Kurzfassung
Kurzfassung
Diese Hausarbeit gibt einen Einblick in die schwäbische Kultur. Da sich die gesamte Kultur jedoch nicht im geforderten Umfang darstellen lässt, mussten große thematische Einschrän- kungen vorgenommen werden. Zunächst erfolgt ein Einblick in die Geschichte und Herkunft des schwäbischen Volkes, der für das Verständnis der Kultur hilfreich ist. Der Inhalt dieser Arbeit konzentriert sich jedoch auf die Aspekte der Kultur, an denen der Unterschied zu ande- ren am deutlichsten hervortritt. Dies ist bei den Schwaben mit Sicherheit der Dialekt, zusätz- lich wurden die Traditionen und Vorurteile über Schwaben einer näheren Betrachtung unter- zogen, da dies die Ausprägung eines Gesamtbildes der Kultur ermöglicht.
Schlagwörter: Schwaben, schwäbisch, Kultur, Geschichte, Sprache, Dialekt, Mundart, Tradi- tionen, Vorurteile
Inhaltsverzeichnis 3
Inhaltsverzeichnis
Kurzfassung 2
Inhaltsverzeichnis .................................................................................................................... 3
1 Überblick Geschichte 4
1.1 Definitionen 4
1.2 Die Geschichte Schwabens 4
2 Sprache und Dialekt 6
2.1 Entstehung 6
2.2 Struktur 6
2.3 Funktionen eines Dialekts 6
2.4 Lokale und regionale Unterschiede des Dialekts 8
3 Traditionen 9
3.1 Schwäbische Traditionen 9
3.2 Funktionen von Traditionen 11
4 Vorurteile 12
4.1 Ursachen von Vorurteilen und Stereotypen 12
4.2 Bestehende Stereotype über Schwaben 12
Literaturverzeichnis 15
1 Überblick & Geschichte
1 Überblick & Geschichte
Eine Kultur wird durch sehr viele, komplexe Aspekte bestimmt. Es ist an dieser Stelle nicht möglich, jeden Aspekt in vollem Umfang zu betrachten, daher erfolgt die Konzentration auf jene Aspekte, an denen Unterschiede zu anderen Kulturen am deutlichsten in Erscheinung treten. Diese sind Sprache / Dialekt, Traditionen und Vorurteile über Schwaben. Als Hinter- grundinformation für das Verständnis der Kultur ist jedoch auch die Geschichte der Volkes hilfreich.
Zunächst soll kurz auf einige grundlegende Fragen zu diesem Thema eingegangen werden:
1.1 Definitionen
Was ist Schwaben? Was ist schwäbisch?
Definition laut Duden (1997):
− Schwabe, der; -n, -n: Einwohner von Schwaben.
− Schwaben: bayr. Landesteil.
− Schwaben, die; -: dtsch. Volksstamm in Württemberg, Name deutscher Siedler in Südost- europa.
Definition laut Microsoft Encarta (2004):
− Schwaben: ehemaliges Herzogtum, das den gesamten schwäbisch-alemannischen Sprach- raum umfasste: das Elsass, Südbaden, Württemberg, die deutschsprachige Schweiz, das bayerische Schwaben, Vorarlberg und Liechtenstein; benannt ist es nach den Sweben. − Schwaben (Regierungsbezirk): in Bayern mit dem Verwaltungssitz Augsburg. Die Fläche beträgt 9 993 Quadratkilometer, die Einwohnerzahl liegt bei etwa 1 700 000.
1.2 Die Geschichte Schwabens
Die Sweben, auch Sueben genannt, sind eine Gruppe westgermanischer Völker, der u. a. die Markomannen, die Quaden, die Alemannen und die Langobarden angehörten. Die auf Latein Suevi genannten Völker wurden erstmals im 1. Jahrhundert v. Chr. von Julius Caesar erwähnt, der sie allgemein östlich des Rheins beheimatet sah. Ursprünglich waren sie wohl an der Elbe nördlich der Mittelgebirge ansässig, daher stammt auch die Bezeichnung der „Elbgermanen“ für die Schwaben, und breiteten sich ab dem 2. Jahrhundert v. Chr. Richtung Süden und Süd- westen bis ins Maingebiet und nach Süddeutschland aus. Teile der Sweben gelangten unter ihrem Heerkönig Ariovist 58 v. Chr. bis nach Gallien, wurden dort allerdings von Julius Caesar zurückgeschlagen. Die direkten Vorfahren der Schwaben sind die Alemannen. Dies sind die Sweben, die sich im 3. bis 5. Jahrhundert n. Chr. im Südwesten Deutschlands ansiedelten. Suevia ist die lateinische Bezeichnung für Schwaben.
1 Überblick & Geschichte
Dieses Gebiet wurde 746 nach der Auflösung des älteren alemannischen Stammesherzog- tums in das Fränkische Reich eingegliedert. 917 setze sich in Schwaben Burchard I. durch und begründete das Herzogtum Schwaben neu. Mit der Einsetzung Friedrichs I. als Herzog von Schwaben 1079 etablierten sich für die nächsten knapp 200 Jahre die Staufer im Herzog- tum Schwaben. Die territoriale Auflösung des Herzogtums nach dem Tod des letzten Staufers 1268, kam vor allem den Grafen von Württemberg, wie auch den Habsburgern und der ers- tarkten Reichsritterschaft und den Reichsstädten zugute.
