Tagebuchs
Quelle: Um die vom Autor gewünschte Anonymität dieses Online-Tagebuchs zu gewährleisten wurden alle
Hinweise auf die Identität des Bloggers unkenntlich gemacht. Auf eine Angabe der Webadresse wird
aus diesem Grund ebenfalls verzichtet.
Arbeit zitieren:
Matthias Back, 2007, Selbstdarstellung im Web 2.0 und ihre möglichen Konsequenzen, München, GRIN Verlag GmbH
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