1376 wurde der Schwäbische Städtebund unter der Führung Ulms gegründet, um die Reichs- unmittelbarkeit gegenüber Kaiser Karl IV. zu wahren. Er sollte sich verpflichten die Städte nicht zu verpfänden oder zu verkaufen, keine überhöhten Steuern zu erheben, Privateigentum und Handel innerhalb des Bundes zu schützen und Frieden aufrechtzuerhalten. Dem Bund gehörten 89 Reichsstädte an. Karl IV. ächtete allerdings den Bund und 1388 wurde er von Graf Eberhard II. von Württemberg besiegt und löste sich letztlich ein Jahr später auf. Zur Sicherung des Landfriedens wurde im Februar 1488 ein weiterer Bund geschlossen – der Schwäbische Bund. Ihm gehörten 20 schwäbische Reichsstädte, der Graf von Württemberg, der Erzherzog von Tirol sowie weitere oberdeutsche Städte und Fürsten und schließlich auch Kaiser Maximilian I. an. Unter Maximilian I. wurde der Bund zum Instrument der Hauspolitik der Habsburger, die in Oberdeutschland reich begütert waren. Die Spitze des Bundes bestand aus einem Bundesrat, der sich aus Vertretern der Städte, der Ritter und der Fürsten zusam- mensetzte. Der Bund wurde zu einer bedeutenden politischen Macht, er vertrieb beispielswei- se 1519 den Herzog Ulrich von Württemberg nach dessen Bruch mit dem schwäbischen Bund. 1534 löste sich der Bund im Zug der Reformation aufgrund konfessioneller Spannungen zwischen seinen Mitgliedern auf.
Im Jahr 1495 wurde Württemberg zum Herzogtum erhoben. 1803 erhielt der Herzog von Würt- temberg den Rang eines Kurfürsten und 1806 die Königswürde.
1867 wurde sowohl Baden als auch Württemberg Mitglied des Norddeutschen Bundes, 1871 schlossen sich beide Länder dem Deutschen Reich an. Nach dem 1. Weltkrieg mussten die deutschen Fürsten abdanken. 1919 wurden der Freistaat Baden und die Republik Württem- berg ausgerufen und jeweils eigene Verfassungen verabschiedet. 1933, unter dem national- sozialistischen Regime, wurden die beiden Länder – wie auch die anderen deutschen Länder – mit dem Reich gleichgeschaltet.
Nach dem 2. Weltkrieg wurden Baden und Württemberg unter den Besatzungsmächten aufge- teilt und kontrolliert. 1946 wurden die amerikanisch kontrollierten Teile zu dem unabhängigen Land Württemberg-Baden zusammengeschlossen und 1947 wurde Südbaden ein eigenes Land. 1949 wurden alle Länder Teile der Bundesrepublik Deutschland. Nach einer Volksab- stimmung entstand 1952 aus den Ländern (Süd-)Baden, Württemberg-Baden und Württem- berg-Hohenzollern das heutige Bundesland Baden-Württemberg, obwohl sich die Mehrheit der Bevölkerung Badens gegen den Zusammenschluss aussprach.
(vgl. Encarta, 2004)
2 Sprache und Dialekt
2 Sprache und Dialekt
2.1 Entstehung
Dialekte sind regionale Sprachschichten, die im Vergleich zur Hochsprache eine geringere kommunikative Reichweite und einen geringeren geographischen Geltungsbereich besitzen. Grundlegend ist die Einteilung in hoch- und niederdeutsche Dialekte. Diese Unterscheidung geht zurück auf die Zweite Lautverschiebung (2.-6. Jahrhundert), von der das Niederdeutsche im Gegensatz zum Hochdeutschen nicht betroffen war. Die hochdeutschen Dialekte unterteilt man in mitteldeutsche und oberdeutsche; das Mitteldeutsche hat die Lautverschiebung nur teilweise, das Oberdeutsche hat sie vollständig durchgeführt. Zum Oberdeutschen gehören das Südfränkische, das Ostfränkische, das Bairische und das Alemannische, aus dem im 13. Jahrhundert das Schwäbische hervorgegangen ist.
(vgl. Encarta, 2004)
2.2 Struktur
Der schwäbische Dialekt erscheint wohl jedem Nicht-Schwaben als ein unverständliches Durcheinander unzusammenhängender Wortbruchstücke. Diese Vermutung ist jedoch voll- kommen falsch, denn auch hier gibt es bestimmte Regeln und eine Grammatik, nach welchen der Dialekt funktioniert:
− An viele Wörter, nicht nur an Substantive, wird ein „-le“ im Singular und ein „-la“ im Plural angehängt. Bsp: „Wir haben Häusla mit einem Gärtle drumrum, und wir trinken abends ge-
− Wie im Französischen werden alle Laute, auf die ein Nasal folgt, durch die Nase gespro- chen. Bsp. „Uf e’ma grea’ a’gstrichena A’läglesbänkle sitza dirfa, isch oi’m o’gmei’ a’gne’m.“ (Hochdeutsch: „Auf einer auf einer grün angestrichenen Parkbank sitzen zu dürfen, ist un- gemein angenehm.“) − Es gibt keine säuselnden, stimmhaften Laute. Diese werden alle gezischt ausgesprochen. Das Wort „sausen“ wird so gesprochen als würde man es mit zwei „ß“ geschrieben. „Genie“ spricht man so, als sei es mit „sch“ geschrieben. „Vakanz“, als stehe am Anfang ein „f“. − Jedes „s“ in den Lautgruppen „st“ und „sp“ wird nicht nur im Anlaut, sondern wenn sie auch im In- und Auslaut stehen, zu „sch“. Bsp: „Die beschte Mahlzeit ischt halt doch ein gutes
(vgl. Vogt, 1973)
2.3 Funktionen eines Dialekts
Der Gebrauch eines Dialekts kennzeichnet deren Sprecher als Teil einer Gruppe. Durch den Dialekt lassen sich Rückschlüsse auf die geographische, religiöse und ethnische Herkunft ziehen, die zu einer ersten Einschätzung der Identität des Gegenübers beitragen. Der Ge-
2 Sprache und Dialekt
brauch von Dialekten ist historisch bedingt, die einheitliche Hochsprache entstand erst durch das Schrifttum. In der gesprochenen Sprache waren die lokalen oder regionalen Dialekte üb- lich, die durch die zweite Lautverschiebung entstanden. Daher muss man die Funktionen von Dialekten auch im historischen Kontext betrachten, als die Dorfgemeinschaft noch eine sehr wichtige Rolle spielte und eine Kommunikation aufgrund geringer Mobilität selbst mit Nach- bardörfern oftmals eine Seltenheit darstellte und überregionale Kommunikation nur sehr weni- gen Menschen vorbehalten war.
Der Gebrauch eines gemeinsamen Dialekts, sowie auch das Praktizieren gemeinsamer Ritua- le und Traditionen, erzeugen ein Gefühl der Zusammengehörigkeit und Gleichartigkeit inner- halb einer Gruppe. Dies trägt zu einem altruistischen Sozialverhalten bei. Dadurch hat die Gruppe einen Vorteil gegenüber anderen Gruppen, die individuelle, gemischte Sprachen und Rituale haben, und in denen infolgedessen ein egoistischeres Sozialverhalten zu erwarten ist. Auf der anderen Seite ist es möglich, eine nicht zur Gruppe zugehöriges Individuum zu identi- fizieren. Da solche oft als „Störfaktor“ für den Dorffrieden betrachtet wurden, hatten sie es vor allem früher sehr schwer sich in die Gemeinschaft zu integrieren. Ein in die Gruppe eindrin- gendes Individuum bedeutet immer die Möglichkeit, dass neue Ideen und andere Ansichten, welche das Individuum vertritt, einen Teil der Gruppe überzeugen und damit eine Spaltung der Gemeinschaft eintritt. Dies bedeutet im historischen Kontext eine Schwächung der gesamten Gruppe gegenüber anderen Gruppen. Außerdem besteht die Möglichkeit, dass Aussagen und Gesten fehlerhaft interpretiert werden, da sie sich von der Bedeutung in der Herkunftsregion des Außenstehenden unterscheiden. Dies kann zu schweren Missverständnissen auf beiden Seiten führen.
(vgl. Payer, 2000a; Encarta, 2004)
Weiterhin sagt der Grad der Ausprägung des Dialekts etwas über den sozialen Status oder zumindest die Rolle, die der Sprecher gerne annehmen will, aus:
„Argumentiert man vom Einzelfall aus, so kann man bei der Feststellung bleiben, dass die Position auf der dialektalen Stufenleiter von Situation und Rolle ab- hängt [...]. Aber schon der Überblick über ganz wenige Fälle zeigt, dass die Wahl der Sprechrollen keineswegs völlig oder auch nur überwiegend ins Belie- ben des einzelnen gestellt ist; den Begriffen Situation und Rolle gliedern sich andere, sie bedingende Faktoren an. Auch von Sprechrollen gilt, dass jeder nur ein begrenztes Rollenrepertoire hat [...]. Sprachliches Verhalten äußert sich zwar grundsätzlich in Rollen und Situationen; aber durch sie hindurch werden die Bedingungen sichtbar, welche das Niveau der Situationen, die Enge oder Vielfalt der Rollen bestimmen. Diese Bedingungen sind verschiedener Art [...] : Berufszugehörigkeit und Bildungsgrad, Geschlecht und Alter, Prestige und Sachkenntnis." (Bausinger, 1978, S. 38) Der schwäbische Dialekt spielt im gesellschaftlichen Leben eine große Rolle: Wenn es nicht unbedingt sein muss, redet ein Schwabe kein Hochdeutsch. Ist er dazu gezwun- gen, so ist es jedoch fast unmöglich akzentfrei zu sprechen, genauso wie ein Hoch- deutscher niemals so Schwäbisch reden kann, dass er als Schwabe angesehen würde.
2 Sprache und Dialekt
Diesen Umstand nutzen auch immer mehr Politiker, die oft durch Gebrauch des Dia- lekts ihre Nähe zum Volk ausdrücken wollen, wie der Förderverein Schwäbische Spra- che herausgefunden hat. In einer Studie des Ludwig-Uhland-Instituts für empirische Kulturwissenschaft von Eckard Frahm mit dem Titel „Renaissance des Dialekts?“ wird festgestellt, dass der Gebrauch von Dialekten in Deutschland allgemein zurückgeht, im Süden jedoch sogar zunimmt.
(vgl. STN, 3/2004)
2.4 Lokale und regionale Unterschiede des Dialekts
Wie bei jeder Sprache existieren auch im Schwäbischen lokale und regionale Sprachräume in denen sich die Ausprägungen des Dialekts voneinander unterscheiden. Auch ein Außenste- hender bemerkt dies bald, trotz der Gemeinsamkeiten, die ihm auffallen. Es gibt eigentlich keine zwei Ortschaften, in Vokabular und Klangfarbe vollkommen übereinstimmen. Man kann jedoch grob drei Sprachregionen voneinander unterscheiden:
− Das Westschwäbische um die Nagold südlich von Calw, um den oberen Neckar westlich
von Tübingen und um die Donau bei Tuttlingen.
− Das Mittelschwäbische um den mittleren Neckar mit Stuttgart, um die Donau zwischen
Sigmaringen und Ehingen, und im Großteil von Oberschwaben.
− Das Ostschwäbische um die Oberläufe von Kocher und Jagst, die obere Rems, die Donau
von Ulm an abwärts und im Gebiet rechts der Iller, einschließlich der Lechschwäbischen.
(vgl. Vogt, 1973)
3 Traditionen
3 Traditionen
Tradition ist die Übernahme und Weitergabe von Sitten, Bräuchen, Konvention, Lebenserfah- rung und Institutionen. Außer dem Sparen, Spätzle schaben und „Schaffe, schaffe, Häusle baue“ gibt es auch noch weitere schwäbische Traditionen. Im Folgenden wird auf einige dieser genauer eingegangen.
3.1 Schwäbische Traditionen
Fasnet: Die schwäbische Fasnet besitzt einen religiösen Ursprung. Sie kommt aus unter- schiedlichen Landschaften, aus katholischen und protestantischen Gegenden und von den Zünften her. Es war das Fest der Reinigung. Man schüttelte sich den Winter aus dem Leib. Es wurden beispielsweise Strohpuppen verbrannt, Dämonen vertrieben und ein Narrenbaum aus dem Wald geholt. Fasnet kommt von Fastnacht und bezeichnete bis zum 13. Jahrhundert nur die Nacht vor Beginn der Fastenzeit. Im Laufe der Zeit verlängerte sich diese Zeit allerdings. Heute beginnt die Fasnet mit dem „Schmotzigen Dunschtig“, dem „Schmutzigen Donnerstag“. "Schmotzig" kommt aber nicht von "Schmutzig" sondern von "Schmotz", was auf Alemannisch "Fett“ oder „Schmalz" bedeutet. Am "Rußigen Freitag" wird versucht, Leuten das Gesicht zu schwärzen, am "Schmalzigen Samstag" werden Schmalzküchle gebacken und am "Rosen- montag" finden die Fasnachtsumzüge statt. Die Fasnet wird oft mit der Verbrennung der jewei- ligen Symbolfigur beendet. Die Narren sind immer mit einem warmen Kostüm, dem so ge- nannten „Häs“, bekleidet, bei dem meist Stofffetzen schuppen- oder dachziegelförmig an- geordnet sind. Jeder „Hästräger“ hat immer einen Gegenstand in der Hand mit dem sich Krach erzeugen lässt, z.B. eine Peitsche, Karbatsche, eine Rätsche, eine Saubloder oder eine Prit- sche. Außer dem Häs tragen die Narren eine Maske, die Larve genannt wird. Diese gibt es als lachende, weinende, glatte oder grausige Gesichter. Einen der schönsten Rosenmontagsum- züge gibt es wohl in Rottweil. Beim dem so genannten Narrensprung gibt es 2000 Narren die als „Gschellnarr“, „Federhannes“, dem eleganten „Schantle“ oder dem lächelnden „Fransend- kleidle“ verkleidet sind.
(vgl. Brecht, 2003; Dannegger, 2004; Rank, 2004)
Kehrwoche: Die Kehrwoche ist wohl ein unerschöpfliches Thema für alle Schwaben und alle „Neig'schmeckte“, sie ist eine typisch schwäbische Erfindung für das Ausspionieren der Nach- barschaft und puritanische Reinlichkeitsrituale. Die Kehrwoche entstand 1492, als Graf Eber- hard im Bart in der Stuttgarter Stadtordnung befahl: „Damit die Stadt rein erhalten wird, soll jeder seinen Mist alle Woche hinausführen, sonst darf der Spital ihn für sich holen lassen, Je- der seinen Winkel alle vierzehn Tage, doch nur bei Nacht, sauber ausräumen lassen und an der Straße nie einen Anlegen. Wer kein eigenes Sprechhaus hat, muss den Unrath jede Nacht in den Bach tragen“. In den nächsten Jahrhunderten wurde diese Verordnung oftmals geän- dert. So wurde zum Beispiel am 12. Januar 1714 die erste „Gassensäuberungs-Ordnung“ be- kannt gemacht und am 13. Juli 1740 wurde verordnet, dass Hausbesitzer mittels zweimaligem Kehren in jeder Woche die Straßen vor ihren Häusern Reinhalten mussten. Zur Kontrolle wur- den so genannte „Gasseninspektoren“ eingesetzt und es wurden Strafen für die Nichteinhal- tung der Gesetze auferlegt. Auch noch nach über 500 Jahren nach Einführung der Kehrwoche
3 Traditionen
wird in Schwaben jeden Samstag „Bäsa, Kudderschauffl, Schrubbr ond Oimr“ zur Hand ge- nommen und das Haus von innen und außen penibel gesäubert. Das Treppenhaus wird ge- wischt, der Hof, der Gehsteig und auch die Straße vor dem Haus wird gekehrt und der Müllei- mer ausgewaschen. Der schwäbischen Hausfrau kommt es allerdings nicht nur darauf an das Haus sauber zu halten, sondern auch alle Neuigkeiten der Nachbarschaft zu erfahren und „Klatsch und Tratsch“ weiterzugeben. Außerdem wird genau darauf geachtet, wie gründlich die Nachbarin die Kehrwoche durchführt, um dann Ratschläge und Verbesserungsmöglichkei- ten in Sachen Putztechnik zu geben. Typisch für die Kehrwoche in schwäbischen Mehrfami- lienhäusern sind die Kehrwochenschildchen. Ein Kehrwochenschild kreist regelmäßig unter den Partien eines Stockwerkes für die kleine Kehrwoche und ein Kehrwochenschild für die große Kehrwoche wandert regelmäßig von Tür zu Tür des gesamten Hauses. Schwaben achten sehr auf ihr Erscheinungsbild, deshalb ist es für sie die größte Freude, wenn die Nach- barn sagen: „Sie hend aber a schees Häusle!“ (vgl. Brecht, 2004; Mangold, 2003; Freudenberger, 1996)
Backhäusle: Die Geschichte der Backhäusle reicht bis ins 16. und 17. Jahrhundert zurück. In jedem schwäbischen Dorf gab es eines, indem die Hausfrauen regelmäßig ihre zu Hause vor- bereiteten Brote und Kuchen auf Holzfeuer backten. Es befand sich meistens in der Ortsmitte, da die Kirchenuhr für das Einhalten der Backzeiten sehr wichtig war und das Wasser des Dor- fes verwendet werden konnte. In den Backhäusle waren meist zwei Backöfen mit Zügen, eine Vorrichtungen zur Hitzeregulierung, eingebaut. Da das Backen in einem Backhäusle allerdings eine große Kunst ist, gab und gibt es auch immer noch eine „Backmeisterin“, die für einen reibungslosen Backvorgang zuständig war. Außerdem war sie zuständig für das Beschaffen und das Anheizen der Reisigbündel, das Einschießen und Herausnehmen der Brote und Ku- chen sowie das Reinigen und Sauberhalten des Ofens und des Backhauses. Zusätzlich ers- tellte sie einen Wochen-Backplan mit den entsprechenden Backzeiten. Für einen Backvorgang lagen die Gebühren früher bei ungefähr 75 Pfennig. Für das Backen sind manche Geräte, wie die „Kruck“ und der „Hudelwisch“, die „Einlaibschüssel“ und der „Ausnemmer“ wie auch Besen und „Kehrwisch“, unerlässlich. Die "Kruck" ist ein quer an einer Stange angebrachter Schieber aus Eisen, mit dem die Glut zusammengezogen und dann im Aschenkasten gesammelt wird. Der "Hudelwisch" ist meist ein ausrangierter Obstsack, der, um eine Stange gewickelt, in Wasser eingetaucht und dann zum Entfernen der Glutreste verwendet wird. Mit der "Einlaib- schüssel" ist eine Holz- oder Blechschüssel gemeint, die ebenfalls an einer Stange befestigt ist und zum Einschießen der Brotlaibe benötigt wird. Mit dem "Ausnemmer" holt man das Brot aus dem Ofen, mit dem Besen und dem Kehrwisch wird zum Schluss das Backhäusle gesäu- bert. Früher spielte der Aberglaube in sehr vielen Lebenslagen eine große Rolle, so auch beim Backen. Vor dem Einschießen der Brote wurden drei Ähren, ein altes Schutz- und Heilmittel, in den Ofen gelegt. Man glaubte, dass ein Familienmitglied oder ein Freund stirbt wenn ein Brotlaib beim Backen in der Mitte einen Riss bekommt, ein Riss auf der Unterseite des Laibs war dahingegen ein Zeichen für eine Hochzeit. Man durfte keinen Kuchen anschneiden solan- ge ein Brot im Ofen war, da es sonst Risse bekommen würde und ein Brotlaib durfte auch nicht auf den Rücken gelegt werden, da das angeblich Unglück bringt. Ein weiterer Aberglau- be war, dass es, wenn der Teig am Messer hängen bleibt, ein teures Jahr gibt. Leider gibt es heutzutage nicht mehr viele von den früheren schwäbischen Backhäusle. Allerdings werden
3 Traditionen
sie in einigen Gemeinden wieder stilgerecht restauriert und von traditionsbewussten und en- gagierten Dorffrauen in Betrieb genommen. Für die meisten Schwaben gibt es auch heutzuta- ge kein besseres Brot als das im Backhäusle frischgebackene Holzofenbrot.
(vgl. Brecht, 2004)
Kirbe: Mit der so genannten Kirbe wurde früher der Jahrestag der Kirchenweihe gefeiert. Die vielen verschiedenen Bezeichnungen für dieses Fest lassen erahnen wie alt es bereits ist: Kirchweih, Kirchwih, Kirchweiche, Kilchwyhe, Kilwihi, Kiliwi, Kilbik, Kirbana, Kirbene, Kürbe. Die erste Kirbe im Jahr war meist Mitte August, die letzte nach Allerheiligen und Allerseelen. In jedem Ort wurde früher die Kirbe gefeiert. Im Laufe der Zeit veränderten sich die Feste aller- dings. Die Feierlichkeiten verlagerten sich in den Herbst und wurden gleichzeitig auch Ernte- dankfeste. Während die älteren Leute die Kirbe immer noch als Siedlerfeste sahen, mit selbst- gebackenen Kuchen, Zöpfen, Kränzen, Gugelhupf, eigenen Weinen, Most und Vesper, wurde sie bei den jüngeren Generationen zu „Saukirben“, „Bauernkirben“, „Fresskirben“ und „Allwet- terkirben“ zu denen Jahrmärkte, Krämer- und Vergnügungsmärkte hinzukamen. Es wurden Böcke, Hammel und Schweine gebraten, es gab besonderes Gebäck und Kuchen. Ein Fest mit Kirbeliedern und Kirbetänzen. Die verschiedenen Kirben wurden so gelegt, dass keine Kirbe einer Gemeinde zur selben Zeit stattfand wie die einer anderen Gemeinde. Somit war gegeben, dass die Menschen jede Woche woanders feiern konnten. Die Menschen mussten ein unglaubliches Bedürfnis zu feiern haben. Am 30. März 1804 erließ Württembergs Kurfürst Friedrich II. eine Verordnung, nach der die Kirbe in ganz Württemberg am gleichen Tag, am dritten Oktobersonntag, gefeiert werden musste. Die Kirbe wurde mit dem „einknalle“, dem Peitschenknallen vor jedem Haus oder wurde am Vorabend mit dem „a’saufe“ eröffnet und ging von Samstag bis Montag. Wie auch die Fasnet wurde die Kirbe beerdigt: „Geschenke und Gaben, meist auch ein Hahn, wurden in die Erde gegraben“. Auch heute wird vielerorts noch die Kirbe mit Krämermärkten, Umzügen, Musik, Tanz und Tombola gefeiert.
(vgl. Freudenberger, 1996; Lohberg, 2004)
3.2 Funktionen von Traditionen
Unter Tradition versteht man die Weitergabe von Wissen, Vorstellungen, Aberglaube und Le- bensformen von einer Generation auf die Nächste, genauer betrachtet versteht man unter Tradition auch die Ansichten einer Gesellschaft zu wichtigen Themen, wie beispielsweise hei- lige oder religiöse Angelegenheiten oder Politik. Traditionen sind den Sitten ähnlich, dennoch kontrollieren und organisieren sie das gesellschaftliche Leben wesentlich stärker und einfluss- reicher als Sitten. Sie beeinflussen gesellschaftliche Regeln auf bestimmten Gebieten wie Familie, Recht, Religion und Politik. Beispiele für Sitten hingegen sind Willkommens- oder Verabschiedungszeremonien, Verhaltensweisen bei Feiertagen, Jahreszeiten oder bestimm- ten wichtigen Tagen wie auch Essens- und Trinkordnungen. Traditionen sind in manchen Fäl- len auch mit Gesetzen und Strafen verbunden (vgl. 3.1. Schwäbische Traditionen - Kehrwo- che).
4 Vorurteile
4 Vorurteile
Über die Schwaben bestehen zahlreiche Vorurteile, deren Auflistung mehrere Bücher füllt.
4.1 Ursachen von Vorurteilen und Stereotypen
Vorurteile oder Stereotypen beschreiben eine Kultur zwar nicht genau so, wie sie in Wirklich- keit ist, jedoch zeigen sie, wie diese von der Umwelt wahrgenommen wird. Sie haben daher eine gewisse Aussagekraft, da sie meistens hauptsächlich das fremdartige, spezielle der an- deren Kultur hervorheben. In dieser Arbeit werden sie daher näher untersucht und über die Ursachen nachgedacht. Es gibt positive Stereotype (z.B. die fleißigen Schwaben), negative Stereotype (z.B. die geizigen Schwaben), neutrale Stereotype (z.B. die Häuser bauenden Schwaben). Diese werden jedoch oft von verschiedenen Gruppen unterschiedlich beurteilt und variieren auch im Wahrheitsgrad.
(vgl. Payer, 2000b)
4.2 Bestehende Stereotype über Schwaben
Zunächst einige einleitende Zitate:
Die wohl bekanntesten Zitate über die Schwaben entspringen aus dem Volksmund: “Schaffe, schaffe, Häusle baue, ond net nach scheene mädle schaue!“, sowie “Wir können alles – außer Hochdeutsch!“ Friedrich Nietzsche in "Jenseits von Gut und Böse":
"Gutmütig und tückisch - ein solches Nebeneinander, widersinnig in bezug auf jedes ande- re Volk, rechtfertigt sich leider zu oft in Deutschland: man lebe nur eine Zeitlang unter Schwaben!" Fritz Rahn in "Der schwäbische Mensch und seine Mundart"
"In ihm [dem schwäbischen Stamm] sind die heftigsten Gegensätze zusammengespannt, oft treffen sich in ein und demselben Individuum äußerste Kühnheit mit befremdlicher Zag- haftigkeit, Rebellentum mit Philisterei, gewinnende Freundlichkeit mit verstimmender Räs- heit, Geschicklichkeit mit Tolpatschigkeit, Standfestigkeit mit Labilität, Mißtrauen mit Zutrau- lichkeit, Höhenflug mit Horizontlosigkeit." August Lämmle:
"Die seltsame Mischung von verschlossener Zurückhaltung und offenbarer Zutraulichkeit, von rechnerischem Scharfsinn und träumerischem Spintisieren, von innerer Religiosität und gänzlich mangelndem Autoritätsglauben, von verschimmelter Nesthockerei und verbisse- nem Wandertrieb, von unglaublicher Philisterhaftigkeit und offenem Weltsinn - diese Mi- schung hat eine Vielseitigkeit von Gestalten und Leistungen hervorgebracht, die als Ge- meinsames das Ungewöhnliche haben." (vgl. Brecht, 2004)
4 Vorurteile
Im Folgenden werden die Stereotype über das schwäbische Volk einzeln dargestellt, überprüft und nach den Ursachen geforscht:
– Der Schwabe als Arbeitswütiger
Oftmals wird der Schwabe aus arbeitswütiger Tüftler dargestellt, was durchaus nicht unbe- rechtigt ist. Baden-Württemberg ist sehr stark industrialisiert und viele große internationale Konzerne wie DaimlerChrysler, Porsche, Bosch oder HP haben hier ihren Hauptsitz. Des- halb gibt es hier viele Arbeitsplätze und die bundesweit niedrigsten Arbeitslosenquoten. Ih- ren Ruf als Tüftler erhielten die Schwaben, da viele aus der Region stammende Personen für Schlüsselerfindungen verantwortlich waren, welche die ganze Welt veränderten. Um nur einige zu nennen: Robert Bosch, Gottlieb Daimler, Albert Einstein, Graf Zeppelin, Johannes Kepler, Jacob Fugger, ... Historisch kann man dies folgendermaßen begründen: Das Land, in dem die Schwaben siedelten, hatte nur extrem wenige Bodenschätze und Rohstoffe zu bieten. Deshalb stellte das Handwerk, abgesehen von der Landwirtschaft, schon immer ei- ne der tragenden Wirtschaftssäulen dar. Da der Handel mit anderen Regionen aufgrund der Entfernung zu den großen Handelsstraßen keine große Rolle spielte, musste oft vieles selbst hergestellt oder eben erfunden werden. Wenn der Schwabe etwas macht, dann sehr detailliert und präzise, „entweder richtig oder gar nicht“. Dies spiegelt sich wider in der ho- hen Qualität der hier produzierten Waren, die international anerkannt ist.
– Der Schwabe als Sparer
Den Schwaben wird of nachgesagt, sie seien geizig, wobei sie sich selbst lieber als spar- sam bezeichnen. Dies hängt wiederum mit den Eigenschaften der Landschaft zusammen: es gab weder Rohstoffe noch nennenswerte Industrie, die Landwirtschaft im Schwarzwald und auf der Alb gestaltete sich schwierig und führte immer wieder zu schweren Hungersnö- ten. Deshalb herrschte ein permanenter Zwang zum Sparen, sodass auch Dürreperioden überlebt werden konnten. Man kann dies beispielhaft an der Einteilung in Werktags- und Sonntagsessen und –kleidung erkennen, die heute jedoch nicht mehr so präsent ist wie noch vor 50 Jahren. Sparsamkeit wird heute als Tugend betrachtet, die nicht mit dem Zwang zum Sparen, sondern mit dem Willen begründet wird. So kann man immer wieder beobachten, dass selbst reiche Leute, derer es hier nicht wenige gibt, sehr zum Sparen neigen („Von den Reichen lernt man das sparen.“). Das größte Gräuel für den Schwaben ist die Verschwendung, und am besten ist alles „wenn’s omasonschd isch“, nichts kostet.
– Der Schwabe als Bauer
Oft werden die Schwaben, nicht zuletzt aufgrund ihres Dialekts, als ein Volk von Bauern angesehen, die an allem herumnörgeln. Bis in die fünfziger Jahre hielt die althergebrachte Idylle "Leiterwagen mit Kuh" an, danach begann das Zeitalter der Mechanisierung und der Chemisierung in der Landwirtschaft, die eine Steigerung der Effizienz und damit einen Rückgang der Anzahl landwirtschaftlicher Betriebe zur Folge hatte. Heute arbeiten von 1000 Menschen in Baden-Württemberg 561 im Dienstleistungsbereich, 431 in der Industrie und nur 8 (!) in der Landwirtschaft, sodass das Bild vom Schwaben als Bauern vollkommen falsch und unberechtigt ist.
4 Vorurteile
– Der Schwabe als Heimatfreund und Weltbürger
“Zwischen Bremen und Neapel, zwischen Wien und Singapore habe ich manche hübsche Stadt gesehen... Die schönste Stadt von allen aber, die ich kenne, ist Calw an der Nagold, ein kleines, altes schwäbisches Schwarzwaldstädtchen.“ Dieses bekannte Lob von Her- mann Hesse für seine Heimatstadt ist sehr bezeichnend für die Ambivalenz der Schwaben. Einerseits wollen sie nicht immer in ihrer Heimat bleiben und bereisen Orte auf der ganzen Welt, aber meistens doch nur, um dort wieder festzustellen, dass es zu Hause am schöns- ten ist. In Baden-Württemberg existieren zahlreiche Heimatvereine (z.B. der Schwäbische Albverein mit über 100.000 Mitgliedern), die sich um die Konservierung von Bräuchen und Traditionen kümmern.
Andererseits ist Baden-Württemberg ein sehr multikulturell geprägtes Land: hier leben ca. 1,3 Mio. Ausländer, die 12,2% der Bevölkerung darstellen, Stuttgart hat einen Ausländeran- teil von 24,3%. Die Verbindungen der Wirtschaft umfassen die ganze Welt, Baden- Württemberg ist sehr stark vom Export und damit von der Kommunikation mit anderen Kul- turen abhängig. Vor allem die Region und Stadt Stuttgart sind sehr international geprägt durch die Geschäftswelt und Messen, so erscheint Besuchern die Stadt oft als „amerika- nischste Stadt“ außerhalb Amerikas, was mit Sicherheit auch auf die langjährige amerikani- sche Besatzung zurückzuführen ist.
Wie alle anderen Deutschen sind auch die Schwaben ein reiselustiges Volk, jedoch versu- chen sie meistens den Urlaub nicht nur dem Zweck der Entspannung zu widmen, sondern irgendetwas sinnvolles, lohnenswertes zu erreichen, etwas zu „schaffen“. Mit Claude Dor- nier und Graf Zeppelin haben sie auch zu den Erfindungen beigetragen, die uns heute schnelle Reisen in die Ferne ermöglichen. Eine weitere Rolle spielt auch der Kapitaltouris- mus nach Luxemburg und in die Schweiz, wo die Schwaben gerne ihr Erspartes anlegen.
– Der Schwabe als Häuslesbauer
Schon im berühmten Zitat über die Schwaben „Schaffe, schaffe, Häusle baue...“ ist eine weitere Eigenart der Schwaben beschrieben: der Drang, ein Haus zu errichten scheint hier besonders ausgeprägt zu sein. So wird of ein Leben lang gespart, bis man sich seinen Traum erfüllen kann. Dies kann man auch daran erkennen, dass Baden-Württemberg die meisten Bausparkassen und mit Abstand die höchsten Vertragssummen und Bauspargu- thaben in der Bundesrepublik haben. Auf dem Land wohnt fast jeder zweite im eigenen Haus oder in der Eigentumswohnung. Trotz alledem bedeutet der Schritt zum Eigenheim den jahrzehntelangen Verzicht auf weltliche Freuden. Der Urlaub wird prinzipiell zum "schaffen" genommen. Um Miete zu sparen wird dann schließlich noch ins halbfertige Haus eingezogen, aber man hat es geschafft, man ist Eigentümer und Hausbesitzer. Schließlich gilt die Lebensweisheit: „Ein Mann sollte im Leben drei Dinge tun: einen Sohn zeugen, ei- nen Baum pflanzen und ein Haus bauen.“
(vgl. Brecht, 2004; Napf, 1994; SLBW, 2004)
Literaturverzeichnis
Literaturverzeichnis
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Arbeit zitieren:
Dipl.-Infw. (FH) Philipp Schneider, Katrin Grimm, 2004, Schwäbische Kultur, München, GRIN Verlag GmbH
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